Sprachspiele: Klassische Spiele

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Nuvola apps bookcase 1.svg Sprachspiele

ABCdarium[Bearbeiten]

Herkunft des Wortes: ABCD und die Endung für wissenschaftliche Sammlungen (wie in Aquarium, Herbarium).

Ein ABCdarium[1] ist ein Text, der am Zeilenanfang die Buchstaben des ABCs verwendet.

Übung
Wenn du mal sauer bist, dann schreibe ein Schimpfwort-ABC.

Anagramm[Bearbeiten]

Herkunft des Wortes: altgriech. <ana> ‚auf, hinauf; über ... hin, durch, in, entlang’ und altgriech. <to gramma> ‚der Buchstabe’.

Ein Anagramm ist jede Neukombination von Buchstaben eines bestehenden, festgelegten Wortes, Textes, oder Namens. Prinzipiell ist jede Neukombination erlaubt; als Anagramm im eigentlichen Sinne bezeichnen wir aber nur eine bedeutungstragende Kombination, die zu einem anderen Wort, Text oder Namen führt, oder wenigstens etwas Bekanntes anklingen lässt. Ein Anagramm von Otto ist also beispielsweise Toto.

Ein berühmtes Anagramm wurde nachträglich aus einem biblischen Satz gemacht. Nach dem Johannesevangelium stellt Pilatus dem zum Verhör gebrachten Jesus die sogenannte Pilatusfrage „Was ist Wahrheit?“ (Johannes 18,38). In der lateinischen Bibelübersetzung (Vulgata) lautet diese Frage: „Quid est veritas?“. In der Bibel lässt Jesus diese Frage unbeantwortet, aber später stellte man fest, dass sich aus den Buchstaben des lateinischen Satzes das Anagramm machen lässt: „Est vir qui adest.“, d. h. „Es ist der Mann, der [ergänze: im Verhör] anwesend ist.“ - also Jesus selbst. Damit ist die Pilatusfrage beantwortet.

Anagramme zu erstellen, ist ein beliebter Spaß in breiten Bevölkerungsschichten. Andere Anagramme:

  • Belgrad/Bargeld

Personen, die unter einem Pseudonym bekannt sind, verwenden oft Anagramme. Der Lyriker Paul Anczel ist unter dem Namen Paul Celan weltberühmt geworden (wobei hier ein z verschwunden ist). Auch der französische Aufklärer Voltaire (eigentl. Marie Arouet le jeune) nennt sich anagrammatisch. Eine wichtige Rolle spielen Anagramme ferner in der Nomenklatur, z.B. in der wissenschaftlichen Nomenklatur der Pflanzen. Botanische (nicht ‚lateinische’!) Gattungsnamen wie Míla, Lobívia (Kakteenarten) oder Alóna (ein Glockenwindengewächs) sind Anagramme von Líma, Bolívia und Nolána.

Übung
Suche ein Anagramm zu deinem Vornamen und deinem Nachnamen.
Beispiel: Stefan Leichsenring ergibt Ich Lesterfan, übrig bleibt sening.
          Roland Latscha ergibt Old Scharlatan.

Akronym[Bearbeiten]

Herkunft des Wortes: altgriech. <akros> ‚äußerster, oberster’ und altgriech. <to onoma> ‚Name’.

Akronyme sind uns aus dem täglichen Leben bestens vertraut: Es sind – umgangssprachlich – Abkürzungen; jeweils der erste Buchstabe der Wörter oder Namen, aus denen sich das Akronym zusammensetzt, wird verwendet. S.B.B. ist ein Akronym, das sich aus den Bestandteilen 1) Schweizerische 2) Bundes und 3) Bahnen zusammensetzt. Das Akronym vernebelt oft seine Bestandteile. Wir verwenden Akronyme als normale Wörter; zwar sind Akronyme völlig unverständlich ohne Kenntnis ihrer Einzelbestandteile, jedoch dürfte bei vielen Akronymen kaum jemand an ihre Herkunft denken: Der Laser, der – z. B. als Laserpointer – jedem bekannt ist, wird meistens nicht als Akronym von Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation wahrgenommen. Wer auf korrekten Sprachgebrauch achtet, behält Numerus und Genus des Akronyms bei (was für manche hyperkorrekt wirken mag). So sollte man im Dativ Plural von den SBB und nicht von der SBB sprechen. Die SBB bewegen die Schweiz, liest man auf der Website des Departementes für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation. Wie inkonsequent der Plural gehandhabt wird, sieht man weiter unten in demselben Dokument, wo man folgendes liest: Die SBB ist ein wichtiger Teil der Transportkette des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz.

Übung
Untersuche, welches Akronym sich hinter deinem Vorname oder Nick verbergen könnte.
Beispiel: Stefan ergibt Selten Törichter Entertainer Für Andere Nichtkönner

Akrostichon[Bearbeiten]

Herkunft des Wortes: altgriech. <akros> ‚äußerster, oberster’ und altgriech. <to stichon> ‚Reihe, Linie, Vers, Zeile’.

Das Akrostichon ist nahe mit dem Akronym verwandt, jedoch ist es – im Gegensatz zum Akronym – eine ausschließlich literarische Gattung. Akrosticha sind Wörter, Namen oder Texte, die sich aus den Anfangsbuchstaben von Gedichtversen ergeben. Schon in der Antike, und später insbesondere im Barock, wurden kunstvolle, auch typografisch ausgefeilte Akrosticha erdichtet. Beispiele:

  • Laure
Le ciel, qui la sauva de son propre penchant,
A la beauté du corps unite celle de l’âme
Un seul de ses regards, par un pouvoir touchant,
Rendait à la vertu le coeur de son amant.
Elle embellit son amour en épurant sa flamme.

Besonders kunstvoll: ein doppeltes Akrostichon:

  • Anna
Amour parfait dans mon coeur imprimA
Nom très-heureux d’une que j’aime bieN
Non, non, jamais cet amoureux lieN
Autre que mort défaire ne pourrA

Ein einfacheres Beispiel ist der bekannte Merksatz für die Reihenfolge der Planeten:

  • Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere Nachbarplaneten. (für Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun)

oder:

  • Man verachte einen Menschen in seinem Unglück nie.
Übung
Schreibe ein Satz-Akrostichon aus den Buchstaben deines Vornamens.
Beispiel: Stefan Torkelte Einst Fast Am Naheufer (ziemlicher Quatsch, aber was solls?)

Akrosticha gehören übrigens zu den Kryptogrammen – zu Texten, aus denen sich neue Inhalte ableiten lassen. Texte, bei denen ein Text im Text versteckt ist - z.B in den Anfangsbuchstaben der Wörter – haben große Bedeutung für die Kryptographie, also für Geheimbotschaften.

Palindrom[Bearbeiten]

Herkunft des Wortes: altgriech. <palin> ‚zurück; rückwärts’ und altgriech . <ho dromos> ‚Lauf’.

Das Palindrom ist eine Zeichenkombination, die auch rückläufig gleich lautet. Wörter, Sätze und ganze Texte, aber auch Zahlen und Rechnungen können palindromisch sein. Palindrome im weiteren Sinne sind auch Verse, die „Wort für Wort rückläufig angeordnet denselben oder einen anderen Sinn und auch Vers ergeben.“ Es war „in religiösen und magischen Texten des Mittelalters stark vertreten“. Beispiele:

  • Nipson anomämata, mä monan opsin (griechisch).
  • Ein Neger mit Gazelle zagt im Regen nie. (Schopenhauer).
  • In girum imus nocte et consumimur igni. (lateinisch, über Fliegen gesagt, die an Sommerabenden in eine Kerzenflamme fliegen: In den [Licht-]kreis gehen wir nachts und werden vom Feuer verzehrt.)

Palindrome sind entweder natürlich oder konstruiert. Dem ersteren Typ ist der oben zitierte Satz zuzuordnen sowie in der deutschen Sprache natürlicherweise nicht vorkommende Wörter wie z.B. Reliefpfeiler. Natürlich Palindrome sind die (schon unter Anagramme angetroffenen) EN Anna und Otto, aber auch das jedem Fußballfan ein Begriff Seiende (F.C. Neufchâtel) Xamax. Nach der opinio communis ist das finnische saippuakauppias das längste natürliche palindromische Wort der Welt; es bedeutet ‚Seifenverkäufer’. Schriftsteller haben kunstvolle, beeindruckend lange Anagramme erstellt (z.B. Perec).

