Inlineskaten
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Im Vorgriff auf einen vom Bundes-Fachverband DRIV zu fordernden- allgemein anerkannten- Lehrplan lege ich nachfolgend eine Reihe von Arbeitsblättern zu Grunde, die eine Fülle von Aspekten der Inlineskating-Lehre behandeln. Sie wird laufend ergänzt.
H.-J. Schlehufer, Oktober 2005
[Bearbeiten] Einleitung, Begründung und Zusammenfassung
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GESCHICHTE
Innerhalb weniger Jahre hat sich Inlineskaten weltweit zu einer sehr lustbetonten und zweckmäßigen Freizeit- und Wettkampfbewegung gemausert, die beide Geschlechter von 8-80 erfasst hat- sogar jenseits dieser Altersgrenzen wird auf Rollen geskatet! Dabei wird häufig auch auf vertraute Bewegungserfahrungen aus dem Schlittschuhlaufen, Skilaufen, Skifahren und -skaten zurückgegriffen. Die enge motorische und motivatorische Beziehung ist evident.
Das Inlineskaten vollzog, 20 Jahre nach dem Skisport, auch dessen Vehemenz in der Entwicklung nach. Allerdings hat es wohl größere Chancen, nachhaltig Menschen in Bewegung zu halten, da Inlineskaten z.B. nicht an das winterliche Gebirge gebunden ist, bei weitem billiger betrieben werden kann, eine Auseinandersetzung mit dem Umweltschutz nicht fürchten muss oder als schnelles und kostenloses Verkehrsmittel sogar in den Städten eingesetzt werden kann. Diese Chancen bestanden eigentlich schon viel früher durch die insbesondere nach dem 2. Weltkrieg aufflackernde Rollschuh-Bewegung- sie zog sich allerdings recht schnell in wenige Vereine zurück.
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TECHNISCHE und MOTORISCHE GRUNDLAGEN
Heutige Skates haben aufgrund wesentlicher technischer Verfeinerungen, insbesondere der Hintereinanderschaltung der 4 (bei Renngeräten auch 5) Rollen, ein völlig neues Fahren, und natürlich auch erheblich höhere Geschwindigkeiten, ermöglicht. Diese Anordnung erlaubt im Gegensatz zu den „alten“ Rollschuhen, aber wie in den Skistiefeln mit ihrer lateralen Fixierung des Sprunggelenks, auch eine orthopädisch saubere Kraftübertragung in Verlängerung der Beinachse über die Fußsohle auf die Rollen. Insbesondere bei Kurvenfahrten ist die so optimierte Innenlage (über das Kanten der Skates) Garant für große Fahrdynamik.
Dieses Kanten entspricht der Anwendung beim Skischwingen, Skicarven und Skiskaten (das klassische Skilaufen ist im Gegensatz dazu ja ohne Kanten möglich). Bei der Betrachtung der weiteren physikalischen Funktionen, von denen Gleichgewicht und Vortriebsarbeit beim Skaten abhängen, sind wie beim Skisport neben dem Kanten auch das (Um-)belasten sowie das Drehen (in der Standard-Skatingbewegung allerdings, im Gegensatz zum Carven, als aktives Drehen aus der Hüfte über das beugende Knie) bedeutsam. Diese werden ergänzt durch das motorische Prinzip Schritt und das physikalische Prinzip Impuls (in Translation und Rotation).
Mit diesen dynamischen Faktoren haben sich Inlineskating-Lehrer zu beschäftigen, denen es Ernst ist mit dem Wunsch der wohl meisten (erwachsenen) Schüler, mit den Rollern „dahin zu schweben“, teilzunehmen an Gruppenbewegung und- vor allem- sicher zu fahren! Allerdings ist landauf, landab, zu beobachten, dass mit für zyklische Bewegungen verstaubten, defensiv angelegten, Methoden und Inhalten die verbreitete Anfänger-Angst geradezu verstärkt wird, die i.d.R. vor dieser herrlichen Bewegungsform besteht! So hat sich z.B., wie auf zahlreichen elektronischen und gedruckten Seiten rund um den Globus nachzulesen ist, scheinbar unausrottbar festgesetzt, Schüler hätten, bevor sie denn rollen dürfen, vorab ausgiebig das Fallen zu lernen- mit ausdrücklicher Okkupation des Begriffs „safer skating“. Wenn man diesen, aus verschiedenen Gründen nicht sach- und schülerorientierten, Ansatz z.B. beim Ski- oder Schwimmen-Lehren anwenden würde… Ein bekannter Sportpädagoge erklärt gar „Schützen, Stürzen, Stützen“ zu zentralen Elementen seines Vermittlungskonzepts. Mit solch defensiv angelegter Strategie ist für diesen Sport ein- noch zu errichtendes- Lehrgebäude nicht konfliktfrei zu begründen!
Eine weiterführende Methodik hat sich zweckmäßigerweise an ständiger Variation dieses Ur-Prinzips Schritt (längs- und quer) mit bewusster Positionierung des aufsetzenden oder agierenden Skates zu orientieren (hier muss für uns die Einsicht von Bedeutung sein, dass wir damit hauptsächlich die Muskulatur im Beckenbereich, auch selektiv, zu schulen haben). In diesem lassen sich vielfältige Übungen mit (auch partiell) wechselnden Belastungen und Drehaktivitäten unterbringen- stets ganzheitlich! Überhaupt ist das ganzheitliche Üben natürlich die beste Möglichkeit, das eigentliche Generalproblem Koordination von Anfang an zu bearbeiten. Hier macht, analog zur Fallübungs-Problematik, die gängige Praxis den zweiten Kardinalfehler: Sie ist teilmethodisch sowie technikorientiert und wiederholt damit hartnäckig die schweren Fehler, die wir so lange auf der Skipiste begangen haben!
Eine besondere Rolle beim freien Skaten spielt die ausgleichende, sich als Folge des Schritts notwendig einstellende, pendelnde, Arbeit der Arme. Wer hier mit „Haltungen“ operiert, zwingt die Schüler zur Fortsetzung ihrer alltäglichen Bewegungseinschränkungen (Dauerverspannung der HWS, des Schultergürtels und der Oberarmmuskulatur) in diesem Bereich- und das im SPORT! Hier liegt die Ursache dafür, dass viel zu oft aus dem vorwärts gerichteten Armschwung eine rotierende OK-Bewegung wird, die einen wesentlichen Teil der aufgewendeten Beindynamik quer zur gewollten Bewegungsrichtung verschwendet. (Anm.: Das beim Speedskaten sinnvolle Ablegen der Arme hinten auf dem Becken birgt zwar dementsprechend motorische Nachteile, diese werden aber von Könnern kompensiert, um die taktischen Vorteile der Verringerung des Windprofils und der Verbesserung des Abstoßwinkels nutzen zu können (spätestens beim Beginn und weiteren Durchfahren von schnellen Kurven muss i.d.R. jedoch der notwendige Drehimpuls mithilfe des Armschwungs erzeugt werden).)
In diesem Zusammenhang ist der gesamte Bereich Kopf mit HWS (Stellfunktion), Schultergürtel sowie Wirbelsäule neben dem Becken der zweite wichtige Ort, an dem Übungen ansetzen müssen. Hier geht es zunächst darum, einerseits die Blockade der WS um ihre Längsachse zu lösen, andererseits durch dynamische Übung ihre Stabilisation zu trainieren. Die dynamische Verfügbarkeit von HWS und WS ist schließlich für die Rückkopplung als Folge des dynamischen Bein-Schritts in den Oberkörper unerlässlich (Arm-Schritt). So lässt sich z.B. Richtungsänderung durch Anrotieren üben- aber ebenso im „Passgang“ rollen. Das freie Durchschwingen der Arme ist zu fördern (analog zum abdrückenden Bein besonders hinter den Körper)- ebenso wie ihre Synchronisation zur Beinarbeit. Es werden Doppelstockschübe simuliert oder ein leichter Medizinball von einer Hand zur anderen geworfen.
Ein zufriedenstellendes Bewegungsbild beim Skaten entsteht eben erst, wenn die Bewegungsabläufe des Schulter-Armbereichs in einer der Bewegungsintensität der Beine (Abstoßdynamik) angemessenen Weise zugelassen werden. Das heißt, Umfang und Intensität der Bewegungen müssen sich- synchron und diagonal versetzt- entsprechen (Armschritt)!
Mit diesen Hinweisen wird ein bisher fast nicht beachteter Aspekt unserer Arbeit im Massensport deutlich, nämlich auch präventiv bzw. (physio-)therapeutisch zu wirken. Die Motivationslage der (erwachsenen) Schüler, nämlich die Erwartung der Lust beim Rollen, es durch Gestaltung „zelebrieren“ zu können, bietet hier eine Riesenchance- für den Lehrer aber auch eine Verpflichtung!.
Allerdings muss sich dafür die gängige Vermittlungspraxis aus der anhaltenden Starre lösen, sich schülerorientiert ausrichten und vor allem schon lange bestehende Erkenntnisse der Bewegungslehre und des motorischen Lernens berücksichtigen- wie es im Lehrgebäude des Skisports schon seit den 80-er Jahren selbstverständlich ist!
[Bearbeiten] Schriften
[Bearbeiten] *** Theoretische Grundlagen ***
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- NOTWENDIGE - INHALTE eines SKATINGKURSES
Schule für das Inlineskaten?
Viele Menschen erlernen das Inlineskaten als Autodidakten- es gelingt ihnen einfach, vom Gehen zum Rollen zu kommen. Dabei verarbeiten Kinder in der Regel (bei ausreichend qualifizierten Skates) die auftretenden Effekte schneller als Erwachsene. Diese können nicht selten auf allgemeine sportliche Erfahrung oder (Kindheits-)erlebnisse auf Schlittschuhen, beim Skilaufen oder -fahren, zurückgreifen.
Die Beobachtung zeigt allerdings, dass die meisten Autodidakten schließlich unterhalb einer gewissen Schwelle verharren- am Übergang zum dynamischen, gestaltenden, offensiven- und damit sicheren- Auftreten: Sie skaten mit Vorbehalten. Denn beim Selbsterlernen sind eigentlich nur sportlich wirklich Geübte in der Lage, sich vor hemmenden, unökonomischen und am Ende ggf. problematischen Bewegungsmustern zu schützen. D.h., Anfängern muss man i.A. zu einer Schulung raten- nicht nur aus den immer zuerst angeführten Sicherheitsgründen. Aber auch weiterführende Aspekte wie Gesundheitsförderung, Therapie oder Leistung können nur durch kompetente Bewegungs- und Koordinationsschulung angegangen werden. Spätestens hier wird die Frage nach den methodischen und organisatorischen Grundlagen im Unterricht sehr wichtig- die Frage nach der Qualität des Angebots!
Inhalte:
Skaten
- auf rauen und glatten Flächen
- im Längs- und Quergefälle
- in Steigungen
- in Kurven
Ausweichen
- mit „Joggen“ und Bremsen auf dem Bankett (schmale Straßen und Wege)
- mit Canadierbogen
Bremsen
- mit Stopper
Bewältigen
- von Bordsteinen und Treppen
Wissen
- Grundfunktionen : Belasten, Kanten, Drehen
- Prinzipien : Schritt, Impuls
- Sicherheits- und Materialaspekte
- notwendige und sinnvolle Hilfsmittel auf der Tour
Körper
- Mobilisierung des Beckens, der WS, HWS und Schultern
- Stabilisierung des Rumpfs
- Koordinierung der Bein-Arm-Arbeit
- Ökonomisierung und Dynamisierung des Bewegungsablaufs
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ANSÄTZE für eine OFFENE, SCHÜLERORIENTIERTE, ELEMENTARMETHODIK
Inlineskaten als Fortsetzung des Gehens (Laufens) auf Schuhen mit Rollen bedarf in der Schulung von Anfängern des Aufbaus einer Methodik und Unterrichtsorganisation, die dem (normalen) Phänomen der Angst vor dem Wegrollen auf dem neuen „Stand“bein Rechnung trägt! Wenn sowohl Abdruck- als auch Standbein separat rollen, können erfahrungsgemäß die meisten Ungeübten (nicht nur die reinen Anfänger) den notwendigen Schwerpunkttransfer nicht in der ein Leben lang gewohnten Weise leisten- sie verharren in Passivität (Inkonsequenz beim Schritt, Oberkörper versucht zu „halten“, ausgleichende Armschwung und Rotation werden blockiert). Aber dieser Zustand widerspricht vollkommen dem Lebensgefühl, auf das sich „Könner“ berufen- der Möglichkeit, gestaltend und variierend mit dem Körper umzugehen! Daher ist Inlineskaten als rollende Fortbewegungsart in der elementaren Lehrarbeit direkt aus der Alltagsbewegung Gehen/Laufen (Schrittorientierung) herzuleiten!
