Zum Inhalt springen

Linux-Praxisbuch/ KISS

Aus Wikibooks

KISS steht für Keep It Simple, Stupid, was soviel wie „Halte es einfach, Dummkopf“ bedeutet. Das KISS-Prinzip findet sich auch als Unix-Philosophie in Linux wieder. Diese Philosophie verleitete über die Jahre zahlreiche Unix-Entwickler zu diversen Aussagen oder Ableitungen, die sich im Kern jedoch meist auf das KISS-Prinzip zurückführen lassen. So gilt etwa für Unix-Programme meist der Grundsatz: „Mache nur eine Sache und mache sie gut.“

Unter Linux finden sich viele Programme, die eigentlich Unix-Programme sind. Daher gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten unter den vielen Linux-Distributionen und diversen Unix-Derivanten. Wer eine beliebige Linux-Distribution startet, oder eine der freien Unix-Varianten (etwa FreeBSD), stellt schnell fest, dass diese oft dieselbe grafische Oberfläche verwenden (z. B. Gnome). Gleichzeitig haben alle Unix-Systeme und alle Linux-Distributionen die „Gemeinsamkeit“, dass sie das eine oder andere auch ein wenig anders machen... (Mehr dazu unter #Warum gibt es überhaupt so viele Linux-Distributionen?)

KISS – Aller Anfang ist schwer...

[Bearbeiten]

Linux-Interessierte, -Anfänger oder -Umsteiger sind anfangs oft von die Vielzahl an Distributionen, die zur Auswahl stehen, geradezu überwältigt und wissen nicht, welche der vielen empfohlenen einsteigerfreundlichen Distributionen sie ausprobieren sollen.

Der wichtigste Tipp für Linux-Neulinge lautet daher: Nehmen Sie sich ein Beispiel an der Unix-Philosophie: KISS! Wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen, fangen Sie einfach irgendwo an!

Als einfachste Linux-Distributionen gelten 2025 (Auswahl):

  • Linux Mint
  • Ubuntu
  • Fedora

Diese Distributionen bieten auch die Möglichkeit, einen startfähigen USB-Stick als Live-Linux vorher einfach auszuprobieren – Sie müssen Linux also nicht gleich installieren, um es auf dem eigenen Computer auszuprobieren. Gleichzeitig haben Sie dadurch den Vorteil, sich mehr als eine Distribution erst einmal anzusehen – die Distribution, die Ihnen am besten gefällt, können Sie dann ja installieren.

Denken Sie daran: KISS! Wenn Sie sich nicht damit beschäftigen wollen, probieren Sie einfach eine der drei gelisteten Linux-Distributionen aus!

Die erste Hürde stellt der faktische Umstand dar, dass die internationale Sprache in der Welt der Computer Englisch ist. Viele Internetseiten, etwa zum Download von Linux oder die Dokumentation, sind daher auch oft nur auf englisch verfügbar. Obwohl das so ist, sind die meisten Linux-Distributionen auch lokalisiert auf Deutsch verfügbar und die großen Distributionen sind in aller Regel vollständig lokalisiert. Nur bei „kleineren“ Distributionen finden sich dazwischen auch oft englische Zeilen, die noch nicht lokalisiert wurden.

Die wirklichen Einstiegshürden für weniger Computer-affine Anwender stellen jedoch die allgemeinen Funktionsweisen von modernen Computern dar. Wer Linux installieren möchte, muss sich also als absolutes Minimum mit ein paar Details auseinandersetzen und ein paar Funktionsweisen des Computers lernen. Das geschieht automatisch, indem man sich mit der Installation von Linux befasst. Am Ende werden Sie daher folgende Fragen beantworten können:

  1. Wie übertrage ich ein startfähiges Abbild („boot image“ oder „ISO image“) auf z. B. einen USB-Stick, sodass dieser startfähig ist?
  2. Wie bringe ich meinen Computer dazu, dass er von diesem startfähigen Medium (dem USB-Stick) startet?
  3. Wie installiere ich Linux vom gebooteten USB-Stick, ohne dabei Windows zu löschen?
  4. Wie wähle ich beim Start aus, ob ich mit Windows oder Linux hochfahren will?

Wenn Sie einen Computer exklusiv mit Linux verwenden wollen, z. B. weil dieser ein älteres Modell ist, auf dem ein neueres Windows nicht mehr unterstützt wird, fallen die zwei letzten Fragen automatisch weg – dann ist die Installation von Linux am einfachsten.

Für das Erstellen des Installationsmediums (USB-Stick mit bootfähigem Linux) lesen Sie entweder

  • dieses Wikibook, oder
  • die Dokumentation der Distribution, die sie sich ausgesucht haben.

