OpenSCAD Benutzerhandbuch/Erste Schritte
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(Englisches Original dieser Übersetzung)
Du erstellst dein erstes Modell nachdem du OpenSCAD installiert hast.
Erstellen eines einfachen Modells
[Bearbeiten]Für unser erstes Modell erstellen wir einen einfachen Quader mit den Abmessungen 2 × 3 × 4.
Starte dazu OpenSCAD. Du solltest nun ein Vorschaufenster, eine Werkzeugleiste, eine Konsole und ein Editorfenster sehen. Falls eines dieser Elemente ausgeblendet ist, kannst du es über das Menü Ansicht (View) wieder einblenden, indem du die entsprechenden deaktivierten Einträge erneut aktivierst.
Um den Quader zu erzeugen, gibst du im Editorfenster von OpenSCAD folgenden einzeiligen Befehl ein:
| Verwendungsbeispiel 1 – einfacher Quader: | ||
cube([2,3,4]);
|
Kompilieren und Rendern unseres ersten Modells
[Bearbeiten]Der Quader kann nun kompiliert und gerendert werden, indem du die Funktionstaste F5 (Vorschau) oder F6 (vollständiges Rendern) drückst, während das Editorfenster den Fokus hat. Du solltest jetzt dein Objekt im Vorschaufenster wie oben gezeigt sehen.
Wir haben bereits gesehen, wie man einen einfachen Quader erstellt. Als Nächstes versuchen wir, mithilfe des 'translate' -Befehls einen identischen Quader direkt neben den bestehenden zu platzieren. Gib dazu den folgenden Code ein – insgesamt sind es vier Zeilen. Drücke anschließend die Taste F5 (Vorschau) oder F6 (vollständiges Rendern), um das Ergebnis anzuzeigen.
Unser Objekt positionieren
[Bearbeiten]| Verwendungsbeispiel 1 – Positionieren eines Objekts: | |
cube([2,3,4]);
translate([3,0,0]) {
cube([2,3,4]);
}
|
Der translate-Operator darf keine Anweisung abschließen
[Bearbeiten]Beachte, dass nach dem 'translate'-Operator kein Semikolon steht. Ein Transformations-Operator wie 'translate' muss stets von einem Objekt (z. B. cube, sphere etc.) oder einem Block von Objekten (in geschweiften Klammern {}) gefolgt werden – er ist selbst kein eigenständiger Befehl, sondern wirkt auf das darauf folgende Objekt.
Die Farbe eines Objekts ändern
[Bearbeiten]Jedes Objekt – oder eine Gruppe von Objekten – kann eingefärbt werden, indem man dem Aufruf des Objekt-Moduls den color()-Operator-Modul voranstellt.
Es gibt zwei Möglichkeiten, die Farbe anzugeben:
- RGB-Vektor
- drei Gleitkommazahlen im Bereich [0,0 bis 1,0] in einem dreielementigen Vektor [
<rot>,<grün>,<blau>] - "
<Farbname>" - ein Zeichenkette mit einem Farbnamen aus der Liste der Webfarben
Ein color()-Operator kann wie jeder andere Operator (z. B. translate()) in einer Kette von Operatoren vor dem Aufruf eines Objekt-Moduls verwendet werden.
Durch die Verwendung von geschweiften Klammern ({}) zur Definition eines Gültigkeitsbereichs („Scope“) wird die Farbe – oder ein beliebiger anderer Operator – auf alle darin enthaltenen Objekte angewendet:
color([0,0,1]) {
translate([6,0,0])
cube([2,3,4]);
translate([-6,0,0])
cube([2,3,4]);
}
In einer Kette mehrerer Operatoren hat der erste Aufruf von color() Vorrang – alle nachfolgenden color()-Angaben innerhalb derselben Kette werden ignoriert.
Modell-Ansichten
[Bearbeiten]Das Menü „Ansicht“ („View“) oben im Anwendungsfenster von OpenSCAD bietet eine Reihe von Anzeigeoptionen für das Modellansichtsfenster.
Surfaces
[Bearbeiten]Die Oberflächenansicht („Flächen“) ist die Standard-Ansicht, die erscheint, sobald der Modellcode zum ersten Mal gerendert wird. Du kannst jederzeit zu dieser Ansicht zurückkehren, indem du im Menü „Ansicht >> Flächen“ wählst (unter Linux mit der Taste F10).