Eine schülerorientierte und konsequent an Sicherheit ausgerichtete Elementarmethodik muss diese These und Forderung berücksichtigen! Damit i.d.S. Schüler nicht gehemmt werden, die Merkmale der neuen Bewegung sofort und vollständig zu erleben und zu akzeptieren, müssen in erster Linie ideale äußere Bedingungen und Bewegungsaufgaben mit offensivem Charakter geschaffen werden. Nur so werden vertraute Bewegungserfahrungen verwertbar, welche die Bereitschaft zum Wagnis des neuen Schritts erst ermöglichen! Ohne diese innere Bereitschaft wird der Normalschüler viel zu lange im passiven, auf den entscheidenden Fehler wartenden, mentalen Zustand gehalten- mit den entsprechenden Schwierigkeiten auch für den Lehrer. In der Konsequenz müssen sich die ersten Stunden ausschließlich mit dem ersehnten Positivergebnis, der Vorwärtsbewegung auf Skates, beschäftigen:
Bremsübungen dürfen demnach zunächst keine Rolle spielen. Sie sind mental und technisch ohnehin schwieriger als im obigen Sinne konsequent angewendete ganzheitliche Fahrformen selbst! Und sie setzen u.a. voraus-
- den sicheren Halt im Schritt,
- der Bremskraft widerstehende Kraftausübung in Becken und Oberschenkel,
- Kompensationsfähigkeit des Drehmoments zur Bremsseite,
- differenzierte und gesteuerte Gewichtsverteilung (ein Zentralproblem!).
Daher: Nur, wer sicher skaten kann, kann auch sicher bremsen (nicht umgekehrt)!! - Allerdings muss das Thema Bremsen ggf. auch an die örtlichen Vorgaben gekoppelt werden (Topografie).
Fallübungen nach vorn verbieten sich, weil
- der Alltagssturz nach hinten erfolgt (durch zusätzlichen Streckreflex und Hochreißen der Arme provozierter Sturz auf das Becken),
- sie in der bisher gelehrten Form die starke Beugung (Flexibilität) in Sprung- und Kniegelenken voraussetzen- die jedoch ist das „Maß aller Dinge“ (der- seltene- Stolpersturz ist der Sturz des gestreckten Beins),
- es mental unzumutbar ist (nicht schülerorientiert), mit dem GAU das Thema zu eröffnen,
- auch durch die physische Beanspruchung beim vielmaligen Aufstehen der Spaß sicher nicht gefördert wird- vermutet werden muss auch Verletzungsgefahr in der Patella, da in der Praxis der „Normalschule“ die Hochwertigkeit der Schutzausrüstung nicht sichergestellt werden kann.
Das Becken- unsere mechanische Relaisstation
Das Becken als Heimat unseres Schwerpunkts leidet an Missachtung. Es ist aber die Schaltzentrale für Bewegungsaufträge nach unten sowie koordinative Rückkopplung nach oben und unten! Für einen offensiven Ansatz gilt, die Aktionsmöglichkeiten der Beckenmuskulatur als Organe des Schritts (motorischer Umsatz) selektiv zu nutzen und ihre Mobilisation und Kräftigung zu fördern (physiotherapeutisch betrachtet ein besonders interessanter Aspekt)!
Auch auf Skates muss der alten Lehrerweisheit folgend dort begonnen werden, wo der Anfänger steht und geht (läuft): Das meist mit Angst belegte („Zeig mir zuerst das Bremsen“) und oft schreckhaft erlebte Wegrollen muss zunächst verhindert, gleichwohl aber ganzheitlich vorgegangen werden. Hier bietet sich eine angepasste, geradezu freundliche, Umgebung an: z.B. eine feste, gleichmäßige, Rasenfläche, auf der gegangen, gejoggt, gedreht, gekantet, übergesetzt und schließlich sogar gerollt wird (ähnliche Verhältnisse bieten auch weiche, punktelastische, Hallenböden)! Dort vollzieht sich das Gewöhnen ans neue Sportgerät („Fixierung“ des Sprunggelenks, höherer Stand, ...) im Allgemeinen sehr schnell, sodass auch das Bewältigen von Steigung (Kantarbeit, Übersetzschritte) und Gefälle (haltender Schritt, Gewichtsverlagerung) sofort geübt werden kann. Hier kommen wesentliche Technikelemente sowie Rhythmus (!) sofort als aktive Bestandteile zum Tragen! Und auch das skatende Rollen ist hier möglich und zu fordern- es ist aber nur zu haben durch intensive Schrittarbeit gegen Widerstand (Beckenarbeit) sowie eine koordinierte und in der Dynamik angepasste, sonst ja oft blockierte, Mitarbeit der Arme (Schultern)!! Übrigens sind hauptsächlich wegen der Immobilität und Passivität im Becken (selektive Steuerung der Hüftseiten) auch die Brems“techniken“ nur mühsam zu erlernen. Aus obigen methodischen Ansätzen erwächst dem Lehrer allerdings die Forderung, leistungsfähige und den Fuß (das Sprunggelenk) korrekt führende Skates der Schüler sowie eine besonders sorgfältige Geländewahl sicherzustellen!
Der weitere Weg
Nach den ersten Schritten im geschilderten Gelände führt der ideale Weg zunächst weiter in Sporthallen- deren Böden sind homogen in Oberfläche und Gefälle, ein weiches, störungsfreies, Rollen ist möglich und es steht auch einmal eine Wand zum Verschnaufen bereit. Das Gesichtsfeld ist offen und gleichzeitig überschaubar, es gibt keine irritierenden Orte wie Bordsteine, Gräben oder „fachfremde“ Verkehrsteilnehmer. Schließlich wird der Schüler wegen der zur Verfügung stehenden Breite von Anfang an zu variablem Verhalten genötigt.
- Aus der Sicht des Lehrers kann bei Bewegungsspielen und Richtungsänderungen gleich das Prinzip der Beidseitigkeit konsequent beachtet werden, indem die Bewegungsrichtung immer wieder variiert wird. Beim Kurvenfahren kann dieses Problem durch konsequentes Fahren auch rechtsherum angegangen werden (für die meisten ein Ort des Widerstands)- ILS ist ein Sport aus der Mitte, symmetrisch im Grundsatz. Spätestens durch das Kurvenfahren wird das besondere Phänomen der durch die eigene Bewegung (innere Kräfte) erzeugten äußeren Kräfte angstfrei wahrgenommen und ihre Akzeptanz kontinuierlich gesteigert.
- Durch die i.d.R. vorhandenen Markierungsstriche (gerade und gekrümmte) lassen sich vorzüglich Spur- und Raumorientierung schulen (Radius, Spurwinkel, Schrittfrequenz, Kantenführung, Innenlage, ...)- sie sind Problem der meisten Erwachsenen.
- Schließlich ist Musik zur Verbesserung der rhythmischen, schwingenden, Schrittarbeit in der Halle geradezu ideal nutzbar. Notwendigkeiten des Outdooralltags wie peripheres Sehen, Bewältigen von unterschiedlichen Widerständen und Bordsteinen, lassen sich gewissermaßen nebenbei simulieren und bearbeiten.
- Auch das Rückwärtsfahren (ersehnte Krönung des Könnens) muss als absolut analoger Bewegungsablauf zum Vorwärtsfahren (aber „fersengesteuert“) von Anfang an ein wichtiges Thema (in der Halle) sein.
Der weitere Verlauf der Lehrarbeit hat sich permanent auszurichten an
- der physikalisch und biomechanisch erklärbaren Wurzel der Bewegungsaufgabe (unter Beachtung der 3 Grundfunktionen Belasten, Drehen, Kanten sowie der Prinzipien Schritt und Impuls)- also nicht an fertigen Bildern („Techniken“)
- der Situations- und Aufgaben-orientierten (gestaltenden) Variabilität !
Die Sicherheit
Wenn man Sicherheitsschulung im Elementarbereich zunächst vor dem Hintergrund der begrenzten Manövrierfähigkeit und Übersicht (Umsicht) beschreibt, muss, wie oben gezeigt, der gebräuchliche Begriff „safer skating“ schwerpunktmäßig in Richtung offensiv orientierter Lehrziele verändert werden- nicht: Warten auf den nächsten Fehler! Denn die allgemein zu beobachtende defensiv angelegte Lehrarbeit im Elementarbereich suggeriert dem Normalschüler das Gefühl, er hätte in erster Linie zu reagieren, um Gefahren zu vermeiden! Es gilt jedoch, ihn seine Bewegungsfertigkeiten von Beginn an als aktiven Beitrag zu seiner Sicherheit erfahren zu lassen!
Die notwendige Schutzausrüstung bezieht sich wesentlich auf Kopf, Ellbogen und Handgelenk- sowie in dieser Phase typisch: auf das Becken (Gefahr für Steißbein und Iliosakralgelenke: A4-großes Stück einer Isomatte als Vorlage!).
Resümee
Die geschilderten Ansätze unterscheiden sich fundamental von den gängigen Defensiv-Bildern für Anfänger. Bisher sind in denen „Haltungen“ (sogar Arm-) oder „Positionen“ als Grundlage eines doch dynamischen, zyklisch verlaufenden, Sports wesentliche Übungsteile. Sie verkörpern veraltete, teilmethodische, Ansätze und das Gegenteil von Bewegung ! „Haltungen“ und „Positionen“ kommen beim- freien- ILS nicht vor, weil sie funktionell nicht nötig sind und koordinative, regulierende, Abläufe behindern! Man kann sie bestenfalls als Momentaufnahmen aus einem Zyklus definieren- aber sinnvoll nicht explizit üben! Selbst den rhythmischen Normalablauf unterbrechende Fahrformen wie Canadier oder Bremsen sind sinnvoll nur dynamisch-funktionell (aus der Standardbewegung direkt hervorgehende Aktion) und nicht statisch (Haltung) zu beschreiben.
Schülerorientierte und offene Methodik schult Verhalten statt Haltung, verzichtet auf Rangfolgen im Lehrgebäude und baut auf das Prinzip des (motorischen) Mitlernens !
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Das CURRICULUM
Einführung
Erlernen und Vermitteln des Inlineskatens bieten ein überaus komplexes Arbeitsfeld, da einerseits die labile Einbein-Standbasis (Schrittbewegung) besonders hohe koordinative Anforderungen stellt, andererseits der hervorgehobenen Motivationslage i.d.R. ein mangelndes Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten gegenübersteht- woraus eine hartnäckige defensive Einstellung und damit gehemmte Mobilität resultiert.
Daher dominiert in meiner ZIELANSPRACHE die motorische Variabilität (Virtuosität) vor der technischen Stabilität (Normierung)- erreicht über weitgehend ganzheitliche, funktionell sowie Lust- und Verhaltens-orientierte, Arbeitsweise.
Die angeführten METHODISCHEN SCHRITTE stellen lediglich das Gerüst des Lehrgebäudes dar- zu vielen Bewegungsaufgaben lassen sich vertiefende oder weiterführende Variationen finden. Ihre Aufeinanderfolge ist zunächst hierarchisch geordnet, doch können und sollten im Sinne situativen Lernens jederzeit auch Bewegungsaufgaben höherer Ordnung unter erleichterten Bedingungen ausprobiert werden.
Die KONTROLLE DES LERNFORTSCHRITTS erfolgt in situ, thematisiert durch Beobachtungs-Hospitation und kurze Sammel- oder Einzelkorrekturen.
Themenplan der Lehrveranstaltung -Curriculum-
01. Organisatorisches, ANPASSEN DES SPORTGERÄTS / DER SCHUTZAUSRÜSTUNG
EINFÜHRUNG UNTER ERLEICHTERTEN ÄUßEREN BEDINGUNGEN
02. GEHEN und LAUFEN auf den Skates in einfacher und komplexer Form auf nicht rollfähigem Untergrund (Sportplatz oder Park) = Aufwärmen und Gewöhnen an das Gerät
03. „ROLLERFAHREN“- Rollen mit nur einem (wechselnden) Gerät auf schwer rollfähigem Grund (weicher oder punktelastischer Hallenboden). Besondere Beachtung der korrekten Positionierung des abstoßenden Fußes unter der Hüftpfanne, Unterdrückung der Gelenkestreckung im Rollbein und der vertikal reagierenden Armbewegungen
04. ERSTE SKATINGVERSUCHE auf schwer rollfähigem Grund:: Selektive Aktivierung der Hüftmuskulatur und der Schulterarbeit
05. HILFEN bei Nichtgelingen des Vorwärtskommens
06. LAUFEN („JOGGEN“) (Betonung der vertikalen Dynamik) als Fortführung vertrauter Abläufe und Kontrasterlebnis zum Skaten (Betonung der horizontalen Dynamik)- auch in Verbindung mit fließendem Übergang- auf schwer rollfähigem Grund
WEITERFÜHRUNG UNTER NORMALEN ÄUßEREN BEDINGUNGEN - ELEMENTARE BEWEGUNGSAUFGABEN -
07. ANWENDUNG VON 03.-05. AUF ROLLFÄHIGEM (NORMALEM) GRUND (ideal: flächenelastischer Hallenboden, sonst Parkplatz oder Straße)
08. VERTIEFUNG des normalen Skating-Bewegungsablaufs, auch in Links- und Rechtswendung, Wahrnehmung der 1. Grundfunktion (BELASTEN)
08.a. Situationsabhängig:: Übung des SUKZESSIVEN BELASTENS DES SNAKEBOARDS (anstatt „Draufsteigen“)
09. Einführung der Begriffe KOORDINATION und KOPPLUNG:: Übung des freien Armschwungs, Übung der Rumpfstabilisierung durch Fixierung der Hände in der Taille
10. Einführung der 2. Grundfunktion (DREHEN). Fahrform:: GEGENLÄUFIGES BEINEDREHEN (Spurbild Sanduhr), Belastung gleichmäßig, WS aufrecht (s.a. 05.)
