C-Programmierung mit AVR-GCC/ Register
Microcontroller haben außer der Recheneinheit (ALU) und dem Speicher noch weitere Funktionsblöcke, wie Timer/Counter, Schnittstellen, AD-Wandler und Ein-/Ausgabeports. Diese werden alle durch sog. Register konfiguriert und angesprochen. Beim AVR handelt es sich um einen 8-bit Controller, deshalb haben die Register eine breite von 8-bit. Natürlich müssen manchmal auch größere Werte gespeichert werden (16-bit Timer, AD-Wandler), dazu später mehr.
Die AVR-Controller verfügen über eine Vielzahl von Registern. Die meisten davon sind sogenannte Schreib-/Leseregister. Das heißt, das Programm kann die Inhalte der Register sowohl auslesen als auch beschreiben.
Einzelne Register sind bei allen AVRs vorhanden, andere wiederum nur bei bestimmten Typen. So sind beispielsweise die Register, welche für den Zugriff auf den UART notwendig sind, selbstverständlich nur bei denjenigen Modellen vorhanden, welche über einen integrierten Hardware UART bzw. USART verfügen.
Die Namen der Register sind in den Headerdateien zu den entsprechenden AVR-Typen definiert. Dazu muss man den Namen der controllerspezifischen Headerdatei nicht kennen. Es reicht aus, die allgemeine Headerdatei avr/io.h einzubinden:
#include <avr/io.h>
Ist im Makefile der MCU-Typ z. B. mit dem Inhalt atmega8 definiert (und wird somit per -mmcu=atmega8 an den Compiler übergeben), wird beim Einlesen der io.h-Datei implizit ("automatisch") auch die iom8.h-Datei mit den Register-Definitionen für den ATmega8 eingelesen.
Intern wird diese "Automatik" wie folgt realisiert: Der Controllertyp wird dem Compiler als Parameter übergeben (vgl. avr-gcc -c -mmcu=atmega16 [...] im Einführungsbeispiel). Wird ein Makefile nach der WinAVR/mfile-Vorlage verwendet, setzt man die Variable MCU, der Inhalt dieser Variable wird dann an passender Stelle für die Compilerparameter verwendet. Der Compiler definiert intern eine dem mmcu-Parameter zugeordnete "Variable" (genauer: ein Makro) mit dem Namen des Controllers, vorangestelltem __AVR_ und angehängten Unterstrichen (z.B. wird bei -mmcu=atmega16 das Makro __AVR_ATmega16__ definiert). Beim Einbinden der Header-Datei avr/io.h wird geprüft, ob das jeweilige Makro definiert ist und die zum Controller passende Definitionsdatei eingelesen.
Zur Veranschaulichung einige Ausschnitte aus einem Makefile:
[...]
# MCU Type ("name") setzen:
MCU = atmega16
[...]
[...]
## Verwendung des Inhalts von MCU (hier atmega16) fuer die
## Compiler- und Assembler-Parameter
ALL_CFLAGS = -mmcu=$(MCU) -I. $(CFLAGS) $(GENDEPFLAGS)
ALL_CPPFLAGS = -mmcu=$(MCU) -I. -x c++ $(CPPFLAGS) $(GENDEPFLAGS)
ALL_ASFLAGS = -mmcu=$(MCU) -I. -x assembler-with-cpp $(ASFLAGS)
[...]
[...]
## Aufruf des Compilers:
## mit den Parametern ($(ALL_CFLAGS) ist -mmcu=$(MCU)[...] = -mmcu=atmega16[...]
$(OBJDIR)/%.o : %.c
@echo
@echo $(MSG_COMPILING) $<
$(CC) -c $(ALL_CFLAGS) $< -o $@
[...]
Da --mmcu=atmega16 übergeben wurde, wird __AVR_ATmega16__ definiert und kann in avr/io.h zur Fallunterscheidung genutzt werden:
// avr/io.h // (bei WinAVR-Standardinstallation in C:\WinAVR\avr\include\avr) [...] #if defined (__AVR_AT94K__) # include <avr/ioat94k.h> // [...] #elif defined (__AVR_ATmega16__) // da __AVR_ATmega16__ definiert ist, wird avr/iom16.h eingebunden: # include <avr/iom16.h> // [...] #else # if !defined(__COMPILING_AVR_LIBC__) # warning "device type not defined" # endif #endif
[Bearbeiten] Schreiben in Register
Zum Schreiben kann man Register einfach wie eine Variable setzen. In Quellcodes, die für ältere Versionen des avr-gcc/der avr-libc entwickelt wurden, erfolgt der Schreibzugriff über die Funktion outp(). Aktuelle Versionen des Compilers unterstützen den Zugriff nun direkt und outp() ist nicht mehr erforderlich.
