Gitarre: Aufbau der Skalenformen

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C-Dur-Tonleiter Workshop
Die Major-Patterns
Akkordformen
Einführung in die Improvisation
Verwandte Kapitel
-
Weiterführende Kapitel
3-Notes-Per-String Skalen

Aufbau der Dur- und Moll-Skalen[Bearbeiten]

In diesem Abschnitt geht es darum, über einfache Lieder zu improvisieren, die in Dur- und in Moll gesetzt sind. Mit den Dur- und Moll-Skalen deckt man einen großen Bereich der Musik ab. Allerdings will ich gleich vorweg nehmen, dass damit lange nicht alles erfasst ist. Gerade beim Blues- und vom Blues beeinflusste Rock-Improvisationen werden noch andere Skalen verlangt. Und wenn du hoffst, in der nächsten Zeit in der Richtung zu improvisieren, dann muss ich deine Erwartungen etwas zügeln. Hier geht es erst mal um einfache Pop-Songs, und einfache Rocksachen, die nicht vom Blues beeinflusst sind, sondern in einer einfachen Dur- oder Moll-Tonleiter gesetzt sind. Und selbst beim Moll gibt es noch einiges mehr zu sagen, auf dass wir später noch genauer eingehen müssen (es gibt das natürliche Moll, das wir hier lernen, und noch das harmonische und Melodische Moll, wo später noch ein paar Töne hinzukommen.) Aber irgendwo muss man halt anfangen, und die folgenden Skalen bieten sich für den Einstieg in die Materie an.

Unser Ausgangsmaterial soll zu allererst die Töne der C-Dur-Tonleiter sein. Es ist eine gute Übung, sich diese Töne einmal auf einem Rechenblatt aufzuschreiben, und dabei die richtigen Abstände zu beachten.

C-Major-Scale on the fretboard.svg

Damit wir die Töne beliebig transponieren können, betrachten wir im Weiteren nur die Intervalle einer Dur-Tonleiter.

C = 1, D = 2, E = 3, F = 4, G = 5, A = 6, B = 7

Diese Intervalle können beliebig auf eine andere Tonart übertragen werden.

D = 1, E = 2, F# = 3, G = 4, A = 5, B = 6, C# = 7

Die nachfolgende Skala enthält alle Töne einer Dur-Tonleiter. Diese Skalengrundform lässt sich wie ein Barré-Akkord transponieren. (Stelle dir einfach vor, du würdest an irgendeiner Stelle der unteren Skala ein Capo anbringen.) Die Ziffer "1" gibt die Lage des Grundtones einer Dur-Tonleiter an. Du musst also nur die Skala so lange auf deinem Griffbrett hin und her schieben, bis die "1" auf dem gewünschten Grundton deiner Dur-Tonleiter zu liegen kommt, dann kannst du die Skala verwenden.

Scala Griffbrett.svg

Allerdings ist die komplette Skala über das ganze Griffbrett doch ein wenig zu viel des Guten, so dass man sie in sinnvolle Abschnitte unterteilt.

Moll-Skalen lassen sich von den Dur-Skalen ableiten[Bearbeiten]

Bevor du versuchst, dir die Intervalle der Moll-Skala einzuprägen, machen wir es uns für das Lernen etwas einfacher, indem wir anfangs jede Moll-Tonleiter als eine Parallele der Dur-Tonleiter betrachten. Die Orientierungspunkte (das Karree) die du gleich kennenlernen wirst, gehen so nicht verloren. Das einzige was man beachten muss, ist, dass der Grundton der Moll-Akkorde hier nicht mit der "1" beginnt, wie es eigentlich üblich ist, sondern mit der "6", da der Grundton eines Moll-Akkordes dem sechsten Ton der parallelen Dur-Tonleiter entspricht. Wer nicht weiß, wovon hier geredet wird, der sollte sich über Dur-Tonleitern und parallele Moll-Tonleitern schlau machen.

Also eigentlich dürften die Intervalle einer Moll-Skala nicht so gezählt werden:

6 - 7 - 1 - 2 - 3 - 4 - 5 - 6

sondern die Intervalle müssten richtigerweise so gezählt werden.

1 - 2 - 3b - 4 - 5 - 6b - 7b - 1

Zwar wären dann die Intervalle für die Moll-Akkorde richtig gesetzt, aber es würde einem für die Orientierung nicht viel bringen. Die Skalen würden dadurch kein bisschen übersichtlicher. Da ist es doch viel einfacher, wenn man sich merkt, dass die Dur-Skalen auch für die parallelen Moll-Tonarten passen. Wie das mit den Intervallen dann im Einzelnen aussieht, kann man auch etwas später noch nachholen.

Animation wird nicht mit ausgedruckt

In der Animation kann man sehr gut sehen, wie sich die einzelnen Skalenabschnitte überschneiden. Sofern man die einfachen Grund-Akkorde kennt, kann man die Skalen einer Dur-Akkord-Form zuordnen.

(Tipp: wenn alle Grafiken vollständig geladen sind, dann starte die Seite noch einmal. (Taste F5) Dann laufen beide Animationen synchron, was die Sache noch viel anschaulicher macht.)

Die 5 Dur-Skalenformen quer über das Griffbrett verteilt
Scala Griffbrett ani.gif
Die 5 Moll-Skalenformen quer über das Griffbrett verteilt
Scala Griffbrett moll ani.gif

Achtung: Nicht alles auf einmal lernen![Bearbeiten]

Alles auf einmal lernen zu wollen, ist recht anstrengend. Improvisieren lernt man nicht an einem Wochenende. Also plane dir für das Lernen und Üben genügend Zeit ein. Und rechne nicht damit, dass sich deine ersten Improvisationsversuche besonders gut anhören. Dass müssen sie gar nicht. Es soll nur halbwegs passen. Denn du sollst das Improvisieren ja nicht können, sondern lernen.

Alle Tonleiterskalen lassen sich jedoch in viele kleine Elemente zerlegen, die man dann sehr leicht wiederfinden und lernen kann. Aus den kleinen Elementen kann man sich dann wie bei einem Legospiel die Skalen zusammenbauen. Und damit kann man dann eine Skala nach der anderen erobern.

Orientierung auf dem Griffbrett[Bearbeiten]

Damit so eine Skala nicht einfach nur ein Punktbild bleibt, brauchst du einen Orientierungspunkt. Eine sehr gute Methode, sich auf dem Griffbrett zu orientieren ist es, die Intervalle (die du möglicherweise schon von den Akkorden her kennst) zu lernen.

Im Folgenden wird immer von einer einfachen Dur-Tonleiter ausgegangen, und nur die Intervalle berücksichtigt, welche zu der Tonika der Dur-Tonleiter passen. Die Tonika ist der Akkord, der genau so heißt, wie die ganze Skala. z.B. der G-Dur-Akkord ist die Tonika der G-Dur-Tonleiter. Wir haben also vor, die Dur-Tonart eines Liedes herauszufinden, und dann mit den Tönen der Dur-Tonleiter über das Lied zu improvisieren.

Damit man die Skalen besser vergleichen und zuordnen kann, werden nur die reinen Dur- bzw. Moll-Akkorde verwendet. In der Praxis kommen allerdings auch andere Akkordformen vor (7er, Sus-Akkorde etc.)

Suche das "Karree"[Bearbeiten]

Schau dir mal die Skala genauer an. Ignoriere mal alle Farben und Zahlen. Fällt dir irgendetwas an der Skala auf? Eigentlich sollten dir die Töne auffallen, die etwas dichter beieinander stehen bzw. zwischen denen kein leerer Bund ist. Dann sollte dir auffallen, dass meist zwei von den etwas enger stehenden Intervalle genau übereinander sind. Um überhaupt erst einmal einen Anhaltspunkt zu bekommen, wie man sich die Skalen einprägt, empfiehlt es sich das "Karree" (Quadrat)zu suchen.

Scala Carree.svg

Genauer gesagt suchst du in der Skala die kleinen Sekunden.

zur Wiederholung

Eine kleine Sekunde ist der Tonabstand von einem Bund zum nächsten;
und zwischen zwei Tönen einer großen Sekunde liegt immer noch ein Bund, welcher nicht gegriffen wird.
Es gilt nun dein besonderes Augenmerk auf eben diese kleinen Sekunden zu richten.
Also der Abstand zwischen 3 und 4 sowie der Abstand zwischen 7 und 1.

Zwischen B und C sowie zweichen E und F liegt keine weitere Taste mehr.

Auf einer Klavier-Tastatur kann man die kleinen Sekunden recht anschaulich für die Tonart C-Dur darstellen. Der Abstand der kleinen Sekunden bzw. die Halbtonschritte sollten einem aus dem Aufbau einer Tonleiter bekannt sein. Zwischen dem Ton E und F sowie zwischen dem Ton H und C (beachte, dass unser H im englischen B heißt) ist keine schwarze Taste. Auf dem Griffbrett der Gitarre ist zwischen den Tönen E/F sowie H/C kein Bund vorhanden. Und der Grundton C ist halt einer der Töne im Halbtonabstand. Im Zweifelsfalle musst du noch einmal die Wissenslücken über Tonleitern füllen.


Die kleinen Sekunden bzw. die Halbtonschritte lassen sich auf dem Gitarrenbrett gut als ein kleines "Karree" (Quadrat) visualisieren. Man findet es sehr leicht, und kann es sich von daher auch sehr leicht einprägen. Sobald man das "Karree" gefunden hat, findet man auch spielend leicht den Grundton der Dur-Tonleiter. (Vom Gitarrenspieler aus gesehen ist das immer die "1" rechts-oben vom "Karree"). Sobald man einen Grundton gefunden hat, findet man auch recht leicht die übrigen Grundtöne der Skala. Man kann sich dabei sehr gut an die Grundtöne der einfachen Dur- und Moll-Akkorde aus dem Lagerfeuerdiplom und Folkdiplom orientieren. (Siehe: C-Dur-Tonleiter Workshop)

Es ist hilfreich, wenn man weiß, wo die Grundtöne bei den einfachen Akkorden sind. Diese Grundton-Muster muss man auswendig können. Aber viel mehr musst du dann nicht mehr wissen, um eine Skala eindeutig einer Akkordform zuzuordnen. [1]


Von dem "Karree" aus lassen sich zwei Fingersätze ableiten

Fingersatz 1[Bearbeiten]

Das "Karree" ist bei diesem Fingersatz links.

Fingersatz Intervalle
Scala ZM K.svg Scala 71 2-34 5.svg

Übe diesen auf allen Saitenlagen

E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---|
D -|---|---|---|---|---|
A -|-Z-|-M-|---|-K-|---|
E -|-Z-|-M-|---|-K-|---|
E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---|
D -|-Z-|-M-|---|-K-|---|
A -|-Z-|-M-|---|-K-|---|
E -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|-Z-|-M-|---|-K-|---|
D -|-Z-|-M-|---|-K-|---|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|
Achtung!

Beim Übergang zwischen der G- und der H-Saite muss der untere Teil des Fingersatz um einen Bund nach rechts verschoben werden. (Warum? Später!) Zwischen der H- und E-Saite ist wieder alles normal

E |---|---|---|---|---|
H |---|-Z-|-M-|---|-K-|
G |-Z-|-M-|---|-K-|---|
D |---|---|---|---|---|
A |---|---|---|---|---|
E |---|---|---|---|---|
E |---|-Z-|-M-|---|-K-|
H |---|-Z-|-M-|---|-K-|
G |---|---|---|---|---|
D |---|---|---|---|---|
A |---|---|---|---|---|
E |---|---|---|---|---|

Auf welchem Bund du mit der Übung anfängst ist vollkommen dir überlassen. Übe vielleicht zuerst in einer höheren Lage (ab dem 5. Bund), wo der Abstand der Finger möglichst bequem ist. Später kannst du dann in tiefere Lagen (1-5) üben, wo du die Finger etwas mehr spreizen musst.

