Benutzer:Helbanox
Vom thumpen Pauren zum Schlossherrn
[Bearbeiten]Die Familie Harsch in der Frühen Neuzeit
Einleitung
[Bearbeiten]Es ist eine besondere Erfahrung, nach Spuren früheren Lebens dort zu suchen, wo man über Jahre hinweg seinen Lebensmittelpunkt gefunden hat. Je tiefer man in die Vergangenheit dessen eintaucht, desto mehr Fragen nach dem Warum, Weshalb und Wie tauchen auf. Antworten darauf lassen sich überraschenderweise zumeist mit oft verwunderlichen Inhalten finden. Namhaften Historikern kann man nur zustimmen, dass es wichtig ist, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen – denn nur so lassen sich Veränderungen, denen Entwicklungen immer unterliegen, im Heute leichter verstehen.
Dieser Beitrag zur Heimatgeschichte beinhaltet das Leben von drei jungen Männern aus Herbertingen: Andreas, Michael und Konrad Harsch. Auf sie stieß ich beim Lesen der Buchreihe "Schwäbische Kunde" von Walter Bleicher dem ehemaligen Archivar im Landkreis Sigmaringen im Gemeindearchiv Herbertingen. Dessen Anmerkungen dazu waren sehr knapp gehalten, etwas mehr als randläufige Notizen: Alle drei Brüder haben demnach in Freiburg studiert, Andreas sei vorderösterreichischer Kanzler, Michael Pfarrer in Eschbach und Konrad Ortsherr gewesen. Das weckte mein Interesse – zumal sie im Herbertinger Heimatbuch von 2004 gar nicht erwähnt werden. Seitdem habe ich über viele Jahre hinweg ihren Lebenslauf recherchiert, um irgendwann festzustellen, dass ihr Leben, entgegen den Aussagen eines zeitgenössischen, örtlichen Historikers alles andere als gewöhnlich verlaufen ist.
Meine Spurensuche führt fast 500 Jahre zurück – in eine Phase der Herbertinger Geschichte, die Historiker als „Frühe Neuzeit“ bezeichnen (16. - 19. Jh.). Spannend war für mich dabei vor allem die Frage, was diese jungen Männer – eigentlich noch Kinder aus einer bäuerlichen Familie – dazu bewogen haben könnte, dem von Arbeit, Religiosität und Tradition geprägten Familienverbund zu entfliehen, um in der Fremde ihren eigenen Weg zu gehen und ein ganz neues Schicksal zu formen.
Besonders überrascht hat mich die Rolle der Frau in dieser Zeit: Angeblich als „Haushaltsvorstand“ anerkannt, blieb ihr gesellschaftlich doch jegliche Anerkennung im öffentlichen Leben verwehrt. Und auch der Begriff „Kinderaufzucht“, wie er in heutigen Quellen über die damaligen Lebensverhältnisse auftaucht, hat mich zum Nachdenken gebracht – über das Selbstverständnis einer Epoche, in der Kindheit vor allem als funktionales Lebensstadium betrachtet wurde.
Die Recherche war aufwendig: Archivbesuche, Gespräche mit Historikern, Literaturstudium und Reisen zu einstigen Wirkungsstätten haben über die Zeit hinweg ein vielschichtiges Bild entstehen lassen.
Im ersten Teil beginne ich mit einem Blick auf das Herbertingen der damaligen Zeit – auf Häuser, Lebensformen, wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Im zweiten Teil geht es um alteingesessene Familien, darunter die Harschs, und die dramatische Zäsur von 1632, als Herbertingen im Dreißigjährigen Krieg nahezu zerstört wurde. Danach folgen die Wege der drei Brüder – ihr Studium, ihre Berufe und ihre Spuren bis heute.
Für die leichtere Lesbarkeit wird das generische Maskulinum verwendet. Damit sind alle Geschlechter angesprochen.
1. Herbertingen in der Frühen Neuzeit
[Bearbeiten]1.1 Herbertingen - Wohn- und Arbeitsort
[Bearbeiten]Herbertingen war eingangs der Frühen Neuzeit ein kleines Dorf in Oberschwaben mit etwa 130 Häusern[1], die mit wenigen Ausnahmen aus Holz und Lehm gebaut und mit Stroh gedeckt waren. Die Gebäude waren meist eingeschossig und besaßen - wenn überhaupt - nur einzelne kleinere Lichtöffnungen. Die später bekannte Vereinigung von Wohnen, Tier- und Vorratshaltung unter einem Dach war zu dieser Zeit nicht üblich. Stattdessen wurden für Mensch und Tier verschiedene Hütten errichtet[2]
1.2 Wege verbinden
[Bearbeiten]Die innerörtlichen Verbindungen zwischen den einzelnen Grundstücken hatten keinen festen Belag. Je nach Witterung waren die ausgetretenen Pfade im Sommer, wie im Winter durch den Weidetrieb sowie durch Pferde- und Ochsengespanne mit schweren Lasten tief zerfurcht und nur schwer begehbar. Auch die angrenzenden Orte – Ertingen, Marbach, Saulgau, Mieterkingen und Hohentengen – waren nur über unbefestigte Wege erreichbar. Ein etwas breiterer Pfad führte vom westlichen Ortsrand Herbertingens über die heutige Heustraße Richtung Hundersingen und Mengen zur "alten Landstraß“: einer schon in vorgeschichtlicher Zeit bedeutsamen Verbindung, die ursprünglich von den Kelten errichtet[3][4] und später von den Römern zur Heer- und Handelsstraße zwischen Augsburg und Breisach am Rhein nach straßenbautechnischen Regeln ausgebaut worden war. Ein Relikt aus dieser Zeit sind die bis heute erhaltenen kleinen Gängle und Gässle im alten Ortskern.
Innerörtlich, von Ost nach West verlaufend, waren frühzeitig die Mengenerstraße (heutige Bahnhofstraße bis zum Abzweig Heustraße), die Sonnenstraße (über den Hesslingerberg nach Ölkofen führend) und die Storchengasse besiedelt. In Nord-Süd-Richtung bildeten die Hirschstraße mit der Klostergasse sowie die relativ dicht bebaute Ochsengasse das Rückgrat der Erschließung und sehr wahrscheinlich auch der Erstbesiedlung. Westlich parallel dazu verlief die Holzgasse, die an der Sonnenstraße begann und in südlicher Richtung in den Gemeindewald führte. Darüber hinaus belegen zahlreiche Quellen eine frühe Besiedlung entlang der Pfarrstraße, der Nießgasse und der Oberen Bachgasse mit dem Brunnenberg. Auch die Fuchsgasse sowie die Kapellenstraße, die zu den Äckern des westlich gelegenen Hohentenger Ösch und zur Hagelsburg führte, sind dokumentiert.
Wichtig zu erwähnen ist, dass es zur damaligen Zeit keine Straßennamen in heutiger Form gab. Erst ab dem 18. Jahrhundert sind sogenannte Heiligennamen[5] für viele bewohnte Anwesen überliefert[6]. Innerörtlich orientierte man sich an Zielen, z.B. Ertinger Weg, Marbacher Weg, Angerweg oder Kürchgass[7], oftmals auch mit Bezug auf besondere Einrichtungen, Lokale oder Handwerker bezeichnet.
Eine besondere Bedeutung kommt der Fuchsgasse und dem Brunnenberg zu, da sie als räumliche Verbindung zum in zahlreichen Quellen erwähnten Gemeindeteil Uffhofen dienten. Dabei handelte es sich um eine ehemalige Außensiedlung am südlichen Ortsrand, bestehend aus mehreren Hofstellen (Hof-[en]) „uff der Höhe“ – also „auf der Höhe“ – nördlich der sogenannten oberen Mühle, der „Heiligenmühle“[8]. Mit der baulichen Ausweitung Herbertingens in südlicher Richtung verschmolz die einstige Siedlung im Laufe der Jahrhunderte mit dem Hauptort. Die Bezeichnung Uffhofen verschwand schließlich im späten 17. Jahrhundert aus dem gewöhnlichen Sprachgebrauch.
1.3 Wasser als Lebensquell
[Bearbeiten]Eine wichtige wirtschaftliche Lebensader Herbertingens war der Dorfbach, im Volksmund Krähbach genannt. Sein ursprünglicher Verlauf ist mit dem heutigen kaum vergleichbar. Anstelle eines künstlich gefassten Bachbetts schlängelte sich der Krähbach bis weit ins 19. Jahrhundert hinein frei durch das Dorf – insbesondere im Bereich der heutigen Oberen Bachgasse bis hin zur mittleren Mühle an der Holzgasse. Mit Ausnahme des Mühlkanals der oberen Mühle entsprach sein Lauf dem, den er sich über Jahrtausende hinweg in der Tallage selbst geformt hatte.[9]
Dieser naturbelassene Zustand brachte jedoch auch Probleme mit sich: wiederkehrende großflächige und zerstörerische Überschwemmungen der Ortslage, Wintervereisungen und sommerliche Rattenplagen bei niedrigem Wasserstand waren häufige Begleiterscheinungen.
Der Krähbach versorgte schon vor Ende des 13. Jh. drei Kornmühlen mit der notwendigen Wasserkraft: die obere Mühle (Heiligenmühle), die mittlere Mühle und die niedere Mühle (Riedmühle)[10] . Darüber hinaus nutzten ihn zahlreiche Handwerker wie Gerber, Leinenweber und Küfer. Da es nur wenige eigene Brunnen im Ort gab, war der Bach zudem lebenswichtige Quelle für Trink- und Gebrauchswasser – sowohl für Mensch als auch für Tier. Auch das Waschen der Wäsche und Kleidung erfolgte mangels geeigneter technischer Hilfsmittel direkt am und im Bachlauf.
Ob es bereits frühzeitig feste Brückenbauwerke gab, ist ungewiss. Für das Jahr 1734 sind allerdings drei befestigte Übergänge belegt – an der Pfarrstraße/Kapellenstraße, an der Sonnenstraße sowie an der Angerstraße/Mengenerstraße. Diese bestanden vermutlich aus Holz, da weder geeigneter Stein noch Stahl in ausreichendem Maße zur Verfügung standen[11].
1.4 Das Ortsbild
[Bearbeiten]Dieses prägen bis in die heutige Zeit die markanten Bauwerke mit zentraler Funktion im religiösen und öffentlichen Leben. Überragend war die Kirche St. Oswald auf der östlichen Anhöhe, erstmals 1274/75 urkundlich erwähnt.[12] In geringem Abstand davon lag das ehemalige Rathaus – laut späteren Quellenangaben „mitten im Dorf“ errichtet. Am südwestlichen Ortsrand befand sich in der Tallage an der Holzgasse, um drohenden Überschwemmungen zu entgehen aber deutlich erhöht, die Nikolauskapelle. Diese drei Gebäude – Kirche, Rathaus und Kapelle – bildeten die zentralen Orte des religiösen, politischen und gemeinschaftlichen Lebens in Herbertingen.
