Benutzer:Thirunavukkarasye-Raveendran/Die Geschichte Ungarns - Römische Provinz Pannonia 3
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- Die Geschichte Ungarns - 3. - Römische Provinz Pannonia (1.-5. Jahrhundert)
- Zivilisation an der Grenze
- DIE GESCHICHTE UNGARNS
- Vorgeschichte und Urgeschichte
Römische Provinz Pannonia (1.-5. Jahrhundert): Zivilisation an der Grenze
[Bearbeiten]- 1. Mit der Provinz Pannonia tritt das Gebiet des heutigen Westungarn in das Licht der antiken Geschichte.
- 2. Über einen Zeitraum von rund fünf Jahrhunderten gehörte diese Region zum Römischen Reich.
- 3. Die römische Epoche reicht vom ersten bis ins fünfte Jahrhundert nach Christus.
- 4. Sie bildet einen eigenständigen und prägenden Abschnitt in der Geschichte des Karpatenbeckens.
- 5. Pannonia war keine Provinz im sicheren Inneren des Reiches.
- 6. Sie lag am Rand des Imperiums und galt als gefährdetes Grenzland.
- 7. Die Donau bildete über weite Strecken die Grenze des Reiches.
- 8. Jenseits dieses Stroms lebten Völker, die nicht zum Reich gehörten.
- 9. Pannonia war damit eine Zone der Begegnung zwischen Rom und seinen Nachbarn.
- 10. Diese Grenzlage prägte das Leben der Provinz über die gesamte römische Zeit.
- 11. Sie war zugleich Quelle ständiger Bedrohung und Ursache besonderer Bedeutung.
- 12. Die folgenden Abschnitte beleuchten diese Epoche aus verschiedenen Blickwinkeln.
- 13. Sie behandeln nacheinander mehrere große Themenfelder der Provinzgeschichte.
- 14. Den Anfang bildet die Eroberung des Gebietes durch die römischen Legionen.
- 15. Daran schließt sich die Einrichtung der Provinz mit Verwaltung und Militär an.
- 16. Weitere Abschnitte widmen sich den Städten und der Infrastruktur.
- 17. Auch Handel, Wohlstand und kultureller Austausch werden behandelt.
- 18. Ein Abschnitt beschreibt das alltägliche Leben der Bevölkerung.
- 19. Den Abschluss bildet die religiöse Entwicklung der Provinz.
- 20. Gemeinsam ergeben diese Themen ein umfassendes Bild des römischen Pannonien.
- 21. Die Eroberung des Gebietes war kein rascher Vorgang.
- 22. Sie zog sich über mehrere Jahrzehnte hin und war verlustreich.
- 23. Erst die Niederschlagung eines großen Aufstands sicherte die römische Herrschaft.
- 24. Danach wurde das eroberte Land in eine geordnete Provinz umgewandelt.
- 25. Eine Provinz war eine Verwaltungseinheit des Römischen Reiches.
- 26. An ihrer Spitze stand ein vom Kaiser ernannter Statthalter.
- 27. Das prägende Merkmal Pannoniens war die starke Präsenz des Militärs.
- 28. Entlang der Donau verlief eine befestigte Grenzlinie, der Limes.
- 29. Zahlreiche Legionslager, Kastelle und Wachtürme sicherten diese Grenze.
- 30. Das Heer schützte das Land und prägte zugleich seine gesamte Entwicklung.
- 31. Mit der römischen Herrschaft hielt eine neue Form der Zivilisation Einzug.
- 32. Erstmals entstanden im Karpatenraum Städte nach römischem Vorbild.
- 33. Diese Städte besaßen Foren, Tempel, Bäder und Wasserleitungen.
- 34. Ein dichtes Netz von Straßen verband die Provinz mit dem übrigen Reich.
- 35. Über diese Wege bewegten sich Truppen, Händler, Waren und Nachrichten.
- 36. Pannonien wurde damit in einen großen Wirtschaftsraum eingebunden.
- 37. Die Provinz nahm teil am Handel und am Wohlstand des Imperiums.
- 38. Mit den Waren wanderten auch Menschen, Sprachen und Bräuche.
- 39. Die einheimische Bevölkerung übernahm allmählich römische Lebensformen.
- 40. Diesen langen Vorgang der Angleichung bezeichnet man als Romanisierung.
- 41. Die Gesellschaft der Provinz war von Anfang an stark gemischt.
- 42. In ihr lebten Einheimische, Zuwanderer, Soldaten, Bürger und Sklaven.
- 43. Auch die religiöse Welt Pannoniens war vielfältig und wandelbar.
- 44. Auf eine Vielzahl heidnischer Kulte folgte der Aufstieg des Christentums.
- 45. Die römische Epoche endete mit den Wirren der Völkerwanderung.
- 46. Im fünften Jahrhundert zerfiel die römische Herrschaft an der Donau.
- 47. Es ist zu betonen, dass die Provinz Pannonia und das ungarische Volk nicht zusammenhängen.
- 48. Die Ungarn erreichten den Karpatenraum erst rund vier Jahrhunderte später.
- 49. Die römische Zeit bildet daher die antike Vorgeschichte des Landes.
- 50. Sie hinterließ ein kulturelles Erbe, das bis in die Gegenwart nachwirkt.
Die Eroberung: Augustus und die römischen Legionen (29 v.Chr. - 9 n.Chr.)
[Bearbeiten]- 1. Die Eroberung Pannoniens durch Rom war kein einzelnes Ereignis, sondern ein über mehrere Jahrzehnte gestreckter Prozess militärischer Vorstöße, diplomatischer Manöver und blutiger Aufstandsbekämpfung.
- 2. Am Beginn dieser Entwicklung stand die strategische Lage des Donauraums, der für die römische Reichspolitik unter Kaiser Augustus zunehmend an Bedeutung gewann.
- 3. Augustus, der erste römische Kaiser, regierte von 27 vor Christus bis 14 nach Christus und verfolgte das Ziel, die Reichsgrenzen an natürlichen Linien zu stabilisieren.
- 4. Die Donau bot sich als ein solcher natürlicher Grenzfluss an, der den Schutz Italiens und der bereits eroberten Balkangebiete erleichtern sollte.
- 5. Das Gebiet des späteren Pannonien umfasste die Pannonische Tiefebene westlich der Donau, also Teile des heutigen Ungarn, Österreichs, Kroatiens, Sloweniens und Serbiens.
- 6. Vor der römischen Eroberung war diese Region von keltischen und illyrischen Stämmen bewohnt, deren bekannteste Gruppen die Pannonier, Breuker und Skordisker waren.
- 7. Diese Stämme lebten in befestigten Höhensiedlungen, betrieben Ackerbau und Viehzucht und waren im Handwerk, besonders in der Metallverarbeitung, erfahren.
- 8. Eine zentrale politische Einheit kannten sie nicht; ihre Gesellschaft war in lose verbundene Stammesverbände gegliedert.
- 9. Diese Zersplitterung erleichterte Rom zunächst die Einflussnahme, erschwerte aber zugleich eine endgültige Unterwerfung, da kein einzelner Sieg das gesamte Gebiet befriedete.
- 10. Bereits vor Augustus hatte Rom Berührungspunkte mit dem Donauraum, vor allem durch Konflikte mit den Skordiskern, die wiederholt in römisch kontrollierte Gebiete einfielen.
- 11. Im Jahr 35 vor Christus begann der spätere Augustus, damals noch unter dem Namen Octavian, einen Feldzug gegen die illyrischen Stämme an der Adriaküste und im Hinterland.
- 12. Dieser sogenannte Illyrische Krieg diente mehreren Zwecken: der Sicherung der Adriahäfen, der militärischen Schulung der Truppen und der Stärkung von Octavians eigenem Ansehen.
- 13. Ein wichtiges Ziel des Feldzugs war die keltische Stadt Siscia, das heutige Sisak in Kroatien, ein bedeutender Knotenpunkt an den Flüssen Save und Kupa.
- 14. Octavian eroberte Siscia nach einer Belagerung und richtete dort einen Stützpunkt ein, der als Ausgangsbasis für spätere Vorstöße in den pannonischen Raum dienen sollte.
- 15. Die Einnahme von Siscia markiert einen frühen Schritt der römischen Durchdringung der Region, auch wenn von einer dauerhaften Eroberung Pannoniens noch keine Rede sein konnte.
- 16. Nach dem Sieg über Marcus Antonius im Jahr 31 vor Christus in der Seeschlacht bei Actium konzentrierte Octavian seine Macht und konnte sich verstärkt den Grenzfragen widmen.
- 17. Im Jahr 27 vor Christus nahm er den Ehrentitel Augustus an und begründete damit förmlich das Kaisertum, das die Republik in ihrer alten Form ablöste.
- 18. Unter Augustus wurde die Eroberung des Alpen- und Donauraums Teil eines umfassenden Programms zur Abrundung und Sicherung des Reiches.
- 19. Im Jahr 15 vor Christus unterwarfen die Stiefsöhne des Augustus, Tiberius und Drusus, das Alpengebiet und die Regionen Raetien und Noricum.
- 20. Noricum, das Gebiet des heutigen Österreich südlich der Donau, geriet weitgehend friedlich unter römische Kontrolle und bildete fortan ein Vorfeld der pannonischen Eroberung.
- 21. Mit der Sicherung Noricums rückte die römische Macht unmittelbar an den westlichen Rand des pannonischen Raums heran.
- 22. Die eigentliche systematische Eroberung Pannoniens begann in den Jahren 13 bis 9 vor Christus und ist eng mit dem Namen des Feldherrn Tiberius verbunden.
- 23. Tiberius, der spätere Kaiser, war zu diesem Zeitpunkt einer der fähigsten Militärs im Dienst des Augustus.
- 24. Anlass der Feldzüge waren wiederholte Aufstände und Übergriffe der pannonischen Stämme, die die römischen Grenzgebiete bedrohten.
- 25. Rom betrachtete solche Unruhen nicht nur als lokale Probleme, sondern als grundsätzliche Gefährdung der angestrebten Donaugrenze.
- 26. In mehreren Feldzügen unterwarf Tiberius die pannonischen Stämme schrittweise und drängte die römische Kontrolle bis an die Donau vor.
- 27. Die Kämpfe waren hart und verlustreich, da die Stämme das unwegsame Gelände aus Wäldern, Sümpfen und Flussläufen geschickt zur Verteidigung nutzten.
- 28. Eine offene Feldschlacht vermieden die Pannonier oft; stattdessen führten sie einen Kleinkrieg aus Überfällen und Hinterhalten.
- 29. Tiberius reagierte mit einer Strategie der systematischen Unterwerfung, bei der Stützpunkte angelegt, Gebiete abgeriegelt und Stämme einzeln zur Kapitulation gezwungen wurden.
- 30. Bis zum Jahr 9 vor Christus galt Pannonien als weitgehend unterworfen, und das Gebiet wurde zunächst der Provinz Illyricum zugeschlagen.
- 31. Illyricum war eine große, kaiserliche Provinz, die den gesamten westlichen Balkanraum umfasste und direkt der Kontrolle des Kaisers unterstand.