10.a. Situationsabhängig:: mögliche Ableitung zum EINBEINSLALOM über zunehmendes Umbelasten auf nur ein (drehendes) Bein (analog 8.a.)
11. Wie 10. (Fußspitzen-orientiert), alternierend mit RÜCKWÄRTS (Fersen-orientiert), von Wand zu Wand
12. Wie 10., Einführung der 3. Grundfunktion (KANTEN) (hier alternierend:: beim Einwärtsdrehen Adduktoren-Ziehen mit den Innenkanten, beim Auswärtsdrehen Abduktoren-Drücken mit den Außenkanten)
13. Verbesserung des PERIPHEREN SEHENS, der RAUMORIENTIERUNG und der EINBEINFÄHIGKEIT:: Kreuz- und Querfahren um regellos verteilte Hartplastik-Halbschalen
14. Wie 13., jedoch Wegschießen der Halbschalen mit (wechselndem) Bein unter Beibehaltung des Schrittrhythmus (!)
15. Verbesserung der HÜFTBEWEGLICHKEIT und der EINBEINFÄHIGKEIT: Wie 14., jedoch mit variierten Schusstechniken
16. Erste Hinleitung auf die BREMSFÄHIGKEIT (differenzierte Bein-Belastung nach hinten (Führungsbein) und Muskeltätigkeit des Unterschenkels vorn (Funktionsbein)):: Druckfreies „Überfahren“ der Halbschalen mit dem Funktionsbein
17. Einführung der Prinzipien „HÜFTBREITES ROLLEN“ und „SCHRITT“:: Übung des hüftbreiten Rollens mit alternierender, bewusst selektiver, Hüftbetätigung in die Schrittstellung (Halten bei symmetrischer Belastungsverteilung=WS aufrecht)
18. Aufhebung der Belastungssymmetrie (UMBELASTEN IN FAHRTRICHTUNG):: Wie 17., jedoch mit variierender Belastungsverteilung auf das vordere/hintere Bein- dabei Anheben von Ferse/Spitze des jeweils entlasteten Beins. Auch in rhythmischer Aneinanderreihung (nur nach hinten, vorn oder wechselnd)
18.a. Situationsabhängig:: mögliche Ableitung zum Duckwalk:: Hüftbreites Rollen im Fersen-Spitzen-, Spitzen-Spitzen-, Fersen-Fersen-Stand (horizontal-statisch aus Umbelasten oder vertikal-dynamisch aus symmetrischer Gewichtsverteilung)
18.b. Situationsabhängig:: möglicher Rückgriff auf 10.a.:: Zu 18. analoges UMBELASTEN QUER ZUR FAHRTRICHTUNG
19. Herleitung der „RASENBREMSE“ aus 18.:: Schrittrollen gegen hohen Widerstand, Bremsen mit Druck-Kraft:: Deutliches Umbelasten auf das hintere Bein (Führungsbein), Gefühl des Sitzens. Dabei besondere Beachtung der Beckenfestigkeit (Schritt-Halten) und der Rumpfstabilität bei Eintreten der Bremskraft
20. Herleitung der FERSENBREMSE aus 18., analog zu 19.:: Belasten des hinteren Beins (Führungsbein) mit 100%, Verfügbarkeit des vorderen Beins (Funktionsbein) für das Bremsen. Besondere Beachtung der Beckenfestigkeit (Schritt-Halten) und der Rumpfstabilität bei Eintreten der Bremskraft
21. Einführung in die 3. Dimension:: SIMULATION DES BORDSTEINS (Umbelasten in der Vertikalen, Höhenwechsel), Verwertung der Erfahrungen aus 8.a.
WEITERFÜHRENDE BEWEGUNGSAUFGABEN
22. Verbesserung der Koordination durch Optimierung und Synchronisierung des DIAGONALEN ARMSCHWUNGS:: div. Armschwungübungen (auch um die WS rotierende) bei aufgerichteter bzw. gebeugter Wirbelsäule
23. Verbesserung der Koordination durch Optimierung und Synchronisierung des SEITENGLEICHEN ARMSCHWUNGS (Anrotieren):: Skaten im Passgang
23.a. Situationsabhängig:: Dreh-Koordinations-Übung auf dem SNAKEBOARD:: gegenläufiges Beinedrehen (Kurs) mit gleichzeitigem Kopf(HWS)-Schultergürtel-WS-Rotieren (Vorwärtsbewegung durch Weitergabe des Drehimpulses)
24. Verbesserung der Standardbewegung durch bewusstes POSITIONIEREN DES AUFSETZENDEN SKATES:: Unterdrückung der Auswärtsrichtung (und der gleichzeitigen Streckung im Führungsbein), Aufsetzen unter der Hüfte und parallel zur Fahrtrichtung (zum Rollskate), Umbelasten und Abdrücken nach körperaußen
25. Verbesserung der Standsicherheit und der ÖKONOMISIERUNG DER VORTRIEBSARBEIT durch „Rollerfahren“:: Führungsbein bleibt auf der generellen Bewegungslinie, Funktionsbein drückt ab- in der Geraden
26. Wie 25., jedoch in Kurven (Kantenarbeit infolge der Innenlage). Dabei sowohl das kurveninnere als auch das -äußere Bein trainieren
27. Wie 24., jedoch mit VARIIERENDER POSITIONIERUNG, auch übersetzend (vor und hinter dem Führungsbein= komplexes, die Medianebene überschreitendes, Umbelasten)
27.a. Situationsabhängig:: aus 23. mögliche Ableitung des SKATENS NUR AUF DER INNENKANTE ODER DER AUßENKANTE:: Spurbild einwärts bzw. auswärts gekrümmt
28. Einführung des KOMPLEXEN UMBELASTENS:: Systematisches Skaten vorn übersetzend (oder überfahrend) in der Geraden mit bewusster Variation des Aufsetzortes
29. DYNAMISCHES KURVENFAHREN unter Beachtung des AUSLÖSEPRINZIPS DREHIMPULS, d.h., mentale und körperliche Antizipation am Ende der Geraden durch Aktivierung der HWS mit der kurvenäußeren Schulter in Drehrichtung sowie Rückschwung des kurveninneren Arms
30. DYNAMISCHES KURVENFAHREN unter Wahrnehmung der INNENLAGE und des VERSTÄRKTEN BEUGENS DER KURVENINNEREN BEINGELENKE
31. DYNAMISCHES KURVENFAHREN unter Verwertung der Erfahrungen aus 28. („ÜBERSETZEN“)
32. DYNAMISCHES KURVENFAHREN wie 31., jedoch mit besonderer Beachtung der OPTIMALEN POSITIONIERUNG des kurveninneren Skates und der GLEICHMÄßIGKEIT DER VORTRIEBSARBEIT beider Beine
33. AUSWEICHEN vor einem Hindernis mit kleinen, schnellen, BOGENSCHRITTEN um 180° (links, rechts)
34. AUSWEICHEN vor einem Hindernis mit CANADIERBOGEN:: 180°-Kurvenrollen aus der Standardbewegung heraus in Schrittstellung, (links, rechts)
35. SLALOM:: Alternierende Aneinanderreihung von Canadierbögen. Ausführung ÜBER ANROTIEREN Analogie zu 34., mit Diagonal-Schritt-stellender Hüftarbeit
36. SLALOM:: Alternierende Aneinanderreihung von Bögen. Ausführung ÜBER BEINEDREHEN Analogie zu 10., jedoch gleichläufig, ohne(!) Schrittstellung
37. Herleitung des „HALBMONDS“ zum schnellen Drehen am Ort
38. Herleitung des ÜBERGANGS ZUM RÜCKWÄRTSFAHREN aus Drehimpuls über AUSGELEGTES FUNKTIONSBEIN
39. Herleitung des ÜBERGANGS ZUM RÜCKWÄRTSFAHREN aus Drehimpuls über KOPF(HWS)-SCHULTERGÜRTEL-ARM-ROTATION
39.a. Herleitung des ÜBERGANGS ZUM RÜCKWÄRTSFAHREN aus UMSPRUNG
40. RÜCKWÄRTSROLLEN in analoger Anwendung von 10., jedoch Fersen-gesteuert (Vertiefung)
41. RÜCKWÄRTSSKATEN in analoger Anwendung von 22., 24.
42. Herleitung der T-BREMSE:: Bremsen mit Zug-Kraft
43. Umgang mit ABNEHMENDEM / ZUNEHMENDEM ROLLWIDERSTAND (Oberfläche, Neigung), wie 17.
43.a. Situationsabhängig:: Fahren in RAMPEN (gleichmäßige, konkave oder konvexe Steigungen oder Gefälle). Halle: Sprossenwand-Bank
44. Motorische Reaktion im QUERGEFÄLLE
45. Einführung des VERTIKALEN UMBELASTENS:: Bewältigung von Bordsteinen und Treppen
46. Einsatz von MUSIK und anderen RHYTHMUSHILFEN
47. SPIELFORMEN, Ballspiele, Hockey, Einsatz von Geräten
48. Inlineskating-DISZIPLINEN
BEGRENZENDE UND AUSGEWÄHLTE WEITERFÜHRENDE ASPEKTE, AUSRÜSTUNG
49. Sicherheitsfragen, StVO, zweckmäßiges Verhalten im Straßenverkehr, med. und techn. 1. Hilfe incl. Verhalten bei Unfällen, präventive und rehabilitative Möglichkeiten, Gerätekunde, weitere Ausrüstung
50. Bewegungssehen, Fehleransprache
51. Demonstrationsprüfung
Literatur
•BEITRÄGE ZUR LEHRE UND FORSCHUNG IM SPORT (1999): Heft 124, Lifetime-Sport Inline-Skating. Verlag Hofmann Schorndorf.
•NAGEL, V. (1997): Inline-Skating (TrendSportWissenschaft), Bericht vom 1. Sportwissenschaftlichen Hochschulsymposium. Czwalina Verlag Hamburg.
•MEINEL/SCHWABEL: Bewegungslehre/Sportmotorik (1998). Sportverlag Berlin.
•SCHAAR/PLATEN (2000): Inlineskating. Rowohlt Taschenbuch Verlag.
•SCHLEHUFER, H.-J. (1998-2005): Arbeitsblätter für Inlineskating-Lehrer, Ausgewählte Themen. Im Selbstverlag Rantrum.
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Die 3 ORDNUNGEN des INLINESKATENS
Die „3 Ordnungen“ sollen ein allgemein gültiges Basismodell für einen modernen, wirklich schülerorientiert ausgerichteten, Lehrplan für das Inlineskaten schaffen. Sie greifen auch die häufig zu beobachtende Begründungsnot von Skatinglehrern auf, wenn sie sich- wie in leider noch verbreiteter Weise- in erster Linie an genormten Ausdrucksformen unseres Sports, „Techniken“ genannt, orientieren. Denn diese Vorgehensweise ignoriert wesentliche Vorgaben, die z.B. von der mentalen und motorischen Variabilität des Menschen, der Lustorientierung in der Standardanwendung und besonders dem zyklischen Charakter des ILS geprägt sind!
Dieses alles übergreifende Grundgerüst ermöglicht über Analogien und Verknüpfungen eine stets sichere Einordnung und Begründung(!) unseres jeweiligen methodischen „Standorts“. Und an jedem dieser Orte, die wegen der Verknüpfungen auch als Knoten eines Netzes zu verstehen sind, lassen sich zahlreiche Bewegungsaufgaben („Übungen“) finden, sodass- dem zyklischen Charakter des ILS entsprechend- stets ganzheitlich und damit in hoher Übungsintensität gearbeitet werden kann!
Die „3 Ordnungen“ schaffen auch für „Könner“ eine großartige Möglichkeit, gestalterische Basisfertigkeiten zu erwerben, wenn sie z.B. zu früh in das straffe, oft an genormten Abläufen und Haltungen orientierte, Speedskating-Trainingsmuster gerieten. Erst diese Basisfertigkeiten befähigen zu wirklicher Meisterschaft und stehen in Grenzsituationen als Potenziale der Beweglichkeit und Variabilität zur Verfügung! Demzufolge sollte ein Bewegungs“meister“, Bewegungslehrer, jede Fahrform beherrschen können- ob sie in seiner Spezialisierung „sinnvoll“ ist oder nicht! In den „3 Ordnungen“ lassen sich die Basisfertigkeiten analytisch (Bewusstsein bildend !) definieren und mannigfaltig in Übungen modulieren.