Ergänzt wurde dieses Ensemble durch einzelne Tafernen, den Vorläufern der Gaststätten, die als soziale Treffpunkte dienten. Der heutige „Löwen“, urkundlich erstmals 1498 erwähnt, dürfte zu den ersten dieser Einrichtungen in Herbertingen gehört haben. Er war einst herrschaftlicher Besitz der Grafschaft Friedberg.[13].
1.5 Von „thumpen Pauren“ und „plumpen Tölpeln“
[Bearbeiten]Hässlich, dumm und grobschlächtig, faul, heimtückisch, widerspenstig, rückständig, geizig, konservativ und raffgierig – so nahm die ständische Gesellschaft die Bauern im 16. Jahrhundert wahr.[14] Selbst der große Reformator Martin Luther sah im Bauernaufstand von 1525 eine Bedrohung der städtischen Zivilisation durch die „rohen Sitten“ der Bauern.[14]
Dieses Sammelsurium an beleidigenden, vermeintlichen Merkmalen zeugt m.E. von offener Verachtung gegenüber einer ganzen Bevölkerungsgruppe – Menschen, die in Armut lebten, täglich ums Überleben kämpften und dennoch durch ihre Arbeit den Wohlstand jener ermöglichten, die sie so gnadenlos verspotteten. Diese Erkenntnis hat mich erschüttert und war Anlass genug, in meinen Recherchen der Frage nachzugehen, ob die einfachen Bauern tatsächlich so gewesen sein sollen – oder ob nicht vielmehr das Bild, wie sie gesellschaftlich wahrgenommen wurden, durch die Überheblichkeit und Arroganz der Mächtigen geprägt wurde.
Da für Herbertingen im 16. Jahrhundert nur wenige verwertbare schriftliche Quellen überliefert sind, konnte ich mich in dieser Frage vor allem auf Ergebnisse der historischen Forschung stützen.
Um Leserinnen und Leser nicht mit tiefgreifenden Fachdebatten zu überfordern, unternehme ich eine kleine Zeitreise ins Herbertingen des Jahres 1541. Wir besuchen gemeinsam die Familie von Michel Harsch, der laut einer Quelle in der Tat aine Hofstatt am Bach bey der sträss zv Vffhofen besaß – also ein Anwesen am Bach bei der Straße nach Uffhofen.[15]
Die im Folgenden genannten Personen und das häusliche Umfeld sind frei erfunden. Sie dienen der veranschaulichenden Darstellung typischer und durch die Forschung belegter Lebensumstände dieser Zeit.
Michel Harsch war kein Landwirt im klassischen Sinn, eher ein Seldner – also ein besitzarmer Lohnarbeiter oder Handwerker. Den Zehnten entrichtete er an die Herren der Grafschaft Friedberg-Scheer.[16] Sein Anwesen entsprach der oben beschriebenen Lage. Ob er mit den später erwähnten Hauptpersonen dieses Beitrags verwandt war, ist nicht bekannt.
1.6 S´ganze Hus [Das ganze Haus]
[Bearbeiten]1.6.1 Wohnen und Arbeiten
[Bearbeiten]Wir betreten das kleine, einstöckige und strohbedeckte Haus von Michel Harsch und stehen mitten in dessen Stube. Sie ist zugleich Küche, Werk- und Aufenthaltsraum. Eine Türe führt in eine angrenzende Kammer. Die Wände sind aus lehmverschmiertem und weiß gekalktem Weidengeflecht zwischen quer und senkrecht angebrachten rohen Holzbalken. Der Boden überwiegend naturbelassen, teils mit derben Holzbrettern ausgelegt. Die Decke besteht aus grob gehobelten Naturholz. Auffallend die geringe Raumhöhe und die herrschende Finsternis im gesamten Haus. Nur ein kleines Feuer Mitte des Raumes bietet etwas Licht. In das Auge des Besuchers fällt sofort die Einfachheit der Ausstattung der Stube, bestehend aus einem Holztisch, drumherum einfache Holzstühle, einem Kasten [Schrank], dem Bett und Strohlagern an den Außenwänden. Schrank und Bett sind nahezu neu, weil Michel Harsch erst kurz zuvor geheiratet hatte und seine Frau Anna diese als Mitgift mit in die Ehe einbrachte[17]
1.6.2 Familie
[Bearbeiten]Michel war zum Zeitpunkt seiner Heirat etwa 27 Jahre alt und lag somit im Durchschnitt aller erstmals heiratenden Männern [2018 = 34,6 Jahre[18]]. Ohne es zu wissen, hatte er wegen der damaligen Lebenserwartung die Hälfte seines irdischen Daseins bereits hinter sich. Diese lag, im Gegensatz zu heute [79/83 Jahre] beim Mann mit im Schnitt 52,6 geringfügig über dem der Frauen mit 52,3 Jahren[19] Überraschend sind diese Entwicklungen im Vergleich zur aktuellen gestiegenen Lebenserwartung nicht. Harmlose Erkältungen bei den Kindern und im Kreis der alten und schwachen Bevölkerung führten in den allermeisten Fällen zum frühen und schnellen Tod. Vor allem eine sehr hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit, zurückzuführen auf Mangelerscheinungen bei Mutter und Kind, hygienische Mängel, fehlende medizinischen Kenntnisse und unzureichenden Hilfsmaßnahmen waren dafür ausschlaggebend[20]
Zurück zu Michel Harsch. Dass er in einem zu seiner Lebenserwartung ins Verhältnis gesetzten fortgeschrittenen Alter heiratete, ist darauf zurückzuführen, dass er erst zu diesem Zeitpunkt das väterliche Anwesen erhalten hatte. Die Gesetze verlangten die Zustimmung der Gemeinde zur Vermählung. Sie machte ihre Entscheidung davon abhängig, haben die Heiratssuchenden ein ausreichendes Geldvermögen oder eine Hofstelle? Eine gesicherte Erwerbstätigkeit stand einer Heirat ebenfalls nicht im Wege. Mit dem Segen der Gemeinde sollten Heiratswillige einerseits vor Verarmung und andererseits die Allgemeinheit vor zusätzlichen Soziallasten geschützt werden[21]. Michel Harsch musste mit dem Heiraten also zuwarten, bis sein Vater bereit war ihm das Anwesen zu übertragen. Geldvermögen oder eine gesicherte Erwerbstätigkeit konnte er nicht nachweisen. Sein Leben war seit seinem 5. Lebensjahr bis zu seiner Heirat ausschließlich in der Unterstützung seiner Eltern bei der täglichen Arbeit, egal im Betrieb oder in der Landwirtschaft geprägt[22].
Seine Frau Anna, ein Jahr jünger als er, erwartete ihr erstes Kind schon wenige Wochen nach ihrer Heirat. Die moralischen und gesetzlichen Vorgaben seitens Kirche und Obrigkeit sprachen sich zu jener Zeit und noch viele Jahrhunderte danach gegen nicht- oder voreheliche Geburten aus. Von den statistisch erfassten nicht ehelichen Geburten in Höhe von 3,8 % [2019, 33,2%[23]], waren 2,7 % der Kinder vorehelich gezeugt und wurden – so auch heute - durch die nachfolgende Ehe der Eltern als ehelich anerkannt [legitimiert][24]. Durch die Heirat mit Michel Harsch ersparte sich Anna die zu erwartende öffentliche Diskreditierung, vor allem die gesellschaftliche Ächtung und eine Geld- oder Gefängnisstrafe für unsittliches Verhalten. Ein solches war u. a. vor- oder unehelicher Beischlaf.
Da die Ehe nach dem Willen der Kirche primär der Schaffung neuen Lebens dienen sollte und zugleich Fortpflanzung unter dem Gesichtspunkt der Arbeitskräfteergänzung und Altersversorgung betrachtet wurde, war Annas Lebenslauf gesellschaftlich vorgezeichnet. Sie wird neben ihrer Hausarbeit – Nahrungszubereitung, Reinigung des Wohnbereichs und Gästebeherbergung – in erster Linie mit der „Kinderaufzucht“ beschäftigt sein[25].
Die durchschnittliche Reproduktionsphase [Zeit der Fruchtbarkeit] der Frauen endete im Alter von ca. 40 Jahren. Der Abstand von einer Niederkunft bis zur nächsten Geburt betrug rd. 25,6 Monate. Damit ergibt sich rechnerisch eine mögliche Kinderzahl von bis zu zwölf. Aufgrund der hohen Säuglings- und Kindersterblichkeit wird sich diese Zahl im Schnitt auf etwa sieben überlebende Kinder reduzieren[26]. Schlimm die Tatsache, dass in dieser Zeit von 10 Neugeborenen nur vier das 10. Lebensjahr erlebt haben.
Im Raum halten sich neben den Ehegatten Michels verwitweter Vater Konrad, sein jüngerer Bruder Hans, seine ältere Schwester Elisabeth, wie Hans ledig, sowie ein Gehilfe auf. Sie gemeinsam bilden eine Sozialgemeinschaft, das „ganze Haus“. Der uns gewohnte Begriff „Familie“ wird erst rund 200 Jahre später – dann beschränkt auf die Eheleute und deren Kinder - Einzug in die gesellschaftliche Sprachkultur finden[27].
1.6.3 Arbeitsteilung
[Bearbeiten]Werfen wir einen Blick auf die Rollenverteilung innerhalb dieses „ganzen Hauses“ – wer war wofür zuständig?
Die Arbeitsgemeinschaft der Ehegatten war das Rückgrat der ländlichen Gesellschaft. Die Zuordnung der Aufgaben war grundsätzlich geschlechtsspezifisch organisiert, konnte jedoch – abhängig von Hofgröße und familiären Umständen – variieren. Gewöhnlich übernahm der Hausvater die schweren körperlichen Arbeiten auf Feld, Wiese oder im Wald. Unterstützung fand er durch angestellte Knechte oder Verwandte. Hinzu kamen Frondienste für die Herrschaft – etwa bei Lastentransporten oder Ausbesserungsarbeiten an Ortswegen. Die Wintermonate dienten der Herstellung und Instandhaltung von Geräten sowie Reparaturen an Wirtschaftsgebäuden.
In kleineren Handwerks- oder Bauernbetrieben waren diese Grenzen allerdings oft fließend. Wenn es die wirtschaftliche Lage erforderte, mussten Frauen bei der Feldarbeit mithelfen – ebenso wie Kinder, die schon früh in den Arbeitsalltag eingebunden wurden.[28]
Der Hausmutter oblagen die Aufgaben im Inneren und im unmittelbaren Umfeld des Hauses: Kindererziehung, Nahrungszubereitung, Reinigung, Beherbergung, Krankenpflege sowie die Versorgung von Vieh, Garten und Vorräten einschließlich der Verarbeitung von Milchprodukten, Fleisch, Obst und Gemüse – meist für den Eigenbedarf, gelegentlich aber auch zum Verkauf, was in Krisenzeiten vor Not schützte. In den Wintermonaten war sie mit Spinnen, Weben, Nähen oder Schuhflicken beschäftigt. Die Mägde unterstanden ihr direkt und unterstützten sie bei Wäsche und Feldarbeit. Ihre Rolle war zentral für das wirtschaftliche Überleben des gesamten Haushalts[29].
