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Benutzer:Thirunavukkarasye-Raveendran/Häufige Wörter Ungarisch 17

Die Geschichte Ungarns - 2. - Die Kelten in Pannonien (bis 1. Jh. v.Chr.)
DIE GESCHICHTE UNGARNS
Vorgeschichte und Urgeschichte

Die Kelten in Pannonien (bis 1. Jh. v.Chr.)

[Bearbeiten]
1. Die keltische Epoche bildet in der Geschichte des Karpatenbeckens einen Abschnitt von rund vier Jahrhunderten.
2. Sie reicht vom fünften bis zum ersten Jahrhundert vor Christus.
3. Mit ihr beginnt zugleich die überlieferte Geschichte der Region, denn die Kelten werden in antiken Schriftquellen genannt.
4. Davor lag die namenlose Welt der vorgeschichtlichen Kulturen, die allein durch Funde bekannt ist.
5. Die Kelten waren kein einheitliches Volk mit einem Staat, sondern eine Vielzahl verwandter Stämme.
6. Verbunden waren diese Stämme durch Sprache, Kunst, Religion und Lebensweise.
7. Politisch jedoch blieben sie dauerhaft zersplittert und ohne gemeinsame Führung.
8. Ihren Ursprung hatte die keltische Welt in Mitteleuropa nördlich der Alpen.
9. Von dort breiteten sich keltische Gruppen über weite Teile des Kontinents aus.
10. Diese Ausbreitung erreichte zwischen dem fünften und dritten Jahrhundert auch das Karpatenbecken.
11. Die Einwanderung war ein langgezogener Vorgang aus vielen kleinen Vorstößen.
12. Sie verband kriegerische Eroberung mit allmählicher friedlicher Zuwanderung.
13. Die Kelten trafen auf eine bereits seit der Steinzeit besiedelte Region.
14. Einwanderer und alteingesessene Bevölkerung vermischten sich über die Generationen.
15. Die einheimischen Gruppen übernahmen vielfach die überlegene keltische Kultur und Technik.
16. Diesen Vorgang der kulturellen Angleichung bezeichnet man als Keltisierung.
17. Am stärksten keltisch geprägt wurde das westliche Transdanubien.
18. Im Karpatenbecken siedelten Stämme wie die Boier, die Skordisker und die Eravisker.
19. Die keltische Gesellschaft war deutlich nach Rang und Besitz gegliedert.
20. An ihrer Spitze stand eine schmale Oberschicht aus Fürsten und Adel.
21. Das Kriegertum genoss hohes Ansehen und prägte das keltische Selbstverständnis.
22. Mächtige Anführer umgaben sich mit bewaffneten Gefolgsleuten.
23. Den größten Teil der Bevölkerung bildeten die Bauern, die alle anderen mit Nahrung versorgten.
24. Am unteren Rand der Gesellschaft standen die unfreien Sklaven.
25. Eine einflussreiche Sondergruppe bildeten die Druiden als Träger von Religion, Recht und Wissen.
26. Die keltische Welt beruhte ganz auf mündlicher Überlieferung und kannte kaum Schrift.
27. Die Kelten lebten in vielfältigen Siedlungsformen vom Einzelhof bis zur befestigten Stadt.
28. Die bedeutendste Siedlungsform war das Oppidum, eine große befestigte Großsiedlung.
29. Oppida gelten als die ersten stadtartigen Orte nördlich der antiken Mittelmeerwelt.
30. Sie vereinten Festung, Markt, Werkstatt, Herrschaftssitz und Kultplatz an einem Ort.
31. Ihre gewaltigen Mauern bezeugen eine straff organisierte und leistungsfähige Gesellschaft.
32. Die Oppida waren zugleich die Mittelpunkte von Handwerk und Handel.
33. Das keltische Handwerk erreichte ein hohes Niveau, besonders in der Eisenverarbeitung.
34. Töpferscheibe, Münzprägung und Glasherstellung zeugen vom technischen Fortschritt.
35. Die keltische Welt des Karpatenbeckens war weiträumig in den Handel eingebunden.
36. Ihre günstige Lage an Flüssen und Verkehrswegen begünstigte den Austausch.
37. Gehandelt wurden Eisen, Salz, Vieh, Felle, Getreide und auch Sklaven.
38. Aus der antiken Mittelmeerwelt gelangten Wein, feines Geschirr und Luxuswaren in die Region.
