Wikijunior Alte Zivilisationen/ Druckversion 1
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| Einleitung | Vorgeschichte |
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Vorgeschichte ist die Zeit, in der die Menschen noch keine Schrift kannten. Um herauszufinden, wie die Menschen in dieser Zeit lebten, und wie sich ihr Leben allmählich veränderte, untersuchen die Archäologen die Dinge, die sie gemacht haben, oder die Spuren, die sie in der Erde hinterlassen haben. Sie graben Spuren von Zelten und Häusern, Gräber, Werkzeuge, Abfälle und Reste von Nahrungsmitteln aus.
Die Vorgeschichte fängt vor etwa zweieinhalb Millionen Jahren an. Im warmen, fruchtbaren Afrika lebten die ersten Menschen. Ihre ersten Werkzeuge waren aus Stein. Anfangs fanden sie geeignete Steine im Geröll, später lernten sie Steine zu bearbeiten, deshalb nennt man diese Zeit die Steinzeit.
Ein gewaltiger Schritt voran in der Menschheitsentwicklung war vor ungefähr zwei Millionen Jahren die Beherrschung des Feuers. Die Beherrschung des Feuers ist einer der wesentlichsten Unterschiede zwischen Menschen und Tieren. Der Mensch nutzte das Feuer nicht nur, um sich zu wärmen. Das Licht verlängerte ihnen den Tag. Mit Hilfe von Feuer kann man Lebensmittel zubereiten, die einfacher zu kauen und leichter zu verdauen sind. Das Kochen vernichtete Krankheitserreger. Das Räuchern machte Fleisch haltbar. Das Licht des Feuers schützt zuverlässig vor wilden Tieren.
Allerdings konnten unsere Vorfahren das Feuer anfangs noch nicht entzünden. Sie mussten auf einen Blitzschlag, Wald- oder Steppenbrand hoffen. Das Feuer der Sippe wurde Tag und Nacht unterhalten, über Generationen hinweg. Das Feuer lehrte die Menschen Disziplin. Stell dir vor, der Verantwortliche schläft ein und das Feuer erlischt! Was für eine Katastrophe! Wie lange muss man wohl durchschnittlich warten, bis ein Blitz in der Nähe ein Feuer entzündet? Den „Nachbarn“ um Feuer bitten ging nicht, denn eine andere Sippe zu finden war kaum möglich. Die Welt war nur sehr dünn bevölkert. Bei tiefen Temperaturen entscheidet der Besitz von Feuer über Leben und Tod. Die Besiedelung der kühleren nördlichen Gebiete der Erde wäre ohne das Feuer nicht möglich gewesen.
Mit Hilfe des Feuers erzeugten die Urmenschen vor 30.000 Jahren neue Materialien. Sie rösteten Farbmineralien und bemalten mit den gewonnenen Rottönen ihre Höhlen, das Feuer leuchtete ihnen dabei. Die Menschen lernten Keramik herzustellen und schufen damit erstmals in großem Stil ein künstliches Produkt. Später fanden die Menschen heraus, wie man das Feuer nutzen kann, um Metall zu bearbeiten, und sie stellten Werkzeuge und Waffen aus Bronze her. Die Herstellung von Bronze veränderte das Leben der Urmenschen derart stark, dass man seitdem von der Bronzezeit spricht. Später verhalfen wiederum Eisen und Glas - ebenfalls Kinder des Feuers - zu weiterem Fortschritt.
Die ersten Menschen jagten wilde Tiere und sammelten essbare Samen, Wurzeln und Früchte. Später fanden sie heraus, wie man wilde Tiere zähmen und Gräser anpflanzen kann. Einen Acker abzuernten oder eine Herde zu hüten und bei Bedarf ein Tier zu schlachten, ist natürlich zuverlässiger und weniger gefährlich, als wilde Tiere zu jagen. Mit der Erfindung von Ackerbau und Viehzucht wurden die Menschen sesshaft, sie bauten feste Häuser und brauchten nicht mehr den Beutetieren hinterher ziehen. Die ersten Getreidefelder entstanden vor ungefähr 10 000 Jahren in Syrien, Palästina und Israel. Auch in anderen Weltgegenden fand man unabhängig davon heraus, wie man wilde Pflanzen gezielt anbauen und durch Züchtung allmählich verbessern kann. So wurde in Mexiko der Mais, in Südamerika Kartoffeln und Maniok, in China Hirse, Weizen und Reis, in Westafrika Sorghum, in Neuguinea Yams und Süsskartoffeln angebaut.
Über die Vorgeschichte wissen wir sehr wenig. Aus gefundenen Steinen und Knochen ist es schwer zu ermitteln, wie unsere Vorfahren lebten. Mit der Erfindung der Schrift wurde es anders. Durch eine Flut von Briefen, Verträgen, Lieferscheinen, Abrechnungen und vielen anderen Schriftstücken (bzw. Tontafeln) haben wir unvergleichlich genauere Kenntnisse gewonnen. Deshalb gilt das Aufkommen der Schrift als Trennlinie zwischen Vorgeschichte und Altertum.
Die Vorgeschichte endet mit den ersten Überlieferungen, die aufgeschrieben wurden. Das ist von Gegend zu Gegend unterschiedlich. In Ägypten endet sie ungefähr 3.500 Jahre vor Christus mit der Erfindung der Hieroglyphenschrift. In Deutschland endete die Vorgeschichte mit der Besetzung durch die Römer 15 v. Chr. und anderswo noch später. Ab diesem Zeitpunkt reden die Historiker von „Geschichte“.
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| Einleitung | Archäologie |
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Das Wort Archäologie ist aus den griechischen Wörtern für alt (archaios) und Wissenschaft zusammengesetzt, also Wissenschaft vom Alten. Die moderne Archäologie untersucht Werkzeuge, Wohnstätten, Gräber und Waffen.
Durch Wind und Sturm werden ständig Sand, Erde und manchmal auch Vulkanasche rund um die Erde verteilt und setzt sich in Tälern ab. So versinkt in manchen Gegenden allmählich alles, was auf dem Boden liegt, immer tiefer im Staub (das geht dir in den Ecken des Kinderzimmers sicher ebenso). In zehntausend Jahren kommen da an manchen Orten mehrere Meter zusammen. Auf dem Grund von Seen lagern sich abgestorbene Pflanzen und Tiere ab und werden zugedeckt von Ablagerungen, welche von den Flüssen mitgebracht werden. Geologische Vorgänge heben Seen hoch und falten sie zu Gebirgen, während andere Gegenden im Meer versinken. Dadurch können die Archäologen an vielen Stellen der Erde Entdeckungen machen. Leider wird auch Erde abgetragen und durchmischt, zum Beispiel durch den Pflug. Daher findet man oft nur noch solche Dinge, die besonders tief im Erdboden vergraben sind.
Wie finden die Archäologien die Stellen, wo es sich lohnt zu graben?
Es werden Fotos aus der Luft oder dem Weltraum untersucht und Einwohner befragt. Manchmal wird mit einem Spezial-Röntgenapparat der Erdboden durchleuchtet. Viele Funde werden durch Bauarbeiten gemacht. Wenn ein Haus oder eine Strasse gebaut wird und man die oberste Erdschicht entfernt, kommen oft alte Scherben, Knochen und Steinwerkzeuge zu Tage. Das ist ein Zeichen, dass hier einmal Menschen gelebt haben und vielleicht hier Häuser gebaut oder ihrer Toten begraben haben. Dann graben die Archäologen diese Stelle aus, damit sie nicht zerstört wird. In der vorgeschichtlichen Zeit kannten die Menschen noch keine Schrift, deshalb sind diese Funde das einzige, mit dem wir etwas über diese ferne Vergangenheit herausfinden können.
Je nach dem, wieviel Zeit und Geld sie haben und wie gut die Funde erhalten sind, tragen die Archäologen den Boden mit Bagger, Spaten, Schaufel und Kelle ab, bis die Funde freigelegt sind. An kritischen Stellen wird mit Teelöffel und Pinsel weitergearbeitet, damit man die Funde nicht mit groben Werkzeugen beschädigt. Archäologen sind bewundernswürdig ausdauernd - hättest auch du die Geduld, eine Baugrube mit einem Löffelchen auszuschachten?
Jedes Fundstück wird nummeriert, gezeichnet, vermessen und beschrieben. Erst dann nimmt man es von der Stelle weg, an der es gefunden wurde. Oft ist nicht der Fund als solcher wichtig, sondern wo er gelegen hat. So können die Archäologen zum Beispiel feststellen, wo die Menschen gearbeitet haben, woraus ihr Abfall besteht und wohin sie ihn brachten, und wer welche Dinge aß. Nicht alles hat sich über die Jahrtausende erhalten, Fleisch, Stoff und Haare vergehen sehr schnell. Aber wenn man z.B. ein Grab ganz genau ausgräbt, kann man aus der Lage von Schmuck und Gürtelschnallen oder Nadeln aus Metall schließen, wie die Kleidung aussah, und wie reich der Tote war. Wenn die Menschen der Vorzeit Löcher in den Boden gegraben haben, zeichnen sie sich oft als dunkle Stellen ab. Von den Häusern, die aus Holz gebaut waren, sind oft nur noch die Pfostenlöcher übrig. Aber aus ihrer Anordnung kann man den Plan eines Hauses und des ganzen Dorfes ablesen. Die Scherben versucht man zu Gefäßen zusammenzusetzen, und die Knochenstücke zu Skeletten. Die Archäologen analysieren die Asche einer Feuerstelle, die Pollen von jahrtausendealten Pflanzen und die Fasern der Bekleidung. Wichtige Funde werden in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht, und die Fachleute der Welt diskutieren darüber, manchmal jahrzehntelang und länger, bis sie sich einigermaßen einig sind. Dann erst finden ihre Erkenntnisse den Weg in die Geschichtsbücher der Schulen.
Seit mehr als 300 Jahren werden archäologische Funde systematisch gesammelt. Einige interessante Funde werden in Museen ausgestellt. Viel, viel mehr aber liegt in den Archiven der Museen. Die Funde wurden in der Vergangenheit schon untersucht. Es gibt aber immer neue, modernere Untersuchungsmethoden. Heute können die Wissenschaftler Röntgenapparaten und Computertomographen verwenden, um beispielsweise Mumien zu untersuchen. Gerichtsmedizinern untersuchen die Skelette und führen genetische Vergleiche durch.
1991 wurde die Gletschermumie „Ötzi“ gefunden - vielleicht hast du davon gehört. Im Eis blieb sie vergleichsweise gut erhalten. Ihre Untersuchung ist bis heute noch nicht abgeschlossen.
