Die akustischen Jahre in der Musikproduktion/ Einleitung

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Sprechende Maschinen[Bearbeiten]

Schon seit jeher versuchten findige Erfinder und Tüftler die menschliche Stimme mithilfe von mehr oder weniger durchdachten Konzeptionen nachzuahmen und reproduzierbar für die Nachwelt zu konservieren. Im Vordergrund jener Bemühungen stand in der Regel das Interesse die anwesende Zuhörerschaft während der Vorführung der Gerätschaften unterhaltsam ins Staunen zu versetzen oder gar in manipulativer Weise zu Beeinflussen, dabei eigennützige Ziele vorantreibend. Die altertümlichen Bemühungen mittels „sprechender Apparate“ Entertainment anzubieten mögen aus heutiger Sicht kurios wirken, allerdings nur in dem Augenblick, wenn in Vergessenheit gerät, dass diese ersten „Sprechmaschinen“ die ideellen Vorläufer der aktuellen modernen Geräte zur Aufnahme und Wiedergabe von Musik darstellen. Kommunikationssysteme wie Alexa, Bixby oder Siri, die aufgrund der sich schnell fortentwickelnden Möglichkeiten im Bereich der Künstlichen Intelligenz, zunehmend ausgefeilter auf die Anfragen des „menschlichen Partners“ reagieren, zeigen das der Traum von interagierenden und sprechenden Maschinen bis in die Gegenwart fortbesteht.

Die Problematik eine menschliche Stimme künstlich zu erzeugen erforderte von den damaligen Konstrukteuren ein weitreichendes aber zielgerichtetes Ausprobieren unterschiedlichster Lösungsansätze, die dem Grunde nach zum größten Teil im Instrumentenbau fußten. Wie bei vielen Aerophonen üblich fand ein Blasebalg Verwendung, dessen Luftstrom durch Ton erzeugende Komponenten geleitet wurde, die wiederum ihrerseits mit einer Klaviatur mechanisch angesteuert werden konnten. Vereinfacht betrachtet bedeutete die gezielte Modifikation von Orgelpfeifen denjenigen Schritt der nötig war, sprechende Apparate zu konstruieren, so wie es Johannes Kepler bereits im Jahre 1612 in Linz prophezeite, als er anmerkte „Man wird einst auch Sprechmaschinen bauen können, doch werden diese einen hohlen Klang haben“.

Zeichnung einer Sprechmaschine des Wolfgang von Kempelen. Vermutlich zweiter umgesetzer Entwurf.

Die Sprechmaschine des Hofrats Wolfgang von Kempelen von 1769 beschreibt den mechanischen Aufbau derartiger Apparate auf das Beste. Die Entwicklung dessen Sprechmaschine findet ihren Anfang mit dem Bau eines „Mechanischen Schachspielers“, im Volksmund auch „Schachtürke“ genannt. Ursächlich hierfür war der Umstand, dass Kempelen gedemütigt erkennen musste sich nicht in der Lage zu befinden die bei Hofe aufgeführten Taschenspielertricks des dort gastierenden französischen Scharlatans Pelletier zu entlarven. Jene aufgrund der Wiederherstellung der persönlichen Reputation gebaute Konstruktion war aus rein mechanischer Sicht betrachtet jedoch nicht wirklich in der Lage Schach zu spielen. Diesbezüglich zeigte sich eine in der Maschine sitzende kleinwüchsige Person verantwortlich, die die nötige Versiertheit besaß auf das Spielgeschehen zu reagieren. Die eigentliche Bedeutung der Apparatur aber liegt aber in einer kleinen integrierten Pfeife, die bei „Schach dem König“ einen Wort ähnlichen Ton gleichend einem „Schah“ oder „Schäh“ erklingen ließ. Beflügelt von dem Erfolg des Schachtürken begann Kempelen sich jenem „Blasinstrument“ näher zu widmen mit dem Ziel vor Augen weitere menschenähnliche Laute zu erzeugen. Zu diesem Zweck verband er in einem ersten Schritt, in kombinatorischer Absicht, verschiedene Blasinstrumente, wie Trompete, Oboe und Klarinette, mit einem Blasebalg und ging daran die sich hieraus ergebenden unterschiedlichen Zusammensetzungen auf wissenschaftlicher Ebene zu erforschen. Mit der Rohrpfeife eines Dudelsacks in Verbindung mit dem Trichter einer Oboe, den er je nach Bedarf in unterschiedlicher Weise mehr oder weniger flächendeckend verschloss, gelang es ihm tatsächlich neue Phoneme zu erzeugen. Infolgedessen und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten vor Augen, plante Kempelen nunmehr einen Apparat der Öffentlichkeit vorzustellen, welcher in der Lage sein sollte alle Buchstaben des Alphabets künstlich zu erzeugen. Nach mehreren Jahren des intensiveren Forschens und Experimentierens gelang es ihm letztendlich sechs unterschiedliche Laute zu erzeugen, die den Vokalen a, o und u sowie den Konsonanten l, m und p ähnelten.

