Dresdner Missions-Hilfsverein (2. Auflage)/ Die Familien von Hoym und von Schönberg auf Hermsdorf/ Geschichte von Hoym
Erscheinungsbild
Mittelalter
[Bearbeiten]- 961 erstmals urkundlich erwähnt
- Schreibweise von Hahem, Hohem, und Hogem zu Hoygem
- Wasserschloß wahrscheinlich 1038 erbaut
- am westlichen Ufer der Selke - östlich der Burg floß die Getel von Osten her nach Norden an der Burg vorbei, bevor sie unweit der Burg in der Selke mündet (diese Situation liegt noch heute am Schloss Hoym vor)
- Stammsitz derer von Hoym, die 1191 urkundlich mit Berchtoldus de Hoym erstmals erwähnt wurden
- am 10. November 1195 Ersterwähnung des hier ansässigen Rittergeschlecht mit Cuno de Hoym
- 1301 in Hoym erwähntes älteres Castrum
- später Hoiem, Hoymb bis schließlich seit dem 16. Jahrhundert Hoym
1543 Stadtrecht
[Bearbeiten]- 1543 erhielt Hoym Stadtrecht und damit auch die Brauereigerechtigkeit
1603 Teil der Linie Anhalt-Bernburg
[Bearbeiten]- seit 1603 ist Hoym Teil der Linie Anhalt-Bernburg
- im September 1690 schlossen Fürst Viktor I. Amadeus von Anhalt-Bernburg (V.A.F.z.A.) und Elisabeth Charlotte Melander, Gräfin von Holzappel-Schaumburg und Fürstin von Nassau-Schaumburg, einen Heiratsvertrag für ihre Kinder Lebrecht (1669–1727) und Charlotte von Nassau-Schaumburg (1673–1700) ab
1692: Nebenlinie Anhalt-Bernburg-Schaumburg begründet
[Bearbeiten]- mit der Eheschließung zwei Jahre darauf (1692) wurde die anhaltische Nebenlinie Anhalt-Bernburg-Schaumburg begründet
- aus anhaltischem Besitz flossen 1692 die Ortschaften Belleben und Haus Zeitz, aber erst 1707 (1708) das Amt Hoym ein
- die schaumburgischen Anteile beschränkten sich auf Dörnberg und die uralte Laurenburg (um 1090 errichtet, was sehr früh für eine Hangburg ist - erste urkundliche Erwähnung war 1093)
- Lebrecht residierte zunächst auf der Schaumburg, bevor er 1721 das in diesem Jahr fertiggestellte Schloss Hoym als Residenz bezog
- am 7. September 1693 wurde dem Paar auf Schloss Schaumburg Viktor I. Amadeus Adolf von Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym geboren
- das Recht auf Mitherrschaft in der reichsunmittelbaren Grafschaft Holzappel führte zu Spannungen zwischen Fürst Lebrecht und seiner Schwiegermutter, die erst im Juni 1700 mit einer förmlichen Entschuldigung Lebrechts beseitigt werden konnten
- auch mit seinem älteren Bruder Karl Friedrich, der sich auf die Primogeniturordnung in Anhalt-Bernburg berief, kam es immer wieder zu Streitereien um einzelne Territorien, die sogar in militärischen Auseinandersetzungen und der Besetzung Hoyms mündeten
- nach dem Tod seiner Gattin im Jahr 1700 gelang es Fürst Lebrecht nicht, sich den Zugriff auf deren schaumburgisches Erbe zu sichern: Die Grafschaft Holzappel ging auf seinen ältesten Sohn über, der 1707 auch die Burg und Herrschaft Schaumburg erbte.
- nach dem Tod seiner Mutter 1700 erbte Victor mit 7 Jahren die Grafschaft Holzappel und nach dem Tod seiner Großmutter Elisabeth Charlotte von Holzappel-Schaumburg 1707 mit 14 Jahren endgültig auch Schloss Schaumburg
- 1708 bekam sein Vater Lebrecht, der zuvor schon Haus Zeitz und Belleben bekommen hatte, zudem noch Hoym zugesprochen (aber keine Landeshoheit), da die Grafschaft Harzgerode an den älteren Bruder fiel
- 1709 kam es zur Gründung einer neuen Nebenlinie ohne volle Souveränität, dem Haus „Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym“, unter Fürst Lebrecht
- mit seiner Volljährigkeit im Jahr 1714 trat Victor I. die Regierung in Holzappel-Schaumburg an
- der Fürst vermählte sich am 22. November 1714 in Birstein mit Charlotte Luise zu Isenburg-Birstein (* 31. Juli 1680; † 2. Januar 1739), Tochter des Grafen Wilhelm Moritz zu Isenburg und Büdingen in Birstein
- 1714 bequemte sich sein Vater Leberecht dann um ein eigenes Domizil: das bestehende Wasserschloss Hoym wurde 1714 abgerissen (die Schlossanlage gehört seit 1603 zum Besitz des Adelshauses Anhalt-Bernburg)
- durch Johann Tobias Schuchardt wurde bis 1721 erbaut ein standesgemäßes barockes Schloss durch Johann Tobias Schuchardt erbaut, zeitgleich mit dem sogenannten Prinzenhaus (durch diesen Neubau wurde Hoym zur Residenzstadt des Fürstentums Anhalt-Bernburg-Hoym) - das Hofportal, welches den Zugang zum Schlossareal bildet, ist eine barocke Anlage, bekrönt durch eine Halbfigur des Fürsten Victor Amadeus von Anhalt-Bernburg (gest. 1718), begleitet von Jupiter, Prudentia, Minerva und Apollo
- ab 1721 war Hoym Residenzstadt des Fürstentums Anhalt-Bernburg-Hoym
- als Lebrecht 1727 starb, erbte Victor I. auch Anhalt-Zeitz-Hoym, das er mit seinem anderen Besitz in Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym vereinte
- die Streitigkeiten mit der Bernburger Hauptlinie um das Paragium Hoym, die bereits unter seinem Vater begannen, setzten sich während der Regierung Viktors I. Amadeus Adolf fort
Die reichsunmittelbare Grafschaft Holzapfel
[Bearbeiten]Peter Melander - 1606 von Holzappel, 1641 Graf von Holzappel
[Bearbeiten]- die reichsunmittelbare Grafschaft Holzapfel war ein Produkt des bedeutenden Feldherr im Dreißigjährigen Krieg, Peter Melander von Holzappel der als Feldmarschall und Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen einen Tag nach der letzten großen Feldschlacht dieses Krieges, der Schlacht bei Zusmarshausen, am 18. Mai 1648 in Augsburg seinen schweren Verwundungen erlag
- dieser wurde als Peter Eppelmann am 8. Februar 1589 in Niederhadamar als Sohn eines reitenden Landboten des Grafen Johann von Nassau-Hadamar geboren
- er wuchs nach dem Tod seines Vaters 1592 bei seinem kinderlosen Onkel Johann, einem Sekretär des Moritz von Oranien, in die Niederlanden auf (dieser hatte den Familiennamen Eppelmann ins griechische „Melander“ übersetzt)
- durch das Bemühen von Johann Melander wurde die Familie 1606 in den ritterlichen Adelsstand erhoben und übernahm danach den Namen „von Holzappel“ von dem ausgestorbenen Adelsgeschlecht „Holzappel von Voitsburg-Selzberg“ aus dem Raum Gießen (von der Burg Vetzberg: die einzelnen Familienzweige nannten sich mal „von Dernbach“, mal „von Vetzberg“ = Voitsperg, mit und ohne Zunamen wie, genannt Rode, Graul, Krig, Holzappel, Ruchschade oder Mul und verließen nach dem Ewigen Landfriede von 1495 die nun für sie nutzlos gewordene Burg)
