Mehr wilde Natur durch Gartenrenaturierung/ Plagen & Schädlinge – Nützlinge & goldene Regeln

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Wegschnecken[Bearbeiten]

Prinzipiell sind Schnecken Nützlinge. Jedoch ist die größte Plage, die man sich in Europa vorstellen kann, der Fraß der 1969 in Deutschland eingewanderten bzw. eingeschleppten Spanischen Wegschnecke (Arion vulgaris), Nacktschnecke (Neozoe, Erwachsen in diversen Farben: Dunkelbraun, hellbraun, rotbraun, orange - auffällig schwarze Augen, Fühler und Mundwerkzeug, bis 14 cm Länge!)...

Beachte den Link des Bundesamtes für Naturschutz. Dort sind Bilder der auffälligen Jungtiere zu sehen, die sich in Farbe und Zeichnung gänzlich von den erwachsenen, Spanischen Wegschnecken unterscheiden (siehe auch unter Weblinks und Informationen)!

Diese Nacktschneckenart ist der Feind No. 1 aller Bauern und Gärtner. Sie fressen alles, sogar Hundekot. Um die Anzahl an Wegschnecken im Rahmen zu halten, drei goldene Regeln:

1. Jagdzeit ab April/Mai

ist bei Beginn der Dämmerung bis zum Morgengrauen. Eine LED-Stirnleuchte bedeutet zwei freie Hände. Je feuchter und wärmer die Nacht, desto mehr Schnecken sind unterwegs. Töten mit spitzem Messerstich zwischen Atemloch (rechts) und Augen bzw. Fühleransatz. Dort sitzt das zentrale Nervensystem (Celebralganglion). Danach unbedingt tief vergraben. Verbleiben die Toten an der Oberfläche, werden nur weitere Schnecken angelockt, denn sie sind Kannibalen und fressen nichts lieber als ihre eigenen Artgenossen. Überbrühen mit kochendem Wasser oder Bierfallen bedeuten eine unglaublich sinnlose Quälerei für die Tiere. Bei Gefahr oder im Todeskampf versuchen sie sich u. A. durch Ausschleimen zu schützen. Falls Sie glauben, daß auch die kleinsten Geschöpfe keinerlei Sinne oder Emotionen wie Angst, Panik oder Schmerz empfinden, haben Sie sich gewaltig getäuscht! Falls ein starker Befall vorhanden ist, kann man die Bejagung über den August (Hochzeit) fortsetzen.

2. Den Garten niemals am Abend wässern.

Damit wird die Reichweite der feuchtigkeitsliebenden Schnecken noch begünstigt und gesteigert.

3. Falls Sie Ihren Gemüseacker doch gerne umgraben,

dann ist der Spätherbst dafür eine gute Zeit. Mit dem Umgraben werden die Schlaf- bzw. Bruthöhlen zerstört und Eigelege erfrieren mit dem einsetzenden Frost.
Tigerschnegel

Am Leben gelassen werden alle anderen Arten: Der Tigerschnegel z. B. (braun-weiß gefleckte Färbung, 13 cm lang). Er ist ein nützlicher Feind der Spanischen Wegschnecke: Er frisst deren Gelege/Eier! (Bei Züchtern zu kaufen!) Eine äußerst seltene, nützliche heimische Nacktschnecke aus der Familie der Schnegel!

Oder ähnliche Arten. Auch Gehäuseschnecken – da diese am liebsten Totholz vertilgen (Nützlinge). Die eher harmlosen Gehäuseschnecken (Bänderschnecken) sind schwarz-gelb gebändert, erschienenen aber auch in weiteren, schönen Farben wie Rosa, Gelb, Braun, Zartgrün – ohne Bänder (einfarbig). Leider haben sie hier einen natürlichen Feind. Ab Monat Mai zertrümmert die Drossel, ein Zugvogel, die Gehäuse auf Steinen, und kommt somit in den Genuss des Fleisches. Dann liegen plötzlich auffällig viele leere Teile von Schneckenhäuschen herum.

Die Haltung von Japanischen Laufenten ist nicht zu empfehlen. Da die Schnecke ja dämmerungs- bzw. nachtaktiv ist, greift die Laufente tagsüber sehr schnell auf Ihr Gemüse zurück. Außerdem müssten Sie die Enten zur Nacht schnell wieder einfangen: ein schwieriges Unterfangen.

