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Chronologie der Ostexpansion

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Seitentitel: Reisen in das Alte Dresden/ Dresden im Mittelalter/ Chronologie der Ostexpansion
(Reisen in das Alte Dresden/ Dresden im Mittelalter/ Chronologie der Ostexpansion)

Karl der Große schickt drei Heere zur Eroberung Böhmens, wobei das Heer der Franken, Sachsen sowie der nördlichen Westslawen von Norden einmarschiert, wahrscheinlich (aber nicht sicher) über Nisan. Die drei Heere vereinigen sich in der Gegend von Žatec, Litoměřice und Rakovník. Bei dem Vorstoß wird zwar der böhmische Herzog Lech getötet, allerdings müssen sich die Franken nach vierzig Tagen mangels Verpflegung wieder zurückziehen.

  • Der Raum Nisan = [böhmische] Niederland[e] (das heutige Dresden) gehörte ab 805/806 durch fränkische Unterwerfungs- und Tributfeldzüge gegen die benachbarten Slawen (auch die Böhmen mußten sich unterwerfen) zeitweise zum Einflußbereich des Frankenreiches und damit des Stammesherzogtums Sachsen.
  • In der Geschichtswissenschaft wurde wiederholt die These geäußert, dass anlässlich dieses Feldzuges der natürliche Hafen von Nisan (die Mündung des Altwasserarms Gruna-Striesen in die Elbe) durch die Franken ausgebaut und mit einem burgähnlichen Turm, dem Neidhart, gesichert wurde. Als Argument wurde vorgebracht, dass auch 806 ein weiterer Feldzug der Franken gegen Böhmen erfolgte, wodurch Militärbasen an der Peripherie Böhmens notwendig waren.

Karl der Große greift das Gebiet der Sorben und ein zweites Mal Böhmen an und erzwingt die Stellung von Geiseln und Tributzahlungen. Dabei fällt der sorbische Fürst Milito. In Nisan finden wahrscheinlich wieder kriegerische Aktivitäten statt, denn wahrscheinlich zieht das fränkische Heer aus dem Sorbenland nach Böhmen durch den Gau. Wie 805 wird dabei wahrscheinlich wieder der natürliche Hafen von Nisan (mit dem hypothetischen Neidhart) genutzt.

  • Chronik des Klosters Moissac: „Kaiser Karl feierte Ostern in Nimwegen, und schickte seinen Sohn den König Karl nach Thüringen zu einem Ort, der Waladala genannt wird, und dort hielt er seine Heerschau ab. Und von dort schickte er seine Heerscharen über die Elbe; er selbst zog über die Saale ins Guerenaveldo. Und dann wurde der stolze König Milito, der im Gebiet der Sorben herrschte, getötet; und später kehrte er zur Elbe zurück; und er verwüstete jene Landstriche, und zerstörte deren Burgen. Und die übrigen Könige ebendieser kamen zu ihm, und versprachen, dem Herrn und gottesfürchtigen Kaiser zu dienen, und stellten Geiseln nach seinem Willen. Und diesen trug König Karl auf, zwei Burgen zu errichten, die eine nördlich der Elbe gegenüber Magdeburg, die andere östlich der Saale an einem Ort, der Halle genannt wird; darauf kehrte er zu seinem Vater zurück.“ (MGH SS II S. 257 ff.; deutsche Übersetzung: 1200 Jahre Waldau).
  • In der Forschung wird erwogen, ob der ab 849 belegte Limes Sorabicus bereits auf diese Zeit zurückgeht. Dieses auch Sorbenmark genannte Gebiet reichte wahrscheinlich von der Saale etwa bis zur Elster und Pleiße, berührte also Nisan nicht.

Dietbald

Ab 811/812: Klausner in der Dippoldiswalder Heide

Entsendung in das Konfliktgebiet zwischen den Erzbistümern Mainz und Salzburg

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Die Wahl des Mainzer Bischofs Richulf fiel auf das Gebiet der Nisaner im Dresdner Elbtalkessel. Das Gebiet war von Böhmen aus besiedelt worden und wurde seinerzeit als böhmische Niederlande bezeichnet und verstanden. Die Nisaner tendierten in ihrer Tradition auch nach Böhmen. Demzufolge betrachtete es der Erzbischof von Salzburg als sein Missionsgebiet. Böhmen wurde damals durch den erfogreichen Slawenfeldzug von 805/806 wie selbstverständlich als Teil des Fränkischen Reiches betrachtet. So legten die Ordinatio imperii von 817 fest, daß der damals etwa elfjährige Ludwig der Deutsche König von Bayern wurde:

"Als sein anteil am reich wird ihm Baiern, das land der Kärntner, Böhmen, Avaren und der Slaven im osten Baierns und für seinen bedarf die beiden königlichen villen Lauterhofen und Ingolstadt im Nordgau zugewiesen."

  • "Ludwig der Deutsche - RI I n. 1338c - 817 iuli 00, Aquisgrani [Aachen] Wird zum könig von Baiern bestellt. no 649a. Als sein anteil am reich wird ihm Baiern, das land der Kärntner, Böhmen, Avaren und der Slaven im osten Baierns und für seinen bedarf die beiden königlichen villen Lauterhofen und Ingolstadt im Nordgau zugewiesen. no 650 c. 2. Ob er um diese zeit schon in sein reich gesandt wurde, ist sehr fraglich, Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 1,24." In: RI I n. 1338c, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0817-07-00_1_0_1_1_0_2947_1338c

Andererseits verstanden sich die damals vermutlich um die 2.000 Nisaner in der kleinen frühgeschichtlichen Exklave als Elbsorben, für die sich der Mainzer Erzbischof zuständig sah. Diese Anschauung teilte offenbar auch Karl der Fromme, der seinem Sohn Ludwig lediglich "das Land ... der Slaven im osten Baierns" zuwies, aber nicht das Land anderer Slawen wie der Sorben. Schon hier begann ein Konflikt, der erst 650 Jahre später mit dem Vertrag von Eger am 25. April 1459 beigelegt wurde. Der Vertrag von Eger legte die Grenze zwischen Sachsen und Böhmen fest. Diese Grenze ist größtenteils noch heute gültig und gehört somit zu den ältesten noch bestehenden Grenzen Europas.

Reliquie des heiligen Oswald aus dem Königskloster Echternach

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Von Karl dem Großen, den der heilige Dietbald persönlich aus seiner Zeit an der Hofkapelle (794 bis 796) kannte, erhielt er um 810 auf Bitten einen Partikel der Kopf-Reliquie des heiligen Oswald von Northumbria. Dieses bedeutende Reliquiar war bereits im Jahr 698 auf Veranlassung des heiligen Willibrord zur Gründung des Klosters Echternach in das Frankenreich gekommen. Die spätere Reichsabtei Echternach war die erste angelsächsische Klostergründung im Fränkischen Reich. Bischof Wilfrid von York hatte einem Wunsch Willibrords entsprochen und ihm für Echternach Mönche aus dem Kloster Ripon (heute zu North Yorkshire) geschickt, welche die Kopf-Reliquie des heiligen Oswald nach Echternach mitbrachten.

Wilfrid von York und Benedict Biscop sind die ersten bekannten Angelsachsen, die zwischen etwa 653 und 658 eine Pilgerreise nach Rom unternommen hatten. Sie hatten wenig später beide wesentlich dazu beigetragen, den römischen Ritus gegen den iroschottischen Ritus in Angelsachsen durchzusetzen. Dabei wurde auch der iroschottische Kult des Hl. Oswald für die Zwecke der römisch-katholischen Kirche mit deren Latinität und deren Weltmachtsanspruch vereinnahmt.

Willibrord brachte den Kult des Hl. Oswald bereits 690 mit nach Friesland, der sich von dort aus weiter verbreitete.

Karl der Große hatte im Jahr 797 die Kontrolle über die bedeutende Königsabtei Echternach persönlich übernommen und sie bis zu seinem Tod 814 auch behalten. Demzufolge konnte er auch verfügen, daß der heilige Dietbald einen Partikel der Kopf-Reliquie des heiligen Oswald erhielt.

797 war Abt Beornrad von Sens verstorben, der dem gelehrten Hofkreis Karls des Großen unter dem Namen Samuel angehörte und dadurch seit 785/786 auch Erzbischof von Sens war.

Schon im Jahr 751 hatte Pippin das Kloster in den Rang einer "königlichen Abtei" erhoben und ihr Autonomie verliehen.

Dietbald findet Spuren der iroschottischen Mission

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Die Entsendung von Dietbald nach Nisan fiel in das Jahr 811 oder 812. Politisch gestützt auf die Macht des fränkischen Reiches konnte er dort mit seiner Missionsarbeit beginnen.

Dietbald stieß in Nisan auf die Spuren der vorangegangenen Iroschottischen Mission.

Nach Altmähren gelangten die iroschottischen Mönche über die Elbe, wobei sie auch durch Nisan (den Dresdner Elbtalkessel) kamen.

Die iroschottische Mission im späteren Großmährischen Reich ist bei wenigstens zwei Kirchen in Mikulčice (der großmährischen Hauptstadt vor Veligrad und einer Kirche in Modra ("Perle der Kleinen Karpaten") auch archäologisch nachgewiesen. Die drei genannten Kirchen haben typisch iroschottische Grundrisse - ein rechteckiges Kirchenschiff mit Presbyterium und den typischen "chrochaingail" genannten Querwänden (vgl. die schottische Kirche auf der Orkney-Insel Egilsay).

Veligrad wurde wahrscheinlich erstmals 869 in den "annales fuldenses" als eine namenlose Festung des Fürsten Rastislav erwähnt, 871 löste dieser Ort dann Mikulčice in der Haupttadtfunktion des Großmährischen Reiches ab.

vgl.

Archäologisches Museum Mikulčice-Valy - Grundsteine einer Kirche 1
Archäologisches Museum Mikulčice-Valy - Grundsteine einer Kirche 2
Archäologisches Museum Mikulčice-Valy - Grundsteine einer weiteren Kirche

An der Amandus-Furt mit dem Amandus-Stein (später Eisernen Furt; keltisch/germanisch: Bedfurdi = Birkenfurt) in Bresnice und in der 30 km entfernten Burg Dohna (donin) wurden Wegestationen eingerichtet. Als der heilige Dietbald 811 oder 812 mit einem Tragaltar und zahlreichen angelsächsischen und altsächsischen christlichen Schriften nach Nisan kam, fand er in Bresnice und auf der Burg Dohna irische Bücher, Glocken und Stäbe vor, allerdings keinen Christen mehr. Die Burg Dohna war bereits in der Keltenzeit ab etwa 450 / 400 v. Chr. Oppidium (Stadt) und über eine Fahrstraße mit Dubí (Eichwald; 4 km nördlich von Teplice) an der tschechischen Weißeritz verbunden. Dort gab es Hütten und Lagerschuppen für die Händler. Von Bresnice aus ging es westwärts in die Altsiedellande.

Dies veranlaßte Dietbald, in der später nach ihm benannten Dippoldiswalder Heide 20 km oberhalb Dohnas seine Klause einzurichten und von dort aus mit einer Missionsarbeit zu beginnen.

vgl. sorbisch-orthodoxer Prolog II, Bl. 137.

Die Verehrung des Caesarius von Terracina wird bei den Nisanern wenig angenommen

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Dietbald führte mit seinem Tragaltar die Verehrung des Caesarius von Terracina bei den Nisanern ein. Zugute kam ihm dabei, daß Karl der Große das Caesarentum der Antike im Jahr 800 erneuert hatte. Aus dem Namen Karl entstand bei den Völkern im Osten des Fränkischen Reiches - den Slawen, Balten und später auch den Ungarn - die Bezeichnung für den König, beispielsweise im Sorbischen Kral, im Tschechischen Král, im Polnischen Król, im Ungarischen Király, im Lettischen Karalis, im Litauischen Karalius, im Bulgarischen Крал und im Russischen Король.

Durch Caesarius von Terracina nahmen die Nisaner Anteil an dem Heiligen, den die römischen Kaiser schon 377 für ihren Palast gewählt hatten - vier Jahre vor der Einführung des Christentums als Staatsreligion des römischen Reiches und siebzehn Jahre vor dem Verbot anderer Religionen. In Caesarius von Terracina war das römische Kaisertum präsent, das im Jahr 800 von Karl dem Großen erneuert worden war.

Da Karl der Große durch seine Feldzüge gegen die Slawen wie auch die Sorben eher als Feind wahrgenommen wurde, der Tributpflicht, Heeresfolge und Latinität erzwungen hatte, konnte sich die Verehrung des Caesarius von Terracina in Nisan nicht durchsetzen.

Stattdessen konzentrierte sich die Verehrung des elitären Adels auf den angelsächsischen Oswald, der ihnen durch seine Volkssprachlichkeit und Volksnähe erheblich näher war.

vgl. Karte Islamische Expansion - das südliche Weströmische Reich befand sich zur Zeit Karls des Großen fest in islamischer Hand.

Die einfachen Nisaner, die nur Altsorbisch sprechen, zeigten sich gegenüber der Caesarius-Verehrung deutlich reserviert. Sie betrachteten das neue Kaisertum und die Politik der "renovatio Romanorum imperii" Karls des Großen geradezu feindselig. Eine "Renovatio imperii" auf slawischen Gebiet war ihnen zuwider, zumal sich das Römische Reich niemals auf die frühslawischen Gebiete erstreckt hatte. Demgegenüber betrachtete Karl der Große die größte Ausdehnung des Römischen Reiches bis zur Elb-Grenze als sein angestammtes Gebiet als neuer Kaiser. Hierdurch wurde insbesondere der Elbtalkessel zu einem Präzedenzfall seiner Ostpolitik, weil dieser das nordöstlichste Ende des Römischen Imperiums als auch des Thüringer Königreiches gebildet hatte. Die Elbe-Saale-Grenze wollte Karl der Große nicht akzeptieren, insbesondere schon deshalb nicht, weil ihm bei seiner "Renovatio imperii" schon in Süditalien und erst recht in Spanien und Portugal seine Grenzen aufgezeigt wurden und eine Erneuerung allein des Weströmischen Reiches in den ehemaligen römischen Provinzen Afrikas (Africa proconsularis, Mauretania Tingitana und Mauretania Caesariensis) infolge der Islamischen Expansion seinerzeit völlig unmöglich war. So blieb ihm nichts anderes übrig, als sich stattdessen im Osten seines Fränkischen Reiches an Land zu bedienen.


vgl. Karte des Fränkischen Reiches zur Zeit Karls des Großen

Die Araber hätten 732 beinahe das reiche Kloster St. Martin in Tours geplündert (vgl. Schlacht von Tours und Poitiers) und hielten sich noch bis 759 im westgotischen Septimanien um Narbonne Auf einer Karte des Fränkischen Reiches zur Zeit Karls des Großen werden Böhmen, Mähren, das Gebiet der Sorben, der Wilzen und der Abotriten, aber auch das der Kroaten und das Herzogtum Benevent als Gebiete "in mehr oder weniger großer Abhängigkeit" gezeigt. Die Abhängigkeit von Böhmen beispielsweise war so groß, daß es 817 zum Königreich Baiern gerechnet wurde. Das noch viel kleinere und unbedeutendere Gebiet der Sorben wurde 817 als Königsland von Ludwig dem Frommen betrachtet.

