Astronomie von der Frühgeschichte bis zur Neuzeit/ Kalenderführung
Ein Kalender zählt Tage, Wochen, Monate, Jahreszeiten und Jahre. Viele Indizien deuten darauf hin, dass diese Zeiteinheiten bereits in der Steinzeit verwendet und gezählt wurden, und dass hierbei auch astronomische Phänomene beobachtet wurden.
Die vier Jahreszeiten
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Die Aufteilung eines Sonnenjahres in die vier aufeinanderfolgenden Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter ergibt sich zwanglos aus der Beobachtung des Sonnenlaufs:
| Jahreszeit | Sonne |
|---|---|
| Frühling | Tag-und-Nacht-Gleiche |
| Sommer | Sommersonnenwende |
| Herbst | Tag-und-Nacht-Gleiche |
| Winter | Wintersonnenwende |
Dass der Frühling häufig als erste Jahreszeit gezählt wird, hängt vermutlich damit zusammen, dass sich die Attribute der Jahreszeiten in einem Lebenszyklus widerspiegeln:
| Jahreszeit | Attribute |
|---|---|
| Frühling | Saat, Blüte, Geburt |
| Sommer | Wachstum, Wärme, Helligkeit |
| Herbst | Reife, Ernte |
| Winter | Tod, Kälte, Dunkelheit |
→ Siehe auch Die vier Königssterne.
→ Siehe auch Bedeutung der Vier in Religionen.
Der Frühlingsbeginn
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Der astronomische Frühlingsbeginn ist als der Zeitpunkt im Frühjahr definiert, an dem die Sonne an jedem Punkt der Erde (außer an den beiden Polen) genau im Osten aufgeht und genau im Westen untergeht. An diesem Tag befindet sich die Sonne in ihrem → Frühlingspunkt, und sie steht zwölf Stunden oberhalb und zwölf Stunden unterhalb des Horizonts. Deswegen wird dieser Zeitpunkt auch Tag-und-Nacht-Gleiche genannt. Ein halbes Jahr später, beim astronomischen Herbstbeginn, steht die Sonne in ihrem Herbstpunkt und es herrscht erneut eine Tag-und-Nacht-Gleiche, jedoch werden die Tageslichtperioden im Gegensatz zum Frühling nun nicht länger, sondern kürzer.
→ Siehe auch Osterdatum / Der Frühlingsbeginn.
Schon im Altertum bestand im Dreiländereck von Deutschland, der Schweiz und Frankreich die Möglichkeit der zeitlichen Orientierung und der Bestimmung der Tag-und-Nacht-Gleichen anhand eines Systems von fünf Berggipfeln, die Belchen genannt werden:
→ Siehe Das Belchen-System.
Das Osterdatum
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Das Osterdatum ist mit dem ersten Auftreten eines Vollmonds nach dem Frühlingsbeginn verknüpft. Dies orientiert sich an Jahrtausende alten sumerischen Schaltregeln, die für die Führung von Lunisolarkalendern mit zwölf Monaten entwickelt wurden. In bestimmten Jahren wurde nach den zwölf regulären Monaten ein weiterer Monat eingeschaltet, damit das Kalenderjahr mit dem Sonnenjahr synchronisiert werden konnte und der Frühlingsbeginn wieder im ersten Monat des Kalenderjahres lag. Beim sumerischen Lunisolarkalender war der erste Tag eines Monats mit dem Auftauchen der Mondsichel des Mondes nach Neumond, dem sogenannten Neulicht, verknüpft. Deswegen trat der nachfolgende Vollmond stets am 15. Tag des Monats auf.
Im gregorianischen Kalender liegt der Frühlingsbeginn um den 20. März. Das Osterfest wird in der Regel an dem Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert.
→ Siehe Osterdatum.
Das Sonnenjahr
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In der Astronomie ist mit dem Sonnenjahr im Allgemeinen die Zeitdauer gemeint, die die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne benötigt. Bei genauerem Differenzieren können die folgenden Fälle unterschieden werden:
- Das tropische Jahr ist der Zeitraum, in welchem die mittlere Länge der Sonne um 360° zunimmt, also zum Beispiel von einer Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling bis zur nächsten. Dies berücksichtigt die langfristige Verschiebung des Frühlingspunkts auf der Ekliptik.