Das Einrahmen der Beete mit abgewinkelten Blechrahmen ist teuer.

Ein weiterer Nützling ist und bleibt die Weinbergschnecke. Sie frisst die Gelege der Wegschnecken auf, sofern ihr Gehäuse sie nicht dabei behindert, verschmäht aber weitestgehend das Gemüse. Die beiden Wegschnecken haben außer dem Menschen wenig direkte Feinde. Deswegen ist die ungehinderte Ausbreitung schon als invasive Katastrophe zu verstehen. Ob Igel Wegschnecken verschmähen, ist mir nicht bekannt.

Bei der meiner Übernahme des jahrelang verwaisten Gartens hatte sich eine immense Plage durch Wegschnecken eingestellt. Einige Quadratmeter wurden innerhalb einer Nacht aufgefressen. Es wimmelte nur vor gefräßigen, zwölf Zentimeter langen Exemplaren.

2014–2015 habe ich konsequent jeden Tag in der Schneckensaison eine Runde ca. 30 Minuten lang täglich im Garten gejagt, und in einer lauen Sommernacht gar über 100 Wegschnecken erlegt. Nach dieser Jahresaktion Völkermord sei nun die Population wohl recht überschaubar geworden – dachte ich zumindest. Aber weit gefehlt. Ich mußte noch ein zweites Jahr dranhängen.

Eier, Jungtiere und Erwachsene überleben den Winter! Schlüpfen die Jungschnecken aus ihren Eiern, tragen erwachsene Tiere bereits neue Eier am Hinterleib. Es ist also unmöglich, den Kreis einer Generation Spanischer Wegschnecken erfolgreich zu unterbrechen. Zwei Jahre Bejagungsdruck ist bei starkem Befall sinnvoll. Wer die Zeit hat.

Gute Indikatorpflanzen für den Beginn eines Befalls sind: Junges Silberblatt, Bärlauch, Taubnessel, Beinwell, Osterglocken z. B! Zwischen April und Juli ist die effektivste Jagdzeit. Die Zwitter sind nach 3 Monaten geschlechtsreif. Meint: beide Tiere legen je bis zu 400 Eier.

Wenn nach langen Trockenphasen endlich Regen fällt, kriechen alle Schneckenarten sogar mitten am Tag herum. Geht man auf dem Pflaster bzw. Gehwegplatten um das Wasserbiotop, meint man bei jedem Schritt über Corn Flakes zu laufen: Es handelt sich um sehr kleine, nur linsengroße, schwarze Posthornschneckchen, die dann gern die Steine bevölkern und Algen abgrasen. Leider zertrampelt man so eine Menge unscheinbarer Nützlinge.

Es bleibt am Ende Ihnen überlassen, ob Sie überhaupt die Zeit haben, mitten in der Nacht aufzustehen, um eine halbe Stunde lang Nacktschnecken zu jagen. Es ist und bleibt jedoch die beste und sicherste Methode. Mein Tun hat man nur belächelt. Aber ich war erfolgreich und habe nur die Methode meinem Vaters adaptiert. Völlig giftfrei!

Tip: Warnung vor hochgiftigem Schneckenkorn! Informieren Sie sich mal darüber, was Sie sich und Ihren Mitessern da antun.

Mäuse[Bearbeiten]

4 Arten – nach Größe aufsteigend – sind hier im südlichen Niedersachsen anzutreffen:

Die furchtlose, fleischfressende, hellgraue Spitzmaus (Crocidura leucodon). Volksmund: sie gehört nicht zu der Gattung der Mausartigen!) Wenn sie die Chance hat, dann beißt sie sich in einem Finger deiner Hand fest. Dann hast du ein Problem. Sie selbst aber ist das kleinste Problem im Garten, eher gefährdet durch Neozoen oder dem Straßenverkehr.

