Formelsammlung Chemie/ Berechnung des pH-Wertes
Unter Vernachlässigung von
Aktivitätskoeffizienten lässt sich der
pH-Wert der wässrigen Lösung einer Säure oder Base berechnen, wenn die Konzentration an Oxoniumionen
berechnet werden kann. Die exakte Berechnung ist meist aufwändig und oft auch gar nicht mehr möglich. Dennoch gibt es für verschiedene Fälle brauchbare Näherungslösungen, die im folgenden dargestellt werden. Die angegebenen
für die Abgrenzung der verschiedenen Säurestärken sind Richtwerte. Je nach Quelle wird diese Einteilung unterschiedlich vorgenommen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Starke Säuren und Basen
Eine starke Säure HA
kann in wässriger Lösung als vollständig dissoziiert angenommen werden. Die Ladungsbilanz für eine solche Lösung lautet:
![\mathrm{\ [H_3O^+] = [OH^-] + [A^-]}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/9/7/e/97e2ec32aa5c7c1c99e0317e0ea04f77.png)
Wenn die Säure nicht allzu stark verdünnt ist (Ausgangskonzentration
[1]) gilt:
![\mathrm{[A^-] \gg [OH^-]}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/1/b/3/1b3290dd3a3572d0c7c6afd118382cdf.png)
und damit in sehr guter Näherung:
![\mathrm{\ [H_3O^+] = [A^-] = c_0}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/8/b/b/8bba3f3fd63545ffea4f070fad924b75.png)
Aus der Konzentration der Hydroniumionen ergibt sich gemäß der
Definition der pH-Wert:
![\mathrm{\!\ pH = - \log_{10} [H_3O^+]}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/2/e/2/2e22f8d46804f6de674e75216aa29b99.png)
Analog erhält man für eine starke Base (z. B. die Alkalimetallhydroxide wie NaOH oder KOH) die Konzentration an Hydroxidionen
, aus der
mittels folgender Beziehung berechnet werden kann:
![\mathrm{[H_3O^+] = \frac{K_W}{[OH^-]}}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/a/f/f/aff036dd1b7f9237f4bc2627888ff608.png)
:
Ionenprodukt des Wassers
Bei sehr kleinen Ausgangskonzentrationen der Säure können die aus der Autoprotolyse des Wassers stammenden Hydroxidionen nicht mehr gegenüber der Konzentration des Säurerestanions vernachlässigt werden. In diesen Fällen erhält man mit
aus der Ladungsbilanz:

und damit:
![\mathrm{x = [H_3O^+] = \frac{c_0}{2} + \sqrt{\frac{c_0^2}{4} + K_W}}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/9/9/6/996aef0200321235de31368c3f4715ee.png)
Für eine starke Base ergibt sich entsprechend:
![\mathrm{x = [H_3O^+] = -\frac{c_0}{2} + \sqrt{\frac{c_0^2}{4} + K_W}}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/a/8/a/a8a7e7a636864d880e04b03579035fd6.png)
Bsp. 1: pH-Wert einer 0,1 M Salzsäure
![\mathrm{\ [H_3O^+] = c_0 = 0{,}1\ mol/l \Rightarrow pH = 1}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/a/b/2/ab28f7782a4c53b3347f3e3a8e6e6bc6.png)
Bsp. 2: pH-Wert einer Kalilauge 
![\mathrm{x = [H_3O^+] = -\frac{10^{-8}\ M}{2} + \sqrt{\frac{(10^{-8}\ M)^2}{4} + 10^{-14}\ M^2} \Rightarrow pH = 7{,}02}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/f/f/0/ff086146d1f8efb34dddf49687ebf946.png)
[Bearbeiten] Mittelstarke Säuren und Basen
Bei einer mittelstarken Säure HA
besteht in Lösung ein Gleichgewicht zwischen der dissoziierten und der undissoziierten Form der Säure. Aus dem
MWG erhält man den Gleichtgewichtsausdruck für die
Säurekonstante
:
![\mathrm{K_S = \frac{[H_3O^+] \cdot [A^-]}{[HA]}}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/7/f/c/7fc8fb8f2a22ba28039b2f75d128e852.png)
Wiederum kann bei nicht allzu kleiner Ausgangskonzentration angenommen werden, dass
gilt. Die Konzentration der Säure im Gleichgewicht ist ![\mathrm{[HA] = c_0 - x}\ \Rightarrow](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/3/7/f/37f0b1a5205ec67a1270f0a0e7fc9c1b.png)