Beispiel:
#include <avr/io.h> ... int main(void) { /* Setzt das Richtungsregister des Ports A auf 0xff (alle Pins als Ausgang, vgl. Abschnitt Zugriff auf Ports): */ DDRA = 0xff; /* Setzt PortA auf 0x03, Bit 0 und 1 "high", restliche "low": */ PORTA = 0x03; ... // Setzen der Bits 0,1,2,3 und 4 // Binär 00011111 = Hexadezimal 1F DDRB = 0x1F; /* direkte Zuweisung - unübersichtlich */ /* Ausführliche Schreibweise: identische Funktionalität, mehr Tipparbeit aber übersichtlicher und selbsterklärend: */ DDRB = (1 << DDB0) | (1 << DDB1) | (1 << DDB2) | (1 << DDB3) | (1 << DDB4); }
Die ausführliche Schreibweise sollte bevorzugt verwendet werden, da dadurch die Zuweisungen selbsterklärend sind und somit der Code leichter nachvollzogen werden kann. Atmel verwendet sie auch bei Beispielen in Datenblätten und in den allermeisten Quellcodes zu Application-Notes.
Der gcc C-Compiler (genauer der Präprozessor) unterstützt ab Version 4.3.0 Konstanten im Binärformat, z.B. DDRB = 0b00011111 (für WinAVR wurden schon ältere Versionen des gcc entsprechend angepasst). Diese Schreibweise ist jedoch nicht standardkonform und man sollte sie daher insbesondere dann nicht verwenden, wenn Code mit anderen ausgetauscht oder mit anderen Compilern bzw. älteren Versionen des gcc genutzt werden soll.
[Bearbeiten] Verändern von Registerinhalten
Einzelne Bits setzt und löscht man "Standard-C-konform" mittels logischer (Bit-) Operationen.
x |= (1 << Bitnummer); // Hiermit wird ein Bit in x gesetzt x &= ~(1 << Bitnummer); // Hiermit wird ein Bit in x geloescht
Es wird jeweils nur der Zustand des angegebenen Bits geändert, der vorherige Zustand der anderen Bits bleibt erhalten.
Beispiel:
#include <avr/io.h> ... #define MEINBIT 2 ... PORTA |= (1 << MEINBIT); /* setzt Bit 2 an PortA auf 1 */ PORTA &= ~(1 << MEINBIT); /* loescht Bit 2 an PortA */
Mit dieser Methode lassen sich auch mehrere Bits eines Registers gleichzeitig setzen und löschen.
Beispiel:
#include <avr/io.h> ... DDRA &= ~( (1<<PA0) | (1<<PA3) ); /* PA0 und PA3 als Eingaenge */ PORTA |= (1<<PA0) | (1<<PA3); /* Interne Pull-Up fuer beide einschalten */
In Quellcodes, die für ältere Version den des avr-gcc/der avr-libc entwickelt wurden, werden einzelne Bits mittels der Funktionen sbi und cbi gesetzt bzw. gelöscht. Beide Funktionen sind nicht mehr erforderlich.
Siehe auch:
- Bitmanipulation
- Dokumentation der avr-libc Abschnitt Modules/Special Function Registers
[Bearbeiten] Lesen aus Registern
Zum Lesen kann man auf Register einfach wie auf eine Variable zugreifen. In Quellcodes, die für ältere Versionen des avr-gcc/der avr-libc entwickelt wurden, erfolgt der Lesezugriff über die Funktion inp(). Aktuelle Versionen des Compilers unterstützen den Zugriff nun direkt und inp() ist nicht mehr erforderlich.