Diese Übungen können sehr reizvoll sein, großes Erstaunen hervorrufen und auch ganz spezielle Nutzeffekte erzielen. Oft sind sie koordinativ überaus anspruchsvoll. Das Modell ermöglicht über Analogien sogar die Vorhersage von Fahrformen (Übungen), die bisher nicht bekannt waren.
DIE 3 ORDNUNGEN
1) - HIERARCHIE -
Laufen ohne zu rollen:
- Idealeinstieg auf dem Rasen: „Beginne mit dem, was der Schüler kann!“
(Gewöhnen ans Gerät auf einer das Rollen behindernden Fläche mit vielfältigen Möglichkeiten und geringem Zeitbedarf - Anwendung vertrauter Bewegungsabläufe.)
Rollen durch Vorziehen und -drücken auf beiden Skates:
- Gegenläufiges Beinedrehen: Spurbild „Sanduhr“
(Ausgehend von der „Sanduhr“ Bearbeiten des für das ILS grundlegenden und überaus vielseitig trainierbaren Prinzips Schritt (quer und längs). Ständige Variation in den Grundfunktionen Drehen, Kanten, Belasten (Um-), intensive Übung der Becken-, Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur. Ableitung der Stopperbremse.)
Rollen durch Abstoßen auf wechselndem Skate:
- Standard-Bewegungsablauf beim Inlineskaten
(Hier ist sozusagen das Zielgebiet unserer Bemühungen. In der Ableitung zweckgerichteter Fahrformen ergeben sich interessante Überschneidungen mit „Rollen auf beiden Skates“. Einführung der Arm- und Schulterarbeit. Ableitung der T-Bremse.)
Rollen durch Vorziehen und -drücken auf nur einem Skate:
- Rhythmisches Beindrehen: Einbeinslalom
(Merkwürdige „Spitze“, weil allein diese Fahrform das Belasten als Urfunktion in den Hintergrund treten lässt und in extremer Weise die Funktionen Kanten und Drehen fordert.)
! Das Schema orientiert sich zunächst an der Schwierigkeitshierarchie. Es muss aber klar sein, dass damit auf keinen Fall eine Hierarchie der methodischen Schritte gesehen werden darf- einen guten Lehrer zeichnet u.a. seine methodische Variabilität aus.
! Diese Methode der ständigen Schrittvariation ermöglicht es, an jeder Stelle des Lernvorgangs auf diverse Schritterfahrungen (und damit Gleichgewichtserfahrungen) zurückzugreifen.
! Wie eine Klammer wirken dabei die „Dynamischen 3“ (Belasten, Drehen, Kanten)- ergänzt durch das Prinzip der Impulssetzung in Translation und Rotation.
! Grundsätzlich sind alle Abläufe auch in der Rückwärtsbewegung vorstellbar und natürlich auch von Anfang an und möglichst lange mit zu schulen.
! Das Schema basiert auf ganzheitlichem, rhythmischem, Arbeiten, dem weitgehenden Verzicht auf teilmethodisches und haltungsorientiertes Vorgehen!
2) - PRINZIPIEN -
Belasten:
- Gleichmäßige, einseitige, variierende Belastungsverteilung
- Umbelasten: normal, komplex
Drehen:
- Richtungsänderung durch Drehen der Beine (Rumpf folgt)
- Richtungsänderung durch Anrotieren in HWS und Schultergürtel (Beine folgen)
Kanten:
- Belastetes Fahren auf der Innen-, Außenkante
- Beidbeinig: Synchron oder gegenläufig
3) - AKTIONEN -
Position(ierung) des agierenden (aufsetzenden) Skates:
- ORT:
- In welcher Abstandsorientierung (längs, quer) zum Führungs-Skate?
- STELLUNG:
- In welcher Winkelorientierung
- - zum Führungs-Skate?
- - zur Bewegungsrichtung (Spur)?
- In welcher Winkelorientierung
- - zum Boden (Kanten)?
- In welcher Winkelorientierung
Belastung des agierenden (aufsetzenden) Skates:
- ZEITPUNKT:
- Wann beginnt die Belastung (s. Ort)?
- QUALITÄT:
- Wie wird die Belastung herbeigeführt (durch Fallen oder/und Abdruck/stoß)?
- TENDENZ:
- Wie ist der zeitliche Verlauf bis zur vollständigen Lastübernahme?
Handlung des (belasteten) Skates:
- STEUERN:
- Welcher Kurs (Drehen) des rollenden Skates wird vollzogen (Spurbild)?
- VORTRIEB:
- Wann, wie, wo beginnt/erfolgt die Vortriebsarbeit?
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Die 3 ORDNUNGEN des INLINESKATENS - GRAFIK -
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Die GRUNDFUNKTIONEN - PRINZIPIEN
Harmonisch, ökonomisch, rhythmisch, dynamisch - so kann man wesentliche Merkmale einer gekonnt wirkenden Inlineskater-Bewegung beschreiben. Voraussetzung für einen mit Meisterschaft vollzogenen Bewegungsablauf sind Beherrschung und wohlabgestimmter Einsatz der Prinzipien Belasten, Kanten, Drehen.
Beim Lernen sollten „die offensiven 3“ jedoch besser als Funktionen verstanden werden- im Sinne von Vorgang, Aktion und gegenseitiger Abhängigkeit. Mit ihnen ist eine systematische Betrachtung und Herleitung der ILS-Bewegungsabläufe möglich, die einerseits das Verständnis des Lernenden in die Notwendigkeiten erzeugt und andererseits in der Lehre eine Abkehr von der bisherigen unflexiblen und nicht ehrlich reflektierten „Technik“orientierung erlaubt.
Diese Systematisierung über die Grundfunktionen wurde vor Jahren im deutschen Skilehrwesen eingeführt und hat dort zu einer wohltuenden Situations- und Motivationsorientierung geführt. Ihr Transfer in unseren Sport ist wegen der Analogie vieler Phänomene sinnvoll und in der Anwendung überaus interessant!
Die „offensiven 3“ sind die Basis aller Bewegungsformen des Inlineskatens und entscheidend notwendig für Vorwärtskommen, Bremsen und Richtungsänderung. Sie werden erst wirksam durch die Einbringung von Körpergewicht und Muskelkräften (innere Kräfte)- ihre Anwendung provoziert wegen der Massenträgheit die auf den Körper wirkenden Reaktions-, äußeren Kräfte.
Während allein das Belasten auch als Funktion verstanden werden könnte, die zunächst einmal „von selbst“ da ist, sind Kanten und Drehen Vorgänge, die erst aufgrund der Bewegung erscheinen- und auch ursächlich für diese sind. Aber erst der offensive Einsatz aller drei Funktionen birgt den Schlüssel für einen Lernfortschritt!
Funktion BELASTEN
Die Skates werden durch das Körpergewicht, innere und äußere Kräfte belastet. Entscheidend für eine gekonnte Bewegungsausführung ist die Variabilität in der Belastung der jeweiligen Skates. Diese ist abhängig von der Fähigkeit, Lasten differenziert und selektiv sowohl an die beiden Skates als auch seitwärts (s. Kanten) und in Längsrichtung (s. Drehen) zu verteilen.
Belastung versteht sich bei zyklischen Bewegungsabläufen (Ausklang einer Hauptphase ist identisch mit der Vorbereitung der nächsten) i. d. R. als Aktion, nicht als Zustand. D.h., ihr Maß ändert sich ständig, durch regulierendes Abfangen oder Abdruck (innere Kräfte) unterschieden.
Belasten (in Längs- und/oder Querrichtung) kann man unterscheiden in:
- gleichmäßige Gewichtsverteilung auf beide Roller
- einseitige Gewichtsverteilung auf einen Roller
- variierende Gewichtsverteilung
Umbelasten kann man in:
- einfacher Form - Schritte erfolgen von der Körper-Mittelebene aus nach außen
- komplexer Form - Schritte erfolgen die Medianebene übergreifend (Übersetzschritte)
Im Normalfall erfolgt das Umbelasten durch einen Schritt, in gewissen Grenzen ist es zusätzlich auch durch Veränderung der Oberkörperlage oder entsprechenden Armschwung zu erreichen. Ungeübte Skater können mit der Grundforderung nach einer eindeutigen Belastung (Schritt) nicht zurechtkommen und müssen das Abstoßbein sogleich wieder als Stützbein einsetzen, um nicht umzufallen. Ideale, immer wieder anzubringende, Forderung zur Verbesserung des Belastungsverhaltens ist das Üben mit geschlossenen Augen (Muskelsinn, Raumlage-Gefühl). Beim Üben ist strikt auf die jeweiligen Phasen der Gewichtsverteilung zu achten- immer ist sicherzustellen, dass das Rollbein komplett belastet wird, bevor das Aktionsbein ausführt (das hauptsächlich ist z.B. für das Üben der verschiedenen Bremsanwendungen Voraussetzung!!).
Ursprung: Gehen
Grundsätzlich betrachtet wird ein Schritt gemacht, um den Körper vom Ort wegzubewegen (vorwärts, seitwärts, rückwärts). Dazu muss das gesamte Körpergewicht (idealisiert als Schwerpunkt im Bauchraum vorstellbar) vom Standbein (Abdruck-) auf das schreitende (zukünftige Stand-) Bein verlegt werden. Deutlich wird der Vorgang, wenn man die Bewegung des Körperschwerpunktes allein beobachtet. Dieser Punkt wird, von der Seite betrachtet, um einige -zig Zentimeter nach vorn verlegt und, von vorn betrachtet, auch noch um Schrittbreite zur Seite. Die Verlagerung wird eingeleitet durch Abdruck vom Standbein und beendet durch abfangendes (und wieder vorbereitendes) Beugen im vorschreitenden neuen Standbein.
Eine besondere Rolle spielt die ausgleichende, sich im freien Spiel einpendelnde, Arbeit des Schultergürtels mit den Armen.
Anwendung: Rollen
Rollen macht die erwünschte höhere Bewegungsgeschwindigkeit möglich. Diese hat jedoch zur Folge, dass das neue (zu belastende) „Stand“bein im Moment des Aufsetzens wegzurollen beginnt, der Läufer also sehen muss, sein gesamtes Gewicht schnell über dessen Rollen zu bringen. Dazu ist ein eindeutiger (vollständiger) Abdruck vom bisherigen Rollbein nötig, unterstützt von einem Schwung aus dem Arm auf der Abstoßseite. Diese Konsequenz im Umbelasten ist neben der Fähigkeit, das dynamische Gleichgewicht (zeitlich und räumlich veränderlich- nicht statisch) durch ständiges Regulieren herzustellen, das Hauptproblem der meisten Skater. Es macht daher i.d.R. auch nicht viel Sinn, rein statisch oder passiv stützend) angelegte Gleichgewichtsübungen durchzuführen, wie immer wieder zu beobachten ist.
Das konsequente Umbelasten wird wesentlich erschwert, wenn das Abstoßbein seine Streckung bereits VOR dem Durchgang des Schwungbeins beginnt. Dadurch wirkt die Entlastung zunächst nach oben und die Vortriebskraft nimmt ab: Das Abstoßbein hat seine Streckreserven bereits weitgehend verbraucht. Durch die damit verbundene Schwerpunkterhöhung kann der Körper nicht mehr eindeutig über das neue Rollbein gebracht werden. Das hat in der Regel den „Rückfall“ auf den gerade erst entlasteten Skate zur Folge, der Sportler gewinnt kaum Raum und fährt mit erhöhter Frequenz. Wenn zusätzlich, wie häufig zu sehen, auch der diagonale Armschwung ausbleibt oder aufgrund von Oberarmverspannung phasenverschoben erfolgt und dadurch zum Passgang tendiert, wird der Rückfall ebenfalls begünstigt.
Um stabiles (Geradeaus)rollen auf einem Skate gewährleisten zu können, muss der Körperschwerpunkt (idealisiert) zunächst lotrecht über der Aufstandslinie seiner Rollen abgelastet werden können (damit ist allerdings noch nichts über die Neigung der Rollenebene (s. Kanten) ausgesagt!). In der beschleunigten Bewegung entsteht jedoch aus dem Zusammenwirken von Körperschwerkraft, Abstoß- und Trägheitskraft eine resultierende Kraft, in deren Wirkungsebene jeweils die Aufstandslinie der Rollen zu liegen hat. D.h., es muss ein dynamisches Gleichgewicht um die resultierende Kraftrichtung hergestellt werden (Rollenebene steht schräg- s. Kanten).