39. Der Besitz solcher Importgüter war ein sichtbares Zeichen von Rang und Reichtum.
40. Mit den Waren wanderten auch Techniken, Münzwesen und kulturelle Anregungen.
41. Die enge Bindung an Rom brachte Wohlstand, machte die Kelten aber zugleich verwundbar.
42. Im ersten Jahrhundert vor Christus geriet die keltische Welt von mehreren Seiten unter Druck.
43. Aus dem Osten griffen die Daker unter ihrem König Burebista an.
44. Aus dem Norden drängten germanische Stämme nach.
45. Aus dem Süden rückte die Großmacht Rom an die Donau heran.
46. Die politische Zersplitterung machte die Kelten ihren geeinten Gegnern unterlegen.
47. Kriege, Verluste und der Verfall der Oppida schwächten die keltische Welt zusätzlich.
48. Unter Kaiser Augustus eroberte Rom schließlich das westliche Karpatenbecken.
49. Aus dem unterworfenen Land entstand die römische Provinz Pannonia.
50. Damit endete die keltische Epoche, und die Geschichte des Karpatenbeckens trat in ihren römischen Abschnitt ein.

Die Ankunft der Kelten: Migration und Besiedlung (5.-3. Jahrhundert v.Chr.)

[Bearbeiten]
1. Mit den Kelten betritt erstmals ein Volk die Geschichte des Karpatenbeckens, dessen Name aus antiken Schriftquellen überliefert ist.
2. Bis zur Eisenzeit kannte man die Bewohner der Region nur über ihre archäologischen Hinterlassenschaften.
3. Die Kelten dagegen werden von griechischen und römischen Schriftstellern ausdrücklich erwähnt und benannt.
4. Damit endet für das Karpatenbecken die schriftlose Urgeschichte und die eigentliche Geschichte beginnt.
5. Der Begriff Kelten bezeichnet allerdings kein einheitliches Volk mit einem gemeinsamen Staat.
6. Gemeint ist vielmehr eine große Gruppe von Stämmen, die durch Sprache, Kunst und Lebensweise verbunden waren.
7. Die keltischen Stämme sprachen verwandte Sprachen, die zur indogermanischen Sprachfamilie gehören.
8. Sie teilten ähnliche religiöse Vorstellungen, Kunstformen und gesellschaftliche Ordnungen.
9. Politisch jedoch blieben sie zersplittert, denn jeder Stamm handelte selbständig und oft auch gegeneinander.
10. Die Griechen nannten diese Stämme Keltoi, die Römer bezeichneten sie als Galli, also Gallier.
11. Beide Begriffe meinen weitgehend dieselbe Völkergruppe.
12. Die Ursprünge der keltischen Welt liegen in Mitteleuropa, nördlich der Alpen.
13. Als Kernraum ihrer Herausbildung gelten Gebiete im heutigen Süddeutschland, in Ostfrankreich und im Alpenvorland.
14. Dort entwickelte sich in der älteren Eisenzeit die sogenannte Hallstattkultur.
15. Aus dieser Hallstattkultur ging in der jüngeren Eisenzeit die Latènekultur hervor.
16. Die Latènekultur gilt als die eigentliche, voll ausgeprägte Kultur der Kelten.
17. Sie ist nach dem Fundort La Tène am Neuenburger See in der heutigen Schweiz benannt.
18. Von ihrem mitteleuropäischen Kernraum aus breiteten sich die Kelten in mehreren Wellen über weite Teile Europas aus.
19. Diese Ausbreitung erstreckte sich über mehrere Jahrhunderte und erfasste sehr unterschiedliche Regionen.
20. Keltische Gruppen gelangten bis auf die Britischen Inseln, nach Spanien, Norditalien und auf den Balkan.
21. Auch das Karpatenbecken geriet im Zuge dieser Bewegungen in den keltischen Einflussbereich.
22. Die Wanderung ganzer Bevölkerungsgruppen in neue Gebiete bezeichnet man als Migration.
23. Die keltische Migration war kein einmaliger Vorgang, sondern ein langgezogener Prozess.
24. Sie vollzog sich im Karpatenbecken vor allem zwischen dem fünften und dem dritten Jahrhundert vor Christus.
25. Über die Beweggründe dieser Wanderungen gibt es in der Forschung mehrere Erklärungen.