- Das siderische Jahr ist der Zeitraum, in welchem die Sonne von der Erde aus gesehen wieder den gleichen Fixstern erreicht. Es berücksichtigt als nicht die Verschiebung des Frühlingspunktes und dauert demzufolge rund zwanzig Minuten länger als das tropische Jahr.
- Das anomalistische Jahr ist der Zeitraum, in welchem die Erde erneut ihren sonnennächsten Punkt (das Perihel) erreicht. Durch die Periheldrehung der Erdbahn ist dieses Jahr um knapp fünf Minuten länger als das siderische Jahr.
Schalttage
[Bearbeiten]In modernen Sonnenkalendern besteht das Problem, dass der Umlauf der Erde um die Sonne nicht synchron mit der Rotation der Erde um ihre eigene Achse erfolgt. Zum Ausgleich der entsprechenden Differenz muss ungefähr alle vier Jahre ein Schalttag eingeführt werden, der nach dem ursprünglich letzten Tag des Jahres, dem 28. Februar, als 29. Februar eingeschaltet wird.
Die ursprüngliche Reihenfolge der Monate beruht wie bei den meisten Lunisolarkalendern darauf, das das Jahr nach dem Winter in dem Monat der Tag-und-Nacht-Gleiche beginnt, also mit dem März. Deswegen heißen der ursprünglich siebente, achte, neunte und zehnte Monat auch heute noch nach den lateinischen Zahlwörtern September, Oktober, November und Dezember. Bei der Einführung des Julianischen Kalenders unter dem römischen Kaisers Gaius Iulius Caesar im Jahr 45 vor Christus wurden die beiden letzten Monate des Jahres Januar und Februar an den Jahresanfang gesetzt, so dass die Kalenderjahre nunmehr mit dem Neujahrstag am 1. Januar begannen.
→ Siehe auch Vergleich von Jahreslängen.
Das Mondjahr
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Der Monat
[Bearbeiten]→ Siehe Mondzyklen / Monat
Die Siebentagewoche
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Die jeweils sieben Wochentage der vier Mondphasen sind nach den sieben Wandelgestirnen benannt. Alle sieben seit jeher mit bloßem Auge zu sehenden und gegenüber dem Sternhimmel beweglichen Gestirne bewegen sich von der Erdoberfläche aus gesehen scheinbar entlang der Ekliptik um die Achse zwischen den beiden Ekliptikpolen. Schon in der größten griechischen Stadt Böotiens, Theben, der Stadt der sieben Tore, sollen vor fast 3000 Jahren die sieben Stadttore diesen sieben Wandelgestirnen in der Reihenfolge der Wochentage zugeordnet gewesen sein. Möglicherweise war diese Reihenfolge von den phönizischen Gründern der Stadt mitgebracht worden.[1]
Diese sieben Himmelsobjekte, die sich gegenüber dem Fixsternhimmel je nach den Entfernungen von der Erde und von der Sonne mehr oder weniger schnell bewegen, sind im Folgenden angegeben. Die Tatsache, dass sie nur über ihre (siderischen) Umlaufzeiten geordnet in einem Heptagramm dargestellt werden können, das ausgehend von der oben dargestellten Sonne die bekannte Reihenfolge der Wochentage ergibt, ist ein Indiz dafür, dass die Kenntnis aller Umlaufzeiten eine Voraussetzung für diese Reihenfolge ist:
- Die sieben Himmelskörper der Wochentage
-
Wochentagsheptagramm und Tabella Regiminis Planetarum ("Tabelle der Lenkung der Planeten") von Athanasius Kircher in dessen Ars Magna Lucis et Umbrae von 1645. "Dies" = "Tag", "Noctis" = "Nacht", "sive" = "oder", "Feria" = "Wochentag"
-
Die sieben den gegenüber dem Fixsternhimmel beweglichen Himmelskörper und deren Zuordnungen zu den Wochentagen in der Darstellung eines Heptagramms, das mit dem Mond beginnend entgegen dem Uhrzeigersinn und aufsteigend nach den siderischen Umlaufzeiten angeordnet ist. Die Sonne befindet sich oben.
