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Mensch, Natur und Kosmos/ Die 7 Planetentypen

Aus Wikibooks

Die sieben Planetentypen

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Einleitung

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Der folgende Abschnitt stammt aus dem Werk "Menschentypen" von W.F. Veltman, Verlag Urachhaus (S.114-131)

„In seinem Buch "Menschentypen" geht auch der Pädagoge Max Stibbe von der unmittelba - ren Wahrnehmung aus. Im Gegensatz zu Julius, der seine sieben Menschentypen aus der Ge- bärdensprache des Pflanzenreiches ableitet,, stützt sich Stibbe unmittelbar auf die Beob- achtung der menschlichen Natur. Seine Studien galten zunächst vor allem der Altersstufe von vierzehn bis einundzwanzig Jahren. Die 'Seelenfärbung' eines Menschen, die während seiner späteren Jahre keiner wesentlichen Veränderung mehr unterworfen ist, gelangt in dieser Le- bensphase zu einer gewissen Reife und kann ur einer typologischen Kategorie zugeordnet werden.

Ausgangspunkt für diese Typisierung bildet für Stibbe die Urpolarität, die naturgemäß zum Wesen der Seele gehört: der Gegensatz zwischen Innen- und Außenwelt. Bereits der Tiefen - psychologe C.G. Jung sprach im Zusammenhang mit seiner funktionspsychologisch ausge- richteten Typenlehre von einer introvertierten und einer extravertierten, d.h. nach innen und nach außen gewandten Grundhaltung der Seele. Ausgehend von seinen eigenen Beobachtun- gen bezieht Stibbe noch den Unterschied zwischen aktiv und passiv mit ein, ein Kriterium, das wir auch bei Heymans angetroffen haben. Diese zusätzlichen Kriterien veranlassen Stibbe zu einer Unterscheidung von zwei nach innen gewandten und zwei nach außen gewandten Typen. Hinzu kommen noch zwei weitere Typen, bei denen sich introvertiert und extravertiert im Gleichgewicht befinden, die aber, was ihre aktive und passive Einstellung betrifft, unter- schiedliche veranlagt sind. Wenn sich die Pole 'introvertiert' und 'extravertiert' wie auch 'aktiv' und 'passiv' im Gleichgewicht halten, so lässt sich darin ein weiterer Typus erkennen, der har- monische Mensch.

Es mag und überraschen, dass Stibbe diese sieben Typen nicht mit den Namen der Planeten kennzeichnet, obwohl ihm der Zusammenhang zwischen Planeten und Seelenqualitäten durchaus bekannt ist. Stattdessen wählt er Bezeichnungen, die die Haupteigenschaft eines je- den Typus charakterisieren. Offenbar scheut er davor zurück, Begriffe aus der traditionellen Astrologie zu gebrauchen, um Missverständnisse zu vermeiden und dem Vorwurf zu ent- gehen, seine Seelenlehre erschöpfe sich in der Aufarbeitung von überliefertem Wissen, das vielfach durch schablonenhafte und unkritische Verwendung entwürdigt wurde und nur allzu gerne kritiklos übernommen wird." (W.F. Veltman)

Stibbe bezeichnet die sieben Typen wie folgt:

  • introvertiert-aktiv: ich-bewusster Typus
  • introvertiert-passiv: verträumter Typus
  • extravertiert-aktiv: aggressiver Typus
  • extravertiert-passiv: ästhetischer Typus
  • introvertiert und extravertiert im Gleichgewicht, aktiv: dominanter Typus
  • introvertiert und extravertiert im Gleichgewicht, passiv: beweglicher Typus
  • beide Gegensätze im Gleichgewicht: strahlender Typus

Fazit zu Stibbe

"Diese unterschiedlichen Typen werden von Stibbe nur skizzenhaft charakterisiert. Dennoch erkennen wir in seinen Beschreibungen nahezu mühelos die gleichen sieben Typen wieder, denen wir in den vorangegangenen Kapiteln wiederholt begegnet sind. So finden wir auch in Stibbes Zusammenfassung der von ihm beschriebenen Typenmerkmale die uns bereits vertrauten Eigenschaften wieder:

Ich-bewusster Typus (Saturntyp)

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  • Gedächtnis
  • mangelnder Kontakt zur Außenwelt
  • Beziehung zur Vergangenheit
  • Innenwelt ist Hauptsache
  • aktiv

Dominanter Typus (Jupitertyp)

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  • weisheitsvolles Denken
  • aktives inneres Leben
  • ordnet das Chaos von außen
  • beherrscht die Gegenwart
  • Innenleben und Außenwelt sind im Gleichgewicht
  • aktiv

Aggressiver Typus (Marstyp)

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  • wirkt in der Welt und gerät in Konflikte Sprechen und Handeln sind wichtig
  • Beziehung zur Zukunft
  • Außenwelt ist Hauptsache
  • aktiv

Strahlender Typus (Sonnentyp)

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  • außen, und Innenwelt im Gleichgewicht
  • alle Seelenkräfte in Harmonie
  • Aktivität und Passivität in Harmonie
  • idealer Typus

Ästhetischer Typus (Venustyp)

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  • tritt urteilend und fühlend in der Welt auf und gerät in Konflikt
  • urteilt in Verbindung mit Antipathie und Sympathie
  • zeitlos, reagiert spontan
  • Außenwelt ist Hauptsache
  • passiv

Beweglicher Typus (Merkurtyp)

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  • kombinierendes Denken und Wahrnehmen führt zur Tat
  • äußeres Chaos wirkt auf passives Inneres
  • reagiert spontan
  • innere und äußere Welt befinden sich im Gleichgewicht
  • passiv

Verträumter Typus (Mondtyp)

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  • Tagträumer
  • spiegelt die Außenwelt
  • zeitlos
  • innere Welt dominiert
  • passiv

Die sieben Planetentypen im Detail

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Bevor wir nun zu einer ausführlichen Betrachtung der sieben Planetentypen übergehen, muss darauf hingewiesen werden, dass damit das Thema 'Planeten und Pflanzentypen' keineswegs erschöpft ist. Doch gleichgültig, welche weitern Aspekte man hinzunehmen mag, immer wer- den die Grundmerkmale - insofern es sich bei den neuen Erkenntnissen um einen echten Zu- sammenhang mit den Planeten handelt- unverändert bleiben. Wir wollen nun die sieben Seelentypen in der uns vertrauten Reihenfolge betrachten und je- weils zwei entgegengesetzte Typen gegenüberstellen. Jedem Typus entspricht meist eine cha- rakteristische äußere Erscheinung. Selbstverständlich gibt es auch dabei Ausnahmen sowie eine endlose Zahle an Variationen und Kombinationsmöglichkeiten der unterschiedlichen Eigenschaften." (W.F. Veltman)

Saturntyp oder ich-bewusster Typus

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Der Saturnmensch ist meist ziemlich hochgewachsen, zeigt eine leicht gebeugte Haltung und hat glattes Haar. Er ist in sich gekehrt und reagiert nur selten schnell und spontan auf seine Umgebung. Durch seine ernste und hagere Erscheinung wirkt er oft älter, als er tatsächlich ist.

Keine roten Wangen beleben sein Gesicht, das immer ein wenig grau und fahl erscheint.

Typisch für den Saturnmenschen ist seine reiche innerer Erfahrungswelt. Er beschäftigt sich bevorzugt mit der Vergangenheit und verfügt über ein gutes, manchmal sogar über ein phäno - menales Gedächtnis. Alles, was von außen auf ihn einströmt, muss im Grunde erst ‚Erinnerung’ werden, bevor er es verarbeiten kann.

Merkwürdigerweise verleiht dieser starke Bezug zur Vergangenheit, der eigentlich eine Hinwendung zum Ursprung der Dinge bedeutet, den herausragendsten Saturnmenschen eine prophetische Gabe und Weitsicht, wie sei beispiels- weise Leonardo da Vinci, Wilhelm von Oranien oder dem französischen Dichter Victor Hugo eigen waren...

Sein Temperament ist oftmals melancholisch gefärbt. Es fällt ihm schwer, Kontakte zu knüpfen; dadurch verbreitet er den Eindruck von Gefühlskälte und Unnahbarkeit. Doch sein Inne- res ist in Wirklichkeit von großer Wärme erfüllt. Daher kann er für seine nächste Umgebung, innerhalb seiner Familie oder als Lehrer für einen Schülerkreis eine ‚väterliche’ Rolle spielen, wie es beispielsweise von Johannes Sebastian Bach bekannt ist. Ein markanter Vertreter des Saturntypus war zum Beispiel der Dichter Friedrich Schiller. Er zeigte die edelsten Züge des Saturnmenschen: Tiefsinnigkeit, Idealismus und innere Glut. An- dererseits war – vor allem in seiner Jugend – das Verhältnis zu seiner Umgebung von großen Schwierigkeiten gezeichnet.