Um 812: Kapelle des Hl. Oswald in Bresnice und Taufe des Stefan von Bresnice

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Der Hl. Stefan von Bresnice (der Ältere)

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Eine erste kleine Kapelle zu Ehren des Hl. Oswald von Northumbria konnte der heilige Dietbald dank des Partikels der Oswald-Reliquie in Bresnice einrichten, 25 km von seiner Klause entfernt und somit in einem Tagesmarsch bequem zu erreichen (also nur 5 km und damit nur unwesentlich weiter als nach Dohna). Hier bestand an der Amandus-Furt (später Eisernen Furt) über die Elbe im Schutz der slawischen Spornburg eine slawische Fernhandelssiedlung, die von einer Vielzahl Christen aus dem fränkischen Reich aufgesucht wurde. Der Szupan Stefan der Ältere von Bresnice war durch den sehr einträglichen Handel zu einem Vermögen gekommen und umgab sich mit einem sowohl fränkischen als auch byzantinischen Luxus. Ihm kam die Einrichtung einer Kapelle, von der er sich eine Steigerung seiner Einnahmen erhoffte, sehr gelegen. Er überließ dem heiligen Dietbald die irischen Bücher, Glocken und Stäbe zur Benutzung für die Kapelle.

Um noch mehr Anschluß an die damals der sorbischen Kultur überlegene karolingische Renaissance zu bekommen, ließ er sich um 812 mit seiner Familie taufen - noch zu Lebzeiten sowohl von Kaiser Karl dem Großen als auch von Erzbischof Richulf von Mainz († 9. August 813).

In der Kapelle Bresnice konnte Dietbald nun Abschriften seiner angelsächsischen christlichen Bücher zur Benutzung im Gottesdienst deponieren. Der heilige Stefan der Ältere übersetzte für anwesende slawische Muttersprachler den Vortrag in das Altsorbische. Er beherrschte das verstehende Hören und das Sprechen in Altsächsisch, konnte aber weder Lesen noch Schreiben. Stefan der Ältere fungierte nun als (christlicher) "König" der Region Nisan, während Dietbald die Rolle des "Propheten" übernahm.

Der Hl. Aidan und der Hl. Oswald

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Eine ähnliche Situation wie beim Hl. Dietbald und Hl. Stefan findet sich auch beim Hl. Aidan von Lindisfarne, der 635 auf Ersuchen von Oswald von Northumbria das Kloster Lindisfarne auf der Gezeiteninsel Lindisfarne gründete, 10 km (Luftlinie) nordwestlich von Bamburgh Castle, dem Sitz von Oswald. Ebenfalls im Jahr 635 baute der heilige Aidan eine Holzkirche außerhalb der Burgmauer von Bamburgh Castle, wo er im Jahr 652 starb. Ein im Inneren der Kirche erhaltener Holzbalken soll derjenige sein, auf dem er sich bei seinem Tod ausruhte. Der römisch-katholische Paulinus aus dem Sankt-Andreas-Kloster in Rom, erster Bischof von York, war 633 geflohen und hatte so dem iro-schottischen Christentum Platz gemacht. Aidan kam aus dem Koster Iona, über Jahrhunderte das geistliche Zentrum Schottlands. Da Oswald 19 Jahre Zuflucht bei den Schotten suchen mußte, beherrschte er sowohl die gälische iro-schottische Sprache als auch seine Muttersprache Angelsächsisch. Bei den Gottesdiensten und Unterweisungen in der Holzkirche trug der heilige Aidan die Texte in iro-schottisch vor, und der heilige Oswin übersetzte sie anschließend ins Angelsächsische. Auch hier fungierten die Heiligen wie "König" (Oswin von Northumbria) und "Prophet" (Aidan von Lindisfarne).

Der heilige Aidan wurde in der nordwestirischen Provinz Connacht geboren, studierte im Kloster des heiligen Senán (gest. 544) auf Scattery Island im County Clare in Westirland und war vor seiner schottischen Missionsarbeit bis 630 Bischof von Clogher im Norden Irlands.

Der Hl. Aidan ist - genau wie der Hl. Oswald - fester Bestandteil der sorbisch-orthodoxen Hagiographie.

840er Jahre

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In den frühen 840er Jahren hielt sich der "monachus gyrovagus" [1] (wandernde Mönch) Gottschalk der Sachse mit seinem mitreitenden "filiolus Gottesscalcus" (Patenkind Gottschalks) bei Dietbald in Nisan (dem Dresdner Elbtalkessel) auf, um von seinem Freund und Verteidiger in die Slawenmission eingewiesen zu werden. [2] Gottschalk der Sachse missionierte anschließend in Italien und auf dem Balkan bis hin nach Bulgarien - mehr als zwanzig Jahre vor der "Taufe Bulgariens" durch Knjas Boris I. Michail (852–889) im Jahr 864.

Der damals knapp vierzigjährige Gottschalk der Sachse vertrat als Gegenleistung in dieser Zeit den etwa 65-jährigen Dietbald als Priester, während sein Patenkind die Oswald-Kapelle in Bresnice reparierte und renovierte. Diese Holzkirche war zu diesem bereits etwa 30 Jahre alt und pflegebedürftig geworden.

Der "filiolus" säuberte auch den bereits eingewachsenen Amandus-Stein und befreit ihn von Buschwerk.

Anmerkungen

[1] Synodalschreiben von Hrabanus Maurus von Mainz an Hinkmar von Reims aus dem Jahr 848.

[2] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Gottschalk dem Sachsen.

10. August: Bei der Teilung des Fränkischen Reichs durch den Vertrag von Verdun zwischen den überlebenden Söhnen Kaiser Ludwigs des Frommen geriet Nisan (der Raum Dresden = die böhmischen Niederlande) zunächst in den Einflußbereich des Ostfrankenreiches Ludwigs des Deutschen, eines der dabei entstandenen drei Teilreiche neben dem Westfrankenreich Karl des Kahlen und dem dazwischen liegenden Lotharii Regnum von Kaiser Lothar I.. Kirchlich blieb Nisan uner dem Einfluß des Bistum Regensburg

13. Januar: Vierzehn böhmische Fürsten lassen sich in Regensburg taufen und huldigen Ludwig dem Deutschen, darunter auch der Nisaner Gněval der Ältere von Donin aus den Böhmischen Niederlanden (Nisan = niedrig liegendes Land) und sein nordböhmischer Nachbar Bor, welche den Weg nach Regensburg gemeinsam unternehmen. Diese Massentaufe böhmischer Adliger wird als Frucht der Missionsbemühungen angesehen. Nach 845 stoßen die Missionsbemühungen dann eher ins Leere.

  • Ludwig der Deutsche - RI I n. 1380a - 845 ian. 13, .... Taufe von 14 böhmischen häuptlingen, die mit ihren leuten gekommen waren, um christen zu werden. Ann. Fuld. vgl. Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 1,285 n. 4. Aus: RI I n. 1380a, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0845-01-13_1_0_1_1_0_3101_1380a
  • Altsorbische Annalen zu 845

845: Missionierung von Gněval dem Älteren von Dohna

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Dietbalds größter Erfolg war die Missionierung von Gněval dem Älteren von Dohna, der sich 845 zusammen mit 13 weiteren böhmischen Fürsten in Regensburg (dem damaligen Sitz von Ludwig dem Deutschen) taufen ließ.

Gněval der Ältere von Dohna wurde als "dux" bezeichnet, also auch Fürst. Die Übersetzung Herzog wäre für den kleinen Bereich der Nisaner übertrieben.

Gněval der Ältere richtete sich eine elitäre Hauskirche mit altsächsischen Büchern ein und war bestrebt, hier möglichst viele Reliquien zu sammeln. Da das Altsächsische nur in einer schmalen Führungsschicht der Sorben verbreitet war, koppelte diese sich damit von den Gemeinen noch deutlicher ab.

Mitte August marschiert Ludwig der Deutsche in Mähren ein und regelt die Dinge nach seinem Willen. So setzt er bei dieser Gelegenheit Mojmirs Neffen Rastislav als neuen Fürsten ein und hatte fast ein Jahrzehnt Ruhe in der Mährerangelegenheit. Für Böhmen und auch Nisan ist die Gefahr eines großmährischen Übergriffes damit gebannt.

  • Annales Fuldenses ad 846: … circa medium mensem Augustum cum exercitu ad Sclavos Margenses defectionem molientes profectus est. Ubi ordinatis et iuxta libitum suum conpositis rebus ducem eis constituit Rastizen nepotem Moimari; inde per Boemanos cum magna difficultate et grandi damno exercitus sui reversus est.

Oktober 847: Der heilige Dietbald predigt nach der Synode des Erzbistums Mainz auch in Altsorbisch

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Am 16. Juni 847 trat Hrabanus Maurus sein Amt als Erzbischof von Mainz an, der damals größten Kirchenprovinz im ostfränkischen Reich. Bereits kurz nach seiner Amtsübernahme berief er im Oktober 847 eine erste Synode in das Kloster St. Alban vor den Toren von Mainz ein, auf der Bischöfe, Chorbischöfe (eine Vorform des heutigen Weihbischofs) und Äbte über die Stärkung des Glaubens und der Disziplin berieten. Vorbild war die Synode in Mainz 813. Die Prediger wurden dazu angehalten, dem einfachen Volk verständliche Predigten zu halten.

Der heilige Dietbald nahm dies zum Anlaß, seine Predigten in der Oswald-Kapelle nun nicht nur in Altsächsisch, sondern auch noch in Altsorbisch zu halten, das er in den rund 35 Jahren seiner Missionsarbeit in Nisan mittlerweile verinnerlicht hatte. Er wurde dazu sogar von seinem neuen Mainzer Erzbischof ermutigt. Beide kannten sich aus den Jahren 798 bis um 800, als sie noch Schüler bei Alkuin in St. Martin zu Tours waren. Erzbischof Hrabanus Maurus war damals 67 Jahre, der heilige Dietbald etwa 70 Jahre.

Eine Meinungsverschiedenheit trat im Falle der Thiota "pseudoprophetissa" ein, die von der Synode verurteilt worden war. Hrabanus Maurus mußte sich angeblich nur von Amts wegen hinter den Prozessbeschluss der Synode stellen. Er hatte ihn allerdings mitgetragen, während der heilige Dietbald solche Gewaltexzesse nach wie vor ablehnte. Zudem war eine kirchliche Synode nicht zu so einem Urteil berechtigt, sondern dies oblag der weltlichen Gewalt.

Nach den Fuldaer Annalen war Thiota "pseudoprophetissa" predigend durch Alemannien gezogen und dafür öffentlich mit der Prügelstrafe belegt worden, weil sie sich das Predigeramt angemaßt hatte. Wegen der außergewöhnlichen Härte der Bestrafung hatte sie dann den Verstand verloren.

Aufstand von Ratpot, dem Präfekten des bairischen Ostlandes. Dieser Aufstand wird durch den Ostfrankenkönig Ludwig den Deutschen niedergeschlagen, Ratpot seines Amtes enthoben. Aus den heute bekannten Quellen ist nicht zu erkennen, ob sich der 846 von Ludwig dem Deutschen eingesetzte Mährerfürst/-könig Rastislav mit Ratpot verbündet hatte. [1] Allerdings nutzt Rastislav die Zwistigkeiten im östlichsten Teil des Frankenlandes für eine erneute expansive Politik des Mährerreiches.

  • im Ergebnis des Aufstandes von Ratpot beginnt die ostfränkische Tributherrschaft über Böhmen und Nisan zu bröckeln - auch die römisch-katholische Kirche verliert an Einfluß über den böhmischen Raum (zuständig war das Bistum Regensburg unter seinem 6. Bischof Erchanfried, reg. 847 bis 864)

Geboren Bořivoj I., Herzog von Böhmen (852 bis 855)

[1] Mathias Becher, Alheydis Plassmann (Hrsg.): Streit am Hof im Mittelalter, V&R unipress, Göttingen 2011, ISBN 978-3-89971-884-3, S. 233.