- 32. Die Eingliederung in Illyricum zeigt, dass Rom Pannonien zunächst nicht als eigenständige Verwaltungseinheit, sondern als Teil eines größeren Grenzgebiets behandelte.
- 33. Die Unterwerfung von 9 vor Christus erwies sich jedoch als nicht von Dauer, da der römische Druck auf die einheimische Bevölkerung erheblichen Widerstand erzeugte.
- 34. Rom forderte von den unterworfenen Stämmen Tributzahlungen, die Stellung von Hilfstruppen und die Anerkennung römischer Oberhoheit.
- 35. Besonders die Rekrutierung einheimischer Männer für den römischen Militärdienst wurde von der Bevölkerung als schwere Last empfunden.
- 36. Diese Belastungen, verbunden mit der Erfahrung fremder Herrschaft, schufen den Nährboden für den größten Aufstand, dem sich Rom in dieser Region je gegenübersah.
- 37. Im Jahr 6 nach Christus brach der sogenannte Pannonisch-Dalmatinische Aufstand aus, der auch als Bellum Batonianum bekannt ist.
- 38. Der Name Bellum Batonianum leitet sich von zwei Anführern her, die beide den Namen Bato trugen: Bato von den Daesitiaten und Bato von den Breukern.
- 39. Der Aufstand begann, als pannonische Hilfstruppen, die eigentlich für einen römischen Feldzug gegen die Markomannen aufgestellt worden waren, sich gegen Rom erhoben.
- 40. Der geplante Feldzug gegen das Reich des Markomannenkönigs Marbod unter Tiberius musste daraufhin abgebrochen werden.
- 41. Der Aufstand griff rasch um sich und erfasste sowohl Pannonien als auch das südlich gelegene Dalmatien.
- 42. Antike Quellen, insbesondere der Geschichtsschreiber Velleius Paterculus, schildern den Aufstand als existenzielle Bedrohung für das römische Reich.
- 43. Velleius Paterculus, der selbst als Offizier an den Kämpfen teilnahm, berichtet, dass in Italien Furcht vor einem Vormarsch der Aufständischen herrschte.
- 44. Der Schriftsteller Sueton überliefert, dass Augustus den Aufstand für den gefährlichsten Krieg seit den Punischen Kriegen gegen Karthago hielt.
- 45. Rom mobilisierte gewaltige Kräfte und setzte schließlich rund fünfzehn Legionen sowie zahlreiche Hilfstruppen gegen die Aufständischen ein.
- 46. Eine Legion umfasste zu dieser Zeit etwa fünftausend bis sechstausend Soldaten, sodass eine sehr große Streitmacht gegen die Erhebung aufgeboten wurde.
- 47. Den Oberbefehl über die römischen Truppen führte erneut Tiberius, der den abgebrochenen Markomannenfeldzug hinter sich lassen musste.
- 48. An seiner Seite kämpften weitere fähige Offiziere, darunter der junge Germanicus, ein Neffe des Tiberius und späterer Hoffnungsträger des Kaiserhauses.
- 49. Die Römer verfolgten eine Strategie der Zermürbung, da eine schnelle Entscheidung angesichts des Geländes und der Zahl der Aufständischen nicht zu erreichen war.
- 50. Sie zerstörten Felder und Vorräte, riegelten Gebiete ab und versuchten, die Aufständischen durch Hunger und Erschöpfung zur Aufgabe zu zwingen.
- 51. Der Aufstand zerfiel im Verlauf der Kämpfe, da sich die verschiedenen Stammesgruppen uneinig wurden und nicht geschlossen handelten.
- 52. Bato von den Breukern wechselte schließlich die Seiten und lieferte den breukischen Mitanführer an die Römer aus, was den Widerstand in Pannonien schwächte.
- 53. Im Jahr 8 nach Christus ergaben sich die pannonischen Stämme endgültig, während der Widerstand in Dalmatien noch ein weiteres Jahr andauerte.
- 54. Im Jahr 9 nach Christus wurde auch der dalmatinische Anführer Bato von den Daesitiaten besiegt und kapitulierte gegenüber Tiberius.
- 55. Die Überlieferung berichtet von einer Begegnung, in der Tiberius den unterlegenen Bato nach den Gründen des Aufstands fragte.
- 56. Bato soll geantwortet haben, dass die Römer selbst schuld seien, weil sie nicht Hirten, sondern Wölfe als Hüter ihrer Herden geschickt hätten.
- 57. Diese überlieferte Antwort, ob historisch oder ausgeschmückt, verdeutlicht die Kritik an der ausbeuterischen römischen Provinzverwaltung.
- 58. Der Aufstand wurde von römischer Seite hart bestraft, einzelne Stämme wurden umgesiedelt, entwaffnet oder zu erhöhten Abgaben gezwungen.
- 59. Die Niederschlagung des Bellum Batonianum im Jahr 9 nach Christus markiert das tatsächliche Ende der Eroberung und den Beginn der gesicherten römischen Herrschaft in Pannonien.
- 60. Nur wenige Tage nach dem Sieg über die Aufständischen traf Rom die Nachricht von der Niederlage im Teutoburger Wald in Germanien.
- 61. Dort hatte der Cheruskerfürst Arminius drei römische Legionen unter dem Befehl des Varus vernichtet, ein Ereignis von großer Tragweite.
- 62. Die zeitliche Nähe beider Ereignisse führte dazu, dass die mühsam errungene Befriedung Pannoniens in der römischen Erinnerung von der Katastrophe in Germanien überschattet wurde.
- 63. Für die Donauregion hatte der Sieg jedoch dauerhafte Folgen, denn die römische Herrschaft blieb dort über mehr als vier Jahrhunderte bestehen.
- 64. Nach dem Ende des Aufstands wurde die große Provinz Illyricum verwaltungstechnisch neu geordnet.
- 65. Sie wurde in zwei eigenständige Provinzen geteilt: Pannonia im Norden und Dalmatia im Süden.
- 66. Diese Teilung erfolgte vermutlich in den Jahren nach 9 nach Christus, der genaue Zeitpunkt ist in der Forschung jedoch nicht eindeutig geklärt.
- 67. Mit der Einrichtung der Provinz Pannonia erhielt das eroberte Gebiet erstmals eine klar umrissene, eigene Verwaltungsstruktur.
- 68. An der Spitze der Provinz stand ein kaiserlicher Statthalter im Rang eines Legaten, der zugleich militärische und zivile Befugnisse besaß.
- 69. Pannonia war eine kaiserliche Provinz, was bedeutete, dass der Kaiser dort unmittelbar die Truppen befehligte und den Statthalter selbst ernannte.
- 70. Diese enge Bindung an den Kaiser unterstreicht die militärstrategische Bedeutung der neuen Provinz an der gefährdeten Donaugrenze.
- 71. Die in Pannonien stationierten Legionen bildeten einen festen Bestandteil der römischen Grenzverteidigung, des sogenannten Limes.
- 72. Der pannonische Limes verlief entlang der Donau und bestand aus Legionslagern, kleineren Kastellen, Wachtürmen und Verbindungsstraßen.
- 73. Wichtige militärische Stützpunkte entstanden unter anderem bei Carnuntum und später bei Aquincum, dem heutigen Budapest.
- 74. Carnuntum, östlich des heutigen Wien gelegen, entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten Militär- und Verwaltungszentren der Region.
- 75. Aquincum sollte später zur Hauptstadt der Provinz Pannonia Inferior, also Niederpannonien, aufsteigen.
- 76. Die Eroberung Pannoniens war somit nicht nur ein militärischer Vorgang, sondern legte auch den Grundstein für die spätere Verstädterung und Romanisierung der Region.
- 77. Romanisierung bezeichnet den Prozess, in dem die einheimische Bevölkerung allmählich römische Sprache, Lebensweise, Recht und Kultur übernahm.
- 78. Dieser Prozess setzte unmittelbar nach der Eroberung ein, vollzog sich jedoch über Generationen hinweg und war regional unterschiedlich stark ausgeprägt.
- 79. Die einheimische keltisch-illyrische Bevölkerung verschwand nicht, sondern verschmolz mit den Zuwanderern, Soldaten und Händlern zu einer provinzialrömischen Gesellschaft.
- 80. Eine wichtige Rolle spielte dabei das Militär, da entlassene Soldaten, sogenannte Veteranen, sich häufig in der Provinz niederließen.
- 81. Diese Veteranen erhielten Land, gründeten Familien und trugen römische Lebensformen in die einheimische Bevölkerung hinein.
- 82. Auch der Militärdienst selbst wirkte als Instrument der Romanisierung, da einheimische Männer in den Hilfstruppen Latein lernten und römische Disziplin verinnerlichten.
- 83. Nach Ableistung ihrer Dienstzeit erhielten Angehörige der Hilfstruppen in der Regel das römische Bürgerrecht, das auch an ihre Nachkommen weitergegeben wurde.
- 84. Auf diese Weise wandelte sich die unterworfene Bevölkerung über die Generationen schrittweise zu rechtlich und kulturell integrierten Reichsbewohnern.
- 85. Die Eroberung unter Augustus schuf damit die Voraussetzungen für eine lange Phase wirtschaftlicher Entwicklung und kulturellen Austauschs.
- 86. Pannonien wurde durch ein Netz römischer Straßen erschlossen, das militärischen, wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Zwecken diente.
- 87. Diese Straßen verbanden die Donaugrenze mit Italien und dem übrigen Reich und förderten Handel und Truppenbewegungen gleichermaßen.
- 88. Die Donau selbst diente nicht nur als Grenze, sondern auch als wichtige Verkehrs- und Handelsader.
- 89. Über den Fluss wurden Waren wie Getreide, Vieh, Metall und Handwerksprodukte transportiert, was den wirtschaftlichen Aufschwung der Provinz unterstützte.
- 90. Die strategische Bedeutung Pannoniens ergab sich aus seiner Lage als Pufferzone zwischen dem römischen Reich und den Völkern jenseits der Donau.
- 91. Jenseits der Donau lebten germanische und später sarmatische Stämme, die immer wieder eine Bedrohung für die Grenze darstellten.
- 92. Die Eroberung der Region war daher aus römischer Sicht keine bloße Expansion, sondern eine Maßnahme zur Verteidigung des Reichskerns.
- 93. Mit der Beherrschung Pannoniens kontrollierte Rom zugleich eine wichtige Landverbindung zwischen Italien und den östlichen Provinzen am Balkan.
- 94. Diese Verbindung war militärisch von hohem Wert, da Truppen so rascher zwischen den verschiedenen Krisenherden des Reiches verlegt werden konnten.
- 95. Die Eroberung unter Augustus fügt sich damit in das größere Bild einer Reichspolitik ein, die Sicherheit über weitere Expansion stellte.
- 96. Augustus selbst empfahl in seinem politischen Vermächtnis späteren Herrschern, das Reich innerhalb der bestehenden Grenzen zu halten.
- 97. Die Donaugrenze, deren Sicherung mit der Eroberung Pannoniens vollendet wurde, blieb über Jahrhunderte eine der wichtigsten Verteidigungslinien des Reiches.