Gittermodell (engl. wireframe)
[Bearbeiten]Designer wählen oft „Ansicht >> Gittermodell“ (unter Linux mit F11), besonders wenn sie mit einem besonders komplexen 3D-Modell arbeiten. Die Drahtgitteransicht („Gittermodell“) zeigt nur ein Gitter – gewissermaßen das „Gerüst“ unter der Oberfläche. Stell dir den Eiffelturm vor: Du siehst nur die Kanten und Strukturen, nicht die Flächen dazwischen.
Ein Drahtgittermodell ist eine visuelle Darstellung eines dreidimensionalen oder physischen Objekts. Diese Modelliermethode besteht ausschließlich aus Linien, Punkten und Kurven, die die Kanten des Objekts definieren. Mithilfe eines Drahtgittermodells lässt sich die zugrunde liegende Struktur eines 3D-Modells leicht visualisieren. Da Drahtgitter-Darstellungen relativ einfach und schnell berechnet werden können, werden sie häufig dann eingesetzt, wenn eine hohe Bildwiederholrate erforderlich ist – beispielsweise bei der Arbeit an sehr komplexen Modellen oder in Echtzeitsystemen, die äußere Phänomene simulieren.
Wenn mehr grafische Details gewünscht werden, können nach Abschluss der Gittermodelldarstellung automatisch Oberflächentexturen hinzugefügt werden. So kann der Designer Änderungen schnell überprüfen oder das Objekt in neue Blickrichtungen drehen, ohne auf langsame, fotorealistische Renderings warten zu müssen.
Das Drahtgitterformat eignet sich außerdem hervorragend als Grundlage für Werkzeugwege in DNC-Systemen (Direct Numerical Control) und wird häufig als Eingabe für CAM-Systeme (Computer-Aided Manufacturing) verwendet. Unter den drei gängigen CAD-Ansichten ist „Gittermodell“ die abstrakteste und am wenigsten realistische.
The OpenCSG view
[Bearbeiten]Wählst du „Ansicht >> Vorschau (F9)“, verwendet OpenSCAD die OpenCSG-Bibliothek (Open Constructive Solid Geometry), um die Modellansicht mithilfe von OpenGL darzustellen. Falls die OpenCSG-Bibliothek nicht verfügbar ist oder deine Grafikkarte bzw. deren Treiber keine ausreichende OpenGL-Unterstützung bieten, wird in dieser Ansicht keine sichtbare Ausgabe erzeugt.
Kombinierte Anzeige
[Bearbeiten]Die Option „Ansicht >> Kombinierte Anzeige“ überlagert alle vorherigen Ansichten in einem einzigen Bildschirm. Besonders wichtig dabei: Objekte, die mit dem difference()-Befehl ausgeschnitten wurden, werden standardmäßig als grüne Vollkörper dargestellt – also nicht als leerer Raum, sondern als sichtbare Geometrie in einer eigenen Farbe. Das hilft dabei, zu erkennen, welche Teile durch boolesche Differenzen entfernt werden sollen, und erleichtert das Debuggen komplexer CSG-Konstruktionen.

Öffne eines der vielen mitgelieferten Beispiele über das Menü (Datei → Beispiele), oder kopiere und füge folgendes einfaches Beispiel in das OpenSCAD-Fenster ein:
| Verwendungsbeispiel 1 |
difference() {
cube(30, center=true);
sphere(20);
}
translate([0, 0, 30]) {
cylinder(h=40, r=10);
}
|

Drücke anschließend F5, um eine grafische Vorschau deines Codes anzuzeigen (oder F6, um eine vollständig gerenderte Ansicht zu erhalten).
Maussteuerung im Vorschaufenster
[Bearbeiten]Im Vorschaufenster stehen dir drei Arten der Bewegung zur Verfügung:
- Linke Maustaste ziehen, um die Ansicht um das Rotationszentrum (sichtbar mit Strg+3) entlang der X- und Z-Achse zu drehen. Die unterste Zeile im Fenster zeigt dabei die aktuellen Rotationswerte an.
(Halte Umschalttaste (Shift) gedrückt, während du mit der linken Maustaste ziehst, um stattdessen um die X- und Y-Achse zu rotieren.)
- Ziehen mit einer anderen Maustaste (z. B. rechte Maustaste) oder Strg + Ziehen (unter macOS: Cmd + Ziehen) verschiebt die gesamte Ansicht. Die unterste Zeile zeigt dann die aktuellen Verschiebungswerte an.
- Mausrad rollen, um hinein- oder herauszuzoomen. Alternativ kannst du auch die +- und –-Tasten verwenden oder Umschalt + Rechtsklick-Ziehen (unter macOS: Cmd+Umschalt + Ziehen). Der „Viewport“-Eintrag in der untersten Fensterzeile zeigt dabei die Änderung des Abstands (Zoomstufe) an.
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