Mathematik: Lineare Algebra: Eigenwerte und Eigenvektoren

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Eigenwerte und Eigenvektoren sind ein fundamentales Werkzeug zur Untersuchung von Matrizen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Motivation

Betrachten wir folgendes Beispiel:

Sei 
A=
  \begin{pmatrix}
    1 & 2 \\
    0 & -2
  \end{pmatrix}
und 
x=
  \begin{pmatrix}
    -2 \\
    3
  \end{pmatrix}
, 
y=
  \begin{pmatrix}
    1 \\
    0
  \end{pmatrix}

Was passiert, wenn wir Ax und Ay betrachten?


A_x=
  \begin{pmatrix}
    1 & 2 \\
    0 & -2
  \end{pmatrix}
  \begin{pmatrix}
    -2 \\
    3
  \end{pmatrix}
  =
  \begin{pmatrix}
    1 \cdot (-2)+2 \cdot 3 \\
    0 \cdot (-2)+(-2) \cdot 3
  \end{pmatrix}
  =
  \begin{pmatrix}
    4 \\
    -6
  \end{pmatrix}


A_y=
  \begin{pmatrix}
    1 & 2 \\
    0 & -2
  \end{pmatrix}
  \begin{pmatrix}
    1 \\
    0
  \end{pmatrix}
  =
  \begin{pmatrix}
    1 \cdot 1+2 \cdot 0 \\
    0 \cdot 1+(-2) \cdot 0
  \end{pmatrix}
  =
  \begin{pmatrix}
    1 \\
    0
  \end{pmatrix}

Bemerkenswert ist, dass

A_x=-2x=(-2) \cdot
  \begin{pmatrix}
    -2 \\
    3
  \end{pmatrix}
= \begin{pmatrix}
    4 \\
    -6
  \end{pmatrix}

A_y=1y=1 \cdot
  \begin{pmatrix}
    1 \\
    0
  \end{pmatrix}
= \begin{pmatrix}
    1 \\
    0
  \end{pmatrix}
.

Wenn wir also die Matrix A mit dem Vektor x multiplizieren, erhalten wir keinen anderen, sondern denselben Vektor multipliziert mit einer Konstante. Für y gilt das Gleiche. Wir nennen 1 und -2 die Eigenwerte der Matrix A, x und y heißen Eigenvektoren der Matrix A.

[Bearbeiten] Definitionen

Dieses Konzept verallgemeinern wir nun. Das Produkt einer Matrix mit dem Vektor soll dasselbe ergeben wie die Multiplikation von einem Skalar mit dem Vektor. Wenn wir eine n \times n-Matrix A haben, suchen wir Eigenvektoren v und Eigenwerte λ, die folgende Gleichung erfüllen: Av = λv

Wie funktioniert dies?

Wir formen die Gleichung um

Av − λv = 0

(A-\lambda \cdot I) v=0

Hierbei muss der Skalar mit der Einheitsmatrix I multipliziert werden. (A-\lambda \cdot I) ist eine Matrix. Wir setzen B = (A − λI) und lösen die Gleichung Bv = 0. Die Lösung ist der Kern von B. Die Eigenvektoren sind also der Kern von (A − λI), wobei λ ein Eigenwert ist. Wie finden wir nun die Eigenwerte?

Es gilt: Bv = 0 hat eine nicht-triviale Lösung, falls | B | = det(b) = 0. Um also die Eigenwerte zu finden setzen wir | A − λI | = 0 und lösen nach λ auf. Wir erhalten ein Polynom, das charakteristische Polynom.

Beachte, dass die Null als Eigenvektor ausgeschlossen ist, weil sie trivialerweise eine Lösung der Gleichung Av = λv ist. Außerdem erhielten wir dadurch unendliche viele Eigenwerte, weil jeder Wert die Gleichung A0 = λ0 erfüllt. Wenn wir einen Eigenwert λ mit zugehörigem Eigenvektor v gefunden haben, dann ist jedes Vielfache von v ebenfalls ein Eigenvektor für diesen Eigenwert. Um dies zu sehen, betrachten wir folgendes: Falls Av = λv gilt, dann gilt:

\forall k \in \mathbb{C}:A(kv)=kAv=k\lambda v=\lambda(kv).

Beachte: Ein Eigenwert hat unendlich viele zugehörige Eigenvektoren, während ein Eigenvektor immer nur zu einem Eigenwert gehören kann.