Pangramm[Bearbeiten]

Herkunft des Wortes: altgriech. <pan> ‚ganz, all-’ und altgriech. <to gramma> ‚der Buchstabe’.

Ein Pangramm ist ein Textstück – vorzugsweise ein Satz –, in dem alle Buchstaben des Alphabetes vorkommen. Ein Pangramm ist gewissermassen der positive Gegenpol zum Leipogramm (s.u.). Pangramme sind jedem PC-User bekannt. Um das zu erwartende Schriftbild zu präsentieren, zeigt der Windows Font-Viewer (unter Start\Einstellungen\Systemsteuerung\Schriftarten) die Schriftarten, die üblicherweise unter C:\WINNT\Fonts gespeichert sind, als pangrammatischen Satz in verschiedenen Schriftgrössen. Auf Deutsch lautet dieses Pangramm: „Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern.“ Eine englische Version ist: „Jackdaws love my big sphinx of quartz.“ Noch berühmter: “The quick brown fox jumps over the lazy dog.” Wenn möglich, sollte ein Pangramm (optimalerweise) jeden Buchstaben nur einmal verwenden, wie in dem Satz „'Fix, Schwyz!' quäkt Jürgen blöd vom Paß.“, der zudem die deutschen Umlaute enthält

Tautogramm[Bearbeiten]

Herkunft des Wortes: altgriech. ταὐτό <tauto> 'dasselbe' und altgriech. τὸ γράμμα <to gramma> ‚der Buchstabe’. Andere Sprachen: paromoion – paranomoeon (lat.-griech.) ‚Gleichartiges’. vers lettrisés (franz.).

Das Tautogramm ist einfacher als das Leipogramm und das Pangramm: Ein Tautogramm ist ein Satz oder Textstück, in dem jedes Wort mit dem selben Buchstaben beginnt. Man könnte es also auch einfach als Alliteration bezeichnen. 20 Beispiele: „O Tite, tute, Tati, tibi tanta, tyranne, tulisti.“ (Quintus Ennius, * 239 v. Chr., + 169 v. Chr). Übersetzt: „Oh Titus Tatius, Du Tyrann, so Großes hast Du Dir selbst angetan!“ Ennius unterstreicht hier durch das Tautogramm, der Häufung an T, den Vorwurf an Titus so sehr, dass der Eindruck entsteht, er wolle dem Tyrann den Satz förmlich ins Gesicht spucken.

Dieses Tautogramm wird von Curtius äußerst ungnädig beurteilt. „Es handelt sich hier nicht um Alliteration in dem Sinne, den wir im Germanischen kennen, sondern um eine barbarisch-naive Kunstform. [...] Geta veranstaltete Gastmähler, bei denen alle Gerichte mit denselben Buchstaben anfingen. [...] Im Mittelalter wird die Sache ein ziemlich beliebtes Virtuosenstück. Den Vogel schoss Hucbald mit seiner an Karl den Kahlen gerichteten Ekloge über die Kahlköpfigkeit ab. Sie besteht aus hundertsechzig Versen, in denen jedes Wort – zu Ehren des Königs – mit c anfängt. Die Spielerei ging früh in die Volkssprachen über, so in das Provenzalische. Sie wurde im 15. Jahrhundert von den Grands Rhétoriqueurs gepflegt und von diesen den Dichtern des 15. Jahrhunderts vererbt. In Spanien hält sie sich noch im 17. Jahrhundert.“ Curtius begründet also seine Ablehnung dieser Stilform damit, dass die germanischen alliterierenden Stabreime der Form „über Stock und Stein“ oder „mit Kind und Kegel“ wertvoller, weil der Volksseele entsprungen, Ennius’ Experiment und das seiner Nachfolger dagegen manieriert und künstlich sei. Aber weshalb sollte nicht Ennius ebenfalls von der Volksdichtung (griechisch oder römisch) zu seiner Stilfigur inspiriert worden sein? Das bleibe dahingestellt.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Lutz von Werder, Einführung in das Kreative Schreiben, 2000, S. 38

Weiterführende Literatur und Weblinks[Bearbeiten]