Funktion KANTEN
Aus der Normalstellung (Rollen stehen senkrecht zur Unterlage) ist Innenkanten und Außenkanten möglich. Während beim normalen Diagonalschritt der Abdruck von der Innenkante i.d.R. akzeptiert ist, gibt es bei der Außenkante (z.B. beim Kurvenfahren) z.T. erhebliche Widerstände. Genau genommen kann man in vielen Fällen jedoch nicht von Innenkantenabdruck sprechen, wenn auf den lastaufnehmenden Skate „abgefallen“ wird, weil vorher die bereits angesprochene Vollständigkeit im Umbelasten (s. „Anwendung Rollen“) auf den abdrückenden Skate gar nicht erreicht wurde. Infolge des auch erwähnten Streckimpulses wird zusätzlich das zur sicheren Lastübernahme notwendige regulierende Kanten durch seitwärtige Bewegung des (schwach) gebeugten Knies sehr erschwert.
An zwei unter gleichmäßiger Skatebelastung ausgeführten Bewegungsformen, dem „Sanduhrslalom“ und dem „Canadierslalom“, kann man eine Systematik des Kantens sehr gut beschreiben und beobachten: Die synchrone und umfänglich gleiche Bewegung der beiden Knie (am günstigsten in hüftbreiter Führung) erfolgt
- bei der „Sanduhr“ gegenläufig,
- beim „Canadier“ gleichläufig.
Aus diesem Knieverhalten ergeben sich dann die unterschiedlichen Ergebnisse und das faszinierende Spiel beim Kanten (s. Drehen).
Der gezielte, dosierte und regulierende Einsatz der Kanten wird erst möglich in der „Z-Form“ des Beins, d.h., in Beugung der Knie- und Sprunggelenke. Nur so kann über das seitwärtige Wegdrücken des Knies das Kanten leicht eingeleitet werden (da das Knie als Scharniergelenk nur einen Freiheitsgrad hat, ist das Kanten aus gestrecktem Bein nur sehr begrenzt möglich).
Funktion DREHEN und ROTIEREN
Drehen ist eigentlich nur präzise beschrieben, wenn auch die jeweilige Drehachse genannt ist. Deutlich wird das Problem beim Blick in das Universum: die Erde dreht sich um sich selbst und gleichzeitig um die Sonne, das ganze System dreht sich wieder, ....
Drehen eines belasteten Skates heißt aktives Steuern des Geräts auf einem bestimmten Kurs oder auf ein bestimmtes Ziel hin (viele Skater werden eigentlich von ihren Skates mehr oder weniger zufällig auf einem Kurs geführt). Die „Z-Stellung“ (Führung des Knies tendenziell „vor“ dem Fuß, Schwerpunkt nicht hinter der aufliegenden Länge) ist Voraussetzung für Präzision der Steuerung und Dynamik des anschließenden Abdrucks.
Bei Drehungen, die z.B. aus dem Schultergürtel beschleunigend eingeleitet werden, handelt sich um die Erzeugung eines Drehimpulses (Anrotieren), der, wenn der Oberkörper drehend „anschlägt“, über das Becken auf die Skates übertragen werden kann. Damit würde die gewünschte Kurvenfahrt eingeleitet- sie ist im Prinzip aus gestreckten Beinen möglich.
Schließlich ist auch von Drehung zu sprechen, wenn z.B. die T-Bremse nicht richtig ausgeführt wird. Hier leitet der nachgeschleppte, quergestellte, Skate eine ungewollte Drehung ein, wenn er neben der Spur des Führungsbeins wirkt und damit ein Drehmoment erzeugt.
Sehr gut lässt sich unterschiedliches Drehverhalten auch im Bewegungspaar „Sanduhrslalom/Canadierslalom“ (s. Kanten) beobachten: bei der „Sanduhr“ über der Geraden, beim „Canadier“ über die Gerade. Hier, beim „Wedeln“, zeigt der gekonnte Einsatz aller 3 Funktionen schließlich die eingangs erwähnten Zielmerkmale der Skaterbewegung auf:
RHYTHMUS - DYNAMIK - HARMONIE - ÖKONOMIE
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SITUATION, AUFGABE, FUNKTION- LÖSUNG
Die bisher allgemein angewendete Methodik des Inlineskatens zeigt bestimmte Merkmale, welche z.B. beim sehr verwandten Skifahren längst verworfen worden sind. Hier sind vor allem das Festhalten an vorgegebenen „Techniken“ und Rangfolgen im Aufbau zu nennen. Eine moderne Methodik jedoch sollte m.E. dem oft beschriebenen Lebensgefühl der Skater entsprechen und sich außerdem direkt an funktionalen Gesichtspunkten orientieren. Und sie sollte eine für unsere Multiplikatoren ständig transparente Ausbildung ermöglichen.
An zwei Beispielen will ich das Problem erläutern- den „Techniken“ des „Pflugbogens“ und der „Stopperbremse“. Dabei gehe ich davon aus, dass wir
- Einsicht in die funktionelle Notwendigkeit des zu Lernenden vermitteln müssen- nicht das Akzeptieren von vorgegebenen, der Beliebigkeit ausgesetzten, „Techniken“ (solche führen bis in die Ewigkeit zu Streitereien- haben wir in der Skilehrerei bis zum Frustabsturz durchlitten!)-
- auch von Anfang an möglichst viele Fahrformen anbieten müssen, die einfach nur der Lust, sich im Raum hinzugeben, Rechnung tragen und sie in den Vordergrund stellen!
Dazu bedarf es jedoch eines situations-, nicht normen-bezogenen, Unterrichts!
Der „Pflugbogen“
Der „Pflugbogen“ ist- eingeschränkt- unter bestimmten äußeren Bedingungen zum „Bremsen“ geeignet. Das Gefühlsbild „Pflug“ entspricht aber nur bedingt dem eines Pflugs, weil der ja über die Kante schiebt- hier geht es aber um Richtungsänderung zum Zweck der Tempodrosselung (nicht „Bremsen“ mit Spurtreue). Wegen dieser Ablenkung vom Wesentlichen verwende ich den Begriff im (Brems-)zusammenhang nicht.
Hingegen stellt sich mir diese Fahrform oder Bewegungsaufgabe (alle „Techniken“ nenne ich so) dar als eine alternierende Richtungsänderung unter Beibehaltung der sichernden „A-Stellung“ (Stützbein), denn man kann den gewünschten Effekt ja auch hüftbreit fahrend erzielen (beachte: dabei geht es dann um synchrone, nicht gegenläufige, Knieführung- „parallel“ ist nur ein nebensächliches Merkmal)- mit dem Problem der schwierigeren Außenkantenführung auf dem bogeninneren Skate. Genau betrachtet wird in dieser „A-Stellung“ das beim sportlichen Fahren erreichte komplett-dynamische Gleichgewicht durch das statische Element des in breiter Spreizstellung rollenden Innenbeins vermindert. Hierbei ist es dann nicht mehr wichtig, welches Bein mit welcher Belastung auf welcher Kurvenbahn die Richtungsänderung dominiert. Es hat daher auch keinen Sinn, an Körpern rumzudoktern, um die richtige „Haltung“ zur gewünschten „Technik“ einzustellen!
In meiner Arbeit stelle ich hingegen das Thema „Richtungsänderung in „A-Stellung“" zur Erprobung- in dieser oder jener Variante. Schließlich können wir selbst wegen der Automatisierung vieler Abläufe oft nicht mehr sagen, wie wir das jeweilige Problem denn nun genau gelöst haben! Nur durch eine Vielzahl von ständig variierenden Bewegungsaufgaben können wir den Normalschüler zur schließlich notwendigen Einsicht in sein motorisches Handeln bringen- dann werden Problemerkennen und Problemlösen zur Einheit.
Die schönste, lustvollste, Ziel-Form des „Pflugbogens“, gewissermaßen seine Lösung aus der Statik des Abstützens und nicht mehr als „Bremse“ zu beschreiben, ist schließlich die: „fahre auf nur einem Skate so, dass er immer nur auf seiner Innenkante geführt wird“- sie setzt allerdings maximale Dynamik voraus. Hier führt der dann notwendige Abdruck vom bogeninneren (bisher stützenden) Bein zu schwungvollen immer nach innen gerichteten Bogensegmenten auf dem Außenbein, die in Radius und Spurwinkel variabel sind und im Prinzip zum Vollkreis führen können- Lust machen. Bei Konsequenz in der Ausführung kommt es schließlich nicht mehr darauf an, wie das jeweils nicht belastete Bein geführt wird- „Technik“ im herkömmlichen Sinn wird bedeutungslos! (Anmerkung: das Problem der Seitigkeit gehe ich draußen mit Straßenkreide und den Wegrändern, in der Halle mit den Markierungsstrichen an).
Eine analoge Fahrform besteht natürlich auch für die Außenkante des bogeninneren Skates (nach außen gerichtete Bogensegmente): sie ist wegen der Außenkanten-Belastungsproblematik deutlich schwieriger- aber mindestens genauso lustvoll.
Bei beiden Fahrformen ist der initiativ und koordinativ überaus reizvolle Einsatz des Schultergürtels und der Arme zu erwähnen.
Das „Bremsen mit Stopper“
* Der Schritt:
Hier geht es zunächst einmal um Schrittstellung- der Schritt als Aktion ist ja Grundelement des ILS. Man kann in Bezug zum „Pflugbogen“ vereinfacht sagen, dass hier der Schritt in Körperlängsrichtung gemeint ist (hüftbreite Spur wird erhalten) und dort das „A“ als quer dazu begriffen werden kann (Skates sind „nebeneinander“). Zusätzlich ist im Gegensatz zum „Pflugbogen“ festzustellen, dass wir uns hier um Tempodrosselung unter Beibehaltung der Fahrtrichtung (Bremsen) bemühen.
Wir geraten nun an ein Zentralproblem- das der Widerstandsfähigkeit in Becken- und Oberschenkelmuskulatur. Die lasse ich schon frühzeitig im „Rasengefälle“ trainieren- sozusagen Rasenstopp erweitert verstanden. Damit eliminiere ich zunächst den Umstand, dass die meisten Stoppersysteme mechanisch bisher nicht genügen und dadurch die Anwendung des Stopperbremsens bereits erhöhte motorische Anforderungen stellt! Mit der so trainierten „Festigkeit“ ist das Phänomen Schritt zunächst abgehandelt- folgt das der differenzierten Belastung.
* Das Belasten:
Ich halte die Bremsfunktion ohne gesteuerte (Um)belastung für nicht wirklich erklärbar. Nicht „rechtes Bein muss vor“, „Schwerpunkt nach hinten“, „mit den Armen von oben nach unten ziehen“ oder „aufs Knie drücken“ können mich als Voraussetzungen (methodischer Aufbau) überzeugen, sondern neben dem Schritt (s.o.) nur das sichere Belasten des nicht bremsenden Skates (Gefühlsbild „drücken auf den, sitzen auf dem hinteren Skate“): Bremsen ist vorrangig eine Funktion des nicht bremsenden Beins! Dann kann man beliebig den Druck auf die Bremse übertragen und wieder zurücknehmen, ohne bei jeder Veränderung unsicher zu werden (denn allein das nicht bremsende Bein muss gleichgewichtsregulierend und steuerfähig bleiben). In der Konsequenz bedeutet das: „nur, wer sicher skaten kann, kann sicher bremsen“ (nicht, wie oft zu lesen, umgekehrt!).
Mit der Erfahrung dieser beiden Voraussetzungen lässt sich auch das auftretende Drehmoment (idealisiert: Bremskraft x halbem Skateabstand) kompensieren. - Nun können den gewollten Ablauf noch 3 Störungen beeinflussen, die ich jedoch nur bedarfsweise bearbeite (mich interessiert nur die Funktion, nicht die „richtige Technik“, das „richtige“ Bild; mit zunehmendem Können führt der Weg ohnehin zur Ökonomie, dem „Richtigen“):
- Ausweichen der Knie zueinander („x“-Bein, Knie sind nicht hüftbreit)
- Übertriebene Spannung im Schultergürtel (div. Arm“haltungen“- „Arme in Vorhalte“ wofür?)
- Nachgebendes Vorklappen (mögliche Folge des „Schwerpunkt nach hinten“) oder Verdrehen des Oberkörpers. Ein Teil der Bremswirkung auf die Körpermasse wird dadurch kompensiert, oder es kommt zum ungewollten Abweichen von der Bewegungsrichtung.
So, wie für „Pflugbogen“ und „Stopperbremse“ beschrieben, gehe ich auch mit anderen „Techniken“ um. Es interessiert mich nur am Rande, ob der „T-„ oder „L-„ Stopp „richtiger“ ist, und auch Arm“haltungen“ kann ich nicht akzeptieren- außer, sie hätten funktional wirklich bedeutsamen oder darstellenden Sinn (Kunstlauf). Aber die dabei auftretenden Phänomene sollte man sehen sowie physikalisch und biomechanisch korrekt beschreiben können!