26. Ein wichtiger Grund war vermutlich das Wachstum der Bevölkerung in den keltischen Kernländern.
27. Wo Land und Nahrung knapp wurden, suchten Gruppen nach neuen Siedlungsräumen.
28. Auch die Aussicht auf fruchtbares Ackerland und auf Beute trieb keltische Verbände in die Ferne.
29. Antike Schriftsteller berichten zudem von keltischen Kriegerscharen, die als Söldner in fremde Dienste traten.
30. Manche dieser Gruppen ließen sich nach ihren Feldzügen dauerhaft in eroberten Gebieten nieder.
31. Die keltische Ausbreitung war daher teils kriegerische Eroberung, teils allmähliche Einwanderung.
32. Im Karpatenbecken überlagerten sich beide Vorgänge über mehrere Generationen hinweg.
33. Es handelte sich nicht um den Zug eines einzigen großen Heeres, sondern um viele kleinere Vorstöße.
34. Einzelne Stämme, Sippen und Kriegergruppen wanderten unabhängig voneinander ein.
35. Ihre Bewegungen folgten den großen Flusstälern, die als natürliche Wege dienten.
36. Vor allem die Donau bildete eine Hauptachse der keltischen Ausbreitung nach Osten.
37. Entlang der Flüsse fanden sich Wasser, fruchtbares Land und Verbindungswege zugleich.
38. Die ersten keltischen Gruppen erreichten das westliche Karpatenbecken im Verlauf des fünften Jahrhunderts vor Christus.