Sicher hast du schon mal an einem Puzzle gesessen. Die Archäologie ist ein unvollständiges Puzzle aus Millionen Teilen, an dem tausende Wissenschaftler aus der ganzen Welt gemeinsam arbeiten. Immer wieder können sie ein weiteres Stück vom Puzzle unserer Vergangenheit fertigstellen, und dadurch erfahren wir heute immer mehr über unsere fernen Vorfahren. Aber die meisten Puzzleteile fehlen leider, und auf jeder Baustelle, auf der Funde ohne Ausgrabung zerstört werden, geht ein weiteres Puzzlestück verloren.
Wie schön wäre es, wenn unsere Vorfahren vor hunderttausend Jahren sich die Zeit genommen hätten, in deutlich lesebaren Buchstaben über ihr Leben zu erzählen, möglichst in gut verständlichem Deutsch! Konnten sie aber leider nicht: Die Sprache war noch im Entstehen, die Schrift noch nicht erfunden. Alles wichtige wurde mündlich überliefert, oder vielleicht gezeichnet. Einige wenige dieser Zeichnungen haben an Höhlenwänden die Zeit überdauert.
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| Einleitung | Der Beginn der Zivilisation |
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Feste Siedlungen
Unsere Vorfahren lernten, Getreide und andere Feldfrüchte anzubauen, und wurden sesshaft. Die Getreidekörner waren hervorragend lagerfähig, und die Menschen legten Getreidespeicher in ihren Siedlungen an. So konnten sie eine schlechte Ernte überleben. Es konnten mehr Menschen ernährt werden als mit Jagen und Sammeln. Vor allem konnten sich einige Menschen auf Handwerksarbeiten spezialisieren, die von den anderen miternährt wurden.
Der nächste große Schritt war die Tierzucht. Feldbau und Tierzucht ergänzten sich prächtig: Nach der Ernte konnten die Haustiere die Stoppeln abfressen und düngten dabei die Felder. In der Zeit vor der nächsten Ernte konnten Tiere geschlachtet werden.
Die Bevölkerung wuchs, die Orte wurden größer, neue Orte wurden gegründet. Die Entfernungen zwischen den Orten verringerten sich, und die Bewohner benachbarter Orte trafen sich häufiger und tauschten ihre Waren und Erfahrungen aus.
Die Wildtiere reichten zur Ernährung der gewachsenen Bevölkerung nicht mehr aus. Die Ernte musste gelagert werden, damit man jeden Tag bis zur nächsten Ernte zu essen hatte. Die Lagerung war schwierig: Wenn man nicht aufpasste, verdarb die Ernte oder wurde von Mäusen gefressen. Auch das Saatgut musste sicher aufbewahrt werden. Am besten gelang die Lagerung in Tongefäßen.
Arbeitsteilung
Um die gesamte Ernte zu lagern, brauchte man viele Behälter. Durch die große Nachfrage spezialisierten sich einige Bewohner zu Töpfern. Vor 5000 Jahren wurde die Töpferscheibe erfunden. Weil für die Feldarbeit Werkzeuge gebraucht wurden (Pflug, Spaten, Siebe und vieles andere), entstanden weitere Handwerksberufe. Ein Handwerker, der Tag für Tag das gleiche Erzeugnis herstellt und dabei darüber nachdenkt, wie man die Herstellung verbessert, wird bald zum Meister. Das erworbene Wissen wurde an die Söhne weitergegeben, denn Berufsschulen gab es noch nicht.
Wenn die Erzeugnisse sehr gut waren, wurden sie auch in benachbarten Orten verkauft. Händler zogen von Ort zu Ort und tauschten nützliche Waren und Informationen. Je weiter sie zogen, desto interessanter und fremdartiger wurden die Waren. So entstand der Fernhandel.
Könige und Krieger
In der Urzeit war die Erde nur sehr dünn besiedelt, und die Menschen verschiedener Stämme begegneten sich äußerst selten. Fremde wurden oft als Konkurrenten im Jagdrevier angesehen und bekämpft. Wenn die feindliche Gruppe die größere war, gab man Fersengeld.
Fliehen ging jetzt nicht mehr. Ackerbauer und Viehzüchter konnten Felder, Vorräte und Saatgut nicht mitnehmen, wenn Gefahr drohte. Andererseits waren die Vorratslager und die Herden ein äußerst lohnendes Ziel für Räuber: Eine schlecht bewachte Herde zu stehlen, bedeutete Nahrung für viele Wochen und war einfacher, als einem einzelnen Beutetier hinterherzujagen. Um sich gegen umherziehende Räuber zu verteidigen, mussten die Sesshaften sich zusammenschließen und die Verteidigung organisieren. Die Handwerker fertigten Waffen an, Befestigungen wurden gebaut, Stadtmauern entstanden. Mit den Nachbarn wurden Bündnisse geschlossen. Der Beruf des Soldaten entstand: Die Soldaten bewachten die Stadt und übten in Kampfspielen für den Ernstfall.
Damit entstand ein Problem: Alle anderen Bewohner der Stadt produzierten Nahrungsmittel oder andere nützliche Waren, die sie untereinander gegen alles Lebensnotwendige tauschten, was sie nicht selbst herstellen konnten. Die Krieger jedoch produzierten nichts außer Waffenlärm. Welchen Tauschwert hat Sicherheit? Die Bewaffnung war auch nicht billig. Deshalb wurden Steuern notwendig: Jeder gab einen Teil seiner Erzeugnisse, um die Verteidigung, den Bau der Stadtmauer und andere gemeinsame Aufgaben zu ermöglichen. Natürlich musste genau aufgeschrieben werden, wer seine Steuer schon vollständig bezahlt hatte und wer noch auf die Ernte wartete, um seinen Beitrag zu leisten.
Zu vorgeschichtlichen Zeiten traf der Stammeshäupling viele Entscheidungen, bei besonders wichtigen Fragen wurde ein Rat einberufen. Durch die zunehmende Zahl von Bewohnern und der Zahl zu regelnder Angelegenheiten wurde die Verwaltung immer aufwändiger. So begann auch bei der Verwaltung eine Arbeitsteilung: Einige Bewohner, die Vorläufer der heutigen Beamten, kümmerten sich im Auftrag der Bewohner um die Verwaltung und die Verteidigung der Stadt. Einer von ihnen, der König, hatte in allen Entscheidungen das letzte Wort. Meist war es üblich, dass das Amt des Königs vererbt wurde. Das war nicht unpraktisch: Der erste Sohn des Königs konnte von seinem Vater lernen und sich während seiner gesamten Jugend auf seine zukünftigen Aufgaben vorbereiten, es war gewissermaßen eine Berufsausbildung zum König. Wenn er dann zum König wurde, war er über alles Wichtige gut informiert. Dadurch waren seine Entscheidungen fachkundig und meist klug, und sie wurden respektiert und dokumentiert.
Entstehung und Notwendigkeit der Schrift
Außer den Steuern musste noch mehr aufgeschrieben werden. Wenn früher die Jäger ein erlegtes Wild brachten, wussten sie genau, wer den größten Anteil am Jagderfolg hatte und das größte Stück bekam. Von der Aussaat bis zur Ernte vergingen jedoch Monate. Man musste irgendwie notieren, wer wie viel beigetragen hatte, damit es bei der Verteilung der Ernte keinen Streit gab.
Als die Menschen lernten, ihre Felder zu bewässern, wurden mehrere Ernten im Jahr möglich. Wasser war ein kostbares Gut (und ist es auch heute noch) und musste gerecht verteilt werden.
Dadurch wurden immer mehr Vereinbarungen für das Zusammenleben notwendig. Das ging nicht ohne Schrift, um die vereinbarten Regelungen dauerhaft zu fixieren. Jeder konnte sich von einem Schreiber vorlesen lassen, was er zu beachten hatte. Wechselte der Herrscher, musste er meist schwören, die von seinem Vorgänger erlassenen Gesetze einzuhalten. Dadurch wurden Entscheidungen weniger willkürlich und die Einwohner fühlen sich sicherer in ihrer Stadt.
Es kam auch zunehmend zu Vereinbarungen und militärischen Bündnissen mit den Nachbarorten. Dafür war die Schrift besonders notwendig:
- Absprachen, Mitteilungen und Verträge wurden oft durch Boten überbracht - der König einer Stadt konnte die Stadt nicht während einer Reise unregiert lassen. Andererseits war es enorm wichtig,
- dass jedes Wort der Mitteilungen unverändert überbracht wurde und
- dass die Mitteilung vom richtigen Absender stammte. Daher wurden Dokumente gesiegelt.
- Wenn der Herrscher einer Stadt wechselte, sollte der Nachfolger nicht sagen können: „Ich war beim Abschluss der alten Verträge nicht dabei und weiß von nichts.“ Die Niederschrift der Verträge sorgte für Rechtssicherheit und stabile Beziehungen. Oft enthielten die Verträge solche Sätze wie: „Dieser Vertrag gilt für alle Zeiten“, und „Wir schwören bei unseren Göttern, dass auch unsere Söhne und Enkel diesen Vertrag einhalten werden“.
Zivilisten
Als Zivilisten bezeichnet man Menschen, die nicht zum Militär, zur Polizei oder zu anderen bewaffneten Organisationen gehören - kurz: unbewaffnete Menschen.
Die Bewohner der Stadt wurden durch Regeln und Gesetze geschützt. Wer dagegen verstieß, wurde von den Bewaffneten des Königs (der Palastwache) vor Gericht gebracht. Die Strafen waren damals hart: Ohren abschneiden, einem Dieb die Hand abhacken oder einem Mörder den Kopf abhacken waren übliche Strafen. Man konnte auch in den Kerker geworfen werden und dort verhungern. Jeder kannte diese Strafen. Verurteilungen „auf Bewährung“ gab es nicht. Durch die abschreckende Wirkung dieser harten Strafen wurden schlimme Vergehen selten. Die Bewohner, von Gesetzen und Bewaffneten geschützt, konnten sich sicher fühlen. Sie brauchten vor dem Schlafengehen keinen Dolch unter dem Kopfkissen und kein Schwert neben dem Bett bereitzulegen, und sie konnten das Haus ohne Rüstung und Schwert verlassen.
Zivilisation beginnt also dann, wenn normale Menschen das Haus verlassen können, ohne eine Waffe mitzunehmen („in Zivil“), und wenn sie Meinungsverschiedenheiten und Streit ohne Gewalt beilegen („zivilisiert“).
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| Alter Orient | Übersicht Alter Orient |
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Das Klima im Nahen Osten ist das ganze Jahr über warm genug für urzeitliche Menschen. Der größte Teil des Landes ist allerdings entweder von unwegsamen Gebirgen bedeckt oder viel zu trocken. Pflanzen und Tiere gedeihen nur dort, wo Wasser ist: Am Ufer von Flüssen und an der Mittelmeerküste, wo die Wolken an den Berghängen abregnen. Es gibt vier Zonen, in denen sich Zivilisationen unabhängig voneinander entwickelt haben:
- Im Westen das Zweistromland mit den Sumerern, Akkadern, Babyloniern und den Assyrern.