Die Konsequenzen:
ILS-Lernende sollten grundsätzlich neben optimierten äußeren Bedingungen eine Vielzahl von anregenden, auch "falschen", Bewegungsaufgaben erhalten, ständig in Bewegung sein. Nur, wenn dabei Zwischenergebnisse den Weg zur zweckbezogenen Anwendung verstellen könnten, sollte eingegriffen werden. Dieser offene methodische Ansatz lässt sich aber mit Orientierung an der „richtigen Technik“ nicht vereinbaren. Er nutzt hingegen eine wesentliche Erkenntnis aus dem motorischen Lernen- das Prinzip des „Mitlernens“.
Und schließlich ist die aus dem Alltag transferierte Schülererwartung, etwas nicht richtig, gar falsch, zu machen, ein großes Hemmnis des Lernens- sie reduziert uns Lehrer zudem auf die Rolle des „Bewertenden“. Wir sollten diese Erwartung mit System „enttäuschen“, um das Prinzip „Schule“ gruppen- und schülerorientiert auszugestalten:
Wir bewegen uns miteinander situations-, funktions- intuitions-orientiert und akzeptieren die individuelle Lösungsmöglichkeit der beschriebenen Aufgabe.
Mit Recht ist noch zu fragen, ob diese Denkweise auch auf die Ausbildung von Multiplikatoren übertragen werden darf. Ich bin sicher, sie darf! Denn wir stehen vor ihnen in zweierlei Rollen:
- Wir sind ihre Lehrer, sie haben die von uns festgelegten Prinzipien zu übernehmen.
- Wir sind auch ihre „Vormacher“, machen ständig „Lehrprobe“.
Aus all diesen Gründen müssen wir m.E. in der Ausbildung die Voraussetzungen, Inhalte, Methoden und Prüfungen umgestalten: „Technik“ war einmal ....
SITUATION, AUFGABE und FUNKTION bestimmen die Zukunft!
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ARME, SCHULTERN- KOPF
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BEWEGUNGSLEHRE / MOTORISCHES LERNEN
Mit Bezug auf das Inlineskaten interessiert uns hier, wie motorisch Lernende (sportliche) Bewegungen ausführen, verstehen, lernen und ändern. Die Kenntnis der Zusammenhänge ist von grundlegender Bedeutung für die Qualität unserer Arbeit. Dabei wollen wir „motorisches Lernen“ als den überaus vielschichtigen Prozess verstehen, der zur (Weiter)entwicklung sportmotorischen Könnens beim Inlineskaten führt.
Da motorisches Lernen ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtkomplexes Bewegungslehre ist, seien vorweg erläutert einige für das Inlineskaten besonders interessante
PHASENSTRUKTUR
Grundstruktur vieler sportlicher Bewegung ist das Nacheinander von Vorbereitungs-, Haupt- und Endphase (azyklischer Ablauf). Beim Inlineskaten spricht man dagegen von einem zyklischen Bewegungsablauf, d.h., die eigene Fortbewegung durch Aneinanderreihen von gleichen Abläufen (im Gegensatz z.B. zum Werfen) führt zu einem Verschmelzen von Vorbereitungs- und Endphase: Der wesentliche Teil des Abstoßes und des Rollens sind als Hauptphase zu sehen, während das ausklingende Rollen (relative Passivität) und die Vorbereitung des neuen Abdrucks End- und Vorbereitungsphase zugleich sind.
Zusätzlich lohnt es sich, beim Inlineskaten z.B. auch von Phasen der Skate-Belastung zu sprechen (gleichmäßig, einseitig oder variierend) oder Phasen der Kanten-Führung (Rollen senkrecht, auf Innenkante, auf Außenkante).
Anwendung im Unterricht:
- Infolge der Identität von Vorbereitungs- und Endphase beim Inlineskaten ist eine Fehler-Ursachenerkennung deutlich erschwert, denn sowohl die „Federfunktion“ beim Abdruck (Beinmuskulatur mit Sprung- und Kniegelenk) als auch die „Stoßdämpferfunktion“ bei der Lastaufnahme sind am selben Orten angesiedelt. In der Korrekturarbeit kommt diesem Bereich durch
- eine Verbesserung des Beugeverhaltens und
- die Unterdrückung eines Streckimpulses bereits im Moment der Lastaufnahme
besondere Bedeutung zu! Die eigentliche Hauptphase als Heimat der wesentlichen kurs- und lagebestimmenden Funktionen (Drehen, Körpereinstellung) ist zunächst kein wesentlicher Ort der Anweisung oder Korrektur.
- Eine Phasenstrukturierung bei Belastung oder Kanten im Unterricht ist wegen ihres grundlegenden funktionellen Charakters sehr bedeutsam, da infolge des schnellen Bewegungsablaufs vielen Lernenden diese nicht bewusst werden.
BEWEGUNGS-RHYTHMUS
Zyklische Bewegungen leben vom Rhythmus, d.h., von ihrer dynamisch-zeitlichen Ordnung. Tritt in einem konstanten Rhythmus eine Akzentuierung auf, spricht man von Takt. Dieses Phänomen ist beim Inlineskaten häufig zu beobachten- bereits in der Normalbewegung, infolge von Ungleichheiten bei Schritt (Länge und Drehwinkel), Armschwung oder Belastung. Besonders eindrücklich erscheint der Takt jedoch oft beim Kurvenfahren, bedingt durch das Auftreten der schwer in den Bewegungsablauf einzubauenden Zentrifugalkraft.
Anwendung im Unterricht:
- Rhythmus begünstigt beim Lernen auf Breitensportniveau die Ökonomie einer Bewegung in besonderem Maße.
- Rhythmus kann optisch (durch Markierungen) und akustisch (Musik, Zuruf) erzwungen oder unterstützt werden. Eine besondere Rolle spielt beim Inlineskaten die Übertragung von Rhythmus durch enges Hintereinanderfahren (Mitreiss-Effekt, Leistungssteigerung, Ablenkung von bisher erlebten „Defiziten“, ...).
- Wenn bei der Verbesserung der Rhythmusarbeit das Gleichmaß nicht erreicht werden kann, ist die Setzung eines Taktes (Seiten wechseln!), gewissermaßen die Arbeit im Kontrast, eine mögliche wesentliche Hilfe.
BEWEGUNGS-KOPPLUNG
Kopplung ist die Übertragung von Bewegungs-Impulsen (physikalisch: Masse x Geschwindigkeit) von einem Körperteil auf einen anderen. Beim Inlineskaten geschieht sie z.B. durch
- Vorschwingen des Abstoßbeins über die Hüfte auf den Rumpf,
- Vorschwingen des Arms und Mitrotieren des Schultergürtels über den Oberkörper auf den Unterkörper.
Eine wesentliche Funktion übt in diesem Zusammenhang das (mechanische) Verhalten des Kopfes aus: Man spricht hier von der Steuerfunktion des Kopfes (tonischer Halsreflex). Sowohl das Beugen (Strecken) der HWS als auch insbesondere Drehen und Kippen des Kopfes haben über die Wirbelsäule weitreichende Auswirkungen auf die Zweckmäßigkeit der Bewegung. Z.B. wird beim Übergang zum dynamischen Kurvenfahren ein Lernfortschritt oft blockiert durch ein starres „nach-außen“-Drehen des Kopfes- gewissermaßen ein Verharren in der „alten“ Bewegungsrichtung. Oder in der Umkehrung: eine Kopfdrehung beim Geradeausfahren bewirkt eine Spur-Abweichung in die gleiche Richtung.
Ausgesuchte Anwendungen im Unterricht:
- Eine ganze Reihe von ungenügenden Bewegungsabläufen, deren Ursache zunächst in Haltungen oder im Verhalten der Beine vermutet (und bearbeitet) wird, lässt sich oft in der Blockade (der Kopplung) an Hüfte oder Schulter (HWS, Kopf) festmachen. Hier wird grundsätzlich auch deutlich, wie fragwürdig das Einstudieren von „Haltungen“ beim Inlineskaten ist.
- Eine Verbesserung der Bewegungskopplung im Schritt wird erreicht, wenn die (selektive(*1)) Beweglichkeit der Hüfte gefördert wird (bewusste Schrittimpulse aus beiden Hüftseiten).
(*1 Unter selektiver Hüftarbeit ist zu verstehen, dass sowohl die abdrückende Hüftseite nach hinten als auch die schreitende nach vorn gleichzeitig aktiv sein müssen.)
- Die Schrittqualität ist zu koppeln an die „Schritt“arbeit des Schultergürtels/der Arme. Diese muss in Intensität und Umfang direkt der in Beinen und Hüfte(seiten) entsprechen.
- Beim Kurvenfahren lässt sich das Ergebnis verbessern, wenn der Kopf nicht nur mental sondern auch mechanisch „Initiator“ der Kurve ist, d.h., wenn er sich (mit dem Schultergürtel) drehend zuerst „in die Kurve begibt“- der Blick nicht starr tangential den Kurs verlässt. Hierbei ist allerdings auch auf den ungehinderten Schwung der Arme, besonders nach hinten, zu achten.
BEWEGUNGS-PRÄZISION
Beim Inlineskaten kann man unter Präzision z.B. die äußerlich wahrnehmbare Genauigkeit verstehen, mit der ein Sportler seine Skates auf einer vorbestimmten Spur bewegen kann (z.B. auf den Markierungslinien in der Halle). Da im Outdoor-Alltag jedoch keine stereotypen äußeren Bedingungen vorliegen, sollte man allgemein von der Sicherheit sprechen, mit der die jeweils beste Lösung für die jeweilige Geländesituation gefunden wird.
Anwendung im Unterricht:
- Interessant ist beim Inlineskaten in diesem Zusammenhang der Gesichtspunkt der Symmetrie über der Bewegungsrichtung, d.h., in welchem Winkel durchschnittlich jeweils der linke und rechte Skate zu dieser fährt (bzw. zunächst einmal aufgesetzt wird). Wenn jeder Skate, unabhängig von der Symmetrie, regelmäßig wiederkehrend in derselben Weise geführt oder aufgesetzt wird, spricht man von BEWEGUNGS-KONSTANZ.
BEWEGUNGS-UMFANG
Hiermit ist die räumliche Ausgedehntheit einer Bewegung gemeint, wesentlich beeinflusst durch die jeweilige Ausnutzung der Spielräume in den Gelenken des Körpers.
Schlussbetrachtungen für den Unterricht:
- Zwischen den geschilderten und weiteren Bewegungsmerkmalen bestehen Wechselbeziehungen, die im Unterricht beachtet werden müssen, d.h., ein längeres methodisches Verharren auf einem oder wenigen Merkmalen ist unsinnig- und langweilig! Es ist ebenfalls zu folgern, dass die schwerpunktmäßige Arbeit an festgelegten „Techniken“ (die ja als eigenes Bewegungs“merkmal“ verstanden werden) im Breitensport nicht begründet werden kann.
BEWEGUNGS-KOORDINATION
Ideale Ausprägung sowie Abstimmung aller Bewegungsmerkmale und Kräfte lassen eine (sportliche) Bewegung als in guter Koordination ausgeführt erscheinen. Diese ist gewissermaßen das Grundprinzip sportlicher Motorik- die Ordnung des Bewegungsgeschehens.
Merkmale:
- Bewegungszweck wird erreicht,
- Energieverbrauch ist minimal (ideale Abstimmung der inneren und äußeren Kräfte),
- Eindruck von Leichtigkeit in der Ausführung.
Die jeweilige Ausprägung koordinativer Fähigkeiten beim Lernenden wird im Allgemeinen in die Phasen Grobkoordination und Feinkoordination eingeteilt. Als dritte Phase ist die „Meisterstufe“ zu verstehen, in der Feinkoordination auf hohem Niveau stabilisiert ist und Erlerntes auch unter erschwerten Bedingungen und variabel verfügbar ist (für unsere Betrachtungen soll aus unterrichtspraktischen Gründen diese Phase unberücksichtigt bleiben). Die Phasen der Grob- und Feinkoordination sollen das Raster darstellen, in dem wir uns als Lehrende bei unserem Angebot und der Korrektur bewegen. Es geht also jetzt um unser eigentliches Thema
Um beobachtbare Erscheinungen beim Lernprozess verstehen zu können, bedarf es zunächst der Wahrnehmung persönlicher Merkmale des Schülers. Diese können grundsätzlicher oder temporärer (befindlicher) Natur sein. Aber auch äußere oder materielle Ursachen können für den Lernfortgang maßgeblich sein (z.B. klimatische Faktoren oder Passgenauigkeit der Skates). Ein zweiter, i.A. zu wenig beachteter, Determinantenkomplex liegt bei uns Lehrern. Hier sind effektive Unterrichtsorganisation, optimierte äußere Bedingungen, verbindliches Auftreten oder didaktische und methodische Fähigkeiten, jeweils in umfassender Weise, grundlegend für jeglichen Lernfortschritt! Und auch für uns gelten ganz wesentlich die Vorgaben aus unserer eigenen jeweiligen Befindlichkeit- man ist nicht immer „gleich gut drauf“! Da der Mensch im Laufe seines Lebens diverse Entwicklungsstufen mit jeweils gut beschreibbaren seelisch-geistigen, sozialen und körperlich-motorischen Merkmalen durchläuft, muss eine Lehrtätigkeit immer an diesen Vorgaben orientiert werden (*2). Das Vorgehen im Unterricht muss daher immer abgestimmt werden auf die
- körperliche Leistungsfähigkeit und -bereitschaft,
- psychische Belastbarkeit, Lernaktivität und -bereitschaft,
- subjektiven Bedürfnisse sowie Kommunikationsfähigkeit in der Lerngruppe.