Die Siebentagewoche und die Bezeichnungen der sieben Wochentage gehen also auf diese sieben Himmelskörper zurück. Die Sonne ist mit großem Abstand das hellste dieser Himmelsobjekte, und außer ihr kann nur der Mond zu allen Tageszeiten am Taghimmel gesehen werden. Auch die Planeten sind als kleine leuchtende Scheibchen sichtbar, deren Durchmesser ist jedoch so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht als flächenhaft wahrgenommen werden können.
→ Siehe auch Mondzyklen.
Schaltmonate
[Bearbeiten]Die Mesopotamier führten schon seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend einen Lunisolarkalender mit zwölf synodischen Monaten. Der synodische Monat - von Neumond zu Neumond - hat eine Länge von 29,530589 Tagen. Wegen der Differenz zwischen tropischem Jahr und dieser Mondperiode wurden innerhalb einer Meton-Periode von neunzehn Jahren insgesamt sieben Schaltmonate jeweils am Ende eines entsprechenden Jahres nach dem zwölften Monat Addaru als dreizehnter Monat Addaru II eingeschoben, um den → Frühlingspunkt im ersten Monat des Jahres halten zu können. Nach zwölf synodischen Mondperioden wurde das elftägige → Neujahrsfest Akiti gefeiert, um die Differenz zwischen Mondjahr und Sonnenjahr zu überbrücken. Dieser babylonische Lunarkalender wurde später von den Juden übernommen.
→ Siehe auch Plejaden / Schaltregeln.
Der Zählknochen aus dem Vercors
[Bearbeiten]In der Grotte de Thaïs im französischen Vercors wurde ein über 12000 Jahre alter Zählknochen gefunden, mit dem vermutlich der Mondzyklus verfolgt wurde. Es gibt mehrere Reihen mit Ritzungen, die den täglichen Mondphasen eines synodischen Monats entsprechen. Einige dieser Reihen sind sogar auf sinusförmigen Bögen, so dass eventuell sogar die bei aufmerksamer Beobachtung leicht zu bemerkenden aufsteigenden und abfallenden Mondknoten festgehalten wurden:

Frühgeschichtliche Observatorien
[Bearbeiten]Frühgeschichtliche Bauwerke stehen für sich, da es keine schriftlichen Zeugnisse aus ihrer Entstehungs- und Nutzungszeit gibt. Anhand von astronomischen Indizien können Mutmaßungen über ihren Verwendungszweck ermittelt werden. Häufig handelt es sich um Tempelanlagen oder Kreisgrabenanlagen. Anhand des Wasserspiegels im Kreisgraben konnte an jeder Stelle die Horizontale bestimmt werden. Somit war es auch ohne großen Aufwand möglich, die Höhen der Oberkanten von Steinsäulen oder von Palisaden auszurichten und anzugleichen.
Die Grubenanlage in Aberdeenshire
[Bearbeiten]Die Entwicklung der Fähigkeit, Zeit zu messen, dürfte zu den wichtigsten Errungenschaften menschlicher Gesellschaften zählen. Die in Aberdeenshire in Schottland ausgegrabene, insgesamt fast einhundert Meter langgestreckte Grubenanlage bei Warren Field östlich von Crathes Castle, direkt nördlich vom Castle Driveway Path sowie westlich vom dortigen Mühlenteich wurde auf das 8. Jahrtausend vor Christus datiert und scheint zur Führung eines Kalenders gedient zu haben. Die Gruben befinden sich auf ungefähr 50 Meter Höhe über dem Meeresspiegel an einer markanten topografischen Stelle, die mit dem Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende und den Mondwenden in südöstlicher Richtung zum zirka sechs Kilometer entfernten, 230 Meter hohen Slug Road Pass (Straße A957) in Verbindung gebracht wird. Ferner scheinen diese Gruben auch mit den von dort zu beobachtenden Mondphasen korreliert zu sein. Es deutet vieles darauf hin, dass schon damals die Steinzeitmenschen in Schottland sowohl das Bedürfnis als auch die Fähigkeit hatten, die Tage innerhalb eines Monats und eines Jahres zu zählen und mitzuverfolgen.[2]
Goseck
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Vermutlich wurden viele Kreisgrabenanlagen im Altertum auch für die Beobachtung von Auf- und Untergängen verwendet. Hierbei ergibt sich, dass der Sonnenaufgang jahreszeitlich um den Punkt im Osten und der Sonnenuntergang um den Punkt im Westen pendelt. Der Sonnenhöchststand wird jeden Tag bei der Kulmination der Sonne auf dem südlichen Meridian erreicht, so dass die Schatten genau dann während des betreffenden Tages stets am kürzesten sind. Zu den beiden Sonnenwenden werden im Sommer der größte Tagbogen und im Winter der kleinste Tagbogen erreicht. Dies gilt unabhängig von der Epoche und der Lage des Frühlingspunktes auf der Ekliptik, da der Frühlingspunkt ja zu jeder Epoche genau als der Punkt auf der Ekliptik definiert ist, in dem die Sonne bei der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühjahr steht.