39. Dieser westliche Teil, das heutige Transdanubien, wurde am frühesten und am stärksten keltisch geprägt.
40. Transdanubien bezeichnet das Gebiet Ungarns westlich der Donau.
41. Von dort dehnte sich der keltische Einfluss allmählich weiter nach Osten und Süden aus.
42. Im vierten und dritten Jahrhundert vor Christus war das Karpatenbecken weithin keltisch bestimmt.
43. Die einwandernden Kelten trafen jedoch nicht auf ein menschenleeres Land.
44. Das Karpatenbecken war bereits seit der Steinzeit durchgehend besiedelt.
45. In der älteren Eisenzeit lebten dort Träger der einheimischen Hallstattkultur sowie eingewanderte Steppenvölker.
46. Zu diesen Steppenvölkern zählten unter anderem die Skythen im Osten der Region.
47. Die Kelten verdrängten diese älteren Bevölkerungsgruppen nicht einfach vollständig.
48. Vielmehr vermischten sich Einwanderer und Alteingesessene über die Generationen miteinander.
49. Aus dieser Vermischung entstand eine Bevölkerung, die sowohl keltische als auch einheimische Züge trug.
50. Die einheimischen Gruppen übernahmen vielfach die überlegene keltische Kultur und Technik.
51. Diesen Vorgang der kulturellen Angleichung an die Kelten bezeichnet man als Keltisierung.
52. Keltisierung bedeutet, dass sich Sprache, Sachkultur und Lebensweise einer Region keltisch ausprägten.
53. Sie vollzog sich nicht durch Zwang allein, sondern auch durch friedliche Übernahme und Nachahmung.
54. Die keltische Kultur war jener der Vorbewohner technisch und handwerklich überlegen.
55. Daher setzte sie sich im Karpatenbecken weithin als bestimmende Kultur durch.
56. Ein berühmtes Ereignis macht die Wucht der keltischen Wanderungen besonders deutlich.
57. Im Jahr 387 vor Christus zogen keltische Krieger nach Italien und eroberten die Stadt Rom.
58. Dieser Vorfall hinterließ bei den Römern einen tiefen und lang nachwirkenden Schrecken.
59. Auch wenn dieses Ereignis Italien betraf, zeigt es die Reichweite und Schlagkraft der Kelten.
60. Eine zweite große Bewegung führte keltische Heere weit nach Südosten.
61. Im Jahr 279 vor Christus fielen keltische Verbände in Griechenland ein.
62. Sie bedrohten sogar das berühmte Heiligtum von Delphi.
63. Diese Feldzüge nach Südosten verliefen zum Teil durch das Karpatenbecken.
64. Die Region diente dabei als Durchgangsraum und als Ausgangsbasis für weitere Vorstöße.
65. Ein Teil dieser nach Südosten ziehenden Kelten kehrte später in das Karpatenbecken zurück.
66. Andere Gruppen zogen sogar bis nach Kleinasien weiter.
67. Dort ließen sie sich dauerhaft nieder und wurden als Galater bekannt.
68. Diese weiträumigen Züge belegen die außergewöhnliche Beweglichkeit der keltischen Stämme.
69. Für das Karpatenbecken sind die Namen mehrerer keltischer Stämme überliefert.
70. Im westlichen Transdanubien siedelten unter anderem die Boier.
71. Die Boier waren ein mächtiger keltischer Stamm, der auch in Norditalien und Böhmen Spuren hinterließ.
72. Der Name der Landschaft Böhmen wird auf den Stamm der Boier zurückgeführt.
73. Im Süden des Karpatenbeckens, im Bereich der Save- und Draumündung, siedelten die Skordisker.
74. Die Skordisker gingen aus den Resten der nach Griechenland gezogenen Kelten hervor.
75. Sie bildeten an der mittleren Donau ein mächtiges und kriegerisches Stammesgebilde.
76. Im nördlichen Karpatenbecken werden in späterer Zeit die Eravisker fassbar.
77. Die Eravisker siedelten im Raum des heutigen Budapest und waren teils keltisch, teils einheimisch geprägt.
78. Die Stammesnamen zeigen, dass das Karpatenbecken keine politische Einheit bildete.
79. Es war in zahlreiche selbständige Stammesgebiete aufgeteilt, die nebeneinander bestanden.
80. Diese Stämme verband die gemeinsame keltische Kultur, nicht aber eine gemeinsame Herrschaft.
81. Die einwandernden Kelten brachten ihre eigene materielle Kultur in das Karpatenbecken mit.
82. Diese Kultur ist durch die Funde der Latènezeit deutlich zu erkennen.
83. Kennzeichnend waren neuartige Waffen, Trachtbestandteile, Schmuckstücke und Keramikformen.
84. Besonders typisch für die keltische Tracht war die Fibel, eine kunstvoll gearbeitete Gewandspange.
85. Eine Fibel diente als Verschluss für Kleidungsstücke und zugleich als Schmuck.
86. Ebenso kennzeichnend war der Halsring aus Metall, der sogenannte Torques.
87. Der Torques galt als Zeichen von Rang, Würde und keltischer Zugehörigkeit.
88. Die keltische Kunst bevorzugte geschwungene Linien, Spiralen und stilisierte Pflanzenmuster.
89. Diese eigenwillige Formensprache unterscheidet sich deutlich von der Kunst der Vorbewohner.
90. Anhand solcher Funde lässt sich die Ausbreitung der Kelten im Karpatenbecken nachzeichnen.
91. Wo latènezeitliche Funde auftreten, ist mit keltischer Anwesenheit oder keltischem Einfluss zu rechnen.
92. Die Kelten waren zudem für ihre fortgeschrittene Eisenverarbeitung bekannt.
93. Ihre Schmiede stellten hochwertige Werkzeuge und wirksame eiserne Waffen her.
94. Mit der keltischen Einwanderung erreichte die Eisentechnik im Karpatenbecken einen neuen Höchststand.
95. Auch in der Landwirtschaft brachten die Kelten Fortschritte, etwa verbesserte eiserne Geräte.
96. Die einwandernden Gruppen lebten überwiegend von Ackerbau und Viehzucht.
97. Daneben spielten Handwerk, Handel und der Krieg eine wichtige Rolle in ihrer Lebensweise.
98. Die keltische Gesellschaft war kriegerisch geprägt und kannte ein angesehenes Kriegertum.
99. Diese kriegerische Ausrichtung erklärt zum Teil die Wucht und Reichweite der Wanderungen.
100. Über die einwandernden Kelten berichten auch antike Schriftsteller.
