Der konjugierte Infinitiv (ungarisch: ragozott főnévi igenév, auch bezeichnet als főnévi igenév birtokos személyraggal) ist eine besondere Form des ungarischen Infinitivs, bei der das Verb mit einer Personalendung versehen wird. Durch diese Personalsuffigierung kann der Infinitiv selbst ausdrücken, wer Träger der beschriebenen Handlung ist.
Diese Konstruktion wird im Ungarischen vor allem dazu verwendet, den Personenbezug einer Handlung in Sätzen mit unpersönlichen Verben oder prädikativ gebrauchten Ausdrücken explizit zu markieren. Dazu zählen unter anderem Verben und Ausdrücke wie kell (müssen), lehet (möglich sein), szabad (erlaubt sein), kellene (sollen), aber auch prädikative Nomina und Adjektive wie fontos (wichtig), szükséges (notwendig), érdemes (lohnend), tilos (verboten), jó (gut) oder rossz (schlecht).
In solchen Konstruktionen übernimmt das unpersönliche Verb oder der prädikative Ausdruck die Funktion des Prädikats, während der konjugierte Infinitiv das logische Subjekt des Satzes darstellt. Der Handelnde wird somit nicht durch ein finites Verb, sondern durch die Personalsuffigierung des Infinitivs ausgedrückt.
Der Personenbezug kann dabei auf unterschiedliche Weise realisiert werden: Er kann allein durch die Personalendung am Infinitiv angezeigt werden, zusätzlich durch ein konkret genanntes Subjekt mit dem Dativsuffix „-nak/-nek“ verdeutlicht werden oder – bei allgemeinen Aussagen und in der Umgangssprache – gänzlich ohne Personalsuffigierung erscheinen, wenn ein generisches Subjekt („man“) gemeint ist.
In der deutschen Sprache existiert für diese Struktur keine direkte Entsprechung. Der Personenbezug wird dort in der Regel durch ein konjugiertes Modalverb in Verbindung mit einem Infinitiv ausgedrückt (z. B. „ich muss lernen“), während der Infinitiv selbst unverändert bleibt.
Der konjugierte Infinitiv wird gebildet, indem man an den Infinitiv (-ni) die Personalendungen (genauer: Possessiv-Personalsuffixe) anfügt. Genau genommen handelt es sich nicht um Verb-Endungen, sondern formal um Possessivsuffixe, wie sie auch bei Substantiven auftreten.
In vielen Fällen steht dazwischen ein -n- als Anschlusslaut (tanulnom, tanulnod). Die Endungen folgen der Vokalharmonie.
Person
Ungarisch (tanulni)
Deutsch (Infinitiv mit Person / „dass“-Satz)
ich
tanulnom
dass ich lerne
du
tanulnod
dass du lernst
er/sie/es
tanulnia
dass er/sie/es lernt
wir
tanulnunk
dass wir lernen
ihr
tanulnotok
dass ihr lernt
sie
tanulniuk
dass sie lernen
Daher kommt auch die alternative Bezeichnung főnévi igenév birtokos személyraggal (wörtlich: „konjugierter Infinitiv mit besitzanzeigendem Personal-Suffix“).
Diese Bezeichnung ist historisch/analytisch: főnévi igenév birtokos személyraggal (Infinitiv + Possessivendung). Deshalb taucht in manchen Grammatiken noch der Ausdruck „Infinitiv mit Possessivsuffix“ auf.
Hintergrund: formal betrachtet wird der konjugierte Infinitiv so gebildet, als ob der Infinitiv ein Substantiv wäre (látni = das Sehen) und dann ein Possessivsuffix bekommt:
látnom = mein Sehen → „dass ich sehe“
látnod = dein Sehen → „dass du siehst“
látnia = sein/ihr Sehen → „dass er sieht“
Beispiele mit „kell“:
1. Az orvost kell látnom. – Den Arzt muss ich sehen. - (NICHT: Én az orvost kell látni.)
2. Ezt a filmet kell látnod. – Diesen Film musst du sehen. - (NICHT: Te ezt a filmet kell látni.)
3. Az igazságot kell látnia. – Die Wahrheit muss er sehen. - (NICHT: Ő az igazságot kell látni.)
4. A házat kell látnunk. – Das Haus müssen wir sehen. - (NICHT: Mi kell látni a házat. [Fehler ist nicht die Wortstellung, sondern die Infinitivform.])