Der Mährerfürst/Mährerkönig Rastislaw nutzt die Schwäche des ostfränkischen Reiches und annektiert bis 855 das Gebiet zwischen Dyje und Donau sowie Territorien in der Ostslowakei. Zur Sicherung baut er in diesen Gebieten neue Festungen. König Ludwig der Deutsche übernimmt nun persönlich die Kontrolle über das baierische Ostland und unternimmt einen Feldzug nach Mähren, den er wegen dem Burgwallsystem der Mährer erfolglos abbrechen muss. Er zieht sich daraufhin mit seinem Heer plündernd aus Mähren zurück, wobei Rastislaw einen heftigen Angriff auf sein Lager führt und ihm sogar bis ins Ostfrankenreich folgt, sehr viele grenznahe baierische Orte verwüstend. [1]

Ende der ostfränkischen Tributherrschaft über Böhmen und Nisan

Schwinden des Einflusses der römisch-katholischen Kirche in Böhmen und Nisan (zuständig war das Bistum Regensburg unter seinem 6. Bischof Erchanfried, reg. 847 bis 864)

Geboren

  • Bořivoj I., Herzog von Böhmen (852 bis 855)
  • Ludmilla von Böhmen (855 bis 860)

[1] Ludwig der Deutsche - 855, in Sclavos Morahenses - Heerfahrt gegen den aufständischen herzog Rastiz (Ratislaw) ohne grösseren erfolg ... verwüstung des landes, blutige abwehr eines angriffes auf das lager, sieglose rückkehr ... ; Rastiz folgt dem abziehenden heer und plündert und verwüstet sehr viele orte ienseits der Donau. Ann. Fuld. vgl. Ann. s. Lamberti, Hildesh. M. G. SS. 3,47, 46. In: RI I n. 1412b, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0855-00-00_2_0_1_1_0_3177_1412b


Rastislav von Mähren gibt dem böhmischen Fürsten Sclavitag nach einer erfolglosen Rebellion gegen die Franken Zuflucht, nachdem Sclavitag mittels eines fränkischen Heerzuges aus Böhmen gedrängt wurde. [1] Diese kurze Notiz über Sclavitag gibt keinen Hinweis auf die Lage Moravias, aber Sclavitags Ankunft an Rastislavs Hof ist das erste Mal, dass böhmische und mährische Geschichte miteinander verbunden sind. Bis zu diesem Zeitpunkt waren alle Konflikte zwischen den Franken und den Böhmen ohne Beteiligung der Mährer geführt worden, während Ereignisse, die die Mährer betrafen, die Böhmen nicht betroffen hatten. Während Karlmann 856 an den Grenzen der Ostmark (d.h. in den Regionen südlich der Donau, einschließlich Kärnten) beschäftigt war, begann der Feldzug gegen Sclavitag in Bayern unter der Führung von Otgar, Bischof von Eichstätt und Hruodoltus (dem "comes palatti" Ludwig des Deutschen) und Ernst, Sohn des Markgrafen Ernst. Der Grund dafür könnte sein, dass die Böhmen normalerweise die Aufgabe der Markgrafen aus Bayern waren, während die Mähren von den Markgrafen aus der Ostmark in Schach gehalten wurden. Die Grafen der Ostmark waren nicht an den Angelegenheiten in Böhmen oder in den Gebieten nördlich der Donau beteiligt. Die Ostmark sollte ein Bollwerk sein, das Bayern im Osten vor allem vor Angriffen aus Pannonien verteidigte.

Geboren Ludmilla von Böhmen (855 bis 860)

[1] 857: Heerfahrt des bischofs Otgar (Eichstädt), des pfalzgrafen Hruodolt und Ernst, des sohnes des markgrafen (ducis) Ernst, mit ihren leuten gegen Böhmen ... ; sie erobern die 'stadt' des schon seit vielen iahren aufrührerischen herzogs Wiztrach ... und vertreiben daraus dessen sohn Sclavitag (Sclaiutag), der über dieselbe herrschte. Dieser flieht zu Ratislaw (Rastiz), sein bruder, der von ihm vertrieben bei dem Sorbenfürsten Zistibor ausser landes lebte, erscheint vor dem könig (um die huldigung zu leisten) und erhält nun das eroberte gebiet. Ann. Fuld. In: RI I n. 1427a, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0857-00-00_1_0_1_1_0_3200_1427a

Der Erzbischof von Mainz Karl von Aquitanien überträgt die Reliquien der hl. Innocentia in das "Hohe Kloster" zu Erfurt. Bei diesem Volksauflauf ist auch Gněval der Ältere von Dohna anwesend, der eine Reliquie der Innocentia für seine Hauskirche bekam. [1]

Erfurt gehörte damals zum Erzbistum Mainz und war schon vor 805 neben Magdeburg, Regensburg und anderen grenznahen Städten ein Handelsplatz mit den Slawen, weswegen Gněval der Ältere sich dort regelmäßig einfand. [2]

Geboren Ludmilla von Böhmen (855 bis 860)

[1] "Karl (856-862) (RIplus Regg. EB Mainz 1 [n. 372] 858, Erfurt) überträgt reliquien der hl. Innocentia in das "hohe kloster" zu Erfurt. Qui [Karolus] annuens praecibus sanctimonialium in Alto monasterio consistentium, partem quandam de reliquiis sanctae Innocentiae ad praedictum coenobium, sicut ipse vidisti, transtulit. Luitolfus de S. Severo in: Jaffé, Mon. Mog. 517; Karolus aeus quandam partem de reliquiis sanctae Innocentiae transtulit ad Erphesfurt. Lamb. Ann. in: MGH SS 3, 49. Überlieferung/Literatur Vergl. Kirchhoff, Aelteste Weisthümer d. Stadt Erfurt 144; Beyer u. Böckner, G. d. Stiftsk. b. M. v. in: Mittheilungen z. G. v. Erfurt VI, 168; S. auch bei Otgar nr. 18. [Nummer im Druck: 3] In: RIplus Regg. EB Mainz 1 [n. 372], in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b4ae2b5c-53f0-46ba-88e0-428cace7c146 (Abgerufen am 23.04.2024).

[2] Sorbisch-orthodoxer Prolog III, Bl. 137.

862 oder 863: durch die byzantinische Mission in Altmähren, dem späteren Großmährischen Reich, entsteht die Sorbisch-orthodoxe Kirche

Gestorben

  • 17. September: Badurad, 815–862 zweiter Bischof von Paderborn, er unterstützte die Gründung des Klosters Corvey und die Erhebung des Stiftes Herford zur Reichsabtei, beide Klöster entwickeln sich zu Missions- und Bildungszentren für Sachsen und die Sorbenmark

862 oder 863: durch die byzantinische Mission in Altmähren, dem späteren Großmährischen Reich, entsteht die Sorbisch-orthodoxe Kirche

Gestorben

  • 17. September: Karl von Aquitanien, Erzbischof von Mainz von 856 bis 863 - er erhielt die Ansprüche des Erzbistums Mainz auf die slawischen Missionsgebiete im Osten aufrecht, welche vom Erzbistum Salzburg bestritten wurden

Der altmährische König Rastislav macht den Mojmiriden Svatopluk I. zum Lehensherren des Fürstentums Nitra.

Der gerade erst mannbare Přemyslide Bořivoj wird Herzog der Böhmen, wahrscheinlich durch Protektion von Svatopluk I. (nach anderen Meinungen erst 871). Als Grund der Einsetzung von Bořivoj in Böhmen wird dessen Verwandtschaft mit dem Herrscherhaus der altmährischen Mojmiriden genannt, wonach Přemysliden und Mojmiriden miteinander versippt wären. Dies könnte aber allein schon durch die Verschwägerung 871 mit Svatopluk I. begründet sein. Als weiterer Grund wird genannt, der junge Bořivoj wurde am Hof von Svatopluk I. zu einer promährischen Einstellung erzogen.

Beginn einer expansiven böhmischen Politik nach Norden und Osten. Nisan gehört nach dem Bayerischen Geographen wahrscheinlich (als Böhmische Niederlande) zum Herrschaftsbereich von Bořivoj. Wahrscheinlicher Beginn der Herrschaft der Přemysliden über Nisan (nach anderen Meinungen erst in den 870er oder 880er Jahren), möglicher Beginn einer indirekten Herrschaft der Mojmiriden über Nisan.

Method von Saloniki wird in Rom von Papst Hadrian II. zum Erzbischof von Sirmium, Pannonien und Großmähren ernannt

Die Markgrafen der Ostmark (Marcha orientalis), Engelschalk I. und Wilhelm II., Söhne von Wilhelm I., fallen im Krieg gegen den Mojmiriden Svatopluk I.

Svatopluk I. heiratet die Přemyslidin Svatožizňa, die Schwester Bořivojs. Nach einigen Historikern fällt die Einsetzung von Bořivoj durch Svatopluk I. erst in dieses Jahr (nach anderer Meinung war Bořivoj zuvor ein autonomer Herrscher).

Gestorben:

  • Engelschalk I., Markgraf der Ostmark (Marcha orientalis)
  • Wilhelm II., Markgraf der Ostmark (Marcha orientalis)

Bořivoj kämpft mit weiteren böhmischen Fürsten gegen ein in Böhmen eingefallenes fränkisches Heer: Schlacht an der Moldau. Erste Erwähnung Bořivojs, weswegen sein Regierungsantritt und sein Verhältnis zu Svatopluk I. umstritten sind. Zur gleichen Zeit werden die Heere der Sachsen und Thüringer von den Mährern in die Flucht geschlagen. Nisan stellt wahrscheinlich Krieger für Bořivoj.

Bořivoj heiratet Ludmilla, die Tochter Slavibors, des sorbischen Fürsten der Milzener um Bautzen. Durch diese Heirat wird eine antifränkische Allianz bekräftigt. Nisan stellt wahrscheinlich Krieger für Bořivoj.

Svatopluk I. und Ludwig der Deutsche schließen den Forchheimer Frieden. Svatopluk erkennt formell die Oberhoheit des Fränkischen Reiches an und verpflichtet zu Tributzahlungen.

Taufe Bořivojs in (Alt)Mähren und wahrscheinlich auch von Ludmilla (vermutlich in Böhmen). Nisan bekommt ein christliches Herrscherpaar.

  • Es gibt eine ganze Reihe weiterer Datierungen dieser sogenannten Taufe Böhmens ab den 870er Jahren.

Stiftung christlicher Schulen wie in Ludmillas Heimat Bautzen (wahrscheinlich mit Kapelle) und christlicher Kirchen (auch nördlich des Erzgebirges wie in oder bei Görlitz, in Gana und in Bresnice in Nisan) durch Ludmilla und Bořivoj I.

  • Abhängig von der sogenannten Taufe Böhmens (wahrscheinlich 883) werden diese Stiftungen auch bis zurück in die 870er Jahre datiert. Einige dieser Stiftungen wurden der Überlieferung auch durch Method von Saloniki geweiht.

Dezember: Wiching wurde von Papst Stephan V. zum Bischof von Neutra und zum „Verwalter“ (nicht zum Erzbischof) der Pannonisch-Mährischen Diözese geweiht - er wird damit zum neuen kirchlichen Oberhaupt auch für Böhmen mit Nisan

Gestorben

  • 6. April: Method von Saloniki, Erzbischof von Sirmium, Pannonien und Großmähren (kirchliches Oberhaupt auch für Böhmen und damit auch von Nisan) - der Überlieferung nach wurde er in Veligrad, dem heutigen Staré Město u Uherského Hradiště, begraben

Juni: Der Erzbischof von Mainz Liutbert wird durch eine Hofintrige Erzkanzler des Ostfrankenreiches und versucht mit dieser neuen Machtfülle, erneut im Bereich der Sorben mit Nisan (= der Raum Dresden) Fuß zu fassen.

  • "Karl III (der Dicke) - RI I n. 1754a - 887, Kirihheim: Absetzung des erzkanzlers Liutward: der allmächtige günstling (vgl. no 1748a; Ann. Fuld. V (ed. Kurze 115): qui tunc maximus consiliator regis palacii fuit; Regino 901: Caroli quondam imperatoris familiarissimus et consiliarius a secreto vgl. Wiener SB. 92,354 n. 5), durch seinen hochmut und seine habgier verhasst (cenodoxia inflatus et philargiria caecatus, Ann. Fuld. IV ed. Kurze 106 vgl. Regino 901: assumptis secum opibus et incomparabilibus thesauris, quibus ultra quam aestimari potest abundabat), wird von den Alamannen, welche sich zu seinem sturz verschworen (Alamanni contra Liutwardum episcopum dolose conspiravere, Ann. Fuld. V), der ketzerei angeklagt (fidem catholicam pervertere et redemptori nostro detrahere laborabat dicens eum unum esse unitate substantiae, non personae, cum s. aecclesia credat et confiteatur eum in duabus substantiis unam habere personam, Ann. Fuld. IV) und des ehebruchs mit der kaiserin beschuldigt (obiecto ad. crimine, eo quod reginae secretis familiarius quam oportebat immisceretur, Regino 887); der hilflose kaiser weicht endlich dem auf ihn geübten druck, nach einer beratung mit den seinen entsetzt er Liutward seiner würden als erzkanzler und erzkaplan, entzieht ihm und seinen verwandten (vgl. no 1760) die lehen und verweist ihn mit schimpf und schande vom hof (sed idem rex regum hoc anno concitavit animos imperatoris in blasphemum, qui habita cum suis conlocutione in loco K. eum deposuit, ne esset archicapellanus, multisque beneficiis ab eo sublatis ut haereticum et omnibus odiosum cum dedecore de palatio expulit, Ann. Fuld. IV; eum a praesentia imperatoris omni honore privatum abire compellunt, Ann. Fuld. V; a suo latere cum dedecore repulit, Regino 887; qualiter nos quibusdam exortis occasionibus Liutwardo venerabili episcopo paulolum commoti honores abstulimus, no 1760; die ansicht Sickels Beitr. VII Wiener SB. 93,666, dass Liutward nicht wirklich erzkaplan gewesen sei, sondern nur nach dieser würde gestrebt habe, vermag ich, namentlich auch der bestimmten angabe in Ann. Fuld. IV gegenüber, nicht zu teilen). Wahrscheinlich erfolgte die absetzung Liutwards erst im iuli; würde die in abschriften von no 1751, 52, 54 überlieferte rekognition adv. Liutberti grössere glaubwürdigkeit beanspruchen können, als die aus denselben quellen unmittelbar schöpfenden drucke mit der rekognition adv. Liutwardi, so müsste die katastrophe allerdings schon in der ersten hälfte des iuni erfolgt sein. - Die kaiserin Richarda, welche sich zum beweis nicht nur ihrer ehelichen treue, sondern auch ihrer iungfräulichkeit zum gottesurteil bereit erklärt, trennt sich von ihrem gemahl und zieht sich in ihr kloster Andlau zurück (Paucis interpositis diebus coniugem R. pro eadem re in concionem vocat et, mirum dictu, publice protestatur nunquam se carnali coitu cum eo miscuisse, cum plus quam decennio legitimi matrimonii foedere eius consortio esset sociata [Karl vermählte sich 862, no 1450]. Illa econtra non solum ab eius, sed etiam ab omni virili commixtione se immunem esse profitetur et de virginitatis integritate gloriatur idque se approbare dei omnipotentis iudicio, si marito placeret, aut singulari certamine aut ignitorum vomerum examine fiducialiter adfirmat. Facto discidio in monasterio, quod in proprietate sua construxerat, deo famulatura recessit. Regino 887 vgl. Herimanni Aug. chr. 887 M. G. SS. 5,109; über die glaubwürdigkeit des berichtes Reginos Dümmler 2. A. 3,284 n. 3; erst spätere erdichtungen, Legenda Richardis Grandidier Strasbourg 1b,310, Kaiserschr. ed. Massmann 2,415 vgl. Dümmler 3, 285 n. 2, wissen von dem gottesurteil mit dem angezündeten wachshemd zu erzählen). Liutward begibt sich zu Arnold nach Baiern, um ihn zum sturz des kaisers aufzustacheln (cum eo machinari studuit, qualiter imperatorem regno privaret, Ann. Fuld. IV). An seine stelle als erzkanzler und erzkaplan tritt erzbischof Liutbert von Mainz vgl. Wiener SB. 92,357. - Siechtum des kaisers: mox vero caesar gravissima infirmitate detentus est, Ann. Fuld. V; his ita gestis imperator corpore et animo coepit aegrotare, Regino 887 vgl. Erchenperti H. Lang. c. 79 M. G. SS. Lang. 263: cognoscens autem Guido Carlum angustum seminecem iacere ..." In: RI I n. 1754a, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0887-00-00_1_0_1_1_0_3931_1754a

Nach dem Tod Karls des Dicken beginnt der Zerfall des karolingischen Frankenreiches und die damit einhergehende Erstarkung des Altmährischen Reiches, welches sich zu Großmähren entwickelt.

