Zum Inhalt springen

Benutzer:Thirunavukkarasye-Raveendran/Ungarische Grammatik Aspekt

Aus Wikibooks
Vorgang – Ergebnis
Ungarisch arbeitet hier wie viele Sprachen mit Aktionsart: ein einfaches Verb bezeichnet den Vorgang, ein präfigiertes Verb oft das abgeschlossene oder resultative Ereignis. Im Russischen ist dieser Gegensatz als grammatischer Aspekt systematisiert; im Deutschen und Englischen erscheint er eher in Partikelverben wie fallen/hinfallen oder fall/fall down.
esik = Vorgangsverb
elesik = Ergebnisverb
Sprachenwissenschaftlich formuliert:
esik: atelisch-prozessuale Aktionsart
elesik: telisch-resultative Aktionsart
Es gib keine speziellen Fachbegriffe dafür in Ungarischlehrbüchern.
Es wird nur formuliert:
Az igekötő modosítja az ige jelentését. - Das Präfix verändert die Bedeutung des Verbs.
esik = ein Verb, das einen Prozess ausdrückt
elesik = ein Verb, das ein erreichtes Ergebnis ausdrückt


1. Slawische Sprachen: sehr ähnlich, aber stärker grammatikalisiert

[Bearbeiten]

Russisch:

падать = fallen, im Fallen sein / wiederholt fallen упасть = hinfallen, zu Fall kommen

Also sehr nahe an:

esik = падать elesik = упасть

Hier ist der Unterschied aber Teil eines echten grammatischen Aspektsystems: imperfektiv vs. perfektiv. In slawischen Sprachen wird Aspekt grundsätzlich systematisch am Verb ausgedrückt; Präfixe und Suffixe sind zentrale Mittel dafür.

2. Deutsch: ähnlich durch Partikelverben, aber kein echtes Aspektsystem

[Bearbeiten]

Deutsch hat etwas sehr Vergleichbares:

fallen = esik hinfallen = elesik schreiben = ír fertigschreiben / aufschreiben = megír / leír, je nach Bedeutung gehen = megy weggehen / hinausgehen / hineingehen = elmegy / kimegy / bemegy

Deutsch benutzt also Verbpartikeln wie hin-, weg-, auf-, fertig-, hinein-, heraus-, um Richtung, Abschluss oder Resultat auszudrücken. Aber Deutsch hat daraus kein obligatorisches grammatisches Aspektsystem wie Russisch gemacht. Genau dieser Vergleich Ungarisch–Deutsch–Slawisch wird auch in der Forschung diskutiert: Ungarische Präverbien stehen aspektuell teils den slawischen Sprachen nahe, teils eher deutschen Partikelverben.

3. Englisch: oft durch Phrasal Verbs oder Zusatzwörter

[Bearbeiten]

Englisch:

to fall = fallen to fall down = hinfallen / herunterfallen to write = schreiben to write down = aufschreiben to eat = essen to eat up = aufessen

Auch hier: semantisch ähnlich, aber kein grammatischer Aspekt wie im Russischen.



Für esik vs. elesik ist die knappste wissenschaftliche Unterscheidung:

esik = atelisch / prozessual

elesik = telisch / resultativ

Noch besser für ein Lehrbuch, wenn es verständlich bleiben soll:

esik = fallen / im Fallen sein

elesik = hinfallen / zu Fall kommen

Der Kern:

esik beschreibt den Vorgang oder Zustand des Fallens allgemein: Regen fällt, Schnee fällt, jemand fällt gerade, etwas fällt herunter.

elesik beschreibt ein abgeschlossenes Ereignis mit Ergebnis: jemand fällt hin und liegt/landet danach unten bzw. ist zu Fall gekommen.

Beispiele:

Esik az eső. - Es regnet. / Der Regen fällt.

A hó esik. - Der Schnee fällt.

A fiú esik. - Der Junge fällt. / Der Junge ist im Fallen.

A fiú elesik. - Der Junge fällt hin.

Elesett a lépcsőn. - Er ist auf der Treppe hingefallen.

esik: Vorgang - elesik: Ergebnis

Oder etwas fachlicher:

esik: atelisch - elesik: telisch-resultativ

Wichtig: Das el- ist hier kein bloßes „weg-“, sondern ein Präverb, das die Handlung als abgeschlossenes Ereignis mit erreichtem Endpunkt markiert.

de WP: Atelisches Verb


en WP: Telicity Telicity or telic aspect

ru WP: Предельность


prozessual vs Aspekt

[Bearbeiten]

Für esik vs. elesik ist die knappste wissenschaftliche Unterscheidung:

esik = atelisch / prozessual elesik = telisch / resultativ

Noch besser für ein Lehrbuch, wenn es verständlich bleiben soll:

esik = fallen / im Fallen sein elesik = hinfallen / zu Fall kommen

Der Kern:

esik beschreibt den Vorgang oder Zustand des Fallens allgemein: Regen fällt, Schnee fällt, jemand fällt gerade, etwas fällt herunter.

elesik beschreibt ein abgeschlossenes Ereignis mit Ergebnis: jemand fällt hin und liegt/landet danach unten bzw. ist zu Fall gekommen.

Beispiele:

Esik az eső. Es regnet. / Der Regen fällt.

A hó esik. Der Schnee fällt.

A fiú esik. Der Junge fällt. / Der Junge ist im Fallen.

A fiú elesik. Der Junge fällt hin.

Elesett a lépcsőn. Er ist auf der Treppe hingefallen.

Für dein Lehrbuch würde ich als kurze Notiz schreiben:

esik: Vorgang elesik: Ergebnis

Oder etwas fachlicher:

esik: atelisch elesik: telisch-resultativ

Wichtig: Das el- ist hier kein bloßes „wegDie Beziehung ist eng, aber nicht identisch.

Kurzform:

Telizität = Eigenschaft der Situation / Verbphrase grammatischer Aspekt = grammatische Blickweise auf die Situation

Also eher:

Telizität liegt auf der lexikalisch-semantischen Ebene. Aspekt liegt auf der grammatischen Ebene.

Nicht sauber: „Obermenge / Untermenge“. Besser: zwei verschiedene Ebenen, die sich systematisch beeinflussen.

      1. 1. Telisch / atelisch

Telizität fragt:

Hat das Ereignis einen natürlichen Endpunkt?

atelisch: esik = fallen, im Fallen sein kein zwingender Endpunkt im Verb selbst.

telisch: elesik = hinfallen, zu Fall kommen Endpunkt ist enthalten: jemand ist gefallen / liegt unten / ist zu Fall gekommen.

Weitere Beispiele:

ír = schreiben → atelisch/prozessual möglich megír = fertig schreiben → telisch-resultativ

olvas = lesen → atelisch/prozessual möglich elolvas = durchlesen / zu Ende lesen → telisch-resultativ

      1. 2. Grammatischer Aspekt, z. B. Russisch

Der russische Aspekt unterscheidet grammatisch:

unvollendet / imperfektiv = Handlung als Verlauf, Wiederholung, Gewohnheit, nicht als abgeschlossenes Ganzes

vollendet / perfektiv = Handlung als abgeschlossenes Ganzes, oft mit erreichtem Resultat

Beispiel grob:

писать = schreiben, am Schreiben sein → imperfektiv написать = schreiben/fertigschreiben → perfektiv

Das ähnelt stark:

ír = schreiben megír = fertig schreiben

Aber: Im Russischen ist das grammatischer Aspekt, also ein zentrales grammatisches System. Im Ungarischen sind Präverbien wie meg-, el-, ki-, be-, le- keine voll ausgebaute Aspektgrammatik wie im Russischen, aber sie können aspektähnliche Funktionen haben: Abschluss, Richtung, Resultat, Beginn, Heraus-/Hineinbewegung usw.

3. Verhältnis genauer

[Bearbeiten]

Telizität beantwortet: Was für eine Art Ereignis ist es? Hat es einen Endpunkt?

Aspekt beantwortet: Wie wird dieses Ereignis dargestellt? Als Verlauf, als abgeschlossenes Ganzes, als Wiederholung, als Ergebnis?

Darum können sie kombiniert werden:

Ein Ereignis kann telisch sein, aber imperfektiv dargestellt werden.

Beispiel Russisch sinngemäß:

Er schrieb den Brief. Kann bedeuten: Er war dabei, den Brief zu schreiben. Das Ereignis „Brief schreiben“ hat eigentlich einen Endpunkt: Brief fertig. Aber der imperfektive Aspekt zeigt den Vorgang, nicht das erreichte Ergebnis.

Umgekehrt kann eine atelische Handlung perfektiviert werden, wenn sie begrenzt wird:

eine Weile sitzen, kurz schlafen, losgehen, anfangen zu regnen.

Dann wird nicht unbedingt ein inneres Ziel erreicht, aber die Handlung wird als abgegrenztes Ganzes dargestellt.


Telisch/atelisch beschreibt, ob eine Handlung einen inneren Endpunkt hat; grammatischer Aspekt beschreibt, ob der Sprecher die Handlung als Verlauf, Wiederholung oder abgeschlossenes Ganzes darstellt. Ungarische Präverbien wie el-, meg-, le-, ki-, be- können telische und resultative Lesarten erzeugen, bilden aber kein Aspektsystem wie im Russischen.

Für esik / elesik:

esik = atelisch-prozessual: der Fallvorgang steht im Vordergrund.

elesik = telisch-resultativ: der Fall endet in einem erreichten Zustand, nämlich „hingefallen / zu Fall gekommen“.

Sehr kurze Lehrbuchfassung:

esik = Vorgang ohne markierten Endpunkt elesik = Ereignis mit erreichtem Endpunkt

Oder fachlich:

esik: atelisch, prozessual elesik: telisch, resultativ; aspektähnlich perfektiviert durch el--“, sondern ein Präverb, das die Handlung als abgeschlossenes Ereignis mit erreichtem Endpunkt markiert.