Benutzer:Nowotoj/Meine Memoiren

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6. August: Die komplizierteste Sprache der Welt

Eine Sache, die mir an der deutschen Sprache gefällt, ist die Möglichkeit, Sätze zu bilden, mit denen ganz bestimmt niemand etwas anfangen kann, der nicht ganz genau weiß, was jedes einzelne Wort bedeutet. Man kann im Deutschen ganz wunderbar auf Internationalismen verzichten.

Dazu ein Beispiel vom Seitenstreifen eines Müslikartons: Ingrediënten, Ingredienser, Ingredienser, Zutaten, Ingredients, Ingrédients, Ingredientes. Na? Wer findet das deutsche Wort in dieser Aufzählung? Es gibt zwar auch Ingredienzen als Synonym für Zutaten, aber warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

Ich behaupte, man kann jeden normalen Alltagstext so umschreiben, dass er fast vollständig internationalismenfrei ist. Aufpassen muss man nur bei Wörtern, die zwar urdeutsch klingen, aber in ähnlicher Schreibung und Aussprache in der ebenfalls westgermanischen und leider sehr bekannten Sprache Englisch vorkommen. „Haus“ ist solch ein Beispiel. Man könnte Parallelen zum englischen “house” ziehen. Aber zum Glück gibt es das viel bessere Ersatzwort „Gebäude“, das zum Einen fast doppelt so lang ist und zum Anderen den wunderschönen Buchstaben Ä enthält. Ein Wort wie „Gebäude“ wird uns auch so schnell niemand klauen – na ja, außer die Niederländer (gebouwtje), aber die zählen nicht.

Beim Verfassen unverständlicher deutscher Texte muss man auch auf möglichst umständliche Satzkonstruktionen achten. Am besten sind diese unregelmäßigen Verben, deren Konjunktiv-2-Form man in keinem Wörterbuch findet. Ach, was bin ich froh, dass ich Deutsch-Muttersprachler bin und den Scheiß nicht lernen muss.

Es folgt ein Test. Den nachstehenden Text denke ich mir spontan aus. Anschließend übersetze ich ihn ins Verwirrdeutsche. Das Fruchtbringende Wörterbuch und http://openthesaurus.de/ sind meine Freunde.

Das Telefon meines Chefs ist defekt. Es piept nur, wenn er eine Nummer wählt. Deshalb telefoniert er seit Februar über das Internet. Weil er selbst eine prinzipielle Aversion gegen neue Technologien hat, ließ er seine Sekretärin mit dem Problem der Konfiguration allein. An diesem Punkt endet der Fantasietext.

Der Fernsprecher meines Dienstvorgesetzten ist außer Betrieb. Er pfeift lediglich, sobald er ihn anrufend benützt. Aus diesem Grunde klingelt er seine Gesprächsteilnehmer seit Hornung mittels des weltumspannenden Rechnernetzwerkes an. Aufgrund seines tiefsitzenden Gräuels gegenüber noch nicht bewährten Neuerungen übergab er die Aufgabenstellung der Einstellung dieser neuen Fernsprecheinrichtung an seine Vorzimmerdame. Hiermit schließt das ausgedachte Schriftstück.


8. Juli: AKW oder Leben?
Brunsbüttel
Krümmel
Deutschlandkarte, Position von Krümmel und Brunsbüttel hervorgehoben

Am Donnerstag, dem 28. Juni wurde das Atomkraftwerk Brunsbüttel abgeschaltet. Über die Gründe kann man einiges lesen, oder besser gesagt nicht lesen. Darüber möchte ich mich gar nicht auslassen. Brunsbüttel ist mittlerweile wieder am Netz, das Kernkraftwerk Krümmel, das am selben Tag wegen eines Brandes, der – Achtung! – zwei Tage lang nicht gelöscht werden konnte, heruntergefahren wurde, liefert noch immer keinen Strom.

Das ist alles kalter Kaffee, den ich hier nicht nochmal aufwärmen möchte. Ich möchte nur eine Frage aufwerfen, die mir die Nachrichten bislang nicht beantworten konnten. 28 % des Stroms, den wir verbrauchen, kommt aus Atomkraftwerken. Die BRD hat 17 aktive Atomkraftwerke. Wie kann es sein, dass zwei davon, die sehr dicht beieinander stehen, siehe Karte, drei Tage lang gemeinschaftlich nicht am Netz waren und niemand sich über Stromausfall beklagt? Vorsicht, es folgt eine gewagte These: Da Hamburg von Donnerstag bis Sonntag nicht im Dunkeln lag, gibt es keinen realen Bedarf für die Energie dieser zwei Kraftwerke. Sie können einfach endgültig abgeschaltet werden.

Na gut, entschärfend muss erwähnt werden, dass es in unmittelbarer Nähe das Kernkraftwerk Brokdorf gibt. Verwundern sollte das Ausbleiben eines Babybooms nach New Yorker Vorbild aber trotzdem, denn Brokdorf liefert eine Leistung von 1370 MW, Brunsbüttel und Krümmel zusammen dagegen etwa 2100 MW – wenn sie denn ausnahmsweise mal fehlerfrei funtionieren. Kann man diesen rapiden Leistungsabfall durch den Ausfall zweier Kraftwerke tolerieren? Wenn ja, warum tut man es dann nicht schon immer und auch in Zukunft?