Gestorben

  • 13. Januar: Karl der Dicke, Kaiser des Frankenreiches, stirbt in Neidingen (heute Neudingen in Donaueschingen)
  • Bořivoj I., Herzog von Böhmen (888 bis 890)

der Abt des Reichsklosters Fulda Sunderold wird auf Empfehlung von Markgraf der Sorbenmark Poppo von Thüringen beim Ostfrankenkönig Arnulf von Kärnten Erzbischof von Mainz und Erzkanzler des Fränkischen Reichs - daraufhin arbeiten Sunderold und Poppo Hand in Hand auf die Erweiterung des kirchlichen wie auch weltlichen Einflusses auf die Sorben einschließlich der Nisaner (im Raum Dresden) hin

Gestorben

  • Bořivoj I., Herzog von Böhmen (888 bis 890)

Nach dem Tod (oder der Ermordung) des böhmischen Herzogs Bořivoj (mit etwa 33 bis 38 Jahren) [1] läßt sich der Mährerfürst Svatopluk I. vom ostfränkischen König Arnolf von Kärnten auf dem Omuntesperch die Vormundschaft über Bořivojs minderjährige Söhne Spytihněv I. und Vratislav I. und damit die Vorherrschaft über Böhmen legitimieren.

Ausgreifen des Altmährischen Reiches über Nisan hinaus auf Daleminzien, Milsca und weitere sorbische Gebiete bis an die Saale und Beginn der direkten Herrschaft der Mojmiriden über Nisan. [2]

Gestorben

  • Bořivoj I., Herzog von Böhmen (888 bis 890)

[1] Nach anderer Meinung fand der Tod von Bořivoj bereits 888 statt, seine Geburt wird in Abhängigkeit seines Regierungsantrittes (867 oder 871) etwa auf 852 bis 855 datiert.

[2] Diese Epoche wird von einigen Historikern auch Großmähren oder Großmährisches Reich genannt, einige datieren sie bereits etwas früher, andere hingegen vermeiden den Begriff Großmähren.

26. Juni: die durch den Erzbischof von Mainz Sunderold angeführten Reichstruppen werden durch Wikinger an der Geule (nicht weit von Maastricht) besiegt. Während dieser Schlacht kommt Erzbischof Sunderold zusammen mit einem weiteren Heerführer um.[1]

  • durch den Tod Sunderolds endet zunächst der seit 811/812 (versuchte) kirchliche Einfluss des Erzbistums Mainz auf die Nisaner (im Raum Dresden) – der Nachfolger Sunderolds, Hatto I. von Mainz, spielt auf der ganz großen politischen Bühne und wird Kaisermacher (896) von Ostfrankenkönig Arnolf von Kärnten und nach dessen Tod (899) Vormund seines Sohnes und mächtigster Mann im Reich – Nisan war ihm zu unbedeutend, so dass die Erzbischöfe von Salzburg und mit ihnen die Bischöfe von Passau hier und in Böhmen an Einfluss gewinnen (im Juli 892 endete auch der Versuch des Bischofs von Würzburg Arn, mit Schützenhilfe des Reichsheeres – das gleichzeitig in Mähren einmarschierte und dessen militärischen Kräfte band – seine Slawenmission auf das Gebiet der Böhmen und Sorben auszuweiten – er wurde am Fluss Chemnitz im Gau Chutizi von den Elbsorben "mit dem grössten teil seiner schaar erschlagen" – auch die Daleminzier und Nisaner beteiligten sich daran) [2]

Gestorben

  • 26. Juni: Sunderold, Erzbischof von Mainz

[1] Annales Fuldenses, Jahr 891, nach Depping, Kapitel 7, S. 34 - vgl. Georg Bernhard Depping: Histoire des expéditions maritimes des Normands, vol. II, libr. Ponthieu, 1826, Paris.

[2] "Arnolf - RI I n. 1875a - 892 iuli 00, Moravam: Heerfahrt mit den Franken, Baiern und Alamannen; das land wird durch 4 wochen mit hilfe der Ungarn (Ungaris etiam ibidem ad se cum expeditione venientibus) mit feuer und schwert verwüstet. Ann. Fuld., Alam. et Laubac. vgl. Regino 890, Amn. Sangall. M. G. SS. 1,77. Gleichzeitig unternimmt bischof Arn von Wirzburg auf den rat des thüringischen markgrafen Poppo (vgl. no 1693e, 1677a) einen zug gegen die Böhmen; auf dem rückweg wird er im gau Chutizi an der Chemnitz (Thietmari chr. I, 3 M. G. SS. 3,735) von den Sorben am 13. iuli angegriffen und mit dem grössten teil seiner schaar erschlagen. Regino 892, Ann. Hildesh. M. G. SS. 3,5051 vgl. Mirac. s. Wigberti c. 11 ib. 4,225; Arns todestag inschr. bei Eckhart Francia or. 2,730, Ann. necrol. Fuld. M. G. SS. 1,187 u. a. vgl. Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 3,355 n. 2. Zu seinem nachfolger wird Rudolf, der bruder der grafen Konrad und Gebhard, licet nobilis, stultissimus tamen, bestellt, Regino 892. Die hilfe der Ungarn gab veranlassung zu der späteren fabel, Arnolf habe den abgesperrten Ungarn den weg nach Deutschland geöffnet, Widukind I, 19 M. G. SS. 3,426, Liutprand Antap. I, 13, 36, Ann. Sangall. 892, Ratispon. 894 M. G. SS. 1,77; 17,582. Über die herkunft der Ungarn und ihre frühere geschichte Büdinger Öst. Gesch. 1,209, Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 3,438, Huber Gesch. Öst. 1,114." In: RI I n. 1875a, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0892-07-00_1_0_1_1_0_4110_1875a

Februar: Mit einem Überfall auf Trier und die Abtei Prüm geht eine seit 862 bestehende Einfalls-Serie der Normannen in das Gebiet des Ostfrankenreiches zu Ende, so dass die Miltärkräfte nicht mehr in dem Maße gebunden sind wie bis dahin (ab 901 setzen sich die Ungarn in Pannonien fest, so daß die militärischen Kräfte des Ostfrankenreiches hier wieder gefordert werden)

  • "Im febr. unternehmen die Normannen, welche im lager zu Löwen überwintert hatten, einen verheerenden beutezug über die Maas bis gegen Bonn. Ein fränkisches heer, das bei Lannesdorf auf sie stösst, richtet nichts aus. Nachts ziehen die Normannen ab und eilen durch die wälder nach Prüm; alles wird geplündert, einige mönche und sehr viele klosterholden getödtet, die übrigen als gefangene fortgeführt; dem abt und den meisten mönchen war es noch gelungen rechtzeitig zu entkommen. Von Prüm ziehen die Normannen in die Ardennen, wo sie eine veste, die zufluchtstätte der umgegend, erobern und plündern; mit reicher beute kehren sie zurück. Regino 892. Es war der letzte beutezug der Normannen; im herbst, als eine hungersnot das reich heimsuchte, verlassen sie den deutschen boden, um nicht mehr zurückzukehren, Ann. Vedast, Regino 892, Ann. Anglosax. 892." [1]

vgl. 862–864: Die Normannen errichten feste Winterlager in Utrecht und Nimwegen, zerstören Dorestad und plündern Köln und Xanten.

Ostfrankenkönig Arnolf von Kärnten annullierte den Vertrag mit dem Großmährischen Reich von 890 [2] und zieht im Juli 892 mit seinen Verbündeten, diesmal verstärkt durch Ungarn, gegen Svatopluk I. und verwüstet dessen Land vier Wochen lang "mit feuer und schwert". [3] Diesen und zwei weitere Angriffe (nochmals 892 und 893) konnte der mährische Heeresführer niederschlagen.

Im Zusammenhang mit dem Feldzug des Ostfrankenreiches gegen das Großmährische Reich im Juli 892 wurde der Lateiner Wiching der Slawentöter von der slawischen Gegenreaktion im Großmährischen Reich vertrieben und musste zum Ostfrankenkönig Arnolf (auch Arnulf) von Kärnten flüchten, der den geschäftigen notorischen Intriganten wegen dessen Verdiensten für die Römisch-katholische Kirche gleich als Reichskanzler verwendete. Wahrscheinlich handelte Wiching auch im Auftrag Arnolfs, der eine römisch-katholische Kirchenorganisation als Voraussetzung für die Expansion seines Reiches nach Osten betrachtete. Im Frühmittelalter war das Ziel der Slawenmission nicht alleine ein kirchlicher Vorgang. Es bestand immer ein enger Zusammenhang zwischen der Bekehrung und der Festigung von Herrschaft. Die Macht der Fürsten beruhte wesentlich auf dem Gottesgnadentum, und die Römisch-katholische Kirche erhielt ihren Handlungsspielraum durch die Unterstützung der Fürsten. Während im Altsiedelland die Gebiete und Pfründe längst verteilt waren, bot sich in den noch jungfräulichen slawischen Landen die Möglichkeit nahezu grenzenloser Bereicherung. König Arnulf von Kärnten gründete seine Macht in dem riesigen Landraub vor allem auf Kosten der Karantanier, einem slawischen Volk südöstlich des Königreichs Bayern.

Arnolf von Kärnten wurde auf Grundlage dieser Machtbasis im Jahr 896 sogar zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt, war aber immer noch auf weiteren Macht- und Gebietszuwachs aus – vor allem in weiteren benachbarten slawischen Ländern. 895 unterwarfen sich ihm die Böhmen mit den böhmischen Niederlanden Nisan (der Elbtalkessel um Dresden), 897 auch noch die Sorben. Er wollte aber auch noch den Rest des Großmährischen Reiches schlucken, was er aber nicht mehr erlebte. Während das Land Kärnten noch an das ausgerottete slawische Volk erinnert, wurde dieses damals seiner Existenzgrundlagen beraubt. An die elbsorbischen Nisaner und Daleminzier im Raum Dresden-Meißen erinnert noch nicht einmal mehr der Name. Als Daleminzier werden werden eher die Dalmatier verstanden, weil bereits die frühesten deutschen Quellen die sich selbst bezeichnenden Glomaci als Daleminzier bezeichneten. Juli: Zeitgleich mit dem Einfall des Reichsheeres in drei Säulen in das Großmährische Reich fällt Bischof Arn von Würzburg auf Anraten des Markgrafen der Sorbenmark Poppo über die Böhmen und Elbsorben her, die zu diesem Zeitpunkt noch zu den Mährern gehören (die Böhmen unterwarfen sich erst 895, die Sorben 897). [4]

13. Juli: Bischof Arn von Würzburg wird am Fluss Chemnitz im Gau Chutizi von den Elbsorben "mit dem grössten teil seiner schaar erschlagen" - auch die Daleminzier und Nisaner beteiligten sich daran). [5]

Gestorben

  • 13. Juli: Bischof Arn von Würzburg (am Fluss Chemnitz im Gau Chutizi von den Elbsorben "mit dem grössten teil seiner schaar erschlagen" - auch die Daleminzier und Nisaner beteiligten sich daran)

[1] RI I n. 1869b, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0892-00-00_2_0_1_1_0_4103_1869b (Abgerufen am 25.05.2024).

[2] "Arnolf - RI I n. 1869b - 892, Henigstfeldon: Zusammenkunft des über Zuentibalds ausbleiben erzürnten königs mit herzog Brazlavo (der über die Slovenen zwischen Drau und Save gebot); beratung über zeit und ort eines angriffs auf Mähren, beschluss in das land mit 3 heeren einzurücken. Ann. Fuld. Hengistfeldon das becken von Graz, Kaemmel Die Anfänge deutschen Lebens in Öst. 263, Chroust im N. Arch. 15,591; in urk. des 12. iahrh. Hengiste (Hengstberg bei Wildon s. Graz), Zahn Steiermärk. UB. 2,132, 173." In: RI I n. 1869b, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0892-00-00_2_0_1_1_0_4103_1869b (Abgerufen am 25.05.2024).

[3] "Arnolf - RI I n. 1875a 892 iuli 00, Moravam: Heerfahrt mit den Franken, Baiern und Alamannen; das land wird durch 4 wochen mit hilfe der Ungarn (Ungaris etiam ibidem ad se cum expeditione venientibus) mit feuer und schwert verwüstet. Ann. Fuld., Alam. et Laubac. vgl. Regino 890, Amn. Sangall. M. G. SS. 1,77. Gleichzeitig unternimmt bischof Arn von Wirzburg auf den rat des thüringischen markgrafen Poppo (vgl. no 1693e, 1677a) einen zug gegen die Böhmen; auf dem rückweg wird er im gau Chutizi an der Chemnitz (Thietmari chr. I, 3 M. G. SS. 3,735) von den Sorben am 13. iuli angegriffen und mit dem grössten teil seiner schaar erschlagen. Regino 892, Ann. Hildesh. M. G. SS. 3,5051 vgl. Mirac. s. Wigberti c. 11 ib. 4,225; Arns todestag inschr. bei Eckhart Francia or. 2,730, Ann. necrol. Fuld. M. G. SS. 1,187 u. a. vgl. Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 3,355 n. 2. Zu seinem nachfolger wird Rudolf, der bruder der grafen Konrad und Gebhard, licet nobilis, stultissimus tamen, bestellt, Regino 892. Die hilfe der Ungarn gab veranlassung zu der späteren fabel, Arnolf habe den abgesperrten Ungarn den weg nach Deutschland geöffnet, Widukind I, 19 M. G. SS. 3,426, Liutprand Antap. I, 13, 36, Ann. Sangall. 892, Ratispon. 894 M. G. SS. 1,77; 17,582. Über die herkunft der Ungarn und ihre frühere geschichte Büdinger Öst. Gesch. 1,209, Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 3,438, Huber Gesch. Öst. 1,114." In: RI I n. 1875a, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0892-07-00_1_0_1_1_0_4110_1875a (Abgerufen am 25.05.2024).

[4] "Arnolf - RI I n. 1875a - 892 iuli 00, Moravam: Heerfahrt mit den Franken, Baiern und Alamannen; das land wird durch 4 wochen mit hilfe der Ungarn (Ungaris etiam ibidem ad se cum expeditione venientibus) mit feuer und schwert verwüstet. Ann. Fuld., Alam. et Laubac. vgl. Regino 890, Amn. Sangall. M. G. SS. 1,77. Gleichzeitig unternimmt bischof Arn von Wirzburg auf den rat des thüringischen markgrafen Poppo (vgl. no 1693e, 1677a) einen zug gegen die Böhmen; auf dem rückweg wird er im gau Chutizi an der Chemnitz (Thietmari chr. I, 3 M. G. SS. 3,735) von den Sorben am 13. iuli angegriffen und mit dem grössten teil seiner schaar erschlagen. Regino 892, Ann. Hildesh. M. G. SS. 3,5051 vgl. Mirac. s. Wigberti c. 11 ib. 4,225; Arns todestag inschr. bei Eckhart Francia or. 2,730, Ann. necrol. Fuld. M. G. SS. 1,187 u. a. vgl. Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 3,355 n. 2. Zu seinem nachfolger wird Rudolf, der bruder der grafen Konrad und Gebhard, licet nobilis, stultissimus tamen, bestellt, Regino 892. Die hilfe der Ungarn gab veranlassung zu der späteren fabel, Arnolf habe den abgesperrten Ungarn den weg nach Deutschland geöffnet, Widukind I, 19 M. G. SS. 3,426, Liutprand Antap. I, 13, 36, Ann. Sangall. 892, Ratispon. 894 M. G. SS. 1,77; 17,582. Über die herkunft der Ungarn und ihre frühere geschichte Büdinger Öst. Gesch. 1,209, Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 3,438, Huber Gesch. Öst. 1,114." In: RI I n. 1875a, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0892-07-00_1_0_1_1_0_4110_1875a (Abgerufen am 25.05.2024).

[5] "Arnolf - RI I n. 1875a - 892 iuli 00, Moravam: ... Gleichzeitig unternimmt bischof Arn von Wirzburg auf den rat des thüringischen markgrafen Poppo (vgl. no 1693e, 1677a) einen zug gegen die Böhmen; auf dem rückweg wird er im gau Chutizi an der Chemnitz (Thietmari chr. I, 3 M. G. SS. 3,735) von den Sorben am 13. iuli angegriffen und mit dem grössten teil seiner schaar erschlagen. Regino 892, Ann. Hildesh. M. G. SS. 3,5051 vgl. Mirac. s. Wigberti c. 11 ib. 4,225; Arns todestag inschr. bei Eckhart Francia or. 2,730, Ann. necrol. Fuld. M. G. SS. 1,187 u. a. vgl. Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 3,355 n. 2." In: RI I n. 1875a, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0892-07-00_1_0_1_1_0_4110_1875a

Nach dem Tod von Svatopluk I. wird sein Sohn Mojmir II. Nachfolger im Großmährischen Reich. Infolge von Streit zwischen Mojmir II. und seinem Bruder Svatopluk II. kommt es zu ersten Auflösungserscheinungen des Altmährischen Reiches. Ein dritter Bruder Predslaus erhält vermutlich Bratislava (Pressburg).

Die Mojmiriden herrschen weiter auch über Böhmen und Nisan. Landesherr von Böhmen ist nominell der Přemyslide Herzog Spytihněv I., ältester Sohn von Herzog Bořivoj I. (gest. 890). Von Bořivojs Tod bis 895 stand Spytihněv I. unter der Vormundschaft zunächst von König (rex) Svatopluk I. von Großmähren, ab dessen Tod 894 unter der von dessem Sohn Mojmir II.

Gestorben Svatopluk I., altmährischer König

Mai: Bedeutende Reichsversammlung (svw. Reichstag) und Reichssynode in der Königspfalz Trebur (Südhessen)

  • "berufen von Arnolf, dem zur behebung der eingerissenen übelstände von gott selbst erwählten könig (quapropter rex regum .. novum principem Arnolfum regem pacifico ordine perpetuae tranquillitatis praeferre dignatus est, cuius cor s. spiritus ardore inflammare et zelo divini amoris voluit accendere, ut totus cognoscat mundus non ab homine neque per hominem, sed per ipsum dominum eum esse electum). ... der könig geht in reichem ornat, umgeben von grossem gefolge, in die pfalz und besteigt den tron tractans practice de statu regni et theoretice de ordine et stabilitate ecclesiarum Christi et qualiter boni quiete viverent et mali inulte non peccarent, während die bischöfe ... unter dem vorsitz der metropoliten Hatto von Mainz, Hermann von Köln, Ratbod von Trier (Ann. Fuld.) in der kirche sich zur synode versammeln." [1]

Juli: Eine Abordnung aller böhmischen Großen (darunter auch Gněval der Jüngere von Donin aus Nisan = Dresden) unter der Führung des Přemysliden Spytihněv I. und des Slavnikiden Vitislav huldigt Kaiser Arnulf von Kärnten in Regensburg und zahlt Tribut für militärischen Schutz. Außenpolitisch bindet sich Böhmen nun wieder an das Ostfränkische Reich. [2] [3] [4]

  • "Arnolf - RI I n. 1909b - 895 iuli 00, urbe Radisbona: Allgemeine reichsversammlung, unterwerfung der Czechen: ibi de Sclavania omnes duces Boemanorum, quos Zwentibaldus dux a consortio et potestate Baioaricae gentis per vim dudum divellendo detraxerat, quorum primores erant Spitignewo, Witizla, ad regem venientes et honorifice ab eo recepti per manus, prout mos est, regiae potestati reconciliatos se subdiderunt. Ann. Fuld. mit der zeitangabe mediante mense iulio." [5]

auch eine Gesandtschaft der elbslawischen Obodriten (aus dem westlichen Mecklenburg und östlichen Holstein) bittet in der unterfränkischen Pfalz Salz (Salzgau) mit königlichen Geschenken den ostfränkischen König Arnulf um Frieden [6], während sich die elbslawischen Stämme der Sorben noch bedeckt halten und sich erst 897 dem Ostfrankenreich unterwerfen

auch der spätere römisch-deutsche Kaiser Berengar I. gibt dem auf der Höhe seiner Macht stehenden Arnolf von Kärnten sein ehemaliges Königreich Italien zurück und tritt als Nationalkönigvon Italien zurück

  • "Arnolf - RI I n. 1912b 895, ...." [unbekannter Ort]: "Berengar erscheint vor Arnolf und gibt Italien zurück: Peringarium perterritum ad dedicionem venientem regnumque pervasum Italiae reddentem suscepit et Waldfredo (über ihn Dümmler Ostfränk. Reich 2. A. 3,416 n. 1) Meginfredoque comitibus Italiam cis Padum distribuit. Herimanni Aug. chr. 895 M. G. SS. 5,110." [7]

Mojmir II. von Großmähren versucht einen vergeblichen Rückeroberungsfeldzug gegen die Böhmen. Damit endet die Herrschaft der Mojmiriden über Nisan (= niedrig liegendes Land: der Elbtalkessel um Dresden). Landesherr von Böhmen mit Nisan ist der Přemyslide Herzog Spytihněv I., ältester Sohn von Bořivoj I. (gest. 890). Von Bořivojs Tod bis 895 stand Spytihněv I. unter der Vormundschaft zunächst von König (rex) Svatopluk I. von Großmähren, ab dessen Tod 894 unter der von dessem Sohn Mojmir II..

kirchlich erhebt sofort das Bistum Passau Anspruch auf die Obödienz über die Böhmen (Bischof: Engelmar von Passau, regierte von 875 bis 899) - eine entscheidende Rolle bei diesen Ansprüchen spielte der nach der Niederlage Königs Arnulf von Kärnten im Zusammenstoß mit der großmährischen Armee im Jahr 893 aus dem Großmährischen Reich entwichene Bischof Wiching (der Slawentöter), der seit spätestens 894 Kanzler von Arnolf von Kärnten war [8] (Wiching wurde 898/899 dann auch de facto Bischof von Passau oder am 13. Dezember 899 bis 900, ohne sein Amt antreten zu können) - durch solche Ansprüche, die sich zum Teil realisierten, entwickelte sich das Bistum Passau während des Mittelalters mit 42.000 km² zum größten Bistum des Heiligen Römischen Reichs - das Hochstift Passau verfügte dagegen nur über 991 km²

In der Folge muß die böhmische kirchenslawische Akademie (gegründet 886 nach dem Verbot der Mährischen Akademie) die Prager Burg mit der Marienkirche (gegründet vor 885) verlassen, wobei etliche Lehrer in das Sorbengebiet wechseln, so an die (Elementar)-Schulen von Budyšin (Bautzen) und Gana, aber auch an die von Bresnice (später = Akademie Nisan) in Nisan (=böhmische Niederlande), darunter Panteleimon von Prag und Konstantin von Prag - die slawischen Sprachen waren damals noch wenig ausdifferenziert, so daß es keine Probleme bei diesen Wechseln gab. [9] [10]

Erste Landnahme der mit dem Ostfrankenkönig Arnulf von Kärnten und dem Byzantinischen Reich verbündeten Ungarn im Karpatenbecken (auch Pannonische Tiefebene), dem westlichsten Teil der Eurasischen Steppe, welche sie gewohnt sind

Beginn der verstärkten Ungarnzüge durch Europa (nach der verheerenden Niederlage der Magyaren am 11. April 901 östlich von Wien an der Fischa durch ein bayerisches Aufgebot setzen diese sich dort endgültig fest, besonders um den weit westlich gelegenen Plattensee). Die Elbe mit der Enge des Elbtalkessels um Dresden bildet regelmäßig das Einfallstor der Magyaren in den heute norddeutschen Raum. Dieses Einfallstor benutzten im 6. Jahrtausend vor Christus bereits die allerersten Siedler im Raum Dresden, die Bandkeramiker, und auch noch im 6. Jahrhundert die Awaren sowie die mit ihnen verbündeten Sorben (Nordserben).

Geboren

  • um 895: Mathilde, Gemahlin von König Heinrich I.


Gestorben

  • Álmos (* 819), erster Großfürst der Magyaren, betrat nie das Land Pannonien («non potuit intrare terram Pannoniae»). Erst nach seinem Tod mit 76 Jahren zogen die Ungarn - von den Bulgaren vertrieben - aus Etelköz (ihrer letzten Heimat vor Pannonien) weiter in das heutige Ungarn. Die Magyaren hatten sich mit den Byzantinern verbündet und mußten diesen Kontrakt mit der Heimatlosigkeit büßen. Sie wurden erst im westlichsten Ausläufer des Eurasischen Steppengürtels, dem Karpatenbecken (Pannonische Tiefebene) wieder seßhaft und beunruhigten von dort bis 955 (der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg) nun Europa mit ihren Reiterzügen.

Anmerkungen

[1] RI I n. 1905b, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0895-05-00_1_0_1_1_0_4169_1905b (Abgerufen am 19.05.2024).

[2] "Geschichte von Böhmen. Grösstentheils nach Urkunden und Handschriften", Cambridge University Press 2012 (First published in: 1844), Drittes Buch "Böhmen als Herzogthum unter dem Einflusse Deutschlands vom Jahre 895 bis 1197." Published online by Cambridge University Press: 05. November 2015

[3] "Im 9. Jahrh. faßte das Christenthum festen Fuß in B[öhmen], das endlich 895 freiwillig in den deutschen Reichsverband trat ..." In: Artikel "Böhmen", Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 1. Leipzig 1837., S. 278-281. Permalink: http://www.zeno.org/nid/2000081539X (abgerufen am 19. Mai 2024).

[4] "Eine intensivere Christianisierung setzte aber erst unter großmährischer Oberhoheit ein, nach deren Ende (895) Böhmen in Abhängigkeit vom Ostfrankenreich kam." In: Stefan Albrecht: Böhmen. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2021. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p32546 (Stand 04.02.2021). Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) - Projekt "Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa" (abgerufen am 19. Mai 2024).

[5] RI I n. 1909b, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0895-07-00_1_0_1_1_0_4176_1909b (Abgerufen am 19.05.2024).

[6] Arnolf - RI I n. 1909a 895, curte r. Salz: Empfang einer friedensgesandtschaft der Abodriten (vgl. no 1827a) mit geschenken: quos rex, ut audivit, sina mora postulata annuens et abire permisit. Ann. Fuld. RI I n. 1909a, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0895-00-00_1_0_1_1_0_4175_1909a (Abgerufen am 19.05.2024).

[7] RI I n. 1912b, in: Regesta Imperii Online,URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0895-00-00_1_0_1_1_0_4182_1912b (Abgerufen am 19.05.2024).

[8] Im Jahr 893, nach Ausbruch eines Krieges zwischen Svatopluk I. und König Arnolf von Kärnten, wurde Wiching aus Nitra vertrieben. Er trat in die Dienste von Arnolf und wurde sein Kanzler (nachweislich ab 894). Wiching war später Mitglied der Delegation, die mit Svatopluk die Friedensverhandlungen führte.

[9] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Panteleimon von Prag.

[10] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Konstantin von Prag.

Am 6. Oktober 891 wurde Formosus ohne größere Wahlauseinandersetzungen Papst. Er wiederholte (wohl widerwillig) die Kaiserkrönung von Guido von Spoleto und krönte dessen Sohn, den Grafen Lambert von Spoleto zum Mitkaiser, allerdings wurden diese bald darauf so mächtig, dass Formosus den ostfränkischen König Arnulf von Kärnten zu Hilfe rief. Zudem geriet Formosus in Konflikt mit dem römischen Stadtadel.

