Nachhilfeunterricht

Aus Wikibooks
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Viele Schüler und Schülerinnen benötigen Nachhilfeunterricht, aus verschiedenen Gründen. Für viele Studenten und Studentinnen ist das Erteilen von Nachhilfestunden nicht nur eine Verdienstmöglichkeit, sondern auch eine Möglichkeit, wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Dieses Wikibook soll für Menschen, die Nachhilfeunterricht anbieten, eine Hilfe darstellen.

Leitsätze[Bearbeiten]

  • Das Vertrauen ist das wichtigste Kapital!
  • Pünktlich sein, zuverlässig sein, immer alle Versprechen einhalten.
  • Wenn kein gutes Verhältnis zum Schüler aufgebaut werden kann, darf man es nicht persönlich nehmen. Manchmal liegt das Problem beim Nachhilfelehrer, manchmal beim Schüler, manchmal auch anderswo. Dann ist man besser, bei der Suche nach einer anderen Lösung oder einem anderen Nachhilfelehrer behilflich zu sein.
  • Obwohl vielleicht die Eltern den Nachhilfeunterricht bezahlen: Man arbeitet mit und für den Schüler, niemals für seine Eltern. Wenn der Schüler es nicht wünscht, dass die Eltern von etwas erfahren, muss man dies in jedem Fall respektieren. Ebenso heikel ist es, wenn die Eltern fragen, ob das Kind Fortschritte mache. Darauf gibt es kaum eine Antwort, die bei allen Beteiligten gut ankommt.

Vorbereitung des Unterrichts[Bearbeiten]

  • Erwartungen klären, ebenso wo die Lücken bestehen. Dies erledigt man besser telefonisch oder im persönlichen Treffen. Nur wenn es anders nicht möglich ist, per e-mail. Das Kind dazu einladen, Fragen zu stellen.
  • Sich darauf einstellen, mit welchem "Kunden" man es zu tun hat. Nicht jeder Nachhilfelehrer fühlt sich gleich geeignet für diese verschiedenen Kunden. Es gibt im Großen und Ganzen drei Typen von Nachhilfeschülern:
    • Langfristige Arbeit an einem Fernziel: Zum Beispiel soll ein Schüler langfristig und nachhaltig bessere schulische Leistungen erbringen. Die Bezahlung ist eher geringer, aber man hat viel Zeit, um ein belastbares Verhältnis aufzubauen. Ebenso erfährt man besser, wo die Probleme des Schülers liegen. Diese Art von Nachhilfeunterricht ist zweifellos nachhaltiger, da man auch Lerntipps, Lernstrategien und ähnliche Themen ansprechen kann. Der Rhythmus wird vom laufenden Schulunterricht bestimmt.
    • Katastrophenhilfe: Der Schüler muss nächste Woche eine ganz, ganz wichtige Prüfung bestehen. Somit lastet ein hoher Druck sowohl auf dem Schüler wie auch dem Nachhilfelehrer. Nachhilfe-Vermittler verlangen in solchen Fällen hohe Stundensätze, was für Lehrpersonen, die im Unterrichtsstoff wirklich sattelfest sind, lukrativ sein kann.
    • Coaching: Der Nachhilfeschüler ist meistens ein Erwachsener, der sich privat weiterbilden möchte, oder die Techniken für ein neues Hobby erlernen will, wie zum Beispiel Schwimmen oder Malen. Der Unterricht ist dann durch den Schüler selbst bestimmt, und er bestimmt den Rhythmus.

Die Nachhilfestunde[Bearbeiten]

Vorher[Bearbeiten]

Es ist hilfreich, die letzte Stunde kurz zu rekapitulieren: Wo lagen die Probleme? Was habe ich nicht gut erklären können? Wo stand der Schüler unter Druck? Wie kann ich dem Schüler etwas auf eine noch einfachere Weise erklären?

Immer wieder zusätzliche Übungsmaterialien suchen, sie ausdrucken und stets dabeihaben. Es darf nicht vorkommen, dass der Lernstoff ausgeht. Manchmal sind Schüler sehr beschäftigt und sind froh darum, wenn die Lehrperson die Nachhilfestunde bis zur letzten Minute ausnutzen kann.

Die Nachhilfestunde[Bearbeiten]

Auf jeden Fall gilt:

  • Auf eine ruhige Lern-Atmosphäre achten. Manchmal findet der Unterricht an einem öffentlichen Ort (Bibliothek, Café...) statt. Ebenso darauf achten, dass der Schüler durch nichts abgelenkt wird.
  • Den Schüler immer wieder ermutigen und für Erfolgserlebnisse sorgen.

Die weiteren Tipps beziehen sich vor allem auf Schüler, mit welchen man langfristige Lernziele verfolgen kann.

Hilfreich sind Abwechslungen aus:

  • den Stoff erklären
  • Aufgaben gemeinsam lösen
  • Aufgabe alleine lösen lassen, gegebenenfalls auch unter Zeitdruck
  • Lerntipps, Lernmethoden, Zeitmanagement, andere Anliegen

Selten kann ein Nachhilfeschüler für 60, 90 oder gar 120 Minuten die volle Konzentration aufbringen. Hin und wieder die Stunde mit einem kurzen Gespräch auflockern - vielleicht hatte man in der Schule ja ähnliche Erfahrungen gemacht, oder der Schüler betreibt ein interessantes Hobby...