Zum Frühlings- und Herbstbeginn, wenn es eine Tag-und-Nacht-Gleiche gibt, geht die Sonne im Horizontsystem also jeweils senkrecht zum südlichen Meridian im Osten auf und im Westen unter. Es ist interessant, dass bei einer der ältesten Kreisgrabenanlagen, die seit einigen Jahren in Goseck in Sachsen-Anhalt rekonstruiert ist, der Sonnenaufgang bei der Tag-und-Nacht-Gleiche aus der Mitte der Anlage gesehen exakt auf dem geometrischen und gleichzeitig auch auf dem natürlichen Horizont stattfindet. Dies bedeutet, dass sich die Sonne um sechs Uhr morgens bei einer Höhe von 0 Bogengrad (Zenitdistanz = 90 Bogengrad) und bei einem Azimut von 90 Bogengrad befindet:
Die Kreisgrabenanlage von Goseck liegt in Sachsen-Anhalt ist fast 7000 Jahre alt. Sie hat einen Durchmesser von 75 Meter und konnte zur Beobachtung des Sonnenzyklus verwendet werden. Die Anlage wurde 1991 entdeckt und 2005 rekonstruiert.[3]
In dem leicht hügeligen Gelände weist der Blick des Beobachters von der Mitte der Anlage in Richtung Osten (Azimut 90°) sowohl genau auf den natürlichen Horizont als auch auf den geometrischen Horizont, also exakt im rechten Winkel zur Zenitrichtung (Zenithöhe 90°) und genau auf den Aufgangspunkt der Sonne am Morgen der Tag-und-Nacht-Gleichen:

- 360°-Panorama im Zentrum der Kreisgrabenanlage Goseck
-
Rekonstruierte Anlage eine gute Stunde vor Sonnenuntergang am 3. Februar 2015.
→ Siehe auch Der Horizont.
Ferner ist auffällig, dass die Anlage in leicht abschüssigem Gelände errichtet wurde. Die höchste Erhebung befindet sich exakt in südlicher Richtung, wo das Gelände in rund 600 Metern Entfernung zwanzig Meter höher ist als in der Mitte der Kreisgrabenanlage. Hieraus resultiert, dass der natürliche Horizont hier ungefähr zwei Bogengrad über dem geometrischen Horizont liegt, sofern keine Bäume die Sicht auf den natürlichen Horizont verwehren. Dies reichte trotz der → Extinktion von Licht in der Atmosphäre aus, um alle Himmelskörper mit einer scheinbaren Helligkeit von mindestens einer Magnitude bei der oberen Kulmination auf dem südlichen Meridian beobachten zu können. Solche Anlagen waren nicht nur für die Beobachtung des jährlichen Sonnenlaufs, sondern insbesondere auch für die zuverlässige und langfristige Beobachtung der → Mondwenden hilfreich und von großer Bedeutung.
In den folgenden Jahrtausenden wurden in Europa zahllose weitere Kreisgrabenanlagen errichtet
Bochow
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Die Kreisgrabenanlage von Bochow südlich von Jüterbog in Brandenburg wurde im Mittelneolithikum vor rund 6700 Jahren errichtet.[4] Auch bei dieser Anlage war der nordöstliche Eingang in Richtung zum Sonnenaufgang am Tag der Sommersonnenwende angelegt.