- 98. Für das Verständnis der ungarischen Geschichte ist diese Epoche von grundlegender Bedeutung, da mit ihr die antike Hochkultur in den Karpatenraum einzog.
- 99. Die römische Herrschaft prägte das Gebiet des heutigen Westungarn nachhaltig durch Städtebau, Infrastruktur, Verwaltung und Kultur.
- 100. Allerdings ist zu betonen, dass die römische Provinz Pannonia und das spätere ungarische Volk historisch nicht unmittelbar zusammenhängen.
- 101. Die Ungarn, ein finno-ugrisches Reitervolk, erreichten den Karpatenraum erst rund neun Jahrhunderte nach der römischen Eroberung, gegen Ende des 9. Jahrhunderts nach Christus.
- 102. Die römische Epoche bildet daher die antike Vorgeschichte des Landes, nicht die Frühgeschichte des ungarischen Volkes im engeren Sinne.
- 103. Dennoch sind die archäologischen Hinterlassenschaften der römischen Zeit ein prägender Bestandteil des kulturellen Erbes des heutigen Ungarn.
- 104. Zahlreiche Funde, Ruinen und Museen, besonders in Budapest, zeugen bis heute von der römischen Vergangenheit der Region.
- 105. Die Quellenlage zur Eroberung Pannoniens ist im Vergleich zu anderen Ereignissen der römischen Geschichte vergleichsweise begrenzt.
- 106. Die wichtigsten schriftlichen Zeugnisse stammen von den antiken Autoren Velleius Paterculus, Cassius Dio und Sueton.
- 107. Velleius Paterculus bietet als Augenzeuge des Bellum Batonianum besonders wertvolle, wenn auch parteiische Schilderungen.
- 108. Cassius Dio, ein griechischsprachiger Geschichtsschreiber des frühen 3. Jahrhunderts, liefert die ausführlichste zusammenhängende Darstellung der Ereignisse.
- 109. Da Cassius Dio jedoch zwei Jahrhunderte nach den Geschehnissen schrieb, sind seine Angaben mit Vorsicht zu bewerten.
- 110. Ergänzt werden die schriftlichen Quellen durch archäologische Befunde wie Lagerreste, Inschriften, Münzen und Waffenfunde.
- 111. Inschriften auf Grabsteinen und Weihealtären erlauben Rückschlüsse auf die Stationierung einzelner Legionen und die Herkunft der Soldaten.
- 112. Die Zusammenführung schriftlicher und archäologischer Quellen ermöglicht ein recht klares, wenn auch lückenhaftes Bild der Eroberungszeit.
- 113. Zusammenfassend lässt sich die Eroberung Pannoniens als ein dreistufiger Prozess beschreiben.
- 114. Die erste Stufe bildeten die frühen Vorstöße Octavians ab 35 vor Christus, insbesondere die Einnahme von Siscia.
- 115. Die zweite Stufe umfasste die systematischen Feldzüge des Tiberius zwischen 13 und 9 vor Christus, die zur ersten Unterwerfung führten.
- 116. Die dritte Stufe war die Niederschlagung des großen Aufstands von 6 bis 9 nach Christus, die die römische Herrschaft endgültig festigte.
- 117. Erst mit dem Ende dieses Aufstands war Pannonien dauerhaft in das römische Reich eingegliedert.
- 118. Die Eroberung war damit ein langwieriger, verlustreicher und mehrfach gefährdeter Vorgang, kein rascher militärischer Erfolg.
- 119. Sie zeigt exemplarisch, wie Rom Grenzregionen nicht allein durch militärische Überlegenheit, sondern durch Ausdauer, Logistik und Verwaltung beherrschte.
- 120. Die Regierungszeit des Augustus markiert somit für den pannonischen Raum den Übergang von der vorrömischen Stammeswelt zur antiken Provinzialordnung.
- 121. Mit der Sicherung der Donaugrenze unter Augustus begann jene fast halbtausendjährige römische Epoche, die das Gebiet des heutigen Westungarn tiefgreifend formte.
- 122. Die Eroberung von 29 vor Christus bis 9 nach Christus steht daher am Anfang eines der bedeutendsten Kapitel der antiken Geschichte des Karpatenbeckens.
Die Provinz Pannonia: Verwaltung, Militär und Wirtschaft
[Bearbeiten]- 1. Nach der Niederschlagung des großen Aufstands im Jahr 9 nach Christus wurde Pannonien zu einer geordneten römischen Provinz.
- 2. Die ersten Jahrzehnte standen jedoch noch ganz im Zeichen des Militärs.
- 3. Zunächst unterstand das Gebiet einer reinen Militärverwaltung.
- 4. Ihr Sitz befand sich im Legionslager von Carnuntum.
- 5. Vermutlich unter Kaiser Claudius, der von 41 bis 54 regierte, wurde eine zivile Verwaltung eingeführt.
- 6. Damit wandelte sich Pannonien von einem besetzten Gebiet zu einer regulären Provinz.
- 7. An der Spitze der Provinz stand ein kaiserlicher Statthalter.
- 8. Er trug den Titel eines Legatus Augusti pro praetore.
- 9. Der Statthalter wurde vom Kaiser persönlich ernannt.
- 10. Er war zugleich oberster Befehlshaber des Heeres und oberster ziviler Beamter.
- 11. Zu seinen Aufgaben gehörten die Rechtsprechung, die Steueraufsicht und die Sicherung der Grenze.
- 12. Pannonien war eine kaiserliche Provinz, keine Senatsprovinz.
- 13. Das bedeutet, dass der Kaiser die unmittelbare Kontrolle über das Gebiet behielt.
- 14. Der Grund dafür war die starke Truppenpräsenz an der Donaugrenze.
- 15. Kaiserliche Provinzen mit Legionen wurden grundsätzlich nicht dem Senat überlassen.
- 16. Für die Finanzverwaltung war ein eigener Beamter zuständig, der Procurator.
- 17. Der Procurator verwaltete die Steuereinnahmen und die kaiserlichen Güter.
- 18. Er war dem Statthalter nicht untergeordnet, sondern berichtete direkt an den Kaiser.
- 19. Diese Trennung von Heeresbefehl und Finanzaufsicht diente der gegenseitigen Kontrolle.
- 20. Sie sollte den Missbrauch von Macht durch einen einzelnen Beamten erschweren.
- 21. Auf der unteren Ebene war die Provinz in kleinere Verwaltungsbezirke gegliedert.
- 22. Wichtige Einheiten waren die Städte mit ihrem jeweiligen Umland.
- 23. Die einheimischen Stämme wurden in geordnete Bezirke, sogenannte civitates, zusammengefasst.
- 24. Anfangs wurden diese Bezirke oft von römischen Offizieren beaufsichtigt.
- 25. Später durften angesehene Einheimische selbst Verwaltungsaufgaben übernehmen.
- 26. Um das Jahr 103 nach Christus wurde die Provinz durch Kaiser Trajan geteilt.
- 27. Der Grund war auch die Sorge vor einem zu mächtigen Statthalter.
- 28. Ein einzelner Mann sollte nicht zu viele Legionen zugleich befehligen.
- 29. Aus Pannonien wurden so zwei Provinzen gebildet.
- 30. Im Westen lag Pannonia superior, also Oberpannonien.
- 31. Im Osten lag Pannonia inferior, also Niederpannonien.
- 32. Hauptstadt von Oberpannonien wurde Carnuntum.
- 33. Hauptstadt von Niederpannonien wurde Aquincum, das heutige Budapest.
- 34. Das Militär war über die gesamte römische Zeit das prägende Element der Provinz.
- 35. Pannonien galt als gefährdetes Grenzland und nicht als ruhige innere Provinz.
- 36. Jenseits der Donau lebten germanische und später sarmatische Stämme.
- 37. Diese Völker stellten eine ständige Bedrohung für die Grenze dar.
- 38. Pannonien bildete zudem das Einfallstor in Richtung Italien.
- 39. Deshalb hielt Rom hier dauerhaft starke Truppen bereit.
- 40. Den Kern des Heeres bildeten die Legionen.
- 41. Eine Legion bestand aus etwa fünftausend bis sechstausend Soldaten.
- 42. Die Legionäre waren römische Bürger und dienten viele Jahre im Heer.
- 43. Über lange Zeit standen vier Legionen in Pannonien.
- 44. Sie waren in großen Lagern entlang der Donau stationiert.
- 45. Wichtige Legionsstandorte waren Vindobona, das heutige Wien, und Carnuntum.
- 46. Weitere große Lager lagen in Brigetio und in Aquincum.
- 47. Neben den Legionen gab es zahlreiche Hilfstruppen, die sogenannten Auxiliareinheiten.
- 48. Die Hilfstruppen bestanden aus Soldaten ohne römisches Bürgerrecht.
- 49. Sie umfassten Fußtruppen und besonders auch Reitereinheiten.
- 50. Viele Hilfssoldaten stammten aus Pannonien selbst oder aus anderen Provinzen.
- 51. Nach Ableistung der Dienstzeit erhielten sie das römische Bürgerrecht.
- 52. Dieses Bürgerrecht ging auch auf ihre Kinder über.
- 53. Der Militärdienst war damit ein wichtiger Weg zum sozialen Aufstieg.
- 54. Die Hilfstruppen waren in kleineren Lagern, den Kastellen, untergebracht.
- 55. Diese Kastelle reihten sich entlang der Donau aneinander.
- 56. Die gesamte Grenzlinie mit ihren Anlagen wird als Limes bezeichnet.
- 57. Der pannonische Limes folgte dem Lauf der Donau.
- 58. Er bestand aus Legionslagern, Kastellen, Wachtürmen und Verbindungsstraßen.
- 59. Die Wachtürme dienten der Beobachtung des Flusses und der Weitergabe von Signalen.
- 60. Auf der Donau patrouillierte zudem eine römische Flotte.
- 61. Diese Flusskriegsschiffe überwachten die Grenze und sicherten Übergänge.
- 62. Der Limes war keine undurchdringliche Mauer, sondern eine überwachte Grenzzone.
- 63. Er sollte kleinere Überfälle abwehren und größere Angriffe frühzeitig melden.
- 64. Die Truppen sicherten nicht nur die Grenze, sondern prägten auch das ganze Land.
- 65. Rund um die Militärlager entstanden zivile Siedlungen.
- 66. Solche Lagersiedlungen werden als canabae bezeichnet.
- 67. In ihnen lebten Händler, Handwerker, Wirte und die Familien der Soldaten.
- 68. Aus mehreren dieser Siedlungen entwickelten sich später richtige Städte.
- 69. So gingen Carnuntum und Aquincum aus militärischen Standorten hervor.
- 70. Das Militär war damit ein wichtiger Motor der Verstädterung.
- 71. Auch die Wirtschaft der Provinz war eng mit den Truppen verbunden.
- 72. Das Heer benötigte ständig Getreide, Fleisch, Leder, Waffen und Ausrüstung.
- 73. Diese Nachfrage belebte Landwirtschaft und Handwerk in der ganzen Region.
- 74. Pannonien war an Bodenschätzen vergleichsweise arm.
- 75. Es gab jedoch Eisenerz, das gewonnen und verarbeitet wurde.