- Am Nordrand des Gebietes, in Anatolien, die Hethiter
- An der östlichen Mittelmeerküste die Hebräer, die Araber und die Phönizier
- Im Niltal die Ägypter
Diese Regionen bezeichnet man auch als den „fruchtbaren Halbmond“.
In diesem Gebiet trafen die Verkehrswege dreier Kontinente zusammen: Asien, Südeuropa und Ostafrika. Daraus entstand ein reger Austausch von Waren und Technologien. Die Menschen tauschten nicht nur ihre Erzeugnisse, sondern lernten auch voneinander. Auch religiöse und kulturelle Einflüsse trafen zusammen. Darum entwickelten sich die ersten Hochkulturen in dieser Region.
Mesopotamien, das Zweistromland
Geographie und Landwirtschaft
Das Land ist von Gebirgen und im Südosten vom Meer begrenzt. Sieht man nach Westen, kommt erst eine Wüste und dahinter das Libanon-Gebirge. Die Wolken vom Mittelmeer kommen nur selten bis ins Tal. Im Osten sieht man das Zagros-Gebirge, dahinter folgt das Kuhrud-Gebirge und die weiten Steppen und Wüsten Asiens. Aus dieser Richtung kommt ebenfalls kein Wasser. Fast das einzige Wasser kommt aus dem Norden, aus den Bergen Armeniens. Im Kaukasus entspringen die Flüsse Euphrat und Tigris. Sie werden von Regen- und Schmelzwasser gespeist. Im Gebirge nimmt die reißende Strömung Erde mit. Wenn die Flüsse die Ebene erreichen, fließen sie gemächlich dahin. Dabei setzt sich der mitgeführte Boden ab und bildet ein sehr fruchtbares Ackerland.
Der Euphrat ist der längere, westlichere Fluss. Er fließt fast am Rand der Wüste entlang, verliert dabei viel Wasser und erreicht nur mit Mühe das Meer. Der Tigris, der östlichere Fluss, beschreibt einen kürzeren Weg zum Meer. Er führt das ganze Jahr viel mehr Wasser und ist stellenweise 200 Meter breit.
Der Südosten
Chaldäa heißt der südöstliche Teil des Zweistromlandes. Wie man an dem gleichmäßigen Dunkelgrün der Landkarte sieht, ist Chaldäa völlig eben. Im Verlaufe von Jahrtausenden haben die Flüsse so viel SchwemmlandErde abgelagert, dass die Unebenheiten gleichmäßig ausgefüllt sind. Im Frühjahr, wenn in den Bergen der Schnee schmilzt, brachten die Überschwemmungen neuen Boden. Bald danach war der Boden wieder knochentrocken - kein Wunder bei sommerlichen 40 Grad im Schatten, wenn acht Monate kein Tropfen Regen fällt. Reichlich bewässert wurde aber das Land so außergewöhnlich fruchtbar, dass Chaldäa wahrscheinlich das Vorbild für den biblischen „Garten Eden“ abgab.
Auf den Feldern wuchsen Hirse, Linsen und Sesam. In den Gärten wuchsen Obstbäume, sonst wuchsen vor allem Palmen. Datteln, die Früchte der Palmen, wurden vielseitig verarbeitet: zu Brot, Wein, Essig und Zucker. Die Stämme wurden als Bauholz verwendet. Die Flußwiesen ernährten Rinder, Schafe, Gänse und Enten.
Der Nordwesten
Auf der Karte sieht man an der „gesprenkelten“ Farbe, dass der Nordwesten Mesopotamiens weniger eben ist. Aber auch dort ist das Land sehr fruchtbar und bringt bei Bewässerung hervorragende Erträge.
Kultur und Politik
Fast die gesamte Fläche der arabischen Halbinsel ist Wüste.
Die regelmäßigen Niederschläge in der Küstenregion des Mittelmeeres ermöglichen seit Jahrtausenden den Getreideanbau. In Mesopotamien gibt es nur im Winter einige Niederschläge, den größten Teil des Jahres ist es trocken. Erst nach Erfindung der Bewässerung wurde die Region bewohnbar, und etwa 5000 v. Chr. siedelten die ersten Bewohner, die wahrscheinlich aus der Küstenregion des Mittelmeeres kamen. Verstreute Siedlungen wuchsen zu Städten heran. Die Städte wurden von Priesterkönigen regiert. Aus den frühen Jahrtausenden ist sehr wenig erhalten geblieben. Der Grundwasserstand ist hoch, und Schrifttafeln aus Ton lösen sich auf. Lediglich einige Inschriften auf Stein sind gefunden worden. Hunderte Generationen von Königen haben sich abgelöst, von denen wir nicht mal die Namen wissen.
Durch immer erfolgreichere Bewässerung entstanden große Agrarüberschüsse. Es wurde möglich, einen Teil der Bevölkerung aus der Landwirtschaft herauszulösen und zum Bau von weiteren Bewässerungssystemen, Tempeln und Großbauten einzusetzen. Viertausend Jahre v. Chr. gab es Städte mit zehntausend Einwohnern.
Für die Verwaltung wurde eine Schriftsprache benötigt. Zunächst war die Schrift eine Bilderschrift (ideographisch). Das Zeichnen von Bildern erfordert viel Zeit. Durch allmähliche Vereinfachungen wurden Bildzeichen zu Symbolen.
Gelegentlich unterwarf ein König einige Nachbarstädte, aber ein größeres Reich entstand nicht.
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Die Regionen im Osten des Mittelmeeres
Geographie und Landwirtschaft
Zwischen dem Zweistromland und dem Mittelmeer liegen Gebirge und Wüsten. Daher entwickelten sich die Regionen relativ unabhängig voneinander.
Politik
| Zeitraum | Ereignisse |
|---|---|
| 30. bis 12. Jahrhundert | Großreich der Hethiter |
| 1274 v. Chr. | Schlacht bei Kadesch endet unentschieden, weshalb Pharao Ramses II. und der Hethiter-König Hattusili III den ältesten bekannten Friedensvertrag der Welt schließen. |
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| Alter Orient | Sumerer |
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Etwa 4000 Jahre vor Christus lebten die Stämme der Ubaidier im Südwesten von Chaldäa, in der Region am Persischen Golf. Die Urbevölkerung wuchs mit Ankömmlingen aus den arabischen und syrischen Wüsten zum Volk der Sumerer zusammen.
Chaldäa wird heute Mesopotamien oder "Zweistromland" genannt, weil es zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris liegt. Heute gehört das Zweistromland zu den Staaten Irak, Iran und Syrien.
Ohne die Flüsse wäre das Gebiet eine Halbwüste. Die Flüsse sind die einzige Wasserquelle. Die Schneeschmelze im Kaukasus führt im Frühjahr zu Hochwasser in Euphrat und Tigris, den Rest des Jahres herrscht Trockenheit. Die Menschen in diesem Gebiet lernten, das Überschwemmungswasser zu speichern und die Felder mit Kanälen zu bewässern. Wasserwächter sorgten für die Bevorratung und Verteilung. Ausreichend Wasser machte das Land außergewöhnlich fruchtbar. Von den üppigen Ernten konnten Reserven zurückgelegt werden. Tongefäße waren gut geeignet, um die Vorräte vor Feuchtigkeit und Nagern zu schützen. Die Erfindung der Töpferscheibe ermöglichte die erste Massenproduktion der Geschichte.
Die Händler mussten ihre Gefäße kennzeichnen und Lieferlisten erstellen. Dafür benutzten sie anfangs Bilder, die sie in den feuchten Ton ritzten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde diese Bilderschrift vereinfacht und stilisiert, um schneller schreiben zu können. So entstand die Keilschrift. Die Keilschrift wurde auch für andere Aufzeichnungen verwendet. Das erste literarische Werk der Geschichte ist das Gilgamesch-Epos, eine Sammlung von sumerischen Legenden, niedergeschrieben in Keilschrift auf Tontafeln und vor etwa 130 Jahren gefunden und übersetzt.
Es entstanden die ersten Zivilisationen, Siedlungen und Städte. Zu Anfang waren diese Städte unabhängig und jede Stadt stellte einen eigenen Staat dar. Die größten unter ihnen hießen Uruk, Eridu, Kisch, Lagasch, Ur und Nippur. Uruk, das biblische Erech, war die allergrößte unter den Städten. Unter König Gilgamesch wurde sie zur ersten Weltmetropole. Die Stadtmauer war damals ein Weltwunder: Sie war 11 km lang, 9 Meter hoch und alle 100 Meter befand sich ein Wachturm. Die Mauer schützte ein Stadtgebiet von fünfeinhalb Quadratkilometern, das ist die dreifache Fläche von Monaco! Reste der Mauer sind heute noch zu finden, nach 5000 Jahren! Mit Magnetfelduntersuchungen haben Archäologen herausgefunden, dass die Stadt von einem Kanal umgeben und von Kanälen durchzogen war - ein „Venedig in der Wüste“. Möglicherweise fuhren sogar Schiffe durch die Stadt.
Wie sahen ihre Gebäude aus?
Die Sumerer haben die Ziegelsteine erfunden und massenhaft hergestellt. Einfache Häuser wurden aus Lehmziegeln errichtet. Das ist kein besonders haltbares Baumaterial. Durch Beimengung von Stroh wurden die Lehmziegel haltbarer. Gebrannte Ziegel waren selten. Vermutlich war Mangel an Brennmaterial die Ursache, denn Wälder gab es in der Region nicht. Auch als Baumaterial wurde Holz nur selten verwendet. In aufgefundenen Mietverträgen wurden Treppen, Türen, Türschwellen und andere Holzteile als Sonderausstattung extra aufgezählt.
Bei starkem Regen löste sich ein Teil des Lehms und verteilte sich in der Umgebung. Deshalb mussten die Gebäude immer wieder repariert oder neu aufgebaut werden. In den Ruinen der Stadt Uruk haben die Archäologen einen Tempel gefunden, welcher dem Hauptgott Anu geweiht war. Dieser Tempel wurde 18 mal wiederaufgebaut! So wuchsen in Jahrtausenden Hügel unter den Städten. Angesichts der häufigen Überschwemmungen war das nicht unpraktisch, sich auf einem Hügel zu befinden. Heute sind die Städte zu Lehmhügeln zerfallen, die Ebenen am Euphrat sind voll davon.
Die berühmtesten sumerischen Gebäude waren die Zikkurate. Zikkurate waren hohe Tempelanlagen, die auf einem quadratischen Podest aus Lehmziegeln errichtet wurden. Auf diesem großen Podest wurden immer kleinere errichtet, bis eine stufenförmige Pyramide entstand. Solche Tempelanlagen gab es in jeder größeren Ansiedlung. Wahrscheinlich hatten sie nicht nur religiöse, sondern auch astronomische Bedeutung. Die Diagonale des Grundrisses stimmte genau mit der Nord-Süd-Richtung überein.