Die folgende Dreiteilung einer Nachhilfestunde hat sich als sinnvoll erwiesen:

  1. Lernmaterialien aus dem aktuellen, tatsächlichen Schulunterricht verwenden. Dies verhindert, dass neue Lücken im Schulstoff entstehen, was sich dann später negativ auswirkt.
  2. Alte Wissens- und Fähigkeitslücken schließen, oft unter Verwendung eigener Materialien.
  3. Eine Belastungssituation: Der Schüler soll während fünf bis fünfzehn Minuten unter Zeitdruck und ohne Hilfe eine oder mehrere Aufgaben lösen. Dabei beobachtet man die Arbeitsweise des Schülers genau. Die Erkenntnisse daraus sind sehr hilfreich dabei, den restlichen Unterricht zu gestalten.

Der Schüler soll immer wieder benotete Arbeiten zeigen, so dass man ein Gefühl dafür entwickelt, was dem Schul-Lehrer wichtig ist und auf welche Fehler er achtet. Ebenso orientiert sich der Nachhilfeunterricht letztlich an den Schulnoten.

Nachher[Bearbeiten]

  • Die Notizen über den Nachhilfeschüler und dessen Lernfortschritt bzw. -probleme nachführen. Ideen für die nächste Stunde notieren.
  • Keine "Hausaufgaben" erteilen, mit zwei Ausnahmen:
    • Dinge wie das Fremdsprachen-Vokabular kann der Schüler nur alleine lernen. Es bringt zum Beispiel wenig, dem Schüler in der Grammatik und der Rechtschreibung zu helfen, wenn der Schüler mangels Wortschatz nicht in der Lage ist, sich auf eine akzeptable Weise auszudrücken.
    • Wenn der Schüler es will, kann man ihm zusätzliche Aufgaben geben. Aber nicht auf Verlangen seiner Eltern!

Die Beziehung zum Nachhilfeschüler[Bearbeiten]

Die erste Aufgabe des Nachhilfelehrers besteht darin, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, insbesondere wenn es um die langfristige Zusammenarbeit geht.

Der Nachhilfeunterricht ist für den Schüler ein Bereich, wo er offen und ohne Befürchtungen alles, was ihn vom Lernen und vom schulischen Erfolg abhält, ansprechen kann.

Eine weitere Aufgabe besteht darin, den Schüler zum Nachdenken und zum selbstständigen Lernen zu motivieren. Er darf sich nicht darauf verlassen, dass der Nachhilfelehrer ihm alles erklärt und die Aufgaben für ihn löst.

Wenn der Schüler denkt, er beherrsche den Stoff schon - dann man kann seine Fähigkeiten ruhig auf die Probe stellen. Zum Beispiel mit einer Aufgabe, die er unter Zeitdruck lösen muss.

Man sollte einen Schüler, der seine Lehrpersonen kritisiert, auf keinen Fall bestärken. Man antwortet in einem solchen Fall, dass der Lehrer nun auch mal ein Profi ist, auch wenn er Methoden verwendet, die nicht allen Schülern gefallen. Eine Schlüsselfrage ist: "Wenn du gute Noten hättest - würdest du dann den Lehrer immer noch kritisieren?"

Nach einer misslungenen Prüfung sind die Schüler oft kritisch und hinterfragen die Fähigkeit des Nachhilfelehrers. Hier muss man den Schüler beruhigen und sagen, dass deutliche Erfolge erst nach einiger Zeit eintreten.

Die Beziehung zu den Eltern[Bearbeiten]

Manchmal treten die Eltern mit einer bestimmten Mentalität an den Nachhilfelehrer heran. Manchmal bildet sich auch ein entspanntes, vertrautes Verhältnis zu den Eltern, manchmal aber ist ein gewisser Druck vorherrschend - "Mein Sohn soll besser werden, er soll.... wichtige Prüfung... zukünftiger Beruf...".

Darauf muss der Nachhilfelehrer natürlich eine Antwort finden. Er muss sich gegenüber diesem elterlichen Druck abschotten können, um dem Schüler einen guten Unterricht zu bieten.

Wünsche und Kritik seitens der Eltern kann man annehmen, aber die Umsetzung sollte man respektvoll ablehnen. Der Lernerfolg und das Vertrauensverhältnis zum Schüler ist ohnehin wichtiger.

Probleme[Bearbeiten]

Typische Probleme sind:

  • Die Initiative geht von den Eltern aus, aber nicht vom Kind. In diesem Fall ist der Abbruch des Nachhilfeunterrichts überlegenswert.
  • Das Kind ist abgelenkt. Damit, dass es für eine Stunde auf Mobiltelefone etc. verzichten muss, muss es leben können.
  • Der Nachhilfeschüler hat keine Zeit, um seine üblichen Hausaufgaben zu erledigen. Ist dies der Fall, sollte man den Schüler eindringlich bitten, seinen Tagesablauf zu überdenken. Der Nachhilfeunterricht ist kein Ersatz für die Zeit, in welcher das Kind selbstständig lernt.
  • Überforderung: Der Nachhilfelehrer wird für den Unterricht bezahlt, und nicht dafür, dass er zu Hause seine eigenen Wissens- und Fähigkeitslücken füllt. Beherrscht man den Stoff, den der Nachhilfeschüler lernen muss, zu 90%, kann man ein paralleles Aufarbeiten vielleicht noch wagen. Ein Ausloten der Schmerzgrenze schadet jedoch dem Schüler und dem Unterricht.