- 76. Die Eisenproduktion war für die Herstellung von Waffen und Werkzeug wichtig.
- 77. Die wirtschaftliche Grundlage der Provinz bildete vor allem die Landwirtschaft.
- 78. In der Pannonischen Tiefebene gab es fruchtbare Böden.
- 79. Angebaut wurden vor allem Getreidearten wie Weizen.
- 80. Daneben spielte die Viehzucht eine bedeutende Rolle.
- 81. Pannonien war für seine Pferde bekannt, die auch das Heer benötigte.
- 82. Später wurde in der Provinz auch Weinbau betrieben.
- 83. Die Überlieferung schreibt die Förderung des Weinbaus Kaiser Probus zu.
- 84. Eine wichtige Rolle für die Wirtschaft spielte der Handel.
- 85. Durch Pannonien verlief die berühmte Bernsteinstraße.
- 86. Diese alte Handelsroute verband die Ostsee mit der Adria.
- 87. Über sie gelangte der begehrte Bernstein aus dem Norden nach Italien.
- 88. An der Bernsteinstraße lagen Städte wie Scarbantia und Savaria.
- 89. Der Ausbau dieser Straße begann bereits in der frühen Kaiserzeit.
- 90. Neben dem Landweg war die Donau ein wichtiger Handelsweg.
- 91. Auf dem Fluss konnten Waren günstig über weite Strecken befördert werden.
- 92. Ein dichtes Netz römischer Straßen erschloss die gesamte Provinz.
- 93. Diese Straßen dienten dem Heer, der Verwaltung und dem Handel zugleich.
- 94. Sie verbanden die Grenzlager mit dem Inneren der Provinz und mit Italien.
- 95. Entlang der Straßen entstanden Raststationen für Reisende und Boten.
- 96. Über diese Stationen lief auch der staatliche Nachrichtendienst.
- 97. Die Städte waren die Zentren von Verwaltung, Wirtschaft und Kultur.
- 98. Bedeutende Städte erhielten den Rang einer colonia oder eines municipium.
- 99. Diese Ränge waren mit besonderen Rechten und einer eigenen Selbstverwaltung verbunden.
- 100. An der Spitze einer Stadt stand ein gewählter Rat aus angesehenen Bürgern.
- 101. Dieser Stadtrat wird als ordo decurionum bezeichnet.
- 102. Die laufenden Amtsgeschäfte führten jährlich gewählte Beamte.
- 103. Savaria, das heutige Szombathely, war eine der frühesten Kolonien der Provinz.
- 104. Es entwickelte sich zu einem wichtigen Verwaltungs- und Handelszentrum.
- 105. Carnuntum war zunächst Militärlager und stieg dann zur Großstadt auf.
- 106. Aquincum wurde zur Hauptstadt Niederpannoniens und zu einem bedeutenden Zentrum.
- 107. Reste seiner antiken Bauten sind in Budapest bis heute zu sehen.
- 108. Die Städte besaßen typische Einrichtungen der römischen Zivilisation.
- 109. Dazu gehörten ein Forum, Tempel, Bäder und Wasserleitungen.
- 110. In einigen Städten gab es auch Amphitheater für öffentliche Veranstaltungen.
- 111. Diese Bauten zeigen, wie tief die römische Lebensweise das Land prägte.
- 112. Die Bevölkerung der Provinz war von Anfang an gemischt.
- 113. Sie bestand aus der einheimischen keltisch-illyrischen Bevölkerung.
- 114. Hinzu kamen Soldaten, Veteranen, Beamte und Händler aus dem ganzen Reich.
- 115. Im Lauf der Generationen verschmolzen diese Gruppen zu einer provinzialrömischen Gesellschaft.
- 116. Latein wurde zur gemeinsamen Sprache der Verwaltung und des öffentlichen Lebens.
- 117. Die Verbreitung römischer Sprache und Sitten wird als Romanisierung bezeichnet.
- 118. Entlassene Soldaten siedelten häufig in der Provinz und gründeten dort Familien.
- 119. Auf diese Weise wurde römische Kultur in die Bevölkerung getragen.
- 120. Pannonien war für das Reich von großer militärischer Bedeutung.
- 121. Aus seinen Legionen gingen mehrfach Bewerber um die Kaiserwürde hervor.
- 122. So wurde Septimius Severus im Jahr 193 in Carnuntum zum Kaiser ausgerufen.
- 123. Die Provinz blieb über mehrere Jahrhunderte ein fester Teil des Reiches.
- 124. Verwaltung, Militär und Wirtschaft waren in Pannonien eng miteinander verflochten.
- 125. Das Militär sicherte die Grenze und schuf zugleich Nachfrage und Städte.
- 126. Die Verwaltung sorgte für Ordnung, Steuern und Rechtsprechung.
- 127. Die Wirtschaft aus Landwirtschaft, Handwerk und Handel trug die Provinz.
- 128. In diesem Zusammenspiel entwickelte sich Pannonien zu einer geprägten römischen Grenzprovinz.
Städte und Infrastruktur: Römische Zivilisation in der Grenzregion
[Bearbeiten]- 1. Die römische Herrschaft veränderte das Gesicht Pannoniens tiefgreifend.
- 2. Sie brachte eine Form des städtischen Lebens in eine bislang dörflich geprägte Region.
- 3. Vor der Eroberung kannte das Land keine Städte im römischen Sinne.
- 4. Die einheimische Bevölkerung lebte in Dörfern und befestigten Höhensiedlungen.
- 5. Mit Rom hielten Stadtkultur, Steinbauten und eine geplante Infrastruktur Einzug.
- 6. Die Städte wurden zu den Mittelpunkten von Verwaltung, Wirtschaft und Kultur.
- 7. Viele pannonische Städte entstanden aus militärischen Anfängen.
- 8. Rund um die Legionslager wuchsen zivile Siedlungen heran.
- 9. Solche Lagersiedlungen werden als canabae bezeichnet.
- 10. In ihnen lebten Händler, Handwerker, Wirte und die Familien der Soldaten.
- 11. Aus mehreren dieser Siedlungen entwickelten sich mit der Zeit richtige Städte.
- 12. Andere Städte gingen aus älteren einheimischen Siedlungen hervor.
- 13. Eine dritte Gruppe waren von Rom planmäßig gegründete Veteranenstädte.
- 14. Die römische Stadt besaß einen rechtlichen Rang innerhalb des Reiches.
- 15. Die höchste Stufe war die colonia, die Bürgerkolonie.
- 16. Eine Stufe darunter stand das municipium, die Stadtgemeinde.
- 17. Mit dem Stadtrang waren bestimmte Rechte und eine eigene Selbstverwaltung verbunden.
- 18. An der Spitze einer Stadt stand ein Rat aus angesehenen Bürgern.
- 19. Dieser Stadtrat wird als ordo decurionum bezeichnet.
- 20. Die laufenden Geschäfte führten jährlich gewählte Beamte.
- 21. Diese Beamten waren für Recht, Finanzen und öffentliche Bauten zuständig.
- 22. Eine der frühesten Städte der Provinz war Savaria.
- 23. Savaria entspricht dem heutigen Szombathely in Westungarn.
- 24. Es wurde unter Kaiser Claudius als Kolonie für Legionsveteranen gegründet.
- 25. Savaria lag günstig an der wichtigen Bernsteinstraße.
- 26. Die Stadt war der Sitz des pannonischen Landtags.
- 27. Damit besaß sie eine herausgehobene Stellung in der Provinz.
- 28. Eine weitere bedeutende Stadt war Carnuntum.
- 29. Carnuntum lag an der Donau, östlich des heutigen Wien.
- 30. Es entstand aus einem Legionslager und wuchs zu einer Großstadt heran.
- 31. Carnuntum wurde Sitz des Statthalters von Oberpannonien.
- 32. Neben dem Lager entwickelte sich eine ausgedehnte Zivilstadt.
- 33. In ihrer Blütezeit zählte Carnuntum mehrere zehntausend Einwohner.
- 34. Die Ruinen Carnuntums gehören heute zu den besterforschten der Region.
- 35. Die wichtigste Stadt im Osten der Provinz war Aquincum.
- 36. Aquincum lag auf dem Gebiet des heutigen Budapest.
- 37. Auch Aquincum entstand neben einem großen Legionslager.
- 38. Es wurde zur Hauptstadt der Provinz Niederpannonien.
- 39. Reste seiner antiken Bauten sind in Budapest bis heute zu besichtigen.
- 40. Weitere Städte waren Scarbantia, das heutige Sopron.
- 41. Auch Brigetio an der Donau war ein bedeutender Standort.
- 42. Im Süden lagen Siscia, Mursa und Sirmium.
- 43. Sirmium stieg später zu einer der wichtigsten Städte des Reiches auf.
- 44. Die römischen Städte folgten einem wiedererkennbaren Aufbau.
- 45. Der Mittelpunkt jeder Stadt war das Forum, der zentrale Platz.
- 46. Am Forum lagen die wichtigsten öffentlichen Gebäude.
- 47. Dort fanden Markt, Gerichtsverhandlungen und politische Versammlungen statt.
- 48. Tempel dienten der Verehrung der römischen Götter.
- 49. Verbreitet war auch der Kult für den Kaiser.
- 50. Zu einer römischen Stadt gehörten öffentliche Bäder, die Thermen.
- 51. Die Thermen waren Orte der Körperpflege und des geselligen Lebens.
- 52. Sie umfassten Räume unterschiedlicher Temperatur und oft auch Sportplätze.
- 53. In größeren Städten gab es ein Amphitheater.
- 54. Dort fanden Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe statt.
- 55. Carnuntum und Aquincum besaßen jeweils ein solches Amphitheater.
- 56. Die Häuser wohlhabender Bürger waren großzügig angelegt.
- 57. Sie verfügten oft über einen Innenhof und mehrere Wohnräume.
- 58. Die Böden waren teilweise mit kunstvollen Mosaiken geschmückt.
- 59. Die Wände trugen häufig farbige Wandmalereien.
- 60. Verbreitet war eine römische Form der Heizung, die Hypokaustenheizung.
- 61. Dabei strömte warme Luft durch Hohlräume unter dem Fußboden.
- 62. Diese Heizung machte die kalten Winter Pannoniens erträglicher.
- 63. Eine wichtige Leistung der römischen Zivilisation war die Wasserversorgung.
- 64. Über Wasserleitungen, sogenannte Aquädukte, gelangte frisches Wasser in die Städte.
- 65. Das Wasser stammte aus Quellen im Umland.
- 66. Es speiste Brunnen, Bäder und private Haushalte.
- 67. Ebenso bedeutsam war die Entwässerung der Städte.
- 68. Unterirdische Kanäle leiteten Schmutzwasser aus den Siedlungen ab.
- 69. Solche Einrichtungen verbesserten die Sauberkeit und die Gesundheit.
- 70. Das Rückgrat der Infrastruktur bildeten die römischen Straßen.
- 71. Ein dichtes Straßennetz erschloss die gesamte Provinz.
- 72. Die Straßen waren sorgfältig angelegt und befestigt.
- 73. Sie besaßen einen festen Unterbau und oft eine gepflasterte Oberfläche.