Der Saturnmensch wirkt in seinem Auftreten meist recht ungeschickt. Er braucht viel Zeit, um neue Eindrücke zu verarbeiten und sich zu einem Entschluss durchzuringen. Bevor er zur Tat schreitet, muss er zuerst einmal gründlich darüber nachdenken. Geschicklichkeit bedeutet ja gerade, dass man spontan und in der richtigen Weise reagiert, wobei rasch erkannt werden muss, was die vorgegebene Situation von einem erfordert. Die besondere Tugend des Saturnmenschen ist die Treue, der als negative Eigenschaft die Ei- fersucht gegenübersteht. Im Mittelalter sprach man im Zusammenhang mit den Planeten von den sieben Hauptsünden und Haupttugenden. Der Neid als saturnische ‚Sünde’ lässt sich aus der einseitigen, aber sehr bewussten Weise erklären, mit der der Saturnmensch sich selbst be- trachtet. Di Erkenntnis seiner eigenen Schwäche, etwa im sozialen Bereich, verleitet ihn dazu, andere wegen ihres ungezwungenen und aufgeschlossenen Verhaltens zu beneiden.

In seinem Denken neigt er zum Dogmatismus oder doch zumindest zu einer gewissen Unbe- weglichkeit. Die damit einhergehende Standhaftigkeit, die oft als Sturheit aufgefasst wird, verleiht ihm aber auch eine große Stärke. Sein Gefühlsleben wird sehr stark vom Denken durchdrungen und beherrscht. In seinem Handeln lässt er sich von seiner unumstößlichen Überzeugung leiten.

All diese Merkmale erinnern uns an das Bild eines emporsteigenden Nadelbaums mit seiner geringen Offenheit zur Umgebung hin. Dieser Baum vermittelt Strenge, Ernst und eine gewisse Todesnähe – denken wir nur an Zypressen auf einem Friedhof -, die zur Besinnung aufrufen. Sein ‚Blei-Charakter’ offenbart sich in seiner Haltung, die eine Abwehrhaltung zu signalisieren scheint, einen Schutz vor Angriffen von außen.

Selbstverständlich stellt das klassisch-düstere Bild der Saturnwirkung, die zu einem bösarti- gen Charakter oder einem unheilvollen Schicksal führt, eine stark negative Einseitigkeit dar. Bei jedem Typus trifft man die edelsten Vorzüge neben den größten Schwächen an.

Mondentyp oder verträumter Typus

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Auch der Mondentyp lebt nach innen gekehrt, er ist aber passiv. Meist vermittelt uns seine äu- ßere Erscheinung den Eindruck eines umgänglichen Menschen. Sein Gesicht weise überwie- gend runde formen auf. Er neigt zur Körperfülle und hat ein phlegmatisches Temperament. Seine Haut ist zwar blass, manchmal aber – vor allem bei Frauen – auffallend schön und glatt. Diese makellose Haut ist aber oft Zeichen einer gewissen Undurchlässigkeit. Menschen, die dem Mondentyp angehören, nehmen die Welt außerhalb von sich selbst kaum wahr – sie spiegeln sie nur. Sie zeigen keine deutliche Abwehrhaltung gegen äußere Einflüsse und verharren in innerer Passivität. Was um sie herum geschieht, nehmen sie nur auf träume- rische Weise wahr und spiegeln es in ihrem Verhalten wieder, mit dem sie sich ihrer Umge - bung anzupassen versuchen. Meist sind sie sich der Tatsache kaum bewusst, dass eine gewisse Unselbständigkeit sie dem Einfluss ihrer Umgebung aussetzt und sie sich ständig dazu verführen lassen, etwa Modetrends, beliebte Redewendungen sowie fremde Attitüden zu übernehmen.

Zur besonderen Begabung des Mondtypus gehört es somit auch, in fremde Rollen zu schlüpfen. Er ist der geborene Schauspieler. Unter den bekanntesten Filmgrößen ist dieser Typus daher auch besonders stark vertreten.

Betrachten wir etwa Marlene Dietrich In ihrer berühmten Rolle als Nachtclubsängern Lola Lola, ihr Talent, mit dem sie das gesamte Repertoire weiblicher Künste zwischen feenhafter Anmut und der männermordenden Femme fatale beherrscht, so erscheint der Glanz ihrer Persönlichkeit als Spiegelung fremder Charaktere – ähnlich, wie der Mond das Licht der Sonne reflektiert.

Oft hat diese Veranlagung aber auch zur Folge, dass der Mondentypus, der durch seine Umgebung geprägt wird, nichts weiter anstrebt, als ein ruhiges, oberflächliches Dasein. Sein Le- bensinhalt besteht dann in der Beschäftigung mit Fernsehen, Illustrierten und Skandalpresse, Stammtischgerede und vielleicht auch noch mit dem Bestseller, der gerade im Gespräch ist. Dies alles lässt er gedankenlos und wie im Traum an sich vorüberziehen. Doch gerade sein Nachahmungsbedürfnis und seine spiegelnde Fähigkeit macht es schwierig, zu seinem wahren Wesen vorzudringen, das sich – für ihn selbst meist unbewusst – hinter der spiegelnden Oberfläche verbirgt. Oft besitzt der Mondentypus sogar erstaunliche Begabun- gen, etwa auf künstlerischem Gebiet. Das Verträumtsein geht dann mit einer geheimnisvollen Tiefe seines Wesens einher. Wird diese Veranlagung nicht richtig entwickelt oder verküm- mert sie sogar, fehlen die richtigen Anregungen aus seiner Umgebung oder wird er zu sehr von seinem Triebleben beeinflusst, kann die Schattenseite des Mondentypus hervortreten, nämlich der Drang nach Sexualität und ungezügelter Erotik. Nymphomanie oder erotische Ausschweifungen, die gerade bei künstlerisch begabten Menschen häufig auftreten, deuten oft auf eine einseitige Entwicklung des Mondentypus hin (z.B. Madonna) Kinder, die diesem häufig vorkommenden Typus angehören, bereiten den Erziehern durch ihre Trägheit und ihr geringes Interesse erhebliche Schwierigkeiten. Dieses träumerische Da- hinleben und Abschweifen in Banalitäten oder Wegsinken in erotische Phantasien kann man bei Jugendlichen am ehesten durch künstlerische Tätigkeit in den Griff bekommen.

Die Fähigkeit zu spiegeln kann sich beim Mondtypus aber auch in der großen Leichtigkeit zeigen, mit dem intellektuelles Wissen aufgenommen wird. So kann es vorkommen, dass ein Schüler den Lehrstoff perfekt zu behandeln scheint, bis sich herausstellt, dass seine Kenntnis- se auf reiner Reproduktion des Unterrichtsstoffes beruhen. Tiefere Einsichten, die nur durch selbständiges Denken zu erwerben sind, wird man dabei vermissen. Will der Lehrer in seinen Fragen über das auswendig Gelernte hinausgehen, wird ihm häufig entgegnet: ‚Das haben Sie im Unterricht nicht behandelt!’ Eine Antwort selbst zu finden oder einen Zusammenhang auf- zudecken, fällt ihm schwer. Dem Mondentyp begegnen wir, wie Stibbe bemerkt, häufig bei den Universitätsprofessoren, die über ein immenses Detailwissen verfügen, ohne eigenständige Gedanken hervorzubringen.

Eine positive Eigenschaft des ‚Mondmenschen’ ist seine gemütvolle Art. In einer geselligen Runde, einer Klassengemeinschaft, im Freundes- oder Familienkreis sorgt er für eine unge- zwungene Atmosphäre und wohltuende Geselligkeit.

Wenn wir uns der entsprechenden Wachstumsform zuwenden, die mit dem Wesen des Mon- des zusammenhängt, fühlen wir uns ebenso wie beim Seelenleben dieses Typus vor ein Rätsel gestellt. Die unscheinbare rundliche Kaktuspflanze, die auf der Fensterbank unbemerkt plötz- lich Blüten von unglaublicher Pracht hervor – manchmal ist es nur eine einzige. Man wundert sich, wie dies möglich ist. Wer könnte ahnen, dass dieses unscheinbare Pflänzchen zu so et- was fähig ist? Ähnliches kann man auch beim Mondentypus erleben: Was er in sich auf- nimmt, ist ihm völlig gleichgültig. Scheinbar bleibt es ohne Wirkung, bis es unter günstigen Bedingungen unvorhergesehen und in verwandelter Gestalt als etwas Bedeutendes aus den verborgenen Tiefen seines Wesens zum Vorschein kommt.“

Marstyp oder aggressiver Typus

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„Der aggressive Marstypus ist in hohem Maße extravertiert. Er möchte auf seine Umgebung einwirken und sie verändern. Dabei reagiert er auf sehr unmittelbare Weise auf alles, was ihm widerfährt. Sein Denken kann sehr klar und scharfsinnig sein, dennoch neigt er dazu, ohne gründliche Überlegung sofort zur Tat zu schreiten. Dieser Tätigkeitsdrang äußert sich zu- nächst darin, dass er das Wort ergreift. In einem gewissen Sinne handelt er dem Saturn- menschen genau entgegengesetzt. Die Vergangenheit, die Erinnerung, aus der dieser Schöpft, zählt bei ihm nicht – ihn drängt es nur nach vorne.

Doch er führt nicht nur gerne das Wort, er spricht auch mit Kraft und Überzeugung. Bei den Römern, die wie kein anderes Volk eine ‚Marskultur’ entwickelten, verkörperte der Redner das Idealbild eines Menschen. Die Erziehung römischer Knaben wurde einem Rhetor anver- traut. In der Politik besaß das Wort ebensoviel Macht wie das Schwert. In unserem Jahr- hundert mit seinem gewalttätigen, unübersehbar materialistischen Charakter gibt und gab es unter den Politikern einige auffallende Gestalten mit charakteristischer ‚Marsgewalt’ in ihrer Rede – zum Beispiel Winston Churchill oder Charles de Gaulle. Bei einigen Menschen nahm diese Redkunst jedoch eine unheilvolle Richtung und steigerte sich bis zur dämonischen Kraft, wie bei Hitler oder Goebbels.

