Mathematik: Topologie: Konstruktionen
Aus Wikibooks
Zurück zu Filter und Konvergenz
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Konstruktion topologischer Räume
[Bearbeiten] Topologische Summe
- Sei Λ eine beliebige Indexmenge und
eine Familie paarweise disjunkter topologischer Räume. Die topologische Summe
ist die Vereinigung
mit der folgenden Topologie
: Eine Teilmenge
gehört genau dann zu
, wenn für jedes
der Durchschnitt
zu
gehört. - Falls die Mengen Xλ nicht disjunkt sind, kann man sie aber dadurch disjunkt machen. dass man einfach den Index mit "dazu schreibt": Aus der Menge Xλ wird dann die Menge
, die aus den Punkten (xλ,λ) besteht. Die Topologie auf
besteht aus den Mengen
, für die O offen in Xλ ist.
[Bearbeiten] Produkttopologie
- Sei wieder Λ eine beliebige Indexmenge und
eine Familie topologischer Räume. Das Mengenprodukt
der Xλ ist diejenige Menge, deren Punkte x aus Familien von Punkten
bestehen. Ein einzelner Punkt xν aus der Familie x = {xλ} heißt ν-te Koordinate von x. Im Fall einer endlichen Indexmenge Λ = {1,2,...,n} ist das Produkt gegeben durch die n-Tupel (x1,x2,...,xn) und die Koordinaten sind die einzelnen xi. Für jedes ν ist die ν-te Projektion
gegeben durch p(x): = xν, der Punkt x wird also auf die ν-te Koordinate abgebildet. Die Produkttopologie
auf X ist gegeben durch die Basismengen der Form
wobei Oλ offen in Xλ und
für nur endlich viele λ ist. Der Raum
versehen mit der Produkttopologie
ist das topologische Produkt der Familie
.
- Die Produkttopologie ist die Initialtopologie auf
bezüglich der Projektionen.
[Bearbeiten] Quotiententopologie
- Sei
ein topologischer Raum. Weiter sei ~ eine Äquivalenzrelation R auf X. Das heißt
- für je zwei Punkte
ist entweder x ~ y oder
, - aus x ~ y folgt y ~ x,
- aus x ~ y und y ~ z folgt x ~ z.
- für je zwei Punkte
- Für
ist die Äquivalenzklasse [x] definiert als die Menge aller
mit y ~ x. - Man kann nun die Menge X / R als die Menge aller Äquivalenzklassen definieren. Man hat eine kanonische Projektion
. Die Quotiententopologie
besteht aus den Mengen
, für die das Urbild π − 1(O) offen in X ist. Die Menge X / R versehen mit der Quotiententopologie heißt Quotientenraum oder auch Faktorraum von X bezüglich der Äquivalenzrelation R.
- Die Quotiententopologie ist die Identifizierungs- oder auch Finaltopologie auf X / R bezüglich der Projektion.
- Beispiel: Auf dem Intervall I = [a,b] sei die Äquivalenzrelation R gegeben durch a ~ b, d.h. nur die Endpunkte sind äquivalent. Der Quotientenraum I/R ist dann die 1-Sphäre S1. Bildlich ausgedrückt entsteht aus dem Intervall durch Verkleben der Endpunkte ein Kreis.
[Bearbeiten] Zusammenkleben
- Mit Hilfe der Quotiententopologie kann man ähnlich dem obigen Beispiel ein Verfahren angeben, wie man topologische Räume zusammenkleben kann. Sind X und Y disjunkte topologische Räume und
eine Abbildung von einer abgeschlossenen Teilmenge
von X nach Y, so klebt man X und Y an der Teilmenge A zusammen, indem man die Punkte von
mit den Bildpunkten
identifiziert. Dieses Verfahren wird unter Anderem zur Konstruktion von speziellen Räumen benutzt, die in der algebraischen Topologie untersucht werden. Doch zunächst einmal formulieren wir die genaue Definition.
| Definition: Zusammenkleben von Räumen |
Seien X,Y disjunkte topologische Räume, eine abgeschlossene Teilmenge von X und eine Abbildung. Auf der topologischen Summe sei die Äquivalenzrelation R gegeben durch
Der durch Zusammenkleben von X und Y mittels f entstandene Raum, geschrieben |
- Kegel:
- Sei X ein topologischer Raum, I = [0,1] das Einheitsintervall und {v} ein topologischer Raum mit nur einem Punkt. Sei weiter die Teilmenge
des Produktes
gegeben durch
und die Abbildung
durch f(x) = v für
. Durch das Zusammenkleben von
mit {v} vermöge f entsteht der (topologische) Kegel über X mit Spitze v. 
- Die ganze Teilmenge
wird auf den Punkt v geklebt.
- Sei X ein topologischer Raum, I = [0,1] das Einheitsintervall und {v} ein topologischer Raum mit nur einem Punkt. Sei weiter die Teilmenge
- Einhängung:
- Sei wieder X ein topologischer Raum, I = [0,1] das Einheitsintervall und {v,w} der topologische Raum mit zwei Punkten und der diskreten Topologie. Die Teilmenge
des Produktes
sei gegeben durch
. Die Abbildung
sei definiert durch f(x) = v für
und f(x) = w für
. Durch das Zusammenkleben von
mit {v,w} vermöge f entsteht die Einhängung S(X)von X. 
- Die Einhängung ist sozusagen ein doppelter Kegel, der "obere" Rand
wird auf den Punkt v, und der "untere" Rand
auf den Punkt w geklebt.
- Sei wieder X ein topologischer Raum, I = [0,1] das Einheitsintervall und {v,w} der topologische Raum mit zwei Punkten und der diskreten Topologie. Die Teilmenge
- Die folgenden Räume werden jeweils aus einem Quadrat durch Verkleben der Seiten zusammengebastelt. Dazu sei für die folgenden Beispiele das Quadrat durch den Raum
gegeben.
- Möbiusband:
- Dieser Raum entsteht, indem man zwei gegenüberliegende Kanten eines Quadrats "verkehrt herum" zusammenklebt.