Joseph Fabers Sprechmaschine Euphonica vermutlich um 1870 in Wien.

Im Weiteren Verlauf der Sprechmaschinengeschichte verbesserten sich deren Fähigkeiten Worte und Sätze zu bilden zusehends. So zeigte sich die erstmals 1835 vorgestellte „Euphonia“, des österreichischen Mathematikers und Astronom Joseph Faber anlässlich einer Vorführung in London in der Lage, „laut, klar und deutlich“ zu sprechen ohne dabei wie ein „Bauchredner“ zu klingen. Das von ihr vorgetragene „God Save the Queen“ sei „verständlich vernehmbar“ gewesen. Die wohlwollende Betrachtung der Sprechmaschine Fabers dürfte sich in dem verwendeten Tonerzeugungssystem begründen. Dieses war in herausstechender Weise different zu den Mechaniken der anderen bekannten Apparate. Zur Anwendung kam ein die Sprache erzeugender Klangkörper, der überwiegend aus Gummi bestand und daher in der Lage war seine Form flexibel den nötigen Voraussetzungen für die Erzeugung von Sprache anzupassen. In Ergänzung beinhaltete das Konstrukt erstmals die Nachbildung einer menschlichen Zunge, welcbe die Sprachausgabe für damaligen Verhältnisse perfektionierte. Der obligatorische Blasebalg betrieben durch ein Pedal und die sechzehnteilige Klaviatur in Verbindung mit einem frontseitig angebrachten Kopf, dürften weitere Gründe für die positive Aufnahme der Sprechmaschine Fabers dargestellt haben. Trotz positiv verlaufender Präsentationen, gepaart mit einer regen unternehmerischen Tätigkeit Fabers, konnte die Euphonia die finaziellen Hoffnunge ihres Erbauers nicht erfüllen. Vielmehr geriet die Euphonia schon bald nach ihrer Einführung zusehends in Vergessenheit und verkam teilweise zu einer Kuriosität, feilgeboten auf den Jahrmärkten der damaligen Zeit. Faber selbst, je nach Darstellung, verstarb entweder während einer Vorstellungsreise der Euphonia in den Vereinigten Staaten durch Suizid, oder aber beteiligte sich weiterhin an den Präsentationen der von ihm entwickelten Sprechmaschine.

Scheinbar sprechende Maschinen[Bearbeiten]

Demgegenüber standen Sprechmaschinen die sich rein „menschlicher Komponenten“ bedienten und nur scheinbar mechanische Apparate waren. Bezüglich der Beurteilung der genauen Funktionsweise bestehen, aufgrund der zeitlichen Distanz und der nur noch spärlich vorhanden Literatur, die zudem zum Teil auf Hörensagen beruht, Einordnungsprobleme. So wird beispielsweise berichtet, dass es unter der Regentschaft des zweiten Königs von Rom Numa Pompilius einen sprechenden Apparat gegeben haben soll, der den Namen des Königs mit „weithin schallender Stimme zu verkünden mochte“. Das damit verbundene Rätseln in welcher Art und Weise dies bewerkstelligt wurde konnte den Berichten nach nicht gelöst werden. Mäuse hätten nach dem Tod des Erbauers, einem etruskischen Sklaven, die aus Holz bestehenden mechanischen Bauteile angefressen und zerstört. Eine Rekonstruktion lag nicht mehr im Bereich des Möglichen. In eine ähnliche Richtung, aber mit realerem Hintergrund, tendiert eine Überlieferung den griechischen Feldherrn und Politiker Xenophon betreffend. Dieser will eine sprechende Maschine am Hofe des Großkönigs Darius vorgeführt bekommen haben, „die laut und hohl tönte, als ob jemand aus einem tiefen Keller spräche“. Plausibel wird dieser Mythos, wenn Beachtung findet, dass „spukhafte Stimmen“ zu jener Zeit gang und gäbe waren, dienten sie unter anderem an Theatern dramaturgischen Zwecken. Aus verborgenen, angrenzenden Räumen sprachen ganz reale Personen zu dem der Vorstellung beiwohnend Publikum. In abgewandelter Form, „als göttliche Stimme“, findet sich diese Vorgehensweise auch bei den Memmonsäulen im ägyptischen Theben. Der griechische Philosoph Anaxagoras protokolliert, dass die eine Statue „mit künstlicher Stimme singe“ während die andere ihr „andächtig lauschen“ würde. Bei nähere Betrachtung dürfte sich wohl auch hier ein Sänger, vermutlich in der Säule selbst, in der Nähe befunden haben, der seine gesanglichen Künste unsichtbar für die Vorbeikommenden und zu deren Erbauung vorgetragen haben dürfte.


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