2. Die kleine Rötelmaus (Myopes glareolus)

baut gerne ihre Nester unter den Holzstößen. Sie ist leider dafür bekannt, dass sie den zumeist tödlichen Hantavirus indirekt über getrockneten Kot und Urin über die Lunge oder direkt durch Speichel auf den Menschen überträgt. Zusätzlich kommen Fuchsbandwurm-Eier dazu. Sie ist ca. 10 cm lang plus 3 - 6,5 cm Schwanzlänge. Auffallend helle Füßchen, Rücken rotbraun bis fuchsrot, Bauchfell weiß bis grau.

3. Die Feldmaus (Microtus arvalis),

Schwanz circa 3 Zentimeter, weißer Bauch. Auffällige Laufwege im Rasen (Mäuseautobahnen). Ist eher harmlos.

4. Die hellbraune, leicht rötliche Scher- oder Wühlmaus (Arvicola terrestris),

3-4 cm kurzer Schwanz, hellgrauer Bauch. Die Maus ist selten zu sehen und nagt unterirdisch an Wurzeln aller Art – bis zum Absterben von Obstgehölzen. In der Nähe der Eingänge werden andere Leckerbissen abgenagt und sofort in den Bau getragen zum sicheren Verzehr.


Wühlmausplage: Gelegentlich werden Mausefallen gelegt, (kleine Schlagfalle mit Wippe, ca. 10 cm neben den Eingängen) wenn übermäßiger, überirdischer Fraß festgestellt oder auffällig neue Eingänge entstehen. Das kommt aber selten vor. Die Eingänge sind rund und vollständig sauber gehalten, also ohne Grün oder Wurzeln, und wenig bis gar kein Auswurf von Erde ist zu sehen. Der beste Köder ist ein Stückchen Apfel. Wühlmäuse lieben Äpfel – und Bienen, wenn sie in einen Stock gelangen könnten. Käse als Mäuseköder gehört in das Reich der Mythen! Wühlmäuse können ganzjährig bejagt werden. Die Zeiträume März–April und Oktober–November gelten aber als besonders effektiv. (Wanderungen & Geburten).

Wichtig: Legen Sie die Fallen (Ratten/Mäuse) nur in einem Behälter oder unter eine Steingut-Halbschale DN 200/DN 250, so das z. B. kein Vogel oder Igel getötet oder verletzt werden kann. Legen Sie unter beide Enden der Steingutschale je eine Falle und verstellen Sie die beiden Eingänge bis zu einem 7 cm großen Schlupfloch mit Ziegel-Steinen. Auf diese Art und Weise können Sie ganztägig bzw. ganzjährig jagen. Es ist gut möglich, mit fortschreitender zweiter Jahreshälfte mehr ausgewachsene Nacktschnecken zu erlegen als Mäuse. Die mögen ebenso gerne Äpfel – das Ergebnis auf einer ausgelösten Falle ist dann aber nicht unbedingt jedermanns Sache.


Es wird auch gerne Schokoladencreme als Köder benutzt. Mäuse mögen halt gern Süsses, genau wie wir. Es klingt bitter. Vielleicht liegt das stammesgeschichtlich an der nahen Verwandtschaft mit den Mausartigen. Deswegen werden die ja auch so gerne in Experimenten jedweder Art benutzt. Medizinisch, Psychologisch etc. Genau wie in Wald und Flur Rehwild und Wildschwein bejagt werden müssen, ist es leider zwingend notwendig, bei Plagen Fallen aufzustellen. Es gibt kaum noch Feinde, z. B. Greifvögel, Wiesel, Füchse (tagsüber) oder Eulen (des nachts), die in den Siedlungen der Menschen Mäuse bejagen.


Saure Buttermilch in den Bau der Nager gießen vertreibt die empfindlichen Nasen vermutlich für Tage oder ein paar wenige Wochen. Aber eine Vertreibung verlagert das Problem nur um ein paar Meter weiter bzw. zum Nachbarn. Und dumm sind die auch nicht: Ein paar stinkende Eingänge werden schlicht mit Erde dichtgeschoben und ein paar neue gegraben: Schon ist die Luft wieder rein.