Napoleon, der wohl als Musterbeispiel eines Marstypus gelten kann, war nicht nur ein genia- ler Stratege und Taktiker auf dem Schlachtfeld, sondern auch ein rhetorisches Phänomen, was er in seinen Ansprachen und Tagesbefehlen an seien Offiziere und Soldaten täglich unter Be- weis stellte.

Das dynamische Auftreten eines Marsmenschen ist durch schnelle Bewegung nach vorne, ebenso aber durch raschen Rückzug gekennzeichnet. Dieses Zurückweichen kann sogar an Feigheit grenzen. Voltaire zum Beispiel war ein Meister im gewagten Angriff, dem immer wieder die schmachvolle Flucht folgte – dies traf für seine schriftstellerische Tätigkeit ebenso zu wie für sein Leben als solches. Die Taktik des plötzlichen Vorstoßes und des anschließen - den Zurückweichens hat auch in der Kriegsführung eine wichtige strategische Bedeutung.

Der ‚aggressive’ Mensch kann bisweilen gewalttätig und äußerst grob auftreten. Sein Tempe- rament ist in vielen Fällen cholerisch. Der Drang, in den Lauf der Dinge eingreifen und sein Leben in seine eigene Hand zu nehmen – wodurch er unweigerlich in Konflikte mit seiner Umgebung gerät -, gehört zu seinem Marswesen. Die Konfrontation und Willensenergie bei der Überwindung von Schwierigkeiten hat eine ständige bewusstseinsweckende Wirkung.

Problematisch wird es aber, wenn sich seine Stoßkraft vom Positiven ins Negative wendet. Bei der Durchführung neuer Initiativen, Projekte und dergleichen wird er immer wieder ver- suchen, das unter seiner Mitwirkung Erreichte in Frage zu stellen, weil er sich mit keinem Er- gebnis zufriedengeben kann. ER gönnt weder sich selbst noch den anderen die Zeit zu einem länger andauernden Reifeprozess. In diesem Verhalten erkennen wird das Wachstumsprinzip des Strauches, der seine heftig auseinandertreibenden Triebe in alle Richtungen ausstreckt.

Die Gestalt des Marstyps ist meist stämmig, kräftig und zeigt oft auch eine gewisse Körper- fülle (Stibbe spricht von einer Neigung zum horizontalen Wachstum). Seine hervorste- chendste Eigenschaft ist aber der nie nachlassende Tatendrang.“ (W.F. Veltman, S.122 f.)

Venustyp oder ästhetischer Typus

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„Auch der Venustyp wendet sich seiner Umgebung zu. Bei ihm geschieht dies jedoch auf eine eher passive Art. Er will nicht so sehr verändernd in die Welt eingreifen, vielmehr sucht er eine gefühlsmäßige Beziehung zu seiner Umgebung. Menschen, die diesem Typus angehören, verarbeiten ihre Erfahrungen zwar auf weiniger träumerische Weise als die Mondentypen, doch sie lassen sich sehr stark von ihren Sympathien und Antipathien leiten. Über Zustände oder Mitmenschen werden von ihnen oft schonungslose Urteile gefällt, die aber weniger durch gedankliche Schärfe als durch subjektives Empfinden bestimmt sind. Dadurch können sie in heftige Konflikte geraten, die aber nicht - wie bei aggressiven Typus - vom Willen, sondern von der Emotionalität ausgelöst werden.

Venusmenschen interessieren sich besonders für die Empfindungen ihrer Mitmenschen und für alles, was sich in ihrem sozialen Umfeld abspielt. In dieser Beziehung sind sie dem Mon - dentypus ähnlich. Eine Kombination von Venus- und Mond-Charakter findet sich aber auch sehr häufig. Beide Charaktere unterscheiden sich jedoch darin, dass der Venustyp Feuer und Flamme sein kann und sich mit Hingabe einer Sache widmet. Er zeigt die Neigung, sich ganz für ein Ideal aufzuopfern. Diese Sehnsucht kann sich bis zu einer krankhaft schwärmerischen Religiosität steigern. (Alles Mystische hat mit dem Planeten Venus zu tun) In der praktischen Arbeit kann sich dies in der Bereitschaft zu pflegerischer Tätigkeit oder im Erfüllen sozialer Aufgaben äußern. Im zwischenmenschlichen Bereich sind diese Venusqualitäten unentbehrlich.