Im Februar bleiben Arnulf von Kärnten die Stadttore Roms verschlossen. Wegen der unerwarteten militärischen Herausforderung kam er mit dem ganzen Heer zu gemeinsamer Beratung zusammen. Das Heer legte daraufhin ein Treuegelöbnis ab und stimmte sich mit dem Ablegen der öffentlichen Beichte auf den Sturm der Stadtmauern ein. Noch am selben Tag begann die Eroberung. [1]

Zweite Februarhälfte: Nach heftigen Auseinandersetzungen um St. Peter (den heutigen Petersdom) kann Arnulf von Kärnten von Papst Formosus zum Kaiser gekrönt werden.

Auf dem Höhepunkt seiner Macht bindet Arnolf von Kärnten kurzzeitig alle fränkischen Reichsteile an sich. Auch Böhmen und Nisan (= der Elbtalkessel um Dresden) befinden sich wieder tributabhängig im fränkischen Einflussbereich.

Geboren

  • um 896: Königin Mathilde die Heilige

Gestorben

  • 4. April in Rom: Papst Formosus

Anmerkungen

[1] Roman Deutinger: "Königsherrschaft im ostfränkischen Reich. Eine pragmatische Verfassungsgeschichte der späten Karolingerzeit". Ostfildern 2006, S. 248.

897 erklärten sich auch die Sorben für vom Mährerreich unabhängig.

kirchlich erhebt das Bistum Passau Anspruch auch auf die Obödienz über die Sorben (Bischof: Engelmar von Passau 875 bis 897) - durch solche Ansprüche, die sich zum Teil realisierten, entwickelte sich das Bistum Passau während des Mittelalters mit 42.000 km² zum größten Bistum des Heiligen Römischen Reichs - das Hochstift Passau verfügte dagegen nur über 991 km²

Wiching der Slawentöter, der Verfechter einer lateinischen Kirche in Altmähren, wird nach angeblich deutscher Herrschenden Meinung (vgl. w:de:Wiching) Bischof von Passau und versucht von dort aus, Böhmen und damit auch Nisan sowie die junge Sorbisch-orthodoxe Kirche unter seine Obödienz (mit lateinischem Ritus verbunden) zu bringen, wodurch etliche Sorben das Martyrium erleiden [1] - nach anderer Darstellung (vgl. w:de:Engelmar von Passau) war im Jahr 898 noch Engelmar von Passau Bischof, und Wiching löste diesen erst nach dessen Tod 899 "de facto" ab (Richard von Passau wird als Nachfolger "de jure" geführt; vgl. w:de:Richard von Passau) - nach der w:de:Liste der Bischöfe von Passau folgt Wiching als Bischof "12a" im Jahr 898 dem Bischof "12" Engelmar (reg. 875 bis 897) und auf Wiching folgte 899 Bischof Nr. "13" Richard bis 902 - nach sorbisch-orthodoxer Quelle war der ehemalige Bischof von Nitra und Administrator des Erzbistums Mähren (bis 893 [2]) und damaliger Abt des bedeutenden Reichsklosters Mondsee Wiching im Jahr 898 möglicherweise eher als Missionsbischof in der Slawenmission eingesetzt und unterwegs [3]

  • Wiching war ab 881 Bischof von Nitra, wurde aber kurz darauf wegen Intrigen gegen seinen Erzbischof von Mähren (u. a. mit einem gefälschten Papstbrief an Mährerkönig Svatopluk I.) nach Krakau zu den Wislanen an den Rand des Großmährischen Reiches verbannt - 885 nach dem Tod seines Erzbischofes Method von Saloniki wollte er selbst dessen Amt übernehmen, um den kirchenslawischen Ritus zu unterbinden und statt dessen den lateinischen Ritus zu implantieren, wurde aber in Rom vom Papst nur als Bischof von Nitra bestätigt und als solcher lediglich als kommissarischer Administrator des vakanten Amtes des Erzbischofs von Mähren eingesetzt (erst 899 entsendete der Papst Johannes IX. von Rom aus einen neuen Erzbischof nach Mähren, Johannes von Mähren) - nach anderer Quelle ("Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit") bekleidete Wiching das Amt des "Archiepiskopos Moravia" (ἀρχιεπίσκοπος Μοράβου) bis zu seiner Vertreibung nach der Niederlage Arnulfs im Zusammenstoß mit der großmährischen Armee im Jahr 893 [4] nicht nur "pro forma", sondern auch "de jure" [5]

Wiching hatte nach der Vita gregori auch bei Arnolf von Kärnten intrigiert, (baierischer) Erzbischof (= von Salzburg) zu werden, konnte aber in der Sache nichts erreichen (er machte sich damit natürlich den Aribonen und Erzbischof [seit 874 ] Theotmar von Salzburg zum Feind) - statt dessen wurde Wiching nach deutscher Herrschenden Meinung (vgl. Wiching) neben dem Bischof von Passau als sog. "de-facto-Bischof" eingesetzt - mit der Rückendeckung Wichings durch den Kaiser wäre so der amtierende Bischof von Passau Engelmar zum "de-jure-Bischof" degradiert worden - nach anderer Meinung wurde Wiching erst fünf Tage nach dem Tod von Kaiser Arnulf von Kärnten (gest. 8. Dezember 899) zum Bischof von Passau ernannt, konnte das Amt jedoch am Widerstand des bayerischen Episkopats nicht antreten und zog sich schließlich aus dem öffentlichen Leben zurück (so das "Wörterbuch der slawischen Altertümer". Bd. 6. Breslau 1980) [6]

kurioserweise wurde nach deutscher Herrschenden Meinung nach dem Tod des Bischofs Engelmar von Passau im Jahr 899 ein neuer "de-jure-Bischof"(vgl. w:de:Engelmar von Passau) an der Seite von Wiching eingesetzt: Richard von Passau (der Sorbenschlächter) - Erzbischof Theotmar von Salzburg (seit 874 im Amt) verfolgte ganz am Ostrand des Ostfrankenreiches schon lange eine eigenständige Politik jenseits von Papst und König (Kaiser) und setzte sich hier wahrscheinlich gegen Wiching durch, den er auf keinen Fall als seinen Nachfolger sehen wollte (Theotmars Nachfolger wurde Pilgrim I. von Salzburg, ebenfalls ein Aribone) - nach einer anderen von polnischen Historikern rezipierten Quelle wurde Wiching erst nach dem Tod von Bischof Engelmar am 13. Dezember 899 (also noch fünf Tage nach dem Tod von Kaiser Arnolf von Kärnten) zum Bischof von Passau ernannt, konnte das Amt jedoch durch den Widerstand des bayerischen Episkopats nicht antreten und zog sich schließlich aus dem öffentlichen Leben zurück (so das "Wörterbuch der slawischen Altertümer". Bd. 6. Breslau 1980) [7]

erste von fünf Christenverfolgungen durch den (Missions)Bischof Wiching den Slawentöter in Nisan - nach deutscher Herrschenden Meinung Bischof von Passau (898 bis 899 - vgl. Wiching) - nach der "Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit": "Bischof von Passau (899–900)" [8] - Märtyrertod von Stefan dem Jüngeren (Szupan von Bresnice und Förderer der Sorbisch-orthodoxen Kirche) durch Militär des Salzburger Erzbischofs und des Wichings [9] sowie des Priesters Gorazd von Bresnice und seinen sieben Gefährten [10] - außerdem Versklavung der Diakons Gregor von Bresnice und etwa 40 weiteren Gemeindegliedern - Gregor wird nach Venedig geschleppt, dort aber durch Agenten des byzantinischen Kaisers aufgekauft und zum kirchenslawischen Altar-Dienst an der Adriaküste eingesetzt [11]

das Verhältnis des Salzburger Heeres zu Wiching ist nicht endgültig geklärt - ebenso wenig wie die persönliche Teilnahme von Theotmar - das Heer des Erzbischofs war groß genug, um an Aktionen des königlich-bayerischen Aufgebots teilzunehmen - das Itinerar von Theotmar von Salzburg ist zu lückenhaft, um eine persönliche Teilnahme zu belegen oder zu widerlegen - wegen der Feindschaft zwischen den beiden ist eine gemeinsame Heerführung schlecht denkbar - es hatte trotz der Differenzen der beiden aber eine enge Zusammenarbeit gegeben, weil beide auf eine Ostexpansion und Machterweiterung sowie Bereicherung auf Kosten der Slawen aus waren (andererseits ist die Führung des Salzburger Heeres durch den Erzbischof von Salzburg Theotmar nicht nur belegt, sondern dieser fand auch an der Spitze seines Heeres am 4. Juli 907 in der Schlacht von Pressburg gegen die Ungarn den Tod - zusammen mit dem Markgrafen Luitpold von Bayern (auch: von Karantanien und Oberpannonien), den Bischöfen Udo von Freising und Zacharias von Säben-Brixen sowie 19 Grafen und dem Großteil des bayerischen Heerbann) - die sorbisch-orthodoxen Quellen berichten lediglich von einer Auslieferung der sorbisch-orthodoxen und damit kirchenslawischen Nisaner durch den Szupan Mikota von Bresnice an Wiching und dann von einem Transport der Gefangenen bis an den Erzbischofssitz nach Salzburg (dem Ort des Märtyrium des Priesters Gorazd) und Weitertransport der verkaufswürdigen Sklaven nach Venedig - Erzbischof Theotmar verfolgte ganz am Ostrand des Ostfrankenreiches schon seit seinem Amtsantritt 874 eine eigenständige Politik jenseits von Papst und König / Kaiser und setzte sich hier de facto dank seiner militärischen Stärke gegen Wiching durch

25. Dezember: der hohe bayerische Adlige Erimpert wird in Ranshofen in Ketten vor den Kaiser Arnolf von Kärnten gestellt - er war "von Priznolaw, einem Sclavenherzog, der selber dem König treu erfunden ward, ergriffen und von dem strengen Grafen Liutbald in Ketten und andere Bande geschlagen"

  • "Arnolf - RI I n. 1950a. 898, Rantesfurt: Erimpert, quondam princeps cum ceteris primoribus gentis Bawariorum (vgl. no 1547b), qui postea rebellis regi suisque extitit, wird von dem getreuen Slavenherzog Priznolawo gefangen genommen, vom grafen Liutbald in ketten und banden dem kaiser in Ranshofen zu ablauf des iahres (Christi domini natale anni instantis finiente) vorgeführt. Ann. Fuld. - Absendung eines baierischen heeres im winter nach Mähren; dasselbe verwüstet das grenzland und kehrt mit beute zurück. Ib. 899. - Verleihung der grafschaft des auf der iagd von dem Friesen Waltgar, dem sohn Gerulfs (vgl. no 1701b), ermordeten grafen Eberhard (no 1701b) an dessen bruder Meginhard durch den kaiser. Regino 898." [12]
  • " Ferner wurde Einer, der einst vornehm unter den obigen Edlen des Volkes der Bawarier gewesen, Namens Erimpert, nachher Empörer gegen den König und die Seinen geworden war, von Priznolaw, einem Sclavenherzog, der selber dem König treu erfunden ward, ergriffen und von dem strengen Grafen Liutbald in Ketten und andere Bande geschlagen, vor den König bei Rantesdorf gestellt, als Christi des Herrn Geburtstag das gegenwärtige Jahr endete. Nachdem aber wiederum ein Feldzug zur Winterszeit angeordnet war, drangen die Fürsten der Bawarier mit ihren Leuten tapfer und gewaltig in das Gebiet der Marahabiter, verwüsteten mit starker Mannschaft deren Ortschaften, sammelten Beute und kehrten mit dieser heim." [13]

898: Beginn einer neuen Zeitrechnung (Jahr 1) in der sorbisch-orthodoxen Kirche als "Ära der Märtyrer" (nach dem 16. September 902 eingeführt, dem Todestag des Passauer Bischofs Richard von Passau, dem Nachfolger Wichings)

Gestorben

  • 16. Oktober: Märtyrertod von Stefan dem Jüngeren (Szupan von Bresnice und Förderer der Sorbisch-orthodoxen Kirche) durch Militär des Salzburger Erzbischofs Theotmar - er wird durch Mikota von Bresnice ersetzt, der nun bis 902 regelmäßig die kirchenslawischen Christen an den Erzbischof von Salzburg ausliefert [14]
    • 892 war mit einem Überfall auf Trier und die Abtei Prüm eine seit 862 (862–864: Errichtung fester Winterlager in Utrecht und Nimwegen, Zerstörung von Dorestad, Plünderung von Köln und Xanten) bestehenden Einfalls-Serie der Normannen in das Gebiet des Ostfrankenreiches zu Ende gegangen, so daß die Miltärkräfte nicht mehr in dem Maße gebunden waren wie bis dahin - ab 901 setzen sich die Ungarn in Pannonien fest, so daß die militärischen Kräfte des Ostfrankenreiches hier wieder gefordert werden
  • 16. Oktober: Märtyrertod von Gorazd von Bresnice und seinen sieben Gefährten als erster priesterlicher Märtyrer Nisans, Gorazd ist einer der Fünf Heiligen Nisans (auch "die Fünf von Nisan" genannt) [15]

Anmerkungen

[1] sorbisch-orthodoxer Prolog zu Gorazd von Bresnice.

[2] RI I n. 1890a, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0893-00-00_1_0_1_1_0_4130_1890a (Abgerufen am 19.05.2024).

[3] sorbisch-orthodoxer Prolog zu Gorazd von Bresnice.

[4] "Arnolf - RI I n. 1890a. 893, regnum Zuentibaldi: Heerfahrt gegen Mähren, verwüstung des grössten teils des landes; nur mit not entkommt Arnolf einem auf der rückkehr gelegten hinterhalt. Ann. Fuld. vgl. die sagenhafte erzählung (allerdings mit der versicherung: ut legisse me memini) bei Arnoldus De s. Emmerammo I, 5 M. G. SS. 4,551, nach der Arnolf für seine wunderbare rettung durch den h. Emmeram reiche geschenke (darunter das bekannte evangeliar) an dessen kloster gegeben haben soll; die heerfahrt erwähnt Ann. Alam." In: RI I n. 1890a, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0893-00-00_1_0_1_1_0_4130_1890a (Abgerufen am 19.05.2024).