- Peter Melander heiratete im Juni 1638 in Groningen Agnes (* 11. Mai 1607; † 1656), Tochter des Johann Wilhelm von Efferen genannt Hall, schwedischen Rats und Drosten zu Ravenstein, und Witwe des schwedischen Obersten Bernhard Bogislav von Platen (mit ihr hatte er sein einziges ihn überlebendes, eheliches Kind, die Tochter Elisabeth Charlotte, spätere Gräfin von Holzappel-Schaumburg, 1640–1707)
- Melander war zu seinen Lebzeiten ein hoch angesehener Kriegsherr, um dessen Dienste fast alle Kriegsmächte buhlten
- 1641 wurde er zum Grafen von Holzappel ernannt
1643: Freien Reichsunmittelbare Grafschaft Holzappel
[Bearbeiten]- durch seine hohe Stellung im Dreißigjährigen Krieg reich geworden, erwarb Peter Melander 1643 für 64.000 Taler die Herrschaft Esterau mit der Vogtei Isselbach und Eppenrode vom Fürsten Johann Ludwig von Nassau-Hadamar, der in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten war und nach rund 700 Jahren in Familienbesitz dieses Land aufgeben mußte (die Esterau wurde schon um 950 urkundlich erwähnt, war eine der ersten Besitzungen des Hauses Nassau und unterstand im 11. und 12. Jahrhundert den Nassauer Grafen, deren Stammsitz seit etwa 1090 die Burg Laurenburg war - vermutlich sind sie die Nachfahren der Herren der Alten Burg von Lipporn, die bereits 881 in einer Urkunde der Abtei Prüm als Besitzer von Teilen des Lipporn-Laurenburger Erbes genannt wurden und um 950 von Herzog Herrmann von Schwaben die Esterau erhielten)
- Kaiser Ferdinand III. erhob die kleine Herrschaft kurz darauf zur „Freien Reichsunmittelbaren Grafschaft Holzappel“, womit Melander Mitglied des Wetterauischen Reichsgrafenkollegiums wurde
1648: Erbgräfin Elisabeth Charlotte unter Regentschaft ihrer Mutter Gräfin Agnes
[Bearbeiten]- durch Menanders Tod wurde seine seine Tochter Elisabeth Charlotte (1640–1701) zur Erbin bestimmt - da diese jedoch minderjährig war, trat Melanders Witwe und Elisabeths Mutter, die geborene Gräfin Agnes von Effern († 1656), als Regentin in das Erbe ein
- die Erbgräfin Elisabeth Charlotte heiratete 1653 mit 13 Jahren den doppelt so alten Fürsten Adolf von Nassau-Dillenburg und wurde somit Fürstin von Nassau(-Schaumburg)
1656: Grafschaft Holzappel-Schaumburg
[Bearbeiten]- Menander hinterließ ein Vermögen, das es seiner Frau Agnes im Jahr 1656 ermöglichte, die angrenzende Burg und Herrschaft Schaumburg für 40.000 Gulden von der verarmten Grafschaft Leiningen-Westerburg zu erwerben, womit die Grafschaft nun Holzappel-Schaumburg hieß - dabei war Holzappel reformiert und Schaumburg lutherisch (dieser Erwerb stattete die Grafschaft in Gestalt der Schaumburg auch mit dem zuvor fehlenden herrschaftlichen Gebäude aus)
1656: das Haus Nassau-Schaumburg regiert in der Grafschaft Holzappel-Schaumburg
[Bearbeiten]- Agnes starb noch im Jahr 1656; die Schaumburg verblieb im Besitz ihrer weiblichen Nachkommen: Haus Nassau-Dillenburg (1656–1707), Anhalt-Bernburg-Schaumburg (1707–1812), Habsburg-Lothringen (1812–1867)