(*2 Dabei ist beim Inlineskaten mittlerweile von einem besonders großen Schüler-Altersspektrum auszugehen: Unser Sport wird vom frühen Kindesalter (ab ca. 4 Jahre) über die puberalen Phasen bis ins späte Erwachsenenalter (bis ca. 80 Jahre) von beiden Geschlechtern betrieben.)
PHASE DER GROBKOORDINATION
Bei der Ausführung einer neuen Bewegungsaufgabe kommt es nach den ersten Versuchen zu einer ersten Stabilisierung des Ausführungsniveaus: Die Bewegung ist in ihren Merkmalen (s.o.) im Großen und Ganzen erfasst und kann unter Normalbedingungen ohne wesentliche Fehler vollzogen werden- sie kann grob koordiniert werden.
Anwendung im Unterricht:
- Da ein Lernprozeß nur über eine Vorstellung von der Aufgabe (geistiges Erfassen) initiiert werden kann, bedarf es einer dem Ausgangsniveau exakt angepassten verbalen (Erklärung) und optischen (Demonstration) Beschreibung durch den Lehrer. Zudem spielen in dieser Findungsphase natürlich die mitgebrachten motorischen Erfahrungen eine wesentliche Rolle (Schüler haben z.B. nie Sport oder aber als Kind bereits Eislauf oder Skifahren betrieben).
- Die erwünschte schnelle Stabilisierung ist nur über häufiges Üben zu erreichen, d.h., Lehrer müssen durch Optimierung von äußeren Bedingungen (z.B. Breite des Übungsplatzes) und Organisationsform möglichst für gleichzeitiges Üben der Schüler sorgen (Inlineskaten lernt man nur durch Inlineskaten)!
- Ein Lernerfolg in dieser Phase führt nicht selten zu dem überraschten, besorgten, Einwurf, „da werde ich ja so schnell!“. Das Bewegungsmerkmal Tempo gehört zum jeweiligen Lernzustand, d.h., „Zeitlupenskaten“ ist ein methodischer Irrweg, da Steuerungs- und Regelungsnotwendigkeiten (z.B. Kompensation der äußeren Kräfte) vom Fahrtempo abhängig sind (*3 *4).
(*3 Hierunter ist jedoch nicht das methodisch überaus interessante Arbeiten auf besonders weichen oder rauen Oberflächen gemeint, was ja zunächst auch zu einer Tempominderung führt.)
(*4 Es macht in diesem Zusammenhang hingegen Sinn, z.B. mit kleinen Amplituden zu arbeiten- also den Schritt, die Spurbreite oder den Spurwinkel zu verkleinern.)
PHASE DER FEINKOORDINATION
In dieser Phase befindet sich die Mehrheit der Breitensportskater. Der Standardbewegungsablauf hat sich in einer relativ fließenden und harmonischen, fast fehlerfreien, Form stabilisiert und es besteht die Chance, den Übergang von einer grundsätzlich defensiven zu einer überwiegend offensiven, gestaltenden, Ausführung zu schaffen. Jedoch kann zwischen Schülern bei sonst gleicher „Technik“ oft ein unterschiedliches Bewegungsbild beobachtet werden: Hier könnte man von „persönlichem Stil“ sprechen- trotz gleicher Ausprägung der Bewegungsmerkmale(*5).
(*5 Allerdings besteht hier auch die Gefahr der dauerhaften Fixierung von mitgebrachten oder während des Lernprozesses unbemerkt erworbenen ungünstigen Bewegungsmustern!)
Da in der Phase der Feinkoordination die Anforderungen aus Aufgabenstellung und äußeren Anforderungsvorgaben komplexer geworden sind, kann nun ein Phänomen auftreten, das zur Resignation bei Lehrer und Schüler führen kann: Der Lernfortschritt ist nicht gleichmäßig, wird plötzlich langsamer oder kommt gar zum Stillstand.
Anwendung im Unterricht:
- Wegen der erreichten relativen Sicherheit in Bewegungsvorstellung und -ausführung verstärkt sich die Bedeutung der Motivation, weiterzulernen, d.h., Lehrer müssen Sinn, Zielbeschreibung und Wegbereitung durch sichere, nachvollziehbare und pädagogisch-methodische Maßnahmen verdeutlichen können. Dabei kommt unserer Sprache besonderes Gewicht zu! „Denkendes Lernen, nicht gedankenlose Wiederholung des Bewegungsvollzugs“, (Inlineskaten mit Köpfchen)muss die Devise sein! Präzise Beschreibungen unter Einbeziehung physikalisch begründeter Abläufe und Orientierung an funktionellen Erfordernissen müssen Vorrang haben vor der Beschreibung und Einübung genormter Bewegungsmuster!
- Ebenso sind die Erfüllung einer Aufgabe, das Meistern einer Situation, motivierende Ziele eines schülerorientierten, transparenten, Unterrichts- nicht das Nachmachen genormter Bilder („Techniken“). Dabei ist der „persönlichen Note“ genügend Raum zu lassen.
- Die Aufmerksamkeit des Lernenden muss verstärkt auf seine Wahrnehmungen über Gelenk- und Muskelzustände, Belastungssituationen, Geschwindigkeit oder Raumorientierung gelenkt werden (Inlineskaten mit wachen Sinnen)(*6).
(*6 Sie erfolgen über ein komplexes Netz von Rezeptoren, Nervenbahnen und Analysatoren, dessen Nutzbarkeit mit zunehmender motorischer Erfahrung mit verbessert wird.)
- Auftretende Verlangsamung oder Stillstand („Lernplateau“) im Lernfortschritt sind zunächst einmal individuell- Groschen fallen unterschiedlich schnell. Diese Phänomene sind wohl nötig, um in der Dynamik des Lernprozesses zwischendurch zu innerer Sammlung zu kommen und die vielen neuen Eindrücke geordnet ablegen zu können. Nicht selten gelingt dann plötzlich „aus dem Stand“ und unvermutet das zuvor nicht Erreichbare wie selbstverständlich. Allerdings muss jeweils genau geprüft werden, ob nicht ggf. andere Faktoren, wie z.B. unsere Unterrichtsgestaltung, zu dauerhafter Stagnation geführt haben!
- Bei der Wahl der methodischen Mittel kann ggf. die Erschwerung der Bedingungen (Bodenbeschaffenheit/Widerstandserhöhung, Irritationen, Üben mit geschlossenen Augen oder Wettkampfanforderungen) einen Lernschub oder neue Motivation auslösen.
Weitere Anmerkungen zu den Grundlagen des motorischen Lernens
- Da die Verfügbarkeit aufgenommener Informationen (Erklärung, Demonstration, Korrektur) nur wenige -zig Sekunden beträgt (Merkzeit), muss dem Lernenden stets umgehend Gelegenheit gegeben werden für die Umsetzung in die eigene Bewegung! Das erfordert eine- schon erwähnte- Optimierung der Unterrichtsorganisation und des Übungsplatzes. Das traditionelle Lernen im Sinne von Einzelfahrten mit Korrektur (deduktives Verfahren) hätte sonst eine für jeden Schüler notwendige neue Erklärung und Lehrerdemonstration zur Folge!
- Die vorübergehende Ausschaltung der Sichtkontrolle (optische Orientierung) zugunsten anderer Wahrnehmungsebenen ist immer wieder eine Möglichkeit, zu wirklichem Können zu führen. Der so erreichte Zugewinn in der Wahrnehmungs- und Regelungsfähigkeit verbessert andererseits auch das periphere Sehen, das ja ein ganz wesentlicher Beitrag zur rechtzeitigen Gefahrenwahrnehmung (Sicherheit) ist.
- Das- den meisten Menschen eigene- Problem der „Schokoladenseite“ ist besonderer Beachtung wert. So haben z.B. viele Skater das Gefühl, auf dem rechten Bein nicht zurecht zu kommen- es sind alle 3 Grundfunktionen Belasten, Kanten, Drehen nur eingeschränkt einsetzbar. Aber auch weitergehende Funktionen wie Schritt, Innenlage oder Rotation sind betroffen. Die methodische Abhilfe ist wegen des „verschwiegenen Charakters“ der mechanischen Schaltstation Hüfte schwierig und kann zunächst nur durch gezielte Übung aller Abläufe und Funktionen zu beiden Seiten angegangen werden- Inlineskaten ist ein symmetrische Bewegung, die sich stets auch aus der Mitte definiert!
- Wie auch immer eine Bewegungsaufgabe lautet- sie profitiert stets von der Erfahrung mit der vorigen! Dieser Effekt des motorischen Mitlernens ist wesentliche Begründung für einen
abwechselungsreichen, nicht an festen Wegen und Technik- orientierten, Unterricht !
Konzept in Anlehnung an: Bewegungslehre-Sportmotorik ( K. Meinel / G.Schnabel, Sportverlag Berlin)
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DIDAKTIK und METHODIK im INLINESKATING-BREITENSPORT
Inlineskaten ist eine Sportart, die in wenigen Jahren weltweit Menschen aller Generationen in ihren Bann gezogen hat. Es bietet in Anwendung der bewährten Schrittarbeit mit Hilfe der Rollen die Möglichkeit, viel schneller als beim Gehen voran zu kommen- ähnlich dem Ski- oder Eislaufen im Winter.
Dabei ist die große Vielgestaltigkeit des Inlineskatens allein mit der Geschwindigkeit gar nicht zu erfassen. Nur, wenn man den Motivations- und Erlebnisraum der Menschen beim freien Bewegen berücksichtigt, ist der o.g. Erfolg des Inlineskatens annähernd zu begründen. Dann findet sich Inlineskaten wieder in:
Ganzkörperlicher und rhythmischer Bewegung, Natur- und Landschaft, Verkehrsmittel, Gruppe, Geschwindigkeit, Körperlichkeit, Beherrschung des Sportgeräts, variierender Gestaltung der Bewegung, Spiel, Leistungsfähigkeit, Wettkampf, sich Hingeben und Aufgehen in der Bewegung- sowie Ausgleich und Erholung, gesundheitswirksam in Prävention und Rehabilitation, …
Um diesen Möglichkeiten oder Schülererwartungen entsprechen zu können, müssen ILS-Lehrer die Kunst des Lehrens (Didaktik) sowie auch Inhalt und Verfahrensweise (Methodik) beherrschen.
In der Didaktik kommen die Lehrerqualitäten ursächlich zum Tragen wie z.B.:
- Die Fähigkeit, alle äußeren Bedingungen zur Begünstigung der Lernumgebung zu erfassen und zu optimieren. Hierzu zählen beim ILS z.B. die Oberflächenwahl, Länge und Breite des Übungsplatzes (in Abhängigkeit vom Lehrziel), Sicherheitsaspekte oder die verwendeten Schülerskates.
- Die Fähigkeit, den Unterrichtsablauf optimal zu organisieren. Nicht nur, um Lernfortschritt und -motivation zu fördern, sondern auch um der Sicherheit willen ist dieser Aspekt bedeutsam. Haben die Schüler z.B. die Möglichkeit, ohne Wartezeit sofort und immer wieder die Bewegungs-Aufgaben auszuprobieren, kommen auch die Schwächeren zu ihrem Recht?
- Die Fähigkeit, sich auf die Schüler einzustellen und an deren Erwartungen, Wünschen und Nöten zu orientieren: Bemüht sich der Lehrer um jeden einzelnen Schüler- oder spielt er sich nur auf, - antwortet er verbindlich und kompetent auf Fragen, lässt er Fachgespräche zu- oder ist er ein Schwätzer, - vermittelt er Freude an der Bewegung- oder fährt er selbst stereotyp?
- Die Fähigkeit, stets den richtigen Unterrichtston und -stil zu finden: Ist er immer deutlich und für alle vernehmbar, fühlen sich alle Schüler angesprochen, beachtet und motiviert? Wird das Gruppengefühl gefördert?
- Die Fähigkeit, seine Bewegungsbeschreibung kurz und prägnant anzubieten. Wird die Schüler-Neugier auf den theoretischen Hintergrund gefördert und in abgestimmter Weise bedient („didaktische Reduktion“)?
- Die Fähigkeit, seine Bewegungsdemonstration auf das Wesentliche, das Angesagte, zu beschränken und im richtigen Tempo, in verschiedenen Schülerperspektiven und stets für alle sichtbar durchzuführen.