[Bearbeiten] Das Finden von Eigenwerten und Eigenvektoren

Hier sind ein paar Beispiele wie man mit Hilfe unserer Definitionen Eigenwerte und Eigenvektoren bestimmt:

Sei 
A=
  \begin{pmatrix}
    3 & 0 \\
    -1 & 2
  \end{pmatrix}

Zuerst bestimmen wir die Eigenwerte


\begin{vmatrix}
  \begin{pmatrix}
    3 & 0 \\
    -1 & 2
  \end{pmatrix}
  -
  \begin{pmatrix}
    \lambda & 0 \\
    0 & \lambda
  \end{pmatrix}
\end{vmatrix}
=
\begin{vmatrix}
  \begin{pmatrix}
    3-\lambda & 0 \\
    -1 & 2-\lambda
  \end{pmatrix}
\end{vmatrix}
=(3-\lambda)\cdot(2-\lambda)-(-1)\cdot 0=(3-\lambda)\cdot(2-\lambda)=0

Die Lösungen dieser Gleichung sind 3 und 2 und dies sind auch unsere Eigenwerte. Nun suchen wir die zugehörigen Eigenvektoren. Betrachten wir also zunächst den Eigenwert λ = 3. Um unseren ersten Eigenvektor zu finden berechnen wir:

\mathrm{Kern}(A-3I)=\mathrm{Kern}
\left(
  \begin{pmatrix}
    3 & 0 \\
    -1 & 2
  \end{pmatrix}
  -
  \begin{pmatrix}
    3 & 0 \\
    0 & 3
  \end{pmatrix}
\right )
=\mathrm{Kern}
  \begin{pmatrix}
    0 & 0 \\
    -1 & -1
  \end{pmatrix}

Beobachte nun:

\forall a \in \mathbb{C}:
  \begin{pmatrix}
    0 & 0 \\
    -1 & -1
  \end{pmatrix}
  \begin{pmatrix}
    a \\
    -a
  \end{pmatrix}
  =0

Anders geschrieben, die Menge der Eigenvektoren der Matrix A enthält \mathrm{span}\begin{pmatrix}1 \\-1\end{pmatrix}. In der Ebene ist dies die Gerade durch den Ursprung mit der Steigung -1. Wie schon beschrieben gibt es für jeden Eigenwert unendlich viele Eigenvektoren. Wir dürfen uns einen davon auswählen. In diesem Fall nehmen wir den Vektor \begin{pmatrix}1 \\-1\end{pmatrix}. Betrachten wir nun den Eigenwert λ = 2 und gehen analog vor:

\mathrm{Kern}(A-2I)=\mathrm{Kern}
\left(
  \begin{pmatrix}
    3 & 0 \\
    -1 & 2
  \end{pmatrix}
  -
  \begin{pmatrix}
    2 & 0 \\
    0 & 2
  \end{pmatrix}
\right )
=\mathrm{Kern}
  \begin{pmatrix}
    1 & 0 \\
    -1 & 0
  \end{pmatrix}
=\mathrm{span}\begin{pmatrix}0 \\1\end{pmatrix}

Also erhalten wir als zweiten Eigenvektor \begin{pmatrix}0 \\1\end{pmatrix}

Unsere Eigenwerte sind λ = 3;2 mit den Eigenvektoren \begin{pmatrix}1 \\-1\end{pmatrix};\begin{pmatrix}0 \\1\end{pmatrix}. Dies kann man überprüfen, indem man die gegebene Matrix mit den Vektoren multipliziert. Also:


  \begin{pmatrix}
    3 & 0 \\
    -1 & 2
  \end{pmatrix}
  \begin{pmatrix}
    1 \\
    -1
  \end{pmatrix}
  =
  \begin{pmatrix}
    3 \\
    -3
  \end{pmatrix}
  =3 \cdot
  \begin{pmatrix}
    1 \\
    -1
  \end{pmatrix}
und 
  \begin{pmatrix}
    3 & 0 \\
    -1 & 2
  \end{pmatrix}
  \begin{pmatrix}
    0 \\
    1
  \end{pmatrix}
  =
  \begin{pmatrix}
    0 \\
    2
  \end{pmatrix}
  =2 \cdot
  \begin{pmatrix}
    0 \\
    1
  \end{pmatrix}

[Bearbeiten] Aufgaben

Finde die Eigenwerte und Eigenvektoren zu den folgenden Matrizen.

  1. 
  \begin{pmatrix}
    3 & 0 \\
    -4 & 5
  \end{pmatrix}
  2. 
  \begin{pmatrix}
    1 & 1 \\
    3 & -1
  \end{pmatrix}
  3. 
  \begin{pmatrix}
    -2 & 0 & 3 \\
    2 & 4 & 0 \\
    1 & 0 & 0
  \end{pmatrix}
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