- nach dem Tod von Agnes trat das Fürstenpaar Adolf und Elisabeth Charlotte von Nassau-Dillenburg die Herrschaft über Holzappel-Schaumburg an (die Grafschaft scheint in den folgenden Jahrzehnten aber keine wichtige politische Rolle im Vergleich zu den Dillenburger Kerngebieten gespielt zu haben)
1676: Tod von Fürst Adolf von Nassau-Schaumburg und Regentin von Holzappel-Schaumburg Gräfin Elisabeth Charlotte
[Bearbeiten]- nach dem Tod Adolfs 1676 wurde Elisabeth Charlotte Regentin von Holzappel-Schaumburg, während Nassau-Dillenburg weitgehend unter die Regentschaft von Mitgliedern aus dem Haus ihres Mannes fiel
- sie nahm 1677 Residenz auf der Schaumburg und ließ diese ausbauen, unter anderem durch die Errichtung eines neuen Wirtschaftshofs
- von 1683 an ließ sie in Cramberg Silbermünzen prägen
- 1688 erhob die Regentin den Hauptort, das Dorf Esten zur Stadt Holzappel, entließ die Bewohner aus der Leibeigenschaft und etablierte dort einen Wochenmarkt (1704 entstand dort ein neues Rathaus)
1701: nach dem Tod der Regentin Gräfin Elisabeth Charlotte wurde die Linie Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym begründet
[Bearbeiten]- das Haus Nassau-Schaumburg war in der männlichen Linie 1676 mit ihrem Stifter Adolf ausgestorben, weswegen nach dem Tod seiner Witwe im Jahr 1701 die Grafschaft aufgrund der Heirat seiner Tochter Charlotte von Nassau-Schaumburg (1672–1700) mit Lebrecht von Anhalt-Bernburg (1669–1727) an das Haus Anhalt-Bernburg ging
- damit wurde die Nebenlinie Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym begründet
- im Rahmen der Rheinbundakte 1806 wurde die Grafschaft Holzappel dem Herzogtum Nassau einverleibt und dort Teil des Amtes Diez (den alten Landesherren blieben noch standesrechtliche Vorrechte)
1812: Aussterben der Linie Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym - die standesherrlichen Rechte an der Grafschaft gehen an den Erzherzog Joseph von Österreich
[Bearbeiten]- die Nebenlinie Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym erlosch in der männlichen Linie am 24. Dezember 1812 mit dem Fürsten Victor II. - die standesherrlichen Rechte an der Grafschaft Holzappel-Schaumburg und die Eigentumsrechte an den dort befindlichen Gütern wurden über seine älteste Tochter Hermine an deren Ehemann, Erzherzog Joseph Anton von Österreich († 1847) und dann auf ihren Sohn, Erzherzog Stefan, vererbt
1848: Flucht des Erzherzogs von Österreich nach Schaumburg: Stefan fürst von Schaumburg
[Bearbeiten]- Stefan musste 1848 im Zuge der Revolution seine Heimat Ungarn verlassen und nannte sich deswegen in der Folge Fürst von Schaumburg
- er baute 1850–1855 die Schaumburg in neugotischer Form aufwendig zu dem heutigen Schloss Schaumburg um
1867: Die Grafschaft ging an den Neffen Prinze Georg Ludwig von Oldenburg
[Bearbeiten]- nach seinem kinderlosen Tod 1867 fiel die Grafschaft an seinen Neffen, den Prinzen Georg Ludwig von Oldenburg (1855–1939)
1887: Georg Viktor von Waldeck-Pyrmont bekommt die Grafschaft vom Reichsgericht zugesprochen
[Bearbeiten]- Georg Viktor (Waldeck-Pyrmont) erhob dagegen Einspruch und prozessierte bis zum Reichsgericht, das ihm 1887 in letzter Instanz Recht gab und ihm die Grafschaft zusprach
- die Grafschaft wurde 1918 aufgelöst.