Wandere die einzelnen Töne rauf und runter.

Beispielsweise
|---------4-5-7-5-|-4------------------|
|-5-4-5-7---------|---7-5-4-5-7-5-4----|

Dann kannst du etwas mit den Intervallen herumspielen. (z.B. jeden 2. Ton überspringen...)

Aber beachte, dass du den ersten Fingersatz immer nur über 2 Saiten übst. Nicht mehr! Erst beim zweiten Durchgang kommt das nächste Saitenpaar dran, und dann das übernächste. Aber sei dir jedesmal bewusst, dass der erste Fingersatz jeweils nur über zwei Saiten geht.

Fingersatz 2[Bearbeiten]

Das "Karree" ist bei diesem Fingersatz rechts.

Fingersatz Intervalle
Scala Z RK.svg Scala 6 71-2 34.svg

Code:

E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---|
D -|---|---|---|---|---|
A -|-Z-|---|-R-|-K-|---|
E -|-Z-|---|-R-|-K-|---|
E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---|
D -|-Z-|---|-R-|-K-|---|
A -|-Z-|---|-R-|-K-|---|
E -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|-Z-|---|-R-|-K-|---|
D -|-Z-|---|-R-|-K-|---|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|
Achtung!

Auch beim 2. Fingersatz muss zwischen der G- und der H-Saite der untere Fingersatz um einen Bund nach rechts verschoben werden. Zwischen der H- und E-Saite ist auch hier wieder alles normal

E |---|---|---|---|---|
H |---|-Z-|---|-R-|-K-|
G |-Z-|---|-R-|-K-|---|
D |---|---|---|---|---|
A |---|---|---|---|---|
E |---|---|---|---|---|
E |---|-Z-|---|-R-|-K-|
H |---|-Z-|---|-R-|-K-|
G |---|---|---|---|---|
D |---|---|---|---|---|
A |---|---|---|---|---|
E |---|---|---|---|---|

Übergang zwischen der G- und der H-Saite[Bearbeiten]

Als Erinnerung kannst du dir ja noch einmal das Stimmen der Gitarre ins Gedächtnis rufen.

Tuning ADGHE5 ADGHE0.svg

Alle Saiten wurden im 5 Bund gegriffen und damit in reinen Quarten gestimmt. Daher sehen alle Fingersätze bei den Saiten, die in Quarten gestimmt wurden, gleich aus. Bloß von der G- auf die H-Saite wurde im 4. Bund gegriffen, also ist nur eine große Terz. Demnach haben die Intervalle zwischen den beiden Saiten G und H immer einen Bund weniger, was dazu führt, dass die Intervalle auf der H-Saite jeweils einen Bund weiter nach rechts rutschen.

"Normale" Intervalle zwischen den Saiten, die im 5. Bund gestimmt worden sind "Verrutschte" Intervalle zwischen der G- und der H-Saite
Scala 6 71 2-2 34 5.svg
(Ausschnitt)
Scala 6 71 2-2 34 5 GB.svg

Hier wird ein kleiner Vorgriff auf eine spätere Lektion gemacht. Dieses "Modul" benötigen wir um von einer Skalenform in die andere zu rutschen.(beachte die Animation oben).

Fingersatz 1 kommt über Fingersatz 2[Bearbeiten]

Der zweite Fingersatz folgt immer unmittelbar unterhalb dem ersten Fingersatz. (Natürlich nur, wenn über diesem Fingersatz noch weitere Saiten sind.)

Wie es zu den Bezeichnungen der Skalen kommt, das erkläre ich später. Soviel sei gesagt, dass es etwas mit der Position des Grundtons <1> zu tun hat.

F-Form
E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|-2-|---|-3-|-4-|---| \ Zweiter
D -|-6-|---|-7-|<1>|---| / Fingersatz
A -|-3-|-4-|---|-5-|---| \ Erster
E -|-7-|<1>|---|-2-|---| / Fingersatz 
Bb-Form
E -|---|---|---|---|---|
H -|---|-2-|---|-3-|-4-| \ Zweiter
G -|-6-|---|-7-|<1>|---| / Fingersatz
D -|-3-|-4-|---|-5-|---| \ Erster
A -|-7-|<1>|---|-2-|---| / Fingersatz
E -|---|---|---|---|---|
D-Form
E -|---|-2-|---|-3-|-4-| \ Zweiter
H -|---|-6-|---|-7-|<1>| / Fingersatz
G -|-3-|-4-|---|-5-|---| \ Erster
D -|-7-|<1>|---|-2-|---| / Fingersatz
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|
 

Wie du siehst, kommt jedesmal zuerst der erste Fingersatz mit dem "Karree" rechts, und dannach kommt der Fingersatz mit dem "Karree" links. Sie sind eigentlich genau untereinander. Nur zwischen der G- und der H-Saite kommt es jeweils zu einem Lagewechsel um einen Bund nach links. Ansonsten sind die drei Fingersätze gleich. Und das sollte doch das Lernen der Skalen erheblich vereinfachen.

Bis jetzt hast du nicht mehr zu lernen, als zwei Fingersätze, dass der erste vor dem zweiten kommt, und dass es zu einem Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite kommt. Diesen Lagenwechsel musst du bei allen zukünftigen Skalen mit einberechnen.

C-Form
E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---| 
D -|-2-|---|-3-|-4-|---| \ Zweiter
A -|-6-|---|-7-|<1>|---| / Fingersatz
E -|-3-|-4-|---|-5-|---| \ 1. Fingersatz 
G-Form
G -|---|-6-|---|-7-|<1>| / 2.Fingersatz
D -|---|-3-|-4-|---|-5-| \ Erster
A -|-7-|<1>|---|-2-|---| / Fingersatz
D -|---|---|---|---|---|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|

Natürlich fehlt die Hälfte des ersten oder des zweiten Fingersatzes, wenn es nach oben oder unten nicht weitergeht. Wie du vielleicht schon vermutest, hast du hier schon 5 Ausschnitte aus den fünf Skalen die wir uns noch etwas genauer ansehen werden. Du erkennst hoffentlich, dass du mit den 3 Elementen 1. und 2. Fingersatz und den Lagewechsel schon einen Großteil der Skalentöne erfasst hast.

Leider habe ich nicht für jede Skala ein passendes Übungsbeispiel parat, sondern ich muss dir die Übungen recht trocken vermitteln, aber ich hoffe du hast selbst schon eine wage Vorstellung davon, warum es sich lohnt, die Skalen mal im ganzen Zusammenhang zu lernen.

Aber alleine die Vorübung mit der C-Form reicht schon aus, um sich an den ersten Teil des Stückes Asturias von Albéniz heran zu wagen: Obwohl es ein Klassikstück ist, hört es sich auch auf der E-Gitarre ziemlich gut an. Das komplette Stück schafft man noch nicht, aber es macht selbst in einer extrem verkürzen Version etwas her. (Siehe die Übungen für die C-Form.)

Fingersatz 3[Bearbeiten]

Enthält kein "Karree"

Fingersatz Intervalle
Scala Z RK-Z K-ZM K.svg Scala 2 34-5 6-71 2.svg

Dieser Fingersatz ist gar kein eigenständiger Fingersatz. Der obere Teil des 3. Fingersatzes ist eigentlich der untere Teil des 2. Fingersatzes. Ebenso ist der untere Teil des 3. Fingersatzes gleichzeitig der Anfang des 1. Fingersatzes.
Wichtig an diesem Fingersatz ist der Übergang zwischen dem Ende des 1. Fingersatzes über die 5 und die 6 hin zum 1. Fingersatz. Es kommt beim 3. Fingersatz zu einem Lagewechsel nach links. Hier gilt es ganz besonders auf die Fingerstellung zu achten. Und auch wenn man nicht nur die Tonleiter rauf- und runterspielt (was man höchstwahrscheinlich am Anfang übt) bedarf es bei diesem "5-6-Übergang" immer einiges an Überlegung, bis man weiß, wie man die Finger am geschicktesten setzt.