5. A templomot kell látnotok. – Die Kirche müsst ihr sehen. - (NICHT: Ti kell látni a templomot.)
6. A hegyeket kell látniuk. – Die Berge müssen sie sehen. - (NICHT: Ők kell látni a hegyeket.)
látni (Infinitiv; Objekt „azt“ → határozott ragozás bei den finiten Formen)
én látom – ich sehe (es)
te látod – du siehst (es)
ő látja – er sieht (es)
mi látjuk – wir sehen (es)
ti látjátok – ihr seht (es)
ők látják – sie sehen (es)
kar (birtokos eset, Genitiv - streng genommen kein Kasus, sondern Possessivsuffix, aber traditionell oft als „birtokos eset“ bezeichnet)
Ez az én karom. – Das ist mein Arm.
Ez a te karod. – Das ist dein Arm.
Ez az ő kara. – Das ist sein/ihr Arm.
Ez a mi karunk. – Das ist unser Arm.
Ez a ti karotok. – Das ist euer Arm.
Ez az ő karjuk. – Das ist ihr Arm.
Der konjugierte Infinitiv wird wie ein Substantiv behandelt und trägt die gleichen Possessiv-Personalsuffixe.
Bei einigen häufigen Verben zeigt der konjugierte Infinitiv eine feste Stammform mit „-nn-“.
Beispiele:
menni → mennem
vinni → vinnem
enni → ennem
inni → innom
tenni → tennem
venni → vennem
jönni → jönnöm
hinni → hinnem
vinni → vinnünk
Hier wirken Lautangleichung und Vokalharmonie gleichzeitig.
Alle drei Varianten sind prinzipiell zulässig. Allerdings wird Variante 1 (z. B. "nekem fontos értenem") im Ungarischen als die natürlichste und stilistisch beste Ausdrucksform angesehen, da sie klar anzeigt, wer verstehen muss.
Alternative Konstruktion mit „kell“ (ohne konjugierten Infinitiv)
Um auszudrücken, dass etwas in der Zukunft notwendig sein wird, wird majd hinzugefügt.
Beispiele
Tanulnom kell majd a vizsgára. – Ich werde für die Prüfung lernen müssen.
Holnap beszélnünk kell a projektről. – Wir werden morgen über das Projekt sprechen müssen.
Korán elindulnom kell majd. – Ich werde früh losgehen müssen.
Jövő héten sokat kell majd dolgoznunk. – Wir werden nächste Woche viel arbeiten müssen.
Holnap el kell majd indulnunk korán. – Wir werden morgen früh aufbrechen müssen.
A jelentést jövő hétig el kell majd készítened. – Du wirst den Bericht bis nächste Woche fertigstellen müssen.
A gyerekeknek este korán le kell majd feküdniük. – Die Kinder werden am Abend früh ins Bett gehen müssen.
A problémát később meg kell majd oldanunk. – Wir werden das Problem später lösen müssen.
A vendégeknek még várniuk kell majd. – Die Gäste werden noch warten müssen.
A hibát hamarosan ki kell majd javítanom. – Ich werde den Fehler bald korrigieren müssen.
A vonatra sietned kell majd. – Du wirst dich zum Zug beeilen müssen.
„Majd“ ist ein Zeitadverb, kein Futurmarker im grammatischen Sinn.
(„Majd“ ist im Ungarischen ein Zeitadverb mit offener Zukunftsreferenz. Es bedeutet sinngemäß: irgendwann später; zu einem späteren Zeitpunkt; nicht jetzt, sondern später. Deshalb passt im Deutschen häufig nicht das schlichte Futur („werden“), sondern: dann, später, danach, irgendwann.)
„Majd“ markiert Abstand zur Gegenwart, nicht zwingend Zukunft im engen Sinn.
Vergleiche:
Most tanulok. - Jetzt lerne ich.
Majd tanulok. - Ich lerne später/dann (nicht jetzt). - Hier liegt der Fokus nicht auf „Zukunft als Zeitform“, sondern auf Aufschub; Verschiebung und/oder zeitlicher Distanz.