Einige Arbeiten wurden gemeinschaftlich verrichtet: Bei der Feldarbeit führten die Männer den Pflug hinter dem Gespann, Frauen oder Mägde zerkleinerten die Erdschollen. Männer schnitten mit der Sichel das Getreide, Frauen und Kinder sammelten und banden die Garben. Gedroschen wurde mit der Hand – oft bis tief in den Winter hinein. Beim Düngen führten die Männer die Gespanne mit dem Mistkarren, das Verteilen übernahmen meist die Frauen.
Diese enge wirtschaftliche und soziale Verzahnung der Bewohner – Bauer, Hausmutter, Knechte und Mägde – bildete das „ganze Haus“, in dem alle gemeinsam wohnten, arbeiteten und füreinander Verantwortung trugen.
Bis zu diesem Punkt haben wir ausschließlich von harter, geregelter Arbeit gehört – kein Hinweis auf eine Berechtigung für das abwertende Bild des „tölpelhaften Bauern“, das wir eingangs zitiert haben. Es lohnt daher, auch einen Blick auf Lebensweise und Kleidung jener Zeit zu werfen.
1.6.4 Nahrung und Bekleidung
[Bearbeiten]Ein Historiker bringt es schnell auf den Punkt: Die bäuerliche Lebensweise war einfach, das Mahl schlicht. Fleisch fand sich nur zu Hochfesten auf dem Tisch, ansonsten meistens ein Brei aus Getreide als Energielieferant. Kartoffeln waren bis in die Mitte des 18. Jh. in der deutschen Küche nicht zu finden. Getrunken wurden Wasser, Milch und Most. Brot und Kaffee kommen ebenfalls erst im 18. Jahrhundert in die bäuerlichen Haushalte. Die damaligen Tischsitten waren mit den heutigen nicht vergleichbar, da es solche nicht gab. Außer dem auf den Tisch spucken war alles erlaubt. Das Besteck bestand aus Löffel und Messer. Die Nahrung, soweit breiig, wurde mit dem Löffel, ansonsten mit dem Messer aufgespießt oder direkt mit der Hand zum Mund geführt[30]. An dieser Stelle eine kurze Zwischenbetrachtung: Für die Angehörigen der gesellschaftlichen Oberschichten jener Zeit dürften solche Sitten regelrecht abstoßend gewirkt haben – ein Eindruck, der sich aus heutiger Perspektive leicht nachempfinden lässt, auch wenn man dabei nicht vergessen sollte, dass sich Tischkultur und Hygieneverständnis damals erst allmählich entwickelten.
Die Kleidung der kleinbäuerlichen Landbevölkerung unterschied sich allein schon durch ihre derbe Qualität deutlich von der der Herrschaften und wohlhabenden Großbauern, die sich mit Stehkragen, Samt und Pelz kleideten. Die Kleidung des einfachen Bauern hingegen musste in erster Linie den vielfältigen Anforderungen des ländlichen Alltags standhalten. Bis weit ins 19. Jahrhundert fanden einheimische, meist naturfarbene und im eigenen Haushalt verarbeitete Textilien Verwendung, die sich durch hohe Haltbarkeit auszeichneten. Wie bei der Ernährung wurde auch hier vor allem auf die eigenen Mittel und Künste des Hauses zurückgegriffen.[31]
1.6.5 Arbeit muss sich lohnen
[Bearbeiten]Zum Ende dieser Einführung in die Frühe Neuzeit in Herbertingen ein Blick auf die wirtschaftlichen Verhältnisse der bäuerlichen Bevölkerung. Nach den Erkenntnissen der Forschung war ihr Leben in hohem Maße von den Schwankungen der Natur abhängig – ein täglicher Balanceakt zwischen Mühe und Ertrag.
Ihr Tagwerk war in erster Linie nicht auf Gewinn ausgerichtet, sondern auf die Sicherung des Eigenbedarfs: ausreichend Nahrung für alle Mitglieder des „ganzen Hauses“, um das Überleben zu sichern. Musste – neben Fron- oder Fruchtabgaben – noch Geld an die Herrschaft gezahlt werden, war es erforderlich, über den Eigenbedarf hinaus zu produzieren. So konnten eigene Erzeugnisse – etwa Leinen, Holz oder Gemüse – auf den Märkten in Mengen oder Saulgau gegen Salz, Metallwaren oder andere Gebrauchsgüter eingetauscht oder verkauft werden.
- Der letzte Stand ist derer, die auf dem Lande in Dörfern und Gehöften wohnen und dasselbe bebauen und deshalb Landleute genannt werden. Ihre Lage ist ziemlich bedauernswert und hart. Sie wohnen abgesondert voneinander, demütig mit ihren Angehörigen und ihrem Viehstand. Hütten aus Lehm und Holz, wenig über die Erde hervorragend und mit Stroh gedeckt sind ihre Häuser. Geringes Brot, Haferbrei oder gekochtes Gemüse ist ihre Speise, Wasser und Molken ihr Getränk. Ein leinener Rock, ein paar Stiefel, ein brauner Hut ist ihre Kleidung. Das Volk ist jederzeit ohne Ruhe, arbeitsam, unsauber[32]
1.7 Fazit
[Bearbeiten]Die pauschale Charakterisierung der Bauern als plump und tölpelhaft erweist sich – gemessen an den Lebens- und Arbeitsrealitäten dieser Menschen – als haltlos und verletzend. Wären sie tatsächlich so einfältig gewesen, hätten sie weder die harte Unterdrückung durch Obrigkeit und Kirche noch die Entbehrungen infolge von Kriegen und Klimakatastrophen überleben können. Im Gegenteil: Es war ihre schlichte, aber funktionierende Alltagslogik, ihr unermüdlicher Fleiß und ihre Fähigkeit zur Selbstversorgung, die über Generationen hinweg das wirtschaftliche Fundament der damaligen Gesellschaft bildeten. Wer Menschen wegen ihres Aussehens, ihrer Lebensweise oder ihrer erzwungenermaßen sparsamen Art verspottet, zeigt vor allem eines: mangelnden Respekt vor harter Arbeit und gelebter Entbehrung.
2. Herbertinger Familiennamen vom 15. – 18. Jahrhundert
[Bearbeiten]Familiennamen sind ein Stück Kulturgeschichte. In ihnen finden sich längst vergessene Berufe, fremdsprachige Einflüsse und eine oft wechselvolle Geschichte[33]
Zwei Gründe veranlassten mich, mich näher mit den Herbertinger Familiennamen zu beschäftigen: Zum einen die unklare Herkunft und Abstammung der drei Brüder Andreas, Michael und Konrad Harsch – zum anderen eine auffällige Beobachtung bei der Durchsicht archivalischer Quellen: Bis ins 17. Jahrhundert tritt der Name Harsch fast ausschließlich im Kernort Herbertingen auf, während er in Marbach gar nicht erscheint[34]. Doch dann kehrt sich die Situation um: Ab dem 17. Jahrhundert verschwindet der Name Harsch in Herbertingen vollständig, dafür tritt er in Marbach zunehmend in Erscheinung – bis heute in mehreren Linien nachweisbar.
Was diese Verschiebung ausgelöst hat, bleibt bislang offen – denkbar sind Heiratsverbindungen, Hofübernahmen oder gezielte Ortswechsel ganzer Familienzweige. Die weiteren Recherchen in regionaler Literatur und Archivquellen konzentrierten sich deshalb bewusst auf beide Ortsteile. Auf eine Aufzählung herrschaftlicher Namen verzichte ich an dieser Stelle, da diese – mit Ausnahme der „Edlen von Beuren“ – keinen Wohnsitz in Herbertingen hatten. Die von Beuren, ehemalige Ortsherren, bewohnten das Haus neben dem heutigen Gasthaus „Löwen“ in der Hauptstraße, das im Jahr 2025 abgebrochen wurde. Ihre Geschichte ist im Heimatbuch Herbertingen dokumentiert.
Insgesamt ließen sich in den untersuchten Quellen über 1.400 Familiennamen auffinden. Nach Bereinigung mehrfacher Nennungen innerhalb desselben Zeitraums verblieben 259 unterschiedliche Familiennamen. Unter Einbezug der jeweiligen Vornamen standen am Ende 1.002 Familien zur Auswertung.
Viele dieser Namen tauchten nur einmal auf, manche hingegen über Generationen hinweg. Besonders bemerkenswert: Nur vier Familiennamen – Buck, Frick, Fürst und Siebenrock – sind über mehr als sechs Jahrhunderte hinweg, vom 15. Jahrhundert bis heute, lückenlos in Herbertingen nachweisbar.[35].
Der zahlenmäßige Vergleich weiblicher und männlicher Vornamen in dieser Erhebung offenbart ein deutliches Ungleichgewicht – ein Befund, der vermutlich auf die gesellschaftliche Benachteiligung und rechtliche Einschränkung von Frauen und Mädchen in jener Zeit zurückzuführen ist. Unter den insgesamt 1.002 erfassten Personen sind lediglich 71 Frauen oder Mädchen verzeichnet. Ihre Nennung erfolgt fast ausschließlich in der Liste der Leibeigenen von 1619, seltener im Zusammenhang mit der selbständigen Bewirtschaftung einer Hofstatt – niemals jedoch im Zusammenhang mit einem öffentlichen Amt.
Die Rangliste der häufigsten weiblichen Vornamen wird angeführt von Anna (17 %)[36], gefolgt von Ursula (8 %), Elisabeth (7 %) und – etwas überraschend – erst an vierter Stelle Maria (6 %).
Bei den männlichen Vornamen dominiert Hans (einschließlich Varianten wie Hanne, Hannes, Johann und Johannes) mit 19 %, gefolgt von Jakob (9 %) sowie Georg und Michael mit jeweils 8 %.[35]
=== Harsch – „ein hochbegabtes Herbertinger Geschlecht“[37] ===
| Jahrhundert | Buck | Frick | Fürst | Harsch | Siebenrock |
|---|---|---|---|---|---|
| 15. Jh. | 3 | 1 | 1 | 4 | 2 |
| 16. Jh. | 6 | 21 | 15 | 20 | 11 |
| 17. Jh. | 17 | 25 | 15 | 35 | 17 |
| 18. Jh. | 2 | 19 | 1 | 0 | 4 |
Vorstehende Tabelle lässt zwei äußerst interessante Tatsachen erkennen: Erstens endet die Geschichte der Familien Harsch in Herbertingen mit dem 17. Jahrhundert, und zweitens war dieser Name über drei Jahrhunderte hinweg unter den am häufigsten genannten. Umso verwunderlicher ist es, dass der Name Harsch im Herbertinger Heimatbuch von 2005 lediglich für das Mittelalter erwähnt wird – etwa mit Bartlin und Hans (1467), Konrad (1475), nochmals Hans und Konrad (1511) sowie Herg (1525).
Josef Karlmann Brechenmacher verdanken wir die historische Feststellung, dass es sich bei den Herbertinger Harsch um ein „hochbegabtes örtliches Geschlecht“ gehandelt habe. Er nennt 1436 als ersten Namensträger in Herbertingen einen Hans Harsch, Bauer. Ihm folgt 1486 ein gleichnamiger Sohn, später ein Oswald (1493). Nach einer Pause erscheint 1558 „Hans der Junge“, ehe sich der Blick auf Andreas, Konrad und Michael richtet – über die die nächsten Kapitel berichten werden.