Ein paar Mäuse sollten aber stets geduldet werden, denn wenn die Erdhummelköniginnen im Frühjahr erwachen, kann man sie dabei beobachten, wie sie die Erdoberfläche nach Mäuselöchern absuchen. Mutig krabbeln sie dort hinein, um im Innern ein Nest für die Brut zu bauen. Ist der Bau noch besetzt, stürzen sich Maus und Hummel in einen Kampf auf Leben und Tod. In der Regel flüchtet die Maus – kein Scherz. Es ist also sinnvoll, die Mäuselöcher offen zu halten. Wird der Bau von einer Königin besetzt, dichtet sie den Eingang mit Erde und Pflanzenmaterial bis auf ihre Körpergröße ab. Dann wissen Sie, das dort ein Hummelvolk entsteht.

Übrigens: Wenn der reife Apfel im Herbst vom Baum fällt, dann ist gewiss, daß die Maus bereits auf dem Weg zu ihrem Leckerbissen ist! Ratten dagegen klettern auf Obstbäume und pflücken selbst.

Ratten[Bearbeiten]

Wie viele andere Tiere werden auch Ratten durch Hunger und Wassermangel in die Nähe der Menschen getrieben. Der heiße, trockene Sommer 2018 ist ein guter Beweis.

Auch hier empfiehlt sich der Fang mit großer Schlagfalle. Köder sind Süßes (Äpfel, Schokolade), Fleisch oder Wurstwaren. Mindestens zwei Wochen Anfüttern hilft, Ratten sind sehr klug und misstrauisch. Auch hier gilt: Schlagfallen oder Giftköder nur in einem Käfig oder unter Steingut-Halbschalen aufstellen, mit passendem Schlupfloch mittels Ziegelstein verstellen, damit z. B. keine Igel bzw. Vögel erschlagen werden.

Unbedingt mit den Nachbarn absprechen. Gemeinsame Aktionen versprechen mehr Erfolg. Verendete Ratten an der Oberfläche luftdicht in eine Plastiktüte verpacken und in den Restmüll stecken. Stets Handschuhe benutzen, Hände waschen und Schlagfallen nach erfolgreichem Gebrauch mit kochendem Wasser reinigen.

Karnickel[Bearbeiten]

Karnickelplagen gibt es alle Jahre wieder. Ab und an reduziert eine bestimmte Krankheit (Myxomatose) den Bestand von selbst recht drastisch.

Im besagten Frühjahr 2018 sind ebenfalls die ersten Junghasen vor Hunger in die Gärten der Menschen hineingezwungen worden. Es gibt für sie in der industriellen Landwirtschaft einfach keine Kräuter mehr.

Spatzen[Bearbeiten]

Spatzen können bei guten Brutbedingungen zur Plage werden. Am liebsten brütet der Kulturfolger in unmittelbarer Nähe menschlicher Behausungen in einer großen Brutkolonie. Spatzen sind durch ihre hohe soziale Organisation und weil sie kaum natürliche Feinde haben, anderen Gattungen stark überlegen. Sie zeigen dominantes Verhalten. Der Allesfresser fällt in Schwärmen mit Riesengeschrei in die Gärten ein. Einige Stellen werden auch gerne zum Sandbaden gegen Parasiten genutzt. Die Verdrängung anderer Vögel durch den Menschen fördert die Generalisten, also Spatzen, Amseln und Saatkrähen. Sie sind dann die Letzten, die in den Standardgärten noch gut zurechtkommen. Spezialisten wie z. B. reine Insektenfänger verschwinden dann.

Pilzbefall[Bearbeiten]

Kartoffel & Tomate (beides Nachtschattengewächse) werden alljährlich von Pilzen befallen. Kommt es zu längeren feuchten Witterungsperioden, rafft die sogenannte Kartoffelfäule (Phytophthora infestans, Irland 1845) Kartoffel und Freilandtomate dahin. Das Kartoffelkraut bleibt in diesen Breiten nur bis zur Blüte noch gesund. Darum wird die Knolle der Kartoffelsorte Princess nicht mehr so groß wie gewohnt. Der Pilz ist überall, in der Erde, in der Luft. Die Bauern erwehren sich seiner mit dem Spritzen von Fungiziden, anders ist das in der industriellen Landwirtschaft gar nicht mehr zu bewerkstelligen. Im Garten gibt es nur eine Möglichkeit: die Planzen weiter auseinandersetzen, damit Erdreich und Kraut durch Belüftung gut abtrocknen können.