- 74. Die Straßen dienten dem Heer, der Verwaltung und dem Handel zugleich.
- 75. Sie verbanden die Grenzlager mit dem Inneren der Provinz und mit Italien.
- 76. Die wichtigste Fernstraße war die Bernsteinstraße.
- 77. Sie führte vom Adriahafen Aquileia über Pannonien nach Norden.
- 78. An ihr lagen Städte wie Poetovio, Savaria, Scarbantia und Carnuntum.
- 79. Über diese Route gelangte Bernstein aus dem Norden nach Italien.
- 80. Eine zweite wichtige Verbindung war die Straße entlang der Donau.
- 81. Diese Limesstraße verband die Grenzlager miteinander.
- 82. Sie ermöglichte die rasche Verlegung von Truppen entlang der Grenze.
- 83. Entlang der Straßen gab es Raststationen für Reisende und Boten.
- 84. Diese Stationen boten Übernachtung, Verpflegung und frische Pferde.
- 85. Über sie lief auch der staatliche Nachrichten- und Kuriersdienst.
- 86. Steinerne Meilensteine gaben die Entfernungen an.
- 87. Flüsse wurden mit Brücken überspannt oder mit Fähren überquert.
- 88. Die Donau selbst diente zugleich als Wasserstraße für den Warentransport.
- 89. Städte und Infrastruktur waren eng mit der Wirtschaft verbunden.
- 90. Die Städte waren Märkte für die Erzeugnisse des Umlands.
- 91. In ihnen arbeiteten Handwerker wie Töpfer, Schmiede und Steinmetze.
- 92. Händler brachten Waren aus dem ganzen Reich in die Provinz.
- 93. So gelangten Geschirr, Wein, Öl und Luxusgüter nach Pannonien.
- 94. Das einheitliche römische Geldsystem erleichterte den Handel.
- 95. Die Städte zogen Menschen aus vielen Teilen des Reiches an.
- 96. In ihnen vermischte sich die einheimische mit der zugewanderten Bevölkerung.
- 97. Latein wurde zur gemeinsamen Sprache des städtischen Lebens.
- 98. Diese Verbreitung römischer Sprache und Lebensweise nennt man Romanisierung.
- 99. In den Städten war diese Romanisierung besonders weit fortgeschritten.
- 100. Auf dem Land hielten sich einheimische Bräuche dagegen länger.
- 101. Eine wichtige Quelle für das städtische Leben sind Inschriften.
- 102. Grabsteine und Weihealtäre nennen Namen, Berufe und Herkunft von Menschen.
- 103. Aus ihnen lässt sich vieles über die Bevölkerung der Städte erschließen.
- 104. Die Religion der Städte war von großer Vielfalt geprägt.
- 105. Neben den römischen Göttern wurden einheimische Gottheiten verehrt.
- 106. Durch Soldaten und Händler kamen auch östliche Kulte ins Land.
- 107. Besonders verbreitet war der Mithraskult unter den Soldaten.
- 108. Später fasste auch das Christentum in den Städten Pannoniens Fuß.
- 109. Die Blütezeit der pannonischen Städte lag im zweiten und dritten Jahrhundert.
- 110. In dieser Zeit entstanden viele steinerne Prachtbauten.
- 111. Schwere Rückschläge brachten die Markomannenkriege im zweiten Jahrhundert.
- 112. Einfallende Germanenstämme verwüsteten damals Teile der Provinz.
- 113. Unter der Kaiserfamilie der Severer erlebten die Städte eine neue Blüte.
- 114. In der Spätantike gerieten viele Städte jedoch in Bedrängnis.
- 115. Wiederholte Einfälle und innere Krisen schwächten das städtische Leben.
- 116. Manche Städte schrumpften, andere wurden stärker befestigt.
- 117. Mit dem Ende der römischen Herrschaft verfielen die meisten Städte.
- 118. Ihre Steinbauten dienten späteren Bewohnern oft als Baumaterial.
- 119. Dennoch blieb das römische Erbe im Boden der Region erhalten.
- 120. Zahlreiche Ausgrabungen und Museen zeugen heute von dieser Epoche.
- 121. Besonders in Budapest, Szombathely und Sopron sind solche Spuren sichtbar.
- 122. Die römischen Städte brachten dem Karpatenraum erstmals antike Zivilisation.
- 123. Sie hinterließen ein Erbe, das bis in die heutige Zeit nachwirkt.
Die Limes: Festungen und der Schutz der Reichsgrenze
[Bearbeiten]- 1. Die Sicherung der Reichsgrenze war eine der wichtigsten Aufgaben Roms in Pannonien.
- 2. Die Provinz lag am Rand des Reiches und galt als gefährdetes Grenzland.
- 3. Die Grenzlinie mit ihren militärischen Anlagen wird als Limes bezeichnet.
- 4. Das lateinische Wort limes bedeutete ursprünglich Grenzweg oder Grenzschneise.
- 5. Mit der Zeit wandelte sich die Bedeutung des Begriffs.
- 6. Schließlich bezeichnete er die gesamte von Truppen besetzte Grenzlinie.
- 7. Der pannonische Limes folgte dem Lauf der Donau.
- 8. Er wird daher auch als Donaulimes bezeichnet.
- 9. Eine Flussgrenze nannten die Römer auch ripa, also Flussufer.
- 10. Die Donau bildete eine natürliche Grenze gegen das Land im Norden und Osten.
- 11. Der breite Strom war für Angreifer nur schwer zu überwinden.
- 12. Sein verzweigtes und teils versumpftes Ufer erschwerte den Übergang zusätzlich.
- 13. Deshalb verzichtete Rom hier auf einen durchgehenden Grenzwall.
- 14. In anderen Regionen wie Germanien gab es einen solchen Wall.
- 15. In Pannonien übernahm der Fluss selbst die Rolle der Grenzbarriere.
- 16. Der Limes war keine geschlossene Mauer, sondern eine Kette von Stützpunkten.
- 17. Diese Anlagen reihten sich entlang des Flussufers aneinander.
- 18. Ihr Abstand richtete sich nach der Gefährdung des jeweiligen Abschnitts.
- 19. An gefährdeten Stellen lagen die Stützpunkte dichter beieinander.
- 20. Die Befestigungen lagen vor allem am südlichen, römischen Ufer.
- 21. Die größten Anlagen des Limes waren die Legionslager.
- 22. Ein Legionslager beherbergte eine ganze Legion mit mehreren tausend Soldaten.
- 23. In Pannonien gab es vier solcher großen Legionsstandorte.
- 24. Diese lagen in Vindobona, Carnuntum, Brigetio und Aquincum.
- 25. Vindobona entspricht dem heutigen Wien.
- 26. Aquincum lag auf dem Gebiet des heutigen Budapest.
- 27. Die Legionslager waren zugleich militärische und wirtschaftliche Mittelpunkte.
- 28. Aus mehreren von ihnen entwickelten sich später bedeutende Städte.
- 29. Kleiner als die Legionslager waren die Kastelle.
- 30. In einem Kastell lag in der Regel eine Hilfstruppeneinheit.
- 31. Hilfstruppen bestanden aus Soldaten ohne römisches Bürgerrecht.
- 32. Sie umfassten Fußtruppen und besonders auch Reitereinheiten.
- 33. Die Kastelle reihten sich in Abständen entlang der Donau.
- 34. Zwischen den größeren Anlagen lagen Kleinkastelle für kleinere Truppenteile.
- 35. Eine wichtige Rolle spielten zudem die Wachtürme.
- 36. Die Wachtürme standen in Sichtweite zueinander.
- 37. Von ihnen aus wurde der Fluss und das gegenüberliegende Ufer beobachtet.
- 38. Bei Gefahr konnten die Türme Signale weitergeben.
- 39. Solche Signale gaben Alarm mit Feuer, Rauch oder Fahnen.
- 40. So ließ sich eine Warnung rasch über weite Strecken übermitteln.
- 41. An Flussübergängen gab es befestigte Brückenköpfe.
- 42. Diese sicherten wichtige Übergänge über die Donau.
- 43. Manche Anlagen lagen auch auf dem nördlichen Ufer.
- 44. Sie dienten als vorgeschobene Beobachtungs- und Brückenkopfposten.
- 45. Auf der Donau selbst patrouillierte eine römische Flotte.
- 46. Diese Flusskriegsschiffe überwachten den Strom und seine Übergänge.
- 47. Sie konnten Truppen verlegen und feindliche Boote abfangen.
- 48. Eine Straße verband alle Anlagen des Limes miteinander.
- 49. Diese Limesstraße verlief parallel zur Donau.
- 50. Über sie konnten Truppen rasch entlang der Grenze verschoben werden.
- 51. Auch Nachschub und Nachrichten gelangten über diese Straße ans Ziel.
- 52. Insgesamt sind am pannonischen Limes etwa fünfzig größere Lager bekannt.
- 53. Hinzu kommen rund hundert kleinere Anlagen wie Wachtürme und Kleinkastelle.
- 54. Der Aufbau des Limes erfolgte über einen langen Zeitraum.
- 55. Erste Lager entstanden bereits in der Mitte des ersten Jahrhunderts.
- 56. Anfangs bestanden viele Anlagen nur aus Erde und Holz.
- 57. Sie waren von einem Erdwall und einem Graben umgeben.
- 58. Unter Kaiser Trajan wurden viele Lager in Stein ausgebaut.
- 59. Steinmauern boten besseren Schutz und längere Haltbarkeit.
- 60. Der Ausbau des Limes setzte sich über die Jahrhunderte fort.
- 61. Jede Bedrohungslage führte zu Verstärkungen und Neubauten.
- 62. Der Limes war keine undurchlässige Sperre, sondern eine überwachte Grenzzone.
- 63. Seine Aufgabe war es, kleinere Überfälle abzuwehren.
- 64. Größere Angriffe sollte er frühzeitig melden und verzögern.
- 65. Im Ernstfall rückten die Legionen den Grenztruppen zu Hilfe.
- 66. In Friedenszeiten diente der Limes auch der Kontrolle des Grenzverkehrs.
- 67. An festgelegten Stellen durften Händler die Grenze überqueren.
- 68. So konnte Rom den Warenverkehr überwachen und besteuern.
- 69. Über die Grenze hinweg gab es regen Handel mit den Nachbarvölkern.
- 70. Der Limes trennte das Reich also nicht völlig vom Außenland.
- 71. Jenseits der Donau lebten germanische und sarmatische Stämme.
- 72. Zu den wichtigsten Nachbarn zählten Markomannen, Quaden und Jazygen.
- 73. Diese Völker stellten eine ständige Bedrohung für die Grenze dar.
- 74. Immer wieder kam es zu Überfällen und größeren Einfällen.
- 75. Eine schwere Krise brachten die Markomannenkriege im zweiten Jahrhundert.
- 76. Damals durchbrachen Germanen und Sarmaten die Grenze.
- 77. Sie verwüsteten Teile Pannoniens und stießen bis nach Italien vor.
- 78. Kaiser Mark Aurel führte daraufhin lange Kriege an der Donau.
- 79. Nach diesen Kriegen wurde der Limes verstärkt und ausgebaut.