Die Aussagen dieses bedeutenden Sprach- und Familiennamenforschers sind Grund genug, dem Geschlecht Harsch näher nachzugehen: Was waren das für Menschen? Welche Rollen spielten sie im gesellschaftlichen Miteinander? Warum endet ihre Ära im 17. Jahrhundert so abrupt? Und warum fand ihr Name im Heimatbuch nur so geringe Beachtung?
Diesen Fragen möchte ich im Folgenden anhand der überlieferten Quellen nachgehen.
Spurensuche: Die Familie Harsch in Herbertingen (1420–1654)
[Bearbeiten]Die Geschichte eines Ortes lässt sich nicht nur über große Ereignisse oder bekannte Namen erzählen, sondern auch über jene Familien, deren Spuren sich in vielen kleinen Einträgen und Erwähnungen an den unterschiedlichsten Orten über Generationen hinweg verfolgen lassen. Die Familie Harsch gehört in Herbertingen zu diesen Namen.
Über zwei Jahrhunderte – von 1420 bis 1654 – taucht der Familienname immer wieder in verschiedenen Quellen auf: als Besitzer von Lehengütern, als Zeugen von Übergaben, als einfache Handwerker, Seldner oder Kleinstbauern. Ihre Präsenz ist über lange Zeit hinweg auffällig – ihr plötzliches Verschwinden umso rätselhafter.
Dieser Abschnitt versucht, dem Weg der Familie Harsch durch das Dorfleben nachzugehen. Er dokumentiert ihre wirtschaftliche Rolle, ihren sozialen Status und mögliche Gründe für ihren Rückzug aus der Herbertinger Geschichte – und wagt am Ende auch einen Blick über den Ortsrand hinaus, nach Marbach, wo sich ein neues Kapitel der Familiengeschichte zu öffnen scheint.
- 1420: Hans Harsch übernimmt das Gut von Hans Strueb – bestehend aus Haus, Hofraite, Scheuer und einem kleinen Krautgärtlein. [Anmerkung Verf.: Vermutlich identisch mit dem von Brechenmacher 1436 erwähnten Hans.][38].
- 1467: Bartlin (Hof des Klosters Habsthal), Hans (Hof des Spitals Saulgau) und Jerg Harsch werden genannt[39]. Über Jergs Besitzverhältnisse ist nichts Näheres bekannt.
- 1475: Konrad Harsch bewirtschaftet einen der acht Höfe des Klosters Salem.[40].
- 1481: Hans Harsch bewirtschaftet den Hof der Mooshauptenpflege Saulgau.[41]
- 1486: Hans Harsch der Jüngere übergibt der Äbtissin von Heiligkreuztal einen Hof mit Haus, Scheuer, Garten, Äckern und Wiesen.[42]
- 1493: Oschwald Harschen besitzt einen Acker im Marbacher Ösch, angrenzend an Heiligkreuztaler Besitz.[43]
- 1511: Hans und Konrad Harsch werden Opfer eines Diebstahls von 150 Gulden. Erwähnt werden auch Christian Harsch (Vater von Hans dem Langen) und Simon Harsch.[44]
- 1525: Jerg Harsch nimmt am Bauernkrieg teil und gerät in Gefangenschaft.[45]
- 1529: Paulin Harsch bewirtschaftet das Gut der Hofkaplanei Scheer.[46]
- 1541: Hans, Jakob und Michel Harsch werden genannt. Hans besitzt ein Gut der Armenpflege Saulgau, Jakob ist zinspflichtig, Michel besitzt eine eigene Hofstatt an der Straße nach Uffhofen.[47]
- 1544: Jerg Harsch stellt für eine Anleihe eine Hofraite in Uffhofen mit Baumgarten als Unterpfand.[48]
- 1550: Hans und Simon Harsch schulden der Heiligenpflege St. Oswald einen Geldzins.[49]
- 1558: Burkhard Harsch bewirtschaftet Lehenäcker der Grafschaft Friedberg-Scheer, Lentz Harsch besitzt eine Hofstatt in den Hettelinsgassen.[50].
- 1580: Hans Harsch bezeugt die Übergabe eines Hofes des Klosters Gorheim.[51]
- 1582: Friedrich und Oswald Harsch stiften einen Jahrtag zugunsten der Heiligenpflege St. Oswald.[52]
- 1583: Martin Harsch gibt freiwillig ein Salemer Erblehen auf – Beweggründe unbekannt.[53]
- 1584: Stoffel Harsch besitzt eine Behausung mit Baumgarten mitten im Dorf.[54]
- 1606: Martin Harsch übergibt alle Flächen an seinen Schwager Stoffel Hüpschlin – mutmaßlich Ruhestand.[55]
- 1612: Nikolaus Harsch besitzt ein Lehengut vom Kloster Sießen.[56]
- 1619: Adam Harsch, verheiratet mit Magdalena Sauter, hat sechs Kinder (Hans, Caspar, Stoffel, Galli, Elisabetha, Anna).[57]
- 1619: Hans Harsch und Anna Lienhartin – ihre Kinder: Christian, Johannes, Andreas, Jörg, Adam, Jacob, Johannes, Maria, Elisabetha.[58]
- 1619: Hans Harsch und Agatha Knittlin – zwei Töchter: Christina und Verena.[59]
- 1619: Martin Harsch und Ursula Ulmerin – Kinder: Jörg (später Priester) und Matheus.[60]
- 1622: Hans Harsch wird beim Verkauf der oberen Mühle (Uffhofen) erwähnt.[61]
- 1623: Hans Harsch verkauft Haus, plant Auswanderung, kehrt jedoch noch im selben Jahr zurück.[62]
- 1624: Burkhard Harsch hinterlegt ein halbes Haus in Uffhofen als Unterpfand bei Kirchenverhandlungen.[63]
- 1624: Richard Harsch zahlt Geldzins an die Pfründen der Kirche.[64]
- 1625: Martin und Hans Harsch bezeugen Übergabe der Taferne (heute Gasthaus Löwen).[65]
- 1632: Adam Harsch verliert Haus und Besitz bei der Zerstörung Herbertingens – Schaden 250 Gulden.[66]
- 1632: Hans Harsch verliert Lehenshof (Spital Saulgau) – Schaden 1.500 Gulden.[67]
- 1632: Klaus Harsch verliert Haus, Vieh und ein Schwein – Schaden 180 Gulden.[68]
- 1639: Nikolaus Harsch – Dorfpfleger, beteiligt an Schadensaufnahme nach dem Dreißigjährigen Krieg.[69]
- 1651: Adam Harsch (Ehemann von Magdalena Sauter) zieht nach Marbach.[70]
- 1654: Klaus Harsch verkauft sein Haus in Herbertingen an Mattheis Stadler von Marbach – letzte Erwähnung eines Harsch in Herbertingen.[71]
Mit dem zuletzt genannten Klaus Harsch enden nach mehr als 200 Jahren die Aufzeichnungen über zahlreiche Generationen der Familie Harsch in Herbertingen.
Nur wenige verfügten über größere Besitzungen: Martin Harsch bewirtschaftete 1583 ein größeres Gut des Klosters Salem – das spätere Gebäude St. Faustina, heute Sonnenstraße 7. Ein Hans Harsch war 1541 und 1632 Lehensnehmer eines der beiden Höfe des Spitals Saulgau – vermutlich das spätere Gebäude St. Raymundus in der Nießgasse 5. Die Mehrheit gehörte zur Schicht der Seldner, kleinen Handwerker, kleinstbäuerlichen Betriebe und viele Leibeigene. Es verwundert daher kaum, dass die Familie im Herbertinger Heimatbuch nur am Rande erwähnt wird.
Doch wie steht es um die eingangs aufgeworfenen Fragen nach ihrem Charakter, ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und dem plötzlichen Verschwinden aus der Dorfgemeinschaft? Die Auswertung der Quellen lässt hierzu nur begrenzte Rückschlüsse zu. In der Dorfgemeinschaft nahmen die Angehörigen der Familie Harsch in der Regel keine herausgehobene Stellung wie Ammann, Unterammann oder Richter ein. Eine einzige Ausnahme bildet Nikolaus Harsch, der 1639 als Dorfpfleger in einem öffentlichen Amt erwähnt wird. Häufiger begegnen uns Mitglieder der Familie als Zeugen bei Grundstücksgeschäften – ein deutliches Zeichen für ihre Vertrauenswürdigkeit und ihr Ansehen, sowohl innerhalb der Dorfgemeinschaft als auch gegenüber den Herrschaften. Was uns die Quellen zudem – wenn auch nur indirekt – verraten: Kein einziger der namentlich genannten Harsch geriet je mit dem Gesetz in Konflikt. Daraus lässt sich mit einigem Recht schließen, dass es sich bei allen Namensträgern durchweg um ehrbare, rechtschaffene und arbeitsame Menschen handelte.
Der abrupte Bruch in der Ortsgeschichte ist untrennbar mit dem 5. Juli 1632 verbunden. An diesem Tag wurde Herbertingen durch schwedische und württembergische Truppen nahezu vollständig zerstört. Zahlreiche Männer kamen ums Leben, über das Schicksal von Frauen, Kindern und Alten schweigen die Quellen. Die wenigen Überlebenden verloren ihre Angehörigen, ihre Häuser und damit jede wirtschaftliche Grundlage. Viele verließen den Ort – so auch Adam Harsch, der 1651 in Marbach als zugezogen vermerkt ist.
Ob er der Stammvater der dort bis heute bestehenden Harsch - Linien ist, bleibt letztlich offen – aber vieles spricht dafür. Dr. Franz Haug, Verfasser des Marbacher Dorfbuchs, hat dies zwar nicht ausdrücklich formuliert, aber in seinen Anmerkungen auch nicht ausgeschlossen. So bildet möglicherweise Adam Harsch das lebendige Bindeglied zwischen dem alten Herbertinger Stamm und den neuen Anfängen in Marbach – ein letzter stiller Brückenschlag über das 17. Jahrhundert hinweg.
3. Die Brüder Andreas, Michael und Konrad Harsch
[Bearbeiten]3.1 Wer könnte ihr Vater gewesen sein?
[Bearbeiten]Man könnte meinen, es sei ein Leichtes, die drei Brüder[72] einem der im vorhergehenden Kapitel zahlreich erwähnten Träger des Namens Harsch zuzuordnen – doch das ist ein Trugschluss. Denn es fehlen lokale Quellen, die eindeutige Verbindungen erlauben. Wie bereits angedeutet, enthalten herrschaftliche und klösterliche Besitzaufzeichnungen vor Ort fast ausschließlich männliche Namen; Frauen und Kinder werden nur selten erwähnt. Verlässliche urkundliche Belege über Geburten, Eheschließungen und Todesfälle finden sich in den Herbertinger Pfarrbüchern frühestens ab dem 17. Jahrhundert.
Erst der Blick in die zahlreichen Quellen in Freiburg[73], kombiniert mit Erkenntnissen der frühneuzeitlichen Forschung[74] und unter Einbeziehung der sachkundigen Literatur[75] sowie der wenigen verfügbaren Herbertinger Belege[76], führt zu verwertbaren Anhaltspunkten.
Da direkte Aussagen fehlen, versucht dieser Abschnitt auf systematische Weise, einer Antwort auf die Frage nach der familiären Herkunft der drei Brüder näherzukommen. Ausgangspunkt ist dabei ihr Alter beim Studienbeginn: Der älteste, Andreas, wurde 1568 in die Matrikel der Universität Freiburg[77]eingetragen, der jüngste, Konrad, 1579[78]. Zwischen dem ersten und dem letzten Studieneintritt liegen also elf Jahre. Die Forschung geht davon aus, dass Studenten zu dieser Zeit meist im Alter von etwa 14 Jahren ihr Studium aufnahmen[79]. Daraus ergeben sich als ungefähre Geburtsjahre: Andreas um 1554, Michael um 1561 und Konrad um 1565.
Um den möglichen Vater einzugrenzen, greifen wir auf die Studie „Zwischen Freud und Leid – Leben und Sterben in der Frühen Neuzeit auf der Schwäbischen Alb“[80] zurück. Die Autorin kommt in ihrer Untersuchung von sechs Albdörfern nördlich von Ulm zu dem Ergebnis, dass Männer bei der Geburt ihres ersten Kindes in 43 % der Fälle zwischen 25 und 29 Jahre alt waren. 26 % wurden im Alter von 20 - 24 erstmals Vater und 2,6 % gar im Alter von 15 - 19 Jahren[81]. Natürlich gehört dem Alter der ersten Vaterschaft das Alter bei der durchschnittlichen letzten Vaterschaft gegenübergestellt. Dem Durchschnitt nach wurden in der größten Gruppe 9,5 % der Männer mit 41 Jahren letztmals Vater, aber viele der anderen waren bis mindestens zum Alter von 53 Jahren nach wie vor in der Lage Kinder zu zeugen[82]
Unter Einbezug dieser Erkenntnis lässt sich für die Geburt des jüngsten Sohnes Konrad (um 1565) im günstigen Fall (1. Vaterschaft im Alter von 20 Jahren) und eine Fruchtbarkeit bis ins hohe Alter (53 Jahre) ein wahrscheinlicher Zeitraum für die Geburt des Vaters zwischen 1510 und 1534 ableiten. In dieser Zeitspanne erscheinen in den Herbertinger Quellen vier Harsch: Jerg, Michel, Paulin und Hans.
Jerg ist 1525 als Beteiligter am Bauernkrieg belegt und 1544 wird ein weiterer Jerg als Besitzer einer Hofstatt in Uffhofen genannt. Paulin wird 1529 einmalig als Bewirtschafter des kleinen Kaplaneiguts Scheer erwähnt. Michel besitzt, wie bereits aufgeführt, eine eigene Hofstatt an der Straße nach Uffhofen. Diese drei Männer mögen redlich und arbeitsam gewesen sein, doch ihre sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse – vermutlich Kleinstbauern, Handwerker oder Seldner – lassen die Ausbildung von drei studierenden Söhnen als eher unwahrscheinlich erscheinen.
Der Blick richtet sich deshalb auf die nach 1541 genannten Personen (s. folgende Tabelle). Besonders Hans und Martin ragen aufgrund ihrer Besitzverhältnisse heraus.
Rechenmodell möglicher Geburtsjahre und Vaterschaften der drei Brüder Andreas, Michael und Konrad
| Name / Jahr | 1420 | 1467 | 1475 | 1486 | 1493 | 1511 | 1525 | 1529 | 1532 | 1541 | 1550 | 1554 | 1558 | 1561 | 1565 | 1568 | 1575 | 1579 | 1582 | 1583 | 1584 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Andreas | 1554 | *1568 | |||||||||||||||||||
| Michael | 1561 | *1575 | |||||||||||||||||||
| Konrad | 1565 | *1579 | |||||||||||||||||||
| Hans | X | X | X | X | X | X | X | ||||||||||||||
| Jerg | X | X | |||||||||||||||||||
| Herg | X | ||||||||||||||||||||
| Paulin | X | ||||||||||||||||||||
| Michel | X | X | |||||||||||||||||||
| Martin | X |
* Rechenmodell: Studienbeginn minus Eintrittsalter (14 Jahre) ergibt geschätztes Geburtsjahr.
Grau hinterlegt: vermutete Geburtsjahre der Brüder.
Hellblau hinterlegt: wahrscheinlicher Vaterschaftszeitraum auf Basis frühester und spätester Vateralter (1511–1532).
Martin, früher nie in den Akten aufgeführt, erscheint 1583 als Lehensnehmer eines stattlichen Hofes des Klosters Salem, den er jedoch aus ungeklärten Gründen vorzeitig zurückgibt. Hans – ein in der Familie häufig wiederkehrender Vorname – ist mehrfach im Zusammenhang mit umfangreichem Grundbesitz erwähnt, insbesondere auf Lehenshöfen des Spitals Saulgau. Bereits 1467 tritt ein Hans als Bewirtschafter eines solchen Hofes auf. Ein weiterer Hans wird 1632 im Dreißigjährigen Krieg Opfer eines der größten dokumentierten materiellen Schäden in Herbertingen – betroffen war erneut ein Hof des Spitals in der Nießgasse.
Das Ergebnis der Nachforschungen ist ernüchternd. Es könnte Martin gewesen sein, vielleicht auch Hans – doch ohne eindeutige urkundliche Belege wird der leibliche Vater der drei Brüder Andreas, Michael und Konrad Harsch der Nachwelt für immer verborgen bleiben. Und dennoch deutet einiges darauf hin, dass Hans der Vater gewesen sein könnte – nicht zuletzt wegen der Namenswahl von Konrads erstgeborenem Sohn Johann Georg[83]
3.2 Freiburg, die Universität und der Aufbruch ins akademische Leben (ab 1568)
[Bearbeiten]3.2.1 Etwas zur Stadtgeschichte
[Bearbeiten]Als sich Andreas Harsch im Jahr 1568 in die Matrikel der Universität Freiburg unter dem aus Meßkirch stammenden Rektor Christoph Eliner, Magister der Theologie, eintrug,[84] lag eine der schwersten Pestepidemien in der Geschichte der Stadt erst wenige Jahre zurück: Über 2.000 Menschen – jeder dritte Einwohner – waren ihr zum Opfer gefallen. Ein herber Rückschlag für die Entwicklung der 1091 von den Zähringer Herzögen gegründeten Stadt, die bereits 1120 das Marktrecht erhalten hatte und bis zum Jahr 1500 auf rund 6.000 Einwohner angewachsen war.[85]
Andreas’ Reise führte ihn vermutlich in Begleitung seines Vaters mit der Postkutsche zunächst nach Meßkirch, dann über Stockach und Donaueschingen, bevor sie den Schwarzwald durchquerten und schließlich das Dreisamtal nach einigen Tagen erreichten. In Freiburg betrat er die Stadt durch das Schwabentor – den einzigen Zugang aus Richtung Osten, zugleich von großer Bedeutung für den regionalen und überregionalen Handel. Die Stadt war im 16. Jahrhundert wie eine Festungsanlage mit umlaufenden Mauern und vorgelagerten Gräben gegen Angriffe von außen gesichert. Insgesamt verfügte Freiburg in dieser Zeit über neun große Stadttore, von denen heute nur noch das genannte Schwabentor und das Martinstor in Richtung Süden erhalten geblieben sind.[86] Der Weg zur Universität war kurz: Bereits nach wenigen Hundert Metern über Oberlinden, die Salzstraße und die Bertholdstraße erreichte er die im Jahr 1460 am Franziskanerplatz (heute Rathausplatz) eröffnete Universität, die südlich an das Alte Rathaus angrenzte.
3.2.2 Die Universität Freiburg – Studienalltag und erste Schritte ins Gelehrtenleben
[Bearbeiten]Baulich war das Gebäude – genannt das Alte Kollegium, Kollegiengebäude, zuletzt Alte Anatomie –, das sich im Bereich des heutigen Neuen Rathauses befand,[87] kaum mit den heutigen Universitätsbauten vergleichbar. Direkt gegenüber dem heutigen Neuen Rathaus – das zwischen 1896 und 1901 unter Einbeziehung des alten Kollegiengebäudes errichtet wurde[88] – sind neben der Kirche St. Martin noch die Reste eines Kreuzgangs zu sehen, der einst zum Franziskaner- bzw. Barfüßerkloster St. Martin gehörte. Die fehlenden Teile des Kreuzgangs wurden im 19. Jahrhundert entfernt, um einen Vorplatz für das neu errichtete Rathaus zu schaffen.[88]
Die Universität genoss von ihrer Gründung an besondere Rechte, verliehen durch ihren Stifter Erzherzog Albrecht VI.: Sie verfügte über die Münsterpfarrei mit ihren zahlreichen Pfründen sowie über eine eigene Jurisdiktion – also eine autonome Gerichtsbarkeit – für Professoren, Studenten und das gesamte Personal, das für die Universität in irgendeiner Art tätig war. Die Einnahmen aus der Münsterpfarrei, den zahlreichen Besitztümern in und um Freiburg, Ehingen an der Donau und um Biberach sicherten neben den zahlreichen Patronatsrechten die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Hochschule für viele Jahrhunderte[89]
3.2.3 Vom Gelbschnabel zum Beanus
[Bearbeiten]Wie viele Hunderte vor und Tausende nach ihnen mussten mussten sich die drei Brüder vor der Aufnahme ihrer Studien wegen ihres als ‚ungebildet‘ geltenden Auftretens – sinnbildlich als ‚Gelbschnäbel‘ – in einem speziellen Ritus von den älteren Studenten von "allem Rohen" - Deposition - befreien lassen. Nur so konnten sie bildungsgeneigte, feine Studenten, also "Beanus"[90] werden[91]
3.2.4 Das Studium – Voraussetzungen und Kosten
[Bearbeiten]Wer sich heute um einen Studienplatz an einer der zahlreichen Hoch- oder Fachhochschulen im Land bewirbt, weiß, wie groß die Hürden dafür sind: Ohne Abitur oder Fachhochschulreife geht nichts. Hinzu kommen die oft diskutierten Studiengebühren.
Doch wie war das vor rund 450 Jahren, als sich Andreas Harsch um einen Studienplatz an der Universität Freiburg bewarb? Welche Bildungschancen und Voraussetzungen hatte ein vierzehnjähriger Junge vom Land? Was gab es damals in einem kleinen Ort wie Herbertingen oder in den benachbarten Städten Saulgau, Mengen oder Riedlingen Vergleichbares zu heutigen Gymnasien? Wie konnte er sich vom ersten Tag an ausschließlich auf Latein mit seinem Magister und seinen Kommilitonen verständigen – wo doch alles andere untersagt war? Und wie konnte sein Vater, bei seiner einfachen sozialen Stellung, ihm und später auch seinen Brüdern ein Studium finanzieren?