Beginnt das Kraut, grau zu werden, wird es stückweise entfernt und in den Hausmüll geworfen. Nach wenigen Tagen hilft diese Methode – Verletzung – dann aber auch nicht mehr, dann wird das Kraut ganz abgeschnitten. Die nicht ganz ausgewachsenen Knollen sind dadurch zwar etwas kleinemr aber nicht befallen, als Saatgut (Sorte Princess) weiterhin keimfähig und natürlich essbar – sogar schmackhafter.

Tip Saatgutkartoffeln: die Knollen etwas austreiben lassen und dann erst vorsichtig in die Erde legen. Ergibt einen Vorsprung von 2 bis 3 Wochen!


Bekommen die Tomaten braune Stellen, wird alles abgeräumt und in den Hausmüll verfrachtet. Der wird wenigstens verbrannt. Auch bei Tomaten hilft nur ein größerer Abstand zwischen den Pflanzen. Das hält den Befall geringfügig auf.


Äpfel: Die Luft im Sommer wird durch den Klimawandel häufig immer feuchter – das begünstigt die Erreger der sogenannten Fruchtfäule (Monilia). Nur eine kleine Verletzung der Schale – und in wenigen Tagen fallen die noch jungen, sauren Äpfel braun gefärbt und faul zu Boden. Jeweils mehrere Ringe mit Ketten Millimeter großer, weiß-brauner Pilzkörper umringen die faulen Stellen der Frucht. Das Einbohren bzw. die Beschädigung der Apfelschale durch die Apfelwickler-Raupen (volksmündlich: wurmstichig) gehen einher mit der Moniliainfektion. Damit wäre der Apfelwickler in allererster Linie zu bekämpfen.


Über heruntergefallene Äpfel freuen sich nur die Gemeinen Wespen. Die fressen den ganzen Apfel auf, und es bleibt nur noch die Schale übrig. Sonderbare, filigrane Gebilde, wenn man sie in Händen hält, nachdem sie von der Sonne getrocknet wurden – man nennt sie Fruchtmumien.

Selbst vereinzelte, vertrocknete Exemplare im und unter dem Baum sollten sofort, spätestens aber im Winter, entsorgt werden. Verletzte und zu dicht hängende Äpfel fördern die Fruchtfäule. Es ist unbedingte Hygiene einzuhalten, indem man all diese infizierten Früchte mit dem Hausmüll entsorgt. Niemals auf dem Kompost werfen, nur so vermeidet man eine weitere Ausbreitung der Infektion durch Sporen.

Vor hundert Jahren wurde das so gelöst: Eine zweiminütige Behandlung mit 53° C heißem Wasser inaktiviert zuverlässig alle Sporen, ohne die Äpfel zu schädigen.


Vergissmeinnicht, Kleinblütige Königskerze, Purpur Taubnessel und Futterklee werden auch von Pilzen (Mehltau) befallen, kommen damit aber insgesamt gut damit zurecht.

Apfelwickler[Bearbeiten]

Kurze Doppel-Vita über den dämmerungsaktiven Falter: zwei Generationen in Südniedersachsen pro Jahr! – Mai: Die Eier werden unter dem Blatt oder direkt auf den Apfel angeheftet. Ist die Raupe – auch Obstmade genannt – geschlüpft, bohrt sie sich durch die Apfelschale hindurch ins Kerngehäuse und frisst sich 3–4 Wochen lang voll. Dann seilt sie sich an einem Faden ab und oder sucht Zuflucht unter der Baumrinde – meist am Stamm oder in der Erde. Dort spinnt sie sich ein und verpuppt sich ca. zu je 50 % zur a. Erst- bzw. b. Überwinterungs-Generation. Die b. Überwinterungs-Generation bleibt über den Winter verpuppt. Die a. Erst-Generation schlüpft und fliegt im Frühling (ab Mai) und zum zweiten Mal am Ende des Sommers (ab August).


Fünf goldene Regeln, um den Befall in Grenzen zu halten:

1. Sorge Dich um ein

Kohl- bzw. Blaumeisenpaar im Garten mittels Nisthilfe. Die suchen die Bäume regelmäßig ab.