Übe den Fingersatz in der obersten Saitenlage und eine Saitenlage tiefer!

E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|---|---|---|---|---|
D -|-7-|<1>|---|-2-|---|
A -|---|-5-|---|(6)|---|
E -|---|-2-|---|-3-|-4-|
E -|---|---|---|---|---|
H -|---|---|---|---|---|
G -|-7-|<1>|---|-2-|---|
D -|---|-5-|---|(6)|---|
A -|---|-2-|---|-3-|-4-|
E -|---|---|---|---|---|
Achtung!

Rutscht man mit dem 3. Fingersatz jetzt eine Saitenlage tiefer, dann müssen wir wieder den Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite einberechnen. Eben haben wir noch gelernt, dass es beim 3. Fingersatz zu einem Lagewechsel nach links kommt. Durch den Übergang zwischen der G- und H-Saite kommt es aber gleichzeitig zu einem Lagewechsel nach rechts. Also hebt sich der eine Lagewechsel durch den andren auf. Der Fingersatz wird durch den aufgehobenen Lagewechsel letztlich erleichtert, aber man muss anfangs doch ein wenig mehr überlegen, wie sich die einzelnen Lagewechsel auf den dritten Fingersatz auswirken.

E -|---|---|---|---|---|
H -|---|-7-|<1>|---|-2-|
G -|---|-5-|---|(6)|---|
D -|---|-2-|---|-3-|-4-|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|
E -|---|-7-|<1>|---|-2-|
H -|---|---|-5-|---|(6)|
G -|---|-2-|---|-3-|-4-|
D -|---|---|---|---|---|
A -|---|---|---|---|---|
E -|---|---|---|---|---|

Die Sache mit dem Lagewechsel beim 3. Fingersatz und dem Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite muss man immer berücksichtigen. Das mag sich beim ersten Durchlesen etwas kompliziert anhören, aber es reduziert den ganzen Aufbau der fünf Haupt-Dur-Tonleitern auf 4 Bausteine. Den 1. bis 3. Fingersatz und der Lagewechsel zwischen der G- und H-Saite. Das ist dann aber auch alles, was man rein vom formalen Aufbau wissen muss.

Jede der folgenden fünf Hauptskalen besteht tatsächlich nur aus den drei oben genannten Fingersätzen! Dieses sollte dir eigentlich das Lernen sehr erleichtern.

Als Spicker für den schnellen Überblick: media:Gitarre Haupt-Skalen-Akkkorde-Pentatoniken.pdf

Bestimme die Grundtöne[Bearbeiten]

Sobald man das "Karree" gefunden hat, kann man die Grundtöne ermitteln. Genau wie bei den Akkordformen lassen sich mit Hilfe des Grundtonschemas die einzelnen Skalen typisieren.

Animation wird nicht mit ausgedruckt
Hier sind alle fünf Akkordformen im Überblick.

Man übt aber eine Akkordform nach dem andern!

Crd Grundtonschema ani.gif
Crd Typ G.svg Crd Typ EF.svg Crd Typ D.svg Crd Typ CB.svg Crd Typ ABb.svg Crd Typ G.svg Crd Typ EF.svg Crd Typ D.svg

Diese Typisierung ist sowohl für Dur-Skalen als auch für Moll-Skalen möglich. Man muss nur wissen, wie der Akkordform aussieht.

Zusammenfassung[Bearbeiten]

  1. sobald man das "Karree" gefunden hat,
  2. kommt man sehr leicht in den 1. und 2. Fingersatz hinein.
  3. Bei jedem dieser Fingersätze lässt sich der Grundton der Tonleiter (und mit ein wenig Übung auch alle anderen Intervalle) sehr leicht bestimmen.
  4. Der 1. und 2. Fingersatz werden durch den 3. Fingersatz miteinander verbunden.
  5. Beim 3. Fingersatz kommt es normalerweise zu einem Lagewechsel nach links.
  6. Zwischen der G- und der H-Seite kommt es zu einem Lagewechsel nach rechts.
  7. Die Lagewechsel des 3. Fingersatz und der Lagewechsel des G-H-Saiten-Übergans können sich gegenseitig aufheben, was den Fingersatz vereinfacht.

Die 5 Dur-Skalenformen am Beispiel von C-Dur[Bearbeiten]

Die nachfolgenden Abschnitte zeigen, wie man die C-Dur-Tonleiter in Skalen unterteilen kann. Die Skalenformen lassen sich dann genau so wie ein Barré-Akkord in andere Tonarten transponieren. Bei den Skalen steht auch immer der Grundakkord als Barré gegriffen. Nicht alle sind einfach zu greifen, aber die Barré-Akkordformen erleichtern das Auffinden der Grundtöne der Skala.

Weiterhin wird die Grundskala mit angegeben, von der sich der Name der Skalenform ableitet. Zu der Grundskala bzw. der originalen Dur-Tonleitern gehören bestimmte Akkorde. Die meisten kennst du schon von einfachen Liedern her. Auch diese einfachen Akkorde könnte man in abgewandelter Form als Barré-Akkorde greifen. Dieses findet vor allem in aufwendigeren Solostücken ihre Anwendung. Die Skalen mit den dazugehörigen Akkorden werden zusammen bevorzugt von Jazz- und Klassikgitarristen eingesetzt. Jedoch erfordert dieses einiges an Übung und Erfahrung. Für dich dienen die Akkorde nur als Orientierungshilfe. Denn genauso wie man sich bei den einfachen Dur-Tonleitern an den Akkordtönen orientiert, so kann man sich auch bei der Improvisation mit den Skalen an den Akkordtönen orientieren.

Ausblick[Bearbeiten]

Auch wenn die 5 Hauptskalen grundlegend für die Improvisation auf dem Griffbrett sind, so decken diese 5 Skalen nicht alles ab, was einem bei der Improvisation über Dur- und Moll-Tonleitern begegnen kann.

Wir werden lernen, wie man von einer Skalenform in die Nachbar-Skalenform hineinsliden kann.

Dazu werden wir das Slidemodul verwenden, dass du ja schon in der Animation gesehen hast.

Scala 6 71 2-2 34 5.svg

oder zwischen der G- und H-Saite:

Scala 6 71 2-2 34 5 GB.svg

Damit wirst du in der Lage sein, quer über das ganze Griffbrett zu improvisieren.

Dennoch wird dieses immer noch nicht ausreichen, denn die 5 Hauptskalen bieten nicht immer einen günstigen Übergang zwischen Barré-Akkorden und Improvisation. Dafür wirst du lernen, dass man die drei Fingersätze (und folglich auch alle 5 Hauptskalen) überall um je zwei Bünde nach rechts oder nach links erweitern kann, wenn man dieses gerade gebrauchen kann.

Extension of the first and second fingering.svg
Extension of the third fingering.svg

Diesen Umstand machen wir uns für die Erstellung von 3-Notes-Per-String-Skalen zunutze, welche uns weitere Möglichkeiten eröffnen. (Insbesondere das Sweeping).

Scala 5 6 7-1 2 3-4 5 6.svg

Für diesen Fingersatz muss man die Finger etwas überstrecken. Außerdem kann man diesen Fingersatz nicht mehr so einfach nach rechts oder links um zwei Bünde erweitern, wie es beim ersten bis dritten Fingersatz bzw. den 5 Hauptskalen möglich war. Dafür kann man wesentlich leichter von einem Barré-Akkord in die Improvisation zu wechseln, egal, welche Funktion der Akkord inne hat (Tonika, Subdominante, Dominante oder deren Parallelen).

Somit wird man ganz allmählich auf modale Improvisation (Kirchentonleiter für die AST = Akkord-Skalen-Theorie) hingeführt.


  1. Diese Methode ist eigens von Mjchael ausgearbeitet worden.
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