Handwerke und Berufe
Durch Texte und Ausgrabungen wurden folgende Handwerke und Berufe identifiziert: Bäcker, Metzger, Bierbrauer, Köche, Fischer, Korbmacher, Töpfer, Steinschneider, Bildhauer, Tischler, Wagenmacher, Schiffbauer, Seeleute, Schneider, Friseure, Ärzte, Lehrer, Schreiber, Baumeister, Priester, Verwalter, Aufseher. Es gab Wasserärzte, Ölärzte und Hebammen. Darüber hinaus gab es Führungsberufe wie Offiziere, Bürgermeister, Botschafter, Tempelverwalter, Leiter von Bibliotheken und Schulen.
Was wissen wir über das alltägliche Leben?
Das Land war fruchtbar wie der sprichwörtliche „Garten Eden“. Viele Sumerer waren Bauern. Das wichtigste Getreide war Gerste. Sie ernteten Datteln, Graupen, Honig, Sesamöl. Kirschen, Aprikosen, Zwiebeln, Linsen, Bohnen, Gurken und Kohl kamen regelmäßig auf den Tisch. Die Sumerer stellten gesäuertes und ungesäuertes Brot her. Aus Milch wurde Butter, Sahne, Joghurt und Käse gewonnen. Eiweiß lieferten Eier und Käse, Gänse, Enten, Hühner sowie Heuschrecken. Hammel und Schweine wurden in großen Herden gezüchtet. Seltener gab es Schlachtfleisch von Rindern, Eseln, Schafen und Ziegen. Hasen, Wildschweine, Wildziegen, Wildschafe, Antilopen, Gazellen und Hirsche wurden gejagt. Die Löwenjagd war Privileg der Könige. Der Fischfang wurde intensiv betrieben, wobei teilweise auch abgerichtete Pelikane verwendet wurden. Karpfen wurden exportiert.
Silber diente als Zahlungsmittel, wenn größere Beträge zu zahlen waren, wie beispielsweise die Steuern. Gerste, manchmal auch Milch, Datteln oder Öl dienten als Bezahlung für alltägliche Waren und Dienstleistungen: Der Wein in der Schenke, Fleisch und Stoffe auf dem Markt. Als Arbeitslohn für Landarbeiter, Handwerker oder die Amme wurde wohl meist Naturalienzahlung vertraglich vereinbart: Soundsoviel Gerste, Milch, Olivenöl und andere Waren für eine bestimmte Arbeitsdauer oder -leistung. Überhaupt wurden wohl sehr viele Vereinbarungen schriftlich abgeschlossen. Die aufgefundenen Keilschrifttafeln enthalten fast ausnahmslos Notizen über ganz gewöhnliche Alltagsgeschäfte.
Die Bekleidung
Bereits 3800 v.Chr. war die Webkunst bekannt. Den Sumerern war gutes Aussehen wichtig. Sumerische Männer trugen ihr Haar oft lang mit einem Mittelscheitel. Sie hatten in der Regel lange Bärte. Ihre Kleidung bestand aus langen Röcken und einem großen Schal, der über die linke Schulter geworfen wurde, ein Vorläufer der Toga. Der rechte Arm und die rechte Schulter blieben unbekleidet.
Die Sumererinnen trugen ebenfalls langes Haar. Die meisten Frauen flochten es zu einem langen Zopf, den sie sich dann um den Kopf wickelten. Die sumerischen Frauen kleideten sich ebenso wie die Männer in lange Schals, die den gesamten Körper bedeckten und nur den rechten Arm und die rechte Schulter frei ließen.
Wie sah ihre Schrift aus?
Die Sumerer waren das erste Volk, das eine Schrift entwickelte. Die ursprüngliche Schrift war eine Bilderschrift, die in senkrechten Spalten in Stein gemeißelt wurde. Später begann man, auf Tontafeln waagerecht zu schreiben und stilisierte die Schrift zu Keilschrift, um schneller schreiben zu können.
Die Sumerer erfanden auch den Vorläufer der Rollendruckmaschine: Ein „Rollsiegel“ war ein Zylinder aus Stein, in den eine Botschaft eingemeißelt war. Das Siegel wurde auf feuchtem Ton abgerollt. So entstanden genau reproduzierbare „Unterschriften“. Zur besseren Haltbarkeit konnten die Tontafeln gebrannt werden.
Die Sumerer verwendeten die Schrift für viele Zwecke: Religiöse Schriften, Ernteberichte, Kochrezepte, Gerichtsprotokolle, Verträge, Preislisten, Landvermessungen und anderes. Die Sumerer waren wahrscheinlich die ersten, die Geschichten aufschrieben. Es gab Bibliotheken, auch mit Lehrbüchern. Im Jahr 1872 wurden 12 Tontafeln mit Keilschrift gefunden, die das Gilgamesch-Epos enthielten. Es wurde etwa 2500 vor unserer Zeit geschrieben. Weil es die älteste bekannte Dichtung ist, gilt es als Grundstein der Literatur.
Lange Zeit glaubte man, die erste Gesetzessammlung der Welt wäre vom babylonischen König Hammurapi etwa 1900 vor Christus verfasst worden. Der Kodex von Lipit-Ischtar wurde etwa 1930 v.Chr. in eine Steintafel gehauen. Die 38 Gesetze handeln von Grundbesitz, Heirat und Erbschaft, Bootsmiete und Ochsenmiete, Steuervergehen, Sklaven und Dienern. Eins der Gesetze besagte, dass einem Chirurgen die Hand abgehackt wird, wenn er bei einer Schädeloperation versehentlich das Auge eines Patienten verletzte. Der Baumeister verlor das Leben, wenn ein von ihm gebautes Haus einstürzte und dabei den Hausherrn erschlug. Noch früher, um 2100 v. Chr. hatte Urnammu, Herrscher von Ur, Gesetze erlassen, unter anderem über „ehrliche und unveränderbare Maße und Gewichte“.
Die Rechtsprechung ist aber noch viel, viel älter. Etwa im Jahr 2355 v. Chr. war die Rechtsprechung derart „verkommen“, dass der König Urikagina es für notwendig hielt, sie zu reformieren. In einer langen Inschrift werden erst die Übel aufgezählt (Bestechlichkeit und Willkür der Beamten, Wucherpreise und Unterdrückung der Armen) und dann die Reformen genannt. Die Rechte der Armen, Blinden, Witwen, geschiedenen Frauen und Waisen wurden neu geregelt.
Woran glaubten sie?
Die Sumerer glaubten an viele verschiedene Götter. Der Hauptgott Anu (An) war der Himmelsgott, es gab noch einen Wassergott namens Enki, einen Luftgott namens Enlil, eine Erdgöttin namens Ki, eine Fruchtbarkeitsgöttin namens Inanna und viele weitere. Jede Stadt hatte ihren Stadtgott. Die Sumerer glaubten, dass die Könige von den Göttern ernannt worden sind. Hauptaufgabe der Könige war es, für Gerechtigkeit zu sorgen.
Sind einige von ihnen heute noch berühmt?
Der berühmteste Sumerer ist Gilgamesch, der sagenhafte König von Uruk. Wir kennen ihn aus dem Gilgamesch-Epos, einer Sammlung von sumerischen Legenden, die später auf Akkadisch übersetzt und aufgeschrieben wurde. Die Legenden erzählen von Gilgameschs Abenteuern, seiner Freundschaft mit Enkidu (einem wilden Mann, der von Tieren aufgezogen wurde) und seiner Reise, die er unternahm, um das Geheimnis der Unsterblichkeit zu entdecken.
Ein Kapitel dieses Epos handelt vom König Utnapishtim, der die Menschheit vor der großen Flut rettete. Es ist der biblischen Geschichte von Noahs Arche sehr ähnlich und lässt die Wissenschaftler vermuten, dass die Autoren der Bibel diese sumerische Geschichte kannten.
Was ist von ihnen geblieben?
Die Geschichte Sumers ging bis etwa 1800 vor Christus. Die Sumerer als Volk gibt es heute nicht mehr, aber sie haben uns viele wichtige Erfindungen hinterlassen. Sie haben die Keilschrift erfunden, welche 2000 Jahre lang in Westasien in Gebrauch war. Funde von Keilschrifttafeln haben den Forschern vom Beginn der Zivilisation erzählt.
Viertausend Jahre vor Christus entwickelten die Sumerer effektive Bewässerungssysteme für die Felder. Sie haben das Rad erfunden, Fahrzeuge gebaut und Ochsen und Pferde als Zugtiere benutzt. Sie haben die Töpferscheibe, gebrannten Ton und vieles im Bereich der Landwirtschaft erfunden, wie das Schöpfrad, landwirtschaftliche Geräte, das Backen und Bierbrauen. Die Metallurgie war hoch entwickelt, Erz wurde von weit her importiert. Als Brennstoff diente sowohl Holz als auch Teer und Öl, die aus den unterirdischen Lagerstätten nach oben drangen.
Ihre fortschrittliche, intensive Bewässerungstechnik legte gleichzeitig den Grundstein zum Niedergang Sumers (bzw. seiner Nachfolgestaaten): Wegen fortschreitender Versalzung des Bodens gingen die landwirtschaftlichen Erträge immer weiter zurück. Noch heute sind weite Landstriche nur bedingt nutzbar.
Die Sumerer waren die ersten, die astronomische Beobachtungen anstellten. Die Sumerer entwickelten das erste Stellenwert-Zahlensystem. Es beruhte auf der Zahl 60, weil diese Zahl sich leicht durch 2, 3, 4, 5, 6, 10, 12, 15, 20 und 30 teilen lässt. Auch heute noch teilen wir die Zeit in Stunden zu je 60 Minuten und Minuten zu je 60 Sekunden und den Kreis in 6 * 60 = 360 Grad.
Die Keilschrift - eine Erfindung der Sumerer
Die Keilschrift wird mit angespitzten Schilfhalmen geschrieben (Schilf ist eine Pflanze, die an Flussufern wächst). Diese Schilfhalme werden Stylus genannt. Drückte man sie in eine kleine Tafel aus ungebranntem Lehm, so entstanden keilförmige Linien, die an einem Ende dicker waren als am anderen. Aus diesem Grund wird die Schrift der Sumerer auch Keilschrift genannt. Es war eine Silbenschrift. So gab es ein Zeichen für "ba" bedeuten (wir brauchen zwei Zeichen, um diese Silbe zu schreiben!), ein anderes "bi", "bu", "ub", und so weiter. Außerdem gab es noch Zeichen für ganze Wörter. Ein Stern bedeutete zum Beispiel "Dingir", Gott. Um überhaupt schreiben zu können, musste man ungefähr 200 verschiedene Zeichen kennen, ein guter Schreiber beherrschte mehr als 500. Die meisten Leute konnten weder schreiben noch lesen, selbst Könige nicht. Nur die Schreiber konnten lesen und schreiben. Es war ein sehr angesehener Beruf. Die Ausbildung begann bereits im frühesten Kindesalter und dauerte viele Jahre.
Die Keilschrift war die erste bekannte Schrift der Menschheit. Viele Nachbarstaaten übernahmen die Keilschrift, um auf die gleiche Weise ihre eigene Sprache niederzuschreiben (z. B. die Akkader, Babylonier, Assyrer, Hethiter, Hurriter, Urartäer und Elamiter). Die Keilschrift wurde 2000 Jahre lang verwendet.
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| Alter Orient | Akkader |
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Wo lebten sie?
Die Akkader lebten in Mesopotamien, dem Zweistromland. Es heißt so, weil es von den beiden großen Flüssen Euphrat und Tigris beherrscht wird. Heute gehört Mesopotamien hauptsächlich zum Irak und zu Syrien. Die Hauptstadt der Akkader, Akkad, ist bis heute noch nicht gefunden worden. Man vermutet sie jedoch mittlerweile an einem Nebenfluss des Tigris in Ost-Mesopotamien.
In Akkad kam der berühmte König Sargon an die Macht. Er vereinte viele Stadtstaaten in Mesopotamien zu einem ersten großen Reich, das sich von der Mittelmeerküste im heutigen Syrien bis in den Iran hinein erstreckte. Der Handel, besonders der Seehandel, blühte auf.
Wie sahen ihre Gebäude aus?
Sie bauten viele Arten von Gebäuden, unter anderem große Tempel und Monumente. Ihre berühmtesten Bauwerke sind die Zikkurate, eine Art quadratische Stufenpyramiden. Das unterste Stockwerk ist am größten und jedes weitere Stockwerk etwas kleiner als das Stockwerk darunter.
Wie sah ihre Schrift aus?
Die Akkader benutzten die von den Sumerern erfundene Keilschrift.
Woran glaubten sie?
Die Akkader hatten ein kompliziertes System von Göttern. Ähnlich wie die Sumerer gab es neben den Hauptgöttern in jeder Stadt einen Stadtgott. Außerdem verehrten sie ihren Herrscher als Gott bzw. als Stellvertreter ihrer Götter.
Sind einige von ihnen heute noch berühmt?
Die Erinnerung an König Sargon blieb Jahrtausendelang bis in persische Zeit erhalten. Er wurde in Mesopotamien, Kleinasien und Umgebung als herausragender, gottähnlicher Herrscher der Frühzeit verehrt.
Was ist von ihnen geblieben?
Die Akkader waren ein semitisches Volk, dessen Nachkommen sich heute unter den Juden und Arabern finden.
Wann existierte diese Zivilisation?
Von 2340 bis 2125 vor Christi. Das akkadische Reich zerfiel durch innere Unruhen und durch eindringende Bergvölker wieder in seine Bestandteile, die ursprünglichen Stadtstaaten. In den Folgejahren entwickelten sich die sumerischen Stadtstaaten getrennt und konkurrierten stärker miteinander.
- neueseite
| Alter Orient | Babylon |
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Die Babylonier lebten auf dem Gebiet des heutigen Irak. Sie herrschten über einen Großteil des Gebietes zwischen Euphrat und Tigris, das als Zweistromland bezeichnet wird. Das Babylonische Reich war die letzte aus einer Reihe von Stadtstaaten (Zivilisationen, die auf der Macht einer einzelnen Stadt beruhen), die dieses Gebiet kontrollierten.
Die Stadt Babylon entstand im 24. Jahrhundert vor Christus am Ufer des Euphrat. Nach dem Niedergang des sumerischen Reiches wuchs die Bedeutung Babylons. Während der Regierungszeit des berühmten Königs Hammurabi (1792–1750 v. Chr.) wurde sie zur Hauptstadt des Babylonischen Reiches. Durch den Zerfall des sumerischen Reiches verlor sie an Bedeutung. Im 16. Jahrhundert v. Chr. war die Stadt wirtschaftlich und militärisch so heruntergewirtschaftet, dass sie von den damals noch unbedeutenden Hethitern unter Muršili I. (1531 v. Chr.) erobert werden konnte. Später herrschten die Kassiten und die Elamiter, bis Babylon im Jahr 1137 v. Chr. unter König Nebukadnezar I. von der Fremdherrschaft befreit wurde.
Babylon erreichte einen weiteren Höhepunkt seiner Macht im 6. Jahrhundert vor Christus. Aus dieser Zeit stammen Bauwerke wie das Ischtar-Tor und das Zikkurat von Etemenanki, aufgrund derer Babylon zu einer der schönsten Städte des Altertums zählt.
550 v. Chr. beging König Nabonid den Fehler, nicht mehr Marduk, sondern Sin, den Mondgott, als bevorzugte Gottheit des Königtums anzusehen. Den Bewohnern gefiel das nicht. 539 v. Chr. empfingen sie die persischen Truppen des Perserkönigs Kyros II., der sich zu Marduk bekannte, als Befreier. Die Perser waren tolerant, gaben den Städten ihre Götter wieder zurück und erlaubten den Juden, nach Jerusalem zurückzukehren. Viele Gelehrte aus Ägypten, Persien, Indien und Griechenland kamen, um ihr Wissen zu erweitern. Die Astronomen Babylons errechneten das Sonnenjahr und entwickelten im Jahre 410 das erste Horoskop.
Wie sahen ihre Gebäude aus?
Das Ischtar-Tor war eines der acht Stadttore Babylons. Es wurde zu Ehren der Göttin Ischtar errichtet und besteht aus blau glasierten Ziegeln, die mit Reliefbildern von Drachen und Stieren geschmückt sind. Das Dach und die Torflügel waren aus Zedernholz gefertigt. Durch das Tor führte eine Prozessionsstraße, die von Mauern begrenzt wurde. Diese Mauern waren mit glasierten Ziegeln bedeckt, welche Abbildungen von Löwen zeigen (insgesamt etwa 120). Während der alljährlichen Neujahrsfeier wurden auf der Prozessionsstraße Götterstatuen durch das Tor getragen.
Die Prozessionsstraße führte zum Zikkurat von Etemenanki. Das Zikkurat war ein siebenstöckiges Bauwerk und hatte eine Höhe von 91 Metern. Auf seiner Spitze befand sich der Tempel von Marduk. Möglicherweise handelt es sich dabei um das Urbild des biblischen Turm zu Babel.
Das Ischtar-Tor kann heute im Pergamonmuseum in Berlin besichtigt werden. Das Zikkurat von Etemenanki ist nur in Ruinen erhalten.
Was aßen sie?
Wie die übrigen Bewohner Mesopotamiens bauten auch sie auch Getreide an, wie Weizen und Gerste. Diese Körner lassen sich hervorragend lagern. In großen Getreidespeichern waren Vorräte angehäuft, mir denen die Babylonier auch eine Missernte überstehen konnten. Außerdem gab es noch viele saisonabhängige Nahrungsmittel: Melonen, Feigen, Pflaumen und andere.
Wie sah ihre Schrift aus?
Auch die Babylonier benutzten die Keilschrift, die in Sumer erfunden worden ist.
Woran glaubten sie?
Der Hauptgott der Babylonier war Marduk, Götterkönig und Stadtgott Babylons. Der Legende zufolge erlangte Marduk seine Macht über die anderen Götter durch den Kampf gegen die böse Chaosgöttin, ebenso wie Babylon durch seinen siegreichen Kampf gegen die übrigen Stadtstaaten zur Hauptstadt eines mächtiges Reiches wurde.
Sind einige von ihnen heute noch berühmt?
Der babylonische Herrscher Nebukadnezar wird sowohl in der Bibel (Heilige Schrift der Christen), als auch der Torah (Heilige Schrift der Juden) und im Koran (Heilige Schrift der Moslems) erwähnt.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts fanden Archäologen die Bibliothek des Königs Assurbanipal, der von 668 bis 626 v. Chr. in Ninive regierte. Unter den Tontafeln fand sich die Abschrift einer noch viel älteren Gesetzessammlung, die auf den babylonische König Hammurabi, der von 1720 bis 1750 v. Chr. in Babylon regierte. In den Folgejahren wurden in ganz Mesopotamien weitere Abschriften entdeckt. Im Jahr 1901 wurde eine steinerne Säule mit dem gleichen Text gefunden. Die Archäologien hielten diesen Text für die älteste Gesetzessammlung der Welt. Der bekannteste Grundsatz des Gesetzes lautete: Auge um Auge. Die 281 Paragraphen regelten die meisten Angelegenheiten des Lebens derart durchdacht und umfassend, dass sie mehr als tausend Jahre immer wieder abgeschrieben wurden. Später verbreiteten sich die Regeln dieses Codex in Asien und Europa und wurden zu einer der Grundlagen des modernen Rechtssystems. Bei weiteren Ausgrabungen wurden Gesetze entdeckt, die noch älter als die von Hammurabi sind.
Was ist heute noch von ihnen übrig?
Nach dem Tode Alexander des Großen verwüsteten Kriege der zerstrittenen Heerführer das gesamte Gebiet. Plünderung und Zerstörung sorgten für eine elende Hungersnot unter der Bevölkerung. Im 1. Jahrhundert v. Chr. übernahmen die Parther die Macht in Mesopotamien und beendeten die fast zweitausend jährige Existenz Babyloniens.
Die Ruinen Babylons gibt es immer noch, auch wenn die Stadt seit über 2000 Jahren verlassen ist.
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| Alter Orient | Assyrer |
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Im Norden Mesopotamiens, am Oberlauf des Tigris, liegt der Stadtstaat Assur. Die Bewohner nannten sich Assyrer. Im 18. Jahrhundert v. Chr. entstand das altassyrische Reich, das bald wieder zerfiel. Im 13. Jahrhundert begründete König Tukulti-Ninurta das mittelassyrische Reich, das nach seinem Tod zerfiel. Während der Blütezeit ihrer Kultur (8.-6. Jahrhundert vor Christus) dehnte sich ihr Reich auf ganz Mesopotamien aus und umfasste auch Babylon, Syrien, Palästina, Zypern, Nordarabien und den Nordosten Ägyptens. Im Jahr 612 vor Christus wurden die Assyrischen Heere vernichtend geschlagen und Assur wurde zerstört.
Wie sahen ihre Gebäude aus?
Die Assyrer bauten großartige Tempel und Paläste aus Lehmziegeln. Sie waren mit schönen Reliefs und Statuen verziert.
Auch die Häuser bestanden aus Lehmziegeln. Meist hatten sie mehrere Räume, die um einen kleinen Hof herum angeordnet waren und flache Dächer, die ebenfalls als Wohnraum dienten.