2. Der Ohrenkneifer

zählt zu den natürlichen Feinden der Raupen. Umgestülpte Blumentöpfe – innen mit Holzwolle befüllt – im Garten an Gehölzen aufstellen und warten, bis eine Gruppe von Ohrenkneifern das neue Zuhause annimmt, dann das Ganze in den Baum hängen. Manche Ohrenkneifer schlafen tagsüber gar in der Einbohrung der Larve und warten auf ihr Opfer. Aber die Raupe des Apfelwicklers ist nicht dumm: Häufig wird diese Schwachstelle mit einem Blatt von innen zugeklebt. Habe bereits abgefallene Äpfel mit 6 cm Durchmesser nur noch an einem gesunden Blatt im Baum hängen sehen, so stark ist dieser fadenartige Klebstoff.

3. Hilfreich ist die tägliche Hygiene:

Wenn die (befallenen) grünen Früchte vorzeitig fallen, sofort aufnehmen und am besten mit dem Hausmüll bzw. Bio-Abfalltonne entsorgen. Niemals kompostieren, da erspart man den Raupen sogar noch das Abseilen. Wenn, dann sehr tief vergraben.

4. Einseitig beklebte, 15-20 cm Streifen Wellpappe

mit der glatten Seite nach außen in 3 verschiedenen Höhen stramm um den Baumstamm wickeln und mit einem Faden befestigen, so daß kein Durchschlupf mehr bleibt – nicht strangulieren. Ein Teil der Raupen wird sich darunter verpuppen. Zu gegebener Zeit abnehmen und vernichten.

5. Alle Erstbefall-Äpfel pflücken – oder auf alle Äpfel verzichten!

Macht aber nur Sinn, wenn sich großflächig Ihre Nachbarn mit Apfelbäumen dieser Aktion anschließen.


Tip: Faule bzw. betroffene Stellen des befallenen Apfels einfach wegschneiden. Selbst im Kühlschrank, bei dauerhaften 4° C, ist schon mal eine fette Raupe im Dezember aus einem Apfel gekrochen. Die Natur stattet manche Lebewesen schon erstaunlich anpassungsfähig aus. Den sogenannten Schorf auf der Apfelhaut kann man sorglos mitessen – der ist nicht gesundheitsschädlich.

Blattläuse[Bearbeiten]

Drei Arten der Pflanzensaftsauger sind hier ab Ende Mai, Anfang Juni meist ganz oben an bestimmten, jungen Pflanzentrieben anzutreffen:

  1. Die große Rosenblattlaus (grüngelb)
  2. Die kleine grüne Laus (vorwiegend am Apfelbaum unter eingerollten Blättern und rund um die hellgrünen Triebe)
  3. Die etwas größere schwarze Laus (sitzt in einer großen Gruppe rund um grüne Pflanzenstängel herum, gerne an Rainfarn, – vom Autor erstmalig beobachtet am 26. Mai 2016 an jungen Holunderzweigen – oder worauf sie sonst so Appetit haben).


Bei schwarzen Läusen kann man den plötzlichen, kollektiven Rücksprung zum Erdboden innerhalb einer Sekunde beobachten, wenn auch nur ein einziges Exemplar eine Gefahr spürt. Gestehe eine diebische Freude daran, wenn die ganze Bande in Form einer schwarzen Traube vor Schreck abspringt (beobachtet an Rainfarn)!

Wo Blattläuse an Pflanzenstengeln suckeln, sind auch immer Ameisen im Spiel. Eine Art Garten im Garten sozusagen. Denn die Ameisen hüten, pflegen und beschützen die Blattläuse, um die süßen Ausscheidungen (Honigtau) direkt durch Trommeln am Hinterleib der Laus abzunehmen. Auf so eine Idee einer Art von Durchlauf-Limonadenhersteller muß man erst mal kommen.

Den Befall von kleinen grünen Läusen zeigen die ersten, grünen Blätter junger Apfelbaumtriebe durch aufgerollte Blätter an. Darunter, an der Blattunterseite, verbergen sie sich. Und natürlich rasen Ameisen geschäftig umher. Am besten lassen sich die Blattläuse mit der bloßen Hand zwischen Daumen, Mittel- bzw. Zeigefinger zerdrücken. Das ist allerdings nicht jedermanns Sache. Bei jungen Obstbäumchen muß man da sehr behutsam vorgehen, sonst brechen schnell die empfindlichen Baumkronen bzw. Astspitzen ab.

