GIMP/ Tutorials/ Objekte freistellen
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Eine vor allem für Fotomontagen oft verwendete Technik ist das Freistellen von Objekten. Dazu werden die Umrisse eines Objektes ausgewählt und der Hintergrund entfernt. Es gibt mehrere Möglichkeiten in GIMP, dies anzugehen, allerdings sind nicht alle überall gleich gut geeignet.
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[Bearbeiten] Beispiel: Tierchen auf Apfel
Wir beginnen mit einem einfachen Beispiel. Das ist das einzig Sinnvolle. Einfach heißt, beim Freistellen von Objekten: Kontrastreich (klarer Helligkeitsunterschied zum Hintergrund), einfarbiger Hintergrund und scharfes Objekt. Bei geringer
Tiefenschärfe oder langer
Belichtungszeit ist ein Teil des Objektes unscharf, was das Freistellen um ein Vielfaches schwieriger macht.
GIMP bringt eine kleine Hilfe für solche Situationen: Das Werkzeug zum Auswählen eines Bildumrisses
, das du auch mit I holen kannst. Damit kannst du Punkte um das Objekt vorgeben, und dazwischen findet GIMP automatisch den Umriss, solange die Punkte nicht zu weit auseinander sind.
Beginnen wir also mit dem Freistellen. Lade dir das Ausgangsbild runter, öffne es in GIMP und speichere es als .xcf-Datei. Setze nun den ersten Punkt auf die Linie zwischen Tier und Apfelschale (ist übrigens ein Spartan), dann den zweiten etwas davon entfernt:
Nun geht es weiter. Wiederhole das, bis du um das ganze Tierchen bist. Achte dabei darauf, dass der Umriss zwischen zwei aufeinander folgenden Punkten möglichst gerade ist und keine extremen Spitzen hat, der Algorithmus würde sonst Fehler machen.
Was aber nun, wenn das Werkzeug mal nicht genau gewählt hat? Kein Problem. Du kannst die Linien ziehen (ausser die, die mit dem letzten gemachten Punkt verbunden ist) und so einen neuen Punkt einfügen. Ziehe die Pfade, die falsch liegen, wieder zwischen Apfelschale und Tier.
Schlussendlich musst du, wenn du den Umriss wieder mit dem Anfangspunkt verbunden hast, das ganze in eine Auswahl verändern. Halt dazu zuerst die Taste Shift auf das Tier und klicke. Nun ist das umrandete Tier zu einer Auswahl geworden.
Jetzt wird endlich freigestellt. Wähle den Hintergrund aus, indem du Ctrl-I drückst (Auswahl invertieren). Nun ist nicht mehr das Tier, sondern alles andere ausgewählt:
Zuletzt drückst du Ctrl-X, um alles auszuschneiden.
[Bearbeiten] Weiterführung
Und jetzt? Das Bild sieht nicht speziell aus. Darum: Mit Ctrl-Z den letzten Schritt rückgängig machen. Die Auswahl haben wir noch. Dupliziere die Ebene im Ebenendialog über das Icon oder die rechte Maustaste. Falls du den Dialog nicht hast: Im «The GIMP»-Hauptfenster kannst du ihn unter Datei > Dialoge > Dock hinzufügen > Ebenen, Kanäle und Pfäde holen. Nun füge der oberen Ebene mit der Rechten Maustaste eine Ebenenmaske hinzu und verwende die Standardeinstellungen. Die Ebenenmaske ist nun aktiviert, das heisst, alles, was du zeichnest, kommt da drauf. Wenn du schwarz malst, wird der Bildteil transparent, mit weisser Farbe holst du ihn wieder.
Wir wollen nun alles andere unsichtbar machen, ausser dem Tier. Mit dem Füllwerkzeug oder per Shift-B füllst du die Auswahl, die wir immer noch von weiter oben haben. Achte darauf, dass du mit Schwarz malst! Mit x kannst du übrigens zwischen Vorder- und Hintergrundfarbe wechseln. Was geschieht? Nichts!
Doch. Das Vorschaubild der Ebenenmaske, die du übrigens auch sichtbar machen kannst, indem du bei gedrückter Alt-Taste darauf klickst, hat sich geändert; Der Umriss des Tieres ist zu sehen.
Wenn du auf das Auge bei der unteren Ebene klickst, kannst du diese verschwinden lassen. Dann siehst du auch die Auswirkungen: Bei der oberen Ebene ist der Hintergrund verschwunden. Mache die untere Ebene wieder sichtbar. Nun können wir mit den Ebenenmodi etwas herumspielen. Wir können zum Beispiel das Tier heller oder dunkler machen, den Hintergrund aber so belassen, wie er ist. Übrigens kannst du die Auswahl nun mit Shift-Ctrl-A löschen oder zuvor über das Menu mit Auswahl > In Kanal speichern in einem separaten Kanal sichern.
Wir machen das Tier nun etwas dunkler. Wähle als Modus im Ebenendialog Multiplikation und eine Deckkraft von 50 %. Der Unterschied:
[Bearbeiten] Beispiel: Silberwurz
Die obere Technik ist mehr für einfache Beispiele. Bei komplexeren Objekten oder bei solchen mit unscharfem Rand versagt sie. Darum schauen wir nun weitere Techniken an.
Dupliziere zuerst die Ebene. So kannst du im Notfall immer noch auf das Original zurückgreifen. Wir wollen bei diesem Bild die Blüte ausschneiden und den Farbton korrigieren – aber nur den der Blüte. Füge der neuen Ebene wieder eine neue Ebenenmaske hinzu! Diesmal wählen wir als Modus «Faser extrahieren», die Deckkraft wieder 50 %. Das dient vorerst nur dazu, dass wir überhaupt sehen, was wir ändern und was nicht. Das Bild sieht nun so aus:
Wähle als Werkzeug den Pinsel, über das Icon oder mit P. Wähle die Ebenenmaske an – sie bekommt einen weissen Rahmen. Ist er schwarz, ist die Ebene nicht aktiv und du zeichnest auf etwas anderes. Wir brauchen nur schwarz und weiss. Wähle die Vordergrundfarbe Schwarz. Der Pinsel sollte für diese Pflanze «weich» sein; Wähle den «Circle Fuzzy 7×7». Eventuell musst du den Pinsel-Dialog noch zuerst holen (Shift-Ctrl-B). Du kannst ihn an den Ebenendialog andocken, indem du ihn unter der Symbolleiste anfasst und unten an den Ebenendialog ziehst. Jetzt beginnen wir, den Rand der Pflanze zu malen. Du darfst dabei aber nicht genau in die Mitte zeichnen, sondern so, dass der äusserste Teil vom Pinsel dort ist, wo das Weiss der Blüte – die ja etwas «unscharf» ist – aufhört. Mit etwas Übung geht das ganz gut. Zoome genügend weit rein, damit du auch sauber arbeiten kannst! Du bist zudem schneller.
Die oberste Ecke habe ich hier umfahren:
Mache das nun für die ganze Blüte. Denke daran: Wenn du zu viel schwarz gezeichnet hast, kannst du x drücken, um die Farbe zu wechseln, und korrigieren. Und je nachdem, wie unscharf der Blütenrand ist, musst du einen grösseren Pinsel nehmen; Im unteren Bereich wirst du ungefähr einen 13×13-Pinsel brauchen. Und verwende das Scrollrad, um zu scrollen! Mit gedrückter Ctrl-Taste kannst du horizontal scrollen, bei gedrückter Shift-Taste vergrössern oder verkleinern. Vergiss nicht, dich zu vergewissern, dass die Deckkraft des Pinsels auf 100 % ist! Ich habe es vergessen. Am Schluss sollte alles etwa so aussehen:
Jetzt bearbeiten wir direkt die Ebenenmaske. Klicke bei gedrückter Alt-Taste auf das Vorschaubild der Ebenenmaske. Es bekommt einen grünen Rand, und du hast nun den Umriss der Blüte auf dem Bildschirm. Mit der gedrückten Ctrl-Taste kann man die Ebenenmaske übrigens auch deaktivieren; das Vorschaubild hat dann einen roten Rand.
Mit dem Füllwerkzeug füllen wir nun die Blüte aus. Da wegen dem weichen Rand des Pinsels ein zweiter Rand entsteht, auf der Innenseite der Blüte, müssen wir den noch schnell entfernen, am besten mit einem «harten» Pinsel (kreisrund). Aber das geht schnell. Wir bekommen das:
Und nachdem wir die Ebenenmaske wieder unsichtbar gemacht haben:
Das ist aber nicht das, was wir wollen. Momentan wirkt die Maske auf den Hintergrund, nicht auf die Blüte. Also Ebenenmaske wieder sichtbar machen. Mit der rechten Maustaste können wir die Farben invertieren (umkehren) über Ebene > Farben > Invertieren, dann die untere (Original-)Ebene unsichtbar machen mit einem Klick auf das Auge. Setze die Deckkraft wieder auf 100 % und wähle als Ebenenmodus «Normal». Nun haben wir die Blüte:
Damit sind wir jetzt fertig. Nun korrigieren wir die Farbe der Blüte. Dazu gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, je nachdem, was alles korrigiert werden muss. Beginnen wir mit dem Dialog
[Bearbeiten] Farbabgleich
da das der erste Menupunkt ist. Du bekommst diesen Dialog über Ebene > Farben > Farbabgleich, entweder über die Menuliste oder mit der rechten Maustaste.
Hoppla! Was denn? Die Lösung liegt nicht weit entfernt, genau genommen ein Mausklick. Wir haben immer noch die Ebenenmaske aktiviert, und da können wir nur Graustufen zeichnen. Ein Klick auf das Vorschaubild links davon löst das Problem. Im folgenden Dialog kannst du zum Beispiel die Blüte einfärben. Dieser Dialog ist allerdings etwas komplizierter als die anderen beiden, darum will ich ihn da nicht näher erklären. (Zudem weiss ich selber nicht, was genau mit den Pixeln geschieht …)
Mache die Änderungen wieder rückgängig, wir schauen uns die nächste Möglichkeit an:
[Bearbeiten] Farbton/Helligkeit/Sättigung anpassen
Der Vorteil hier ist, dass im Gegensatz zum den folgenden Kurven die Helligkeit nicht verändert wird, solange man sie nicht verändert. Der Nachteil ist, dass sich nicht alles ganz so genau einstellen lässt wie bei obigem Dialog. Daher können wir ihn hier mehr dazu brauchen, etwas zu spielen:
Lass uns nun das mächtigste Werkzeug anschauen. Die Kurven.
[Bearbeiten] Farbkurven
Mein Lieblingswerkzeug, da man damit fast alles machen kann. Du bekommst sie über Ebene > Farben > Kurven – Wenn du die dynamischen Tastenkürzel aktiviert hast (siehe Bild rechts), kannst du diese Funktion zum Beispiel auf Shift-Ctrl-Alt-K legen, da du sie oft brauchen wirst.
Schauen wir uns den Dialog einmal genau an.
Kanal: Hier wählst du den Kanal. Wert steht für alle Kanäle gleichzeitig. Rot, Grün und Blau für die Farben (RGB) und Alpha für den Transparenz-Kanal.
«Menge»: Die graue Fläche gibt an, wie viele Pixel es von einer bestimmten Helligkeit hat. Beim Kanal Rot siehst du zum Beispiel die Helligkeitsverteilung der Rotanteile. Erinnern wir uns wieder an das RGB-Farbsystem am Bildschirm: Bei Weiss ist die Helligkeit von Rot 100 %. Die von Grün und Blau allerdings auch. Bei Schwarz ist der Anteil aller Farben gleich 0. Beispiel Bildschirm: Damit du Weiss machen kannst, musst du alles zum leuchten bringen, für Schwarz musst du die Lichter abstellen. Rot alleine hat – oh Überraschung – 100 % Rot, die anderen Farben sind auf 0. Zwischen Rot und weiss müssen wir etwas Weisse Farbe «hinzufügen», also die verbleibenden G und B. Dann bekommen wir 100 % Rot, 50 % Grün und 50 % Blau, was so aussieht. Zwischen Rot und Schwarz – Da unterscheidet sich ja einzig und alleine der R-Wert, der bei Rot bei 100 % und bei Schwarz bei 0 % liegt, der Rest ist 0 – liegt halt eben 50 % Rot, das ist diese Farbe.
Kurve: Damit kannst du für jede Helligkeitsstufe die Helligkeit neu definieren. Bei b/w-Farbverläufen kann man so beispielsweise einen Metall-Effekt hinzaubern. Wir wollen aber das Bild verschönern, nicht zur Unkenntlichkeit verwüsten. Übrigens, über Ansicht > Neue Ansicht bekommst du ein weiteres Fenster vom offenen Bild, dann kannst du die Änderungen, die du herangezoomt machst, gleich in echter Grösse beobachten. Hier brauchen wir das aber nicht. – Mit dem Mauszeiger kannst du durch klicken neue Punkte erstellen, die dann zu Kurven werden (ausser beim Kurventyp ist «Freihand» angewählt). Um Punkte wieder zu entfernen, ziehst du ihn entweder über den Rand des Dialoges oder einfach so weit, bis er verschwindet.
Was kann man nun mit den Kurven machen? Das Bild hat einen geringen Grünstich. Machen wir also eine Delle in die Grünkurve! Klicke unterhalb der Mitte der Kurve, die momentan noch relativ gerade ist, einen neuen Punkt hin. Verschiebe ihn, bis der Grünstich weg ist:
Warum in der Mitte der Kurve? Darum, weil sonst nicht alle Pixel gleich geändert würden. Dann hätte man zum Beispiel bei den dunkeln Pixeln immer noch zu viel Grün, bei den hellen stimmt es.
Ein weiteres Anwendungsgebiet der Kurven ist die Veränderung des Kontrastes. Meist muss der Kontrast, das heisst der Unterschied zwischen hellen und dunlen Stellen, erhöht werden, bei starkem Sonnenlicht und somit stark ausgezeichneten Schatten muss er manchmal etwas reduziert werden.
Was heisst das nun genau? Es ist recht einfach: Dunkle Pixel werden dunkler gemacht, helle etwas heller. Das gibt eine S-förmige Kurve. Bei diesem Bild sind die Änderungen nicht sehr gut sichtbar, besonders bei Wolken kann man damit aber viel bessere Ergebnisse erzielen. Schauen wir uns trotzdem wieder das vorher-nachher-Bild an (oben ist nachher). Ich musste die Farbe übrigens noch etwas korrigieren, da ich zu viel Grün weggenommen hatte und die Blume einen Rotstich bekam:
Schlussendlich der Vergleich. Ob es nun besser aussieht oder nicht, darüber lässt sich streiten. Ich habe die Unterschiede etwas deutlicher gemacht, zu Demonstrationszwecken, darum wirkt es vielleicht etwas merkwürdig.
Beispiel Kontrasterhöhung an Cirrocumulus-Wolken, unten die korrigierte Version:




