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Benutzer:Thirunavukkarasye-Raveendran/Die Geschichte Ungarns - Das Ende Roms 4

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Die Geschichte Ungarns - 4. - Römische Provinz Pannonia (1.-5. Jahrhundert)
Zivilisation an der Grenze
DIE GESCHICHTE UNGARNS
Vorgeschichte und Urgeschichte

Das Ende Roms: Völkerwanderung und neue Mächte (4.-5. Jahrhundert)

[Bearbeiten]
1. Das 4. und 5. Jahrhundert nach Christus zählen zu den entscheidendsten Epochen der europäischen Geschichte.
2. In diesen beiden Jahrhunderten ging das Weströmische Reich zugrunde.
3. Mit ihm versank eine politische Ordnung, die fast ein halbes Jahrtausend Bestand gehabt hatte.
4. An die Stelle Roms traten neue Völker und neue Mächte.
5. Aus diesem Umbruch ging schließlich das mittelalterliche Europa hervor.
6. Auch für das Karpatenbecken, in dem das heutige Ungarn liegt, war diese Zeit von größter Bedeutung.
7. Das Becken gehörte als Provinz Pannonia zum Römischen Reich.
8. Es lag an der Donau, also unmittelbar an der bedrohten Reichsgrenze.
9. Damit war Pannonia von den Umwälzungen dieser Epoche besonders betroffen.
10. Der folgende Abschnitt schildert das Ende der römischen Welt im Karpatenbecken.
11. Um diese Epoche zu verstehen, muss man mehrere Entwicklungen zusammen betrachten.
12. Der Untergang Roms war kein einzelnes Ereignis, sondern ein langer Prozess.
13. Viele Ursachen wirkten dabei über lange Zeit zusammen.
14. Eine wichtige Rolle spielten innere Schwächen des Römischen Reiches.
15. Schon im 3. Jahrhundert hatte das Reich eine schwere Krise durchlebt.
16. Politische Unruhen, Bürgerkriege und wirtschaftliche Not hatten es geschwächt.
17. Diese inneren Probleme setzten sich im 4. Jahrhundert teilweise fort.
18. Das geschwächte Reich konnte seine langen Grenzen immer schwerer schützen.
19. Gleichzeitig wuchs der Druck von außen beständig an.
20. Jenseits der Grenzen lebten zahlreiche Völker, die ins Reich drängten.
21. Die wichtigsten dieser Völker waren die germanischen Stämme.
22. Zu ihnen gehörten unter anderem die Goten, Vandalen und Langobarden.
23. Diese Völker waren keine bloßen Plünderer, sondern suchten oft neues Land.
24. Viele von ihnen flohen ihrerseits vor einer noch größeren Bedrohung.
25. Diese Bedrohung ging von einem Reitervolk aus dem Osten aus.
26. Dieses Volk waren die Hunnen, die aus den Steppen Asiens vordrangen.
27. Das Erscheinen der Hunnen setzte zahlreiche Völker in Bewegung.
28. Diese großen Wanderungsbewegungen werden als Völkerwanderung bezeichnet.
29. Die Völkerwanderung ist das zentrale Geschehen dieser Epoche.
30. Sie veränderte die politische Landkarte Europas grundlegend.
31. Im Mittelpunkt vieler dieser Bewegungen lag das Karpatenbecken.
32. Das Becken war ein wichtiger Durchgangsraum zwischen Ost und West.
33. Seine weiten Ebenen zogen besonders die Reitervölker an.
34. So wurde Pannonien zum Schauplatz wechselnder Mächte.
35. Der folgende Abschnitt gliedert dieses Geschehen in sechs Schritte.
36. Zunächst wird der innere Niedergang der römischen Macht betrachtet.
37. Dabei stehen die wirtschaftlichen und politischen Krisen im Vordergrund.
38. Anschließend folgen die ersten Invasionswellen der germanischen Völker.
39. Besonders die Goten spielten dabei eine herausragende Rolle.
40. Danach rücken die Hunnen und ihr König Attila in den Blick.
41. Ihr Reich hatte sein Kernland im Karpatenbecken selbst.
42. Ein weiterer Schritt schildert den Zusammenbruch der Provinz Pannonia.
43. Damit endete die römische Herrschaft im Gebiet des heutigen Ungarn.
44. Der nächste Schritt behandelt die Zeit nach dem Ende Roms.
45. In dieser Zeit rangen neue Mächte um die Herrschaft im Becken.
46. Den Abschluss bildet die Transformation der antiken Welt.
47. Aus dem römischen Pannonien wurde dabei ein frühmittelalterliches Land.
48. Diese sechs Schritte zeichnen gemeinsam das Ende einer Epoche nach.
49. Sie zeigen den Übergang von der Antike zum Frühmittelalter.
50. Damit bilden sie die Grundlage für die weitere Geschichte des Karpatenbeckens.

Der Niedergang der römischen Macht: Wirtschaftliche und politische Krisen

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1. Das Römische Reich erlebte im 3. Jahrhundert nach Christus eine tiefgreifende Krise, die seine Grundfesten erschütterte.
2. Diese Krise war kein plötzliches Ereignis, sondern ein langer Prozess aus vielen ineinandergreifenden Schwierigkeiten.
3. Wirtschaftliche, politische und militärische Probleme verstärkten sich gegenseitig und schwächten das Reich von innen.
4. Für die Provinz Pannonia, in der das heutige Ungarn lag, hatte dieser Niedergang weitreichende Folgen.
5. Pannonia war eine Grenzprovinz und damit besonders von Unsicherheit und äußerem Druck betroffen.
6. Um den Niedergang zu verstehen, muss man die verschiedenen Krisenfelder einzeln betrachten.
7. Das 2. Jahrhundert gilt gemeinhin als Höhepunkt römischer Macht und Stabilität.
8. In dieser Zeit erstreckte sich das Reich über drei Kontinente und umfasste viele Millionen Menschen.
9. Eine lange Phase des inneren Friedens, von der Forschung Pax Romana genannt, hatte Wohlstand ermöglicht.
10. Pax Romana bezeichnet den vergleichsweise friedlichen Zustand innerhalb der Reichsgrenzen.
11. Doch bereits unter Kaiser Mark Aurel zeigten sich erste ernsthafte Risse in diesem Gefüge.
12. Germanische Stämme drangen über die Donau ein und bedrohten unmittelbar die Provinz Pannonia.
13. Diese sogenannten Markomannenkriege banden über Jahre hinweg große militärische Kräfte.
14. Gleichzeitig brachte eine schwere Seuche, die Antoninische Pest, den Tod über weite Teile des Reiches.
15. Diese Epidemie tötete vermutlich Millionen Menschen und schwächte Wirtschaft und Heer erheblich.
16. Der Bevölkerungsverlust führte zu Arbeitskräftemangel in Landwirtschaft und Handwerk.
17. Damit deuteten sich schon im späten 2. Jahrhundert die Probleme des folgenden Jahrhunderts an.
18. Die eigentliche Reichskrise brach jedoch erst nach dem Jahr 235 in voller Schärfe aus.
19. Den Beginn dieser Krise markierte die Ermordung des Kaisers Severus Alexander durch eigene Soldaten.
20. Damit begann eine Epoche, die als Reichskrise des 3. Jahrhunderts bekannt ist.
21. Das wohl auffälligste Merkmal dieser Zeit war die politische Instabilität an der Reichsspitze.
22. Innerhalb von rund fünfzig Jahren herrschten mehr als zwanzig Kaiser über das Reich.
23. Die meisten dieser Herrscher regierten nur wenige Monate oder Jahre.
24. Nur sehr wenige von ihnen starben eines natürlichen Todes.
25. Die übergroße Mehrheit wurde ermordet, fiel im Bürgerkrieg oder wurde gestürzt.
26. Diese Herrscher werden in der Forschung oft als Soldatenkaiser bezeichnet.
27. Der Begriff Soldatenkaiser verweist darauf, dass das Heer die Kaiser ein- und absetzte.
28. Die Macht im Staat lag faktisch bei den Legionen und ihren Befehlshabern.
29. Wer die Unterstützung der Soldaten gewann, konnte sich zum Kaiser ausrufen lassen.
30. Verlor ein Kaiser diese Unterstützung, war sein Sturz meist nur eine Frage der Zeit.
31. Häufig riefen mehrere Heeresgruppen gleichzeitig verschiedene Männer zum Kaiser aus.
32. Die Folge waren zahlreiche Bürgerkriege, in denen Römer gegen Römer kämpften.
33. Auch die Provinz Pannonia spielte bei diesen Machtkämpfen eine wichtige Rolle.
34. In Pannonia lagen starke Legionen, deren Unterstützung für jeden Thronbewerber wertvoll war.
35. Mehrfach wurden in den Donauprovinzen eigene Kaiser ausgerufen.
36. Diese ständigen Erhebungen banden militärische Kräfte, die an den Grenzen fehlten.
37. Statt die Reichsgrenzen zu verteidigen, kämpften die Legionen gegeneinander.
38. Die politische Zersplitterung erreichte um die Mitte des 3. Jahrhunderts ihren Höhepunkt.
39. Zeitweise zerfiel das Reich in mehrere weitgehend unabhängige Teilreiche.
40. Im Westen entstand das sogenannte Gallische Sonderreich mit eigenen Kaisern.
41. Im Osten bildete sich um die Handelsstadt Palmyra ein eigenes Machtzentrum.
42. Die Zentralregierung in Rom kontrollierte für einige Jahre nur noch einen Teil des Reiches.
43. Dass das Reich diese Zersplitterung überstand, war keineswegs selbstverständlich.
44. Zur politischen Krise trat eine schwere wirtschaftliche Krise hinzu.
45. Beide Krisen waren eng miteinander verflochten und verstärkten sich gegenseitig.
46. Ein zentrales Problem der Wirtschaft war die Entwertung der Münzen.
47. Die römische Währung beruhte auf Münzen aus Edelmetall, vor allem aus Silber.
48. Der wichtigste Silberkrieg, der Denar, verlor im Lauf des 3. Jahrhunderts stark an Wert.
49. Die Kaiser brauchten ständig Geld, um die Soldaten zu bezahlen und sich Loyalität zu sichern.
50. Um mehr Münzen prägen zu können, verringerten sie den Silbergehalt der Münzen.
51. Neue Münzen enthielten immer weniger Silber und immer mehr unedles Metall.
52. Am Ende bestanden viele Münzen nur noch aus Kupfer mit einem dünnen Silberüberzug.
53. Diese Verschlechterung der Münzen wird als Münzverschlechterung bezeichnet.
54. Die Menschen erkannten rasch, dass die neuen Münzen weniger wert waren.
55. In der Folge stiegen die Preise für Waren stark an.
56. Dieser anhaltende Preisanstieg wird heute als Inflation bezeichnet.
57. Inflation bedeutet, dass man für dieselbe Geldmenge immer weniger kaufen kann.
58. Das Vertrauen in die staatliche Währung ging weitgehend verloren.
59. Vielerorts kehrten die Menschen zum direkten Tausch von Waren gegen Waren zurück.
60. Der Tausch von Gütern ohne Geld wird Naturalwirtschaft genannt.
61. Auch der Staat selbst forderte Steuern zunehmend in Form von Naturalien ein.
62. Statt Geld mussten die Untertanen nun Getreide, Vieh oder andere Güter abliefern.
63. Die Geldwirtschaft, eine wichtige Grundlage des römischen Wohlstands, geriet damit ins Wanken.
64. Eine schwache Währung erschwerte den überregionalen Handel erheblich.
65. Der Handel litt zudem unter der allgemeinen Unsicherheit im Reich.
66. Kriege, Plünderungen und Überfälle machten die Reisewege gefährlich.
67. Kaufleute konnten Waren nicht mehr zuverlässig über weite Strecken transportieren.
68. Das gut ausgebaute Netz römischer Straßen verlor durch fehlende Pflege an Qualität.
69. Viele Fernhandelsbeziehungen brachen zusammen oder schrumpften deutlich.
70. Die Wirtschaft zog sich auf kleinere, regionale Kreisläufe zurück.
71. Regionen versorgten sich zunehmend selbst, statt Waren aus fernen Provinzen zu beziehen.
72. Diese Entwicklung wird in der Forschung als Regionalisierung der Wirtschaft beschrieben.
73. Auch das städtische Leben, einst ein Kennzeichen römischer Zivilisation, geriet in die Krise.
74. Viele Städte zogen Mauern um ihren Kern, um sich vor Angriffen zu schützen.
75. Solche Stadtmauern waren in der friedlichen Hochzeit des Reiches oft unnötig gewesen.
76. Der Bau und Unterhalt der Mauern verschlang erhebliche finanzielle Mittel.
77. Häufig wurden die Mauern aus dem Baumaterial zerstörter oder ungenutzter Gebäude errichtet.
78. Manche Städte schrumpften flächenmäßig, weil nur noch ein kleinerer Kern befestigt wurde.
79. Öffentliche Bauten wie Theater, Bäder und Tempel verfielen mancherorts.
80. Die wohlhabende Oberschicht zog sich teilweise aus dem städtischen Leben zurück.
81. Viele Reiche verlegten ihren Wohnsitz auf befestigte Landgüter.
82. Solche großen, weitgehend selbstversorgenden Güter werden als Villen oder Latifundien bezeichnet.
83. Auf diesen Gütern arbeiteten abhängige Bauern und Sklaven für den Grundbesitzer.
84. Diese Verlagerung schwächte die Städte als wirtschaftliche und politische Zentren.
85. Besonders schwer lastete die Steuerlast auf der Bevölkerung des Reiches.
86. Der Staat brauchte immer mehr Geld für Heer, Verwaltung und Kriegsführung.
87. Daher wurden die Steuern wiederholt erhöht und strenger eingetrieben.
88. Viele Bauern konnten die geforderten Abgaben kaum noch aufbringen.
89. Manche gaben ihren Hof auf und flohen vor den Steuereintreibern.
90. Andere begaben sich freiwillig in die Abhängigkeit eines mächtigen Grundherrn.
91. Im Gegenzug für Schutz verloren sie einen Teil ihrer persönlichen Freiheit.
92. Diese Entwicklung band die Bauern zunehmend an den Boden, den sie bearbeiteten.
93. Hier zeigen sich erste Ansätze einer Ordnung, die später das Mittelalter prägen sollte.
94. Die wirtschaftliche Not führte vielerorts zu einem Rückgang der landwirtschaftlichen Erträge.
95. Felder fielen brach, weil es an Arbeitskräften oder an Sicherheit fehlte.
96. Geringere Ernten bedeuteten Versorgungsengpässe und Hunger für viele Menschen.
97. Hunger und schlechte Lebensbedingungen schwächten zudem die Widerstandskraft gegen Krankheiten.
98. So verstärkten sich Wirtschaftskrise, Bevölkerungsrückgang und Seuchen gegenseitig.
99. Ein weiteres schweres Problem war der ständige militärische Druck an den Grenzen.
100. Das Römische Reich besaß lange, schwer zu verteidigende Grenzlinien.
101. Diese befestigte Grenzlinie wurde als Limes bezeichnet.
102. Der Limes verlief im Bereich Pannoniens entlang der Donau.
103. An vielen Stellen drängten nun Feinde gleichzeitig gegen die Grenzen.
104. Im Norden bedrohten zahlreiche germanische Stämme den Limes.
105. Diese Stämme schlossen sich häufig zu größeren Verbänden zusammen.
106. Mächtige Gruppen wie die Alamannen und die Goten traten in dieser Zeit hervor.
107. Im Osten erstarkte mit dem Sassanidenreich ein gefährlicher Gegner der Römer.
108. Das Reich musste somit an mehreren weit entfernten Fronten zugleich kämpfen.
109. Die Legionen reichten kaum aus, um alle bedrohten Abschnitte zu sichern.
110. Wurden Truppen an eine Front verlegt, entstanden an anderer Stelle gefährliche Lücken.
111. Mehrfach gelang es Feinden, den Limes zu durchbrechen und tief ins Reich vorzudringen.
112. Plünderungszüge erreichten Gebiete, die seit Generationen keinen Krieg gesehen hatten.
113. Auch die Provinz Pannonia wurde wiederholt von solchen Einfällen heimgesucht.
114. Die Bevölkerung der Grenzregionen lebte in ständiger Unsicherheit.
115. Der dauerhafte Kriegszustand verschlang gewaltige Summen an Geld und Material.
116. Damit war der militärische Druck zugleich eine wesentliche Ursache der Finanzkrise.
117. Die Verteidigung verschlang Mittel, die für Wirtschaft und Verwaltung fehlten.
118. So bildeten militärische, finanzielle und politische Krise einen einzigen Zusammenhang.
119. Ein viel diskutiertes Phänomen der Krisenzeit ist der Rückgang der Bevölkerung.
120. Seuchen, Kriege und Hungersnöte forderten zahllose Menschenleben.
121. Eine sinkende Bevölkerungszahl bedeutete weniger Bauern, Handwerker und Soldaten.
122. Damit fehlten sowohl Arbeitskräfte als auch Steuerzahler und Rekruten.
123. Der Mangel an Soldaten zwang die Römer zu einer folgenreichen Entscheidung.
124. Zunehmend wurden Angehörige fremder Völker in das römische Heer aufgenommen.
125. Besonders germanische Krieger dienten in großer Zahl unter römischen Fahnen.
126. Ganze Verbände solcher Krieger kämpften unter eigenen Anführern für Rom.
127. Diese Entwicklung veränderte den Charakter des römischen Heeres tiefgreifend.
128. Das Heer wurde weniger römisch und stärker von fremden Kriegern geprägt.
129. Langfristig verwischte dadurch die Grenze zwischen Römern und Nichtrömern.
130. Auch innerhalb der Gesellschaft führte die Krise zu spürbaren Veränderungen.
131. Der Abstand zwischen Arm und Reich vergrößerte sich deutlich.
132. Eine kleine Oberschicht konnte ihren Reichtum und Einfluss bewahren oder ausbauen.
133. Die breite Masse der Bevölkerung verarmte hingegen zunehmend.
134. Das Vertrauen in den Staat und seine Schutzfunktion schwand bei vielen Menschen.
135. In Zeiten der Unsicherheit wandten sich viele verstärkt religiösen Fragen zu.
136. Neue Religionen und Kulte gewannen in dieser Epoche an Anhängern.
137. Auch das Christentum verbreitete sich trotz zeitweiliger Verfolgung weiter.
138. Die alte römische Staatsreligion verlor demgegenüber an Bindekraft.
139. Trotz aller Krisen ging das Römische Reich im 3. Jahrhundert nicht unter.
140. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts gelang mehreren tatkräftigen Kaisern eine Wende.
141. Diese Herrscher stammten häufig aus den Donauprovinzen, darunter auch aus Pannonia.
142. Sie hatten sich in der Regel als fähige Heerführer bewährt.
143. Schritt für Schritt schlugen sie die Feinde zurück und sicherten die Grenzen.
144. Die abgespaltenen Teilreiche im Westen und Osten wurden wieder eingegliedert.
145. Damit war die staatliche Einheit des Reiches zunächst wiederhergestellt.
146. Die tiefer liegenden Probleme aber waren damit noch nicht gelöst.
147. Eine grundlegende Neuordnung des Reiches gelang erst dem Kaiser Diokletian.
148. Diokletian gelangte im Jahr 284 zur Macht und regierte über zwanzig Jahre.
149. Er erkannte, dass ein einzelner Herrscher das riesige Reich kaum sichern konnte.
150. Daher teilte er die oberste Macht auf mehrere Herrscher auf.
151. Diese Form der geteilten Herrschaft wird als Tetrarchie bezeichnet.
152. Tetrarchie bedeutet wörtlich die Herrschaft von vier Personen.
153. Zwei ranghöhere und zwei rangniedere Kaiser teilten sich die Verantwortung.
154. Jeder von ihnen war für einen bestimmten Teil des Reiches zuständig.
155. So konnte an mehreren Fronten zugleich gehandelt werden.
156. Diokletian reformierte zudem die Verwaltung und die Steuererhebung grundlegend.
157. Die Zahl der Provinzen wurde erhöht und ihre Fläche verkleinert.
158. Auch Pannonia wurde im Zuge dieser Reformen in mehrere kleinere Provinzen geteilt.
159. Kleinere Provinzen ließen sich leichter kontrollieren und verwalten.
160. Das Steuersystem wurde vereinheitlicht und auf eine festere Grundlage gestellt.
161. Diokletian versuchte außerdem, durch ein Preisedikt die Inflation einzudämmen.
162. Dieses Edikt setzte Höchstpreise für zahlreiche Waren und Dienstleistungen fest.
163. In der Praxis ließ sich diese Preisbindung jedoch kaum durchsetzen.
164. Die Reformen stabilisierten das Reich, doch sie hatten auch einen hohen Preis.
165. Verwaltung und Heer wurden größer und teurer als zuvor.
166. Damit stieg die Steuerlast für die Bevölkerung weiter an.
167. Der Staat griff nun tiefer und straffer in das Leben der Menschen ein.
168. Viele Berufe wurden faktisch erblich gemacht, um Arbeitskräfte zu sichern.
169. Söhne mussten häufig denselben Beruf wie ihre Väter ausüben.
170. Die persönliche Freiheit vieler Untertanen wurde dadurch weiter eingeschränkt.
171. Das Reich des 4. Jahrhunderts unterschied sich deutlich von dem der frühen Kaiserzeit.
172. Es war straffer organisiert, stärker militarisiert und kontrollierte seine Untertanen enger.
173. Die wirtschaftliche Erholung blieb jedoch begrenzt und ungleich verteilt.
174. Für eine Grenzprovinz wie Pannonia bedeutete dies eine ungewisse Zukunft.
175. Die Provinz blieb dauerhaft von äußerem Druck und innerer Schwäche bedroht.
176. Die Krise des 3. Jahrhunderts hatte das Reich nachhaltig verändert.
177. Sie schwächte die Städte, die Geldwirtschaft und den Fernhandel auf Dauer.
178. Zugleich bahnten sich Strukturen an, die für das spätere Mittelalter kennzeichnend wurden.
179. Das Reich überlebte die Krise, doch es ging geschwächt aus ihr hervor.
180. Damit war der Boden bereitet für die Erschütterungen der Völkerwanderungszeit.

Die Goten und andere germanische Völker: Erste Invasionswellen

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1. Das geschwächte Römische Reich des 4. Jahrhunderts sah sich an seinen Grenzen einem wachsenden Druck ausgesetzt.
2. Dieser Druck ging vor allem von den germanischen Völkern jenseits der Grenze aus.
3. Für die Provinz Pannonia, in der das heutige Ungarn lag, bedeutete dies eine ständige Bedrohung.
4. Pannonia grenzte mit der Donau an Gebiete, in denen zahlreiche germanische Stämme lebten.
5. Um diese Bedrohung zu verstehen, muss man zunächst die germanischen Völker selbst betrachten.
6. Der Begriff Germanen fasst eine Vielzahl von Völkern und Stämmen zusammen.
7. Diese Stämme bildeten keine politische Einheit und kannten kein gemeinsames Reich.
8. Sie waren durch eine verwandte Sprache und ähnliche Lebensweisen lose miteinander verbunden.
9. Schon die Römer der frühen Kaiserzeit hatten diese Völker als Germanen bezeichnet.
10. Die germanischen Stämme siedelten in einem weiten Raum nördlich und östlich des Reiches.
11. Ihr Siedlungsgebiet reichte von Skandinavien bis weit nach Osteuropa hinein.
12. Die meisten Germanen lebten von Ackerbau und Viehzucht in kleinen Dörfern.
13. Ihre Gesellschaft war kriegerisch geprägt und kannte deutliche soziale Unterschiede.
14. An der Spitze standen Anführer, die sich auf eine Gefolgschaft von Kriegern stützten.
15. Wichtige Entscheidungen wurden häufig in einer Versammlung der freien Männer getroffen.
16. Die einzelnen Stämme waren nicht dauerhaft festgefügt, sondern wandelten sich beständig.
17. Stämme konnten sich teilen, neu zusammenschließen oder unter einem starken Anführer wachsen.
18. Diese Beweglichkeit erschwerte es den Römern, ihre Nachbarn dauerhaft einzuschätzen.
19. Das Verhältnis zwischen Römern und Germanen war keineswegs nur von Krieg bestimmt.
20. Über lange Zeiträume hinweg überwogen sogar friedliche Beziehungen.
21. Über die Grenze hinweg fand ein reger Handel mit Waren statt.
22. Die Germanen schätzten römische Erzeugnisse wie Wein, Geschirr, Schmuck und Waffen.
23. Im Gegenzug lieferten sie Vieh, Felle, Bernstein und auch Sklaven.
24. Viele Germanen dienten zudem als Soldaten im römischen Heer.
25. Manche von ihnen stiegen sogar in hohe militärische Ränge auf.
26. Trotzdem brach immer wieder Krieg zwischen Römern und germanischen Stämmen aus.
27. Schon im 1. Jahrhundert hatten die Römer schwere Niederlagen gegen Germanen erlitten.
28. Im 2. Jahrhundert bedrohten die Markomannenkriege unmittelbar die Provinz Pannonia.
29. Während der Reichskrise des 3. Jahrhunderts häuften sich die germanischen Einfälle.
30. Plündernde Verbände drangen über den Limes ins Reichsgebiet ein.
31. Der Limes war die befestigte Grenzlinie, die im Bereich Pannoniens entlang der Donau verlief.
32. Die römischen Truppen konnten diese Grenze nicht überall zugleich sichern.
33. Im Lauf der Zeit bildeten sich aus vielen kleinen Stämmen größere Verbände.
34. Diese großen Stammesgruppen waren militärisch deutlich gefährlicher als einzelne Stämme.
35. Zu den bedeutendsten dieser neuen Gruppen gehörten die Alamannen und die Franken.
36. Im Donauraum traten vor allem die Goten als mächtige Kraft hervor.
37. Die Goten sollten für die Geschichte des Reiches eine herausragende Rolle spielen.
38. Über die Herkunft der Goten berichtet vor allem ein spätantiker Geschichtsschreiber.
39. Dieser Autor namens Jordanes verfasste im 6. Jahrhundert eine Geschichte der Goten.
40. Nach seiner Darstellung stammten die Goten ursprünglich aus dem hohen Norden.
41. Ihre Wanderung soll sie von Skandinavien aus an die Ostsee geführt haben.
42. Von dort zogen sie der Überlieferung nach langsam nach Südosten.
43. Die Forschung beurteilt diese frühe Wanderungsgeschichte heute mit großer Vorsicht.
44. Manche dieser Berichte vermischen historische Erinnerung mit späterer Legendenbildung.
45. Gesichert ist jedoch, dass die Goten im 3. Jahrhundert nördlich des Schwarzen Meeres siedelten.
46. Dort kontrollierten sie ein weites Gebiet zwischen Donau und Don.
47. Von diesem Raum aus unternahmen sie wiederholt Vorstöße gegen das Römische Reich.
48. Bereits um die Mitte des 3. Jahrhunderts überquerten gotische Verbände die Donau.
49. Sie verwüsteten römische Provinzen auf der Balkanhalbinsel.
50. Im Jahr 251 erlitt das römische Heer eine schwere Niederlage gegen die Goten.
51. In dieser Schlacht fiel sogar der römische Kaiser Decius.
52. Es war das erste Mal, dass ein Kaiser im Kampf gegen Germanen den Tod fand.
53. Dieses Ereignis zeigte deutlich, wie gefährlich die gotische Bedrohung geworden war.
54. In den folgenden Jahren unternahmen die Goten auch Raubzüge zur See.
55. Mit Schiffen plünderten sie Küstenstädte im Schwarzen Meer und in der Ägäis.
56. Erst in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts gelang den Römern eine Wende.
57. Mehrere tatkräftige Kaiser schlugen die Goten in schweren Kämpfen zurück.
58. Der Kaiser Claudius siegte 269 in einer großen Schlacht über die Goten.
59. Wegen dieses Erfolges erhielt er den Beinamen Gothicus.
60. Trotz dieser Siege blieben die Goten ein mächtiger Nachbar des Reiches.
61. Die Römer mussten sich dauerhaft mit ihrer Anwesenheit an der Donau abfinden.
62. Im Lauf der Zeit teilten sich die Goten in zwei große Gruppen.
63. Die eine Gruppe wird in den Quellen als Westgoten bezeichnet.
64. Die andere Gruppe ist unter dem Namen Ostgoten bekannt.
65. Diese Zweiteilung war anfangs eher geographisch als politisch zu verstehen.
66. Die Westgoten siedelten näher an der römischen Donaugrenze.
67. Die Ostgoten lebten weiter östlich in den Steppen nördlich des Schwarzen Meeres.
68. Beide Gruppen sollten in der Folgezeit eigene Wege gehen.
69. Zwischen Römern und Goten entwickelten sich vielfältige Beziehungen.
70. Es gab Kriege, aber auch Verträge, Handel und gegenseitige Beeinflussung.
71. Häufig schlossen die Römer mit germanischen Stämmen feste Verträge ab.
72. In solchen Verträgen wurde den Stämmen Land oder Sold zugesichert.
73. Im Gegenzug verpflichteten sich die Stämme zu militärischer Hilfe.
74. Verbündete germanische Völker dieser Art wurden als Föderaten bezeichnet.
75. Der Begriff Föderaten leitet sich vom lateinischen Wort für Vertrag ab.
76. Föderaten siedelten teilweise innerhalb der Reichsgrenzen auf zugewiesenem Land.
77. Sie behielten dabei oft ihre eigenen Anführer und ihre eigene Lebensweise.
78. Diese Praxis brachte dem Reich kurzfristig militärische Vorteile.
79. Langfristig schuf sie jedoch halbselbständige germanische Verbände im Reich.
80. Solche Verbände konnten sich gegen Rom wenden, wenn Verträge gebrochen wurden.
81. Auch in kultureller Hinsicht näherten sich Goten und Römer einander an.
82. Ein besonders wichtiges Beispiel ist die Übernahme des Christentums.
83. Im 4. Jahrhundert wirkte unter den Goten der Bischof Wulfila.
84. Wulfila war selbst gotischer Herkunft und verbreitete das Christentum unter seinem Volk.
85. Er übersetzte die Bibel aus dem Griechischen in die gotische Sprache.
86. Für diese Übersetzung schuf er eine eigene gotische Schrift.
87. Diese Bibelübersetzung gehört zu den ältesten Zeugnissen einer germanischen Sprache.
88. Wulfila vertrat allerdings eine besondere Richtung des Christentums.
89. Diese Richtung wird nach ihrem Begründer als Arianismus bezeichnet.
90. Der Arianismus unterschied sich in der Lehre vom Christentum der römischen Reichskirche.
91. Die Reichskirche betrachtete diese Lehre als Irrglauben, also als Häresie.
92. Dadurch entstand ein religiöser Gegensatz zwischen Goten und Römern.
93. Dieser Gegensatz sollte das Zusammenleben über Jahrhunderte hinweg belasten.
94. Insgesamt waren die Germanen für das Reich Bedrohung und Hilfe zugleich.
95. Sie griffen die Grenzen an, dienten aber auch in großer Zahl im römischen Heer.
96. Dieses zwiespältige Verhältnis prägte das gesamte 4. Jahrhundert.
97. Die Lage änderte sich grundlegend durch ein Ereignis aus dem fernen Osten.
98. Aus den Steppen Asiens näherte sich ein bis dahin unbekanntes Reitervolk.
99. Dieses Volk waren die Hunnen, deren Erscheinen die Goten unmittelbar bedrohte.
100. Die Hunnen waren berittene Krieger von großer Schnelligkeit und Kampfkraft.
101. Um das Jahr 375 stießen sie auf das Reich der Ostgoten.
102. In kurzer Zeit unterwarfen sie die Ostgoten ihrer Herrschaft.
103. Der Sieg der Hunnen löste bei den benachbarten Völkern große Furcht aus.
104. Die Westgoten erkannten, dass auch ihnen die Unterwerfung drohte.
105. Sie entschlossen sich daher zu einer folgenschweren Entscheidung.
106. Die Westgoten beschlossen, vor den Hunnen ins Römische Reich zu fliehen.
107. Im Jahr 376 erschienen sie in großer Zahl am Nordufer der Donau.
108. Dort baten sie den römischen Kaiser um Aufnahme in das Reich.
109. Der oströmische Kaiser hieß damals Valens und residierte im Osten.
110. Valens gestattete den Westgoten schließlich den Übertritt über die Donau.
111. Er hoffte, die Goten als Soldaten und Siedler nutzen zu können.
112. Die Aufnahme so vieler Menschen war jedoch schlecht vorbereitet.
113. Die römischen Beamten versorgten die Goten nur unzureichend mit Lebensmitteln.
114. Manche Beamte nutzten die Notlage der Goten zudem schamlos aus.
115. Sie verkauften ihnen Nahrung zu Wucherpreisen und behandelten sie schlecht.
116. Unter den Goten breiteten sich Hunger, Wut und Verzweiflung aus.
117. Schließlich erhoben sich die Westgoten gegen die Römer.
118. Sie begannen, die Provinzen auf dem Balkan zu plündern.
119. Kaiser Valens stellte daraufhin ein Heer auf, um den Aufstand niederzuschlagen.
120. Im Jahr 378 kam es bei der Stadt Adrianopel zur Entscheidungsschlacht.
121. In dieser Schlacht erlitt das römische Heer eine vernichtende Niederlage.
122. Der Großteil der römischen Truppen wurde auf dem Schlachtfeld vernichtet.
123. Auch Kaiser Valens selbst fiel in dieser Schlacht.
124. Die Schlacht von Adrianopel gilt als ein tiefer Einschnitt der Spätantike.
125. Sie zeigte, dass germanische Heere ein römisches Heer offen besiegen konnten.
126. Das Reich war nicht mehr in der Lage, die Goten einfach zu vertreiben.
127. Der neue Kaiser Theodosius musste sich mit den Westgoten arrangieren.
128. Im Jahr 382 schloss er einen Vertrag mit ihnen ab.
129. Die Westgoten erhielten Land innerhalb des Reiches zur Besiedlung.
130. Sie durften unter eigenen Anführern leben und blieben als Verband bestehen.
131. Damit lebte erstmals ein großes, geschlossenes germanisches Volk im Reichsinneren.
132. Dieses Volk war den Römern nur lose verpflichtet und behielt seine Waffen.
133. Die Folgen dieser Entwicklung sollten sich bald zeigen.
134. Nach dem Tod des Theodosius wurde das Reich endgültig geteilt.
135. Seitdem gab es ein Weströmisches und ein Oströmisches Reich.
136. Die Westgoten erhoben sich erneut unter einem neuen Anführer.
137. Dieser Anführer trug den Namen Alarich.
138. Unter Alarich zogen die Westgoten plündernd durch das Reich.
139. Im Jahr 410 eroberten und plünderten sie schließlich die Stadt Rom.
140. Die Plünderung Roms erschütterte die Zeitgenossen zutiefst.
141. Rom galt als ewige Stadt und war seit Jahrhunderten von keinem Feind erobert worden.
142. Die Eroberung zeigte deutlich die Schwäche des weströmischen Staates.
143. Auch andere germanische Völker nutzten die Schwäche des Reiches aus.
144. Um die Jahreswende 406 auf 407 überquerten mehrere Stämme den Rhein.
145. Zu diesen Stämmen gehörten die Vandalen, die Sueben und die Alanen.
146. Diese Völker zogen plündernd durch Gallien bis nach Spanien.
147. Ein Teil von ihnen setzte später sogar nach Nordafrika über.
148. Das Weströmische Reich verlor so nach und nach die Kontrolle über seine Provinzen.
149. Auf seinem ehemaligen Gebiet entstanden mehrere germanische Königreiche.
150. Die Westgoten gründeten ein Reich in Gallien und später in Spanien.
151. Die Vandalen errichteten ein eigenes Reich in Nordafrika.
152. Auch für die Donauprovinzen hatten diese Entwicklungen schwere Folgen.
153. Die Provinz Pannonia lag im Schnittpunkt vieler Wanderungsbewegungen.
154. Verschiedene germanische Völker zogen durch dieses Gebiet oder siedelten dort.
155. Die römische Verwaltung in Pannonia verlor zunehmend an Wirksamkeit.
156. Truppen wurden abgezogen, um andere bedrohte Reichsteile zu schützen.
157. Die verbliebene römische Bevölkerung lebte in wachsender Unsicherheit.
158. Befestigte Orte und Städte boten nur noch begrenzten Schutz.
159. Schritt für Schritt entglitt Pannonia der Kontrolle des Reiches.
160. Die erste große Welle germanischer Invasionen veränderte Europa nachhaltig.
161. Sie markiert den Beginn der sogenannten Völkerwanderungszeit.
162. Der Begriff Völkerwanderung bezeichnet die großen Bevölkerungsbewegungen dieser Epoche.
163. Auslöser dieser Bewegungen war nicht zuletzt der Druck der Hunnen.
164. Die Hunnen brachten ganze Völkerketten in Bewegung.
165. Geriet ein Volk unter Druck, drängte es auf seine Nachbarn weiter.
166. So pflanzte sich die Unruhe über weite Strecken Europas fort.
167. Die germanischen Völker waren dabei nicht nur Angreifer, sondern oft auch Flüchtende.
168. Viele von ihnen suchten im Reich Schutz vor einer noch größeren Bedrohung.
169. Das Römische Reich war zu schwach geworden, um diesen Strom aufzuhalten.
170. Es konnte die Germanen weder vollständig abwehren noch friedlich eingliedern.
171. Aus dem Zusammenprall von Römern und Germanen entstand eine neue Ordnung.
172. Diese neue Ordnung verband römische und germanische Elemente miteinander.
173. Aus ihr sollten die Reiche des frühen Mittelalters hervorgehen.
174. Für Pannonia bedeutete diese Zeit das nahende Ende der römischen Herrschaft.
175. Die germanischen Invasionen waren jedoch nur der erste Teil des Umbruchs.
176. Die eigentliche Erschütterung des Donauraums ging von den Hunnen aus.
177. Unter ihrem König Attila sollten die Hunnen bald selbst zur Großmacht aufsteigen.
178. Ihr Reich erstreckte sich später über weite Teile Mitteleuropas.
179. Damit rückte das Karpatenbecken in den Mittelpunkt des Geschehens.
180. Die Geschichte der Hunnen und Attilas bildet das nächste Kapitel dieser Darstellung.

Die Hunnen und Attila: Schrecken aus dem Osten

[Bearbeiten]
1. In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts erschien in Europa ein bis dahin unbekanntes Volk.
2. Dieses Volk waren die Hunnen, ein Reitervolk aus den Steppen Asiens.
3. Ihr Auftreten löste eine der größten Umwälzungen der europäischen Geschichte aus.
4. Für das Karpatenbecken, in dem das heutige Ungarn liegt, sollten die Hunnen besondere Bedeutung gewinnen.
5. Dieses Becken wurde zeitweise zum Kernland eines mächtigen hunnischen Reiches.
6. Um die Hunnen zu verstehen, muss man zunächst ihre Herkunft betrachten.
7. Die Hunnen stammten aus den weiten Grassteppen Zentralasiens.
8. Diese Steppen erstrecken sich über Tausende von Kilometern von Osten nach Westen.
9. Die Lebensweise der Steppenvölker war von der Viehzucht und vom Pferd geprägt.
10. Solche Völker werden als Nomaden bezeichnet, weil sie mit ihren Herden umherziehen.
11. Über die genaue Herkunft der Hunnen wird in der Forschung bis heute gestritten.
12. Lange wurden sie mit einem Steppenvolk in Verbindung gebracht, das chinesische Quellen erwähnen.
13. Dieses Volk trug in den chinesischen Berichten den Namen Xiongnu.
14. Ob die europäischen Hunnen tatsächlich von den Xiongnu abstammen, ist jedoch ungewiss.
15. Sicher ist, dass die Hunnen aus dem Osten nach Europa vordrangen.
16. Ihr Vorstoß brachte zahlreiche andere Völker in Bewegung.
17. Die Hunnen waren vor allem berittene Krieger von großer Beweglichkeit.
18. Schon als Kinder lernten sie das Reiten und den Umgang mit dem Pferd.
19. Ihre wichtigste Waffe war der Reflexbogen, ein besonders kräftiger Bogen.
20. Dieser Bogen war aus Holz, Horn und Sehnen zusammengesetzt.
21. Mit ihm konnten die hunnischen Krieger auch vom galoppierenden Pferd aus treffen.
22. Die Hunnen kämpften meist nicht im geschlossenen Nahkampf, sondern aus der Entfernung.
23. Sie umkreisten den Gegner und überschütteten ihn mit Pfeilen.
24. Bei Bedarf täuschten sie eine Flucht vor, um den Feind in eine Falle zu locken.
25. Diese bewegliche Kampfweise war den schwerfälligen römischen Heeren oft überlegen.
26. Die Schnelligkeit der hunnischen Reiter machte sie zu einem gefürchteten Gegner.
27. Ihre Heere konnten in kurzer Zeit große Entfernungen zurücklegen.
28. Damit überraschten sie ihre Feinde immer wieder.
29. Auf die Bewohner des Römischen Reiches wirkten die Hunnen fremd und furchterregend.
30. Römische Schriftsteller beschrieben sie in düsteren und übertriebenen Bildern.
31. Der Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus verfasste eine bekannte Schilderung der Hunnen.
32. Er stellte sie als wilde, kaum menschliche Wesen dar.
33. Solche Beschreibungen sagen mehr über die Furcht der Römer als über die Hunnen selbst aus.
34. Sie sind daher als historische Quelle nur mit Vorsicht zu verwenden.
35. Tatsächlich waren die Hunnen ein straff organisiertes und kriegstüchtiges Volk.
36. Um das Jahr 375 erreichten die Hunnen das Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres.
37. Dort trafen sie zuerst auf das Reich der Ostgoten.
38. In kurzer Zeit unterwarfen sie die Ostgoten ihrer Herrschaft.
39. Der Zusammenbruch des Ostgotenreiches erschütterte die gesamte Region.
40. Die benachbarten Westgoten gerieten dadurch ebenfalls unter Druck.
41. Aus Furcht vor den Hunnen flohen die Westgoten in das Römische Reich.
42. Damit lösten die Hunnen mittelbar die große Völkerwanderung aus.
43. In den folgenden Jahrzehnten drangen immer mehr hunnische Verbände nach Westen vor.
44. Schließlich verlegten die Hunnen ihren Schwerpunkt in das Karpatenbecken.
45. Die weite Tiefebene dieses Beckens bot ihren Pferdeherden reiche Weidegründe.
46. Damit wurde das Gebiet des heutigen Ungarn zum Mittelpunkt des Hunnenreiches.
47. Von hier aus beherrschten die Hunnen weite Teile Mitteleuropas.
48. Zahlreiche andere Völker gerieten unter ihre Oberhoheit.
49. Unterworfene Germanen und andere Stämme mussten den Hunnen Tribut zahlen und Krieger stellen.
50. Das Hunnenreich war somit ein Vielvölkerreich unter hunnischer Führung.
51. Anfangs standen die Hunnen mit dem Römischen Reich nicht nur im Krieg.
52. Hunnische Krieger dienten zeitweise sogar als Söldner in römischen Heeren.
53. Auch römische Feldherren nutzten hunnische Verbände für ihre Zwecke.
54. Das Verhältnis zwischen Hunnen und Römern war somit zwiespältig.
55. Es schwankte zwischen Bündnis, Tributzahlungen und offener Feindschaft.
56. Das Oströmische Reich zahlte den Hunnen wiederholt hohe Geldsummen.
57. Diese Zahlungen sollten die Hunnen von Angriffen abhalten.
58. Solche Zahlungen wurden oft als Geschenke oder Soldzahlungen verschleiert.
59. In Wahrheit handelte es sich um eine Art erkauften Frieden.
60. Mit der Zeit gewöhnten sich die Hunnen an diese regelmäßigen Einkünfte.
61. Blieben die Zahlungen aus, drohten sie mit neuen Angriffen.
62. Zur größten Macht stieg das Hunnenreich unter einem bestimmten Herrscher auf.
63. Dieser Herrscher war Attila, der bedeutendste König der Hunnen.
64. Attila übernahm um das Jahr 434 zunächst gemeinsam mit seinem Bruder die Herrschaft.
65. Der Bruder trug den Namen Bleda.
66. Einige Jahre lang regierten die beiden Brüder das Hunnenreich gemeinsam.
67. Um das Jahr 445 starb Bleda unter ungeklärten Umständen.
68. Nach verbreiteter Darstellung ließ Attila seinen Bruder beseitigen.
69. Von da an herrschte Attila allein über die Hunnen.
70. Unter seiner Führung erreichte das Hunnenreich seine größte Ausdehnung und Macht.
71. Attila war ein fähiger Feldherr und ein geschickter Herrscher.
72. Er verstand es, die vielen unterworfenen Völker zusammenzuhalten.
73. Sein Hof lag in der Tiefebene des Karpatenbeckens.
74. Ein oströmischer Gesandter namens Priskos besuchte diesen Hof.
75. Priskos hinterließ einen wertvollen Bericht über sein Erlebnis bei den Hunnen.
76. Dieser Bericht ist eine der wichtigsten Quellen über Attila und seine Welt.
77. Priskos beschrieb Attila als einen schlichten, aber selbstbewussten Herrscher.
78. Während seine Gefolgsleute prunkvoll auftraten, lebte Attila auffallend einfach.
79. Er trug schmucklose Kleidung und aß von schlichtem Geschirr.
80. Diese Schlichtheit unterstrich seine herausgehobene Stellung auf eigene Weise.
81. In den folgenden Jahren führte Attila zahlreiche Feldzüge.
82. Zunächst richteten sich seine Angriffe gegen das Oströmische Reich.
83. Hunnische Heere verwüsteten wiederholt die Provinzen auf dem Balkan.
84. Zahlreiche Städte wurden geplündert oder zerstört.
85. Das Oströmische Reich musste die Tributzahlungen an Attila deutlich erhöhen.
86. Dennoch blieb das Hunnenreich von ständigen Eroberungen abhängig.
87. Beute und Tribut waren die wirtschaftliche Grundlage von Attilas Macht.
88. Um seine Krieger zu belohnen, brauchte Attila immer neue Erfolge.
89. Daher richtete er seinen Blick schließlich gegen das Weströmische Reich.
90. Ein bekannter Bericht nennt einen besonderen Anlass für diesen Feldzug.
91. Die weströmische Prinzessin Honoria soll Attila um Hilfe gebeten haben.
92. Attila deutete diese Bitte als Heiratsangebot.
93. Als Mitgift forderte er einen Teil des Weströmischen Reiches.
94. Diese Forderung wies der weströmische Kaiserhof zurück.
95. Attila nahm die Ablehnung zum Vorwand für einen Krieg.
96. Im Jahr 451 fiel er mit einem großen Heer in Gallien ein.
97. Sein Heer bestand nicht nur aus Hunnen, sondern aus vielen unterworfenen Völkern.
98. Darunter waren auch zahlreiche germanische Krieger, etwa Ostgoten.
99. Die hunnischen Heere verwüsteten zahlreiche Städte in Gallien.
100. Gegen Attila bildete sich nun ein Bündnis aus Römern und Germanen.
101. Der römische Feldherr Aëtius führte dieses Bündnisheer an.
102. Aëtius war einer der fähigsten Feldherren des Weströmischen Reiches.
103. Er hatte in seiner Jugend selbst längere Zeit unter den Hunnen gelebt.
104. Daher kannte er ihre Kampfweise sehr genau.
105. An der Seite des Aëtius standen vor allem die Westgoten.
106. Die Westgoten wurden von ihrem König Theoderich angeführt.
107. Im Jahr 451 kam es zur Entscheidungsschlacht.
108. Sie fand auf den sogenannten Katalaunischen Feldern in Gallien statt.
109. Diese Schlacht war eine der größten der gesamten Spätantike.
110. Sie endete blutig und ohne einen klaren Sieger.
111. Der Westgotenkönig Theoderich fiel im Verlauf der Schlacht.
112. Attila zog sich nach der Schlacht mit seinem Heer zurück.
113. Damit war seine bisherige Unbesiegbarkeit gebrochen.
114. Zum ersten Mal hatte Attila einen Feldzug nicht siegreich beendet.
115. Doch das Hunnenreich war damit noch nicht entscheidend geschwächt.
116. Bereits im folgenden Jahr unternahm Attila einen neuen Feldzug.
117. Im Jahr 452 fiel er in Italien ein.
118. Sein Heer verwüstete den Norden der Halbinsel.
119. Die bedeutende Stadt Aquileia wurde dabei vollständig zerstört.
120. Flüchtlinge aus der zerstörten Region suchten Schutz in den Lagunen der Küste.
121. Aus diesen Fluchtsiedlungen ging der Überlieferung nach später Venedig hervor.
122. Trotz seiner Erfolge zog Attila schließlich aus Italien ab.
123. Über die Gründe dieses Abzugs berichten die Quellen unterschiedlich.
124. Hunger und Krankheiten hatten das hunnische Heer geschwächt.
125. Auch fürchtete Attila möglicherweise das Eingreifen oströmischer Truppen.
126. Die Überlieferung nennt zudem eine Begegnung mit dem römischen Bischof.
127. Papst Leo der Erste soll Attila persönlich zum Abzug bewogen haben.
128. Wie groß der Einfluss dieser Begegnung wirklich war, lässt sich nicht sicher sagen.
129. Wahrscheinlich gaben mehrere Gründe gemeinsam den Ausschlag.
130. Attila kehrte schließlich in das Karpatenbecken zurück.
131. Im Jahr 453 starb Attila völlig unerwartet.
132. Nach der Überlieferung verstarb er in der Nacht nach seiner Hochzeit.
133. Er soll an einem Blutsturz erstickt sein.
134. Sein plötzlicher Tod hatte gewaltige Folgen für das Hunnenreich.
135. Das Reich der Hunnen beruhte ganz auf der Person Attilas.
136. Nach seinem Tod stritten seine Söhne um die Nachfolge.
137. Sie konnten sich nicht auf eine gemeinsame Herrschaft einigen.
138. Sie teilten das Reich und die unterworfenen Völker unter sich auf.
139. Diese Uneinigkeit schwächte das Hunnenreich entscheidend.
140. Die unterworfenen germanischen Völker nutzten diese Schwäche aus.
141. Unter Führung der Gepiden erhoben sie sich gegen die Hunnen.
142. Um das Jahr 454 kam es zur entscheidenden Schlacht.
143. Diese Schlacht fand am Fluss Nedao statt, vermutlich in Pannonien.
144. In dieser Schlacht wurden die Hunnen vernichtend geschlagen.
145. Einer von Attilas Söhnen fiel im Kampf.
146. Die Macht der Hunnen im Karpatenbecken war damit gebrochen.
147. Die Reste der Hunnen zogen sich nach Osten zurück.
148. Als geschlossenes Volk verschwanden die Hunnen bald aus der Geschichte.
149. Das Hunnenreich hatte somit kaum länger als eine Generation Bestand.
150. Im Karpatenbecken entstand nach den Hunnen eine neue Ordnung.
151. Verschiedene germanische Völker teilten sich nun die Herrschaft.
152. Die Gepiden gewannen die Kontrolle über große Teile des Beckens.
153. Auch die Ostgoten siedelten für einige Zeit in Pannonien.
154. Damit blieb das Gebiet weiterhin ein Schauplatz wechselnder Mächte.
155. Die Hunnen hatten die politische Landkarte Mitteleuropas tiefgreifend verändert.
156. Sie hatten zur endgültigen Zerstörung der römischen Ordnung im Donauraum beigetragen.
157. Die Provinz Pannonia war unter dem Druck der Völkerwanderung zerfallen.
158. Eine römische Verwaltung gab es dort faktisch nicht mehr.
159. An ihre Stelle traten Herrschaften wechselnder Stämme und Völker.
160. Die Erinnerung an Attila blieb in Europa über die Jahrhunderte lebendig.
161. In der westlichen Überlieferung wurde er zum Sinnbild des grausamen Eroberers.
162. Ihm wurde der Beiname Geißel Gottes zugeschrieben.
163. Dieser Beiname deutete seine Verwüstungen als göttliche Strafe.
164. In der germanischen Heldensage erscheint Attila in anderem Licht.
165. Dort tritt er unter dem Namen Etzel auf.
166. In der Sage wird Etzel als mächtiger, aber nicht durchweg böser König geschildert.
167. Auch im berühmten Nibelungenlied spielt der Hunnenkönig eine wichtige Rolle.
168. Besonders bedeutsam ist die Rolle Attilas in der ungarischen Überlieferung.
169. Mittelalterliche ungarische Chronisten stellten eine Verbindung zwischen Hunnen und Ungarn her.
170. Sie behaupteten, die Ungarn seien Nachkommen der Hunnen.
171. Attila galt nach dieser Vorstellung als ein Vorfahr der ungarischen Fürsten.
172. Auf diese Weise sollte die spätere Landnahme der Ungarn gerechtfertigt werden.
173. Die Ungarn erschienen so als rechtmäßige Erben des Hunnenreiches.
174. Die moderne Forschung hat diese Abstammungslehre jedoch widerlegt.
175. Zwischen den Hunnen des 5. Jahrhunderts und den Ungarn besteht kein nachweisbarer Zusammenhang.
176. Die Ungarn erreichten das Karpatenbecken erst rund vierhundert Jahre nach Attila.
177. Die Hunnen-Sage bleibt dennoch ein wichtiger Teil der ungarischen Geschichtskultur.
178. Sie zeigt, wie stark die Erinnerung an Attila bis heute nachwirkt.
179. Mit dem Untergang des Hunnenreiches begann für Pannonien eine neue Epoche.
180. Der endgültige Zusammenbruch der römischen Provinz bildet das nächste Kapitel dieser Darstellung.

Der Zusammenbruch der Provinz Pannonia: Das Ende der römischen Herrschaft

[Bearbeiten]
1. Die römische Herrschaft über Pannonia endete nicht durch ein einziges, klar datierbares Ereignis.
2. Sie zerfiel vielmehr in einem langen, schleichenden Prozess über mehrere Jahrzehnte.
3. Pannonia war jene römische Provinz, die das heutige Westungarn und angrenzende Gebiete umfasste.
4. Über Jahrhunderte hatte sie als befestigte Grenzregion des Reiches gedient.
5. Im 5. Jahrhundert jedoch löste sich die römische Ordnung dort endgültig auf.
6. Um diesen Zusammenbruch zu verstehen, muss man die Lage der Provinz betrachten.
7. Pannonia lag an der Donau, einer der wichtigsten Grenzen des Reiches.
8. Diese Grenze war zugleich eine Schwachstelle, weil hinter ihr feindliche Völker lebten.
9. Eine Grenzprovinz wie Pannonia war daher stets besonders gefährdet.
10. Schon im 3. Jahrhundert hatte die Provinz unter germanischen Einfällen gelitten.
11. Während der Reichskrise war Pannonia wiederholt verwüstet worden.
12. In der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts stabilisierte sich die Lage zunächst wieder.
13. Mehrere Kaiser aus dem Donauraum sicherten die Grenze erneut.
14. Auch die Reformen des Kaisers Diokletian stärkten die Provinz für einige Zeit.
15. Diokletian teilte das große Pannonia in mehrere kleinere Provinzen auf.
16. Kleinere Provinzen ließen sich leichter verwalten und verteidigen.
17. Im 4. Jahrhundert erlebte Pannonia daher noch einmal eine Phase relativer Sicherheit.
18. Die Kaiser ließen die Festungen am Limes ausbessern und verstärken.
19. Der Limes war die befestigte Grenzlinie entlang der Donau.
20. Auch einzelne Städte der Provinz wurden in dieser Zeit noch gefördert.
21. Mehrere spätrömische Kaiser hielten sich zeitweise in pannonischen Städten auf.
22. Die Stadt Sirmium an der Save war ein bedeutendes Zentrum der Region.
23. Sirmium diente zeitweise sogar als eine der Residenzstädte des Reiches.
24. Damit lag Pannonia im 4. Jahrhundert keineswegs am Rand des Geschehens.
25. Dennoch zeigten sich bereits damals die Vorboten des späteren Niedergangs.
26. Der Druck der Völker jenseits der Donau nahm beständig zu.
27. Die entscheidende Wende brachte das Erscheinen der Hunnen.
28. Um das Jahr 375 erreichten die Hunnen den Raum nördlich des Schwarzen Meeres.
29. Ihr Vorstoß setzte zahlreiche andere Völker in Bewegung.
30. Diese großen Wanderungsbewegungen werden als Völkerwanderung bezeichnet.
31. Im Jahr 378 erlitt das römische Heer bei Adrianopel eine schwere Niederlage.
32. Diese Niederlage erschütterte die Verteidigungskraft des Reiches nachhaltig.
33. Auch der Donauraum geriet in der Folge zunehmend unter Druck.
34. Verschiedene Völker zogen plündernd durch die Provinz Pannonia.
35. Die römische Verwaltung konnte die Provinz immer schwerer schützen.
36. Ein grundlegendes Problem war der Mangel an Truppen.
37. Das Reich musste an vielen Grenzen zugleich kämpfen.
38. Wurden Truppen an eine Front verlegt, fehlten sie an anderer Stelle.
39. Häufig wurden Einheiten aus Pannonia in andere bedrohte Gebiete abgezogen.
40. Damit schwand der militärische Schutz der Provinz immer weiter.
41. Die verbliebenen Grenztruppen waren oft schlecht versorgt und unterbezahlt.
42. Manche Festungen am Limes wurden nur noch von kleinen Mannschaften gehalten.
43. Andere Festungen wurden ganz aufgegeben und verfielen.
44. Die einst geschlossene Grenzverteidigung löste sich nach und nach auf.
45. Auch die Versorgung der Provinz mit Geld und Waren brach zunehmend ein.
46. Die Soldzahlungen aus der Reichskasse erreichten Pannonia immer unregelmäßiger.
47. Ohne regelmäßigen Sold verloren die Grenztruppen ihre Einsatzbereitschaft.
48. Manche Soldaten suchten ihren Lebensunterhalt nun durch Ackerbau zu sichern.
49. Die Trennung zwischen Soldat und Bauer verwischte zunehmend.
50. Damit war die Provinz immer weniger in der Lage, sich zu verteidigen.
51. Eine wichtige Quelle für diese Endzeit Pannoniens ist eine spätantike Lebensbeschreibung.
52. Sie schildert das Wirken des heiligen Severin im benachbarten Ufernoricum.
53. Diese Schrift verfasste ein Mönch namens Eugippius.
54. Sie beschreibt die Auflösung der römischen Ordnung in den Donauprovinzen.
55. Die Schilderung lässt sich in Grundzügen auch auf Pannonia übertragen.
56. Sie berichtet von ausbleibendem Sold und von der Auflösung der Grenztruppen.
57. Sie zeigt, wie die Bevölkerung in wachsender Unsicherheit lebte.
58. Solche Quellen vermitteln ein eindrückliches Bild vom Ende der römischen Herrschaft.
59. Ein weiterer Faktor des Zusammenbruchs war die Politik des Reiches selbst.
60. Das geschwächte Reich konnte fremde Völker nicht mehr fernhalten.
61. Daher siedelte es solche Völker zunehmend innerhalb der Grenzen an.
62. Im Gegenzug sollten diese Völker das Reich militärisch unterstützen.
63. Solche verbündeten Völker wurden als Föderaten bezeichnet.
64. Auch in Pannonia siedelten die Römer auf diese Weise fremde Verbände an.
65. Diese Föderaten behielten ihre eigenen Anführer und ihre Lebensweise.
66. Damit gab es in der Provinz bald Gebiete unter halbselbständiger Fremdherrschaft.
67. Die römische Kontrolle über Pannonia war dadurch nur noch eingeschränkt.
68. Im frühen 5. Jahrhundert verschärfte sich die Lage weiter.
69. Mehrere germanische Völker zogen durch die Donauprovinzen oder siedelten dort.
70. Zeitweise hielten sich Westgoten in der Region auf.
71. Auch andere Stämme nutzten Pannonia als Durchzugs- oder Siedlungsraum.
72. Die römische Verwaltung verlor in vielen Gebieten jede Wirksamkeit.
73. In manchen Quellen wird ein bestimmtes Jahr als Wendepunkt genannt.
74. Um das Jahr 433 trat das Weströmische Reich Teile Pannoniens förmlich ab.
75. Diese Gebiete wurden den Hunnen vertraglich überlassen.
76. Damit verzichtete das Reich offiziell auf einen Teil seines alten Bodens.
77. Pannonia wurde so in das entstehende Hunnenreich einbezogen.
78. Unter hunnischer Oberhoheit blieb von der römischen Ordnung wenig übrig.
79. Die Tiefebene der Region diente den Hunnen als Weideland für ihre Pferde.
80. Damit lag das ehemalige Pannonia nun im Kernbereich des Hunnenreiches.
81. Eine geordnete römische Provinzverwaltung gab es dort nicht mehr.
82. Steuern flossen nicht mehr nach Rom, sondern als Tribut an die Hunnen.
83. Auch nach dem Tod Attilas kehrte die römische Herrschaft nicht zurück.
84. Nach 453 zerfiel das Hunnenreich rasch.
85. Die unterworfenen germanischen Völker erhoben sich gegen die Hunnen.
86. In der Schlacht am Fluss Nedao wurden die Hunnen geschlagen.
87. Diese Schlacht fand vermutlich auf pannonischem Boden statt.
88. Nach dem Sieg teilten die siegreichen Völker das Karpatenbecken unter sich auf.
89. Verschiedene germanische Stämme übernahmen nun die Herrschaft in der Region.
90. Die Gepiden gewannen die Kontrolle über große Teile des östlichen Beckens.
91. Die Ostgoten siedelten für einige Jahrzehnte in Pannonien selbst.
92. Das Oströmische Reich erkannte diese Ostgoten als Föderaten an.
93. Damit blieb formal ein gewisser Bezug zum Römischen Reich bestehen.
94. In Wahrheit aber regierten in Pannonia germanische Könige.
95. Eine römische Provinz im eigentlichen Sinn existierte nicht mehr.
96. Im Jahr 476 endete schließlich auch das Weströmische Reich selbst.
97. In diesem Jahr wurde der letzte weströmische Kaiser abgesetzt.
98. Damit verschwand jene Macht, der Pannonia einst unterstanden hatte.
99. Für die Provinz selbst änderte dieses Ereignis kaum noch etwas.
100. Die römische Herrschaft war dort schon lange zuvor erloschen.
101. Der Zusammenbruch Pannoniens war somit Teil eines größeren Vorgangs.
102. Er gehörte zum allgemeinen Untergang des Weströmischen Reiches.
103. Besonders aufschlussreich ist das Schicksal der Bevölkerung Pannoniens.
104. Die Frage, was aus den Bewohnern der Provinz wurde, ist viel diskutiert.
105. Ein Teil der Bevölkerung verließ die unsicheren Gebiete und floh.
106. Diese Flüchtlinge zogen in besser geschützte Regionen des Reiches.
107. Manche suchten Zuflucht in Italien oder in den Küstenstädten.
108. Andere zogen sich in befestigte Orte oder schwer zugängliche Gegenden zurück.
109. Ein Teil der Bevölkerung blieb jedoch in der Heimat.
110. Diese Menschen arrangierten sich mit den neuen germanischen Herren.
111. Die verbliebene römische Bevölkerung wird oft als Romanen bezeichnet.
112. Die Romanen behielten zunächst ihre Sprache und ihren Glauben.
113. Sie lebten neben den germanischen Neuankömmlingen in derselben Region.
114. Über die Generationen vermischten sich beide Gruppen allmählich.
115. Die romanische Bevölkerung ging dabei nach und nach in den Neuankömmlingen auf.
116. Eine durchgehende romanische Tradition wie in anderen Gebieten entstand in Pannonien nicht.
117. Damit unterschied sich Pannonia von Provinzen wie Gallien oder Spanien.
118. Dort lebte die romanische Bevölkerung in großer Zahl fort.
119. In Pannonien hingegen riss die römische Kontinuität weitgehend ab.
120. Auch das Schicksal der Städte verdeutlicht den Niedergang.
121. Viele Städte Pannoniens schrumpften im 5. Jahrhundert stark.
122. Die Bevölkerungszahl der Städte ging deutlich zurück.
123. Öffentliche Gebäude verfielen oder wurden anders genutzt.
124. Manche Bewohner errichteten einfache Hütten zwischen den alten Ruinen.
125. Steine alter Bauten wurden für neue, bescheidenere Zwecke wiederverwendet.
126. Das städtische Leben der römischen Zeit erlosch fast vollständig.
127. Auch das gut ausgebaute Straßennetz verlor seine Bedeutung.
128. Ohne staatliche Pflege verfielen die Straßen allmählich.
129. Der Fernhandel, der einst durch die Provinz führte, brach weitgehend zusammen.
130. Die Wirtschaft zog sich auf kleine, örtliche Kreisläufe zurück.
131. Geld verlor seine Bedeutung, der Tausch von Waren trat an seine Stelle.
132. Die Lebensverhältnisse vereinfachten sich in vielen Bereichen.
133. Auch in religiöser Hinsicht veränderte sich die Provinz.
134. Im 4. Jahrhundert hatte sich das Christentum in Pannonia ausgebreitet.
135. Es gab Bischöfe, Kirchen und christliche Gemeinden.
136. Mit dem Zerfall der römischen Ordnung gerieten diese Strukturen in Bedrängnis.
137. Manche Gemeinden lösten sich auf, Bischofssitze wurden verlassen.
138. Christliche Reste hielten sich dennoch teilweise unter den verbliebenen Romanen.
139. Die neu eingewanderten Germanen hingen oft anderen Glaubensformen an.
140. Viele germanische Völker waren Anhänger des arianischen Christentums.
141. Der Arianismus galt der römischen Reichskirche als Irrglaube.
142. So entstand auch in religiöser Hinsicht ein Gegensatz in der Region.
143. Insgesamt zeigt sich in Pannonien ein tiefgreifender Bruch.
144. Die antike, römisch geprägte Welt verschwand fast völlig.
145. An ihre Stelle traten neue, einfachere Lebensformen.
146. Die Forschung diskutiert seit langem über die Gründe dieses Zusammenbruchs.
147. Einigkeit besteht darin, dass viele Ursachen zusammenwirkten.
148. Der Druck der Völkerwanderung war eine wesentliche Ursache.
149. Hinzu kam die innere Schwäche des Weströmischen Reiches.
150. Auch der Abzug der Truppen schwächte die Provinz entscheidend.
151. Schließlich trug der Zusammenbruch der Wirtschaft zum Niedergang bei.
152. Keine dieser Ursachen allein erklärt das Ende der Provinz.
153. Erst ihr Zusammenwirken führte zum vollständigen Zusammenbruch.
154. Umstritten ist auch, wie abrupt dieses Ende verlief.
155. Manche Forscher betonen den Bruch und das rasche Ende der römischen Welt.
156. Andere heben langsame Übergänge und gewisse Kontinuitäten hervor.
157. Einzelne Elemente der römischen Kultur überdauerten den Zusammenbruch.
158. So blieben etwa Ortsnamen oder einzelne Bauwerke teilweise erhalten.
159. Im Großen und Ganzen aber endete die römische Epoche Pannoniens.
160. Mit dem 5. Jahrhundert schloss sich somit ein langes Kapitel.
161. Pannonia war fast fünf Jahrhunderte lang Teil des Römischen Reiches gewesen.
162. In dieser Zeit hatte die Provinz Städte, Straßen und eine eigene Kultur entwickelt.
163. All dies versank nun weitgehend in den Stürmen der Völkerwanderung.
164. Das Karpatenbecken trat damit in eine neue geschichtliche Epoche ein.
165. Diese Epoche wird als Frühmittelalter bezeichnet.
166. Das Frühmittelalter war eine Zeit wechselnder Völker und Herrschaften.
167. Nach den Ostgoten zogen weitere Völker in das Karpatenbecken.
168. Die Langobarden gewannen für einige Zeit die Vorherrschaft in Pannonien.
169. Bald darauf erschien ein neues Reitervolk aus dem Osten.
170. Dieses Volk waren die Awaren, die das Becken über zwei Jahrhunderte beherrschten.
171. Mit den Awaren begann ein neuer Abschnitt der Geschichte des Raumes.
172. Von der römischen Provinz Pannonia blieb da nur noch die Erinnerung.
173. Der Name Pannonien aber überdauerte den Untergang der Provinz.
174. Er wurde noch lange als Bezeichnung für die Region verwendet.
175. So erinnerte der Name an die einstige römische Vergangenheit des Gebiets.
176. Der Zusammenbruch Pannoniens markiert das Ende der Antike im Karpatenbecken.
177. Zugleich bildet er den Auftakt zu den dunklen Jahrhunderten des Frühmittelalters.
178. Über diese Jahrhunderte sind die Quellen oft spärlich und lückenhaft.
179. Umso wichtiger werden für sie die Ergebnisse der archäologischen Forschung.
180. Die folgende Darstellung wendet sich der Zeit nach dem Ende Roms zu.

Nach Rom: Neue Machthaber und Machtvakuum in Pannonien

[Bearbeiten]
1. Mit dem Ende der römischen Herrschaft begann für Pannonien eine unruhige Übergangszeit.
2. Pannonien war jene Region, die das heutige Westungarn und angrenzende Gebiete umfasste.
3. Über Jahrhunderte war sie eine geordnete Provinz des Römischen Reiches gewesen.
4. Im 5. Jahrhundert jedoch zerfiel diese römische Ordnung vollständig.
5. An ihre Stelle trat zunächst kein neues, festes Herrschaftsgefüge.
6. Stattdessen folgte eine Epoche rasch wechselnder Mächte und Völker.
7. Diese Zeit lässt sich treffend als ein Machtvakuum beschreiben.
8. Ein Machtvakuum bezeichnet einen Zustand fehlender, dauerhafter Herrschaft.
9. In einem solchen Zustand ringen verschiedene Kräfte um die Vorherrschaft.
10. Genau dies geschah im Karpatenbecken nach dem Ende Roms.
11. Um diese Epoche zu verstehen, muss man das Hunnenreich als Ausgangspunkt nehmen.
12. Im 5. Jahrhundert hatte das Hunnenreich weite Teile des Beckens beherrscht.
13. Unter König Attila war dieses Reich auf seinem Höhepunkt gewesen.
14. Im Jahr 453 jedoch starb Attila völlig unerwartet.
15. Sein Tod entzog dem Hunnenreich seine entscheidende Stütze.
16. Das Reich beruhte ganz auf der Person seines mächtigen Königs.
17. Attilas Söhne stritten nach seinem Tod um die Nachfolge.
18. Sie konnten sich nicht auf eine gemeinsame Herrschaft einigen.
19. Diese innere Uneinigkeit schwächte das Hunnenreich entscheidend.
20. Die unterworfenen germanischen Völker erkannten ihre Chance.
21. Sie wollten die hunnische Oberherrschaft abschütteln.
22. Den Aufstand gegen die Hunnen führten vor allem die Gepiden an.
23. Die Gepiden waren ein ostgermanisches Volk im Karpatenbecken.
24. Um das Jahr 454 kam es zur Entscheidungsschlacht.
25. Diese Schlacht fand am Fluss Nedao statt, wohl auf pannonischem Boden.
26. In dieser Schlacht wurden die Hunnen vernichtend geschlagen.
27. Einer von Attilas Söhnen fiel im Kampf.
28. Mit dieser Niederlage endete die Macht der Hunnen im Karpatenbecken.
29. Die Reste der Hunnen zogen sich nach Osten zurück.
30. Als geschlossenes Volk verschwanden die Hunnen bald aus der Geschichte.
31. Nach dem Sieg teilten die siegreichen Völker das Becken unter sich auf.
32. Damit begann die Epoche der germanischen Königreiche in Pannonien.
33. Die Gepiden gewannen die Herrschaft über große Teile des östlichen Beckens.
34. Ihr Schwerpunkt lag im Gebiet östlich der Theiß.
35. Die Ostgoten siedelten sich vor allem im westlichen Pannonien an.
36. Damit teilten sich zwei germanische Völker den einstigen römischen Raum.
37. Beide Völker waren zuvor dem Hunnenreich unterworfen gewesen.
38. Nun traten sie als eigenständige Mächte hervor.
39. Das Oströmische Reich versuchte, auf diese Lage Einfluss zu nehmen.
40. Das Weströmische Reich war zu schwach, um in der Region zu handeln.
41. Im Jahr 476 ging es vollständig unter.
42. Damit lag die Verantwortung für den Donauraum allein beim Oströmischen Reich.
43. Das Oströmische Reich hatte seine Hauptstadt in Konstantinopel.
44. Es wird in der Forschung auch als Byzantinisches Reich bezeichnet.
45. Byzanz besaß jedoch keine Kraft, Pannonien militärisch zurückzuerobern.
46. Daher griff es zu einem bewährten Mittel der römischen Politik.
47. Es schloss Verträge mit den germanischen Völkern ab.
48. In solchen Verträgen erkannte Byzanz die Völker als Verbündete an.
49. Solche verbündeten Völker wurden als Föderaten bezeichnet.
50. Die Föderaten erhielten Land und oft auch Geldzahlungen.
51. Im Gegenzug verpflichteten sie sich zu militärischer Hilfe.
52. Auf diese Weise band Byzanz die Ostgoten an sich.
53. Die Ostgoten siedelten als Föderaten in Pannonien.
54. Damit blieb ein formaler Bezug zum Römischen Reich erhalten.
55. In Wahrheit aber regierten in Pannonien eigene germanische Könige.
56. Die Ostgoten standen in dieser Zeit unter dem Geschlecht der Amaler.
57. Aus diesem Geschlecht stammte ihr berühmtester König.
58. Dieser König trug den Namen Theoderich.
59. Theoderich verbrachte einen Teil seiner Jugend als Geisel in Konstantinopel.
60. Dort lernte er die römische Welt und ihre Politik kennen.
61. Später führte er sein Volk aus Pannonien fort.
62. Im Jahr 488 brach Theoderich mit den Ostgoten nach Italien auf.
63. Im Auftrag des oströmischen Kaisers sollte er dort die Herrschaft übernehmen.
64. Theoderich gründete in Italien ein bedeutendes Ostgotenreich.
65. Mit dem Abzug der Ostgoten verloren sie ihre Stellung in Pannonien.
66. In der Region entstand dadurch erneut ein Machtvakuum.
67. Verschiedene kleinere Völker rückten nun nach.
68. Auch Reste anderer Stämme bewegten sich durch das Becken.
69. Pannonien blieb somit ein Raum ständiger Bewegung.
70. Die Gepiden konnten ihre Stellung in dieser Zeit ausbauen.
71. Sie dehnten ihren Einfluss auf weite Teile des Beckens aus.
72. Zeitweise kontrollierten die Gepiden auch die alte Stadt Sirmium.
73. Sirmium war einst eine wichtige römische Residenzstadt gewesen.
74. Ihr Besitz verlieh den Gepiden hohes Ansehen.
75. Bald jedoch erschien ein neuer Gegner der Gepiden.
76. Aus dem Westen rückten die Langobarden in den Donauraum vor.
77. Die Langobarden waren ebenfalls ein germanisches Volk.
78. Sie siedelten sich im 6. Jahrhundert in Pannonien an.
79. Zwischen Langobarden und Gepiden entstand eine erbitterte Feindschaft.
80. Beide Völker kämpften jahrzehntelang um die Vorherrschaft im Becken.
81. Das Oströmische Reich nutzte diesen Gegensatz für seine Zwecke.
82. Es spielte die beiden Völker geschickt gegeneinander aus.
83. Mal unterstützte Byzanz die Langobarden, mal die Gepiden.
84. So sollte verhindert werden, dass ein Volk zu mächtig wurde.
85. Diese byzantinische Politik verlängerte die Konflikte in der Region.
86. Den Ausschlag im Krieg gab schließlich ein neues Volk aus dem Osten.
87. Aus den asiatischen Steppen näherte sich ein Reitervolk.
88. Dieses Volk waren die Awaren.
89. Die Awaren waren berittene Krieger nach Art der früheren Hunnen.
90. Sie suchten ein neues Siedlungsgebiet in Mitteleuropa.
91. Die Langobarden verbündeten sich mit den Awaren gegen die Gepiden.
92. Um das Jahr 567 wurde das Reich der Gepiden vernichtet.
93. Damit endete die Geschichte der Gepiden als eigenständige Macht.
94. Doch auch die Langobarden konnten ihren Sieg nicht nutzen.
95. Sie fürchteten ihre mächtigen neuen Verbündeten, die Awaren.
96. Im Jahr 568 verließen die Langobarden Pannonien.
97. Sie zogen nach Italien und gründeten dort ein eigenes Königreich.
98. Mit dem Abzug der Langobarden endete die germanische Epoche Pannoniens.
99. Das Karpatenbecken fiel nun fast vollständig an die Awaren.
100. Damit endete eine über hundertjährige Zeit wechselnder Herrschaften.
101. Die Zeit zwischen Hunnen und Awaren war von ständigem Wandel geprägt.
102. Innerhalb weniger Generationen hatten zahlreiche Völker das Becken beherrscht.
103. Auf die Hunnen folgten Gepiden, Ostgoten und Langobarden.
104. Keines dieser Völker schuf eine dauerhafte Ordnung.
105. Erst die Awaren begründeten wieder eine längerfristige Herrschaft.
106. Es lohnt sich, die Lebensverhältnisse dieser Übergangszeit zu betrachten.
107. Für die Bevölkerung Pannoniens war es eine Zeit großer Unsicherheit.
108. Kriege und Plünderungen gehörten zum Alltag.
109. Die Grenzen der Herrschaftsgebiete verschoben sich häufig.
110. Wer heute Herr war, konnte morgen schon besiegt sein.
111. Unter diesen Bedingungen war geordnetes Wirtschaften kaum möglich.
112. Die alte römische Bevölkerung hatte sich stark verringert.
113. Viele Romanen waren geflohen oder in den Wirren umgekommen.
114. Die verbliebenen Romanen lebten neben den germanischen Neuankömmlingen.
115. Über die Generationen vermischten sich beide Gruppen allmählich.
116. Eine durchgehende römische Tradition entstand in Pannonien nicht.
117. Auch die Städte der römischen Zeit verfielen weiter.
118. Viele ehemalige Stadtzentren waren nur noch dünn besiedelt.
119. Zwischen den Ruinen entstanden einfache, dörfliche Siedlungen.
120. Das städtische Leben der Antike war weitgehend erloschen.
121. Die Wirtschaft beschränkte sich auf kleine, örtliche Kreisläufe.
122. Ackerbau und Viehzucht sicherten den Lebensunterhalt der meisten Menschen.
123. Geld spielte im Alltag nur noch eine geringe Rolle.
124. Der Fernhandel der römischen Zeit war weitgehend zusammengebrochen.
125. Auch das einst gepflegte Straßennetz verfiel zunehmend.
126. In dieses Bild fügt sich die Quellenlage dieser Epoche.
127. Über die Zeit nach Rom berichten nur wenige schriftliche Quellen.
128. Die meisten Berichte stammen von Autoren außerhalb der Region.
129. Byzantinische Geschichtsschreiber liefern wichtige Hinweise.
130. Auch eine Geschichte der Goten und eine Geschichte der Langobarden sind erhalten.
131. Diese Werke wurden jedoch erst später und mit eigener Absicht verfasst.
132. Sie müssen daher kritisch ausgewertet werden.
133. Für die Bevölkerung Pannoniens selbst gibt es kaum eigene Zeugnisse.
134. Umso wichtiger werden die Ergebnisse der archäologischen Forschung.
135. Gräberfelder dieser Zeit liefern aufschlussreiche Funde.
136. Aus Grabbeigaben lassen sich Herkunft und Lebensweise erschließen.
137. Waffen, Schmuck und Trachtbestandteile geben Hinweise auf einzelne Völker.
138. So lassen sich gepidische, ostgotische und langobardische Spuren unterscheiden.
139. Die Archäologie ergänzt damit die spärlichen schriftlichen Quellen.
140. Sie zeigt das Karpatenbecken als einen Raum mit gemischter Bevölkerung.
141. Verschiedene Völker lebten dort neben- und miteinander.
142. Ein einheitliches Volk Pannoniens gab es in dieser Zeit nicht.
143. Die Forschung diskutiert die Deutung dieser Epoche bis heute.
144. Strittig ist, wie tief der Bruch mit der römischen Zeit wirklich war.
145. Manche Forscher betonen den vollständigen Untergang der antiken Welt.
146. Andere heben einzelne Kontinuitäten und langsame Übergänge hervor.
147. Einzelne Elemente der römischen Kultur überdauerten den Umbruch.
148. So blieben manche Ortsnamen und einzelne Bauwerke erhalten.
149. Im Großen und Ganzen aber begann eine neue geschichtliche Epoche.
150. Diese Epoche wird als Frühmittelalter bezeichnet.
151. Für Pannonien war das Frühmittelalter eine besonders bewegte Zeit.
152. Die Lage an der Donau machte das Becken zu einem Durchgangsraum.
153. Wandernde Völker zogen immer wieder durch die Region.
154. Die geographische Lage Pannoniens prägte somit sein Schicksal.
155. Das Becken war von fruchtbarem Land und weiten Ebenen geprägt.
156. Solche Ebenen waren für Reitervölker besonders anziehend.
157. Daher zog das Becken Steppenvölker geradezu an.
158. Nach den Hunnen sollten weitere Reitervölker folgen.
159. Die Awaren waren das nächste dieser Völker.
160. Auch die späteren Ungarn gehörten zu dieser Reihe.
161. Das Machtvakuum nach Rom war somit kein Dauerzustand.
162. Es wurde durch immer neue Völker vorübergehend ausgefüllt.
163. Doch keine Herrschaft erwies sich als endgültig.
164. Erst sehr viel später entstand im Becken eine dauerhafte Ordnung.
165. Diese dauerhafte Ordnung begründeten schließlich die Ungarn.
166. Bis dahin aber blieb Pannonien ein Raum des Wandels.
167. Die Zeit nach Rom war geprägt von Unsicherheit und Bewegung.
168. Sie brachte den Niedergang der antiken Lebensformen.
169. Zugleich legte sie den Grund für eine neue Welt.
170. Aus römischen Resten und germanischen Einflüssen entstand etwas Neues.
171. Diese neue Welt war einfacher und kriegerischer als die römische.
172. Sie war zugleich offen für die Einflüsse der Steppenvölker.
173. Das Karpatenbecken wurde so zu einem Treffpunkt der Kulturen.
174. Hier begegneten sich die Welt Roms, Germaniens und der Steppe.
175. Diese Vielfalt prägte die weitere Geschichte des Raumes.
176. Mit dem Eintreffen der Awaren begann ein neuer Abschnitt.
177. Die Awaren beherrschten das Becken über zwei Jahrhunderte lang.
178. Sie schufen erstmals nach Rom wieder eine längerfristige Herrschaft.
179. Damit endete die Zeit des reinen Machtvakuums in Pannonien.

Die Transformation: Vom römischen zum frühmittelalterlichen Pannonien

[Bearbeiten]
1. Der Übergang von der römischen Antike zum Frühmittelalter war für Pannonien ein tiefgreifender Wandel.
2. Pannonien bezeichnet jene Region, die das heutige Westungarn und angrenzende Gebiete umfasste.
3. Über Jahrhunderte war sie eine wohlgeordnete Provinz des Römischen Reiches gewesen.
4. Am Ende dieser Entwicklung stand eine völlig veränderte Welt.
5. Diesen Vorgang des grundlegenden Wandels bezeichnet die Forschung als Transformation.
6. Der Begriff Transformation betont den Wandel ebenso wie das Fortbestehen einzelner Elemente.
7. Er steht im Gegensatz zu Begriffen, die nur den Untergang betonen.
8. Die ältere Forschung sprach häufig vom Untergang oder Fall Roms.
9. Sie verstand das Ende der Antike als plötzliche Katastrophe.
10. Die neuere Forschung sieht den Vorgang differenzierter.
11. Sie betont, dass der Wandel sich über lange Zeiträume erstreckte.
12. Manches verschwand, anderes wandelte sich, einzelnes blieb bestehen.
13. Diese Sichtweise lässt sich auch auf Pannonien anwenden.
14. Um die Transformation zu verstehen, muss man den Ausgangszustand betrachten.
15. Im 4. Jahrhundert war Pannonien eine geordnete römische Provinz.
16. Es gab Städte, Straßen und eine ausgebaute Verwaltung.
17. Eine Grenzlinie, der Limes, schützte das Gebiet entlang der Donau.
18. Die Wirtschaft beruhte auf Geldverkehr, Handel und Landwirtschaft.
19. Das Christentum hatte sich als Religion ausgebreitet.
20. Dieses geordnete Gefüge zerfiel im 5. Jahrhundert vollständig.
21. Am Ende der Transformation stand eine grundlegend andere Welt.
22. Diese neue Welt war einfacher, ländlicher und kriegerischer.
23. Der Wandel betraf alle Bereiche des Lebens.
24. Besonders deutlich zeigt er sich an den Städten.
25. Die römische Welt war in hohem Maße eine Welt der Städte gewesen.
26. Städte waren Zentren von Verwaltung, Handel und Kultur.
27. Im 5. Jahrhundert verloren die Städte Pannoniens ihre Bedeutung.
28. Ihre Einwohnerzahl ging stark zurück.
29. Öffentliche Gebäude verfielen oder wurden anders genutzt.
30. Manche Bewohner errichteten einfache Hütten zwischen den alten Ruinen.
31. Steine römischer Bauten wurden für bescheidenere Zwecke wiederverwendet.
32. Das städtische Leben der Antike erlosch fast vollständig.
33. An die Stelle der Städte traten ländliche Siedlungen.
34. Die Menschen lebten nun überwiegend in kleinen Dörfern.
35. Damit verschob sich der Schwerpunkt des Lebens auf das Land.
36. Auch die Wirtschaft veränderte sich grundlegend.
37. Die römische Wirtschaft hatte auf Geld und Fernhandel beruht.
38. Beides verlor in der Transformation seine Bedeutung.
39. Münzen wurden seltener und seltener verwendet.
40. An die Stelle des Geldes trat oft der unmittelbare Tausch von Waren.
41. Diese Wirtschaftsform wird als Naturalwirtschaft bezeichnet.
42. Der Fernhandel der römischen Zeit brach weitgehend zusammen.
43. Die Wirtschaft beschränkte sich auf kleine, örtliche Kreisläufe.
44. Jede Siedlung musste sich weitgehend selbst versorgen.
45. Ackerbau und Viehzucht bildeten die Grundlage des Lebens.
46. Handwerk wurde meist nur noch für den örtlichen Bedarf betrieben.
47. Auch das Straßennetz der Römer verfiel zunehmend.
48. Ohne staatliche Pflege verloren die Straßen ihre Qualität.
49. Damit erschwerte sich der Verkehr zwischen den Regionen.
50. Der Niedergang der Infrastruktur verstärkte die wirtschaftliche Vereinfachung.
51. Ein weiterer Bereich des Wandels war die Herrschaftsordnung.
52. Die römische Verwaltung war stark gegliedert und schriftlich organisiert gewesen.
53. Beamte, Steuern und Gesetze hatten das Leben geordnet.
54. Diese Verwaltung verschwand mit dem Ende der römischen Herrschaft.
55. An ihre Stelle traten einfachere Herrschaftsformen.
56. Die neuen Herren waren germanische Könige und ihre Gefolgschaften.
57. Ihre Herrschaft beruhte auf persönlicher Bindung und Treue.
58. Eine schriftliche Verwaltung kannten diese Herrschaften kaum.
59. Das Recht beruhte stärker auf mündlicher Überlieferung und Gewohnheit.
60. Damit wandelte sich die Grundlage von Herrschaft und Ordnung.
61. Auch die Bevölkerung Pannoniens veränderte sich grundlegend.
62. Die römische Bevölkerung hatte sich stark verringert.
63. Viele Romanen waren geflohen oder in den Wirren umgekommen.
64. Romanen sind die verbliebenen Bewohner römischer Herkunft.
65. Zu ihnen kamen zahlreiche neue Völker in das Becken.
66. Nacheinander siedelten Hunnen, Gepiden, Ostgoten und Langobarden dort.
67. Schließlich übernahmen die Awaren die Herrschaft über das Becken.
68. Die Bevölkerung Pannoniens wurde dadurch zu einem Gemisch vieler Gruppen.
69. Über die Generationen vermischten sich diese Gruppen allmählich.
70. Die romanische Bevölkerung ging dabei nach und nach in den Neuankömmlingen auf.
71. Eine durchgehende römische Tradition entstand in Pannonien nicht.
72. Darin unterschied sich Pannonien von Gallien oder Spanien.
73. Dort lebte die romanische Bevölkerung in großer Zahl fort.
74. In Pannonien hingegen riss die römische Kontinuität weitgehend ab.
75. Auch die Sprache der Region veränderte sich dadurch.
76. Das Lateinische verlor in Pannonien seine Stellung als Alltagssprache.
77. An seine Stelle traten die Sprachen der neuen Völker.
78. Damit verschwand ein wichtiges Erbe der römischen Zeit.
79. Ein weiterer Bereich des Wandels war die Religion.
80. Im 4. Jahrhundert hatte sich das Christentum in Pannonien ausgebreitet.
81. Es gab Bischöfe, Kirchen und feste christliche Gemeinden.
82. Mit dem Zerfall der römischen Ordnung gerieten diese Strukturen in Bedrängnis.
83. Manche Gemeinden lösten sich auf, Bischofssitze wurden verlassen.
84. Reste des Christentums hielten sich dennoch unter den verbliebenen Romanen.
85. Die neu eingewanderten Völker hingen oft anderen Glaubensformen an.
86. Manche germanische Völker waren Anhänger des arianischen Christentums.
87. Der Arianismus galt der römischen Reichskirche als Irrglaube.
88. Die später eintreffenden Awaren waren überwiegend keine Christen.
89. Sie folgten den Glaubensvorstellungen der Steppenvölker.
90. Damit verlor das Christentum in Pannonien zeitweise an Bedeutung.
91. Erst Jahrhunderte später sollte es sich erneut durchsetzen.
92. Trotz allen Wandels gab es auch gewisse Kontinuitäten.
93. Nicht alles aus der römischen Zeit verschwand spurlos.
94. Einige römische Bauwerke wurden weiterhin genutzt.
95. Befestigte Orte boten auch späteren Bewohnern Schutz.
96. Manche römischen Ortsnamen blieben über die Jahrhunderte erhalten.
97. Auch der Name Pannonien selbst überdauerte den Untergang der Provinz.
98. Er wurde noch lange als Bezeichnung für die Region verwendet.
99. Damit erinnerte der Name an die römische Vergangenheit.
100. Auch die alten Verkehrswege wurden teilweise weiter genutzt.
101. Selbst verfallene Straßen gaben noch grobe Reiserichtungen vor.
102. Solche Kontinuitäten waren jedoch eher Ausnahmen.
103. Im Großen und Ganzen überwog der Wandel deutlich.
104. Die antike Welt Pannoniens war am Ende fast völlig verschwunden.
105. Besonders aufschlussreich ist die Frage nach der Bevölkerungszahl.
106. In der römischen Zeit war Pannonien vergleichsweise dicht besiedelt gewesen.
107. Im Verlauf der Transformation ging die Bevölkerung deutlich zurück.
108. Kriege, Flucht und Seuchen forderten zahlreiche Opfer.
109. Ganze Landstriche fielen zeitweise wüst und unbebaut.
110. Erst allmählich füllten sich diese Gebiete wieder mit Menschen.
111. Die neuen Bewohner brachten andere Lebensformen mit.
112. Damit veränderte sich auch das Bild der Landschaft.
113. Die Quellenlage erschwert die Erforschung dieser Epoche.
114. Über die Transformation Pannoniens berichten nur wenige schriftliche Quellen.
115. Die meisten Berichte stammen von Autoren außerhalb der Region.
116. Für das Innere Pannoniens fehlen eigene Zeugnisse fast völlig.
117. Umso wichtiger werden die Ergebnisse der archäologischen Forschung.
118. Die Archäologie untersucht Siedlungen, Gräber und einzelne Funde.
119. Aus Grabbeigaben lassen sich Herkunft und Lebensweise erschließen.
120. Veränderungen der Sachkultur zeigen den Wandel der Lebensformen.
121. So lässt sich der Übergang von der Antike zum Mittelalter nachzeichnen.
122. Die Forschung diskutiert die Deutung dieser Epoche bis heute.
123. Strittig ist vor allem das Tempo des Wandels.
124. Manche Forscher betonen einen raschen und gewaltsamen Bruch.
125. Andere heben langsame Übergänge und einzelne Kontinuitäten hervor.
126. Wahrscheinlich verlief der Wandel je nach Gebiet unterschiedlich.
127. In manchen Regionen brach die römische Ordnung schnell zusammen.
128. In anderen hielt sie sich noch einige Zeit länger.
129. Auch innerhalb Pannoniens verlief die Transformation ungleichmäßig.
130. Der Begriff Transformation trägt dieser Vielfalt Rechnung.
131. Er erlaubt es, Bruch und Kontinuität gemeinsam zu betrachten.
132. Die Transformation Pannoniens war Teil eines größeren Vorgangs.
133. In ganz Europa wandelte sich die antike Welt zum Mittelalter.
134. Überall verschwanden Städte, Fernhandel und römische Verwaltung.
135. Überall entstanden neue Reiche und einfachere Lebensformen.
136. Pannonien war somit kein Einzelfall, sondern ein Beispiel.
137. Doch die Region wies auch eigene Besonderheiten auf.
138. Pannonien lag an der Donau in einer Grenzlage.
139. Diese Lage machte das Becken zu einem Durchgangsraum der Völker.
140. Immer wieder zogen wandernde Völker durch die Region.
141. Daher war der Wandel in Pannonien besonders heftig.
142. Die römische Kontinuität riss hier stärker ab als in anderen Gebieten.
143. Zugleich war das Becken offen für Einflüsse aus der Steppe.
144. Reitervölker wie Hunnen und Awaren prägten die Region.
145. Damit unterschied sich Pannonien vom Westen des einstigen Reiches.
146. Im Westen blieb das römische Erbe oft stärker erhalten.
147. In Pannonien hingegen mischten sich römische, germanische und steppische Einflüsse.
148. Aus dieser Mischung entstand eine eigene frühmittelalterliche Welt.
149. Diese Welt war ärmer und einfacher als die römische.
150. Sie war zugleich vielfältig und in ständiger Bewegung.
151. Das Karpatenbecken wurde so zu einem Treffpunkt der Kulturen.
152. Hier begegneten sich die Welt Roms, Germaniens und der Steppe.
153. Diese Vielfalt prägte die weitere Geschichte des Raumes.
154. Am Ende der Transformation stand das frühmittelalterliche Pannonien.
155. Es war eine Welt ohne Städte römischer Prägung.
156. Es war eine Welt ohne geordnete Verwaltung und Fernhandel.
157. Es war eine ländliche Welt kleiner Siedlungen und Herrschaften.
158. Über dieser Welt herrschten zunächst die Awaren.
159. Die Awaren beherrschten das Becken über zwei Jahrhunderte lang.
160. Ihre Herrschaft bildete den Rahmen des frühen Frühmittelalters.
161. Mit der Transformation endete somit endgültig die Antike im Karpatenbecken.
162. Eine lange Epoche der Geschichte war damit abgeschlossen.
163. Fast fünf Jahrhunderte römischer Geschichte gingen zu Ende.
164. Was folgte, war eine Zeit des Neuanfangs unter schwierigen Bedingungen.
165. Die Quellen dieser Zeit sind spärlich und oft schwer zu deuten.
166. Daher werden diese Jahrhunderte auch als dunkle Jahrhunderte bezeichnet.
167. Der Begriff meint vor allem die schlechte Quellenlage.
168. Er bedeutet nicht, dass in dieser Zeit nichts geschah.
169. Im Gegenteil war es eine Epoche tiefgreifender Veränderungen.
170. In dieser Zeit bildeten sich die Grundlagen des mittelalterlichen Europa.
171. Auch für Pannonien begann eine neue geschichtliche Epoche.
172. Das Becken sollte noch viele weitere Völker aufnehmen.
173. Nach den Awaren kamen Slawen und schließlich die Ungarn.
174. Erst die Ungarn schufen im Becken eine dauerhafte Ordnung.
175. Bis dahin aber blieb Pannonien ein Raum des Wandels.
176. Die Transformation der Antike war somit der Auftakt dieser Entwicklung.
177. Sie verwandelte die römische Provinz in eine frühmittelalterliche Welt.
178. Damit endet die Betrachtung der römischen und spätantiken Epoche.
179. Die folgende Darstellung wendet sich dem Frühmittelalter zu.
180. Sie beginnt mit der Herrschaft der Awaren im Karpatenbecken.