Im 16. Jahrhundert lag die Vermittlung von Wissen im Dorf noch in der Verantwortung des Pfarrers und seines Mesners. Eine Schulpflicht – wie sie in Südwestdeutschland erst Mitte des 18. Jahrhunderts eingeführt wurde – existierte nicht. Und damit auch keine formalisierte Schule. Weder Herbertingen noch Saulgau oder andere umliegende Orte verfügten über eine geregelte schulische Bildungseinrichtung. Kloster- oder Lateinschulen waren ausschließlich dem Adel vorbehalten.
Es war somit allein Entscheidung der Eltern, ob sie ihren Kindern eine Bildung ermöglichen wollten – oder, wie es überwiegend festzustellen war, es genügte, ihnen durch Mitarbeit auf dem Feld oder im Handwerk praktische Kenntnisse zu vermitteln. In den meisten Fällen galt es als ausreichend, dem Nachwuchs das „notwendige Christentum“ zu lehren: der Besuch des Gottesdienstes und die Kinderlehre durch Pfarrer oder Mesner. Eine Ausnahme bildeten gelegentlich die Söhne bürgerlicher Amtsinhaber wie etwa der Ammänner – nicht gewählte, sondern von der Herrschaft eingesetzte Ortsvorsteher, die die wenigen Kloster- und Lateinschulen ebenfalls besuchen durften.
Religion und Kirche prägten den Alltag der Menschen. Fast alle Dorffeste und familiären Feiern hatten religiösen Ursprung, und der Pfarrer besaß aufgrund seiner zentralen Rolle im Dorf größtes Ansehen und Autorität. Für das spätere Leben der drei Brüder war der Kontakt zum Pfarrer daher vermutlich entscheidend. Er war – meist als Einziger – der lateinischen Sprache mächtig, verwendete sie regelmäßig in den Gottesdiensten und konnte diese auch an begabte Kinder weitervermitteln.
Die Eltern der Brüder Harsch dürften gottesfürchtig gewesen sein; ihre Kinder gläubig und wissbegierig. Es ist gut möglich, dass entweder sie selbst oder der Pfarrer frühzeitig Andreas’ außergewöhnliche Begabung erkannten – und gezielt förderten. Vor allem durch die Vermittlung der lateinischen Sprache ebneten sie ihm den Weg zu höheren Studien.
Was die Kosten des Studiums betrifft: Dem Gründer der Universität Freiburg war es ein besonderes Anliegen, Menschen aus allen sozialen Schichten den Zugang zum Studium zu ermöglichen. Deshalb durften sich auch mittellose Bewerber – sogenannte *pauperes* – immatrikulieren. Für keinen der drei Brüder Harsch ist allerdings in den Matrikel der Zusatz *pauper* nachweisbar. Daraus lässt sich schließen, dass entweder die Eltern selbst oder die Brüder nach ihrem Studium die Einschreibegebühr und später anfallende Kosten für Vorlesungen und Prüfungen bezahlt haben – oder dass die Finanzierung durch eine kirchliche oder private Stiftung erfolgte.
3.3 Herbertinger Studenten in Freiburg in der Frühen Neuzeit
[Bearbeiten]Der erste Student aus Herbertingen an der noch jungen Freiburger Universität war im Jahr 1489 ein Johannes Hohenfels[92] Ein ungewöhnlicher Name für Herbertingen, doch findet sich rund einhundert Jahre später um 1582 ein gestifteter Jahrtag für eine Elisabetha Hohfelser.[93] Damit könnte – berücksichtigt man die nicht immer zuverlässige und weniger genaue Namensschreibung jener Zeit – ein gewisser Zusammenhang zwischen den genannten Personen und Herbertingen gegeben sein.
Das Alltagsleben der Studenten war streng geregelt. Der Tag begann um 5 Uhr morgens und endete gegen 22 Uhr. Gesprochen wurde ausschließlich Latein. Die Unterkunft in sogenannten Bursen[94] – meist im Haus des jeweiligen Magisters, der dort auch unterrichtete – war spartanisch. Geistliche Regeln galten auch für die Scholaren: kein Alkohol, keine Frauen, einheitliche Kleidung und Frisur, sittsames Verhalten. Heiraten war frühestens mit Erreichen des Magister artium erlaubt. Verstöße wurden mit Geld- oder Freiheitsstrafen im Karzer geahndet. Bei schweren Vergehen drohte der Verweis – und damit der Verlust aller universitären Privilegien.
Noch heute finden sich in der historischen Altstadt südlich in der Schuster- und Salzstraße und östlich des Münsters in der Herrenstraße oder Konviktstraße zahlreiche Gebäude, die einst als Bursen dienten.
Als sich die drei Herbertinger – Andreas (1568), Michael (1575) und Konrad (1579) – in die Matrikel eintrugen, lag die Zahl der Studienanfänger pro Semester bei maximal 170. Zum Vergleich: Im Studienjahr 2019/2020 waren es über 5.300.
Die Matrikelbücher der ersten 200 Jahre der Universität enthalten folgende Herbertinger Studenten mit dokumentiertem Abschluss (Bakkalaureus, Magister oder Promotion):
- Hohenfels, Johannes (1489–1490)
- Kleiner, Georg (1564–1566)
- Harsch, Andreas (1568–1579)
- Harsch, Michael (1575)
- Ganser, Balthasar (1573–1576)
- Holtzwart, Jakob (1579–1583)
- Wech, Johannes (1588–1594)
- Sartorius, Martin (1590–1598)
- Sartorius, Franz (1595–1608)
- Hypschlin, Johannes (1624–1627)
- Klosterbauer, Christoph (1629–1632)
Neben diesen elf Namen sind weitere 13 Herbertinger Studienanfänger verzeichnet – darunter auch der jüngste der drei Brüder, Konrad. Bei diesem und den anderen fehlen allerdings Abschlussvermerke. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie ihr Studium nicht erfolgreich beendet hätten: Manche mussten es aus finanziellen, gesundheitlichen oder familiären Gründen abbrechen, andere könnten ihr Studium an einer anderen Universität fortgesetzt und abgeschlossen haben.
Mit ihrem Studienbeginn begann für die drei Brüder in sehr jungem Alter eine neue Lebensetappe – ein Abschied von der bäuerlich-handwerklichen Welt Herbertingens und ein Aufbruch in die Gelehrtenwelt der Universitätsstadt Freiburg.
Wie sich ihre Lebenswege von dort an – durchaus abwechslungsreich und auf je eigene Weise – entwickelten, wird in den folgenden Kapiteln einzeln betrachtet. Den Anfang macht Andreas, der älteste der drei, dessen Immatrikulation im Jahr 1568 zugleich den ersten dokumentierten Schritt in diese neue Welt markiert.
4. Andreas Harsch (1554 - 1612)
[Bearbeiten]4.1 Kindheit
[Bearbeiten]Wenn wir heute von der Kindheit unserer Kinder sprechen, meinen wir eine Lebensphase voller Schutz, Geborgenheit, individueller Förderung und Entwicklungschancen. Dieses moderne Verständnis lässt sich beispielhaft in folgendem Zitat zusammenfassen:
„Kinder werden in die Abhängigkeit von ihren Eltern hineingeboren; sie können in den ersten Lebensjahren nicht ohne die intensive Pflege und Erziehung durch Erwachsene überleben. Sie erlernen in der Familie Sprache, Ausdrucksweise, Normen, grundlegende Fertigkeiten und soziale Kompetenzen, entwickeln Persönlichkeitsstrukturen, Charaktereigenschaften, Denkstile, Erlebensweisen, (Geschlechts-)Rollen, Werthaltungen und individuelle Verhaltensweisen. Die Kinder werden in ihre materielle, soziale und kulturelle Umwelt eingeführt und lernen, sich in ihr zu behaupten. So wird in der Familie der Grundstock für das weitere Leben des Individuums gelegt.“ (zit. n. Textor 1990a, S. 14).[95]
Vier wohlformulierte Sätze umreißen, was wir unter Kindheit verstehen – zumindest in der Gegenwart. Doch dieses Bild bricht jäh, sobald wir in die Lebenswelt der Frühen Neuzeit eintauchen.
Kinder wurden damals nicht geplant, sondern geboren – oft zahlreich, in der Hoffnung, dass wenigstens einige das Erwachsenenalter erreichen. Kindheit war kein geschützter Raum, sondern ein funktionales Durchgangsstadium: Wer stehen konnte, musste tragen; wer sprechen konnte, musste lernen zu gehorchen. Für viele Eltern waren Kinder keine Persönlichkeiten in Entwicklung, sondern wirtschaftlich unverzichtbare Mitarbeiter – im Haushalt, im Stall, auf dem Feld, in der Werkstatt. Und irgendwann: Hoffnung auf Versorgung im Alter.
Begriffe wie „Kinderaufzucht“ beschreiben diesen Blick nüchtern – fast tiergleich. Was wir heute als elterliche Liebe oder emotionales Band bezeichnen, war in der damaligen Welt kaum relevant oder messbar. Kinder galten weniger als Wesen mit individuellen Bedürfnissen, sondern als Teil der Haus- und Arbeitsgemeinschaft – als „Mitesser“ und „Mithelfer“. Nähe konnte riskant sein, denn der Tod war allgegenwärtig. Eltern entwickelten Bindungen, doch nicht auf jene Weise, wie wir sie heute mit Zärtlichkeit, Schutz und Gefühlsäußerung verbinden. Liebe – sofern man überhaupt von ihr sprechen kann – äußerte sich eher im Einfügen ins göttliche Ordnungsgefüge und in der Hoffnung, dass das Kind seinen Platz in der Familie funktional erfüllt. Wer Kinder bekam, tat dies oft nicht aus bewusster Entscheidung, sondern weil es dem Lauf der Natur entsprach – oder dem Willen Gottes.
Die Vermittlung von Wissen war – wie bereits in Kapitel 1 erwähnt – keine Selbstverständlichkeit: Geregelte Schulbildung fehlte auf dem Land nahezu vollständig. Bildung war ein Privileg – und selbst dieses blieb vielen Kindern verwehrt.
Wie in diesem Umfeld Kindheit erlebt wurde, welche Chancen und welche Härten den Alltag bestimmten – das lässt sich nicht exakt rekonstruieren. Aber vieles deutet darauf hin: Auch für Andreas Harsch, seine Brüder und unzählige andere Kinder war die Kindheit weniger ein Lebensabschnitt – sondern von ganz klein an vor allem Vorbereitung auf ein hartes, kurzes Leben voller Pflicht und Verantwortung.
4.2 Studium
[Bearbeiten]Der Weg an eine Universität war im 16. Jahrhundert keineswegs selbstverständlich – schon gar nicht für junge Männer aus einem ländlichen Umfeld. Bildung war ein Privileg, und der Zugang zu akademischen Einrichtungen blieb in der Regel den Söhnen des Adels, wohlhabender Bürger oder kirchennaher Familien vorbehalten.
Umso bemerkenswerter ist der Bildungsweg von Andreas Harsch: Er war nachweislich erst der dritte bekannte Student aus Herbertingen, der an der 1460 gegründeten Universität Freiburg einen Magisterabschluss erlangte – im Jahr 1572.