Was aßen sie?
Welche Kleidung trugen sie?
Die Männer trugen lange, mantelartige Gewänder und waren bärtig (Perücke). Die Frauen trugen kurzärmelige Tuniken und einen Schal über ihren Schultern.
Wie sah ihre Schrift aus?
Die Assyrer benutzten die Keilschrift.
Gegen Ende des assyrischen Reiches kam die aramäische Buchstabenschrift auf. Sie war viel einfacher zu erlernen, wurde aber auf Papyrus oder Holz geschrieben, was zumeist nicht erhalten geblieben ist.
Woran glaubten sie?
Die Religionen der Babylonier und der Assyrer hatten große Ähnlichkeit, die meisten ihrer Mythen und Götter waren die gleichen. Aber in Assyrien war Assur (der Schutzgott der Stadt Assur) König der Götter und in Babylon war es Marduk (der Schutzgott Babylons). Assur wird als Bogenschütze in einer geflügelten Sonnenscheibe dargestellt. Die Frau von Assur war Ischtar. Sie war die Göttin der Liebe, der Fruchtbarkeit und des Krieges. Ihr heiliges Tier war der Löwe. Ausserdem gab es noch niedere Götter, oft Mischwesen aus einem Menschen und einem Vogel, Stier, Fisch oder Skorpion. Man erkennt sie daran, dass sie Hörner auf dem Kopf tragen. Je mehr Hörner die Krone hat, desto wichtiger war der Gott.
Sind einige von ihnen heute noch berühmt?
Bücher waren im Altertum etwas sehr Seltenes. Wer ein Buch wollte, musste es von einem Schreiber Keil für Keil abschreiben lassen. Der König Assurbanipal galt als sehr gelehrt, weil er selber lesen konnte. Alle anderen mussten sich Briefe und Nachrichten von den Schreibern vorlesen lassen. König Assurbanipal gab den Befehl, jedes Buch in seinem Land abschreiben zu lassen. So sammelte er tausende von Kopien in der Bibliothek von Niniveh. Die Bücher dort waren sorgfältig katalogisiert. Seine Bibliothek war die erste große Bibliothek der Geschichte. Dank der Dokumente aus König Assurbanipals Bibliothek kennen wir viele Meisterwerke der antiken Literatur und wissen viel über die Geschichte des Altertums.
Was ist von ihnen geblieben?
Das Assyrische Reich fiel im Jahre 612 v. Chr., die Assyrer lebten jedoch in den nachfolgenden Reichen des Gebietes weiter.
- neueseite
| Alter Orient | Hethiter |
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Wer waren sie und in welchem Land lebten sie?
Das Kernland der Hethiter ist Anatolien, eine Region im Südosten der heutigen Türkei. Die Region war Durchzugsgebiet für viele Völker. Vermutlich kamen die Hethiter aus dem Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres. Sie zählen zu den Indoeuropäern. Im 3. Jahrtausend vor Chr. gab es viele kleinere Fürstentümer, eins davon hieß 'Hatti' und seine Hauptstadt hatte den Namen Hattusa. Sie lag in Mittelanatolien, wo sich heute die Stadt Boghazköy befindet (ca. 210 Kilometer östlich der türkischen Hauptstadt Ankara).
König Hattusili I. (1565-1540 v.Chr.) war König des kleinen Fürstentums Hatta in Anatolien und träumte wie viele Kleinkönige von einem großen Reich. Zunächst überrannte Hattusili viele Orte im zentralen Anatolien. Dann zog er über den Taurus nach Süden und eroberte Aleppo (eine Stadt im heutigen Syrien). Die Statue des dortigen Wettergottes nahm er mit nach Hattusa. Er und seine Nachkommen führten viele Kriege gegen ihre Nachbarn und festigten ihre Eroberungen durch Verträge. Mursili (1540-1530 v.Chr.) eroberte Nordsyrien und überraschenderweise sogar das durch Misswirtschaft geschwächte Babylon.
Das Reich der Hatti erstreckte sich zeitweise von der Türkei über den Irak und Syrien bis nach Palästina. Die Blütezeit ihrer Zivilisation lag zwischen 1600 und 1200 vor Christus. Weil es aber keine Regelung der Thronfolge gab (außer dem Recht des Stärkeren), wurde das Reich oft durch blutige Kämpfe gelähmt und geschwächt.
Was aßen sie?
Die Hethiter ernährten sich ähnlich, wie die anderen Völker des Mittelmeeres. Ihr Hauptnahrungsmittel war Brot. Fleisch stand auch täglich auf dem Speiseplan. Die reichen Leute aßen auch Käse und verschiedene andere Milchprodukte und Delikatessen aus Milch.
Das Küchenpersonal des Palastes musste jeden Monat einmal einen Eid auf die Einhaltung der Reinheit schwören.
Wie kleideten sie sich?
Die Hethiter wurden stark von den Babyloniern beeinflusst. Deshalb nimmt man an, dass sie auch ähnliche Kleidung trugen. Die Bilder, die diesen Artikel illustrieren, bestätigen diese Theorie. Die hethitischen Männer kleideten sich in lange Mäntel und die Frauen trugen zweiteilige Kleider, die aus einem blusenähnlichen Oberteil und einem knielangen Rock bestanden. Ähnliche Kleidung wird heute noch in der Türkei und im Nahen Osten getragen.
Wie sah ihre Schrift aus?
Ursprünglich sprachen die Hethiter eine Sprache, die dem Sanskrit, einer Sprache aus Indien, ähnelte. Die hethitische Sprache gehört wie auch das Deutsche zur Familie der indoeuropäischen Sprachen. Zum Schreiben verwendeten die Hethiter das Keilschriftsystem der Akkadier. Es waren Deutsche, die 1906 bei Ausgrabungen die ersten Tafeln mit hethitischer Schrift fanden. Innerhalb von zehn Jahren gelang es, die Sprachen zu entschlüsseln und ein Abriss ihrer Grammatik wurde veröffentlicht. Inzwischen ist die Zahl der gefundenen Texttafeln auf 30 000 angewachsen, außerdem sind Mauern mit Bildern und Texten geschmückt. Nach und nach erweiterten die Wissenschaftler der Welt, ihnen voran die Deutschen, ihr Wissen über die Sprache. Immer mehr hethitische Worte konnten mit einiger Sicherheit übersetzt werden. Inzwischen kennen wir genug hethitische Wörter um zu sehen, wie eng die Sprache mit anderen indoeuropäischen Sprachen verwandt ist.
Woran glaubten sie?
Die Hethiter übernahmen vieles aus den Religionen anderer Völker. Die meisten der hethitischen Götter stammen ursprünglich von den Babyloniern oder Sumerern. Eroberten die Hethiter ein Reich, so fügten sie dessen Götter ihren hethitischen Göttern hinzu. Indem sie die Statuen fremder Götter in ihre Hauptstadt trugen, zeigten sie ihre Überlegenheit. Anscheinend glaubten sie, dass alle Götter rechtmäßig waren und Verehrung verdienten, unabhängig von wem sie angebetet wurden. Die Hethiter waren wahrscheinlich das erste Volk der Welt, das religöse Toleranz übte. Hattusa nannte man „das Reich der tausend Götter“. In der Hauptstadt wurden 31 Tempel und andere Heiligtümer gefunden.
Zum Jahreswechsel trugen die Bewohner zahlreiche Statuen zu einem Felsheiligtum. Sie feierten dort das Zusammentreffen des Wettergottes mit seiner Frau, der Sonne. Auf zahlreichen Keilschrifttafeln ist der genaue Ablauf religiöser Feste niedergeschrieben, denn nur die präzise Durchführung der Rituale sicherte das Wohlwollen der Götter.
Wie sahen ihre Gebäude aus?
Die Kunst und Bauweise der Hethiter wurde stark von der der Nachbarländer beeinflusst. Zum Bau von Häusern und Tempeln verwendeten sie Steine und Lehmziegel, aber auch hölzerne Säulen. Die Hethiter errichteten große Paläste, Tempel und Befestigungsanlagen, deren Mauern, Tore und Türen von Reliefs geschmückt waren. Es gab mehrstöckige Wohnhäuser.
Die Hauptstadt, Hattusa, befand sich im Hochland, fern vom Meer. Zu Spitzenzeiten hatte sie 50 000 Einwohner. Es gab fünf große Bibliotheken, „Häuser des Wissens“. Die Stadtmauer war eindrucksvoll und machte die Stadt uneinnehmbar. Ihre Bauweise war einzigartig: Zwischen Mauern aus maßgefertigten Steinen wurde eine betonähnliche Masse aufgeschüttet. Auf diese Fundamente wurden Millionen Lehmziegel gestapelt und verputzt. Die Mauer war 8 Meter hoch. Die Wachtürme waren 13 Meter hoch und standen alle 15 bis 25 Meter. Der Palast des Königs befand sich in der Stadt und wurde durch eine zusätzliche Mauer geschützt. Die Archäologen haben Wasserrohre gefunden und die Reste eines ausgeklügeltes Trinkwasser- und Abwassersystems gefunden. Für den Fall einer Belagerung war in Seen und Zisternen Trinkwasser für ein ganzes Jahr gespeichert.
Was ist sonst noch von ihnen geblieben?
In Kappadokien, eine Gegend etwa 300 Kilometer östlich von Ankara, wurden schon in der Jungsteinzeit zahlreiche Höhlen bewohnt. Die Hethiter gruben Vorrats- und Schutzräume unter ihren Häusern sowie lange Tunnel, um sich vor Feinden verstecken zu können. Heute sind hunderte unterirdische Städte entdeckt worden, einige reichen zwölf Stockwerke unter die Erde. Es gab unterirdische Kirchen und Gasthäuser, unterirdische Flüsse flossen durch die Städte.
Was ist aus ihnen geworden?
Etwa im Jahr 1200 vor Christus wurden die Hethiter von mehreren Katastrophen getroffen:
- eine Pestepidemie dezimierte die Bevölkerung (auch zwei Könige starben kurz nacheinander an der Pest)
- Nach einigen Missernten wurden die Nahrungsmittel wurden knapp. Den hohen Naturalienaufwand für Opferungen wollten sie nicht verringern, um nicht die Gunst der Götter zu verlieren. Ein Brief an den verbündeten Pharao ist gefunden worden mit der Bitte um Lebensmittellieferungen und mit dem Satz „es geht um Leben und Tod“. Der Pharao schickte einige Schiffe mit Getreide, gereicht hat es wohl nicht.
- Zwischen den Fürsten verschärften sich die Spannungen.
- Die Überfälle benachbarter Stämme häuften sich. Das hängt vermutlich mit einer Völkerwanderung (der sogenannten Seevölkerwanderung) zusammen.
- etwa 1200 v. Chr. gab es einen gewaltigen Brand in der Hauptstadt. Möglicherweise wurde er von den Hethitern beim Verlassen ihrer Hauptstadt selbst gelegt.
