Benutzer:Thirunavukkarasye-Raveendran/Grammatik Konjugierter Infinitiv
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- Das Partizip (melléknévi igenév)
- In der ungarischen Sprache nimmt das Partizip – ähnlich wie im Deutschen – eine Zwischenposition zwischen Verb und Adjektiv ein. Es handelt sich um eine vom Verb abgeleitete Form, die jedoch adjektivische Merkmale aufweist und in bestimmten Konstruktionen (z. B. Partizipialsätzen) auch verbale Eigenschaften bewahren kann. Im Ungarischen gibt es mehrere Partizip-Formen, die jeweils durch spezielle Suffixe gebildet werden und unterschiedliche Aspekte oder Zeiten ausdrücken können.
1. Grundlagen und Einleitung
[Bearbeiten]- Der Begriff „Partizip“ leitet sich vom lateinischen „particeps“ (teilhabend) ab und zeigt die Doppelrolle dieser Formen: Sie können sowohl eine adjektivische Funktion (als Attribut zu einem Substantiv) übernehmen als auch verbale Züge (z. B. Zeit- oder Passiv-Aspekt) tragen.
- Im Ungarischen spricht man von „melléknévi igenév“ („adjektivisches Verb“), was bereits andeutet, dass das Partizip (igenév) eine adjektivische Verwendung (melléknévi) ermöglicht.
2. Die wichtigsten ungarischen Partizipformen
[Bearbeiten]- Das Ungarische verfügt über mehrere Partizipien, die sich nach Zeit (Präsens, Vergangenheit, Zukunft) und Aktiv/Passiv-Aspekt unterscheiden. Die wichtigsten sind:
2.1. Präsens Partizip Aktiv (-ó / -ő)
[Bearbeiten]- „jelen idejű melléknévi igenév“
- Dieses Partizip beschreibt eine andauernde oder gegenwärtige Handlung oder einen dauerhaften Zustand.
- Beispiele:
- „olvasó ember“ – der (gerade) lesende Mensch
- „futó versenyző“ – der laufende Wettkämpfer
- „váróterem“ – Warteraum (wörtlich: der „wartende Raum“)
- In allen Fällen verweist die Endung -ó bzw. -ő auf eine laufende Handlung. Deutsch kann dies oft mit „-end“ (laufend, lesend) oder mit „der/die …, der/die gerade …“ wiedergegeben werden.
2.2. Präteritum Partizip Passiv (-t, -tt, -ott, -ett, -ött)
[Bearbeiten]- „befejezett melléknévi igenév“
- Dieses Partizip bezeichnet eine abgeschlossene Handlung im Passiv-Sinne: „etwas wurde getan“. Im Deutschen entspricht dies meist einem Partizip II („geschrieben“, „gelesen“).
- Beispiele:
- „írott szabály“ – eine geschriebene Regel
- „bezárt ajtó“ – eine geschlossene Tür
- „megoldott feladat“ – eine gelöste Aufgabe
- „elfogadott tény“ – eine akzeptierte (angenommene) Tatsache
- Bei „elfogadott tény“ (akzeptierte Tatsache) ist „elfogadott“ die Präteritum-Passivform von „elfogadni“ (akzeptieren, annehmen). Sie drückt aus, dass etwas (z. B. eine Tatsache) bereits angenommen/akzeptiert wurde.
2.3. Futur Partizip Passiv (-andó / -endő)
[Bearbeiten]- „beálló melléknévi igenév“
- Dieses Partizip bezeichnet eine Handlung, die in der Zukunft (oder zumindest noch nicht abgeschlossen) getan werden soll. Deutsch wird es häufig mit „zu + Infinitiv“ umschrieben.
- Beispiele:
- „megírandó levél“ – ein (noch) zu schreibender Brief
- „elolvasandó könyv“ – ein (noch) zu lesendes Buch
- „megépítendő ház“ – ein zu bauendes Haus
- Das Suffix „-andó / -endő“ betont den Aspekt „etwas muss (noch) getan werden“ bzw. „etwas ist zum (Be)Tun bestimmt“.
2.4. Präsens Partizip Passiv (-va / -ve bzw. -ván / -vén)
[Bearbeiten]- „folyamatos melléknévi igenév passzív jelleggel“
- Diese Formen drücken einen aktuellen passiven Zustand oder ein gleichzeitiges Geschehen im Passiv aus. Sie erscheinen oft in adverbialen Konstruktionen oder in gehobeneren/formelleren Texten.