Der natürliche Feind Nummer 1, der Marienkäfer, ist leider nur noch selten zu sehen, und schon gar nicht in Form von Schwärmen. Jedes mögliche Versteck oder Winterquartier scheint fortgeräumt. Deutsche Gründlichkeit eben – es fehlt an abgestorbenen Bäumen und passenden Hohlräumen. Mit ein wenig Phantasie kann man denen mit einem hohlen Baumstamm z. B. eine Heimstatt zur Verfügung stellen.

Weitere natürliche Feinde, wie die Larven der Florfliege, sind auch selten geworden. Nur Nützlinge wie Schwebfliegen und Gallwespen sind hier noch aktiv, oder Vögel.

Bevor Sie Blattläuse bekämpfen, ist die Frage zu beantworten, ob diese der Pflanze oder Baumtrieben wirklich sichtbar und großflächig schaden. Wenn nicht, lässt man sie gewähren, denn Blattläuse sind auch willkommenes Futter für andere Lebewesen.

Brennesselsud[Bearbeiten]

Ein Hausmittel gegen Blattläuse wie Wasser – Spülmittel Mix hat nahezu keine Wirkung. Ein Brennesselsud[1] oder Rainfarntee gegen verschiedene Fressfeinde abends auf die Pflanzen gesprüht, zeigt da eher Wirkung – aber nicht anhaltend.

Der Sud darf nicht gären, sonst wird er zur Jauche, und die darf nicht auf die Blätter gelangen: Verbrennungsgefahr! Jauche ist – wie alles, was faul und vergoren stinkt – gut als flüssiger Humus. Verdünnen nicht vergessen.

Gespinste[Bearbeiten]

Gespinstmotten sind selten im Apfelbaum oder anderen Gehölzen. Die kleinen Raupen sitzen alle gemeinsam in einem sicheren Gespinst – nun, warm und kuschlig soll es sein. Zumeist werden 2 verbundene Blätter für ein Gespinst benutzt.

Im Mai den Baum danach absuchen, und nur bei starkem Befall – ab 5 Nester pro Baum – einfach mit dem Zweig entfernen und tief vergraben. Noch seltener tritt ein invasionsartiger Kahlfraß am Apfelbaum auf.

Ameisen[Bearbeiten]

Ameisen im Rasen fallen immer dann auf, nachdem es im Sommer besonders stark geregnet hat. Sie stocken ihren Bau auf, um ihre Brut zu schützen – nur durch das plötzliche Erscheinen einer flachen Sandburg nimmt man überhaupt erst wahr, daß sich dort bzw. darunter ein Nest befindet. Ameisen sind Nützlinge im Garten. Sie durchlüften den Boden, sammeln Insekten und Pflanzenreste und düngen mit deren Reste den Boden. Mit Duftstoffen[2] lockende Samen bestimmter Pflanzen transportieren die Ameisen ebenfalls in ihren Bau. Auch so können sich Samen verbreiten.

Wo viele Ameisen über ihrem Nest an der Oberfläche herumlaufen finden sich Vögel – hier im Garten die Amseln – die ein Säurebad sich wehrender Ameisen nutzen um Parasiten im Gefieder loszuwerden.

Wespen, Hornissen[Bearbeiten]

Verlassene Nistkästen und Mäusebauten werden auch gerne mal ein neues Zuhause für die häufig vertretenen Gemeinen Wespen (Vespula vulgaris). Sie können Völker mit mehreren tausend Tieren bilden. In der Nähe von Eingangsbereichen oder stark frequentierten Terrassen incl. Darreichung von süssen Speisen oder Getränken (Kuchen, Marmelade etc.) sind solche Nisthilfen allerdings keine gute Idee.

In alten, baufälligen Gartenhäusern wird auch gerne mal ein Hornissennest (ca. 300 Tiere) gebaut. Für Hornissen (Vespa crabro), die bekanntlich unter Naturschutz stehen, ist oftmals wenig Platz. Ein Mensch sollte ca. 5 Meter Abstand von dem Nest halten, denn die Tiere werden schnell nervös und geben Stiche ähnlich der Wespe ab. Wespe und Hornisse haben bei Menschen einen schlechten Ruf.