Mnajdra
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Die beiden großen Tempel der steinzeitlichen Anlage von Mnajdra an der südlichen Küste der Mittelmeerinsel Malta waren so ausgerichtet, dass sie für die Beobachtung des Sonnen - und Mondlaufs eingesetzt werden konnten. Der ältere kleine Tempel ist zirka 5800 Jahre alt und hat einen interessanten → Kalenderstein mit Lochreihen, die darauf hindeuten, dass hier der 19-jährige → Meton-Zyklus beobachtet wurde.
Der südliche Tempel von Mnajdra an der Südküste Maltas ist zum östlichen Horizont ausgerichtet und konnte als Beobachtungs- und als Kalenderstätte genutzt werden. Zu den Tag-und-Nacht-Gleichen (Äquinokitien) fällt das Sonnenlicht entlang der Hauptachse durch das Haupttor des Tempels. Zu den Sonnenwenden (Solstitien) fällt das Sonnenlicht auf die Ränder der Stelen links und rechts von der Hauptachse.[5]
Im alten nordwestlichen Teil der Tempelanlage wurde ein über 5000 Jahre alter Kalenderstein gefunden, mit dem ein langjähriger Mond-Sonnen-Kalender geführt werden konnte. Die Anzahl der Löcher in den jeweiligen Reihen sind zum Abzählen verschiedener astronomischer Zyklen verbunden:
- 19 Löcher: Für die 19 Jahre eines Meton-Zyklus' (235 synodische, 255 drakonitische, 254 siderische Monate beziehungsweise 6940 Tage). Nach dieser Zeit hat der Mond wieder die gleiche Mondphase, die gleiche ekliptikalen Breite und die gleiche ekliptikale Länge (zum Beispiel im Frühlingspunkt).
- 16 Löcher: Für die 16 Tage vom Altlicht des Mondes bis zum Vollmond.
- 13 Löcher: Für die 13 Tage vom Vollmond bis zum nächsten Altlicht.
Nach dieser Zeit hat der Mond wieder die gleiche Mondphase erreicht.
- 7 Löcher: Für die 7 vollständigen Tage eines Mondviertels respektive einer Woche. Links daneben drei Löcher zum Wochenübertrag für die bereits vollendeten Mondviertel in einem laufenden Monat.
- 25 Löcher: Für die jeweils 25 zu- oder abnehmenden Monde in einem Sonnenjahr.
- 11 Löcher: Für die 11 überzähligen Tage in einem Sonnenjahr im Vergleich zu den zwölf synodischen Monaten eines Mondjahres
- 53 Löcher: Für die begonnenen 53 Siebentagewochen in einem Sonnenjahr.
→ Siehe auch Kalenderstein vom Tempel Mnajdra.
Für die Beobachtung der ekliptikalen Mondhöhen im Frühlingspunkt konnte in damaliger Zeit (Tarxien-Epoche) auch die mindestens 4500 Jahre alte Himmelstafel aus Kalkstein verwendet werden, die in einem anderen maltesischen Tempel in Tal-Qadi gefunden wurde.
→ Siehe auch Die Himmelstafel von Tal-Qadi.
Stonehenge
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Die mit Abstand bekannteste prähistorische Anlage in England ist Stonehenge. Das erste Bauwerk in Stonehenge entstand vor rund 5000 Jahren, hatte einen Durchmesser von rund 115 Metern und bestand aus einem kreisförmigen Wall mit einem ihn umfassenden Graben. Direkt innerhalb des Walls von Stonehenge lag ein Kreis aus 56 Löchern mit regelmäßigen Abständen, die nach ihrem Entdecker John Aubrey Aubrey-Löcher genannt werden.
Pömmelte
[Bearbeiten]Die Kreisgrabenanlage von Pömmelte wurde vor rund 4000 Jahren aus Holzpalisaden errichtet und hat eine auffällige und verblüffende Ähnlichkeit mit den Steinkreisen aus Stonehenge. Sie wurde 1991 entdeckt und 2016 rekonstruiert.
- Prähistorische Kreisgrabenanlagen
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Plan des ältesten Steinkreises von Stonehenge mit den 56 Aubrey-Löchern.
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Kreisgrabenanlage Pömmelte vom Aussichtsturm mit Blick in Richtung Nordwesten.