[5] "Nach dem Tod des Methodios (# 25062) am 6. April 885 wurde er von Papst Stephanus V. (# 27384) zum Erzbischof von Mähren (in Neutra) ernannt und trat die Nachfolge des Methodios in diesem Amt an. Er mußte sich hierbei gegen Gorasdos (# 22319) durchsetzen, einen Schüler des Methodios, der von diesem für seine Nachfolge als Erzbischof von Mähren bestimmt worden war. Diese Wahl war unkanonisch und wurde daher vom Papst Stephanus V. auch nicht akzeptiert, der sich an den mährischen Herrscher Svatopluk (# 27437) wandte mit der Bitte, zu verhindern, daß Gorasdos als Bischof amtierte. Svatopluk ließ daraufhin die Schüler des Konstantinos-Kyrillos (# 3927) und des Methodios inhaftieren und aus Mähren ausweisen (Vita Nahumi slav. 2, p. 183 [l. 23-26]). W. war ein Anhänger der Filioque-Partei und wird deshalb in der Vita Clementis (BHG 355) durchgehend als Häretiker und in der Vita Nahumi slav. 2 (p. 183 [l. 24f.]) als Zauberer und Anhänger der Häresie des Makedonios und des Apollinarios bezeichnet." In: Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas: "Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit" bei De Gruyter. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt (abgerufen am 19. Mai 2024).

[6] Słownik starożytności słowiańskich. T. 6. Wrocław: Zakład Narodowy im. Ossolińskich, 1980, s. 416-417. = Wörterbuch der slawischen Altertümer. Bd. 6. Breslau: Zakład Narodowy im. Ossolińscy, 1980, S. 416-417.

[7] Słownik starożytności słowiańskich. T. 6. Wrocław: Zakład Narodowy im. Ossolińskich, 1980, s. 416-417. = Wörterbuch der slawischen Altertümer. Bd. 6. Breslau: Zakład Narodowy im. Ossolińscy, 1980, S. 416-417.

[8] Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas: "Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit" bei De Gruyter. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt (abgerufen am 19. Mai 2024).

[9] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Stefan dem Jüngeren.

[10] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Gorazd von Bresnice.

[11] "Vita des Gregor".

[12] RI I n. 1950a, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0898-00-00_2_0_1_1_0_4246_1950a (Abgerufen am 19.05.2024).

[13] Annales fuldenses zum Jahr 898.

[14] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Stefan dem Jüngeren.

[15] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Gorazd von Bresnice.

Nach dem Tod des römisch-deutschen Kaisers Arnolf von Kärnten in Regensburg zerfällt das Frankenreich in der Divergenz der Partikularinteressen endgültig. Die Macht übernimmt eine Adelsfraktion um Hatto I. von Mainz, der ostfränkische Kinderkönig Ludwig das Kind ist lediglich eine Marionette in deren Händen. [1] Böhmen und Nisan hatten 895 Arnolf von Kärnten (noch als König des Ostfrankenreiches) in Regensburg gehuldigt, die Sorben 897. Zuvor gehörten diese Länder zum Großmährischen Reich.

Papst Johannes IX. entspricht einer brieflichen Bitte Mojmirs II. von Großmähren zur Wiedererrichtung der Mährischen Diözese und ignoriert die Beschwerden der baierischen Bischöfe unter ihrem Wortführer Richard von Passau. Der Vorgänger Richards, Wiching, wurde nach der Niederlage Königs Arnulf von Kärnten im Zusammenstoß mit der großmährischen Armee im Jahr 893 [2] als Administrator des Erzbistums Mähren (nach anderer Quelle als Erzbischof von Mähren) aus seinem Bischofssitz in Nitra vertrieben und war zu dem damaligen militärischen Gegner Großmährens, Arnolf von Kärnten (damals König des Ostfrankenreiches und noch nicht Kaiser), übergelaufen. Hintergrund war das Wiedererstarken des kirchenslawischen Ritus in Großmähren trotz eines päpstlichen Verbots, für das sich Wiching eingesetzt hatte. Für den Übertritt wurde Wiching zunächst Kanzler bei Arnolf von Kärnten (894 nachgewiesen), 896 zusätzlich Abt im Kloster Mondsee (das seit 843 dem Hochstift Regensburg unterstand) und 898 schließlich Bischof von Passau. Wiching war vor 874 Mönch im Kloster Reichenau, wo der erste Erzbischof von Mähren Method von Saloniki von 870 bis 873 in baierischer Klosterhaft gehalten wurde (nach anderer Quelle im Kloster Ellwangen). 880 wurde Wiching in Rom zum Suffraganbischof von Nitra des Erzbischofs Method von Saloniki ernannt und geweiht und intrigierte von Anfang an gegen den kirchenslawischen Ritus und Method von Saloniki, so mit gefälschten Papstbriefen.

Papst Johannes IX. entsendet den Erzbischof Johannes von Mähren und die Bischöfe Benedikt von Mähren und Daniel von Mähren nach Mähren [3] (nach anderer Quelle den Metropoliten und drei Bischöfe, damit in Mähren unabhängige Bischofsweihen durchgeführt werden können - um 910 ist von Erzbischof Johannes und vier mährischen Bischofen die Rede [4]), unter deren Obödienz sich die Sorben und die Nisaner stellen. Sowohl die Sorben als auch die von allen Seiten ultraperipheren Nisaner (in der frühgeschichtlichen Exklave Nisan) erhoffen sich durch diese kirchliche Unabhängigkeit von Böhmen eine höhere Unabhängigkeit von dem wachsenden Einfluß der böhmischen Přemysliden.

Richard von Passau (der Sorbenschlächter) wird Bischof von Passau [5] und verfolgt den Plan seines Vorgängers Wiching weiter, Böhmen und damit auch Nisan sowie die junge sorbisch-orthodoxe Kirche unter seine Obödienz zu bringen, wodurch weitere Sorben das Martyrium erleiden [6]

892 war mit einem Überfall auf Trier und die Abtei Prüm eine seit 862 (862–864: Errichtung fester Winterlager in Utrecht und Nimwegen, Zerstörung von Dorestad, Plünderung von Köln und Xanten) bestehenden Einfalls-Serie der Normannen in das Gebiet des Ostfrankenreiches zu Ende gegangen, so daß die Miltärkräfte nicht mehr in dem Maße gebunden waren wie bis dahin - ab 901 setzen sich die Ungarn in Pannonien fest, so daß die militärischen Kräfte des Ostfrankenreiches hier wieder gefordert werden

zweite von fünf Christenverfolgungen durch den Bischof von Passau (Wiching 898 bis 899 oder Richard von Passau 899 bis 902) in Nisan [7]

Gestorben

  • 19. Mai: Märtyrertod von Panteleimon von Prag (auch: von Nisan oder von Bresnice) und seiner fünf Gefährten, darunter drei Frauen (zweite Christenverfolgung in Nisan), Panteleimon ist der zweite der Fünf Heiligen Nisans (auch "die Fünf von Nisan" genannt) - Jahr 2 der "Ära der Märtyrer" (nach dem 16. September 902 eingeführt, dem Todestag des Passauer Bischofs Richard von Passau, dem Nachfolger Wichings) [8]
  • 8. Dezember: in Regensburg stirbt der römisch-deutsche Kaiser Arnolf von Kärnten - mit ihm verschwindet auch sein ehemaliger Kanzler und de-facto-Bischof von Passau Wiching der Slawentöter aus den westlichen Geschichtsquellen (wahrscheinlich bezieht sich die Aussage in der Vita Gregori, daß Wiching erneut die Seiten wechselte, zu den Mährern flüchtete und von Mojmir II. an den Erzbischof Theotmar von Salzburg ausgeliefert wurde, auf die Zeit sofort nach dem Tod seines Protektors Arnolf von Kärnten am 8. Dezember [9] - unter König Ludwig dem Kind gehörte Theotmar neben den Bischöfen Hatto I. von Mainz und Salomo III. von Konstanz zu dessen einflussreichsten Beratern und damit zu den eigentlichen Regenten des Reichs [10] - nach dieser Quelle ist davon auszugehen, daß Theotmar den unliebsamen Konkurrenten Wiching entweder gleich [noch im Dezember 899] durch Mord beseitigen oder in Klosterhaft verschwinden ließ) - nach der "Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit" starb Wiching an einem 12. September - entweder im Jahr 900 oder nach dem Jahr 912 [11]

Anmerkungen

[1] "Leidend, mit gebrochener Kraft kehrte der Kaiser aus Italien in das heimische Baierland zurück, doch gelang es ihm wenigstens noch seinem unmündigen Sohne Ludwig die Thronfolge im voraus zu sichern. H.[atto], der Taufpathe des im J. 893 geborenen jungen Königs, übte im Vereine mit dessen Erzieher, dem Bischofe Adelbero von Augsburg, seit seiner Thronbesteigung im [27] J. 900 vorwiegenden Einfluß, ja man darf sagen, daß die Leitung der Reichsgeschäfte in seiner Hand lag. Durch ihn wahrscheinlich im Vereine mit mehreren fränkischen und lothringischen Grafen war auch der Sturz des Königs Zwentibald von Lothringen, des älteren unechten und unfähigen Halbbruders Ludwigs von längerer Hand her vorbereitet worden, durch welchen diesem im Sommer 900 auch in jenem Theile des Reiches die Herrschaft zufiel. ... Es ist bekannt, wie Konrad, obgleich er zuerst mit dem alten Herzoge Otto von Sachsen in gutem Einvernehmen gestanden, nach dessen Tode (30. November 912) sich sogleich mit seinem Sohne und Nachfolger Heinrich überwarf. Der Grund der erbitterten Feindschaft, welche sich zwischen Beiden entwickelte und alle übrigen Gegensätze wach rief, lag darin, daß der König dem jungen Herzoge einen Theil der väterlichen Lehen vorenthielt, d. h., wie wol mit Recht angenommen wird, die thüringischen Grafschaften, [28] welche die Grundlage zur Ausdehnung seiner herzoglichen Gewalt über Thüringen bildeten. Die Schuld an diesem unheilvollen Zerwürfniß wurde von dem sächsischen Volke dem alten Ränkeschmied H.[atto] zugeschrieben, dessen Kirche von Alters her so bedeutenden Besitzungen in Thüringen hatte, daß eine Ausbreitung der mächtigen Liudolfinger in dieser Richtung ihm durchaus nicht erwünscht sein konnte. Man erzählte sich, daß H.[atto] Heinrichen ein ähnliches Ende zugedacht habe, wie er es einst dem Grafen Adalbert bereitet hätte: durch eine kunstvolle goldene Kette habe er die Absicht gehabt, die von dem Goldschmied verrathen worden sei, ihn bei einem Gastmahle zu erwürgen. Sicherlich betrachtete ihn Heinrich als seinen besonderen Widersacher, denn während H. dem königlichen Hoflager an den Rhein gefolgt war, überfiel jener die in Sachsen und Thüringen liegenden Besitzungen des Erzbisthums Mainz, um sich ihrer zu bemächtigen und griff gleichzeitig die thüringischen Grafen Burchard und Bardo an. Nicht lange überlebte H.[atto] diese unglückliche Wendung der deutschen Verhältnisse, den Anfang unabsehbarer Wirren. Er starb am 15. Mai 913 an einer Krankheit, in welche ihn der Kummer über die Auflehnung Heinrichs gestürzt haben soll. Hinter dem staatsmännischen Wirken Hattos tritt seine kirchliche Thätigkeit im engeren Sinne mehr in den Hintergrund, doch scheint sie keineswegs unerheblich gewesen zu sein. Die Synode von Tribur mit ihren Satzungen über die Kirchenzucht und über das Verhältniß der Kirche zur weltlichen Gewalt im Sinne einer Stärkung jener war seit langer Zeit die erste deutsche Reichssynode und blieb für lange Zeit die letzte. Mit diesen Bestrebungen steht es auch im Zusammenhange, daß H. den abgesetzten Abt Regino von Prüm, einen der gebildetsten Männer dieser Zeit des Verfalles, veranlaßte, eine Zusammenstellung der kirchlichen Gesetzgebung für die Visitation eines Sprengels herauszugeben und dadurch die Entstehung eines praktischen und geschätzten Handbuches hervorrief. Auf der Reichenau erbaute er, wie schon erwähnt, die St. Georgskirche, den Mainzer Dom stattete er prächtiger aus und die Stadt Mainz soll er bis zum Rheine ausgedehnt haben. Den ihm untergebenen Stiftungen, namentlich dem Kloster Reichenau, wußte er manche reiche Schenkung zuzuwenden, auch das mit Mainz eng verbundene Fulda erfuhr seine Gunst, obgleich es nicht unter seiner Leitung stand. H. wird von Regino in der Widmung des schon genannten Werkes wegen seiner wissenschaftlichen Bildung hochgerühmt (die er unter dem Namen der Philosophie zusammenfaßt), mit dem für seine Zeit reichbegabten Dichter, dem Bischof Salomon von Constanz, verband ihn innige Freundschaft, der berühmte Musiker und Schriftsteller Hukbald von St. Amand überreichte ihm sein wunderliches Gedicht zum Preise der Kahlköpfe mit einer Zueignung, aus der man schließen darf, daß H.[atto] ebenfalls eine Glatze besessen habe. Das Bild des gewaltigen Kirchenfürsten, der, obgleich nicht Erzkanzler des Reiches, dennoch eine ähnliche Stellung einnahm, wie die mächtigsten unter seinen Nachfolgern, ist uns leider nur in so trümmerhafter Gestalt überliefert, daß ein begründetes Urtheil über den Werth seiner Handlungen und Grundsätze kaum möglich scheint. Seine Gegnerschaft gegen die Herzoge, die sich der Volksgunst im Ganzen zu erfreuen hatten, bewirkte, daß die Nachwelt ihn sich als einen listigen Fuchs, als einen Mann von sehr zweifelhaftem sittlichen Charakter vorstellte. Während die anderen über ihn umlaufenden Sagen doch des geschichtlichen Kernes nicht ganz entbehren, hat sein vermeintlicher Tod durch die Mäuse in dem angeblich von ihm erbauten Mäusethurme bei Bingen schlechterdings gar keinen Zusammenhang mit den Thaten seines Lebens. Auch wird diese noch auf manche andere Sünder bezogene Sage häufiger als von ihm von dem Erzbischofe Hatto dem II. von Mainz (968–970) berichtet. Dieselbe ist lediglich auf mythische Vorstellungen zurückzuführen." In: Artikel "Hatto I., Erzbischof von Mainz" von Ernst Ludwig Dümmler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 26–29.