Keine Angst, es gibt auch Programme für andere Betriebssysteme, etwa Windows oder macOS, mit denen man ein heruntergeladenes „ISO“ bzw. Boot-Image ganz einfach auf einen USB-Stick übertragen kann, womit dieser dann als Boot-Medium funktioniert. Zum Übertragen des heruntergeladenen Abbilds („Image“) kann man unter Windows, teils auch unter macOS, z. B. folgende Programme benutzen:

Damit die Auswahl des ersten Linux für Sie ganz, ganz einfach ist:

Linux Mint

  • Download Linux Mint – wenn mit den Namen Cinnamon Edition, Xfce Edition und MATE Edition nicht anfangen können, nehmen Sie bitte einfach die erstgenannte. Cinnamon ist ein großartiger Desktop, auf dem sich vor allem Windows-Umsteiger auf Anhieb wohl fühlen sollten.

Da die offizielle Download-Seite und Dokumentation von Linux Mint nur auf englisch verfügbar ist, kann man getrost auf seriöse Seiten deutsche Computer-Magazine ausweichen, darunter:

Linux Mint selbst ist vollständig auf Deutsch verfügbar. Die Sprache wird bei der Installation ausgewählt.

Für Ubuntu Linux existiert auch nur eine englische Download-Seite, aber es gibt zahlreiche deutsche Wiki-Seiten, die beim Herunterladen und Installieren helfen:

Fedora Linux kann zwar auf einer ins Deutsche übersetzten Seite heruntergeladen werden, die Dokumentation ist aber auf englisch:

  • fedoraproject.org/de/ – wer bei Fedora einen speziellen Desktop haben will, kann sich einen der verfügbaren Spins herunterladen...

Schauen Sie sich bei Bedarf auch einfach YouTube-Videos an. Es gibt zahlreiche Videos, auch von renommierten Computerzeitschriften, die sich mit der Erstinstallation von Linux beschäftigen...

Für Windows-Umsteiger sei hier nur der Tipp erwähnt, dass es manchmal nötig sein kann, „Secure Boot“ im BIOS-Setup bzw. UEFI-Setup vorerst abzuschalten, sollte das Booten vom USB-Stick nicht gelingen. Im BIOS-/UEFI-Setup lässt sich auch die Boot-Reihenfolge festlegen.

Warum gibt es überhaupt so viele Linux-Distributionen?

[Bearbeiten]

Diese Frage stellen sich vor allem Umsteiger, meist von Windows oder macOS. Dabei ist diese Frage ganz schnell beantwortet: Weil sich jede Distribution auf etwas anderes spezialisiert hat, und weil jeder einen anderen Geschmack hat. So muss man nicht etwas nehmen, von dem irgend ein anderer meint, es wäre besser oder schöner, sondern man kann sich selbst das aussuchen, was man schöner findet und was besser für einen selbst passt.

Für den Einstieg ist es jedoch wichtig, sich nicht davon abschrecken zu lassen. So wird ein Einsteiger keine Profi-Distribution wie Arch Linux auswählen, bei der man sehr viel von Hand machen muss. Aber für Gamer könnte durchaus eine auf PC-Gaming spezialisierte Linux-Distribution interessant sein, während für Windows-Umsteiger wohl eine einfach zu bedienende „Allround“-Distribution die besser Wahl ist. Außerdem ist die Entscheidung über die verwendete Distribution ja nicht in Stein gemeißelt: man kann jederzeit auf eine andere Distribution – „ein anderes Linux“ – umsteigen.

Jedes Linux ist im Kern ein Unix-artiges System und folgt daher dem in den 1970er Jahren entwickelten Standard-UNIX System V. Auch FreeBSD, ein direkter Unix-Abkömmling, tut das. Die Unterschiede sind jedoch u. A. der verwendete grafische Desktop (wie beispielsweise Gnome, KDE Plasma, MATE, Xfce usw.) und der verwendete Paketmanager. Während ersteres vor allem das Aussehen und das Look & Feel betrifft, bestimmt der Paketmanager maßgeblich das Angebot an Software für die jeweilige Distribution, aber auch die Art, wie man als Anwender weitere Programme installiert. Aber auch hier gilt KISS: arbeiten Sie mit dem, was Ihnen Ihre Distribution bietet. Wenn sie irgendwann einmal Lust haben, was anderes auszuprobieren, werden Sie automatisch mit dem jeweilig anderen Paketmanager umzugehen lernen (müssen). Für die Windows-Nutzer unter Ihnen: stellen Sie sich das so vor wie den Wechsel auf eine neuere Windows-Version, etwa dem von Windows XP auf Windows 7, oder danach auf Windows 8/8.1 und später auf Windows 10. Immer wieder wurde die Art und Weise, wie man unter Windows Programme installiert oder wieder entfernt, oder wie die Einstellungen präsentiert werden, verändert. Bei Linux-Distributionen ist das sehr ähnlich, allerdings mit dem Unterschied, dass Sie die Entscheidung selbst treffen können: wenn Ihnen „das Neue“ nicht gefällt, werden Sie nicht zum Umstieg gezwungen.

Die vielen Distributionen bieten noch einen weiteren Vorteil: manchmal „läuft Linux nicht“ auf der jeweiligen Hardware. Wenn das der Fall ist, führt oft die Wahl einer anderen Distribution sofort zum Erfolg, und „Linux läuft doch“...

[Bearbeiten]