- 360°-Panorama im Zentrum der Kreisgrabenanlage Pömmelte
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Rekonstruierte Anlage
Yazılıkaya
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Yazılıkaya (türkisch für „beschriebener Fels“) ist ein Felseort in der Türkei der für seine Felsentempel und rituellen Skulpturen aus der Hethiterzeit vor zirka 4100 bis 3200 Jahren bekannt ist. Es liegt zwei Kilometer nordöstlich der damaligen Hauptstadt Ḫattuša in der türkischen Provinz Çorum beim heutigen Ort Boğazkale.
Die Steinreliefs stellen Götter und mythologische Szenen dar. Die Felsinnenwände zeigen eine Prozessionsdarstellung mit einer Gemeinschaft von Göttern, oft in Reihen hinter einem Tempel- oder Kultplatz. Die monumentalen Relieftafeln betonen Ordnung, Hierarchie und kosmische Ordnung, typisch für hethitische Religion und Kultaktivitäten. Einige Forscher vermuten, dass die Positionen bestimmter Reliefs, Nischen oder Prozessionstüren auf Licht- und Schattenwechsel rund um Sonnenaufgang beziehungsweise Sonnenuntergang zielen, um bestimmte Jahreszeiten identifizieren zu können. Die Orientierung der Felsräume könnte Bezüge zu den Sonnenwenden oder Tagundnachtgleichen haben. Yazılıkaya bietet ein Beispiel dafür, wie antike Religion und Astronomie miteinander verknüpft gewesen sein könnten.[6]
Papoura
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Auf dem fast 500 Meter hohen Berg Papoura (griechisch: Παπούρα) auf der griechischen Insel Kreta befindet sich eine große minoische Anlage mit acht konzentrischen Kreisen und einem Durchmesser von 48 Metern. Die Anlage wurde im Juni 2024 entdeckt und auf die Altpalastzeit zwischen 2000 und 1700 vor Christus datiert.[7]
In südlicher Himmelsrichtung reicht der freie Blick vom Gipfel aus in den Himmel über dem Libyschen Meer. Dort konnte die obere Kulmination von hellen Sternen auf dem südlichen Meridian auch in sehr geringen Höhen beobachtet werden, so wie zum Beispiel seit gut 4000 Jahren die des Sterns Canopus.
→ Siehe auch Kreta / Papoura.
Einzelnachweise
[Bearbeiten]- ↑ Real-Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, 17. Band, Wilhelm Lotz : Kapitel Woche, Seite 255, Johann Conrad Hinrichs'sche Buchhandlung, Leipzig, 1886
- ↑ Gaffney, V., Fitch, S., Ramsey, E., Yorston, R., Ch'ng, E., Baldwin, E., Bates, R., Gaffney, C., Ruggles, C., Sparrow, T., McMillan, A., Cowley, D., Fraser, S., Murray, C., Murray, H., Hopla, E. and Howard, A.: Time and a Place: A luni-solar 'time-reckoner' from 8th millennium BC Scotland, Internet Archaeology 34, 2013
- ↑ Oliver Dietrich: Opferstätte und astronomisches Observatorium. Neue Erkenntnisse zur mittelneolithischen Kreisgrabenanlage von Goseck, Informationsdienst Wissenschaft, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt - Landesmuseum für Vorgeschichte, 8. August 2023
- ↑ Michael Meyer: Die mittelneolithische Kreisgrabenanlage von Bochow, Landkreis Teltow-Fläming. In: W. de Bruyn (Herausgeber), Georadar und andere zerstörungsfreie Untersuchungsmethoden von Bodendenkmälern. Grenzen und Möglichkeiten. Internationale Fachtagung in Storkow (Mark), Neuenhagen, 2005, Seiten 163-174.
- ↑ Tore Lomsdalen: Is There Evidence of Intetionality of Sky Involvement in the Prehistoric Megalithic Sites of Mnajdra in Malta?, Thesis Master of Arts, University of Wales, Trinity Saint David, 2013
- ↑ Edwin C. Krupp und Eberhard Zangger: Die symbolische Darstellung des Kosmos im hethitischen Felsheiligtum Yazılıkaya, Archäologie online, 16. Juni 2021
- ↑ 4,000-year-old Greek hilltop site mystifies archaeologists. It could spell trouble for new airport. (https://apnews.com/article/greece-crete-archaeology-airport-minoan-e1bca3960994b42ef2ec30676a2ae188).