und damit
![\mathrm{[H_3O^+] = -\frac{K_S}{2} + \sqrt{\frac{K_S^2}{4} + K_S \cdot c_0}}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/9/6/7/967cea545c9567f37a6f0781c4bfaa58.png)
Analog erhält man für eine mittelstarke Base:
![\mathrm{[OH^-] = -\frac{K_B}{2} + \sqrt{\frac{K_B^2}{4} + K_B \cdot c_0}}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/4/2/0/42057a6849c3682f186371753b82bbc1.png)
Bsp. 3: pH-Wert einer 0,1 M Dichloressigsäure 
![\mathrm{x = [H_3O^+] = -\frac{10^{-1{,}3}\ M}{2} + \sqrt{\frac{(10^{-1{,}3}\ M)^2}{4} + 10^{-1{,}3}\ M \cdot 0{,}1\ M} \quad \Rightarrow \quad pH = 1{,}3}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/0/a/d/0ad829f95e0bec6cb6a2c29cf593d337.png)
[Bearbeiten] Schwache Säuren und Basen
Für eine schwache Säure HA
kann neben der Näherung
zusätzlich die Konzentration der Säure im Gleichgewicht näherungsweise der Ausgangskonzentration gleichgesetzt werden. Über den Ausdruck für die Säurekonstante erhält man so:[2]
![\mathrm{[H_3O^+] = \sqrt{K_S \cdot c_0} \Rightarrow pH = \frac{1}2 \left[pK_S - log_{10} \left(c_0\ \frac{l}{mol}\right) \right]}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/d/c/6/dc6055cb59c26a0ef456fbb9355376a0.png)
Für eine schwache Base ergibt sich:
![\mathrm{pH = 14 - \frac{1}2 \left[pK_B - log_{10} \left(c_0\ \frac{l}{mol}\right) \right]}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/c/2/e/c2e7959d5e9b426393d65533d45dc6c3.png)
Bsp. 4: pH-Wert einer 0,1 M Ammoniumchlorid-Lösung 
![\mathrm{pH = \frac{1}2 \left[9{,}244 - log_{10} \left(0{,}1 \right) \right] = 5{,}12}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/8/5/e/85edbb7ff459062a6b55c7944834339c.png)
Bsp. 5: pH-Wert einer 1 M Natriumchlorit-Lösung 
![\mathrm{pH = 14 - \frac{1}2 \left[12{,}05 - log_{10} \left(1\right) \right] = 7{,}98}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/4/4/c/44c5970b389ed3d7bd84e6b5b6b827f5.png)
[Bearbeiten] Exakte Berechnung einprotoniger Säuren
Sind die gemachten Näherungen nicht gerechtfertigt, muss die Berechnung über eine systematische Gleichgewichtsbehandlung erfolgen. Für eine einprotonige Säure erhält man danach
als Lösung der Gleichung dritten Grades
:

Aktivitätskoeffizienten sind auch in dieser Berechnung nicht berücksichtigt.
[Bearbeiten] Zweiprotonige Systeme
[Bearbeiten] Saure Form 
Für die Berechnung des pH-Wertes der Lösung einer zweiprotonigen Säure kann diese näherungweise wie eine einprotonige Säure mit
behandelt werden. Die Berechnung erfolgt mittels der oben angegebenen Gleichung für mittelstarke Säuren. Diese Vorgehensweise liefert auch für nahe beieinander liegende Säurekonstanten brauchbare Näherungswerte. Noch für den Fall
ergibt sich lediglich ein Fehler von
[3], was angesichts der Genauigkeit gängiger pH-Meter für praktische Zwecke ausreichend ist (in den meisten Fällen wird es durch die vernachlässigten Aktivitätskoeffizienten oder andere Ungenauigkeiten wie z. B. die Abhängigkeit der verwendeten Konstanten von Temperatur, Ionenstärke u. a. zu größeren Abweichungen kommen; generell ist es für die Praxis zu empfehlen, die Berechnung als Richtwert zu nehmen und dann nachzumessen). Analog kann eine zweiwertige Base in erster Näherung wie eine einwertige Base behandelt werden 
Bsp. 6: pH-Wert einer 0,1 M Oxalsäure 
![\mathrm{x = [H_3O^+] = -\frac{10^{-1{,}252}\ M}{2} + \sqrt{\frac{(10^{-1{,}252}\ M)^2}{4} + 10^{-1{,}252}\ M \cdot 0{,}1\ M} \Rightarrow pH = 1{,}28_{49}}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/6/3/3/6335e1b89c3fc079d598d1c8a1f41b53.png)
Unter Berücksichtigung der zweiten Dissoziationsstufe errechnet man
.
