Benutzer:Thirunavukkarasye-Raveendran/Häufige Wörter Ungarisch 16
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- Die Geschichte Ungarns - 1. - Archäologische Spuren
- DIE GESCHICHTE UNGARNS
- Vorgeschichte und Urgeschichte
Archäologische Spuren: Frühe Besiedlung der Pannonischen Tiefebene
[Bearbeiten]- 1. Die Vorgeschichte des Karpatenbeckens umfasst einen Zeitraum von mehreren Hunderttausend Jahren ohne jede schriftliche Überlieferung.
- 2. Alles Wissen über diese lange Epoche stützt sich allein auf materielle Hinterlassenschaften im Boden.
- 3. Werkzeuge, Gefäßreste, Knochen, Aschespuren und Bauüberreste bilden die einzigen Zeugnisse dieser fernen Zeit.
- 4. Die Wissenschaft, die solche Funde birgt und deutet, ist die Archäologie.
- 5. Aus stummen Gegenständen rekonstruiert sie Lebensweisen, Wirtschaftsformen und gesellschaftliche Ordnungen.
- 6. Die Pannonische Tiefebene erwies sich dabei über alle Epochen hinweg als bevorzugter Lebensraum.
- 7. Ihre günstige Lage, fruchtbare Böden, Flussläufe und Rohstoffvorkommen zogen Menschen über Jahrtausende an.
- 8. Als Senke zwischen umliegenden Gebirgen war die Region zugleich Siedlungsraum und Durchgangsland.
- 9. Wandernde Gruppen, Ideen, Techniken und Waren kreuzten sich hier auf natürlichen Verkehrswegen.
- 10. Die Besiedlungsgeschichte verlief nicht gleichförmig, sondern in deutlich unterscheidbaren Entwicklungsstufen.
- 11. Die Forschung gliedert diese Abfolge nach dem jeweils bestimmenden Werkstoff in Stein-, Bronze- und Eisenzeit.
- 12. Diese Einteilung ist ein Ordnungsschema, kein scharfer Einschnitt, denn die Übergänge verliefen fließend.
- 13. Den Anfang bildet die Altsteinzeit, die längste und am dünnsten besiedelte Phase.
- 14. In ihr lebten frühe Menschenformen, später der Neandertaler und schließlich der moderne Mensch.
- 15. Ihre Existenz war an die wechselnden Klimabedingungen der Eiszeit gebunden.
- 16. Sie bestritten ihren Lebensunterhalt ausschließlich durch Jagd, Fischfang und das Sammeln von Wildpflanzen.
- 17. Diese aneignende Wirtschaftsform verlangte ständige Ortswechsel und kleine, bewegliche Gruppen.
- 18. Mit dem Ausklang der Eiszeit veränderten sich Landschaft, Tierwelt und damit die Lebensbedingungen grundlegend.
- 19. Die Mittelsteinzeit bildet die Anpassungsphase an die nacheiszeitliche Waldumwelt.
- 20. Den tiefsten Einschnitt der gesamten Vorgeschichte markiert jedoch der Beginn der Jungsteinzeit.
- 21. Mit Ackerbau und Viehzucht ging der Mensch von der aneignenden zur erzeugenden Wirtschaft über.
- 22. Diesen folgenreichen Wandel bezeichnet die Forschung als neolithische Revolution.
- 23. Erstmals erzeugte der Mensch seine Nahrung selbst, statt sie der Natur nur zu entnehmen.
- 24. Die Folge war Sesshaftigkeit, der dauerhafte Verbleib an einem Ort und die Entstehung fester Dörfer.
- 25. Das Karpatenbecken wurde zur Brücke, über die diese Lebensweise vom Balkan nach Mitteleuropa gelangte.
- 26. Mit der Jungsteinzeit traten Keramik, Weberei und geschliffene Steingeräte als neue Errungenschaften hinzu.
- 27. Nahrungsüberschüsse ermöglichten Vorratshaltung, Bevölkerungswachstum und erste handwerkliche Spezialisierung.
- 28. Die nächste Stufe brachte die Beherrschung der Metalle, beginnend mit Kupfer und sodann mit Bronze.
- 29. Bronze, eine Legierung aus Kupfer und Zinn, lieferte härtere Werkzeuge und Waffen.
- 30. Da die Rohstoffe ungleich verteilt waren, entstand ein weitreichender Fernhandel.
- 31. Das Metallhandwerk wuchs zu einem hoch spezialisierten und angesehenen Beruf heran.
- 32. Mit dem wachsenden Reichtum vertiefte sich die Kluft zwischen den Bevölkerungsgruppen.
- 33. So bildete sich eine gestufte Gesellschaft mit einer wohlhabenden, mächtigen Oberschicht heraus.
- 34. Befestigte Siedlungen, eigens gefertigte Waffen und reich ausgestattete Gräber bezeugen diese Ungleichheit.
- 35. Die abschließende Stufe der Vorgeschichte bildet die Eisenzeit.
- 36. Eisen war härter und vor allem weit verbreiteter als die seltenen Bestandteile der Bronze.
- 37. Dadurch standen Metallgeräte erstmals breiteren Schichten der Bevölkerung zur Verfügung.
- 38. In der jüngeren Eisenzeit erreichte die technische Entwicklung mit den Kelten ihren Höhepunkt.
- 39. Töpferscheibe, eigene Münzprägung und stadtartige Großsiedlungen kennzeichnen diese Blütezeit.
- 40. Über alle Epochen hinweg lässt sich ein durchgehender Grundzug erkennen.
- 41. Die Lebensweise entwickelte sich von einfacher Naturabhängigkeit zu wachsender Naturgestaltung.
- 42. Zugleich nahmen Spezialisierung, Tauschbeziehungen und gesellschaftliche Gliederung stetig zu.
- 43. Die menschlichen Gemeinschaften wurden größer, sesshafter und in ihrem inneren Aufbau komplexer.
- 44. Auch die Verflechtung des Karpatenbeckens mit den übrigen Regionen Europas verstärkte sich fortlaufend.
- 45. Diese gesamte Entwicklung verlief schriftlos und ist allein über archäologische Befunde erschlossen.
- 46. Fundplätze, Siedlungshügel, Gräberfelder und Hortfunde dienen dabei als zentrale Erkenntnisquellen.
- 47. Aus ihrer Abfolge und ihren regionalen Eigenheiten leitet die Forschung sogenannte archäologische Kulturen ab.
- 48. Eine solche Kultur bezeichnet eine wiederkehrende Fundgruppe, nicht zwingend ein bestimmtes Volk.
- 49. Erst gegen Ende der Eisenzeit treten mit den antiken Schriftquellen erstmals benannte Völker hervor.
- 50. Damit endet die Urgeschichte, und die überlieferte Geschichte des Karpatenbeckens nimmt ihren Anfang.
Die ältesten Spuren: Steinzeitliche Jäger und Sammler
[Bearbeiten]- 1. Die Geschichte der menschlichen Besiedlung des Karpatenbeckens beginnt nicht mit den Ungarn, sondern Hunderttausende Jahre vor ihrer Ankunft.
- 2. Lange bevor es Staaten, Dörfer oder Ackerbau gab, durchstreiften kleine Gruppen von Jägern und Sammlern die Landschaft des heutigen Ungarn.
- 3. Diese frühesten Bewohner hinterließen keine Schriften, keine Bauwerke und keine Gräberfelder im eigentlichen Sinne.
- 4. Was von ihnen blieb, sind Werkzeuge aus Stein, Tierknochen, Aschereste von Feuerstellen und gelegentlich menschliche Überreste.
- 5. Die Wissenschaft, die diese Spuren untersucht, ist die Archäologie, genauer die Urgeschichtsforschung.
- 6. Die älteste Epoche der Menschheitsgeschichte wird als Steinzeit bezeichnet.
- 7. Der Begriff verweist auf das wichtigste Material, aus dem die Menschen damals ihre Werkzeuge fertigten.
- 8. Die Steinzeit selbst gliedert sich in drei große Abschnitte: die Altsteinzeit, die Mittelsteinzeit und die Jungsteinzeit.
- 9. Die Altsteinzeit wird mit dem Fachbegriff Paläolithikum bezeichnet, die Mittelsteinzeit als Mesolithikum.
- 10. Steinzeitliche Jäger und Sammler lebten in der Altsteinzeit und der Mittelsteinzeit.
- 11. Erst die Jungsteinzeit, das Neolithikum, brachte den Ackerbau und damit eine völlig neue Lebensweise.
- 12. Die Altsteinzeit ist die mit Abstand längste Epoche der menschlichen Geschichte.
- 13. Sie umfasst einen Zeitraum von mehreren Hunderttausend Jahren.
- 14. Während dieser langen Zeit ernährten sich die Menschen ausschließlich von dem, was die Natur ihnen bot.
- 15. Sie jagten Wildtiere, fingen Fische und sammelten Pflanzen, Früchte, Wurzeln, Nüsse und essbare Samen.
- 16. Diese Lebensweise nennt man die aneignende Wirtschaftsform, weil sich der Mensch die Nahrung aus der Natur aneignet, ohne sie selbst zu erzeugen.
- 17. Die Menschen der Altsteinzeit produzierten ihre Nahrung also nicht, sie fanden und erbeuteten sie.
- 18. Eine solche Lebensweise verlangt ständige Bewegung und große Flächen.
- 19. Wenn die Nahrungsquellen eines Gebietes erschöpft waren, mussten die Gruppen weiterziehen.
- 20. Die steinzeitlichen Jäger und Sammler lebten deshalb nicht sesshaft, sondern als Nomaden.
- 21. Sie wanderten den Tierherden hinterher und folgten dem jahreszeitlichen Wechsel der Pflanzennahrung.
- 22. Ihre Gruppen waren klein und umfassten meist nur wenige Dutzend Menschen.
- 23. Solche Gruppen werden in der Forschung als Horden oder Wildbeutergruppen bezeichnet.
- 24. Größere Verbände wären nicht zu ernähren gewesen, weil die Natur nur begrenzt Nahrung bereithielt.
- 25. Innerhalb der Gruppe herrschte vermutlich eine einfache Arbeitsteilung.
- 26. Vieles spricht dafür, dass die Männer überwiegend jagten, während Frauen und Kinder Pflanzen und Kleintiere sammelten.
- 27. Diese Vorstellung ist jedoch ein Modell der Forschung und lässt sich für die Altsteinzeit nicht mit Sicherheit beweisen.
- 28. Das Gebiet des heutigen Ungarn liegt im sogenannten Karpatenbecken.
- 29. Das Karpatenbecken ist eine große Tiefebene, die ringsum von Gebirgen umschlossen wird.
- 30. Den Kern dieses Beckens bildet die Pannonische Tiefebene.
- 31. Diese geografische Lage machte die Region zu allen Zeiten zu einem natürlichen Durchgangs- und Siedlungsraum.
- 32. Schon in der Altsteinzeit zogen Menschen durch dieses Gebiet, weil es Wasser, Wild und Rohstoffe bot.
- 33. Das Klima der Altsteinzeit unterschied sich allerdings stark vom heutigen Klima.
- 34. Während der letzten großen Kaltzeit, der sogenannten Eiszeit, war Europa weitaus kälter als heute.
- 35. In der Fachsprache wird eine solche Kaltzeit als Glazial bezeichnet, eine Warmzeit als Interglazial.
- 36. Das Karpatenbecken war zwar nicht von einem geschlossenen Eispanzer bedeckt, lag aber im kalten Vorfeld der Gletscher.
- 37. Dieses Vorfeld bezeichnet man als Periglazialgebiet.
- 38. Weite Teile der Landschaft glichen einer baumlosen Kältesteppe, der sogenannten Tundra.
- 39. In anderen, milderen Phasen breiteten sich Wälder und Grasländer aus.
- 40. Das Klima wechselte über Zehntausende von Jahren mehrfach zwischen kalten und wärmeren Abschnitten.
- 41. Mit dem Klima veränderte sich auch die Tier- und Pflanzenwelt, von der die Menschen lebten.
- 42. In den kalten Phasen lebten in der Region große, an die Kälte angepasste Tiere.
- 43. Dazu gehörten das Mammut, das Wollnashorn, das Wildpferd und das Rentier.
- 44. Auch der Riesenhirsch, der Höhlenbär und der Steppenbison bevölkerten die eiszeitliche Landschaft.
- 45. Diese großen Tiere waren für die Jäger besonders wertvoll, weil ein einziges erlegtes Tier viel Fleisch lieferte.
- 46. Neben dem Fleisch nutzten die Menschen das Fell, die Knochen, die Sehnen und die Stoßzähne.
- 47. Aus diesen Materialien fertigten sie Kleidung, Werkzeuge, Waffen und einfache Behausungen.
- 48. Nichts an einem erlegten Tier wurde verschwendet.
- 49. Die Jagd auf solche großen Tiere war gefährlich und erforderte die Zusammenarbeit der ganzen Gruppe.
- 50. Vermutlich trieben die Jäger die Tiere in Sümpfe, Schluchten oder Engstellen, wo sie leichter zu erlegen waren.
- 51. Das wichtigste Material der steinzeitlichen Menschen war, wie der Name der Epoche sagt, der Stein.
- 52. Besonders begehrt war Feuerstein, ein hartes Gestein, das sich gezielt zu scharfen Kanten zerschlagen lässt.
- 53. Feuerstein wird auch als Silex oder Flint bezeichnet.
- 54. Aus solchem Gestein stellten die Menschen Klingen, Schaber, Spitzen und Bohrer her.
- 55. Die Herstellung von Steinwerkzeugen wird in der Forschung als Steinbearbeitung oder Lithik bezeichnet.
- 56. Durch gezielte Schläge wurden von einem Steinkern dünne Abschläge gewonnen.
- 57. Diese Abschläge ließen sich weiterbearbeiten und an verschiedene Aufgaben anpassen.
- 58. Aus der Form und der Bearbeitungsweise der Werkzeuge schließt die Forschung auf das Alter und die Herkunft der Funde.
- 59. Bestimmte Werkzeugtypen und Herstellungstechniken werden zu sogenannten Kulturen zusammengefasst.
- 60. Eine archäologische Kultur ist dabei kein Volk, sondern eine wiederkehrende Gruppe ähnlicher Funde.
- 61. Die ältesten menschlichen Spuren im Karpatenbecken stammen aus der Altsteinzeit und sind mehrere Hunderttausend Jahre alt.
- 62. Diese frühesten Bewohner gehörten noch nicht zur Art des heutigen Menschen.
- 63. Sie gehörten zu früheren Formen der Gattung Mensch, die der Wissenschaft als Vormenschen oder frühe Menschenformen gelten.
- 64. Eine bedeutende und bekannte Fundstelle dieser frühen Zeit ist der Ort Vértesszőlős in Nordungarn.
- 65. In Vértesszőlős wurden Steinwerkzeuge, Tierknochen und Spuren von Feuerstellen entdeckt.
- 66. Die Funde von Vértesszőlős gehören zu den ältesten Belegen menschlicher Anwesenheit in dieser Region.
- 67. Sie werden mit einer frühen Menschenform in Verbindung gebracht, die vor dem Neandertaler lebte.
- 68. Die Beherrschung des Feuers war für das Überleben in der kalten Umwelt von größter Bedeutung.
- 69. Feuer spendete Wärme, Licht und Schutz vor Raubtieren.
- 70. Außerdem ermöglichte es, Nahrung zu garen und dadurch besser verdaulich und haltbarer zu machen.
- 71. Um die Feuerstelle versammelte sich die Gruppe, was das soziale Zusammenleben förderte.
- 72. In einer mittleren Phase der Altsteinzeit lebte im Karpatenbecken der Neandertaler.
- 73. Der Neandertaler war ein naher Verwandter des heutigen Menschen, aber eine eigene Menschenform.
- 74. Er war kräftig gebaut und gut an das kalte Klima der Eiszeit angepasst.
- 75. Neandertaler waren erfahrene Jäger und stellten sorgfältig gearbeitete Steinwerkzeuge her.
- 76. Im heutigen Ungarn fanden sich Spuren des Neandertalers vor allem in Höhlen der Mittelgebirge.
- 77. Höhlen boten natürlichen Schutz vor Kälte, Wind und Regen und wurden deshalb gern als Unterkunft genutzt.
- 78. Eine bekannte Fundstätte ist die Höhle von Subalyuk im Bükk-Gebirge.
- 79. In der Subalyuk-Höhle wurden menschliche Überreste eines Neandertalers entdeckt.
- 80. Solche Höhlenfunde sind für die Forschung besonders wertvoll, weil sich dort Knochen über lange Zeit gut erhalten.
- 81. Vor etwa vierzigtausend Jahren erschien im Karpatenbecken der moderne Mensch.
- 82. Der moderne Mensch trägt den wissenschaftlichen Namen Homo sapiens.
- 83. Zu dieser Art gehören alle heute lebenden Menschen.
- 84. Mit dem Homo sapiens begann die jüngere Altsteinzeit, das sogenannte Jungpaläolithikum.
- 85. Der moderne Mensch brachte verfeinerte Werkzeuge und neue Techniken mit sich.
- 86. Er fertigte schmale, lange Steinklingen und nutzte zunehmend auch Knochen, Geweih und Elfenbein als Werkstoff.
- 87. Aus diesen Materialien entstanden Nadeln, Harpunen, Speerspitzen und andere spezialisierte Geräte.
- 88. Mit Knochennadeln ließ sich Kleidung aus Fell zusammennähen, was vor der Kälte schützte.
- 89. In dieser Epoche entstanden auch die ersten Zeugnisse von Kunst und Symboldenken.
- 90. Die Menschen fertigten Schmuck aus durchbohrten Tierzähnen, Muscheln und Knochenstücken.
- 91. An manchen Fundstellen Europas finden sich Höhlenmalereien und kleine geschnitzte Figuren.
- 92. Solche Funde zeigen, dass die Menschen der jüngeren Altsteinzeit über ein hoch entwickeltes Denken verfügten.
- 93. Im Karpatenbecken ist die Fundstelle Istállóskő im Bükk-Gebirge für diese Epoche besonders bekannt.
- 94. In der Höhle von Istállóskő wurden Steinwerkzeuge und bearbeitete Knochengeräte des modernen Menschen gefunden.
- 95. Auch andere Höhlen der ungarischen Mittelgebirge lieferten Funde aus dem Jungpaläolithikum.
- 96. Die Lebensweise blieb dabei weiterhin die der nomadischen Jäger und Sammler.
- 97. Die Menschen lebten in kleinen, beweglichen Gruppen und folgten dem Wild und den Jahreszeiten.
- 98. Vor etwa zehntausend Jahren ging die letzte Eiszeit zu Ende.
- 99. Das Klima erwärmte sich allmählich, und die Gletscher zogen sich zurück.
- 100. Diese Klimaerwärmung veränderte die Landschaft des Karpatenbeckens grundlegend.
- 101. An die Stelle der kalten Tundra und Steppe traten ausgedehnte Wälder.
- 102. Die großen Kältetiere wie das Mammut und das Wollnashorn verschwanden aus der Region.
- 103. Manche dieser Tierarten starben vollständig aus, andere zogen in nördlichere Gebiete.
- 104. An ihre Stelle traten Waldtiere wie Rothirsch, Reh, Wildschwein und Auerochse.
- 105. Mit dem Ende der Eiszeit begann eine neue Epoche, die Mittelsteinzeit oder das Mesolithikum.
- 106. Die Mittelsteinzeit ist die Übergangszeit zwischen der Altsteinzeit und der Jungsteinzeit.
- 107. Die Menschen waren weiterhin Jäger und Sammler, mussten sich aber an die neue Waldumwelt anpassen.
- 108. Die Jagd auf einzelne, scheue Waldtiere verlangte andere Methoden als die Jagd auf große Herdentiere.
- 109. Pfeil und Bogen, die schon am Ende der Altsteinzeit aufkamen, wurden nun zur wichtigen Jagdwaffe.
- 110. Auch der Fischfang und das Sammeln von Pflanzen, Beeren und Nüssen gewannen an Bedeutung.
- 111. Typisch für die Mittelsteinzeit sind sehr kleine Steinwerkzeuge, die sogenannten Mikrolithen.
- 112. Mikrolithen sind winzige Steinklingen, die in Holz- oder Knochenschäfte eingesetzt wurden.
- 113. Mehrere solcher Klingen ließen sich zu zusammengesetzten Werkzeugen und Waffen verbinden.
- 114. Aus dem Karpatenbecken sind nur vergleichsweise wenige Fundstellen der Mittelsteinzeit bekannt.
- 115. Die Bevölkerung dieser Epoche war wahrscheinlich dünn und über das Gebiet verstreut.
- 116. Dennoch belegen die Funde, dass das Gebiet auch in dieser Übergangszeit durchgehend besiedelt war.
- 117. Über mehrere Hunderttausend Jahre hinweg blieb die Lebensweise im Kern dieselbe.
- 118. Die Menschen lebten in kleinen Gruppen, zogen umher und ernährten sich von Jagd und Sammeln.
- 119. Sie veränderten die Natur kaum und passten sich stattdessen den Bedingungen der Umwelt an.
- 120. Diese lange Epoche der Jäger und Sammler bildet die Grundlage der gesamten ungarischen Vorgeschichte.
- 121. Erst danach, mit dem Beginn der Jungsteinzeit, sollten Ackerbau, Viehzucht und feste Dörfer das Leben der Menschen tiefgreifend verändern.
Neolithische Kulturen: Erste Ackerbauern und Viehzüchter
[Bearbeiten]- 1. Mit dem Ende der Mittelsteinzeit begann im Karpatenbecken eine der tiefgreifendsten Veränderungen der gesamten Menschheitsgeschichte.
- 2. Die Menschen gaben allmählich die Lebensweise der umherziehenden Jäger und Sammler auf.
- 3. An ihre Stelle traten Ackerbau, Viehzucht und ein sesshaftes Leben in festen Siedlungen.
- 4. Diese neue Epoche wird als Jungsteinzeit oder mit dem Fachbegriff Neolithikum bezeichnet.
- 5. Der Begriff Neolithikum stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „neue Steinzeit“.
- 6. Die Werkzeuge bestanden weiterhin überwiegend aus Stein, doch die Lebensweise hatte sich grundlegend gewandelt.
- 7. Den entscheidenden Wandel von der aneignenden zur erzeugenden Wirtschaft nennt die Forschung die neolithische Revolution.
- 8. Das Wort Revolution bezeichnet hier keinen plötzlichen Umsturz, sondern einen tiefgreifenden Wandel über viele Generationen.
- 9. Bei der erzeugenden Wirtschaftsform produziert der Mensch seine Nahrung selbst, statt sie nur in der Natur zu suchen.
- 10. Der Ackerbau und die Viehzucht entstanden nicht im Karpatenbecken, sondern weit entfernt im Nahen Osten.
- 11. In einer Region des Nahen Ostens, die man als Fruchtbaren Halbmond bezeichnet, wurden Pflanzen und Tiere erstmals nutzbar gemacht.
- 12. Von dort breitete sich die neue Lebensweise über Jahrtausende langsam nach Europa aus.
- 13. Diese Ausbreitung erfolgte sowohl durch wandernde Bauerngruppen als auch durch die Übernahme der neuen Techniken durch ansewohnende Menschen.
- 14. Das Karpatenbecken nahm bei dieser Ausbreitung eine Schlüsselstellung ein.
- 15. Es bildete das Tor, durch das der Ackerbau vom Balkan aus nach Mitteleuropa gelangte.
- 16. Etwa im sechsten Jahrtausend vor Christus erreichte die bäuerliche Lebensweise das Gebiet des heutigen Ungarn.
- 17. Die fruchtbaren Böden und das milde Klima der Pannonischen Tiefebene boten dafür günstige Bedingungen.
- 18. Vor allem die Flusstäler waren wegen ihres Wassers und ihrer fruchtbaren Erde bevorzugte Siedlungsräume.
- 19. Der Ackerbau beruhte auf der Kultivierung bestimmter Pflanzen, die der Mensch gezielt anbaute.
- 20. Diesen Vorgang der Nutzbarmachung wilder Pflanzen und Tiere bezeichnet man als Domestikation.
- 21. Zu den wichtigsten angebauten Pflanzen gehörten frühe Getreidearten wie Emmer und Einkorn.
- 22. Emmer und Einkorn sind alte Weizenarten, die als Vorläufer des heutigen Weizens gelten.
- 23. Daneben baute man Gerste sowie Hülsenfrüchte wie Erbsen und Linsen an.
- 24. Das geerntete Getreide wurde zwischen Steinen zu Mehl zerrieben und zu einfachem Brot oder Brei verarbeitet.
- 25. Die Steine, die zum Zermahlen des Korns dienten, werden als Mahlsteine oder Reibsteine bezeichnet.
- 26. Neben dem Ackerbau bildete die Viehzucht die zweite Säule der neuen Wirtschaftsweise.
- 27. Die ersten domestizierten Tiere waren Rind, Schwein, Schaf und Ziege.
- 28. Der Hund war bereits in der Altsteinzeit als Jagdgefährte des Menschen domestiziert worden.
- 29. Die Nutztiere lieferten Fleisch, Milch, Fell, Wolle, Knochen und Häute.
- 30. Außerdem konnten Rinder als Zugtiere eingesetzt werden und so die Arbeit des Menschen erleichtern.
- 31. Die Haltung von Vieh sicherte einen Nahrungsvorrat, der unabhängig vom Jagderfolg war.
- 32. Ackerbau und Viehzucht zusammen schufen erstmals die Möglichkeit, Nahrungsüberschüsse zu erzeugen.
- 33. Solche Vorräte ließen sich speichern und überbrückten schlechte Jahreszeiten und Missernten.
- 34. Die Sicherung der Ernährung führte dazu, dass die Bevölkerung allmählich anwuchs.
- 35. Der Ackerbau zwang den Menschen, an einem Ort zu bleiben, denn Felder mussten bestellt und beerntet werden.
- 36. So entstand die Sesshaftigkeit, die feste Bindung der Menschen an einen bestimmten Wohnort.
- 37. Aus der Sesshaftigkeit entwickelten sich die ersten dauerhaften Dörfer.
- 38. Die Häuser der Jungsteinzeit waren meist längliche Bauten aus Holz, Lehm und Flechtwerk.
- 39. Diese Bauweise, bei der ein Holzgerüst mit Lehm verputzt wird, nennt man Flechtwerkbau oder Pfostenbau.
- 40. Mehrere solcher Häuser bildeten zusammen ein Dorf, in dem oft mehrere Familien zusammenlebten.
- 41. Mit der Sesshaftigkeit veränderte sich auch das Verhältnis des Menschen zur Natur.
- 42. Der Mensch begann, die Landschaft aktiv zu gestalten, indem er Wälder rodete und Felder anlegte.
- 43. Eine bedeutende technische Neuerung der Jungsteinzeit war die Herstellung von Keramik.
- 44. Keramik bezeichnet Gefäße aus gebranntem Ton, also Töpfe, Schalen und Krüge.
- 45. Aus Ton geformte Gefäße wurden im Feuer gebrannt und dadurch hart und haltbar.
- 46. In solchen Gefäßen ließen sich Getreide, Wasser, Milch und andere Vorräte aufbewahren und Speisen kochen.
- 47. Die Keramik ist für die Archäologie von besonderer Bedeutung.
- 48. Tongefäße zerbrechen leicht, doch ihre Scherben bleiben im Boden über Jahrtausende erhalten.
- 49. Form und Verzierung der Gefäße unterscheiden sich von Region zu Region und von Epoche zu Epoche.
- 50. Deshalb benennt die Forschung viele archäologische Kulturen nach der Machart ihrer Keramik.
- 51. Eine archäologische Kultur ist dabei kein Volk, sondern eine Gruppe ähnlicher Funde aus einem bestimmten Gebiet und Zeitraum.
- 52. Die älteste bäuerliche Kultur im Karpatenbecken ist die sogenannte Körös-Kultur.
- 53. Die Körös-Kultur ist nach dem Fluss Körös im Osten Ungarns benannt.
- 54. Sie verbreitete sich vom Balkan her und gehört zum frühen Neolithikum.
- 55. Die Menschen der Körös-Kultur lebten in kleinen Dörfern in den Flusstälern und betrieben Ackerbau und Viehzucht.
- 56. Auf die frühe Phase folgte die mittlere Jungsteinzeit mit neuen Kulturerscheinungen.
- 57. In dieser Zeit entstand die Kultur der Linearbandkeramik.
- 58. Der Name dieser Kultur leitet sich von den linienförmigen Bändern ab, mit denen die Gefäße verziert wurden.
- 59. Die Linearbandkeramik breitete sich vom Karpatenbecken aus über weite Teile Mitteleuropas aus.
- 60. Damit gelangte die bäuerliche Lebensweise von Ungarn aus bis nach Deutschland und Frankreich.
- 61. In der östlichen Tiefebene Ungarns entwickelte sich in dieser Zeit die Alföld-Linearbandkeramik.
- 62. Der Begriff Alföld bezeichnet die Große Ungarische Tiefebene im Osten des Landes.
- 63. Aus der späten Jungsteinzeit ist im Karpatenbecken die Tisza-Kultur bekannt.
- 64. Die Tisza-Kultur ist nach dem Fluss Theiß benannt, der auf Ungarisch Tisza heißt.
- 65. Ihre Keramik war fein gearbeitet und reich mit eingeritzten Mustern verziert.
- 66. Ein bemerkenswertes Merkmal der ungarischen Jungsteinzeit sind die sogenannten Tells.
- 67. Ein Tell ist ein künstlicher Siedlungshügel, der durch jahrhundertelanges Bauen am selben Ort entstand.
- 68. Wenn ein Lehmhaus verfiel, errichtete man ein neues Haus auf den Trümmern des alten.
- 69. Über viele Generationen wuchs der Boden so Schicht für Schicht in die Höhe.
- 70. Solche Tells zeigen, dass manche Orte über sehr lange Zeiträume hinweg ununterbrochen bewohnt waren.
- 71. Eine der bekanntesten neolithischen Fundstellen Ungarns ist der Ort Polgár-Csőszhalom.
- 72. Dort wurde eine große Siedlung mit einem zentralen Hügel und umgebenden Gräben freigelegt.
- 73. Auch die Fundstelle Vésztő-Mágor im Osten Ungarns ist ein gut erforschter Tell.
- 74. Mit der Sesshaftigkeit und den Nahrungsüberschüssen veränderte sich auch die Gesellschaft.
- 75. Da nicht mehr alle Menschen ständig mit der Nahrungsbeschaffung beschäftigt waren, konnten sich einzelne Tätigkeiten spezialisieren.
- 76. Es entstanden Handwerker, die sich auf die Herstellung von Keramik, Werkzeugen oder Textilien verstanden.
- 77. Diese Aufteilung der Arbeit auf verschiedene Tätigkeiten bezeichnet man als Arbeitsteilung.
- 78. Mit dem Weben von Textilien aus Pflanzenfasern und Wolle entstand ein neues Handwerk.
- 79. Auch der Handel über größere Entfernungen gewann an Bedeutung.
- 80. Begehrte Rohstoffe wie der Vulkanstein Obsidian wurden über weite Strecken ausgetauscht.
- 81. Obsidian ist ein scharfkantiges vulkanisches Gesteinsglas, das sich besonders gut zu Klingen verarbeiten lässt.
- 82. In Nordungarn gab es natürliche Vorkommen von Obsidian, die in der Jungsteinzeit genutzt wurden.
- 83. Funde von ungarischem Obsidian in weit entfernten Regionen belegen die Reichweite des Austauschs.
- 84. Auch die Steinbearbeitung selbst entwickelte sich weiter.
- 85. Die Menschen schliffen und polierten nun Steinbeile, statt sie nur durch Schlagen zu formen.
- 86. Geschliffene Steinbeile waren widerstandsfähiger und eigneten sich gut zum Fällen von Bäumen und zur Bearbeitung von Holz.
- 87. Mit der Sesshaftigkeit veränderten sich auch die religiösen Vorstellungen der Menschen.
- 88. Aus der Jungsteinzeit sind zahlreiche kleine Figuren aus gebranntem Ton bekannt.
- 89. Viele dieser Figuren stellen Frauengestalten dar und werden oft als Idole bezeichnet.
- 90. Ein berühmtes Beispiel aus Ungarn ist die sogenannte Venus von Kökénydomb.
- 91. Solche Figuren werden mit Vorstellungen von Fruchtbarkeit, Schutz und religiösem Kult in Verbindung gebracht.
- 92. Die genaue Bedeutung dieser Figuren lässt sich heute jedoch nicht mehr sicher bestimmen.
- 93. Die Verstorbenen wurden in der Jungsteinzeit oft innerhalb oder am Rand der Siedlungen bestattet.
- 94. Den Toten gab man häufig Gefäße, Schmuck oder Werkzeuge mit ins Grab.
- 95. Solche Grabbeigaben deuten auf einen Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod hin.
- 96. Gegen Ende der Jungsteinzeit zeichneten sich erste Unterschiede im Besitz und im sozialen Rang ab.
- 97. Manche Gräber enthalten reichere Beigaben als andere, was auf eine beginnende gesellschaftliche Schichtung hinweist.
- 98. Insgesamt brachte die Jungsteinzeit eine völlig neue Lebensweise in das Karpatenbecken.
- 99. Ackerbau, Viehzucht, Sesshaftigkeit, Dörfer, Keramik und Handwerk veränderten das Leben der Menschen von Grund auf.
- 100. Diese Grundlagen schufen die Voraussetzungen für die nächste Epoche, in der die Verarbeitung von Metallen begann.
- 101. Mit dem Erlernen der Metallverarbeitung sollte das Karpatenbecken in die Bronzezeit eintreten.
Bronzezeit in Pannonien: Handwerk, Handel und soziale Schichtung
[Bearbeiten]- 1. Auf die Jungsteinzeit folgte im Karpatenbecken eine Epoche, die nach einem neuen Werkstoff benannt ist: die Bronzezeit.
- 2. Den Übergang zwischen Jungsteinzeit und Bronzezeit bildet eine Zwischenstufe, die als Kupferzeit oder Kupfersteinzeit bezeichnet wird.
- 3. Der Fachbegriff für die Kupferzeit lautet Chalkolithikum oder Äneolithikum.
- 4. In dieser Zeit lernte der Mensch erstmals, ein Metall zu verarbeiten, nämlich das Kupfer.
- 5. Kupfer ist ein vergleichsweise weiches Metall, das sich kalt hämmern und im Feuer schmelzen lässt.
- 6. Die Gewinnung von Metall aus Erzgestein bezeichnet man als Verhüttung.
- 7. Beim Verhütten wird das Erz so stark erhitzt, dass sich das reine Metall vom Gestein trennt.
- 8. Aus Kupfer fertigte man zunächst Schmuck, kleine Geräte und einfache Beile.
- 9. Reines Kupfer war für viele Werkzeuge jedoch zu weich und nutzte sich rasch ab.
- 10. Die entscheidende technische Neuerung war daher die Erfindung der Bronze.
- 11. Bronze ist eine Legierung, also eine Mischung zweier Metalle.
- 12. Sie entsteht, wenn man Kupfer mit einem geringen Anteil Zinn zusammenschmilzt.
- 13. Die so gewonnene Bronze ist deutlich härter und widerstandsfähiger als reines Kupfer.
- 14. Aus Bronze ließen sich scharfe und haltbare Werkzeuge, Waffen und Schmuckstücke herstellen.
- 15. Nach diesem neuen Werkstoff ist die gesamte Epoche der Bronzezeit benannt.
- 16. Im Karpatenbecken begann die Bronzezeit etwa um 2800 vor Christus.
- 17. Sie dauerte rund anderthalb Jahrtausende und endete um 800 vor Christus.
- 18. Die Forschung gliedert die Bronzezeit in eine frühe, eine mittlere und eine späte Phase.
- 19. Das Karpatenbecken zählte in dieser Epoche zu den bedeutendsten Metallregionen Europas.
- 20. Ein wichtiger Grund dafür war der Reichtum der umliegenden Gebirge an Kupfererz.
- 21. Vor allem die Karpaten und die Gebirge des Balkans lieferten die nötigen Rohstoffe.
- 22. Zinn hingegen war im Karpatenbecken selten und musste über weite Strecken beschafft werden.
- 23. Die Herstellung von Bronze hing damit von einem Austausch über große Entfernungen ab.
- 24. Die Verarbeitung von Metall war eine anspruchsvolle Tätigkeit, die besonderes Wissen verlangte.
- 25. Wer Erz verhütten, Bronze gießen und Metall bearbeiten konnte, besaß eine seltene und wertvolle Fähigkeit.
- 26. So entstand mit dem Metallhandwerker ein neuer, hoch angesehener Berufsstand.
- 27. Bronzene Gegenstände wurden in der Regel im Gussverfahren hergestellt.
- 28. Dabei wird das flüssige Metall in eine vorgeformte Hohlform gegossen, die man als Gussform bezeichnet.
- 29. Nach dem Erkalten erhielt man ein Werkstück, das sich noch schmieden, schleifen und polieren ließ.
- 30. Eine besonders kunstvolle Technik war der Guss mit der verlorenen Form.
- 31. Bei diesem Verfahren wird ein Modell aus Wachs angefertigt und mit Ton ummantelt.
- 32. Beim Erhitzen schmilzt das Wachs heraus, und das Metall füllt den entstandenen Hohlraum.
- 33. Die Tonform muss anschließend zerschlagen werden, weshalb sie als verlorene Form gilt.
- 34. Diese Technik ermöglichte fein gearbeitete und kunstvoll verzierte Gegenstände.
- 35. Das Metallhandwerk war nur ein Teil einer insgesamt vielfältigen handwerklichen Produktion.
- 36. Auch Töpferei, Weberei, Holzbearbeitung und die Herstellung von Schmuck wurden weiter ausgeübt.
- 37. Die Keramik der Bronzezeit war oft sorgfältig geformt und mit eingeritzten oder aufgesetzten Mustern verziert.
- 38. Aus Wolle und Pflanzenfasern stellten die Menschen Textilien auf einfachen Webstühlen her.
- 39. Knochen, Geweih und Stein wurden weiterhin als Werkstoffe genutzt, traten aber gegenüber dem Metall zurück.
- 40. Insgesamt nahm die handwerkliche Spezialisierung in der Bronzezeit deutlich zu.
- 41. Immer mehr Menschen widmeten sich einem bestimmten Handwerk, statt selbst Nahrung anzubauen.
- 42. Diese Handwerker mussten von den Bauern mit Lebensmitteln versorgt werden.
- 43. Im Gegenzug lieferten sie ihre Erzeugnisse an die Gemeinschaft.
- 44. So entstand ein engmaschiges Netz gegenseitiger Abhängigkeit und Versorgung.
- 45. Der Handel gewann in der Bronzezeit eine bis dahin unbekannte Bedeutung.
- 46. Da Kupfer und Zinn nicht überall vorkamen, war der Austausch von Rohstoffen unverzichtbar.
- 47. Das Karpatenbecken lag verkehrsgünstig im Schnittpunkt großer europäischer Handelswege.
- 48. Die Flüsse Donau, Theiß und ihre Nebenflüsse dienten als natürliche Verkehrsadern.
- 49. Über diese Wege gelangten Rohstoffe, fertige Waren und Ideen über weite Entfernungen.
- 50. Aus dem Norden Europas wurde Bernstein in das Karpatenbecken eingeführt.
- 51. Bernstein ist versteinertes Baumharz und galt als kostbarer Schmuckstoff.
- 52. Die Handelsroute, auf der Bernstein von der Ostsee nach Süden gelangte, nennt man die Bernsteinstraße.
- 53. Auch Gold und Salz waren begehrte Handelsgüter der Bronzezeit.
- 54. Salz war für die Haltbarmachung von Nahrung unentbehrlich und stammte aus den Salzlagern der Karpaten.
- 55. Über den Handel verbreiteten sich nicht nur Waren, sondern auch Techniken, Moden und Glaubensvorstellungen.
- 56. Das Karpatenbecken war dadurch eng mit anderen Regionen Europas verbunden.
- 57. Mit dem zunehmenden Reichtum entstand die Notwendigkeit, Wertgegenstände sicher aufzubewahren.
- 58. In der Bronzezeit häufen sich daher die sogenannten Hortfunde oder Depotfunde.
- 59. Ein Hortfund ist eine Ansammlung mehrerer Metallgegenstände, die gemeinsam im Boden vergraben wurden.
- 60. Solche Horte enthalten oft Beile, Schmuck, Waffen oder Bruchstücke von Bronze.
- 61. Über die Gründe für das Vergraben solcher Schätze ist sich die Forschung nicht einig.
- 62. Manche Horte wurden vermutlich in Gefahr versteckt und später nicht wieder geborgen.
- 63. Andere Horte könnten als religiöse Opfergaben für Götter im Boden niedergelegt worden sein.
- 64. Wieder andere dienten möglicherweise als Vorrat eines Metallhandwerkers oder Händlers.
- 65. Hortfunde gehören zu den wichtigsten Quellen für die Erforschung der Bronzezeit.
- 66. Der wachsende Wohlstand verteilte sich nicht gleichmäßig auf alle Mitglieder der Gesellschaft.
- 67. Wer den Zugang zu Metall, Handel oder fruchtbarem Land kontrollierte, konnte Reichtum und Macht ansammeln.
- 68. So vertieften sich die Unterschiede zwischen den Menschen, die schon am Ende der Jungsteinzeit erkennbar geworden waren.
- 69. Die Gesellschaft der Bronzezeit gliederte sich zunehmend in unterschiedliche Schichten.
- 70. Diese Aufteilung in höhere und niedrigere gesellschaftliche Ränge bezeichnet man als soziale Schichtung.
- 71. An der Spitze stand vermutlich eine kleine Oberschicht aus mächtigen Familien.
- 72. Zu dieser Oberschicht zählten wohl Anführer, Krieger und einflussreiche Handwerker oder Händler.
- 73. Den größten Teil der Bevölkerung bildeten weiterhin die Bauern.
- 74. Die soziale Stellung eines Menschen zeigte sich besonders deutlich in seinem Grab.
- 75. Die Bronzezeit kannte zwei wichtige Bestattungsformen, die je nach Region und Zeit wechselten.
- 76. In der ersten Form wurde der Tote als ganzer Körper beigesetzt, was man als Körperbestattung bezeichnet.
- 77. In der zweiten Form wurde der Leichnam verbrannt, was man als Brandbestattung bezeichnet.
- 78. Bei der Brandbestattung sammelte man die verbrannten Knochenreste und legte sie in ein Tongefäß.
- 79. Ein solches Gefäß zur Aufnahme des Leichenbrands nennt man Urne.
- 80. Die Urnen wurden auf großen, gemeinschaftlichen Gräberfeldern beigesetzt.
- 81. Reich ausgestattete Gräber enthielten Bronzewaffen, kostbaren Schmuck und fein gearbeitete Gefäße.
- 82. Ärmere Gräber enthielten dagegen nur wenige oder gar keine Beigaben.
- 83. Aus diesen Unterschieden schließt die Forschung auf die soziale Ungleichheit der Bronzezeitgesellschaft.
- 84. Mit dem wachsenden Reichtum stieg auch die Gefahr von Überfällen und Konflikten.
- 85. Wer Vorräte, Vieh und Metall besaß, musste diesen Besitz auch verteidigen.
- 86. Daher gewann die Befestigung der Siedlungen in der Bronzezeit erheblich an Bedeutung.
- 87. Viele Siedlungen wurden mit Gräben, Erdwällen und Holzpalisaden geschützt.
- 88. Befestigte Höhensiedlungen entstanden an gut zu verteidigenden Lagen wie Hügeln und Anhöhen.
- 89. Auch die bronzezeitlichen Tells, die künstlichen Siedlungshügel, wurden häufig befestigt.
- 90. Diese Tellsiedlungen waren oft über Jahrhunderte bewohnt und dienten als Mittelpunkte ihrer Umgebung.
- 91. Eine bedeutende befestigte Siedlung der ungarischen Bronzezeit ist der Fundort Tószeg.
- 92. Tószeg liegt an der Theiß und gilt als einer der am besten erforschten Tells des Karpatenbeckens.
- 93. Die Schichten dieses Tells lassen die lange Abfolge der Besiedlung erkennen.
- 94. Auch der Fundort Füzesabony hat einer ganzen archäologischen Kultur ihren Namen gegeben.
- 95. Die Füzesabony-Kultur gehört zu den bekannten Kulturen der mittleren Bronzezeit im Osten Ungarns.
- 96. Die Befestigungen zeigen, dass bewaffnete Auseinandersetzungen zum Leben der Bronzezeit gehörten.
- 97. Auch die Waffen selbst belegen die wachsende Bedeutung des Krieges.
- 98. In der Bronzezeit entstanden eigens für den Kampf gefertigte Waffen wie Schwerter, Dolche und Lanzenspitzen.
- 99. Das Schwert war eine reine Kriegswaffe und hatte keinen Nutzen bei Jagd oder Arbeit.
- 100. Sein Auftreten zeigt, dass der Krieg zu einem festen Bestandteil der Gesellschaft geworden war.
- 101. Zugleich war eine kostbare Bronzewaffe ein Zeichen von Rang und Ansehen ihres Trägers.
- 102. Krieger bildeten daher vermutlich eine angesehene Gruppe innerhalb der Oberschicht.
- 103. Zur Ausstattung gehörten neben Waffen auch Schutzgegenstände wie Helme und Schilde aus Bronze.
- 104. Eine wichtige technische Errungenschaft der Bronzezeit war die Nutzung des Wagens.
- 105. Der Wagen mit Rädern erleichterte den Transport von Lasten und Menschen erheblich.
- 106. Auch das Pferd gewann als Zug- und Reittier zunehmend an Bedeutung.
- 107. Streitwagen und Reiterei steigerten in späterer Zeit die Schlagkraft im Krieg.
- 108. Die Bronzezeit war auch eine Epoche reicher religiöser Vorstellungen.
- 109. Ein wiederkehrendes Motiv der Bronzezeitkunst ist die Sonne.
- 110. Vieles deutet darauf hin, dass die Sonne als göttliche Macht verehrt wurde.
- 111. Häufig erscheinen in der Kunst auch Vögel und das Bild des Wasservogels.
- 112. Solche Sinnbilder schmückten Gefäße, Schmuckstücke und andere Metallgegenstände.
- 113. Religiöse Handlungen fanden vermutlich an Flüssen, Mooren und besonderen Orten in der Landschaft statt.
- 114. An solchen Stellen wurden wertvolle Gegenstände als Opfergaben niedergelegt.
- 115. Dies ist eine mögliche Erklärung für einen Teil der zahlreichen Hortfunde.
- 116. Die Bronzezeit war keine ruhige, gleichbleibende Epoche, sondern von Wandel geprägt.
- 117. Im Lauf der Jahrhunderte lösten sich verschiedene archäologische Kulturen ab.
- 118. In der frühen Bronzezeit prägten Kulturen wie die Nagyrév-Kultur das Bild des Karpatenbeckens.
- 119. In der mittleren Bronzezeit folgten Kulturen wie die Vatya-Kultur und die bereits genannte Füzesabony-Kultur.
- 120. Die Vatya-Kultur ist für ihre stark befestigten Siedlungen in der zentralen Tiefebene bekannt.
- 121. Diese Kulturen unterschieden sich in ihrer Keramik, ihren Bestattungssitten und ihren Metallformen.
- 122. In der späten Bronzezeit kam es zu tiefgreifenden Veränderungen im gesamten Karpatenbecken.
- 123. In dieser Phase breitete sich die sogenannte Urnenfelderkultur aus.
- 124. Die Urnenfelderkultur hat ihren Namen von ihrer Bestattungssitte erhalten.
- 125. Kennzeichnend für sie waren die großen Gräberfelder mit zahlreichen Urnen.
- 126. Die Brandbestattung wurde in dieser Zeit zur vorherrschenden Form der Bestattung.
- 127. Die Urnenfelderkultur erfasste weite Teile Mitteleuropas, darunter auch das Karpatenbecken.
- 128. Die späte Bronzezeit war zugleich eine Zeit von Unruhe und Bevölkerungsbewegungen.
- 129. Befestigungen wurden ausgebaut, und an manchen Orten zeigen sich Spuren von Zerstörung.
- 130. Solche Befunde deuten auf größere Konflikte und Wanderungsbewegungen hin.
- 131. Trotz dieser Unruhe blieb das Karpatenbecken ein dicht besiedelter und wirtschaftlich aktiver Raum.
- 132. Gegen Ende der Bronzezeit kündigte sich bereits der nächste Werkstoffwechsel an.
- 133. Allmählich lernten die Menschen, ein neues und härteres Metall zu verarbeiten: das Eisen.
- 134. Eisenerz kam weitaus häufiger vor als das seltene Zinn, das für Bronze nötig war.
- 135. Mit der Verbreitung des Eisens ging die Bronzezeit in die Eisenzeit über.
- 136. Bronze verschwand dabei nicht, sondern wurde weiterhin für Schmuck und Gefäße verwendet.
- 137. Rückblickend war die Bronzezeit eine Epoche entscheidender Veränderungen im Karpatenbecken.
- 138. Das Metallhandwerk entwickelte sich zu einem hoch spezialisierten und angesehenen Beruf.
- 139. Der Fernhandel verband die Region mit weiten Teilen Europas.
- 140. Die Gesellschaft gliederte sich deutlich in unterschiedliche soziale Schichten.
- 141. Befestigte Siedlungen, Waffen und Krieger zeigen, dass Konflikt und Verteidigung zum Alltag gehörten.
- 142. Reiche und arme Gräber belegen die zunehmende Ungleichheit zwischen den Menschen.
- 143. Die Bronzezeit schuf damit Strukturen, die in der folgenden Eisenzeit weiter ausgebaut wurden.
- 144. Sie bildet ein wichtiges Bindeglied zwischen der bäuerlichen Welt der Jungsteinzeit und den Völkern der Antike.
- 145. Mit dem Beginn der Eisenzeit traten schließlich Völker in das Licht der Geschichte, deren Namen überliefert sind.
- 146. Vor den Kelten, die später das Karpatenbecken prägen sollten, lebten hier die Träger der Bronze- und frühen Eisenzeitkulturen.
- 147. Ihre Spuren bilden eine wesentliche Grundlage der gesamten Vor- und Frühgeschichte Ungarns.
Eisenzeit und frühe Metallverarbeitung: Technologischer Fortschritt
[Bearbeiten]- 1. Auf die Bronzezeit folgte im Karpatenbecken eine neue Epoche, die nach einem weiteren Werkstoff benannt ist: die Eisenzeit.
- 2. Die Eisenzeit ist der letzte große Abschnitt der Urgeschichte, bevor schriftliche Quellen einsetzen.
- 3. Sie begann im Karpatenbecken etwa um 800 vor Christus.
- 4. Den Namen erhielt die Epoche von dem Metall, das nun zum wichtigsten Werkstoff wurde: dem Eisen.
- 5. Eisen löste die Bronze als bevorzugtes Material für Werkzeuge und Waffen weitgehend ab.
- 6. Der Werkstoff Eisen besitzt gegenüber der Bronze mehrere entscheidende Vorteile.
- 7. Eisen ist härter als Bronze und behält eine geschärfte Schneide länger.
- 8. Vor allem aber ist Eisenerz weitaus häufiger als die seltenen Bestandteile der Bronze.
- 9. Für Bronze benötigte man Kupfer und vor allem Zinn, und Zinn kam nur an wenigen Orten vor.
- 10. Eisenerz hingegen findet sich an vielen Stellen, oft in Form von Sumpf- oder Raseneisenerz.
- 11. Dadurch war Eisen grundsätzlich für breitere Schichten der Bevölkerung verfügbar.
- 12. Werkzeuge und Waffen mussten nicht mehr aus seltenem, teurem Metall gefertigt werden.
- 13. Die Verarbeitung von Eisen war jedoch technisch anspruchsvoller als die von Bronze.
- 14. Bronze lässt sich bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen schmelzen und in Formen gießen.
- 15. Eisen hingegen schmilzt erst bei sehr hohen Temperaturen, die mit den damaligen Mitteln nicht erreichbar waren.
- 16. Die Menschen der Eisenzeit konnten Eisen daher nicht flüssig gießen.
- 17. Stattdessen gewannen sie das Eisen in einem teigigen, glühenden Zustand aus dem Erz.
- 18. Dieses Verfahren der Eisengewinnung wird als Rennverfahren bezeichnet.
- 19. Das Erz wurde in einem kleinen Ofen, dem sogenannten Rennofen, zusammen mit Holzkohle erhitzt.
- 20. Holzkohle diente dabei sowohl als Brennstoff als auch zur chemischen Umwandlung des Erzes.
- 21. Mit Blasebälgen wurde zusätzlich Luft in den Ofen geblasen, um die Hitze zu steigern.
- 22. Am Ende des Vorgangs blieb ein schwammiger Klumpen aus Eisen und Schlacke zurück.
- 23. Diesen Klumpen bezeichnet man als Luppe oder Eisenluppe.
- 24. Die Luppe musste anschließend immer wieder erhitzt und durchgeschmiedet werden.
- 25. Durch das Schmieden wurde die Schlacke herausgetrieben und das Eisen verdichtet.
- 26. Erst nach dieser Arbeit war das Eisen rein genug, um Werkzeuge daraus zu fertigen.
- 27. Mit dem Schmied entstand ein neuer, hoch angesehener Handwerksberuf.
- 28. Der Schmied formte das glühende Eisen mit Hammer und Amboss.
- 29. Sein Wissen über Temperatur, Erz und Bearbeitung war seltene und wertvolle Erfahrung.
- 30. Die Eisenverarbeitung erforderte große Mengen an Holzkohle und damit an Holz.
- 31. Daher entstanden Schmieden und Verhüttungsplätze häufig in der Nähe von Wäldern und Erzvorkommen.
- 32. Aus Eisen fertigte man Beile, Messer, Sicheln, Äxte, Pflugscharen und zahlreiche andere Geräte.
- 33. Eiserne Werkzeuge erleichterten die Arbeit auf dem Feld und im Handwerk erheblich.
