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Traktorenlexikon: Gutter

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In der Dreschmaschinen-Fabrik F.X. Gutter in Weißenhorn im Landkreis Neu-Ulm wurden zwischen 1936 und 1961 schätzungsweise 800 bis 1.000 Gutter-Schlepper gefertigt.

Geschichte

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Im Jahr 1864 gründete Johann Gutter in Grafertshofen, heute ein Stadtteil von Weißenhorn, eine Reparaturwerkstätte für landwirtschaftliche Geräte und Werkzeuge. Sein Sohn Ludwig Gutter erweiterte den Betrieb 1887 um neue Werkstätten an der Nebenroth bei Grafertshofen. Dort nutzte er die vorhandene Wasserkraft und betrieb zusätzlich ein Sägewerk.

1898 zog das Unternehmen in die sogenannte „Obere Mühle“ im unteren Stadtteil Weißenhorns um. Die dort verfügbare größere Wasserkraft ermöglichte die Entwicklung zu einer landwirtschaftlichen Maschinenfabrik. Produziert wurden unter anderem Schüttel- und Breitdrescher, Schrotmühlen, Mostereieinrichtungen, Pflüge, Grubber, Heuaufzüge sowie landwirtschaftliche Anhänger.

Im Jahr 1929 wurde das inzwischen von den Brüdern Ludwig und Franz Xaver Gutter geführte Unternehmen aufgespalten. Es entstanden die Firmen Ludwig Gutter und F. X. Gutter. Der Ingenieur Franz Xaver Gutter gründete seinen Landmaschinenherstellungs- und Handelsbetrieb in der Roggenburger Straße im oberen Stadtteil Weißenhorn. Neben Dreschmaschine wurden auch Heuaufzüge und Kreissägen gefertigt.

Einstieg in den Schlepperbau

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Die hohe Nachfrage nach landwirtschaftlichen Maschinen Mitte der 1930er-Jahre veranlasste Franz Xaver Gutter, einen eigenen Traktor zu entwickeln. 1936 wurde der erste Schlepper fertiggestellt, der als Gutter 20/22 PS bekannt wurde. Als Firmenzeichen wählte Gutter das „Obere Tor“ von Weißenhorn, versehen mit der Aufschrift Gutter. Das aus Messing gegossene Emblem zierte die Front der Gutter-Schlepper. Ende 1939 musste der Schlepperbau vermutlich kriegsbedingt eingestellt werden. Bis dahin entstanden 22 oder 23 Traktoren.

Nachkriegszeit und Modellvielfalt

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Spätestens nach der Währungsreform von 1948 nahm Gutter die Schlepperproduktion wieder auf und fertigte eine weiterentwickelte Version des Vorkriegsmodells mit 22 PS. Ab 1949 wurde das Programm um kleinere Schlepper mit 12 bis 14 PS erweitert, die insbesondere für kleinbäuerliche Betriebe gedacht waren.

Mit dem Trend zu luftgekühlten Motoren Anfang der 1950er-Jahre passte auch Gutter sein Programm entsprechend an. Die große Ähnlichkeit der Gutter-Schlepper zu Modellen anderer Hersteller, insbesondere zu Sulzer, beruhte auf der Verwendung identischer Baugruppen von Zulieferern wie Deutz, MWM, Renk, Hurth oder ZF sowie auf einheitlichen Blechteilen der Firma Haugg in Augsburg.

Im Jahr 1951 wurde der Betrieb um einen Heizöl- und Dieselhandel erweitert.

Ende des Schlepperbaus

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Ein schwerer Einschnitt für das Unternehmen war der Tod von Franz Xaver Gutter im Jahr 1958. Im selben Jahr wurde der Schlepperbau eingestellt. Bis 1961 wurden noch 79 Traktoren vom Hersteller Sulzer bezogen und unter dem Namen F. X. Gutter vertrieben.

Im Mai 2003 waren beim Kraftfahrt-Bundesamt noch 65 Gutter-Schlepper registriert, davon 36 im Landkreis Neu-Ulm. Weitere Fahrzeuge befinden sich vermutlich noch in Scheunen oder in privaten Sammlungen.

Typen

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1936-1938

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1948-1961

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Literatur

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  • Bernhard und Martin Blum: Der Schlepper im Rückblick - Oldtimer-Jahrbuch 2005. Landwirtschaftsverlag GmbH, Münster-Hiltrup 2004, ISBN 3-7843-3289-7, Schwäbische Schlepperkonfektion nach Maß: Gutter Schlepper, S. 18-24.
  • Till Schauen: Gut, Besser, Gutter. In: Oldtimer Traktor. Nr. 4/2021, VF Verlagsgesellschaft mbH, Mainz, S. 32-37.
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Einzelnachweise

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  1. Gutter G 13 L in: myheimat.de
  2. Gutter G24 und GD24 in: fahrzeugseiten.de
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