101. Griechische und römische Autoren beschrieben die Kelten als großgewachsen und kampflustig.
102. Solche Schilderungen sind jedoch von Vorurteilen und Übertreibungen geprägt.
103. Die antiken Autoren sahen die Kelten als fremde, oft bedrohliche Barbaren.
104. Ihre Berichte müssen daher kritisch und vorsichtig ausgewertet werden.
105. Eine zuverlässigere Quelle bilden die archäologischen Funde der Latènezeit.
106. Funde und Schriftquellen ergänzen einander, müssen aber sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.
107. Mit der dauerhaften Niederlassung der Kelten wandelte sich das Bild der Besiedlung.
108. Es entstanden Dörfer, Gehöfte und Bestattungsplätze keltischer Prägung.
109. Die keltische Einwanderung war damit nicht nur ein militärischer, sondern auch ein dauerhafter siedlungsgeschichtlicher Vorgang.
110. Aus den anfänglich fremden Eroberern wurden über die Generationen ansässige Bewohner der Region.
111. Bis zum dritten Jahrhundert vor Christus hatte sich das Karpatenbecken zu einem keltisch geprägten Raum entwickelt.
112. Diese keltische Epoche sollte bis zum ersten Jahrhundert vor Christus andauern.
113. Sie endete erst, als von Süden her die Macht des Römischen Reiches an die Donau heranrückte.
114. Die Ankunft der Kelten bildet somit den Beginn der überlieferten Geschichte des Karpatenbeckens.
115. Mit ihr endgültig vorüber ist die namenlose Welt der vorgeschichtlichen Kulturen.
116. Wie die keltische Gesellschaft im Inneren aufgebaut war, behandelt das folgende Kapitel.

Keltische Gesellschaft: Fürsten, Krieger und Handwerker

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1. Die keltische Gesellschaft im Karpatenbecken war kein gleichförmiges Ganzes, sondern deutlich in Ränge gegliedert.
2. Über die Stellung eines Menschen entschieden vor allem seine Herkunft, sein Besitz und seine Aufgabe in der Gemeinschaft.