#include <avr/io.h> #include <stdint.h> uint8_t foo; //... int main(void) { /* kopiert den Status der Eingabepins an PortB in die Variable foo: */ foo = PINB; //... }
Die Zustände von einzelnen Bits erhält man durch Einlesen des gesamten Registerinhalts und ausblenden der Bits deren Zustand nicht von Interesse ist. Einige Beispiele zum Prüfen ob Bits gesetzt oder gelöscht sind:
#define MEINBIT0 0 #define MEINBIT2 2 uint8_t i; extern test1(); // Funkion test1 aufrufen, wenn Bit 0 in Register PINA gesetzt (1) ist i = PINA; // Inhalt in Arbeitsvariable i = i & 0x01; // alle Bits bis auf Bit 0 ausblenden (logisches und) // falls das Bit gesetzt war, hat i den Inhalt 1 if ( i != 0 ) { // Ergebnis ungleich 0 (wahr)? test1() // dann muss Bit 0 in i gesetzt sein -> Funktion aufrufen } // verkürzt: if ( ( PINA & 0x01 ) != 0 ) { test1(); } // nochmals verkürzt: if ( PINA & 0x01 ) { test1(); } // mit definierter Bitnummer: if ( PINA & ( 1 << MEINBIT0 ) ) { test(1); } // Funktion aufrufen, wenn Bit 0 oder Bit 2 gesetzt ist if ( PINA & 0x05 ) { test1(); // Vergleich <> 0 (wahr), also muss Bit 0 oder 2 gesetzt sein } // mit definierten Bitnummern: if ( PINA & ( ( 1 << MEINBIT0 ) | ( 1 << MEINBIT2 ) ) ) { test1(); } // Funktion aufrufen, wenn Bit 0 und Bit 2 gesetzt sind if ( ( PINA & 0x05 ) == 0x05 ) { // nur wahr, wenn beide Bits gesetzt test1(); } // Funktion test2() aufrufen, wenn Bit 0 gelöscht (0) ist i = PINA; // einlesen in temporäre Variable i = i & 0x01; // maskieren von B if ( i == 0 ) { // Vergleich ist wahr, wenn Bit 0 nicht gesetzt ist test2(); } // analog mit !-Operator (not) if ( !i ) { test2(); } // nochmals verkürzt: if ( !( PINA & 0x01 ) ) { test2(); }
Die AVR-Bibliothek (avr-libc) stellt auch Funktionen (Makros) zur Abfrage eines einzelnen Bits eines Registers zur Verfügung, diese sind bei anderen Compilern meist nicht verfügbar (können aber dann einfach durch Macros "nachgerüstet" werden).
- bit_is_set (<Register>,<Bitnummer>)
- Die Funktion bit_is_set prüft, ob ein Bit gesetzt ist. Wenn das Bit gesetzt ist, wird ein Wert ungleich 0 zurückgegeben. Genau genommen ist es die Wertigkeit des abgefragten Bits, also 1 für Bit0, 2 für Bit1, 4 für Bit2 etc.
- bit_is_clear (<Register>,<Bitnummer>)
- Die Funktion bit_is_clear prüft, ob ein Bit gelöscht ist. Wenn das Bit gelöscht ist, also auf 0 ist, wird ein Wert ungleich 0 zurückgegeben.
Die Funktionen (eigentlich Makros) bit_is_clear bzw. bit_is_set sind nicht erforderlich, man kann und sollte C-Syntax verwenden, die universell verwendbar und portabel ist. Siehe auch Bitmanipulation.
[Bearbeiten] Warten auf einen bestimmten Zustand
Es gibt in der Bibliothek avr-libc Funktionen, die warten, bis ein bestimmter Zustand eines Bits erreicht ist. Es ist allerdings normalerweise eine eher unschöne Programmiertechnik, da in diesen Funktionen "blockierend" gewartet wird. Der Programmablauf bleibt also an dieser Stelle stehen, bis das maskierte Ereignis erfolgt ist. Setzt man den Watchdog ein, muss man darauf achten, dass dieser auch noch getriggert wird (Zurücksetzen des Watchdogtimers).
Die Funktion loop_until_bit_is_set wartet in einer Schleife, bis das definierte Bit gesetzt ist. Wenn das Bit beim Aufruf der Funktion bereits gesetzt ist, wird die Funktion sofort wieder verlassen. Das niederwertigste Bit hat die Bitnummer 0.
#include <avr/io.h> ... /* Warten bis Bit Nr. 2 (das dritte Bit) in Register PINA gesetzt (1) ist */ #define WARTEPIN PINA #define WARTEBIT PA2 // mit der avr-libc Funktion: loop_until_bit_is_set(WARTEPIN, WARTEBIT); // dito in "C-Standard": // Durchlaufe die (leere) Schleife solange das WARTEBIT in Register WARTEPIN // _nicht_ ungleich 0 (also 0) ist. while ( !(WARTEPIN & (1 << WARTEBIT)) ) ; ...
Die Funktion loop_until_bit_is_clear wartet in einer Schleife, bis das definierte Bit gelöscht ist. Wenn das Bit beim Aufruf der Funktion bereits gelöscht ist, wird die Funktion sofort wieder verlassen.
#include <avr/io.h> ... /* Warten bis Bit Nr. 4 (das fuenfte Bit) in Register PINB geloescht (0) ist */ #define WARTEPIN PINB #define WARTEBIT PB4 // avr-libc-Funktion: loop_until_bit_is_clear(WARTEPIN, WARTEBIT); // dito in "C-Standard": // Durchlaufe die (leere) Schleife solange das WARTEBIT in Register WARTEPIN // gesetzt (1) ist while ( WARTEPIN & (1<<WARTEBIT) ) ; ...
Universeller und auch auf andere Plattformen besser übertragbar ist die Verwendung von C-Standardoperationen.
Siehe auch:
- Dokumentation der avr-libc Abschnitt Modules/Special Function Registers
- Bitmanipulation