Mehr wilde Natur durch Gartenrenaturierung/ Pflegeplan

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Wer zum Beispiel Obst- oder Gemüseanbau betreibt (Kulturpflanzen) muß sich um Krankheiten, Schädlinge usw. kümmern. Hier ein paar Tips und Empfehlungen über gängige Maßnahmen im Garten.

Obstbäume[Bearbeiten]

Obstbäume brauchen Licht und gute Durchlüftung durch Trocknung gegen Pilzbefall.

Bäume im Allgemeinen haben eine sehr genaue Vorstellung ihres eigenen Volumens an Ästen und überwintern mit dem Wissen der Menge von Saft, die sie im Frühjahr/Herbst in die Äste treiben müssen. Brachiale Kürzungen an Ästen <4 cm Durchmesser des Apfelbaums, besonders der Krone, quittiert der Apfelbaum im Folgejahr mit ein paar wenigen Notblüten.

Also Apfelbäume beschneiden bzw. ausästen, solange noch frische Blätter wachsen, spätestens bis Herbst bei konstanten Plusgraden, die auch in der auf den Schnitt folgenden Woche fortbestehen, damit plötzlich auftretender Frost die Wunden nicht aufbrechen und ein gefährlicher Pilz[1] in den Baum eindringen kann. Auch ein Sommerschnitt ist nötig, wenn viele neue Triebe – auch Wassertriebe genannt – förmlich herausschießen, meist senkrecht, und der Saft nicht in den Früchten landet. Die Triebe ausbrechen: mit dem Daumen entgegen der Wuchsrichung direkt am Ast ruckartig abbrechen. Der dabei austretende Saft des Baumes verschließt die Wunden innerhalb einer Woche. Falls es nicht recht gelingt eine kleine Astschere nutzen und möglichst glatte Schnitte machen. Nach dem Schnitt fällt mehr Sonnenlicht und Luft ein, und der Baum trocknet leichter ab.

Apfelblüte (Ende April, Anfang Mai) durch Klimawandel verschoben: Die jahrzehntealten Wetterbeobachtungen der Obstbauern im Alten Land sind, bis auf den Einfluß der Elbe, auch auf diese Region (südliche Niedersachsen) übertragbar. Sind Januar, Februar und März sehr mild, ist die Blütezeit bereits zwei Wochen früher als sonst. Ist es im April sehr kalt, kommt es immer häufiger zu Frost- und Hagelschäden an den Blüten oder es mangelt hier vor Ort gar an Bestäubern. Riesige Plantagen im alten Land werden gegen Ernteausfall so behandelt: Noch geschlossene Apfelblüten werden bei Frost in großem Stil mit Wasser besprüht. Kleine Eiszapfen hängen dann an den Blüten. Der Einschluß im Eis bewirkt eine Isolation der Blüte mit +0,5° C.

Äpfel pflücken: immer 180° nach oben (Senkrechte) drehen, sonst bricht eventuell der Stiel am Apfel ab. Essbares, erstes Fallobst gibt es schon ab Mitte Juli.

Tip: Ganz anders Kirschbäume: kann man rigoros um 4 m (!) kürzen, sogar während der Ernte! Man benötigt lediglich eine Leiter und eine Säge, und nichts weiter als das Wissen über den erstaunlichen Selbstheilungsprozess des Baumes. Einzige Folge ist, daß der Baum mindestens 10–20 cm hinter dem Schnitt den Ast vertrocknen lässt – Baumharz ist hier nicht nötig, um Wunden zu schützen. Diese Prozedur kann man alle paar Jahre durchziehen.

Diverse[Bearbeiten]

Kopfweiden sind Nutzpflanzen und brauchen lebenslänglich Pflege: Korbweide (Salix viminalis) und Mandelweide (Salix triandry) müssen spätestens alle 3 Jahre zwischen Februar und Ende März zurückgeschnitten bzw. -gesägt werden. Sehr schnell wird man nicht mehr Herr der Lage und der Baum kann geschädigt, gar gespalten werden oder einzelne Äste brechen aufgrund ihres Eigengewichts ab. Die über 4 m langen Weidenruten sind je nach Durchmesser für allerlei nützliche Dinge gut. (Spaliere, Flechtwerk, Besen, Pfosten, Stiele, Ruten, Nisthilfen für Solitärbienen z. B.)

Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii), auch Schmetterlingsbaum genannt, kann im März rigoros auf 1,5 m Höhe heruntergeschnitten werden. Das Grün des Buschs stirbt bei starkem Frost unter -10°C langsam ab, erholt sich in der Regel aber stets. Tip: Ist die erste Blüte an der Spitze eines Zweigs gerade verblüht kann sie über den zwei Seitentrieben abgeschnitten werden. So stoppt man die Energie zur Samenausbildung und nötigt zwei weitere Blüten heraus. Da freuen sich die Schmetterlinge über nektarreiche Blüten in den August hinein.


Alle Rosenarten müssen regelmäßig zurückgeschnitten werden. Die Zitronenmelisse ist sehr vermehrungsfreudig und ist ein Verdränger. Ebenso die Seitentriebe des Ranunkelstrauchs: jährlich mit einem Spaten am Strauch abstechen und samt der Wurzel herausziehen.

Farnkraut bedarf großer Aufmerksamkeit. Es breitet sich permanent und mit starkem Wuchs unterirdisch aus. Unbedingt sind auch hier die Wurzeln mit auszugraben! Von woher die Ausläufer kommen, ist klar. Also am äußersten Ende die Pflanzen mit einer Mistgabel an drei Seiten anheben und vorsichtig mit dem im Erdreich steckenden Wurzelballen langsam herausziehen und gleichzeitig in der Senkrechten schütteln. In dieser Art bis zur Gesellschaftsgrenze zurückverfolgen und die Wurzeln dabei solange möglichst nicht abreissen lassen. Trennen Sie das Grün von den Wurzeln und legen Sie es auf dem Erdreich ab. Die Wurzeln gut ausklopfen. Lassen Sie die Wurzeln an einem geeigneten Ort richtig durchtrocknen, bis diese dann auf dem Kompost landen.

Der im Volksmund heimische Sauerampfer, eine Staude und Ruderalpflanze, durchlüftet den Boden zwar mit 1,5 m tiefen Wurzeln, breitet sich allerdings explosionsartig und mehrere Jahrzehnte nachhaltig aus (auch: Ampferplage)! Bis zu 7000 Samen (Nussfrüchte) einer Einzelpflanze sind möglich und sie sind bis zu 50 Jahre keimfähig! Bekämpfung der Jungpflanze mit nur 3-4 Grundblättern: Angraben und mit Wurzel ausstechen bzw. ziehen! Sie können die Pflanze dulden, denn sie ist Futterpflanze für 9 Arten Nachtfalter. Die Samenstände sollten jedoch, mit Ausnahmen, während der Blüte abgeschnitten und möglichst in der Mülltonne entsorgt werden.

Minzen oder stickstoffliebende Pflanzen wie Brennnesseln, Quecken (Gras) und Giersch verdrängen mit ihrer Vergesellschaftung nahezu alles andere. Im Garten kann man diese drei zähesten Pflanzen, die es hierzulande gibt, nur im Zaum halten, indem man sie mit Wurzeln aufmerksam ausgräbt. Jedes auch nur kleinste Wurzelstück bringt in kürzester Zeit eine neue Pflanze hervor. Ebenso verfahren wie bei Farnkraut. Bei der Brennnessel, wenn sie ca. 50 cm hoch steht, am Fuß der Pflanze mehrere Stengel packen – Stulpenhandschuhe anziehen.

Thymian schneiden im Frühjahr: Unbedingt die verholzten Zweige stehenlassen, da sonst die Pflanze nicht mehr austreibt und stirbt. Im Winter reichlich mit Zweigen schützen.


Die Zäune zum Nachbarn bzw. zur Straße/Fußweg sind mit gut 30 cm frei zu halten. So gibt es niemals Grund zum Ärger.

Rasenmähen ohne Vorratsbehälter je nach Vegetationsaktivität alle 4−8 Wochen mit 60 mm Schnitt. So kann besser die Feuchtigkeit im Boden gehalten werden, und ein paar Pflanzen können ausblühen (weißer Klee, Gänseblümchen, Ferkelkraut und Spitzwegerich). Größere Placken Gras etwas zerstreuen – sonst ersticken sie den Rasen.


Alle Vogelnisthilfen müssen gegen Anfang November gereinigt werden. Nur Ausfegen – keine chemischen Putzmittel oder Ähnliches benutzen. Gummihandschuhe und gegebenenfalls eine Staubschutzmaske benutzen und alte Nester vergraben (Parasitenbefall)!

Den Bruthilfen für Solitärbienen ist in diesem Buch ein eigenes Kapitel gewidmet.

Eine Kunststofftonne für Regenwasser darf, sei sie auch nur marginal mit Wasser gefüllt, niemals dem Frost ausgesetzt werden. Sie wird von der Ausdehnung des Eises gesprengt und zerstört. Rechtzeitig gesäubert und trocken ruht sie den Winter über im Gartenhaus. Ein Fliegennetz am oberen Rand schützt vor gröberen Schmutz aus der Dachrinne, und hält lästige Insekten von der Eiablage fern. Einfach mit einem alten Fahrradschlauch festklemmen – geht sehr gut bei 210–Liter–Tonnen.

Plastikmüll: Nach jedem Jahreswechsel ist der Garten auch nach Plastikteilen von Feuerwerkskörpern abzusuchen. Jedes – von Hand durchgewühlte – Stück Erde wird somit über die Jahre von naturfremden und hochgiftigen Gegenständen wie z. B. Zigarettenkippen etc. möglichst frei gehalten. Nikotin z. B. – ein Zellgift – und andere Rückstände aus achtlos fortgeworfenen Zigarettenfiltern werden von Pflanzen aufgenommen und angereichert.

