Adventskalender 2011: Türchen 16

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Hast du dich schon einmal gefragt, was eigentlich das Wort "Weihnacht" vom Wortsinn her bedeutet?

Wortentstehung von Weihnachten[Bearbeiten]

Der früheste Beleg für den Ausdruck Weihnachten zusammengesetzt aus der adjektivischen Wendung ze wihen nahten stammt aus dem Jahr 1170.[1]

Unbekannt: „diu gnâde diu anegengete sih an dirre naht: von diu heizet si diu wîhe naht.
Übersetzung: Die Gnade (Gottes) kam zu uns in dieser Nacht: deshalb heißt diese nunmehr Weihnacht.“
Quelle: Unbekannt


Aus der gleichen Zeit (1190) stammt das Gedicht des bayerischen Dichters Spervogel

Manfred Becker-Huberti: „Er ist gewaltic unde starc, der ze wihen naht geborn wart: daz ist der heilige krist.“
Quelle: Feiern, Feste, Jahreszeiten, 2001, S.80.


Das erste Wortglied weih wird von germanisch wīʒja, wīha ‚heilig‘ aus der Grundform des Verbs *wīʒjan ‚weihen‘, und des Weiteren aus der indogermanischen Wortwurzel *ueik ‚aus-, absondern, weihen‘ abgeleitet. Für die deutsche Sprache wichtige ableitende Formen sind: gotisch weih-s, althochdeutsch, altsächsisch wîh und mittelhochdeutsch wî(c)h und das schwache Verb wîchen. Das Wort kann also mit „heilige Nacht“, beziehungsweise eher als „heilige Nächte“ übersetzt werden, da zum einen das zweite Wortglied -naht hier an die alte Zeiteinteilung vom Tag mit Beginn der Nacht ansetzt (englisch fortnight ‚vierzehn Tage“ aus altenglisch fēowertyne niht) und zum anderen der Plural auf mehrere Feiertage in Bezug auf die altkirchliche Tradition der „zwölf Weihnachtstage“ vom 25. Dezember bis Epiphanias am 6. Januar hinweist. Darüber hinaus ist weih, beziehungsweise die germanische Grundform mit lateinisch victima ‚Opfertier‘ verwandt, wie auch die Bezeichnung der Kultstätten, zum Beispiel altnordisch Ve.[2][3][4][5]

Schon früh wurde dagegen die Vermutung geäußert, dass der Name vorchristlichen Ursprungs sei: „das dieser heydnisch nam Ostern und standt nicht von Petro, sonder von den heyden in das christenthumb ist kommen, wie auch die fasznacht, weinnacht etc.“[6]

Da die ersten Belege für das Wort aus dem 12. Jahrhundert stammen, nehmen viele Forscher an, dass der Begriff christlichen Ursprungs ist, vermutlich als Lehnübersetzung des lateinischen nox sancta aus den Gebeten der lateinischen Christmette unter Verwendung des volkssprachlichen Wortschatzes und ohne Bezug auf vorchristliche pagane Begriffsbildungen, wie ein Vergleich mit dem erhaltenen skandinavischen Begriff des Juls zeigt.

Martin Luther dachte an wiegen und bildete Wygenachten ‚da wir das kindlein wiegen“.[7]

Theodor Storm bildete aus dem Substantiv „Weihnachten“ dann das Verb weihnachten.[8] In seinem Gedicht vom Knecht Ruprecht heißt es in den Anfangs- und Schlusszeilen:

Von drauß’ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr.

Quelle: kopiert und wikifiziert aus der Wikipedia Abschnitt Wortenstehung von "Weihnachten" aus dem Artikel Weihnachten nach der Fassung vom 15.12.2011.


  1. K. Lachmann, M. Haupt (Hrsg.): Des Minnesangs Frühling; Leipzig 1857. Vorwiegend 2. Hälfte 12. Jh.; z. T. später Msf (Kraus) und MSF 38
  2. Alf Torp, Hjalmar Falk: Wortschatz der germanischen Spracheinheit. In: Wörterbuch der Indogermanischen Sprachen Teil 3; August Fick (Hrsg.); V&R, Göttingen 1909. S. 408 f.
  3. Friedrich Kluge, Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 23. Auflage. W. de Gruyter, Berlin – New York, 1995. S. 881-2
  4. Vladimir Orel: Handbook of Germanic Etymology. Brill Verlag, Leiden – Boston, 2003. ISBN 90-04-12875-1. S. 465
  5. Oskar Schade: Altdeutsches Wörterbuch Bd. 2. Halle/Saale 1882. S. 1150 f.
  6. Franck 1538
  7. Luther, Bd. 2, Sp. 531, 37, 48.
  8. Storm Bd. 1 S. 187


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