- 80. Der Druck auf die Grenze wuchs im Lauf der Zeit weiter an.
- 81. Besonders bedeutsam war die Aufgabe der Provinz Dakien im Jahr 271.
- 82. Dakien lag jenseits der Donau und war zuvor römisch gewesen.
- 83. Nach seiner Räumung lag Pannonien wieder unmittelbar an der Grenze.
- 84. Damit stieg die militärische Bedeutung des pannonischen Limes erneut.
- 85. In der Spätantike wurde die Grenzverteidigung umgestaltet.
- 86. Die Befestigungen wurden verstärkt und mit höheren Mauern versehen.
- 87. Neue Türme erhielten oft eine fächerförmige Bauweise.
- 88. Diese Form bot bessere Möglichkeiten zur Verteidigung.
- 89. Die Grenztruppen der Spätzeit wurden als limitanei bezeichnet.
- 90. Sie waren fest an der Grenze stationiert und oft dort ansässig.
- 91. Daneben gab es ein bewegliches Feldheer im Hinterland.
- 92. Dieses konnte bei größeren Angriffen rasch eingreifen.
- 93. Der Limes prägte nicht nur die Verteidigung, sondern das ganze Land.
- 94. Rund um die Lager entstanden zivile Siedlungen.
- 95. Solche Lagerdörfer werden als vicus oder canabae bezeichnet.
- 96. In ihnen lebten Händler, Handwerker und die Familien der Soldaten.
- 97. Das Hinterland des Limes versorgte die Truppen mit Nachschub.
- 98. Es lieferte Getreide, Vieh, Leder, Waffen und Ausrüstung.
- 99. Die Grenztruppen waren damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
- 100. Zugleich trugen sie römische Sprache und Lebensweise ins Land.
- 101. Der Limes förderte so auch die Romanisierung der Provinz.
- 102. Über mehr als vier Jahrhunderte sicherte der Limes die Donaugrenze.
- 103. Erst die Wirren der Völkerwanderung überforderten die Verteidigung.
- 104. Im fünften Jahrhundert brach der pannonische Limes endgültig zusammen.
- 105. Viele Anlagen wurden zerstört, aufgegeben oder umgenutzt.
- 106. Die Reste der Befestigungen blieben jedoch im Boden erhalten.
- 107. Zahlreiche Lager und Türme sind heute durch Ausgrabungen bekannt.
- 108. Der Donaulimes gehört inzwischen zum Welterbe der UNESCO.
- 109. Er erinnert an die jahrhundertelange Grenzsicherung an der Donau.
- 110. Für die Geschichte des Karpatenraums ist der Limes von großer Bedeutung.
- 111. Er zeigt, wie Rom seine Grenzen durch ein System aus Festungen schützte.
- 112. Der pannonische Limes verband militärische Sicherung und zivile Entwicklung.
- 113. So wurde die Grenzregion zugleich zu einem Raum lebhaften Lebens.
Handel und Wohlstand: Kultureller Austausch mit dem Imperium
[Bearbeiten]- 1. Mit der römischen Herrschaft wurde Pannonien in einen großen Wirtschaftsraum eingebunden.
- 2. Die Provinz war nun Teil eines Reiches, das sich über drei Kontinente erstreckte.
- 3. Innerhalb dieses Reiches herrschten weitgehend Frieden und einheitliche Regeln.
- 4. Diese lange Friedenszeit wird als römischer Frieden, pax Romana, bezeichnet.
- 5. Der Frieden förderte Handel, Reisen und den Austausch von Gütern.
- 6. Pannonien war an Bodenschätzen vergleichsweise arm.
- 7. Seinen Wohlstand verdankte das Land vor allem seiner Lage.
- 8. Die Provinz lag an wichtigen Verkehrswegen zwischen Nord und Süd.
- 9. Zugleich war sie durch ihre vielen Truppen ein großer Absatzmarkt.
- 10. Die wirtschaftliche Grundlage bildete zunächst die Landwirtschaft.
- 11. In der Pannonischen Tiefebene gab es fruchtbare Böden.
- 12. Angebaut wurden vor allem Getreidearten wie Weizen.
- 13. Daneben war die Viehzucht von großer Bedeutung.
- 14. Pannonien war besonders für seine Pferde bekannt.
- 15. Diese Pferde wurden auch vom römischen Heer benötigt.
- 16. Später kam in der Provinz der Weinbau hinzu.
- 17. Eine wichtige Rolle für die Wirtschaft spielte das Eisen.
- 18. In Teilen der Provinz wurde Eisenerz gewonnen und verarbeitet.
- 19. Aus dem Eisen entstanden Waffen, Werkzeuge und Geräte.
- 20. Das Handwerk blühte vor allem in den Städten und Lagersiedlungen.
- 21. Dort arbeiteten Töpfer, Schmiede, Glasmacher und Steinmetze.
- 22. Ihre Erzeugnisse fanden Abnehmer in der ganzen Region.
- 23. Der größte Abnehmer von Waren war das Heer.
- 24. Die vielen Soldaten benötigten ständig Getreide, Fleisch und Ausrüstung.
- 25. Diese Nachfrage belebte Landwirtschaft, Handwerk und Handel.
- 26. Die Soldaten erhielten regelmäßig Sold in Münzen.
- 27. Mit diesem Geld kauften sie Waren des täglichen Bedarfs.
- 28. So gelangte viel Bargeld in den Wirtschaftskreislauf der Provinz.
- 29. Der Handel wurde durch ein einheitliches Geldsystem erleichtert.
- 30. Im ganzen Reich galten dieselben römischen Münzen.
- 31. Ein Händler konnte damit über weite Strecken Geschäfte machen.
- 32. Auch einheitliche Maße und Gewichte erleichterten den Handel.
- 33. Ein dichtes Netz von Straßen erschloss die Provinz.
- 34. Über diese Straßen bewegten sich Händler, Waren und Nachrichten.
- 35. Die wichtigste Fernstraße war die Bernsteinstraße.
- 36. Diese alte Handelsroute verband die Ostsee mit der Adria.
- 37. Sie führte vom Hafen Aquileia über Pannonien nach Norden.
- 38. An ihr lagen Städte wie Poetovio, Savaria, Scarbantia und Carnuntum.
- 39. Die Römer bauten die alte Route zu einer befestigten Straße aus.
- 40. Über die Bernsteinstraße gelangte begehrter Bernstein nach Süden.
- 41. Bernstein ist versteinertes Harz und galt als wertvoller Schmuckstoff.
- 42. Er stammte von den Küsten der Ostsee im fernen Norden.
- 43. Der römische Schriftsteller Plinius berichtet über diesen Bernsteinhandel.
- 44. Er erwähnt eine Reise, auf der ein Römer Bernstein an die Ostsee holte.
- 45. Diese Reise wurde im Auftrag für kaiserliche Festspiele unternommen.
- 46. Den Bernstein in den Süden brachten vor allem germanische Händler.
- 47. In Städten wie Carnuntum wurde der Rohstoff weiterverarbeitet.
- 48. Dort entstanden aus dem Bernstein Schmuck und kunstvolle Gegenstände.
- 49. Neben dem Landweg war die Donau eine wichtige Handelsader.
- 50. Auf dem Fluss ließen sich Waren günstig über weite Strecken befördern.
- 51. Über die Donau und die Straßen kamen Güter aus dem ganzen Reich.
- 52. Aus Italien und dem Süden gelangten Wein und Olivenöl nach Pannonien.
- 53. Beliebt war auch feines rotes Tongeschirr, die sogenannte Terra Sigillata.
- 54. Dieses Geschirr wurde in großen Werkstätten in Gallien hergestellt.
- 55. Hinzu kamen Glaswaren, Schmuck, Lampen und andere Erzeugnisse.
- 56. Pannonien lieferte im Gegenzug Getreide, Vieh, Häute und Eisen.
- 57. So entstand ein lebhafter Austausch von Waren in beide Richtungen.
- 58. Auch über die Reichsgrenze hinweg wurde Handel getrieben.
- 59. Mit den germanischen Nachbarn jenseits der Donau bestand reger Verkehr.
- 60. Die Germanen lieferten Bernstein, Felle, Vieh und Sklaven.
- 61. Im Gegenzug erhielten sie römische Waren.
- 62. Dazu gehörten Metallgeschirr, Glas, Schmuck und Münzen.
- 63. Solche römischen Funde finden sich bis weit ins freie Germanien hinein.
- 64. Der Handel an der Grenze fand an festgelegten Plätzen statt.
- 65. Dort konnte Rom den Verkehr überwachen und besteuern.
- 66. Die Grenze war damit nicht nur eine militärische Linie.
- 67. Sie war zugleich eine Zone des Austauschs zwischen den Kulturen.
- 68. Mit den Waren wanderten auch Menschen, Ideen und Bräuche.
- 69. Soldaten, Händler und Beamte kamen aus allen Teilen des Reiches.
- 70. Sie brachten ihre Sprache, ihre Sitten und ihre Götter mit.
- 71. So vermischten sich in Pannonien Menschen sehr unterschiedlicher Herkunft.
- 72. Die einheimische Bevölkerung übernahm allmählich römische Lebensformen.
- 73. Diesen Vorgang bezeichnet man als Romanisierung.
- 74. Latein wurde zur gemeinsamen Sprache von Verwaltung und Handel.
- 75. Viele Einheimische trugen mit der Zeit römische Namen.
- 76. Auch römische Kleidung, Speisen und Wohnformen setzten sich durch.
- 77. Besonders sichtbar wurde der Wandel in den Städten.
- 78. Dort entstanden Steinbauten, Bäder, Tempel und beheizte Wohnhäuser.
- 79. Wohlhabende Bürger schmückten ihre Häuser mit Mosaiken und Wandmalereien.
- 80. Der Wohlstand zeigte sich auch in reich ausgestatteten Gräbern.
- 81. Aufwendige Grabsteine zeugen vom Selbstbewusstsein ihrer Besitzer.
- 82. Der kulturelle Austausch betraf auch die Religion.
- 83. Neben den römischen Göttern wurden einheimische Gottheiten verehrt.
- 84. Oft verschmolzen römische und einheimische Götter miteinander.
- 85. Durch Soldaten und Händler kamen auch östliche Kulte ins Land.
- 86. Besonders verbreitet war der Mithraskult unter den Soldaten.
- 87. Mithras war ein Gott, dessen Verehrung aus dem Osten stammte.
- 88. Später fasste auch das Christentum in Pannonien Fuß.
- 89. Der Austausch verlief jedoch nicht nur in eine Richtung.
- 90. Auch die Germanen jenseits der Grenze übernahmen römische Anregungen.
- 91. In germanischen Siedlungen finden sich Spuren römischer Bauweise.
- 92. Römische Waren wurden bei den Nachbarvölkern zu begehrten Statussymbolen.
- 93. Die Grenzregion wirkte so als Brücke zwischen den Kulturen.
- 94. Die Blütezeit von Handel und Wohlstand lag im zweiten und dritten Jahrhundert.
- 95. Besonders unter der Kaiserfamilie der Severer ging es der Provinz gut.
- 96. Rege Bautätigkeit in dieser Zeit zeugt vom damaligen Wohlstand.