Über den frühesten namentlich bekannten Studenten Johannes Hohenfels (1489–1490) liegen keine weiteren Angaben vor – weder zu seiner Herkunft noch zu einem möglichen Abschluss. Anders bei Georg Kleiner, der zwischen 1564 und 1566 immatrikuliert war und den Magistergrad erreichte: Er war Sohn des damaligen Dorfammanns und stammte damit aus gehobenem sozialem Umfeld.
Andreas Harsch hingegen trat 1568 in die Matrikel ein – nicht als Amtsinhaber, nicht als Patriziersohn, sondern als Angehöriger einer bäuerlich-handwerklich geprägten Familie. Dass er – gegen alle strukturellen Hürden – seinen Weg bis zum Magisterabschluss ging, macht seine Bildungsbiografie außergewöhnlich.
Die folgende Grafik zeigt, wie gering die Erfolgsquoten an der Universität Freiburg insgesamt waren – und unterstreicht damit umso mehr die Leistung von Andreas Harsch:

Noch deutlicher wird das Missverhältnis im prozentualen Vergleich: Zwei Drittel aller Studienanfänger erreichen keinen Abschluss.

Vor diesem Hintergrund verdient Andreas Harsch nicht nur als erster Akademiker seiner Familie, sondern auch als sozialer Grenzgänger besondere Beachtung.
4.2.1 Studienort Freiburg
[Bearbeiten]In den Kapiteln 3.2.2 bis 3.2.4 wurden die Gründung der Universität Freiburg, der Studienalltag, Aufnahmerituale sowie die Voraussetzungen und Finanzierungsmöglichkeiten eines Studiums im 16. Jahrhundert beschrieben.
Dieser Abschnitt widmet sich nun ausschließlich dem akademischen Weg, den der junge Andreas Harsch an der Universität Freiburg vom Tag seiner Immatrikulation bis zu seinem Magisterabschluss beschritt.
Am 9. Oktober 1568 wurde er bei dem Theologen und Magisters Christoph Eliner, vermutlich in dessen Haus "Rappen" in der Schusterstraße 15 [parallel in südlicher Richtung zum Münsterplatz] in Freiburg immatrikuliert. Der lateinische Eintrag in der Matrikel lautet:
Sub undecimo rectoratu Christopheri Elineri artium ac theologiae magistri, quem ordinarie deo anspice gessit a Philippi et Jacobi apostolorum usque ad profestum Omnium Sanctorum anno domini 1568, sequentium studiosorum nomina sunt in album universitatis Fryb. relata.[96]>
Übersetzung: „Unter dem elften Rektorat von Christoph Eliner, Magister der Künste und Theologie, der es mit Gottes Beistand ordnungsgemäß ausübte vom Fest der Apostel Philippus und Jakobus bis zum Vorabend Allerheiligen im Jahr des Herrn 1568, wurden die Namen der folgenden Studenten in das Verzeichnis der Universität Freiburg eingetragen.“
Eliner war ein anerkannter Lehrer an der theologischen Fakultät, ebenso wie an der Artistenfakultät. 1523 im badischen Meßkirch geboren, begann er 1538 mit seinem Studium, ebenfalls an der Universität Freiburg. Bei einem Studium in Padua promovierte er zum Dr. theol.. Von 1551 bis zu seinem wohl altersbedingten Ausscheiden 1574 wirkte er wiederholt an der Freiburger Universität als Dekan der theologischen Fakultät sowie mehrmals als Rektor. Darüber hinaus war er Kaplan der Kirche St. Nikolaus in Freiburg. Eliner starb 1575. An ihn erinnert bis heute eine Gedenktafel in der Universitätskapelle[97]
In der elften Rektoratsperiode Eliners wurden insgesamt 101 Studierende aufgenommen. Aus dem näheren Umgebung von Herbertingen stammten unter anderem die folgenden:
| Matr.-Nr. | Name, Vorname | Herkunftsort | Eintrag am | Höchster Abschluss |
|---|---|---|---|---|
| 7 | Feler, Jacobus | Mengen | 28.05.1568 | kein Vermerk |
| 8 | Weinschenk, Christopherus | Mengen | 28.05.1568 | kein Vermerk |
| 9 | Fäslin, Christopherus | Saulgau | 29.05.1568 | Magister, 18.02.1571 |
| 11 | Suartzachius, Johannes | Meßkirch | 02.06.1568 | Baccalaureus artium, 11.10.1569 |
| 17 | Herman, Christopherus | Meßkirch | 30.06.1568 | kein Vermerk |
| 38 | Gleitz, Joannes | Riedlingen | 24.07.1568 | Baccalaureus artium, 17.01.1570 |
| 59 | Letstatt, Thomas | Mengen | 16.08.1568 | kein Vermerk |
| 70 | Bösch, Baltharsar | Mieterkingen | 02.09.1568 | Magister, 17.07.1571 |
| 88 | Osterreicher, Joannes | Riedlingen | 02.10.1568 | Baccalaureus artium, 20.06.1570 |
| 92 | Harsch, Andreas | Herbertingen | 09.10.1568 | Magister, 15.01.1572 |
| 98 | Öler, Christopherus | Saulgau | 17.10.1568 | kein Vermerk |
Von den vorstehend 11 aufgeführten Namen haben nur fünf Studierende keinen Abschluss (45%), drei Studierende haben den niedrigsten Abschluss, den baccalaureus artium (27%) und eben so viele schlossen ihr Studium mit dem zweiten Ziel, dem Magister ab. Mit mehr als 50% erfolgreichem Studium heben sich damit die oberschwäbischen Studenten deutlich aus der Masse der zuvor untersuchten Jahrgänge 1565 - 1580 hervor. Andreas Harsch war einer von ihnen. Doch zufrieden scheint er nicht gewesen zu sein – wie sein weiterer Weg zeigen wird.
4.2.2 Dole
[Bearbeiten]4.3 Beruf
[Bearbeiten]4.3.1 Freier Advokat
[Bearbeiten]4.3.2 Beamtenlaufbahn in Ensisheim
[Bearbeiten]4.3.3 Kanzler der Vorlande
[Bearbeiten]4.4 Privates
[Bearbeiten]4.4.1 Ritterstand
[Bearbeiten]4.4.2 Vermögensmehrung
[Bearbeiten]4.4.1 Heirat
[Bearbeiten]4.5 Ortsherr über Holzhausen, Ober- und Niederreute
[Bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten]Ball, Gabriele / Jacobi, Juliane: *Schule und Bildung in Frauenhand – Anna Vorwerk und ihre Vorläuferinnen*. Wolfenbütteler Forschungen, Bd. 141. Herzog August Bibliothek, Wolfenbüttel 2015.
Bleicher, Walter: *Schwäbische Kunde*. Bände 1605, 1632, 1661. Gemeindearchiv Herbertingen.
Buchholz, Matthias: *Familie und Arbeitsorganisation in der Frühen Neuzeit*. GRIN Verlag, München 2009.
Fliege, Thomas: *Bauernfamilien zwischen Tradition und Moderne – Eine Ethnographie bäuerlicher Lebensstile*. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1998.
Haug, Franz: *Marbacher Dorfbuch*. Schwabenverlag, Ellwangen 1959.
Huggle, Ursula / Steffens, Thomas: *Holzhausen – ein Dorf der March*. Gemeinde March 1995.
Kalchthaler, Peter: *900 Jahre Freiburg – Menschen | Plätze | Gebäude*. Stadt Freiburg (Hg.). Promo-Verlag, Freiburg 2020.
Lerche, Eva-Maria: *Einführung in die Frühe Neuzeit*. Universität Münster 2003.
Mayer, Hermann: *Die Matrikel der Universität Freiburg 1460–1656*. Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg 1907/1910.
Merkt, Josef: *50.000 Jahre Oberschwaben: Geologie, Klima und der Mensch*. Heimatkundliche Schriftenreihe Landkreis Sigmaringen 2016.
Mertens, Dieter: *Die Bursen und die Lehre. Freiburgs „Alte Universität“*. In: *Freiburger Universitätsblätter*, Jg. 48 (2009), Nr. 184, S. 49–63.
Mitterauer, Michael: *Familie und Arbeitswelt in historischer Sicht*. Frankfurt am Main 1987.
Nassal, Ernst: *Herbertingen – Ein Dorf im Oberland*. Gemeindearchiv Herbertingen 1996.
Rösener, Werner: *Die bäuerliche Familie des Spätmittelalters*. Konstanzer Arbeitskreis für Mittelalterliche Geschichte, 2009.
Rolf, Christine: *Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung*. Universität Münster 2003.
Schranz, Melanie: *Zwischen Freud und Leid – Leben und Sterben in der Frühen Neuzeit auf der Schwäbischen Alb*. Dissertation, Universität Mainz 2014.
Selig, Theodor: *Materialien zur Chronik von Herbertingen*. Aus dem Fürstlich Thurn und Taxis Archiv 1938/39. Gemeindearchiv Herbertingen.
Speck, Dieter: *Die vorderösterreichische Regierung in Ensisheim*. In: Fritz, G. / Kirn, D. (Hg.): *Florilegium Suevicum – Beiträge zur südwestdeutschen Landeskunde*. Jan-Thorbecke Verlag, Ostfildern 2008.
Speck, Dieter: *Uniseum Freiburg – Staunen | Forschen | Lehren*. Albert-Ludwig-Universität Freiburg im Breisgau (Hg.). Promo-Verlag, Freiburg 2007.
Tieben, Reemda: *Einführung in die Frühe Neuzeit*. Universität Münster 2003.
Weber, Edwin Ernst: *Herbertingen in der Frühen Neuzeit*. In: *Heimatbuch Herbertingen*. Gemeinde Herbertingen (Hg.), Kessler-Verlagsdruckerei, Bobingen 2005.
Ziwes, Franz-Josef: *Herbertingen im Mittelalter*. In: *Heimatbuch Herbertingen*. Gemeinde Herbertingen (Hg.), Kessler-Verlagsdruckerei, Bobingen 2005.
ChatGPT fragen
- ↑ Ziwes, Franz-Josef: „Herbertingen im Mittelalter“, in: Heimatbuch Herbertingen – Geschichte Landschaft Menschen, Gemeinde Herbertingen 2005, S. 49.
- ↑ Brand, Hans Gerhard: Geschichte und Strukturwandel des Dorfes in Oberschwaben, Landesdenkmalamt Tübingen
- ↑ Hagmann, Sabine: Spuren der Vor- und Frühgeschichte, in: Heimatbuch Herbertingen 2005, S. 15.
- ↑ Bofinger, Jörg: Flugzeug, Laser, Spaten – Fernerkundung und archäologische Feldforschung, 2007, S. 22 ff.
- ↑ Anmerkung des Verfassers: Ursächlich hierfür war die Tatsache, dass es vor allem die verschiedensten Klöster – Salem, Habstal, Heiligkreuztal, Gorheim, Reichenau, Sießen, St. Gallen u. a. waren, die über Jahrhunderte zahlreiche Lehensgüter in Herbertingen besaßen.