Wer die Wikipedia-Artikel zu den Kraftwerken Krümmel und Brunsbüttel liest, dem krämpeln sich schon beim Anblick der Überschriften die Fußnägel hoch. Und spätestens wenn dann noch herauskommt, dass Vattenfall Informationen zurückhält, die eventuell dazu beitragen könnten, den Anteil der Atomkraftgegner in der Bevölkerung zu steigern, weiß ich, dass es wohl besser wäre, alle Kernkraftwerke würden explodieren, die Welt in Stücke reißen und dieser ganzen Heuchelei ein Ende bereiten. How.


5. Juli: Ein Gedanke zum Sprachunterricht
Class room with teacher in the Beamish Museum 01.JPG

Ich hätte nichts dagegen, wenn der Lehrplan des Deutschunterrichtes schon ab der ersten Klasse Brailleschrift vorsähe. Das wäre ein wichtiger Schritt in Richtung Toleranz. Ich kenne keinen Sehenden, der eine Punktschrift lesen kann.

Das Lernen ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Insbesondere Kinder sind ganz heiß darauf, neue Sprachen kennenzulernen. In einigen Bundesländern und Kantonen beginnt der Englischunterricht unter dem Namen Frühenglisch jetzt schon in der ersten Klasse. Unabhängig von den politischen Gründen ist das eine positive Entwicklung. Prinzipiell gilt: Je früher, desto besser. Kindergärten sollten deshalb im Schulsystem verankert und von Anfang an kostenlos sein. Es sollte schon vor der Einschulung zum Beispiel Englisch und eine Gebärdensprache begonnen werden. Insbesondere Letzteres könnte die Integration Gehörloser erheblich erleichtern. Es könnte schon in der dritten oder fünften Klasse begonnen werden, Unterricht in Gebärdensprache anzubieten, sofern ein gehörloses Kind im Klassenraum sitzt. Ausgrenzend wirkende Sonderschulen könnten abgeschafft werden.


16. Juni: Wie die Füchse mit dem Wandalismus umgingen
Vulpes vulpes pups.jpg

Es waren drei befreundete Füchse, die jeder in seinem eigenen Bau lebten. Sie ließen jeden Wanderer ein und waren aufgeschlossene Gesellen. Den ersten Fuchs besuchte hin und wieder ein Zerstörungswütiger, der den Fuchs freundlich begrüßte und dann seinen Bau ruinierte. Er legte Feuer, zerschlug das Geschirr und warf die Stühle um, bevor er wieder verschwand. Der Fuchs konnte nur fluchen, der Täter aber blieb ihm fremd.

Zu dem zweiten Fuchs kam oft jemand, der den Kaffee in den Nachtschrank stellte, die Zeitung in den Müll warf, bevor der Fuchs sie gelesen hatte und alle Vorräte aus der Speisekammer in die Waschküche brachte. Der Fuchs war sehr wütend auf diesen Gast, weil er sich jedes Mal, wenn er von ihm besucht wurde, nicht mehr in seinem eigenen Bau zurechtfand.

Beim dritten Fuchs bat gelegentlich jemand um Einlass, dem der Bau gut gefiel. Er richtete aber die Speisekammer näher an der Küche ein, baute Läden an die Fenster, weil er es im Sommer gern etwas kühler hatte und auf dem Fußboden legte er einen Teppich aus. Der Fuchs hieß die Ideen des Fremden gut, wollte seine Gewohnheiten aber nicht ändern und hatte jedes Mal Mühe, alles wieder so herzurichten, wie es zuvor gewesen war.

Eines Abends saßen die drei Füchse zusammen und beratschlagten sich über die Geschehnisse. Der erste Fuchs sagte, dass er seinen Bau verschließen und nur noch die zwei anderen Füchse einlassen wolle. Der zweite Fuchs trat dafür ein, dass sie den Wanderern zeigen sollten, wie Füchse zu leben pflegten und sie dann ihre Gäste sein lassen sollten. Als der dritte Fuchs über die Vorschläge der anderen und das Erlebte nachdachte, fiel ihm auf, dass es stets Füchse waren, die seinen Bau veränderten. Er fragte die anderen beiden, ob sie ihn unbesorgt einlassen würden. Der zweite Fuchs bejahte, obwohl auch er bemerkt hatte, dass nur junge, unerfahrene Füchse in seinem Bau alles durcheinander brachten. Der erste Fuchs stimmte ebenfalls zu, doch auch er befand, dass verzogene Kinder von benachbarten Füchsen für die Verwüstungen in seinem Heim verantwortlich waren. Dem dritten Fuchs gefiel die anhaltende Gastfreundschaft der anderen und er fragte sie, warum sie dann nicht zu dritt in einem Bau wohnen sollten.

Am nächsten Morgen schon wachten die drei Füchse unter einem gemeinsamen Dach auf und es gab keine verzogenen Nachbarskinder, keine unwissenden Junggesellen und keine Gäste mit unpässlichen Gewohnheiten, denn sie alle aßen aus dem selben Topf. Die Sonne schien über dem neuen gemeinschaftlichen Heim und wer mit den Füchsen wohnen wollte, den ließen sie ein.