Der konjugierte Infinitiv erscheint im Ungarischen genau dann, :wenn das Prädikat selbst keinen Personenbezug tragen kann oder soll.
In solchen Konstruktionen wird die handelnde Person nicht am Prädikat, sondern durch ein Personalsuffix am Infinitiv markiert. Kann der Personenbezug dagegen durch ein finites Verb ausgedrückt werden, steht der unveränderte Infinitiv.
Kontrastierende Beispiele
1a) Unveränderter Infinitiv – Person unklar
Kell tanulni. – Man muss lernen.
Der Satz trifft eine allgemeine Aussage.
Es bleibt offen, wer konkret lernen muss.
1b) Konjugierter Infinitiv – Person eindeutig
Tanulnom kell. – Ich muss lernen.
Der Personenbezug wird am Infinitiv markiert.
Jetzt ist klar, dass sich die Aussage auf den Sprecher bezieht.
2a) Unveränderter Infinitiv – Person aus dem Kontext klar
Holnap vizsgája van, ezért korán kell felkelni. – Morgen hat er eine Prüfung, deshalb muss man früh aufstehen.
Die gemeinte Person ist aus dem Kontext erschließbar.
2b) Konjugierter Infinitiv – inhaltlich redundant
Holnap vizsgája van, ezért korán kell felkelnie. – Morgen hat er eine Prüfung, deshalb muss man früh aufstehen.
Die Person ist bereits eindeutig bekannt.
Der konjugierte Infinitiv fügt keine neue Information hinzu.
Péter holnap vizsgázik. Ezért ma este sokat kell tanulnia. Korán kell lefeküdnie.
Péter hat morgen eine Prüfung. Deshalb muss er heute Abend viel lernen. Er muss früh ins Bett gehen.
Der konjugierte Infinitiv ist kein Selbstzweck. Er dient ausschließlich der eindeutigen Markierung des Personenbezugs. Er wird nicht verwendet, „weil es Ungarisch ist“, sondern weil sonst nicht klar wäre, wer gemeint ist.
Aus deutscher Sicht wirkt der konjugierte Infinitiv im Ungarischen zunächst ungewohnt oder sogar überflüssig. Schließlich kommt das Deutsche vollständig ohne eine solche Form aus, ohne dass es dabei regelmäßig zu Missverständnissen kommt.
Der entscheidende Grund dafür liegt jedoch nicht darin, dass das Deutsche präziser oder expliziter wäre, sondern darin, dass beide Sprachen den Personenbezug an unterschiedlichen Stellen im Satz ausdrücken.
Im Deutschen wird der Personenbezug fast immer durch ein finites Verb in Verbindung mit einem Subjekt markiert. Besonders deutlich zeigt sich dies bei Modalverben wie „müssen“, „sollen“, „wollen“ oder „können“:
Beispiele:
Ich muss lernen.
Du musst lernen.
Er muss lernen.
Der Infinitiv („lernen“) bleibt dabei unverändert. Die handelnde Person ist bereits eindeutig durch das konjugierte Verb („muss“, „musst“) und das Subjekt bestimmt. Ein zusätzlicher grammatischer Marker ist nicht erforderlich.
Daneben verfügt das Deutsche über eine weitere, sehr flexible Strategie: Es kann den Personenbezug bewusst offenlassen. Dies geschieht häufig durch unpersönliche Konstruktionen wie „man“ oder durch Wendungen mit formellem Subjekt „es“.
Beispiele:
Man muss früh aufstehen.
Es ist notwendig, früh aufzustehen.
Es ist wichtig, pünktlich zu erscheinen.
Solche Sätze sind grammatisch vollständig korrekt, lassen jedoch absichtlich offen, wer konkret handeln soll. Diese Unschärfe ist im Deutschen kein Mangel, sondern ein bewusst eingesetztes stilistisches Mittel, etwa um allgemeine Regeln zu formulieren oder um eine direkte Anrede („du“ oder „Sie“) zu vermeiden.
Soll der Handelnde dennoch eindeutig genannt werden, muss das Deutsche zusätzliche Satzteile verwenden:
Beispiele:
Es ist notwendig, dass ich früh aufstehe.