Biotope[Bearbeiten]

Während in einem Teich stets Fische leben, versteht man unter einem Wasserbiotop ein stehendes Gewässer ohne Fische.

Wasserbiotop

Ein Wasserbiotop ist Dreh- und Angelpunkt für viele Tiere der Umgebung, vor allem für Vögel. Hier wird gebrütet, gebadet, geputzt, getrunken, gejagt, gepickt und gestritten...! Dennoch, es ist – von Menschen gebaut – ein künstliches Gewässer und die Natur belässt es nicht so wie es ist: Es wird zuwachsen und verlanden.

Ein naturnahes Wasserbiotop wird nach dem Aushub von Erde entweder mit einer trittfesten, wasserdichten Ton- oder Steinschicht unterfüttert. Bauen Sie eine Tiefwasserzone ein die mindestens 1,5 m tief ist. Falls ein Wasserbiotop aus Kunststofffolie gebaut wurde: Sichtbare Teichfolie ist der UV Strahlung der Sonne ausgesetzt und entläßt im Laufe der Jahre die Weichmacher im Kunststoff in die Luft und wird spröde. Spitze Steine am Grund können bei Begehung Löcher in die Folie treiben.

An der Wasserkante sollte darauf geachtet werden, daß nicht nicht allzuviele Pflanzen aus dem Wasserbiotop trinken. In wenigen Jahren bilden sich Überhänge aus Erde, Moos, Gräsern und Wurzeln und manche Planzen dominieren und ersticken andere Ufergewächse. Mädesüß z. B, eine Sumpfpflanze mit zähen, rötlichen Wurzeln, bildet schnell große Gesellschaften aus.


Die Beschattung durch einen Weidenbaum z. B. hilft bei anhaltender Hitze. Im Gegensatz zu einem fließenden Gewässer gerät ein stehendes viel schneller in einen gewissen Temperaturbereich, der einen akuten Sauerstoffmangel auslöst. Dieser lässt in der oberen Wasserschicht (Epilimnion) so viel Algen (sog. Algenblüte) durch Licht und Wärme wachsen bis das die Verwerter [2] und die Abbauer [3] dieser massiven Biomasse nicht mehr Herr werden. Der natürliche Kreislauf ist gestört, das Gewässer kippt um, riecht faulig. Das Wasserbiotop stirbt ab.

Die blaue Hufeisen-Azurjungfer

Besorgen Sie sich nur heimische Wasser, Sumpf- und Uferpflanzen für den Start. Das gilt auch für Wassertiere wie Schnecken, Würmer etc.

Im Wasserbiotop selbst müssen mindestens einmal pro Jahr, möglichst bis Ende März, freie Wasserflächen geschaffen bzw. zurückgewonnen werden, denn es wächst mit rasender Geschwindigkeit zu. Nach dem Herbst werden sich jede Menge Blätter darin finden. Das Wasserbiotop befindet sich in Balance, wenn 60 % der Wasserfläche sichtbar gehalten werden.

Das Volumen aus zähem Wurzelgeflecht und Planzen kann schnell sehr viel Arbeit bedeuten. Das auffällige Sumpfgras ist zu entfernen, gänzlich zu trocknen und dann zu kompostieren. Es breitet sich sehr schnell aus, bildet schwimmende Gärten und erstickt alle anderen Pflanzen bis zum kompletten Zuwachsen bzw. Verlanden des Wasserbiotops. Je mehr Pflanzen im Wasser, desto höher der Wasserverbrauch.

Schlupf der Blaugrünen Mosaikjungfer an Wasseriris

Sinnvoll ist eine automatische Bewässerung durch den Abzweig einer Regenwasserrinne eines nahestehenden Hauses oder z. B. einem Überlauf einer oder gar mehrerer Wassertonnen bzw. Speicher. Beobachten Sie bei starken Regen das Versickern des überlaufenden Wassers an den Rändern oder einer vorbestimmten Stelle. Dort können Sie Sumpf bzw. Feuchte liebende Pflanzen ansiedeln.

In das Wasserbiotop gelangen im Laufe der Zeit alle möglichen Wassertiere und Pflanzen ganz von allein über den Wind, Vögel und wandernde Tiere (z. B. Frösche) auch ohne menschliches Zutun in den neuen Lebensraum.

Im Laufe der Jahre wimmelt von Insekten darin, z. B. Wasserläufer, Wasserkäfer oder Libellenlarven.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Obstbaumkrebs (Neonectria ditissima)
  2. Zooplankton in der mittleren Wasserschicht (Thermokline)
  3. Bakterien in der unteren Wasserschicht (Hypolimnion)


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