- Die Fähigkeit, das Wesentliche im Schüler-Versuch zu erkennen und anzusprechen („Korrektur“). Erhält der Schüler ein passendes Angebot zur Verbesserung? Liegt ein misslungener Versuch vielleicht gar nicht beim Schüler- sondern z.B. an dessen Skates, unklarer Ansage oder nicht geeignetem Übungsfeld? Erkennt der Lehrer die „persönliche Note“ des Schüler-Versuchs oder geht es ihm nur um das „richtige“ Bild?
Grundsätze für Korrekturen:
- Löse Dich, besonders im Breitensport, aus dem Muster „Richtig-Falsch“: Sport soll in erster Linie „gut tun“ und positive Erwartungen wecken bzw. ihnen entsprechen.
- Eine Übung ist sofort „richtig“, wenn sie den vorgegebenen Zweck, die Funktion, annähernd erfüllt (daher anfänglich unter erleichterten motorischen Anforderungen und optimiertem Übungsumfeld üben lassen!). Aufbauende Forderungen können z.B. sein: Ökonomisierung, Harmonisierung, Dynamisierung, Automatisierung, Variabilität, …
- Was dem Schüler gelingt, musst Du sofort bemerken und rückmelden- dann ist jeder Verbesserungsvorschlag die wirksamste „Korrektur“.
- Korrektur kann sich durch neue Erklärung erübrigen.
- Gerade beim induktiven (s.u.) Vermitteln darf es kein „Falsch“ geben. Aber nutze die aufgetretenen Effekte als Ansätze für die nächsten methodischen Schritte.
- Da in den ersten Könnensstufen diese Effekte („Fehler“) i.d.R. durchgängig sind, beschränke Dich, auch um der Übungsintensität willen, auf die „Sammelkorrektur“. Andererseits hat der Schüler mit Recht auch die Erwartung, persönlich angesprochen zu werden- hier gilt es, die richtige Mischung zu finden.
- Korrigiere nur, was Du schwerpunktmäßig angesagt hast (das gilt übrigens auch für Deine Demonstration).
- Frage Dich immer neu, ob Du zur Verdeutlichung einen „Fehler“ demonstrieren solltest- jedoch nie den eines bestimmten Schülers! Stelle dieser Demonstration aber sofort die erwünschte Lösung gegenüber.
- Nach Korrektur und Verbesserungsvorschlag muss es die Möglichkeit geben, umgehend das Neue zu erproben.
Diese Beispielesammlung ließe sich noch erweitern, doch nähert sich eine solche Aufzählung auch immer weiter dem Bereich der Methodik an, d.h., dem eigentlichen Stoff und der Verfahrensweise.
In der Methodik werden die Wege zur Umsetzung der Lehrziele sowie das Inhaltliche (der „Stoff“, die Übungsangebote) und die verwendeten Hilfsmittel betrachtet.
Methoden
Inlineskaten vollzieht sich im zyklischen Ablauf, d.h., ein Bewegungszyklus wird direkt aus dem vorigen hergeleitet, Vorbereitungsphase und Ausklang sind identisch (anders als z.B. beim Werfen). Die Umsetzung dieses wesentlichen Sachverhalts erfordert eine entsprechende Methodenwahl: Hier wählen wir sinnvollerweise die Ganzheitsmethode, d.h., es wird von Anfang an in rhythmischer Aneinanderreihung aller Bewegungsaufgaben geübt. Selbstverständlich muss der Lehrer dann eine für die jeweilige Könnensstufe angemessene (ggf. reduzierte) motorische Anforderung finden (z.B. vereinfachte Formen, minimierte Dynamik oder Schrittamplitude) sowie für optimale äußere Bedingungen sorgen. Die Ganzheitsmethode ermöglicht ausgiebiges Fahren und eignet sich besonders für die Phase der Grobformung, in der es ja zunächst darum geht, Grunderfahrungen und Motivation zu erlangen.
Im Gegensatz dazu steht ein Arbeiten nach der Teilmethode, bei der einzelne Segmente eines Zyklus separat geschult oder verstärkt werden. Hier kommt es zu erheblichen Stehzeiten der Schüler und dem negativen Effekt, dass das wesentliche Ziel beim Lernen des ILS, nämlich die Koordination der verschiedenen Elemente, dabei nicht weiterentwickelt werden kann. Es hat sich gezeigt, dass so herausgelöst geschulte Segmente eines Zyklus oft schwerer zu bewältigen sind als die ganzheitliche, rhythmische, Fahrform selbst. In gehobenen Könnensstufen, in denen Koordination nicht mehr Lernschwerpunkt ist, können allerdings einzelne Aspekte teilmethodisch sinnvoll angegangen werden.
Aus obiger Gegenüberstellung ergeben sich einige Konsequenzen für unsere Arbeit:
- Die Ganzheitsmethode bearbeitet gewissermaßen nebenbei das Problem der Seitigkeit vieler Menschen- teilmethodisch muss explizit erst auf die eine, dann auf die andere Seite geübt werden.
- Jedes Fahrmanöver, wie z.B. das Bremsen oder die Kurve, lässt sich nur sinnvoll aus der Standardbewegung heraus erklären und ableiten, d.h., ohne Unterbrechung und unter Mitnahme und Ausnutzung ihrer dynamischen Effekte: Lehre das Ganze aus dem Ganzen!
- Die Ganzheitsmethode erfordert den großen Übungsraum- daher: Kümmere Dich um genügend Platz und optimiere ihn!
Eine für zyklische Bewegungen überaus sinnvolle Vorgehensweise ermöglicht das konzentrische Lehrmodell (im Gegensatz zum linearen). Hier wird dem Umstand Rechnung getragen, dass sich Nichts für sich allein lernt (Prinzip des Mitlernens). D.h., durch eine Schulung auf ein bestimmtes Lehrziel hin kann auch von der Verbesserung des motorischen Könnens auf einer anderen Schiene ausgegangen werden- denn in jedem Neuen steckt auch eine Menge Altes! -Lehre nie, bis etwas „richtig“ ist! Wenn man hingegen versucht, technische Lernziele „ganz folgerichtig“ linear hintereinander zu schalten, verlangsamt man den Lernfortschritt- langweilig und nicht situationsorientiert ist ein solches methodisches Vorgehen allemal! Es widerspricht auch der Komplexität unserer sportlichen Bewegung.
Ganz entscheidend auf die Lernmotivation des Schülers wirken auch die Vorgaben, die dem Schüler zur Erreichung des nächsten Ziels gemacht werden. Wir sprechen von der deduktiven Methode (ableitend), wenn gewissermaßen schematisiert Erklärung, Demonstration, Bewegungsanweisung, Korrektur durch den Lehrer erfolgen. Dieser steht hier im Mittelpunkt, man kann daher auch von der Demonstrationsmethode sprechen- seine Darstellung muss als die einzig richtige Lösung der Aufgabe hingenommen werden.
Ein eher pädagogisches Verfahren stellt hingegen die induktive Methode (hinführend) dar. Hier stehen Aufgabe, Ausprobieren, selbständiges Entwickeln im Vordergrund. Sie leitet den Schüler zur Initiative, Verantwortung, Kreativität hin- schließlich wird „Inlineskaten mit Köpfchen“ gefördert.
Auch Spiel und Wettkampf sind interessante Methoden, den Schüler zur Weiterentwicklung seines Könnens zu leiten. Da ihr Wesen aus der Interaktion mit dem sich ebenfalls bewegenden Nachbarn besteht, wird neben der Provokation der immer besseren (motorischen) Problemlösung auch das periphere Sehen wesentlich geschult.
Man kann sinnvoller Weise die geschilderten Methoden in der praktischen Anwendung nicht ausschließlich verwenden- ein guter Lehrer greift fallweise und situationsorientiert zur einen oder der anderen- so wie auch die geschilderte Auswahl nur die wichtigsten Verfahrensweisen aufzeigt.
Hilfsmittel
Methodenwahl und Auswahl der Übungen können durch Einsatz von Hilfen wesentlich unterstützt werden:
Akustische Hilfe zur rhythmischen Festigung kann z.B. durch Zuruf erreicht werden oder durch Musik.
Optische Hilfsmittel erleichtern die Raumorientierung- z.B. durch Straßenkreide, Markierungshütchen oder vorgegebene Linien in der Sporthalle. Sie können natürlich ebenfalls das Rhythmusgefühl verbessern. Rhythmus- und Raumorientierung werden optisch z.B. auch durch Synchronfahren gefördert, dessen Vorteil sonst immer nur mit der Minderung des Luftwiderstands beschrieben wird.
Ein faszinierendes Hilfsmittel stellt die Videokontrolle dar- hier wird dem Schüler die Möglichkeit gegeben, in Ruhe Bewegungsabläufe und die eigentlichen Ursachen für Bewegungsdefizite zu erkennen.
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KRITERIEN eines UNTERRICHTS / einer LEHRPROBE
Die Qualität einer Lehrtätigkeit ist abhängig von einer Reihe von Vorgaben, die in der Aufmerksamkeit des Lehrers liegen müssen. Die nachfolgende, stichwortartige, Auswahl (!) unterstellt bewusst eine generelle Unterrichtssituation beim Inlineskaten, d.h. es werden Gesichtspunkte angeführt, die sowohl für den Unterricht mit Schülern als auch die Lehrprobe relevant sein könnten. Dabei ist die jeweilige Zielsetzung durchaus verschieden. Beim Unterricht mit der Kursgruppe stehen z.B. Erlebnis, Erwerb von Fahrfertigkeiten oder Erholung im Vordergrund, während bei der Lehrprobe allein das Erarbeiten des vorgegebenen Themas in der vorgegeben Zeit zählt.
Kriterien-Auswahl
GELÄNDEWAHL:
- Beseitigen oder Kenntlichmachen von Hindernissen und Gefahrenstellen,
- Absicherung vor anderen Verkehrsteilnehmern,
- Oberflächenbeschaffenheit,
- Gefälle,
- Eignung für die vorgesehene methodische Reihe
ORGANISATION:
- Ist die Gruppe so organisiert, dass alle TN jederzeit Sicht- und Hörkontakt zum Lehrer haben,
- gibt es für alle TN genügend Platz und Zeit zum Üben,
- sind allen TN mögliche Gefahrenstellen bekannt
LEHRERAUFTRETEN:
- Unterrichtston (freundlich, anregend, bestimmt, verbindlich, authentisch, stets für alle vernehmbar, zurückhaltend, schülerorientiert, …),
- Eingehen auf Schüler-Beiträge (Thematisieren für alle),
- Beobachten der Schüler-Ausrüstung,
- Kleidung
ERKLÄRUNG:
- Eindeutig,
- sachlich korrekt,
- ohne Wiederholungen,
- auf theoretischen Hintergrund bezogen,
- Körpergefühl- bezogen,
- auf evtl. Schülererfahrungen bezogen,
- das Bewegungssehen fördernd
LEHRER-DEMONSTRATION:
- Stimmt die Demonstration mit der Erklärung überein,
- wird sie korrekt ausgeführt,
- ist sie stets für alle sichtbar,
- wird sie aus wechselnden Schülerperspektiven angeboten
SCHÜLER-DEMONSTRATION
- Haben alle die Möglichkeit, unmittelbar nach der Lehrerdemonstration zu üben
RÜCKMELDUNG, KORREKTUR:
- Orientiert sich die Korrektur an der gestellten Aufgabe,
- können alle/die anderen Gruppenmitglieder davon profitieren,
- Zurückhaltung (es gibt auch „richtige“ Schülerdemonstrationen, wird inflationär gelobt?),
- können Schüler bei der Schülerdemonstration hospitieren,
- nutzt der Lehrer die Möglichkeit, Tipps einem neben ihm fahrenden Schüler zu geben
UNTERRICHTSMITTEL:
- Werden akustische Hilfsmittel eingesetzt (Zuruf, Musik, Klatschen, …),
- werden optische Hilfsmittel eingesetzt (Hütchen, Kreide, Geräte, elektronische Medien, …)
METHODIK:
- Ist der methodische Aufbau sinnvoll, korrekt, anregend und ungefährlich, dem zyklischen Charakter des Inlineskatens gemäß im Wesentlichen ganzheitlich orientiert
Lehrprobe:
- Führt die methodische Reihe zum vorgegeben Ziel
Unterricht:
- Ist die angewendete Methodik für den Schülerdurchschnitt angemessen,
- ist sie flexibel und vielseitig (situationsbedingt),
- ist sie stringent hinführend auf die Verbesserung der Koordination (anstatt „Technik“-orientiert),
- nutzt sie Analogien und nimmt sie Bezug auf elementare Bausteine,
- beachtet sie Gesundheits-präventive und integrative Gesichtspunkte,
- beachtet sie fahrökonomische Gesichtspunkte mit der Option zum Rennlauf,
- wird das Gelände mit einbezogen,
- wird nach beiden Seiten geübt,