Es ist notwendig für ihn, die Unterlagen abzugeben.
Es ist erforderlich, dass die Teilnehmer pünktlich erscheinen.
Der Personenbezug wird hier nicht grammatisch, sondern syntaktisch oder kontextuell ergänzt.
Das Deutsche kann also flexibel zwischen klarer Personenmarkierung und bewusster Neutralisierung wechseln, ohne seine grammatische Struktur zu verändern.
Unpersönliche Prädikate als Auslöser des konjugierten Infinitivs
Die ungarischen Ausdrücke, die typischerweise einen konjugierten Infinitiv nach sich ziehen, haben eine zentrale Gemeinsamkeit:
Sie beschreiben keinen Handelnden, sondern einen Zustand, eine Notwendigkeit, eine Erlaubnis, eine Möglichkeit oder eine Bewertung.
Wörter wie „kell“, „kellene“, „szabad“, „tilos“, „lehet“, „szükséges“, „érdemes“, „fölösleges“, „jó“ oder „rossz“ entsprechen funktional nicht deutschen Modalverben, ondern unpersönlichen deutschen Wendungen vom Typ:
„es ist notwendig“
„es ist erlaubt“
„es ist möglich“
„es ist verboten“
„es lohnt sich“
„es ist gut / schlecht“
Auch diese deutschen Ausdrücke tragen selbst keine Personeninformation. Sie beantworten lediglich die Frage, ob etwas notwendig, erlaubt, möglich oder sinnvoll ist.
Beispiele:
Es ist notwendig, früh aufzustehen.
Es ist erlaubt, hier zu parken.
Es ist verboten, im Gebäude zu rauchen.
Es lohnt sich, den Film anzusehen.
Es ist überflüssig, darüber zu diskutieren.
In all diesen Fällen bleibt offen, wer konkret handeln soll. Soll der Personenbezug hergestellt werden, muss das Deutsche zusätzliche Mittel einsetzen, etwa Nebensätze, Präpositionalgruppen
oder explizite Subjekte.
Das Ungarische verwendet genau solche unpersönlichen Prädikate systematisch und sehr häufig. Da diese Prädikate selbst keine Person markieren können, muss der Personenbezug an anderer Stelle im Satz erscheinen.
Diese Aufgabe übernimmt der konjugierte Infinitiv. Er trägt die Personeninformation, die das Prädikat funktional nicht leisten kann.
Der konjugierte Infinitiv ist daher keine stilistische Verfeinerung und auch kein „Zusatz“, der mehr Information liefert als nötig. Er ist eine funktionale Notwendigkeit innerhalb des Systems: Ohne ihn bliebe der Satz offen, wer eigentlich handeln soll.
Während das Deutsche in solchen Fällen entweder eine bewusste Unschärfe akzeptiert oder den Personenbezug syntaktisch ergänzt, löst das Ungarische dieses Problem grammatisch, indem es den Infinitiv selbst personell markiert.
Der Unterschied zwischen beiden Sprachen liegt somit nicht in der Genauigkeit der Aussage, sondern in der Verteilung der grammatischen Aufgaben: Was im Deutschen meist das finite Verb oder der Satzbau leistet, übernimmt im Ungarischen in bestimmten Konstruktionen der konjugierte Infinitiv.
Nach dem Exkurs ins Deutsche ist nun verständlicher geworden, warum das Ungarische in bestimmten Konstruktionen den Personenbezug am Infinitiv markieren muss. Im letzten Schritt soll daher noch einmal betrachtet werden,
warum dies bei Verben wie „tud“, „akar“ oder „szeret(ne)“ gerade nicht der Fall ist.
Diese Verben drücken selbst bereits eindeutig aus, wer handelt. Die handelnde Person ist direkt am Verb erkennbar, noch bevor der Infinitiv ins Spiel kommt.
Beispiele:
Tudok úszni. – Ich kann schwimmen.
Tudsz vezetni? – Kannst du Auto fahren?
Akarok dolgozni. – Ich will arbeiten.
Szeretnék menni. – Ich möchte gehen.
In all diesen Sätzen ist sofort klar, wer etwas kann, will oder möchte. Die Person wird durch die Verbform (tudok, tudsz, akarok, szeretnék) eindeutig identifiziert.