- ↑ Lagerbuch der Gemeinde Herbertingen, 1755, Gemeindearchiv Herbertingen (GAH).
- ↑ Bleicher, Walter: Schwäbische Kunde, Jahrgang 1622.
- ↑ Bleicher, Walter: Schwäbische Kunde, Jahrgang 1408. Gemeindearchiv Herbertingen (Erwähnung der Heiligenmühle "gelegen zu Uffhofen by der Mullin")
- ↑ Gemeindearchiv Herbertingen (GAH), Gemeinderatsprotokoll Bd. 13, S. 23, 316. Einfassung und Begradigung des Baches im Jahr 1876 mit Quadern aus Steinbrüchen bei Langenenslingen.
- ↑ Selig, Theodor: Sammlungen zur Chronik Herbertingen 1937–1940, Reg. 4, S. 14; Gemeindearchiv Herbertingen.
- ↑ Gemeindearchiv Herbertingen (GAH), Brückenverzeichnis von 1734
- ↑ Ziwes, ebd., S. 44.
- ↑ Ziwes, ebd., S. 43.
- ↑ 14,0 14,1 Fliege, Thomas: Bauernfamilien zwischen Tradition und Moderne. Eine Ethnographie bäuerlicher Lebensstile, Frankfurt/Main, 1998, S. 415.
- ↑ Selig, Theodor: Materialien zur Chronik von Herbertingen, Abschnitt M, Seite 1.
- ↑ Selig, ebd., Urbar der Grafschaft Friedberg-Scheer, 1541, Seite 4.
- ↑ Fliege, Thomas: a.a.O., S. 284.
- ↑ STATISTA: Durchschnittliches Heiratsalter in Deutschland, abgerufen 2025.
- ↑ Schranz, Melanie: Zwischen Freud und Leid – Leben und Sterben in der Frühen Neuzeit auf der Schwäbischen Alb, Dissertation Mainz 2014, S. 345, Abb. 127.
- ↑ Schranz, Melanie: a.a.O., S. 343.
- ↑ Schranz, Melanie: a.a.O., S. 161.
- ↑ Buchholz, Matthias: Familie und Arbeitsorganisation in der Frühen Neuzeit, GRIN Verlag 2009, Kap. 2.3.1, S. 13.
- ↑ www.statista.de; Anzahl der ehelich und nichtehelich Lebendgeborenen in Deutschland 2019.
- ↑ Schranz, Melanie: a.a.O., Kap. 8.3.7, S. 258; Tab. 46, S. 264.
- ↑ Rolf, Christina: Einführung in die Frühe Neuzeit – Soziale Ordnung, Kap. 3.7.1.1: „Weibliche Arbeitsbereiche“, Universität Münster 2003.
- ↑ Schranz, Melanie: a.a.O., Kap. 8.4.4.2, S. 306.
- ↑ Rösener, Werner: Die bäuerliche Familie des Spätmittelalters – Familienstruktur, Haushalt und Wirtschaftsverhältnisse, S. 139.
- ↑ Rolf, Christina: a.a.O., Kap. 3.7.1.2: „Männliche Arbeitsbereiche“.
- ↑ Lerche, Eva-Maria: Einführung in die Frühe Neuzeit, Kap. 3.2.2: „Arbeitsorganisation in der bäuerlichen Haus- und Familienwirtschaft“, Universität Münster 2003.
- ↑ Fliege, Thomas: a.a.O., S. 315 ff.
- ↑ Fliege, Thomas: a.a.O., S. 335 ff.
- ↑ Günther, Franz: Quellen zur Geschichte des deutschen Bauernstandes in der Neuzeit, Darmstadt 1963, Bd. 1, S. 3.
- ↑ Ohrmann, Daniela; Namenberatungsstelle der Universität Leipzig in: *Badische Zeitung*, Freiburg, 25.09.2015: „Nomen est Omen“.
- ↑ Haug, Franz: *Marbacher Dorfbuch*, 1959, S. 88.
- ↑ 35,0 35,1 Brand, Helmut: Eigene Auswertung der Herbertinger Namensquellen aus dem Zeitraum 1400–1800
- ↑ Schranz, Melanie: *Zwischen Freud und Leid – Leben und Sterben in der Frühen Neuzeit auf der Schwäbischen Alb*, Kap. 8.3.5, Tab. 44.
- ↑ Brechenmacher, Josef Karlmann: Aufsatz im *3. Riedlinger Tagblatt*, 1939, S. 60 über Herkunft und Häufigkeit des Familiennamens Harsch.
- ↑ Bleicher, Walter: *Schwäbische Kunde*, 1420.
- ↑ Selig, Theodor: *Sammlungen zur Chronik Herbertingen*, F, S. 2–4.
- ↑ Ziwes, Franz-Josef: „Herbertingen im Mittelalter“, in: *Heimatbuch Herbertingen – Geschichte Landschaft Menschen*, Gemeinde Herbertingen 2005, S. 41.
- ↑ Stadtarchiv Bad Saulgau, Bestand BVII, 7297: Urbar der Mooshauptenpflege.
- ↑ Bleicher, Walter: *Schwäbische Kunde*, Jahrgang 1486.
- ↑ Bleicher, Walter: *Schwäbische Kunde*, Jahrgang 1493.
- ↑ Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/1 T1 Nr. 257.
- ↑ Weber, Ernst E.: In: *Heimatbuch Herbertingen*, S. 108.
- ↑ Selig, Theodor: *Sammlungen zur Chronik Herbertingen*, M, S. 2.
- ↑ Selig, Theodor: *Urbuch über herrschaftliche Besitzungen*, S. 2, 4, 6, 8.
- ↑ Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/1 T1 Nr. 375a.
- ↑ Selig, Theodor: *Kirchliches, Heiligenpflege*, O, S. 4.
- ↑ Selig, Theodor: *Sammlungen zur Chronik Herbertingen*, H, Fol. 534.
- ↑ Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/1 T1 Nr. 543.
- ↑ Selig, Theodor: *Auszug aus dem Urbar von 1582 betr. Pfarrei und Kaplaneien*, J, S. 3.
- ↑ Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 0/1 T1 Nr. 543.
- ↑ Selig, Theodor: *Sammlungen zur Chronik*, J: IV, 3.
- ↑ Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/1 T1 Nr. 709.
- ↑ Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/1 T3 Nr. 3182.
- ↑ Selig, Theodor: *Verzeichnis der herrschaftlichen Leibeigenen 1619 ff.*, R, S. 38.
- ↑ Selig, Theodor: wie vor.
- ↑ Selig, Theodor: wie vor, S. 82.
- ↑ Selig, Theodor: wie vor, S. 86.
- ↑ Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/1 T1 Nr. 814.
- ↑ Bleicher, Walter: *Schwäbische Kunde*, Jahrgang 1623.
- ↑ Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/1 T1 Nr. 825.
- ↑ Selig, Theodor: *Geistliche Pfründe*, P, S. 6.
- ↑ Staatsarchiv Sigmaringen, Dep. 30/1 T1 Nr. 827.
- ↑ Bleicher, Walter: *Schwäbische Kunde*, Jahrgang 1632.
- ↑ Bleicher, Walter: *Schwäbische Kunde*, Jahrgang 1632.
- ↑ Bleicher, Walter: *Schwäbische Kunde*, Jahrgang 1632.
- ↑ Selig, Theodor: *Verschiedene Verhandlungen zwischen Herbertingen und Salem*, D, S. 3.
- ↑ Haug, Franz: *Marbacher Dorfbuch*, 1959, S. 88.
- ↑ Haug, Franz: *Marbacher Dorfbuch*, 1959, S. 71.
- ↑ schon die Frage - handelt es sich überhaupt um drei Brüder? - beantworten externe Quellen: Die "Matrikel der Universität Freiburg"
- ↑ Universitätsarchiv; Stadtarchiv Freiburg und Staatsarchiv Freiburg; Archiv der Erzdiözese Freiburg
- ↑ Schranz, Dr. Melanie; „Zwischen Freud und Leid – Leben und Sterben in der Frühen Neuzeit auf der Schwäbischen Alb“
- ↑ siehe Literaturverzeichnis
- ↑ hier vor allem die umfassenden Auswertungen von Selig, Theodor, Pfarrer in „ Materialien zur Chronik von Herbertingen aus Archivalien des Fürstl. Thurn und Taxis´schen-Archivs zu Obermachtal“
- ↑ Mayer, Prof. Hermann: Die Matrikel der Universität Freiburg. Band 1, S. 506.
- ↑ Mayer, Prof. Hermann: Die Matrikel der Universität Freiburg. Band 1, S. 577.
- ↑ Mayer, Prof. Hermann: Die Matrikel der Universität Freiburg. Einleitung, Kapitel XI: Lebensalter der Immatrikulierten.
- ↑ Schranz, Dr. Melanie: „Zwischen Freud und Leid – Leben und Sterben in der Frühen Neuzeit auf der Schwäbischen Alb“.
- ↑ Schranz, Dr. Melanie: a.a.O., S. 289, Tabelle 102: „Alter bei der Geburt des 1. Kindes“.
- ↑ Schranz, Dr. Melanie: a.a.O., Kap. 8.4.3.2: Abschluss der reproduktiven Phase, Abb. 103.
- ↑ Schranz, Dr. Melanie: a.a.O., Kapitel 8.3.5, Seite 247.
- ↑ Mayer: Matrikel der Universität Freiburg, S. 506.
- ↑ Wikipedia: „Einwohnerentwicklung von Freiburg“, zuletzt abgerufen am 11.07.2025.
- ↑ Kalchthaler, Peter: Freiburg 2020 – Jubiläumsbuch 900 Jahre Stadt Freiburg, S. 16 ff.
- ↑ Kalchthaler, Peter: Die Alte Universität am Franziskanerplatz, 2011.
- ↑ 88,0 88,1 Kalchthaler, Peter: a.a.O., S. 29.
- ↑ Speck, Dieter: Uniseum Freiburg, Promo-Verlag Freiburg, 2007, S. 18 ff.
- ↑ Wikipedia: „Beanus“, zuletzt abgerufen am 13.07.2025.
- ↑ Speck, Dr. Dieter: Uniseum Freiburg, Promo-Verlag Freiburg, 2007, S. 16.
- ↑ Mayer, Matrikel der Universität Freiburg, S. 95, Eintrag Nr. 18.
- ↑ Selig, Theodor: Materialien zur Chronik von Herbertingen, J, S. 2.
- ↑ Mertens, Dieter: „Die Bursen und die Lehre“, in: Freiburgs Alte Universität – Freiburger Universitätsblätter 184, Jg. 48 (2009), S. 49–63.
- ↑ Textor, Martin R.: "Die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen als Herausforderung an Familie und Schule", https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/elternarbeit/elternarbeit-grundsaetzliches-ueberblicksartikel/bildungs-und-erziehungspartnerschaft-revisited/
- ↑ Mayer, Prof. Hermann: Die Matrikel der Universität Freiburg. Band 1, S. 503.
- ↑ Ruth, Horst: Das Personen- und Ämtergefüge der Universität Freiburg 1520-1620, Dissertation, Freiburg 2001, T.2. S. 27 ff.