[Bearbeiten] Intermediatform 
Bringt man die Intermediatform einer zweiprotonigen Säure
(z. B. in Form ihres Natriumsalzes NaHA) in Lösung, so kann diese als Säure oder als Base reagieren. Es handelt sich um ein
Säure-Base-Amphoter. In vielen Fällen stellt in solchen Lösungen dennoch die Intermediatform die hauptsächliche Spezies dar. Ihre Gleichgewichtskonzentration kann dann näherungsweise der Formalkonzentration
gleichgesetzt werden, während die Konzentrationen der Formen
und
vernachlässigt werden können. In diesem Fall erhält man:
![\mathrm{[H_3O^+] \cong \sqrt{ \frac{K_1K_2 \cdot c_0 + K_1K_W}{K_1 + c_0}}}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/c/1/5/c1514bb18ab61cb1e44842bb0bea0997.png)
Weiterhin kann mitunter
gegenüber
sowie
gegenüber
vernächlässigt werden. Obige Formel vereinfacht sich dann zu:
![\mathrm{[H_3O^+] \approx \sqrt{ \frac{K_1K_2 \cdot c_0}{c_0}}= \sqrt{K_1K_2} \Rightarrow pH \approx \frac{1}2 \left(pK_1+pK_2 \right)}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/c/6/8/c680abfd52ec5e6b5c55bf7cd27c03c3.png)
Da gemäß dieser Formel der pH-Wert einer Lösung der Intermediatform unabhängig von
immer der gleiche wäre (selbst im Grenzfall
) stellt sie jedoch nur eine sehr grobe Näherung dar.
Bsp. 7: pH-Wert einer 0,01 M Glycin-Lösung
.
Anmerkung: Im Fall von Glycin ist die Intermediatform ungeladen, während die vollständig protonierte Form einfach positiv, die vollständig deprotonierte Form einfach negativ geladen ist. Dies ändert jedoch nichts an der Berechnung.
![\mathrm{[H_3O^+] \cong \sqrt{ \frac{10^{-2{,}350}\ M \cdot 10^{-9{,}778}\ M \cdot 0{,}01\ M + 10^{-2{,}350}\ M \cdot 10^{-14}\ M^2}{10^{-2{,}350}\ M + 0{,}01\ M}} \Rightarrow pH \cong 6{,}14}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/1/f/e/1fe2e36fa54117152af9c21a49e5f242.png)
Bei diesem pH-Wert ist
,
und
. Die verwendete Näherung kann hier als gerechtfertigt angesehen werden. Die Näherung versagt, wenn die Säurekonstanten nahe beieinander liegen und
klein ist.
[Bearbeiten] Basische Form 
Die Form
einer zweiprotonigen Säure stellt eine zweiwertige Base dar und kann, wie oben bereits beschrieben, in erster Näherung wie eine einwertige Base behandelt werden
.
Bsp. 8: pH-Wert einer 0,1 M Natriumsulfit-Lösung 
![\mathrm{[OH^-] = -\frac{10^{-6{,}82}\ M}{2} + \sqrt{\frac{(10^{-6{,}82}\ M)^2}{4} + 10^{-6{,}82}\ M \cdot 0{,}1\ M} \quad \Rightarrow \quad pH = 10{,}09}](http://upload.wikimedia.org/wikibooks/de/math/d/e/5/de5a53582d2be28e925333e25ace790a.png)
[Bearbeiten] Exakte Berechnung zweiprotoniger Systeme
Für eine zweiprotonige Säure erhält man über eine systematische Gleichgewichtsbehandlung
als Lösung einer Gleichung vierten Grades
:

