Innere Medizin kk: durchfall

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 Durchfall ist ein sehr häufiges Krankheitsbild

Titel Krankheitsnummer ( ICD )[Bearbeiten]

Definition engl Bezeichnung + Abkürzungen[Bearbeiten]

Definition Diarrhoe:

  • Stuhlfrequenz > 3x/Tag und Stuhlkonsistenz breiig bis flüssig vermindert
    • 1x breiiger Stuhl ist noch kein Durchfall und bedarf keiner Diagnostik.

Einteilungen[Bearbeiten]

  • Akute Diarrhoe: Dauer < 2 Wochen.
  • Chronische Diarrhoe: > 2 Wochen.
  • infektiöse Diarrhoe
    • Viral ( Winter-) Durchfall
      • Noroviren
      • Rotaviren
    • Bakteriell , Bakterien Toxine
      • Campylobacter
      • Salmonellen
      • Clostridium difficile
      • Cholera
  • nichtinfektiöse Diarrhoe
    • CED (chronisch entzündliche Darmerkrankung)
      • Colitis ulcerosa
      • Morbus Crohn
    • Reizdarmsyndrom
    • Durchfall durch Sondennahrung
    • Abführmittelabusus oder -Überdosierung

Ätiologie Ursachen[Bearbeiten]

  • Nicht infektiöse Ursachen
    • Medikamente (Abführmittel, z.B. Lactulose, Magnesium oral, etc)
    • Chronisch-entzündliche Darmerkrankung
    • Durchblutungsstörungen (ischämische Colitis)

Epidemiologie Statistik Kosten[Bearbeiten]

Pathologie Pathophysiologie[Bearbeiten]

Symptome und Klinik[Bearbeiten]

Diagnostik[Bearbeiten]

Anamnesefragen[Bearbeiten]

  • Seit wann ?
  • wie oft ?
  • welche Konsistenz ? Schleimig , blutig , wässrig , eitrig, fettig
  • Erbrechen ? Fieber ?
  • Häufung im sozialen Umkreis (Familie, Altenheim). Reiseanamnese.
  • Alter/Umfeld/Arbeit/Unterbringung (Heim, etc): Norovirus, Rotavirus, ggf. Salmonellen.
  • Nahrungsanamnese (Kantine, Restaurant): Salmonellen Staphylokokken, Campylobacter, Listerien.
  • Medikamente (Antibiotika, auch Wochen zuvor!): Clostridium difficile, CMV.
  • Auslandsaufenthalt ?
  • Chronische Pankreatitis ?
  • Morbus Crohn oder Colitis ulzerosa bekannt ?

Differenzierung der Erregerwahrscheinlichkeit bei infektiöser Diarrhoe[Bearbeiten]

  • Virale Erkrankung (Noroviren, Rotaviren, Adenoviren, etc.):
    • meist im Winter
    • Wässriger Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, zum Teil Bauchkrämpfe oder auch Fieber.
  • Toxininduzierte Gastroenteritis (Staphylococcus aureus, Bacillus cereus, etc.):
    • Wässriger Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, selten Fieber, mäßige Bauchschmerzen.
  • Invasive Bakterien (Clostridium difficile, Salmonellen, Yersinien, Campylobacter, Shigellen, etc):
    • Wässrig, blutiger Durchfall mit Bauchschmerzen und Fieber
    • Salmonellen und Campylobater meist im Sommer
    • Clostr.difficile meist nach Antibiose

Stuhluntersuchung[Bearbeiten]

  • (ohne Auslandsaufenthalt) in Abhängigkeit von Anamnese und Wahrscheinlichkeit.
    • Stuhl auf Salmonellen, Campylobacter, Yersinien, Clostridium difficile-Toxin und/oder Noro-/Rotaviren.
    • Bei längerem Krankenhausaufenthalt („3 Tage“) lediglich Clostridium difficile-Toxin und bei Häufung Norovirus-Antigen.

Allgemeinaspekte der Stuhldiagnostik:[Bearbeiten]

  • Stuhlproben bis spätestens 10.00 Uhr ins Labor, dann ist innerhalb von 24 Stunden ein Ergebnis der Norovirus-PCR vorhanden!
  • Clostridium difficile-Toxin A/B ist instabil, somit sofort ins Labor bringen

und nicht über das Wochenende lagern (flasch-negative Ergebnisse).

Bei dringendem Verdacht auf (Clostridien-assoziierter) Pseudomembranöser Colitis: Sigmoidoskopie

Blutkultur[Bearbeiten]

Bei Fieber > 39°C Blutkultur

Therapie[Bearbeiten]

Standard[Bearbeiten]

  • 1 - 2 L Tutofusin iv / tag
  • Imodium  Loperamid Kapseln oral
  • Tiorfan  racecadotril
  • Merkblatt Durchfall
  • Vermehrte Salz und Flüssigkeitsaufnahme empfehlen

Literatur[Bearbeiten]

  • Cezard JP et al: Efficacy and tolerability of racecadotril in acute diarrhea in children. Gastroenterology. 2001 Mar;120(4):799-805.
  • Salazar-Lindo et al: Racecadotril in the treatment of acute watery diarrhea in children. N Engl J Med. 2000 Aug 17;343(7):463-7.
  • Turck D et al: Comparison of racecadotril and loperamide in children with acute diarrhoea. Aliment Pharmacol Ther. 1999 Dec;13 Suppl 6:27-32.

Hygiene[Bearbeiten]

  • Virale Erreger sind hochvirulent, teils kleinste Mengen sind ansteckend (auch z.B. durch Türgriffe!).
  • Clostridien werden auch als Sporen ausgeschieden, somit für die Desinfektionsmittel nicht zugänglich. Mechanische Reinigung (Hände waschen besonders wichtig) und Händedesinfektion.
  • Händehygiene, persönliche Schutzausrüstung, adäquate Reinigung, Desinfektion der Patientenumgebung.
  • Mundschutz zusätzlich wichtig bei Verdacht auf aerogene Ausbreitung,
    • hier insbesondere bei Erbrechen bei Noroviren (kurze Strecke),
    • nicht bei bakteriellen Infekten einschliesslich Clostridien.

Isolierung[Bearbeiten]

Eine Stuhlprobe allein ist nicht automatisch eine Indikation zur Isolierung (mit Arzt absprechen).

  • Räumliche Isolierung:
    • Sinnvoll bei Diarrhoe und Erbrechen oder starker Diarrhoe.
    • Wichtig bei unkooperativen Patienten, Kindern und starker Diarrhoe
      • (nicht bei einmaligem breiigen Stuhlgang).

Bei Indikation zur räumlichen Isolation sollten die Patientin auf einer Station zusammengefasst werden. Evt Kohortenisolation, aber nicht bei Verdachtsfällen.

Verlauf und Prognose[Bearbeiten]

Fälle[Bearbeiten]

Viele Fälle: Norovirus legt Krankenhaus lahm[Bearbeiten]

Im Krankenhaus Maria-Hilf in Bergheim wurden die Patienten und die Mitarbeiter so sehr vom Norovirus befallen, daß das Krankenhaus vorübergehend keine Patienten mehr aufnehmen konnte. Siehe http://www.ksta.de/html/artikel/1330512438024.shtml

Tausende Kinder in mehreren Bundesländern erkranken an Gastroenteritis nach Schulessen[Bearbeiten]

Siehe http://www.bild.de/regional/berlin/berlin/virus-in-schul-essen-26441494.bild.html Siehe auch http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/brechdurchfall-welle-erdbeerkompott-soll-hauptquelle-gewesen-sein-a-859784.html Für die Erkrankungen verantwortlich sind wahrscheinlich mit Noroviren verseuchte tiefgefrorene chinesische Erdbeeren. die Viren sind wohl bei der Herstellung der Erdbeeren und nicht während der Verarbeitung in Deutschland in das Essen geraten. Es waren rund 11 000 Kinder und Erwachsene in Kindergärten und Schulen erkrankt. Siehe: http://www.focus.de/panorama/welt/noroviren-in-erdbeeren-kantinenlieferant-sodexo-schuldlos-an-brechdurchfall-epidemie_aid_845738.html

2 Krankenhäuser in Schweslig Holstein wurden wegen Norovirusfällen gesperrt[Bearbeiten]

Geschichte der Krankheit[Bearbeiten]

Choleraepidemie in Hamburg 1892[Bearbeiten]

siehe http://www.spiegel.de/spiegelgeschichte/cholera-in-hamburg-1892-robert-koch-bekaempft-seuche-a-902530.html

Experten + Krankenhaeuser[Bearbeiten]

Selbsthilfegruppen[Bearbeiten]

Fragen,Anmerkungen[Bearbeiten]

Wann muß ein Patient im KH aufgenommen werden ?[Bearbeiten]

  • Diarrhoe mit Erbrechen,
  • Kreislaufinstabilität,
    • 1000 ml Tutofusin laufen lassen , und schauen ob er noch kreislaufinstabil bleibt
  • Unfähigkeit der oralen Rehydratation,
  • nicht gewährleistete häusliche Versorgung,
  • hohes Fieber > 39
  • hohe Entzündungswerte zb CRP > 10
  • Zeichen der (prärenalen) Niereninsuffizienz.
  • Komorbidität
    • Diabetes mellitus
  • Sono Abdomen ist hilfreich bei der Frage aufnahme ja nein
    • Ileus ? , Aszites? Darmwandverdickung ?

Wann muß man eine Stuhlprobe entnehmen ?[Bearbeiten]

Wann muß man einen Patienten isolieren ?[Bearbeiten]

Wann braucht der Patient ein Antibiotikum und welches ?[Bearbeiten]

  • bei Va Clostridium difficile Infektion
  • bei schwerer Allgemeinreaktion mit hohem Fieber und hohen Entzündungswerten.

Therapie in der Notaufnahme und wieder nach hause schicken[Bearbeiten]

  • Labowerte abnehmen und prüfen
  • 1000 ml Tutofusin iv
  • Imodium Kapsel oral
  • Merkblatt Durchfall mitgeben
  • Vermehrte Salz und Flüssigkeitsaufnahme empfehlen

Wann kann ein Patient wieder nach Hause ?[Bearbeiten]

  • Kein Erbrechen mehr
  • Kann ausreichend trinken und Salz aufnehmen
  • Fieber < 38
  • CRP < 10

Literatur[Bearbeiten]

Links[Bearbeiten]