- 34. Mit eisernen Pflugscharen ließen sich auch schwerere Böden bearbeiten als zuvor.
- 35. Dadurch konnten neue Flächen für den Ackerbau gewonnen werden.
- 36. Eiserne Äxte und Sägen erleichterten das Roden von Wäldern und die Bearbeitung von Holz.
- 37. Auch im Kriegswesen führte das Eisen zu spürbaren Veränderungen.
- 38. Eiserne Schwerter, Lanzenspitzen und Pfeilspitzen waren härter und wirksamer als bronzene.
- 39. Da Eisen verfügbarer war, konnten mehr Krieger mit Metallwaffen ausgerüstet werden.
- 40. Die Bronze verschwand in der Eisenzeit jedoch keineswegs vollständig.
- 41. Sie wurde weiterhin für Schmuck, Gefäße und kunstvoll verzierte Gegenstände verwendet.
- 42. Eisen war der Werkstoff der Arbeit und des Krieges, Bronze blieb oft der Werkstoff des Schmucks.
- 43. Die Forschung gliedert die Eisenzeit im Karpatenbecken in zwei große Abschnitte.
- 44. Der erste Abschnitt wird als ältere Eisenzeit oder Hallstattzeit bezeichnet.
- 45. Der zweite Abschnitt wird als jüngere Eisenzeit oder Latènezeit bezeichnet.
- 46. Die Hallstattzeit ist nach dem Fundort Hallstatt im heutigen Österreich benannt.
- 47. Die Latènezeit ist nach dem Fundort La Tène in der heutigen Schweiz benannt.
- 48. Diese Namen stammen von bedeutenden Fundstätten und stehen für ganze Kulturepochen.
- 49. Die ältere Eisenzeit, die Hallstattzeit, umfasst etwa den Zeitraum von 800 bis 450 vor Christus.
- 50. In dieser Zeit war das Karpatenbecken von verschiedenen Bevölkerungsgruppen besiedelt.
- 51. Im westlichen Teil schloss sich die Region kulturell an den ostalpinen Hallstattkreis an.
- 52. Die Gesellschaft der Hallstattzeit war deutlich nach Rang und Besitz gegliedert.
- 53. An der Spitze stand eine wohlhabende Oberschicht, die man oft als Fürsten oder Adel bezeichnet.
- 54. Diese Oberschicht zeigte ihren Rang besonders in aufwendigen Bestattungen.
- 55. Bedeutende Tote wurden unter großen Erdhügeln beigesetzt, den sogenannten Grabhügeln oder Tumuli.
- 56. In diese Hügelgräber legte man reiche Beigaben wie Waffen, Schmuck, Gefäße und mitunter Wagen.
- 57. Solche Wagengräber gelten als deutliche Zeichen einer mächtigen Oberschicht.
- 58. Die einfache Bevölkerung wurde dagegen ohne aufwendigen Hügel und mit wenigen Beigaben bestattet.
- 59. Aus dieser Zeit stammen im Karpatenbecken auch befestigte Höhensiedlungen, die als Herrschaftszentren dienten.
- 60. In der Hallstattzeit erreichte das Karpatenbecken auch ein für die Geschichte wichtiges Ereignis.
- 61. Aus den Steppen im Osten drangen Reitervölker in das Gebiet ein.
- 62. Zu diesen Reitervölkern gehörten unter anderem die Skythen.
- 63. Die Skythen waren ein berittenes Steppenvolk mit großer Beweglichkeit und kriegerischer Schlagkraft.
- 64. Sie brachten neue Waffen, Reitausrüstung und einen eigenen Kunststil mit sich.
- 65. Besonders kennzeichnend für die Skythen war ein Kunststil, der Tiere darstellte.
- 66. Diesen Stil bezeichnet die Forschung als skythischen Tierstil.
- 67. In Ostungarn finden sich zahlreiche Spuren skythischer Einflüsse und Funde.
- 68. Mit den Reitervölkern verbreitete sich auch die Bedeutung des Pferdes als Reittier weiter.
- 69. Das Pferd wurde zu einem zentralen Element von Kriegsführung, Mobilität und Ansehen.
- 70. Die jüngere Eisenzeit, die Latènezeit, begann etwa um 450 vor Christus.
- 71. Diese Epoche ist eng mit einem bestimmten Volk verbunden: den Kelten.
- 72. Die Kelten waren eine Gruppe von Stämmen, die weite Teile Europas prägten.
- 73. Im Lauf der Latènezeit wanderten keltische Gruppen auch in das Karpatenbecken ein.
- 74. Mit den Kelten erreichte die Eisenverarbeitung im Karpatenbecken einen neuen Höhepunkt.
- 75. Die Kelten gelten als hervorragende Metallhandwerker und Schmiede.
- 76. Sie verbesserten die Verhüttung des Eisens und die Technik der Schmiedearbeit.
- 77. Keltische Schmiede stellten hochwertige Eisenwerkzeuge und wirksame Waffen her.
- 78. Berühmt waren vor allem die langen eisernen Schwerter der Kelten.
- 79. Auch im Handwerk und in der Landwirtschaft brachten die Kelten technischen Fortschritt.
- 80. Ihnen werden Verbesserungen am Pflug und an landwirtschaftlichen Geräten zugeschrieben.
- 81. Eine bedeutende technische Neuerung der Latènezeit war die schnell drehende Töpferscheibe.
- 82. Mit der Töpferscheibe ließen sich Tongefäße rascher, gleichmäßiger und in größerer Zahl herstellen.
- 83. Die keltische Keramik wurde dadurch zu einem Erzeugnis fast handwerklich-serienmäßiger Produktion.
- 84. Eine weitere folgenreiche Neuerung der Kelten war die Einführung eigener Münzen.
- 85. Münzen sind genormte Metallstücke mit festgelegtem Wert, die als Zahlungsmittel dienen.
- 86. Mit dem Münzgeld wurde der Handel einfacher, da nicht mehr Ware gegen Ware getauscht werden musste.
- 87. Die Kelten prägten im Karpatenbecken eigene Münzen aus Gold, Silber und Bronze.
- 88. Die Verwendung von Münzen zeigt einen hohen Entwicklungsstand von Wirtschaft und Handel.
- 89. Auch in der Siedlungsweise brachten die Kelten eine wichtige Neuerung.
- 90. Sie errichteten große, befestigte Großsiedlungen, die man als Oppida bezeichnet.
- 91. Ein Oppidum war ein stadtartiger Ort mit Wällen, Handwerk, Handel und einer größeren Bevölkerung.
- 92. Diese Oppida gelten als die ersten stadtähnlichen Siedlungen nördlich der antiken Mittelmeerwelt.
- 93. In ihnen wurden Eisen verhüttet, Münzen geprägt, Keramik hergestellt und Waren gehandelt.
- 94. Damit war die handwerkliche Spezialisierung weiter fortgeschritten als je zuvor.
- 95. Innerhalb der Oppida arbeiteten Schmiede, Töpfer, Münzpräger und andere Handwerker oft in eigenen Bereichen.
- 96. Diese Entwicklung markiert einen entscheidenden Schritt von der dörflichen zur stadtartigen Gesellschaft.
- 97. Insgesamt brachte die Eisenzeit dem Karpatenbecken einen deutlichen technologischen Fortschritt.
- 98. Die Verfügbarkeit des Eisens, die Töpferscheibe, das Münzgeld und die Oppida veränderten Wirtschaft und Gesellschaft.
- 99. Zugleich war die späte Eisenzeit eine Epoche, in der die Geschichte allmählich aus dem Dunkel der Vorzeit tritt.
- 100. Antike Schriftsteller aus Griechenland und Rom begannen, über die Völker dieser Region zu berichten.
- 101. Damit endet die schriftlose Urgeschichte, und die eigentliche Geschichte des Karpatenbeckens beginnt.
- 102. Mit den Kelten der Latènezeit steht bereits jenes Volk im Mittelpunkt, das im folgenden Kapitel ausführlich behandelt wird.