- Die Teilmenge
sei gegeben durch
, also die "obere" und die "untere" Kante des Quadrats. Weiter sei I = [ − 1,1] das Intervall von -1 bis 1, und die Abbildung
sei gegeben durch
.- Der durch Verkleben vermöge f enstandene Raum
ist das Möbiusband.
- In den nächsten Beispielen ist die Teilmenge
, der Rand des Quadrates, gegeben durch
.
- Sphäre:
- Die 2-Sphäre erhält man durch Verkleben des ganzen Randes des Quadrats auf einen Punkt.

- Sei Y = {v} mit der diskreten Topologie. Die Abbildung
sei gegeben durch f(x,y) = v für alle
. Der durch Verkleben vermöge f enstandene Raum
ist homöomorph zur 2-Sphäre
. - Einen Homöomorphismus kann man wie folgt konstruieren. Zunächst ist das Quadrat homöomorph zur Kreisscheibe
vermöge der Abbildung
.- Die Umkehrabbildung ist gegeben durch
.- Anstelle des Quadrates kann man also genauso gut die Kreisscheibe
vermöge der Abbildung
zu dem Raum
zusammenkleben. Wir betrachten nun die Scheibe
in Polarkoordinaten. Dazu sei für jeden Punkt des
r der Abstand vom Nullpunkt und φ der Winkel von r gegenüber der x-Achse. Dann läßt sich jeder Punkt des
in den Koordinaten (r,φ) darstellen mit
und
. Die Punkte der Scheibe
sind dann gegeben durch die Punkte (r,φ) mit
und
. - Für einen festen Winkel φ kann man den Radius bijektiv auf einen Halbkreis abbilden durch
, wobei
und
. Setzt man dies für alle Winkel zu einer Abbildung in den
zusammen, so erhält man durch 
- eine stetige Abbildung
, die den Mittelpunkt (0,0) von
auf den Südpol (0,0, − 1) und den Rand
auf den Nordpol (0,0,1) abbildet. Dabei ist h nach Konstruktion bijektiv auf
. Der Abbildung
entspricht nun eine Abbildung
mit h'(v) = (0,0,1) und h'([z]) = h(z) sonst. Diese Abbildung ist wohldefiniert, denn für
besteht die Äquivalenzklasse [z] nur aus dem Punkt z, und für
besteht [z] zwar aus der Menge
, aber diese Menge wird auf den Nordpol (0,0,1) abgebildet. Da h auf dem Inneren der Scheibe bijektiv ist, folgt, daß h' bijektiv ist. Die Stetigkeit von h' folgt aus der Definition der Quotiententopologie. Die Existenz einer stetigen Umkehrabbildung sei dem Leser als Übung überlassen. 
- In den nächsten zwei Beispielen wird der Rand des Quadrates auf die Figur 8, das sind zwei an einem Punkt zusammenhängende Kreise, geklebt. Formal ist die Figur gegeben durch
.
- Torus:
- Kleinsche Flasche:
- Projektive Ebene:
- Der Vollständigkeit halber sei noch die projektive Ebene erwähnt, die man durch verdrehtes Verkleben der jeweils gegenüberliegenden Seiten von
erhält.
Weiter mit Trennungseigenschaften / Urysohn's Lemma
die Basis des Produktes.
sei die Äquivalenzrelation R gegeben durch

, ist dann der Quotientenraum
.
gegeben durch
.
.
.
durch Verkleben der beiden senkrechten Seiten von