Der Infinitiv („úszni“, „vezetni“, „dolgozni“, „menni“) bezeichnet lediglich die Handlung selbst und trägt keine zusätzliche Information über die Person. Ein konjugierter Infinitiv wäre hier überflüssig, da der Personenbezug bereits vollständig hergestellt ist.
Genau dieses Verhalten findet sich auch im Deutschen:
Beispiele:
Ich kann schwimmen.
Du willst arbeiten.
Ich möchte gehen.
Auch hier bleibt der Infinitiv unverändert, weil die Person durch das konjugierte Verb („kann“, „will“, „möchte“) eindeutig bestimmt ist.
Ungarische Verben wie „tud“, „akar“ und „szeret(ne)“ verhalten sich funktional ganz parallel. Sie sind personal bestimmt und machen den Handelnden direkt sichtbar. Deshalb benötigen sie keinen konjugierten Infinitiv.
Der Unterschied zu Ausdrücken wie „kell“, „szabad“ oder „lehet“ liegt also nicht im Infinitiv, sondern im Prädikat: Während „tud“, „akar“ und „szeret(ne)“ die handelnde Person selbst anzeigen, tun dies unpersönliche Prädikate nicht.
Der konjugierte Infinitiv erscheint im Ungarischen daher nicht beliebig, sondern ausschließlich dann, wenn der Personenbezug nicht bereits am Verb ausgedrückt wird.
Zusammengefasst:
Wo das Verb selbst klar macht, wer handelt, bleibt der Infinitiv unverändert. Nur dort, wo diese Information fehlt, übernimmt der Infinitiv die Personenmarkierung.
- Der konjugierte Infinitiv kombiniert den Infinitiv mit einer Personalendung.
- Er zeigt an, wer eine Handlung ausführen muss oder sollte, insbesondere bei Notwendigkeit.
- Typisch wird er mit Modalverben der Notwendigkeit wie kell, kellene oder kellett verwendet; bei Verben wie tud, akar oder szeretne steht dagegen kein konjugierter Infinitiv.
- Im Gegensatz zum Deutschen, wo bei Notwendigkeit meist das Modalverb konjugiert wird, trägt im Ungarischen der Infinitiv selbst die Personenmarkierung.
In der ungarischen Sprache gibt es zwar keine Modalverben im klassischen Sinne wie im Deutschen (z. B. „können“, „müssen“, „sollen“), aber es gibt bestimmte Verben und Konstruktionen, die eine ähnliche Funktion erfüllen. Diese drücken Bedeutungen wie Notwendigkeit, Möglichkeit, Fähigkeit, Wunsch oder Erlaubnis aus.
Die ungarische Grammatik verwendet dafür oft Verben wie kell (müssen), szabad (dürfen) oder lehet (können) in Kombination mit einem konjugierten Infinitiv, während bei Verben wie tud (können), akar (wollen) oder szeretne (möchten) der Infinitiv in der Regel unverändert bleibt und die Person durch die Verbform selbst angezeigt wird.
Beispiele:
szeretnék menni – ich möchte gehen
akarunk dolgozni – wir wollen arbeiten
Oder anders formuliert: Im Ungarischen wird Modalität oft anders ausgedrückt als im Deutschen: teils durch Verben wie kell, lehet, tud, akar, teils durch Konstruktionen oder Partikeln – und bei kell/szabad/lehet sehr häufig mit (ragozott) Infinitiv.
Wenn man „ich/du/er ... kann/darf“ meint, ist Ungarisch meistens natürlicher mit einer konjugierten Verbform (oft mit „-hat/-het“) oder mit szabad.
Natürlich und typisch
Jöhetek később. – Ich kann/darf später kommen.
Később is jöhetek. – Ich kann auch später kommen.
Bejöhetek? – Darf ich reinkommen?
Megnézhetem? – Darf ich es mir ansehen?
Itt parkolhatok? – Darf ich hier parken?
Itt nem parkolhatok. – Ich darf hier nicht parken.
Most nem mehetek be. – Ich darf jetzt nicht hinein.
Elmehetek innen? – Darf ich von hier weggehen?