Der Venustyp hat meist eine ovale Gesichtsform, ist geschmeidig in seinen Bewegungen und von anmutiger Gestalt. Seine Haare können glatt oder gelockt sein. Sein Temperament neigt zur Melancholie; es gibt allerdings auch sanguinische Venusmenschen. Besonders auffallend sind die Augen, die fast immer einen ganz leichten Glanz haben. Das 'reizende Mädchen' und der 'schöne Jüngling' sind eindeutige Venustypen. Es gibt aber auch Menschen mit ausgesprochen hässlichen Zügen, die eindeutig Venuscharakter besitzen. Manchmal kann man sie am unverkennbaren Venusglanz in ihren Augen erkennen, oder Ve- nus verrät sich durch die Anmut ihrer Gestalt und ihrer Bewegungen. (…)

Der Venusmensch zeigt seine Kupfernatur im positiven Sinne als ein idealer Energieleiter. Mit seiner Gabe, hingebungsvoll und aufmerksam zuhören zu können, vermag er das Kräfte- spiel innerhalb einer Gesellschaft auszugleichen. Einer Unternehmung, die zu scheitern droht, kann er neuen Auftrieb geben. Durch seine Begeisterungsfähigkeit für eine 'gute Sache' kann er jeden, der von der Last des Alltags niedergedrückt ist, wieder aufrichten. Dafür kann stell- vertretend das Beispiel der Königin Luise von Preußen stehen, die sogar von Novalis wegen ihrer Anmut verehrt wurde. Während der harten Jahre der französischen Besatzung und des Krieges gelang es ihr, durch ihre moralische Kraft und einfühlsame Natur wie auch ihren lei- denschaftlichen Hass gegen Napoleon sogar eine ganze gedemütigte Nation wieder aufzurich- ten und wurde schließlich zur Symbolfigur des Widerstandes. Dies zeigt, welche Reichweite das stille Wirken der Venusnatur haben kann." (W.F. Veltman: Menschentypen, S.124-126)

Jupitertyp oder dominanter Typus

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"Oft erkennt man den Jupitertyp bereits an seiner Körpergröße; manchmal ist es aber auch nur die Größe seines Kopfes oder zumindest seine eindrucksvolle Stirn, die ihn kennzeichnet. Man muss sich ihn sitzend bzw. thronend vorstellen. Von seinem 'Thron' aus ordnet er den- kend und planend seine Umgebung. Dei Seelenqualitäten introvertiert und extravertiert stehen bei ihm im Gleichgewicht. Er ist zwar der Außenwelt zugewandt, hat aber auch ein bewegtes Seelenleben und ist reich erfüllt von Idealen und Erkenntnissen.

Durch diesen inneren Reichtum ist der Jupitermensch dem ich-bewussten Typus bzw. Saturn- typus verwandt. Er lebt aber nicht wie dieser mit seinen Gedanken in der Vergangenheit; in seinem Denken ist er gegenwartsbezogen. Auch mit dem aggressiven Menschen hat er durch seinen Tatendrang eine gewisse Ähnlichkeit. In seiner Vorgehensweise unterscheidet er sich aber grundlegend von diesem. Er ist weniger ungestüm und versucht zunächst, andere zu überzeugen und sie dadurch für seine Ziele zu gewinnen. Er ist tätig, aber stets beherrscht und präsentiert sich als Meister der Form.

Menschen mit Jupitercharakter sind für eine führende Position in der Gesellschaft wie ge- schaffen. Bei allem, was sie tun, verlieren sie den großen Zusammenhang nie aus den Augen und behalten stets den Überblick. Von Emotionen lassen sie sich nicht vom Kurs abbringen oder zu unüberlegten Handlungen hinreißen. In schwierigen Situationen sind sie aber in der Labe, schnell zu reagieren und weise zu handeln.

Goethe verkörperte diese Seelenhaltung in reinster Weise. Bereits in jungen Jahren verfügte er über die Gabe, sich ohne größere Anstrengungen in den unterschiedlichsten Kreisen Respekt und Geltung zu verschaffen. Wenn er das Wort ergriff, war ihm die Aufmerksamkeit aller An- wesenden sicher. Es gelang ihm stets, das Gespräch zu führen und die Gedanken zu ordnen. Auch bei seiner wissenschaftlichen Arbeit beherrschte er die Vielfalt der Erscheinungen, de- nen er unbefangen entgegentrat und die er durch die Kraft einer übergeordneten Idee zu ord- nen wusste. (...)