3. Diese Aufteilung in höhere und niedrigere Stände bezeichnet man als gesellschaftliche Schichtung.
4. Die Forschung erschließt den Aufbau dieser Gesellschaft aus zwei Arten von Quellen.
5. Zum einen liefern archäologische Funde, vor allem Gräber und Siedlungen, wichtige Hinweise.
6. Zum anderen berichten antike griechische und römische Schriftsteller über das Leben der Kelten.
7. Diese Schriftquellen beziehen sich meist auf die Kelten Galliens, lassen sich aber in Grundzügen übertragen.
8. Sie sind jedoch von der Außensicht der Antike geprägt und müssen kritisch ausgewertet werden.
9. Aus dem Zusammenspiel beider Quellengruppen ergibt sich das Bild einer gestuften Standesgesellschaft.
10. An der Spitze der keltischen Gesellschaft stand eine schmale, mächtige Oberschicht.
11. Diese Oberschicht bestand aus vornehmen Familien, deren Rang sich über Generationen vererbte.
12. Ihre Angehörigen werden in der Forschung oft als Adel oder als Fürsten bezeichnet.
13. Ein keltischer Fürst war ein Anführer, der über Land, Vieh, Gefolgsleute und Reichtum verfügte.
14. Seine Macht beruhte auf Grundbesitz, auf Abhängigen und auf der Gefolgschaft bewaffneter Krieger.
15. Manche keltischen Stämme wurden von Königen geführt, deren Würde erblich war.
16. Antike Quellen berichten jedoch, dass das Königtum bei vielen Stämmen später zurückgedrängt wurde.
17. An die Stelle der Könige traten dann jährlich gewählte Amtsträger aus dem Adel.
18. Ein solcher oberster Amtsträger wird in den Quellen mit dem lateinischen Wort Vergobret bezeichnet.
19. Die Macht lag in diesem Fall nicht bei einem Einzelnen, sondern bei der Versammlung der Vornehmen.
20. Die politische Ordnung der Kelten war damit von Stamm zu Stamm verschieden.
21. Gemeinsam war den Stämmen, dass die Oberschicht die entscheidende politische Rolle spielte.
22. Der Reichtum und Rang der Fürsten zeigte sich besonders deutlich in ihren Bestattungen.
23. Vornehme Tote wurden mit kostbaren Beigaben ins Grab gelegt.
24. Zu diesen Beigaben zählten Waffen, Goldschmuck, fein gearbeitete Gefäße und mitunter ganze Wagen.
25. Solche reich ausgestatteten Gräber werden in der Forschung als Fürstengräber bezeichnet.
26. Sie bilden einen deutlichen Gegensatz zu den schlicht ausgestatteten Gräbern der einfachen Bevölkerung.
27. Aus diesem Unterschied schließt die Forschung auf die ausgeprägte soziale Ungleichheit der Kelten.
28. Eine zweite bedeutende Gruppe der keltischen Gesellschaft bildeten die Krieger.
29. Das Kriegertum genoss bei den Kelten hohes Ansehen und prägte ihr Selbstverständnis stark.
30. Viele Krieger entstammten der adligen Oberschicht oder standen ihr nahe.
31. Ein vornehmer Kelte umgab sich mit einer Schar bewaffneter Gefolgsleute.
32. Diese Gefolgsleute waren ihrem Anführer durch Treue und gegenseitige Verpflichtung verbunden.
33. Der Anführer gewährte Schutz, Unterhalt und Anteil an der Beute.
34. Die Gefolgsleute leisteten dafür Kriegsdienst und persönliche Treue.
35. Diese auf gegenseitiger Bindung beruhende Ordnung bezeichnet man als Gefolgschaftswesen.
36. Die Größe der Gefolgschaft bestimmte maßgeblich das Ansehen und die Macht eines Fürsten.
37. Die Bewaffnung eines keltischen Kriegers war für ihre Zeit hoch entwickelt.
38. Zur typischen Ausrüstung gehörte ein langes Schwert aus Eisen.
39. Hinzu kamen Lanze, Speer und ein großer, meist hölzerner Schild.
40. Vornehme Krieger trugen darüber hinaus einen Helm und gelegentlich ein Kettenhemd.
41. Das Kettenhemd, ein Schutzpanzer aus verflochtenen Eisenringen, gilt sogar als keltische Erfindung.
42. Manche Krieger zogen nach antiken Berichten ohne Rüstung oder sogar unbekleidet in die Schlacht.
43. Damit wollten sie ihren Mut und ihre Todesverachtung sichtbar zur Schau stellen.
44. Antike Autoren beschreiben die Kelten als kühne, ungestüme, aber wenig ausdauernde Kämpfer.
45. Wohlhabende Krieger kämpften beritten oder vom zweirädrigen Streitwagen aus.
46. Der Streitwagen diente vor allem dazu, einen Krieger rasch an den Ort des Kampfes zu bringen.
47. Die Reiterei gewann im Lauf der Zeit gegenüber dem Streitwagen an Bedeutung.
48. Krieg, Beutezüge und Söldnerdienst waren feste Bestandteile der keltischen Lebenswelt.
49. Keltische Krieger traten häufig als Söldner in den Dienst fremder Mächte.
50. Sie kämpften für griechische Herrscher, für Karthago und für andere antike Staaten.
51. Der Sold und die Beute aus solchen Diensten flossen in die keltische Welt zurück.
52. Eine dritte wichtige Gruppe bildeten die Handwerker und Spezialisten.