[2] "Arnolf - RI I n. 1890a. 893, regnum Zuentibaldi: Heerfahrt gegen Mähren, verwüstung des grössten teils des landes; nur mit not entkommt Arnolf einem auf der rückkehr gelegten hinterhalt. Ann. Fuld. vgl. die sagenhafte erzählung (allerdings mit der versicherung: ut legisse me memini) bei Arnoldus De s. Emmerammo I, 5 M. G. SS. 4,551, nach der Arnolf für seine wunderbare rettung durch den h. Emmeram reiche geschenke (darunter das bekannte evangeliar) an dessen kloster gegeben haben soll; die heerfahrt erwähnt Ann. Alam." In: RI I n. 1890a, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0893-00-00_1_0_1_1_0_4130_1890a (Abgerufen am 19.05.2024).

[3] Alexis P. Vlasto: "The Entry of the Slavs into Christendom. An Introduction to the Mediaval History of the Slavs.'" Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1970, ISBN 0-521-07459-2, S. 83.

[4] Artikel Papst Johannes IX. In: Katholische Enzyklopädie. New York: Robert Appleton Company. 1913.

[5] August Leidl: Die Bischöfe von Passau 739–1968 in Kurzbiographien. 2. Auflage. Verlag des Vereins für Ostbairische Heimatforschung, Passau 1978.

[6] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Panteleimon von Prag.

[7] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Panteleimon von Prag.

[8] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Panteleimon von Prag.

[9] Sorbisch-orthodoxe Hagiographie: Vita Gregori.

[10] Andreas Kraus: "Geschichte Bayerns. Von den Anfängen bis zur Gegenwart." Verlag C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-51540-1.

[11] Wiching In: Lilie, Ralph-Johannes / Ludwig, Claudia / Zielke, Beate / Pratsch, Thomas: "Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit". Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Nach Vorarbeiten F. Winkelmanns erstellt.

Benedikt IV. wird Papst und versucht wie sein Vorgänger, eine selbständige mährische Kirche wiederherzustellen (899 Entsendung von Erzbischof Johannes von Mähren und die Bischöfe Benedikt von Mähren und Daniel von Mähren sowie einen dritten, namentlich nicht bekannten Bischof, damit in Mähren unabhängige Bischofsweihen getätigt werden können), wobei er erneut auf den Widerstand der baierischen Bischöfe unter Wortführung von Richard von Passau, dem Nachfolger Wichings) trifft, welche Mähren für ihr Missions- und Erweiterungsgebiet halten - weitere sorbische Märtyrer [1]

  • 892 war mit einem Überfall auf Trier und die Abtei Prüm eine seit 862 (862–864: Errichtung fester Winterlager in Utrecht und Nimwegen, Zerstörung von Dorestad, Plünderung von Köln und Xanten) bestehenden Einfalls-Serie der Normannen in das Gebiet des Ostfrankenreiches zu Ende gegangen, so daß die Miltärkräfte nicht mehr in dem Maße gebunden waren wie bis dahin - ab 901 setzen sich die Ungarn in Pannonien fest, so daß die militärischen Kräfte des Ostfrankenreiches hier wieder gefordert werden

dritte von fünf Christenverfolgungen durch den Bischof von Passau (Richard von Passau 899 bis 902) in Nisan [2]

Gestorben

  • 21. Juni: Märtyrertod von Konstantin von Prag (auch von Nisan oder von Bresnice) und seiner drei Gefährten, darunter zwei Frauen (dritte Christenverfolgung in Nisan), Konstantin ist der dritte der Fünf Heiligen Nisans (auch "die Fünf von Nisan" genannt) - Jahr 3 der "Ära der Märtyrer" (nach dem 16. September 902 eingeführt, dem Todestag des Passauer Bischofs Richard von Passau, dem Nachfolger Wichings) [3]

Anmerkungen

[1] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Konstantin von Prag.

[2] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Konstantin von Prag.

[3] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Konstantin von Prag.

Februar: Ludwig III. (der Blinde) wird von Papst Benedikt IV. in Rom zum Römischen Kaiser gekrönt und folgt damit Arnolf von Kärnten († 8. Dezember 899 in Regensburg) auf den Thron - König des Ostfrankenreiches ist (seit 4. Februar 900) Ludwig das Kind

11. April: Ungarneinfälle: Die Magyaren werden östlich von Wien an der Fischa von einem bayerischen Aufgebot zurückgeschlagen - danach erfolgt ihre endgültige Landnahme in der Pannonischen Tiefebene (auch Karpatenbecken), dem westlichsten Teil der Eurasischen Steppe, welche sie gewohnt sind Gesandte des Altmährischen Reiches besuchen den Reichstag in Regensburg und bitten wegen der Ungarneinfälle um Frieden, der ihnen gewährt wird - Nisan gehörte noch bis 895 zum Einflußbereich von Altmähren, hatte sich aber in dem Jahr wie ganz Böhmen dem Kaiser Arnolf von Kärnten in Regensburg unterworfen, die übrigen Sorben folgten 897

Papst Benedikt IV. versucht weiterhin, eine selbständige mährische Kirche wiederherzustellen (899 Entsendung von Erzbischof Johannes von Mähren und die Bischöfe Benedikt von Mähren und Daniel von Mähren sowie einen dritten, namentlich nicht bekannten Bischof, damit in Mähren unabhängige Bischofsweihen getätigt werden können), wobei er nach wie vor auf den Widerstand der baierischen Bischöfe unter Wortführung von Richard von Passau, dem Nachfolger Wichings) trifft, welche Mähren für ihr Missions- und Erweiterungsgebiet halten, weswegen weitere Sorben das Martyrium erleiden [1]

  • 892 war mit einem Überfall auf Trier und die Abtei Prüm eine seit 862 (862–864: Errichtung fester Winterlager in Utrecht und Nimwegen, Zerstörung von Dorestad, Plünderung von Köln und Xanten) bestehenden Einfalls-Serie der Normannen in das Gebiet des Ostfrankenreiches zu Ende gegangen, so daß die Miltärkräfte nicht mehr in dem Maße gebunden waren wie bis dahin - ab 901 setzen sich die Ungarn in Pannonien fest, so daß die militärischen Kräfte des Ostfrankenreiches hier wieder gefordert werden

vierte von fünf Christenverfolgungen durch den Bischof von Passau (Richard von Passau 899 bis 902) in Nisan

ab 901 verschiebt sich das Zentrum des ungarischen Siedlungsgebietes nach Westen an den Plattensee, wodurch auch Nisan in den Bereich ihrer Reiterzüge kommt [2]

Gestorben

  • 27. Mai: Märtyrertod von Pětr von Nisan und seiner zwei Gefährten, darunter einer Frau (vierte Christenverfolgung in Nisan), Pětr ist der vierte der Fünf Heiligen Nisans (auch "die Fünf von Nisan" genannt) - Jahr 4 der "Ära der Märtyrer" (nach dem 16. September 902 eingeführt, dem Todestag des Passauer Bischofs Richard von Passau, dem Nachfolger Wichings) [3]

Anmerkungen

[1] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Pětr von Nisan.

[2] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Pětr von Nisan.

[3] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Pětr von Nisan.

Papst Benedikt IV. versucht weiterhin, eine selbständige mährische Kirche wiederherzustellen (899 Entsendung von Erzbischof Johannes von Mähren und die Bischöfe Benedikt von Mähren und Daniel von Mähren sowie einen dritten, namentlich nicht bekannten Bischof, damit in Mähren unabhängige Bischofsweihen getätigt werden können), wobei er nach wie vor auf den Widerstand der baierischen Bischöfe unter Wortführung von Richard von Passau (dem Nachfolger Wichings) trifft, welche Mähren für ihr Missions- und Erweiterungsgebiet halten, weswegen weitere Sorben das Martyrium erleiden [1]

  • 892 war mit einem Überfall auf Trier und die Abtei Prüm eine seit 862 (862–864: Errichtung fester Winterlager in Utrecht und Nimwegen, Zerstörung von Dorestad, Plünderung von Köln und Xanten) bestehenden Einfalls-Serie der Normannen in das Gebiet des Ostfrankenreiches zu Ende gegangen, so daß die Miltärkräfte nicht mehr in dem Maße gebunden waren wie bis dahin - ab 901 setzen sich die Ungarn in Pannonien fest, so daß die militärischen Kräfte des Ostfrankenreiches hier wieder gefordert werden

fünfte und letzte Christenverfolgung durch den Bischof von Passau (Richard von Passau 899 bis 902) in Nisan

16. September: durch den Tod von Bischof Richard von Passau, dem Nachfolger Wichings auf dem Bischofsstuhl, kommen die Christenverfolgungen in der sorbisch-orthodoxen Kirche und damit auch in Nisan zum Erliegen - der Papst Benedikt IV., ein Anhänger von Formosus, hat sich mit dem Plan einer erneuten selbständigen mährischen Kirche durchgesetzt [2]

nach dem 16. September: Beginn einer neuen Zeitrechnung in der sorbisch-orthodoxen Kirche als "Ära der Märtyrer" ab dem Jahr 898 [3]

Gestorben

  • 5. Juni: Märtyrertod von Kliment von Nisan und seiner Gefährtin (fünfte Christenverfolgung in Nisan), Kliment ist der fünfte der Fünf Heiligen Nisans - Gedenktag auch für die Fünf von Nisan - Jahr 5 der "Ära der Märtyrer" (nach dem 16. September 902 eingeführt, dem Todestag des Passauer Bischofs Richard von Passau, dem Nachfolger Wichings) [4]
  • 16. September: Bischof Richard von Passau

Anmerkungen

[1] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Kliment von Nisan.

[2] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Kliment von Nisan.

[3] Sorbisch-orthodoxer Prolog.

[4] Sorbisch-orthodoxer Prolog zu Kliment von Nisan.

Geboren:

  • 903 oder 904 in Psow antiquitus: Aquilina von Nisan, eine Wandernonne aus Levý Hradec, die 925 nach Nisan kam und hier das Martyrium erlitt (in orthodoxer Schreibweise: "sie erlangte die Krone des Martyriums"); † 15. Juni 929 in Nisana im Alter von 25 Jahren (geboren 16. Juni 903 bis 15. Juni 904)

Gestorben

  • nach dem nach 30. November: Kaiserin Oda (durch Heirat mit Arnolf von Kärnten ab 888 Ostfrankenkönigin und durch die Kaiserkrönung ihres Manns in der zweiten Februarhälfte 896 Römisch-deutsche Kaiserin, Kaiserinwitwe seit 8. Dezember 899)

29. Juli: Thessaloniki, die Heimat von Method und Kyrill von Saloniki wird nach dreitägiger Belagerung von den islamischen Sarazenen erobert. Die Plünderung der Stadt zieht sich über eine Woche hin (nach anderen Angaben: über mehrere Wochen). Die islamischen Sarazenen versklaven tausende Thessaloniker, darunter auch viele Flüchtlinge aus dem Großmährischen Reich, die 886 wegen ihrer kirchenslawischen Praxis vertrieben wurden waren. Thessaloniki war 862 Ausgangspunkt der orthodoxen Christianisierung der Slawen. Mit dieser Plünderung und massenhaften Versklavung endet eine etwa hundertjährige Friedensperiode, die mit der Gründung des Archontats Thessaloniki zu Beginn des 9. Jahrhunderts eingestzt hatte. Bis dahin war die Stadt nach Konstantinopel die zweitgrößte Stadt des Byzantinischen Reiches.

Geboren

  • 903 oder 904 in Psow antiquitus: Aquilina von Nisan, eine Wandernonne aus Levý Hradec, die 925 nach Nisan kam und hier das Martyrium erlitt (in orthodoxer Schreibweise: "sie erlangte die Krone des Martyriums"); † 15. Juni 929 in Nisana im Alter von 25 Jahren (geboren 16. Juni 903 bis 15. Juni 904)

19. Mai: Der Große Komet C/905 K1 erscheint am europäischen Himmel. Die "Annales Corbeienses" (Jahrbücher von Corvey für die Jahre 658-1148) berichten, daß "ein Komet an Pfingsten erschien". Leon Diakonos (* um 950; † um 1000) berichtete unter Bezugnahme auf Kaiser Konstantin Porphyrogennetos (der Purpurgeborene) [1] in seinen "historiae libri decem" [2] (zehn historischen Büchern):

  • "ein Haarstern wurde zur Zeit seines Werdens und seines Todes am Himmel gesehen, Vorboten seiner Geburt und seines Abschieds vom Leben".

Leon Grammatikos [3] ergänzte in seiner "Chronographia" [4]:

  • "Dann erschien sogleich ein heller Komet, der seine Strahlen nach Osten warf und für 40 Nächte sichtbar blieb."

In der Sorbisch-orthodoxen Kirche wurde Kaiser Konstantin Porphyrogennetos (der Purpurgeborene) besonders verehrt und am 19. Mai seiner besonders gedacht.

Geboren

  • September: Kaiser Konstantin Porphyrogennetos (der Purpurgeborene). Nach neueren Forschungen wurde Konstantin nicht Anfang 905, sondern erst im September 905 geboren und durch den Patriarch Nikolaus I. von Konstantinopel am 6. Januar 906 getauft. Der 40-tägige Komet vom 19. Mai bis Ende Juni soll sein Kommen angekündigt haben wie der Weihnachtsstern (Stern von Betlehem) die Geburt Jesu. Auch der Tag der Taufe wurde symbolisch gewählt: am 6. Januar feiert die orthodoxe Kirche das Hochfest Theophanie, die Manifestierung Gottes in der Menschenwelt oder der Natur. Auch in der Bezeichnung "der Purpurgeborene" sollte von Anfang an die Gottähnlichkeit des zukünftigen Kaisers manifestiert werden (gest. 9. November 959).

Anmerkungen

[1] Konstantin VII., genannt Konstantin Porphyrogennetos oder Porphyrogenitus (griechisch Κωνσταντῖνος Ζʹ Πορφυρογέννητος „der Purpurgeborene“, weil er im Purpurgemach des kaiserlichen Palastes zur Welt kam; * 905 in Konstantinopel; † 9. November 959 ebenda), Sohn des byzantinischen Kaisers Leo VI. und dessen späterer vierter Frau Zoe Karbonopsina. Von 913 bis 959 war er byzantinischer Kaiser.

[2] Leonis Diaconi Caloënsis historiae libri decem et Liber de velitatione bellica Nicephori Augusti. (= Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae. Bd. 3). Herausgegeben von Karl Benedikt Hase. Weber, Bonn 1828, Digitalisat.

[3] Leon Grammatikos war Kompilator (oder Redaktor) einer bis 948 reichenden Chronik, die er im Jahr 1013 fertig bearbeitet hatte.

[4] Immanuel Bekker (Hrsg.): Leonis Grammatici Chronographia. Bonn 1842 (hier online).