Vergegenwärtigen wir uns diese Eigenschaften, so erhebt sich vor unseren Augen das Bild des mächtigen Laubbaumes als Sinnbild für Größe und Selbstverwirklichung. So wie fieser seine Gestalt langsam, aber stetig aufbaut. Ast um Ast, Zweig um Zweig, so darf man sich auch das Willensleben des Jupitertypus vorstellen. Sein Gefühlsleben ist nicht subjektiv-emo- tional, sondern steht in einer distanzierten und vom Bewusstsein kontrollierten Wechselwir- kung mit der Umgebung. Durch seine Selbstbeherrschung wird sich der Jupitermensch nicht uneingeschränkt für eine Sache begeistert - so wie auch die meisten Laubbäume keine üppige und farbenreiche Blütenpracht entwickeln.

Wer mit einem Jupitermenschen zurechtkommen will oder ihn in seinen jungen Jahren als Erzieher führen will, muss dafür sorgen, dass er von ihm als ebenbürtig anerkannt wird." (W.F. Veltman - Menschentypen, S.126 f.) Das kann ich nur bestätigen, denn ich selbst bin eindeutig ein Jupitertyp.

Merkurtyp oder beweglicher Typus

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"Diesen Seelentypus, dem man sehr häufig begegnet, erkennt man äußerlich an seiner zierlichen kleinen, beweglichen Gestalt; auch der Kopf mit dem meist lockigen Haar ist verhältnismäßig klein. Er hat ein rundlich-ovales Gesicht mit manchmal etwas schiefen Zügen; daneben zeigt er ein lebhaftes Mienenspiel und große Beweglichkeit. Außen- und Innenwelt befinden sich bei ihm in einem gewissen Gleichgewicht, aber sein Inneres ist nicht wirklich aktiv. Im Gegensatz zum Jupitertyp, der die Vielfalt der Eindrücke zu ordnen versucht, nimmt der Mer- kurtyp die Dinge so, wie er sie vorfindet - auch in ihrem chaotischen Zustand. Mit seinem meist sanguinischen Temperament neigt er zur Sprunghaftigkeit. Sein bewegliches, aber kaum in die Tiefe gehendes Denken verleiht ihm eine bemerkenswerte Kombinations- und Auffassungsgabe. Inwieweit seine Gedanken mit der Wahrheit übereinstimmen, erscheint ihm nebensächlich. Entscheidend ist, dass sie ihm dazu dienen, eine Situation richtig einzuschät- zen und zu meistern.

Er besitze Taktgefühl und steht mit jedermann auf gutem Fuß. Sowohl mit seinen Händen als auch in seinem strategischen Denken verfügt er über eine große Geschicklichkeit. Das macht ihn zum erfolgreichen Geschäftsmann; es macht ihn aber auch zu einem guten Arzt, der bei der großen Zahl seiner Patienten mit ihren unterschiedlichen Krankheiten eine rasche Diagno- se stellen und die richtige Therapie bestimmen muss. Wenn er auf diese Weise seine Eigen- schaften wie Flexibilität, Geschicklichkeit und rasche Kombinationsgabe nicht in den Dienst egoistischer Ziele stellt, erweisen sie sich als Vorzüge, mit denen er viel Segen spenden kann. Obwohl Merkur voller Tatendrang ist - immer ist er beschäftigt, stets zu einer Plauderei oder zu einem Scherz bereit, immer ist er dabei, etwas zu organisieren -, so hat er durchaus aus sei- ne problematische Seite, nämlich den Charakterzug, dass er innerlich passiv durch das Leben geht. Er lässt sich zu stark von äußeren Umständen leiten und verspürt keinen Drang, seine Eindrücke zu verarbeiten, zu tieferen Einsichten zu gelangen und sein Verhalten danach zu richten.

Der Merkurtyp kennt keine festen Prinzipien und ist äußerst anpassungsfähig. Sein Wankel- mut und seine Oberflächlichkeit können sich leicht in Unzuverlässigkeit verwandeln. Wenn er heute etwas verspricht, so kann er sich schon morgen nicht mehr daran erinnern. Vertritt er heute eine bestimmte Ansicht, kann er sich morgen wieder das Gegenteil behaupten. Man traut ihm nie und fällt dennoch immer wieder auf ihn herein. Man spürt, dass es ihm häufig an Rückgrat fehlt.

Wer Charlie Chaplin einmal in seiner legendären Rolle als Tramp bewundern konnte, in der er mit charmanter Hartnäckigkeit alle Schwierigkeiten überwindet und selbst eine Niederlage in einen Triumpf umzumünzen weiß, kann sich diese Szene als anschauliches Beispiel für die Widersprüchlichkeit dieses Typus vor Augen führen. Auch als Mensch verfügte das Multita- lent Chaplin, der nicht nur als Slapstick-Komödiant, sondern auch in anderen Rollen, als Au- tor, Regisseur, Musiker und Komponist und nicht zuletzt als Geschäftsmann erfolgreich war, über diese Merkur-Qualitäten.