Die Hethiter verschwanden spurlos, plötzlich waren ihre Städte verlassen. Wie und wohin, ist heute noch unbekannt. Vielleicht hatten sie eine alles entscheidende Schlacht verloren und mussten deshalb wegziehen. Es war damals nicht unüblich, wenn statt ganzer Heere nur die Anführer miteinander kämpften. Das ersparte ihnen ein blutiges Gemetzel, aber das unterlegene Heer musste die Bedingungen des Siegers erfüllen.
So kam es, dass weder die Griechen noch die Römer von den Hethitern wussten. In der Bibel wurden sie zwar mehrfach erwähnt, aber man wusste nicht, wo dieses Volk gesiedelt hatte. Erst im 19. Jahrhundert wurden Funde gemacht, die sich zunächst keinem Volk zuordnen ließen. 1906 fand der deutscher Archäologe Hugo Winckler viele tausend Tontafeln mit Keilschrift in einer unbekannten Sprache. Erst 1915 gelang die erste Übersetzung, und die Welt erfuhr von der Existenz des Volkes der Hethiter.
Sind einige von ihnen heute noch berühmt?
Die Hethiter hatten hervorragende, hochdisziplinierte Soldaten, die mit den besten Waffen ihres Zeitalters ausgerüstet waren. Für die Rekruten gab es Kasernen und Trainingspläne. Mit ihren Eroberungszügen beherrschten sie das Land vom Schwarzen Meer im Norden bis Kadesch im Süden, wo sie mit den Ägypter zusammenstießen. Wer Kadesch kontrollierte, galt als der größte Kriegsherr. Im Jahr 1275 v. Chr. kam es zur Schlacht zwischen Hattusili, dem Heerführer des Hethiterkönigs Muwatalli und dem jungen Ramses II, der erst vier Jahre vorher zum Pharao gekrönt worden war. Die Hethiter gewannen knapp. Ungeachtet dessen nannte Ramses II bei seiner Heimkehr die Schlacht einen großen Sieg. In den Folgejahren befürchteten beide Herrscher langandauernde Probleme mit ihren Grenzen: Ägypten im Süden, die Hethiter mit den Assyrern. Hattusili, inzwischen König der Hethiter, schlug einen Vertrag vor. Um Zweifrontenkriege zu vermeiden, schlossen beide Herrscher 1259 v.Chr. nach langen Verhandlungen den ersten Friedens- und Nichtangriffsvertrag, der auch gegenseitigen militärischen Beistand vorsah. Auch der Austausch von Gefangenen und Flüchtlingen (mit Amnestie) wurde vereinbart. Das ist der erste Friedensvertrag der Weltgeschichte, eine Kopie ist in der Eingangshalle der UNO zu finden.
Der Vertrag nützte beiden Seiten: Das gegenseitige Versprechen auf militärischen Beistand schreckte die Feinde ab. Beide Herrscher brauchten an ihrer gemeinsamen Grenze keine Truppen zu stationieren. Für Hattusili war dieser Vertrag der Glanzpunkt seiner Herrschaft. Er hatte dem mächtigsten Reich der Welt einen guten Friedensvertrag abgerungen. Seine Feinde, Assyrien und Babylon, wagten es nicht mehr, sich mit Hattusa anzulegen. Später verheiratete Hattusili einen seiner Söhne mit einer ägyptischen Prinzessin, um die gegenseitigen Beziehungen zu festigen.
Ein Teil des diplomatischen Briefwechsels zwischen den Herrschern ist erhalten geblieben. Dadurch wissen wir vieles über die damaligen diplomatischen Gepflogenheiten. Damals wagten die Könige nur selten, ihre Hauptstadt zu verlassen, weil sie Verschwörungen fürchteten. Für Verhandlungen schickten sie Abgesandte. Einmal aber trafen sich Pharao Ramses II und Großkönig Hattusili persönlich. Dieses Treffen ist das erste dokumentierte Gipfeltreffen der Geschichte.
Tudhalija, der Sohn Hattusilis, verfügte in einem Vertrag mit einem seiner Vasallen das erste bekannte Handelsembargo: Es soll also dein Kaufmann nicht in das Land Assur hineingehen, aber den assyrischen Kaufmann sollst du nicht in dein Land hineinlassen. Er soll auch nicht durch dein Land ziehen. Wenn er dennoch in dein Land hineinkommt, so nehme ihn gefangen und schenke ihn mir.
- neueseite
| Alter Orient | Hebräer |
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Wer waren die Hebräer und in welchem Land lebten sie?
Im zweiten Jahrtausend vor Christus bezeichnete man die Nomaden in der Region zwischen Syrien, Ägypten und Kuwait als Hebräer. Sie wohnten in Zelten und lebten von Viehzucht (Rinder, Esel und Kamele) und Ackerbau. Um das Jahr 1250 vor Chr. wanderten Gruppen von Hebräern in die Gegend um Jericho ein („Auszug aus Ägypten“). Allmählich breiteten sie sich im zunächst dünn besiedelten Land Kanaan aus. Kanaan lag an der Ostküste des Mittelmeers und umfasst das Gebiet, auf dem sich heute die Staaten Israel, Jordan, Libanon und Syrien befinden.
Jacob, ein Enkel des Abraham, gilt als der Stammvater der Hebräer. Er erhielt von seinem Gott den Ehrennamen "Israel". Jacob hatte zwölf Söhne. Sie begründeten die zwölf Stämme, die sich gemeinsam als Volk Israels bezeichneten. Der König Salomon vereinte die Stämme im Reich Israel. Nach dem Tod des Königs Salomon wurde Israel in ein Nord- und Südreich gespalten. Der größere, nördliche Teil des Königreichs Israel wurde im Jahr 722 vor Christus von den Assyrern unter König Sargon II erobert und zerstört, dabei gingen zehn Stämme „verloren“. Die verbliebenen südlichen Stämme Juda und Benjamin bezeichnete man nach dem Namen des größeren Stammes als Juden.
Wie sahen ihre Häuser aus?
Im warmen Klima des Nahen Ostens waren Häuser nicht so wichtig. Der größte Teil des Familienlebens spielte sich im Freien ab. Die Frauen kochten im Hof und die Geschäfte waren einfach zur Straße hin offene Stände. Da es in Kanaan keine großen Wälder gab, war Bauholz für die Häuser sehr, sehr teuer.
Als die Hebräer noch Nomaden waren, lebten sie in Zelten. Selbst später, als sie sich in ständigen Siedlungen niedergelassen hatten, waren Zelte noch sehr beliebt. In der Torah werden oft Zelte erwähnt und auch zur Zeit Davids und Salomons war es üblich, besonders für die ärmeren Leute, in Zelten zu leben.
Eine weitere Möglichkeit war es, in Höhlen zu wohnen. Dazu wurden natürlich vorkommende Höhlenöffnungen erweitert und vor dem Eingang wurde zum Schutz eine Mauer errichtet. So wurden die Höhlen zu Wohnungen.
Die wohlhabenderen Leute wohnten in Häusern aus luftgetrockneten Lehmziegeln. Sie hatten flache Dächer, so dass die Bewohner den kühlen Abend draußen auf dem Dach verbringen und während des Sommers auch dort schlafen konnten. Haustiere wurden im Erdgeschoss gehalten und lebten dort zusammen mit den Menschen. Es gab keinen Schornstein. Der Rauch der Feuer, die zum Kochen und Heizen dienten, zog durch die Fenster ab. Die Möbel der hebräischen Häuser waren sehr einfach. Es gab eine Art Diwan, der an der Wand stand oder einfach einige Matten, die nachts zum Schlafen auf den Fußboden gelegt und tagsüber zusammen gerollt wurden. Dann gab es noch einen Tisch und Stühle. In der Ecke stand ein großes Vorratsgefäß für Getreide und zusätzlich gab es noch weitere, zum Beispiel für Wasser, Wein und Öl. In einer Wandnische stand die Lampe.
Sehr stolz waren die Hebräer jedoch auf den Tempel von Jerusalem. Es gab zwei Tempel: der erste wurde von König Salomon erbaut. Er ließ dazu edles, duftendes Zedernholz aus dem Libanon herbeischaffen und die Tempelwände und -fußböden mit Gold überziehen. Im Allerheiligsten, einem Raum am Ende des Tempels, wurde die Bundeslade aufbewahrt.
Als 586 vor Christus die Juden in die Babylonische Gefangenschaft verbannt wurden, wurde der erste Tempel zerstört. Nachdem die Juden 536 vor Christus aus der Gefangenschaft zurückgekehrt waren, begannen sie mit dem Bau des zweiten Tempels. Dieser Tempel blieb bis zu seiner Zerstörung durch die Römer im Jahre 70 nach Christus erhalten. Vom zweiten Tempel ist nur noch dessen Westmauer übrig, die für die Juden ein heiliger Ort ist. Diese Westmauer des Tempels wird auch Klagemauer genannt.
Was aßen sie?
Die Hebräer ernährten sich ähnlich wie die anderen Mittelmeervölker. Wichtige Speisen waren Linsen, Ziegenkäse, Oliven und frisches Obst. Die Hausfrauen buken Brot in großen Tonöfen auf dem Hof. Fleisch stand selten auf dem Speiseplan und wurde gewöhnlich nur zu besonderen Gelegenheiten gegessen. Fisch dagegen gab es öfter. Wein war das beliebteste Getränk.
In einem aber unterschied sich das hebräische Essen von dem der anderen Völker: es musste koscher sein. Alle möglichen Nahrungsmittel können koscher sein. Koscheres Fleisch zum Beispiel stammt von bestimmten Tieren, die auf eine bestimmte Art und Weise geschlachtet werden. Die Schlachttiere mussten gespaltene Hufe haben und Wiederkäuer sein. Das Fleisch durfte nicht mit Milchprodukten in Berührung kommen und es mussten einige Stunden vergehen, bevor man nach dem Fleisch Milchprodukte essen durfte. Die Fische mussten Flossen und Schuppen haben, um koscher zu sein. Die Weinherstellung musste die ganze Zeit über von einem Hebräer überwacht werden.
Welche Kleidung trugen sie?
Die hebräischen Männer und Frauen trugen ein langes Hemd, das von einem Gürtel zusammengehalten wurde und darüber ein Gewand, einen Umhang und eine Kopfbedeckung. Männer- und Frauenkleidung unterschieden sich aber in ihrem Stil und durch ihre Muster. Die Kleidung der Frauen war länger und hatte auch längere Ärmel. Die Kleidung der reichen Frauen war viel luxuriöser als die der Männer.
Wie sah ihre Schrift aus?
Die Hebräer waren geschickte Schreiber. Schon sehr früh begannen sie damit, ihre Geschichte, ihre Gesetze und ihre Glaubensgrundsätze aufzuschreiben. Alle diese Schriften zusammen bilden den Tenach. Die ersten fünf Bücher des Tenachs nennt man Torah.
Die meisten Schriften des Tenach sind auf Hebräisch verfasst. Es wurde von rechts nach links geschrieben (wie bei den Arabern) und die Schrift bestand nur aus Konsonanten. Die Bücher wurden auf große Pergamente geschrieben und dann zusammengerollt.
Woran glaubten sie?
Die Hebräer waren eins der ersten Völker im Nahen Osten, die eine monotheistische Religion hatten. Als Monotheismus bezeichnet man den Glauben, dass es nur einen Gott gibt. Die meisten Nachbarvölker der Hebräer waren Polytheisten, das heißt, sie glaubten an viele Götter und Göttinnen, die in ihrem Aussehen und Verhalten den Menschen ähnelten. Die Idee, dass es nur einen einzigen, allgegenwärtigen Gott gibt, den man nicht sehen oder beschreiben kann und der die Gedanken aller Menschen kennt, war für diese Zeit eine ganz neue Vorstellung.
Der Torah zufolge war der Patriarch Abraham der erste Mensch, der den Glauben an einen einzigen Gott zu verbreiten begann.
Die Hebräer sind bekannt für ihren Beitrag zur Weltkultur, denn ihr Glaube hatte Einfluss auf viele wichtige Weltreligionen. Der hebräische monotheistische Glaube ist heute in der ganzen Welt verbreitet.
Sind einige von ihnen auch heute noch berühmt?
Wir kennen heute noch viele Hebräer aus den Erzählungen der Bibel. Die Bibel ist das meist veröffentlichte Buch der Welt und da große Teile der Bibel von den Hebräern handeln, wurden viele der alten Hebräer berühmt. Viele Bücher, Gemälde und sogar Filme sind ihnen gewidmet.
- die drei biblischen Stammväter Abraham, Isaak und Jakob.
- Jakobs jüngster Sohn Joseph wurde geboren, als sein Vater schon sehr alt war. Der Torah zufolge wurde er in die Sklaverei verkauft und kam so nach Ägypten, wo er für den Pharao arbeitete. Seine bekannteste Aufgabe war es, die Träume des Pharaos zu deuten. So gelang es ihm, Ägypten vor der Hungersnot zu bewahren, unter der die anderen Länder der Welt litten.
- Viele halten Moses für den größten Führer des jüdischen Volkes und der Torah zufolge, war er der bescheidenste Mann, der je lebte. Die Torah erzählt, wie er die Hebräer aus der Sklaverei in Ägypten führte. Durch ihn sandte Gott den Ägyptern zehn Plagen und teilte das Rote Meer; er empfing die Torah, die Zehn Gebote und die mündlichen Gesetze der Juden, gründete die jüdischen Gerichtshöfe und führte das jüdische Volk nach Kanaan - das Land, das Abraham von Gott für sein Volk versprochen worden war.
- König David war einer der drei Könige des alten Israel und herrschte über das Reich, als es seine größte Ausdehnung erreicht hatte. Er war ein bedeutender militärischer Führer und führte das israelische Heer in vielen Schlachten zum Erfolg. Er komponierte die meisten der Lieder im Buch der Psalmen.
- König Salomon ließ dem Tenach zufolge, den ersten Tempel erbauen. Während seiner Herrschaft wurde das Königreich zu einer der größten Handelsmächte und erlebte seinen größten Wohlstand. Er war bekannt für seine Weisheit und Gerechtigkeit. Noch heute bezeichnet man eine sehr schwierige, kluge Entscheidung als „salomonisch“.
- Esther, die Königin Persiens rettete dem Tenach zufolge, das jüdische Volk vor den bösen Plänen des Ministers Haman, der alle Juden des persischen Reiches töten lassen wollte. Heute erinnert der jüdische Feiertag Purim an dieses Ereignis.
Was ist heute noch von ihnen übrig?
Judäa verlor im ersten Jahrhundert nach Christus seine Unabhängigkeit an Rom. Ein jüdischer Aufstand von 132 bis 135 wurde von römischen Legionen niedergeschlagen. Die Römer benannten die Provinz Judäa in „Palaestina“ um. Tausende Juden wurden entlang der Straßen nach Jerusalem gekreuzigt und den überlebenden Juden wurde verboten, sich in der Region Jerusalem aufzuhalten. Darum lebten die meisten Juden zweitausend Jahre lang verstreut über die ganze Welt. In einigen Ländern bildeten sie größere Gemeinschaften und konnten dadurch ihre Religion, Sprache und Traditionen erhalten. Sie überlebten jahrhundertelange Diskriminierung und Vorurteile.
Im Jahr 638 wurde Palästina von den Arabern erobert, 691 bauten die Muslime auf den Ruinen des Jerusalemer Tempelberges den Felsendom. Die jüdische Religion wird als Vorstufe des Glaubens an Allah von den Muslimen toleriert.
Im christlichen Europa wurden die Juden oft verachtet, verfolgt und vertrieben. Warum eigentlich?
Christus betrachtete Geldgeschäfte als verwerflich und vertrieb die Geldwechsler aus dem Tempel. Ein objektiver Bedarf an Finanzdienstleistungen bestand aber schon damals. So taten die Juden viele Jahrhunderte lang das, was die Christen verachteten und trotzdem brauchten, und wurden deshalb gleichzeitig gebraucht und verachtet.
Unter der türkischen Herrschaft wurden die in Palästina lebenden Juden als Palästinenser bezeichnet, die Araber wurden als Araber bezeichnet.
Im ersten Weltkrieg brach das osmanische Reich zusammen, und die Briten übernahmen die Verwaltung Palästinas. In den nächsten Jahrzehnten übersiedeln viele Juden in mehreren Einreisewellen in ihr „gelobtes Land“, oft auf Flucht vor Verfolgung und Mord.
Ein Drittel des jüdischen Volkes fiel Hitlers Vernichtungspolitik und dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. 1947 beschloss die UNO mit Zweidrittelmehrheit, Westpalästina zu teilen: Der Staat Israel sollte einen schmalen Küstenstreifen, einen Teil der Wüste Negev und ein Gebiet am See Genezareth erhalten. Den Palästinensern soll das fruchtbarere Land am Jordan bleiben. Am 14. Mai 1948 endete das britische Mandat und der Staat Israel wurde gegründet.
- neueseite
| Alter Orient | Araber |
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Woher kamen sie?
Die Bezeichnung „Araber“ ("Arabi", "Arabu" oder "Urbi") wurde erstmals von den Assyrern (Inschrift von 853 v. Chr.) als Bezeichnung für ein Nomadenvolk benutzt, das in der nördlichen Region der arabischen Halbinsel lebte. Auch vom Stamm der Sabäer und in der biblischen Genesis (10. Kapitel) wird die Bezeichnung verwendet. Als Hebräer wurden die ursprünglich weiter südlich lebenden Nomaden bezeichnet. Die Vorfahren der Araber und auch der Hebräer sind aus Nordostafrika (Äthiopien) eingewandert. Diese Verwandtschaft erkennt man heute noch an einer Sprachähnlichkeit und an der von rechts nach links geschriebenen Schrift.
In welchem Land lebten sie?
Der Nahe Osten ist eine Region mit vielen unwirtlichen Gebieten (Wüsten, Halbwüsten und versalzenen Gebieten), die von einigen fruchtbaren Zonen (an Flüssen, Seen und Oasen) durchzogen wird. In den bergigen Gegenden regnen die vom Mittelmeer kommenden Wolken ab. Zahlreiche Wasserläufe trocknen im Sommer aus. Unter diesen klimatischen Bedingungen suchten die Bewohner ständig nach neuen Weidegründen für ihre Tiere.
Im fruchtbaren Halbmond stießen nicht nur die Verkehrswege dreier Kontinente zusammen (deshalb waren Transportdienstleistungen (Karawanen) wichtig), auch kulturelle, religiöse und technologische Kenntnisse stießen zusammen. Diese Gegebenheiten waren der Nährboden für reiche und komplexe Kulturen. Mit den Fortschritten in der Bewässerungstechnik wurden immer mehr Nomaden sesshaft. Sie gründeten Städte und brachten verschiedene Fertigkeiten und Beschäftigungen weiter voran. Schließlich breiteten sich die Araber im gesamten Nahen Osten, in Nordafrika und auf der iberischen Halbinsel aus und ließen sich dort nieder.
Der Nahe Osten ist auch das Gebiet, wo drei monotheistische Religionen gegründet wurden: das Judentum, das Christentum und der Islam. Heute sind alle drei Religionen weltweit verbreitet. Die Anhänger dieser Glaubensrichtungen lebten über Jahrhunderte in der arabischen Welt harmonisch zusammen, da sich alle als die Kinder eines Gottes betrachteten. Muslime bezeichnen Juden und Christen heute noch als "Buchmenschen", weil sie die hebräische Bibel (das Alte Testament) anerkennen.
Wie sahen Ihre Gebäude aus?
Die Araber lebten zuerst in Häusern aus Lehm und Holz. Viele lebten aber lieber in Zelten. Die arabischen Nomaden, die kein festes Zuhause hatten, sondern immer umher zogen, sind dafür ein gutes Beispiel. Eine arabische Legende erzählt, dass das erste Gebäude Arabiens die heilige Kaaba war. Das ist das Haus ihres Gottes, das vom Propheten Adam erbaut wurde. Später wurde ein neues Haus auf der gleichen Stelle von den Propheten Abraham und Ishmael erbaut.
Später errichteten sie herrliche Gebäude. Das berühmteste ist die Al-Hambra in Spanien. Das Wissen der Araber wird noch heute von Architekten (Menschen, die Gebäude planen), benutzt.
Was aßen sie?
Araber aßen normalerweise das gleiche wie viele andere Völker am Mittelmeer, unter anderem Brot nach eigenem Rezept, Datteln, Oliven usw. Arabisches Essen kann an Eigentümlichkeit und Geschmack mit der Nahrung jeder anderen Kultur mithalten. Weil es im Prinzip einfache, natürliche und leicht verdauliche Nahrungsmittel umfasst, hat es einen hohen Nährwert in der Skala der heutigen fitnessbewussten Gesellschaft. Die spanischen Mauren waren weltweit die ersten, die Menüs mit 12 Gängen einführten.
Wie kleideten sie sich?
Die Araber trugen für gewöhnlich sehr schön gearbeitete Kleidung. Männer trugen nach altem Brauch knielange Umhänge. Bisht oder Aba sind zwei beliebte weiten Umhänge, die sie normalerweise über dem Thobe trugen. Männer trugen auch Stirnbänder mit einem Turban darüber. Die Frauen trugen lange Kleider . Es ist ein Brauch, dass die Frauen sich mit einem besonderen Gewand bedeckten. E