- 97. Der Reichtum der Grenzregion hatte jedoch auch eine Kehrseite.
- 98. Das Wohlstandsgefälle weckte Begehrlichkeiten bei den Nachbarvölkern.
- 99. Dies trug zu wachsendem Druck auf die Grenze bei.
- 100. Schwere Rückschläge brachten die Markomannenkriege im zweiten Jahrhundert.
- 101. Einfallende Germanen verwüsteten damals Teile der Provinz.
- 102. Auch Krisen des dritten Jahrhunderts trafen die Wirtschaft hart.
- 103. Kriege, Unsicherheit und Geldentwertung schwächten den Handel.
- 104. Dennoch blieb Pannonien über lange Zeit ein wirtschaftlich wichtiger Raum.
- 105. Handel und Austausch endeten erst mit dem Zerfall der römischen Herrschaft.
- 106. Das römische Erbe prägte den Karpatenraum jedoch nachhaltig.
- 107. Für einige Jahrhunderte war Pannonien fest mit der antiken Welt verbunden.
- 108. Es nahm teil an Handel, Wohlstand und Kultur eines Weltreiches.
- 109. Diese Epoche brachte dem heutigen Westungarn erstmals antike Zivilisation.
- 110. Funde von Münzen, Geschirr und Schmuck zeugen bis heute davon.
Leben im römischen Pannonien: Alltag von Soldaten, Bürgern und Sklaven
[Bearbeiten]- 1. Das Leben im römischen Pannonien wurde von der Stellung in der Gesellschaft bestimmt.
- 2. Die römische Gesellschaft war streng nach Rang und Recht gegliedert.
- 3. Der wichtigste Unterschied war der zwischen freien und unfreien Menschen.
- 4. Zu den Freien gehörten Bürger, Soldaten, Bauern, Händler und Handwerker.
- 5. Die Unfreien waren die Sklaven, die als Eigentum galten.
- 6. Zwischen beiden Gruppen standen die Freigelassenen.
- 7. Freigelassene waren Sklaven, die ihre Freiheit erlangt hatten.
- 8. Der eigene Rang bestimmte weitgehend Beruf, Wohnort und Lebensweise.
- 9. Pannonien war über Jahrhunderte vor allem ein militärisch geprägtes Land.
- 10. Das Heer war der größte Arbeitgeber und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
- 11. Den Kern des Heeres bildeten die Soldaten der Legionen.
- 12. Legionäre waren römische Bürger und dienten viele Jahre im Heer.
- 13. Die übliche Dienstzeit betrug etwa fünfundzwanzig Jahre.
- 14. Daneben gab es die Soldaten der Hilfstruppen.
- 15. Diese besaßen anfangs kein römisches Bürgerrecht.
- 16. Der Alltag der Soldaten war von strenger Ordnung bestimmt.
- 17. Der Tag begann früh und folgte einem festen Plan.
- 18. Zum Dienst gehörten Wachdienst, Übungen und Märsche.
- 19. Die Soldaten trainierten regelmäßig den Umgang mit ihren Waffen.
- 20. Neben dem Kampf leisteten sie auch viele andere Arbeiten.
- 21. Sie bauten Lager, Straßen, Brücken und Wasserleitungen.
- 22. Auch Handwerker und Schreiber dienten innerhalb der Truppe.
- 23. Das Heer war damit zugleich eine große Arbeitsgemeinschaft.
- 24. Die Soldaten lebten in den Legionslagern und Kastellen.
- 25. Im Lager teilten sich mehrere Soldaten eine gemeinsame Stube.
- 26. Acht Mann bildeten eine kleine Gemeinschaft, das sogenannte contubernium.
- 27. Diese Gruppe wohnte, aß und kämpfte zusammen.
- 28. Die Verpflegung der Soldaten war einfach, aber regelmäßig.
- 29. Grundnahrungsmittel waren Getreide, Brot, Gemüse und Fleisch.
- 30. Die Soldaten erhielten regelmäßig Sold in Münzen.
- 31. Ein Teil des Soldes wurde für Verpflegung und Ausrüstung einbehalten.
- 32. Lange Zeit durften einfache Soldaten nicht rechtsgültig heiraten.
- 33. Dieses Heiratsverbot bestand über viele Jahrzehnte.
- 34. Dennoch lebten viele Soldaten mit Frauen und Kindern zusammen.
- 35. Diese Familien wohnten meist in der Siedlung vor dem Lager.
- 36. Erst nach dem Dienstende wurde eine solche Ehe rechtlich anerkannt.
- 37. Hilfssoldaten erhielten nach ihrer Dienstzeit das römische Bürgerrecht.
- 38. Dieses Recht ging auch auf ihre Kinder über.
- 39. Der Militärdienst war damit ein wichtiger Weg zum sozialen Aufstieg.
- 40. Entlassene Soldaten werden als Veteranen bezeichnet.
- 41. Veteranen erhielten oft Land oder eine Abfindung in Geld.
- 42. Viele von ihnen ließen sich dauerhaft in der Provinz nieder.
- 43. Rund um die Lager entstanden zivile Siedlungen.
- 44. Diese Lagerdörfer werden als vicus oder canabae bezeichnet.
- 45. In ihnen lebten Händler, Handwerker, Wirte und Soldatenfamilien.
- 46. Hier kauften die Soldaten Waren des täglichen Bedarfs.
- 47. Aus einigen dieser Siedlungen entwickelten sich später richtige Städte.
- 48. Neben den Soldaten lebten in Pannonien zahlreiche Zivilisten.
- 49. Die meisten Menschen waren freie Bauern auf dem Land.
- 50. Sie bestellten Felder, hielten Vieh und versorgten sich weitgehend selbst.
- 51. Ihr Alltag war von harter Arbeit und vom Lauf der Jahreszeiten geprägt.
- 52. Viele Bauern lebten auf einzelnen Höfen, den sogenannten villae rusticae.
- 53. Eine villa rustica war ein landwirtschaftlicher Gutsbetrieb.
- 54. Sie bestand aus Wohngebäuden, Ställen, Werkstätten und Vorratsbauten.
- 55. Ein Teil ihrer Erzeugnisse diente der Versorgung des Heeres.
- 56. In den Städten lebten Händler, Handwerker und Beamte.
- 57. Handwerker stellten Geschirr, Werkzeug, Kleidung und Schmuck her.
- 58. Händler verkauften Waren auf den Märkten der Städte.
- 59. Beamte sorgten für Verwaltung, Steuern und Rechtsprechung.
- 60. An der Spitze der städtischen Gesellschaft standen wohlhabende Bürger.
- 61. Diese Oberschicht bildete den Stadtrat und stellte die Beamten.
- 62. Reiche Bürger zeigten ihren Wohlstand durch Stiftungen für die Stadt.
- 63. Sie ließen Bäder, Tempel oder andere öffentliche Bauten errichten.
- 64. Die Wohnverhältnisse hingen stark vom Vermögen ab.
- 65. Wohlhabende Familien lebten in geräumigen Steinhäusern.
- 66. Ihre Häuser besaßen oft einen Innenhof und mehrere Wohnräume.
- 67. Die Böden waren teils mit Mosaiken, die Wände mit Malereien geschmückt.
- 68. Eine römische Heizung, die Hypokaustenheizung, wärmte solche Häuser.
- 69. Dabei strömte warme Luft durch Hohlräume unter dem Fußboden.
- 70. Ärmere Familien lebten in einfachen Häusern aus Holz und Lehm.
- 71. Ein wichtiger Bestandteil des Alltags waren die öffentlichen Bäder.
- 72. Die Thermen dienten der Körperpflege und der Geselligkeit.
- 73. Dort traf man sich, unterhielt sich und schloss Geschäfte ab.
- 74. Auch der Markt war ein Mittelpunkt des städtischen Lebens.
- 75. In größeren Städten gab es Veranstaltungen im Amphitheater.
- 76. Dort fanden Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe statt.
- 77. Die Kleidung der Menschen richtete sich nach Rang und Vermögen.
- 78. Vollwertige Bürger trugen bei festlichen Anlässen die Toga.
- 79. Im Alltag trugen die meisten Menschen eine einfache Tunika.
- 80. Frauen kümmerten sich oft um Haushalt, Kinder und Vorräte.
- 81. Manche Frauen arbeiteten jedoch auch im Handwerk oder im Handel.
- 82. Einige Frauen führten nach dem Tod des Mannes eigene Betriebe.
- 83. Kinder freier Familien halfen früh bei der Arbeit mit.
- 84. Kinder wohlhabender Familien erhielten eine schulische Bildung.
- 85. Sie lernten Lesen, Schreiben und Rechnen.
- 86. Die unterste Schicht der Gesellschaft bildeten die Sklaven.
- 87. Sklaven galten rechtlich nicht als Personen, sondern als Eigentum.
- 88. Sie konnten gekauft, verkauft und vererbt werden.
- 89. Ein Sklave besaß keinen eigenen rechtlichen Schutz.
- 90. Sklaven stammten aus Kriegsgefangenschaft, Handel oder Geburt.
- 91. Kinder einer Sklavin wurden automatisch ebenfalls Sklaven.
- 92. Nach dem großen Aufstand wurden viele Pannonier in die Sklaverei verkauft.
- 93. Die Lebensbedingungen der Sklaven waren sehr unterschiedlich.
- 94. Sie hingen vor allem von der Art der Arbeit und vom Besitzer ab.
- 95. Haussklaven arbeiteten in den Haushalten wohlhabender Familien.
- 96. Sie kochten, putzten, betreuten Kinder oder dienten als Schreiber.
- 97. Gebildete Sklaven konnten als Lehrer oder Verwalter eingesetzt werden.
- 98. Solche Haussklaven lebten oft unter erträglicheren Bedingungen.
- 99. Härter war das Los der Sklaven in Landwirtschaft und Bergbau.
- 100. Sie verrichteten schwere körperliche Arbeit von früh bis spät.
- 101. Auch beim Heer dienten Sklaven, etwa als Knechte und Diener.
- 102. Als Soldaten wurden Sklaven jedoch nicht eingesetzt.
- 103. Ein Sklave konnte seine Freiheit erlangen.
- 104. Die Freilassung eines Sklaven nannte man Manumission.
- 105. Ein Besitzer konnte einen Sklaven aus Gunst oder gegen Geld freilassen.
- 106. Manche Sklaven sparten dafür ein kleines eigenes Vermögen an.
- 107. Dieses Vermögen wurde als peculium bezeichnet.
- 108. Ein freigelassener Sklave wurde als Libertus bezeichnet.
- 109. Freigelassene blieben ihrem früheren Herrn weiter verbunden.
- 110. Sie schuldeten ihm Achtung und oft auch bestimmte Dienste.
- 111. Die Kinder von Freigelassenen aber waren vollwertige freie Bürger.
- 112. Manche Freigelassene brachten es zu beträchtlichem Wohlstand.
- 113. Die Bevölkerung Pannoniens war von Anfang an stark gemischt.
- 114. Sie bestand aus Einheimischen, Zuwanderern, Soldaten und Sklaven.
- 115. Die Zuwanderer kamen aus vielen verschiedenen Teilen des Reiches.
- 116. Über die Generationen verschmolzen diese Gruppen miteinander.
- 117. Latein wurde zur gemeinsamen Sprache des öffentlichen Lebens.
- 118. Auch römische Sitten, Speisen und Kleidung setzten sich durch.
- 119. Im Jahr 212 erhielten fast alle freien Reichsbewohner das Bürgerrecht.
- 120. Dieses Gesetz wird als Constitutio Antoniniana bezeichnet.
- 121. Damit wurde die Bevölkerung rechtlich stärker vereinheitlicht.
- 122. Über das Leben der Menschen berichten vor allem archäologische Funde.
- 123. Häuser, Werkzeuge und Geschirr geben Einblick in den Alltag.
- 124. Besonders aufschlussreich sind die Inschriften auf Grabsteinen.
- 125. Sie nennen Namen, Alter, Beruf und Herkunft der Verstorbenen.
- 126. Aus solchen Zeugnissen lässt sich das Leben der Provinz rekonstruieren.
- 127. Es zeigt eine Gesellschaft aus sehr unterschiedlichen Menschen und Schicksalen.
- 128. Soldaten, Bürger und Sklaven prägten gemeinsam das römische Pannonien.
Religiöse Entwicklungen: Vom Heidentum zum frühen Christentum
[Bearbeiten]- 1. Die Religion durchdrang im römischen Pannonien alle Bereiche des Lebens.
- 2. Sie war kein abgetrennter Bereich, sondern Teil des Alltags.
- 3. Glaube, Staat und Gemeinschaft waren eng miteinander verbunden.
- 4. Über die Jahrhunderte wandelte sich die religiöse Welt der Provinz tiefgreifend.
- 5. Am Anfang stand eine bunte Vielfalt heidnischer Kulte.
- 6. Am Ende stand das Christentum als bestimmende Religion.
- 7. Das Wort heidnisch fasst alle nichtchristlichen Religionen zusammen.
- 8. Es bezeichnet die Verehrung vieler Götter und Geister.
- 9. Schon vor den Römern hatte die einheimische Bevölkerung eigene Götter.
- 10. Die keltischen und illyrischen Stämme verehrten Natur- und Stammesgottheiten.
- 11. Heilige Orte waren oft Quellen, Haine, Berge oder Flüsse.
- 12. Über diese frühen Kulte ist nur wenig sicher bekannt.
- 13. Mit den Römern kam eine neue, vielschichtige Götterwelt ins Land.
- 14. Die Römer verehrten zahlreiche Götter mit unterschiedlichen Aufgaben.
- 15. An der Spitze des römischen Götterhimmels stand Jupiter.
- 16. Jupiter galt als oberster Gott des Himmels und des Wetters.
- 17. Seine Gemahlin Juno wachte über die Frauen und die Ehe.
- 18. Die Göttin Minerva war für Handwerk, Künste und Weisheit zuständig.
- 19. Diese drei Gottheiten bildeten zusammen die kapitolinische Trias.
- 20. Ihnen waren in den Städten die wichtigsten Tempel geweiht.
- 21. Daneben wurden viele weitere Götter verehrt.
- 22. Mars galt als Gott des Krieges, Mercurius als Gott der Händler.
- 23. Die römische Religion war offen für fremde Gottheiten.
- 24. Neue Götter wurden in die eigene Götterwelt aufgenommen.
- 25. Oft verschmolzen römische und einheimische Götter miteinander.
- 26. Ein einheimischer Gott konnte mit einem römischen gleichgesetzt werden.
- 27. Diese Verschmelzung erleichterte das Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen.
- 28. Eine wichtige Rolle spielte der Kaiserkult.
- 29. Dabei wurde der Kaiser oder sein göttlicher Geist verehrt.
- 30. Der Kaiserkult verband Religion und Treue zum Staat.
- 31. Die Teilnahme galt als Zeichen der Loyalität gegenüber dem Reich.
- 32. Verstorbene Kaiser konnten offiziell zu Göttern erhoben werden.
- 33. Die religiösen Handlungen folgten festen Regeln und Ritualen.
- 34. Im Mittelpunkt stand das Opfer für die Götter.
- 35. Geopfert wurden Tiere, Früchte, Wein oder Weihrauch.
- 36. Solche Opfer sollten die Götter günstig stimmen.
- 37. Auch in den Häusern gab es kleine Hausaltäre.
- 38. Dort wurden die Schutzgeister der Familie verehrt.
- 39. Religiöse Feste prägten den Ablauf des Jahres.
- 40. Die Religion war damit ein fester Teil des öffentlichen Lebens.
- 41. Eine besondere Rolle spielten die orientalischen Kulte.
- 42. Diese Religionen stammten aus den östlichen Teilen des Reiches.
- 43. Soldaten, Händler und Sklaven brachten sie nach Pannonien.
- 44. Besonders verbreitet war der Mithraskult.
- 45. Mithras war ein Gott, dessen Verehrung aus dem Osten kam.
- 46. Sein Kult war vor allem bei den Soldaten beliebt.
- 47. Die Anhänger trafen sich in kleinen, höhlenartigen Heiligtümern.
- 48. Solche Kulträume werden als Mithräen bezeichnet.
- 49. Der Mithraskult war eine Geheimreligion mit festen Weihestufen.
- 50. Nur eingeweihte Männer durften an seinen Riten teilnehmen.
- 51. Daneben wurden auch andere östliche Gottheiten verehrt.
- 52. Dazu gehörten die ägyptische Isis und der Gott Iuppiter Dolichenus.
- 53. Die religiöse Landschaft Pannoniens war damit sehr vielfältig.
- 54. Verschiedene Kulte bestanden nebeneinander, ohne sich auszuschließen.
- 55. Ein Mensch konnte mehrere Götter zugleich verehren.
- 56. In diese vielfältige Welt trat das Christentum ein.
- 57. Das Christentum entstand im ersten Jahrhundert im östlichen Reich.
- 58. Es verbreitete sich allmählich entlang von Handelswegen.
- 59. Soldaten, Händler und Reisende trugen den neuen Glauben weiter.
- 60. So gelangte das Christentum auch nach Pannonien.
- 61. Anders als die heidnischen Kulte verehrten Christen nur einen Gott.
- 62. Sie lehnten die Verehrung der römischen Götter ab.
- 63. Auch die Teilnahme am Kaiserkult verweigerten sie.
- 64. Diese Weigerung galt vielen Römern als Bedrohung der Ordnung.
- 65. Daher wurden Christen immer wieder als Außenseiter angesehen.
- 66. Die ersten christlichen Gemeinden trafen sich in Privathäusern.
- 67. Eigene Kirchengebäude gab es zunächst nicht.
- 68. Über lange Zeit lebten die Christen unauffällig.
- 69. Immer wieder kam es jedoch zu Verfolgungen durch den Staat.
- 70. In Pannonien sind erste Christen um die Mitte des 3. Jahrhunderts bezeugt.
- 71. Sie werden vor allem als Märtyrer überliefert.
- 72. Ein Märtyrer ist ein Mensch, der für seinen Glauben getötet wurde.
- 73. Schwere Verfolgungen gab es unter Kaiser Diokletian um 300.
- 74. In dieser Zeit erlitten auch in Pannonien viele Christen den Tod.
- 75. Der bekannteste Märtyrer der Provinz war der heilige Quirinus.
- 76. Quirinus war Bischof der Stadt Siscia.
- 77. Der Überlieferung nach wurde er während der Verfolgung getötet.
- 78. Er gilt als einer der ersten Märtyrer Pannoniens.
- 79. Auch in anderen Städten der Provinz sind Märtyrer überliefert.
- 80. Eine Wende brachte das frühe vierte Jahrhundert.
- 81. Kaiser Konstantin gewährte den Christen die Religionsfreiheit.
- 82. Diese Entscheidung wird mit der Mailänder Vereinbarung von 313 verbunden.
- 83. Das Christentum durfte nun offen ausgeübt werden.
- 84. Die Verfolgungen der Christen endeten damit weitgehend.
- 85. Nun konnten in den Städten erste Kirchen entstehen.
- 86. In Scarbantia wurde im vierten Jahrhundert eine Kirche errichtet.
- 87. Sie entstand offenbar an der Stelle eines früheren Tempels.
- 88. Auch auf großen Gutshöfen wurden kleine Kirchen gebaut.
- 89. Das Christentum verbreitete sich nun rasch in der Provinz.
- 90. Gegen Ende des vierten Jahrhunderts wurde es zur Staatsreligion.
- 91. Diese Erhebung erfolgte unter Kaiser Theodosius.
- 92. Die heidnischen Kulte wurden nun zurückgedrängt und verboten.
- 93. Tempel wurden geschlossen, aufgegeben oder umgewandelt.
- 94. Manche Tempelsteine dienten als Baumaterial für Kirchen.
- 95. Damit verschob sich die religiöse Ordnung der Provinz grundlegend.
- 96. Aus der verfolgten Minderheit war eine bestimmende Religion geworden.
- 97. Aus Pannonien stammt eine besonders bekannte christliche Gestalt.
- 98. Es handelt sich um den heiligen Martin von Tours.
- 99. Martin wurde in der Stadt Savaria geboren.
- 100. Savaria entspricht dem heutigen Szombathely in Westungarn.
- 101. Martin diente zunächst als Soldat im römischen Heer.
- 102. Der Überlieferung nach teilte er seinen Mantel mit einem Bettler.
- 103. Diese Szene wurde zu einem berühmten Bild der christlichen Tradition.
- 104. Später wurde Martin Bischof der Stadt Tours in Gallien.
- 105. Er gehört bis heute zu den bekanntesten Heiligen Europas.
- 106. Die christliche Organisation festigte sich in der Spätantike.
- 107. Größere Städte erhielten einen Bischof als geistliches Oberhaupt.
- 108. Es entstanden feste Gemeinden mit eigenen Kirchen.
- 109. Innerhalb des Christentums gab es jedoch auch Streit über die Lehre.
- 110. In Pannonien war zeitweise die arianische Glaubensrichtung verbreitet.
- 111. Die Arianer vertraten eine besondere Auffassung über das Wesen Christi.
- 112. Diese Richtung wurde später als Irrlehre verurteilt.
- 113. Mit dem Zerfall der römischen Herrschaft geriet das Kirchenleben in Bedrängnis.
- 114. Einfälle und Unsicherheit schwächten die christlichen Gemeinden.
- 115. Dennoch blieben Spuren des Christentums in der Region erhalten.
- 116. Zahlreiche Funde zeugen von der religiösen Geschichte Pannoniens.
- 117. Dazu gehören Altäre, Weihesteine, Tempelreste und Mithräen.
- 118. Auch christliche Bauten, Gräber und Symbole wurden entdeckt.
- 119. Diese Funde zeigen den langen Weg vom Heidentum zum Christentum.
- 120. Die religiöse Entwicklung Pannoniens spiegelt die des ganzen Reiches wider.
- 121. Sie führte von einer Vielfalt der Götter zur Einheit eines Glaubens.
- 122. Mit dem Christentum erreichte eine prägende Kraft den Karpatenraum.