- Beispiele:
- „szeretve lenni“ – geliebt werden (wörtlich: „geliebt werdend sein“)
- „tisztelve köszöntöm“ – ich grüße (Sie) respektvoll („geehrt grüße ich (Sie)“)
- „ítélve lenni“ – gerichtet/verurteilt werden
- In der Alltagssprache begegnet man häufiger den Formen auf „-va / -ve“ (z. B. „szeretve“, „írva“, „olvasva“). Die Endungen „-ván / -vén“ gelten als gehobener oder literarischer.
3. Verwendung der Partizipien im Ungarischen
[Bearbeiten]- Partizipien lassen sich im Ungarischen auf vielfältige Weise einsetzen, ähnlich wie Adjektive oder verkürzte Nebensätze:
3.1. Als attributive Adjektive
[Bearbeiten]- Partizipien können direkt vor einem Substantiv stehen und dieses näher beschreiben:
- „megoldott feladat“ – die gelöste Aufgabe
- „írott szabály“ – die geschriebene Regel
- „elfogadott tény“ – die akzeptierte (anerkannte) Tatsache
- In solchen Fällen fungiert das Partizip rein adjektivisch. Deutsch kann hierfür das Partizip II verwenden („gelöst“, „geschrieben“, „akzeptiert“) oder manchmal ein Relativsatz („die Aufgabe, die gelöst wurde“).
3.2. In verkürzten Relativsätzen
[Bearbeiten]- Partizipien ermöglichen es, Relativsätze zu verkürzen:
- „Az ember, aki fut, gyorsabb.” – „Der Mensch, der läuft, ist schneller.“
- Verkürzt durch Partizip: „A futó ember gyorsabb.” – „Der laufende Mensch ist schneller.“
- Ähnlich kann man aus „aki olvas“ („der liest“) die Partizipialform „olvasó“ bilden und damit „az olvasó ember“ (der lesende Mensch) erhalten.
3.3. In adverbialen Konstruktionen
[Bearbeiten]- Das Präsens Partizip Passiv (auf „-va / -ve“, ggf. „-ván / -vén“) kann adverbial wirken, um Art und Weise oder Begleitumstände einer Handlung auszudrücken:
- „Szeretve nőtt fel.“ – „Er/sie wuchs geliebt auf.“ (im Sinne von: „Er/sie wurde in Liebe aufgezogen.“)
- „Nevetve ment el.“ – „Er/sie ging lachend fort.“
- Hier fungiert das Partizip quasi als Adverb, das die Begleitumstände der Haupthandlung beschreibt.
4. Beispiele für Partizipialkonstruktionen
[Bearbeiten]4.1. Präsens Partizip Aktiv (-ó / -ő)
[Bearbeiten]- 1) „olvasó ember“
- - wörtlich: „(gerade) lesender Mensch“
- - verkürzte Relativsatzform: „az ember, aki olvas“
- 2) „váróterem“
- - „Warteraum“
- - zusammengesetzt aus „vár“ (warten) + „-ó“ + „terem“ (Raum)
- 3) „sétáló kutya“
- - „spazierender Hund“
- - verkürzte Form: „a kutya, amelyik sétál“
4.2. Präteritum Partizip Passiv (-t / -tt / -ott / -ett / -ött)
[Bearbeiten]- 1) „megoldott feladat“
- - „die gelöste Aufgabe“
- - vom Verb „megoldani“ (lösen)
- 2) „elfogadott tény“
- - „akzeptierte Tatsache“
- - vom Verb „elfogadni“ (akzeptieren, annehmen)
- 3) „sült hús“
- - „gebratenes Fleisch“
- - vom Verb „sütni“ (backen, braten)
4.3. Futur Partizip Passiv (-andó / -endő)
[Bearbeiten]- 1) „elolvasandó könyv“
- - „zu lesendes Buch“
- - vom Verb „elolvasni“ (durchlesen)
- 2) „megírandó levél“
- - „zu schreibender Brief“
- - vom Verb „megírni“ (fertig schreiben)
- 3) „javítandó hiba“
- - „zu korrigierender Fehler“
- - vom Verb „javítani“ (reparieren, verbessern)
4.4. Präsens Partizip Passiv (-va / -ve; -ván / -vén)
[Bearbeiten]- 1) „szeretve lenni“
- - „geliebt werden“
- - drückt den Zustand oder die Art und Weise des Geliebt-Werdens aus
- 2) „tisztelve köszöntöm“
- - wörtlich: „ich grüße (Sie) geehrt“
- - im Deutschen oft „ich grüße Sie respektvoll“
- 3) „írva van“
- - „es ist geschrieben“
- - betont einen andauernden Zustand („es steht so geschrieben“)
5. Partizipialsätze (Partizip in Nebensatzfunktion)
[Bearbeiten]- „Partizipialsatz“ oder „Partizipialkonstruktion“ bezeichnet Sätze, in denen Partizipien einen (Relativ-)Nebensatz ersetzen oder ergänzen. Diese Konstruktionen sind oft kürzer und prägnanter als vollständige Nebensätze.
- Beispiel:
- Voller Relativsatz: „A feladat, amit megoldottál, nehéz volt.“ – „Die Aufgabe, die du gelöst hast, war schwierig.“
- Partizipialkonstruktion: „A megoldott feladat nehéz volt.“ – „Die gelöste Aufgabe war schwierig.“
- Da das Ungarische sehr flexibel mit diesen Partizipien umgeht, kann man auf diese Weise Sätze verkürzen und trotzdem klar verdeutlichen, welche Handlung (z. B. das „Lösen“) gemeint ist.
6. Besonderheiten und Hinweise
[Bearbeiten]- 1. Die Präteritum-Partizip-Passiv-Form (-t, -tt, -ott, -ett, -ött) kann bei bestimmten Verben leichte Abwandlungen im Stamm oder in der Suffixwahl haben. Beispielsweise bei „ír“ (schreiben) → „írott“ (geschrieben) und „fest“ (malen) → „festett“ (gemalt).
- 2. Nicht immer stimmen ungarische Partizipien exakt mit deutschen Partizipien überein. Das Ungarische stellt oft Aspekte in den Vordergrund (fertig, gerade, zukünftig), während das Deutsche z. B. verschiedene Hilfskonstruktionen verwendet („zu schreiben“, „geschrieben worden“, „wird geschrieben“).
- 3. Bei einigen Verben existieren feste Ausdrücke, in denen ein Partizip als idiomatisches Adjektiv auftritt. Diese können historisch gewachsen sein. Beispiele sind:
- „ismert tény“ (bekannte Tatsache, von „ismer“ – kennen)
- „eltelt idő“ (vergangene Zeit, von „eltelni“ – vergehen)
- „kifizetett számla“ (bezahlte Rechnung, von „kifizetni“ – bezahlen)
- 4. Die (Präsens) Passiv-Formen auf „-va/-ve“ oder „-ván/-vén“ verwenden viele Lernende eher selten aktiv, da sie in der Alltagssprache nicht immer zwingend sind. Sie kommen aber häufig in der Schriftsprache und bei bestimmten adverbialen Fügungen vor.
7. Zusammenfassung
[Bearbeiten]- Partizipien (melléknévi igenév) sind ein vielseitiges Element der ungarischen Grammatik. Sie ermöglichen es, Handlungen oder Zustände in adjektivischer Form auszudrücken, verkürzte Nebensätze zu bilden und die Zeit- bzw. Aspektinformation (gegenwärtig, vergangen, zukünftig) zu verdeutlichen.
- Die wichtigsten Typen sind:
- – Präsens Partizip Aktiv (-ó/-ő)
- – Präteritum Partizip Passiv (-t/-tt/-ott/-ett/-ött)
- – Futur Partizip Passiv (-andó/-endő)
- – Präsens Partizip Passiv (-va/-ve; -ván/-vén)
- Typische Anwendungen sind attributiv vor Substantiven („elfogadott tény“), als verkürzte Relativsätze („az olvasó ember“), oder in adverbialen Konstruktionen („szeretve lenni“).
- Partizipialkonstruktionen erleichtern eine klare, oft knappe Ausdrucksweise und verleihen dem Ungarischen eine große Flexibilität. Das Verständnis dieser Formen hilft, ungarische Texte besser zu lesen und eigene Aussagen präzise zu gestalten.