Julius schildert die negativen Eigenschaften des Merkurtyps zwar sehr treffend, stellt ihn in dieser Einseitigkeit aber in ein allzu schlechtes Licht. Nach Julius wird sein ganzes Wesen von einer einzigen starken Triebkraft beherrscht, nämlich "höher emporzukommen, koste es, was es wolle. Es ist das eigentlich eine sehr egoistische Haltung... Insofern läuft die Moralität Gefahr, zu kurz zu kommen. Moralität spricht stets in der Tiefe des eigenen Wesens. Lässt man jedoch nur die Welt, wie sie ist, gelten, dann ist da für Moralität kein Platz. Genauso wie bei der Schlingpflanze wir bei dieser Einstellung eines Menschen viel erreicht mit wenig Mit- teln..."

Vom Merkurmenschen können dagegen auch außergewöhnlich gute und moralische Impulse ausgehen, wenn er das Zwischenmenschliche pflegt und soziale Kontakte fördert. In der Rolle des Vermittlers ist er imstande, im sozialen Gefüge verhärtete Positionen wieder in Bewegung zu bringen und dadurch eine Annäherung von Menschen mit unterschiedlichen Überzeugun- gen zu bewirken. In einer Gemeinschaft trägt seine Beweglichkeit oft dazu bei, ein heilsames Klima zu erzeugen, in dem etwas Neues gedeihen kann." (V.F. Veltmann: Menschentypen, S.127-130)

Sonnentyp oder strahlender Typ

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„Der Sonnenmensch birgt in seiner seelischen Verfassung und Lebensführung die größten Ge- gensätze. Durch sein reiches und regsames Inneres erscheint er als eine kraftvolle Persönlich- keit. Dennoch ist er imstande, sich vollkommen seiner Umgebung hinzugeben. Er kann sich einer Sache oder einem anderen Menschen mit Hingabe widmen, ohne sich dabei selbst zu verlieren.

Das Merkwürdige dabei ist, dass ihn seine königliche Natur nie dazu veranlasst, andere beherrschen zu wollen, sie zu übergehen oder in den Schatten zu stellen. Seiner Natur nach ist er taktvoll und tolerant, in seinem Verhalten brüderlich.

Die Vorstellung von einer Sommerwiese voller blühender und leuchtender Pflanzen kann uns ein treffendes Bild des Sonnencharakters liefern. Mit Recht kann man bei ihm von einem „Ur- typus“ sprechen. Er birgt nämlich die anderen sechs Typen in sich und lässt dabei jegliche Einseitigkeit vermissen. Umgekehrt wird sich jeder andere Typus, der seien großen Einseitig- keiten zu überwinden versucht, in Richtung dieses Urbildes entwickeln müssen. Oft ist der Sonnenmensch sowohl künstlerisch wie auch intellektuell veranlagt. Die drei See- lenfunktionen, Denken, Fühlen und Wollen, sind bei ihm von gleicher Intensität und Bedeu - tung. Er stellt also in jeder Hinsicht eine ausgewogene Persönlichkeit dar.

Als zeitgenössisches Beispiel für einen Sonnentypen ließe sich vielleicht Michail Gorbatschow nennen, in dessen früherem Auftreten als Staatsmann viele sonnenhafte Züge wieder- gefunden werden können. Max Stibbe ist allerdings der Auffassung, dass dieser harmonische Sonnentyp in unserer Zeit nur noch selten vorkommt. Beobachtet man jedoch jung Menschen zwischen vierzehn und einundzwanzig Jahren, so findet man darunter immer wieder Vertreter dieses Typus, der sich in diesem Alter vor allem in einem heiteren Gemüt und großer Aufge- schlossenheit ausdrückt. Im späteren Leben können diese sinnigen Eigenschaften wieder zu- rücktreten. Der Sonnentypus kann sich nämlich nur dann vol entfalten, wenn er einem Umfeld angehört, in dem sich spirituelle Impulse verwirklichen können.

Der Sonnenmensch trägt in sich nämlich das Bedürfnis nach einem Mit-Wollen mit anderen Menschen, worin sich eine höhere Form des Mit-Leidens ausdrückt. Im Idealfall gebraucht er seine eigene Leuchtkraft, um den anderen Menschen in einem günstigen Licht erscheinen zu lassen. Julius bemerkt dazu: „Es geht von dieser Wesenart ein Aufruf aus, es möge jeder sich zu seiner höchsten Höchste entfalten. Er ist erfüllt von der Bereitschaft, an allem teilzuneh - men, aber auch beseelt von dem starken Willen, alles auf seinem stolzen Gang mitzuführen.“ (W.F. Veltmann: Menschentypen, S.130 f.)