Im Allgemeinen gilt: bloß nicht nach Hornissen, Wespen oder Bienen schlagen. Denn sie wehren sich. Das kann schmerzhaft werden. Für die Honigbiene bedeutet es gar den Tod, da der Stachel in der Haut hängen bleibt und einen Teil des Hinterleibes (Giftdrüse) dabei herausreißt. Halten Sie ihre Reflexe zurück, und es passiert Ihnen nichts. Ist leichter gesagt als getan. Dennoch, trainieren Sie Ihren Verstand und seien Sie immer mental vorbereitet. Bleiben Sie ruhig und machen Sie nur ganz langsame Bewegungen, denn diese Insekten sehen viel mehr Bilder pro Sekunde als das menschliche Auge (25 Bilder / s).

Regenwurm[Bearbeiten]

Die Nummer 1 unter dem Gewürm – der Regenwurm:

Die nützliche Tätigkeit der Würmer besteht in der Bodenbelüftung, der Förderung der Wasserdurchlässigkeit des Bodens, der Kompostierung von Pflanzenresten, z. B. Blättern, und dem Eintrag von Bakterien in die Tiefe. Das geschieht aber nur, wenn alle abgestorbenen Pflanzenteile wie Blätter und so weiter auf dem Boden zu liegen kommen. Sobald der Faulprozess eingesetzt hat, nimmt sich der Kompost-Wurm (Eisenia fetida) mit seinem mehrkämmrigen Magen den abgestorbenen Pflanzenteilen, tierischen Rückständen und Erde an. Kein Futter, kein nützlicher Wurm. Regenwürmer finden sich in allen Böden und kommen auch mit schwer Verdaulichen zurecht wie z. B. Gerbstoffen im Eichenlaub. Blind und taub wie sie sind, besitzen sie doch alle Sinneszellen, die sie brauchen, um im oder auf dem Boden zurechtzukommen. Geschmackszellen am Körper können gar Salziges, Saures und Süßes sehr wohl unterscheiden. Die Ausscheidungen der Würmer landen stets auf der Oberfläche des Bodens in kringeliger Gestalt. So kann man sich ihrer Tätigkeit sicher sein.

Manche Wurmarten (Lumbricus terrestris) graben weit über 1 Meter tiefe Röhren und stellen neben tief wurzelnden Pflanzen die einzige Hoffnung dar, auch verpresste Böden langsam zu lockern und aufzuwerten. Und so ein Wurm ist gelegentlich auch selbst Futter und Proteinbombe z. B. für Igel, Vogel, Spitzmaus, Maulwurf etc.

Mit Staunen beobachtet man mit einer Taschenlampe das Treiben im Garten auch des Nachts: Da kann man die zwittrigen, nachtaktiven Regenwürmer beim Hochzeitmachen beobachten. Aus benachbarten Löchern heraus müssen sie sich ganz schön strecken, um einander zu begegnen und zur Sache zu kommen. Sex unter Würmern haben wohl nur die wenigsten geneigten Leser schon mal gesehen.

Die Wanderbewegungen der Regenwürmer finden bei Regen statt. Sie kommen an die Oberfläche und können durchaus einige Meter zurücklegen.

Aus dem Reich der Mythen:
  • Unterlassen Sie den Versuch, einen Wurm zu zerteilen. In der Regel sterben beide Hälften.
  • Regenwürmer fressen keine Graswurzeln. Dafür sind sind die Engerlinge des Maikäfers zuständig.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Kaltwasserauszug: 1 kg Brennnessel ohne Blüten und Samen etwas klein schneiden und in 5 Liter Regenwasser geben, bis zu 24 Stunden ziehen lassen. Ein paar Tropfen Spüli bricht die Oberflächenspannung des Wassers. Und bitte keinen Metallbehälter für den Sud benutzen. Um chemische Reaktionen zu vermeiden, nur Kunststoff oder Glas!!
  2. Pheromone in der Tier- und Pflanzenwelt spielen noch sehr viel weitreichendere Rollen als man es für möglich hält!


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