C) Warum diese Sätze „schief“ wirken
Nicht idiomatisch (ungewöhnlich, schwer)
FALSCH/UNKLAR: Lehet jönnöm később.
FALSCH/UNKLAR: Nem lehet itt parkolnod.
Idiomatisch und korrekt (Kontrast 1
1):
Később jöhetek. – Ich kann/darf später kommen.
Itt nem lehet parkolni. – Hier darf man nicht parken.
Itt tilos parkolni. – Hier ist Parken verboten. (formell/Schilder-Sprache)
Itt nem szabad parkolni. – Hier darf man nicht parken. (sehr geläufig)
Itt nem parkolhatsz. – Du darfst hier nicht parken. (direkt, personenbezogen)
D) Zusätzliche Beispielpaare
Allgemein (lehet + Infinitiv)
Lehet használni ezt a gépet? – Kann/darf man diese Maschine benutzen?
Itt nem lehet dohányozni. – Hier darf man nicht rauchen.
Este nem lehet zajongani. – Abends darf man keinen Lärm machen.
Personbezogen (Verbform / „-hat/-het“ / szabad)
Használhatom ezt a gépet? – Darf ich diese Maschine benutzen?
Itt nem dohányozhatsz. – Du darfst hier nicht rauchen.
Este nem zajonghattok. – Abends dürft ihr keinen Lärm machen.
Szabad itt leülni? – Darf man hier sitzen?
Szabad leülnöm? – Darf ich mich setzen? (hier ist konjugierter Infinitiv mit szabad normaler als mit lehet)
FALSCH (genauer: es ist nicht direkt „grammatisch unmöglich“, aber es klingen unnötig verknotet): Nem lehet itt parkolnod. – Du kannst hier nicht parken. / Es ist hier nicht erlaubt zu parken.
Die klassische Schild-/Regel-Form ist: Itt nem lehet parkolni - Hier ist Parken nicht erlaubt.
Wenn man eine Person direkt anspricht, sagt man im Ungarischen lieber „nem parkolhatsz“ oder „nem szabad parkolni“ (je nach Stil).
FALSCH (genauer: „ungewöhnlich“): Lehet jönnöm később. – Ich kann später kommen. / Es ist möglich, dass ich später komme.
Merksatz
- lehet + Infinitiv = allgemein/unpersönlich („man kann/darf …“, „es ist möglich …“)
- -hat/-het oder szabad = personbezogen („ich/du darfst/kannst …“)
Im Ungarischen wird der Infinitiv in bestimmten Konstruktionen konjugiert (z. B. bei kell, szabad, lehet), was im Deutschen nicht vorkommt. Dadurch wird angezeigt, wer die Handlung ausführt.
Verben wie tud und akar verwenden den Infinitiv ohne Konjugation, ähnlich wie im Deutschen.
Die ungarischen Modalverben sind flexibel und können durch Kontext oder zusätzliche Konstruktionen (z. B. Konditional) nuanciert werden.
Zusammenfassungstabelle
Modalverb
Bedeutung
Konjugierter Infinitiv typisch?
Beispiel
kell
müssen, sollen
Ja
Nekem kell mennem.
tud
können, wissen
Nein
Tudok olvasni.
szabad
dürfen
Ja
Szabad kérdeznem?
akar
wollen
Nein
Akarok enni.
szeretne
möchten
Nein
Szeretném látni.
lehet
können, möglich sein
Nein (meist unveränderter Infinitiv)
Itt nem lehet parkolni.
Diese Verben und Konstruktionen sind im Ungarischen sehr häufig und spielen eine zentrale Rolle beim Ausdrücken von Notwendigkeit, Möglichkeit, Wunsch oder Erlaubnis.
Oder anders formuliert (als sofortige Einschlafhilfe): Diese modalitätsausdrückenden Verben und Konstruktionen sind zentrale Elemente der ungarischen Grammatik und werden häufig mit verschiedenen Zeitformen und syntaktischen Mitteln kombiniert.
Und zum wieder Aufwachen eine dritte Formulierung: Im Ungarischen werden Dinge wie „müssen“, „dürfen“ oder „wollen“ oft anders ausgedrückt als im Deutschen. Die hier abgehandelten Konstruktionen sind für den Alltag in der ungarischen Sprache besonders wichtig.