53. Die keltische Kultur zeichnete sich durch ein besonders weit entwickeltes Handwerk aus.
54. An erster Stelle stand dabei die Verarbeitung des Eisens.
55. Keltische Schmiede galten als hervorragende Fachleute ihrer Kunst.
56. Sie fertigten wirksame Waffen, hochwertige Werkzeuge und landwirtschaftliche Geräte.
57. Auch die Bearbeitung von Bronze, Gold und Silber stand auf hohem Niveau.
58. Feinschmiede stellten kunstvollen Schmuck wie Fibeln, Halsringe und Armreife her.
59. Eine bedeutende technische Errungenschaft des keltischen Handwerks war die schnelldrehende Töpferscheibe.
60. Mit ihrer Hilfe ließ sich Keramik rascher, gleichmäßiger und in größerer Menge herstellen.
61. Damit näherte sich die Töpferei einer fast werkstattmäßigen Erzeugung an.
62. Weitere Handwerkszweige waren die Glasherstellung, die Holzbearbeitung und das Münzprägen.
63. Aus Glas fertigten keltische Handwerker farbige Perlen und Armringe.
64. Die hohe handwerkliche Spezialisierung setzte voraus, dass nicht jeder seine Nahrung selbst erzeugte.
65. Handwerker konnten sich ihrem Gewerbe widmen, weil andere die Lebensmittel erzeugten.
66. Den größten Teil der keltischen Bevölkerung bildeten jedoch die Bauern.
67. Die Bauern erzeugten durch Ackerbau und Viehzucht die Nahrungsgrundlage der gesamten Gesellschaft.
68. Sie bauten Getreide an und hielten Rinder, Schweine, Schafe und Pferde.
69. Eiserne Pflüge, Sicheln und Sensen erleichterten ihre Arbeit erheblich.
70. Ohne die Erträge der Bauern wären weder Adel noch Krieger noch Handwerker zu ernähren gewesen.
71. Viele Bauern lebten als freie Angehörige des Stammes, andere in Abhängigkeit von einem Fürsten.
72. Abhängige Bauern mussten Abgaben leisten oder auf dem Land eines Vornehmen arbeiten.
73. Am unteren Rand der Gesellschaft standen die Unfreien oder Sklaven.
74. Sklaven galten nicht als Personen mit eigenen Rechten, sondern als Besitz ihres Herrn.
75. Viele von ihnen waren Kriegsgefangene oder wurden im Handel erworben.
76. Sklaven verrichteten harte Arbeit in der Landwirtschaft, im Haushalt und im Handwerk.
77. Der Handel mit Sklaven war ein einträglicher Zweig der keltischen Wirtschaft.
78. Eine besondere und einflussreiche Gruppe bildeten die Druiden.
79. Die Druiden waren die Träger des religiösen Wissens und der geistigen Überlieferung.
80. Sie leiteten Opferhandlungen, religiöse Feste und kultische Zeremonien.
81. Zugleich wirkten sie als Richter und entschieden über Streitfälle und Rechtsfragen.
82. Druiden besaßen außerdem Wissen über Naturkunde, Zeitrechnung und Heilkunde.
83. Ihre umfassende Bildung und ihr religiöses Ansehen verschafften ihnen großen Einfluss.
84. Das Wissen der Druiden wurde nicht aufgeschrieben, sondern mündlich weitergegeben.
85. Die Ausbildung eines Druiden konnte daher viele Jahre in Anspruch nehmen.
86. Neben den Druiden gab es Sänger und Dichter, die sogenannten Barden.
87. Die Barden besangen die Taten der Helden und bewahrten die Überlieferung des Stammes.
88. Da die Kelten ihre Geschichte nicht aufzeichneten, kam der mündlichen Erinnerung großes Gewicht zu.
89. Die keltische Gesellschaft beruhte ganz auf der mündlichen Weitergabe von Wissen und Recht.
90. Schrift wurde, wenn überhaupt, nur in geringem Umfang und für besondere Zwecke verwendet.
91. Das Fehlen einer eigenen Geschichtsschreibung erschwert die Erforschung der Kelten erheblich.
92. Über das Leben der keltischen Frauen ist nur wenig gesichert bekannt.
93. Die Stellung der Frau war wohl höher als in manchen anderen antiken Gesellschaften.
94. Reich ausgestattete Frauengräber zeigen, dass auch Frauen Rang und Ansehen besitzen konnten.
95. In der Regel lag die politische und militärische Macht jedoch in den Händen der Männer.
96. Die Grundeinheit der keltischen Gesellschaft war die Familie und die weitere Verwandtschaft.
97. Mehrere verwandte Familien bildeten zusammen eine Sippe.
98. Die Verwandtschaft bot dem Einzelnen Schutz, Rückhalt und gegenseitige Verpflichtung.
99. Über der Sippe stand der Stamm als größere politische Gemeinschaft.
100. Ein Stamm umfasste ein bestimmtes Gebiet und besaß eine eigene Führung.
101. Wichtige Entscheidungen wurden auf der Versammlung der waffenfähigen freien Männer beraten.
102. Diese Volks- oder Stammesversammlung bildete ein Gegengewicht zur Macht der Fürsten.
103. Eine staatliche Ordnung im späteren Sinne kannten die keltischen Stämme jedoch nicht.
104. Die Bindungen beruhten auf Verwandtschaft, Treue und persönlicher Gefolgschaft.
105. Religion und Kult durchdrangen das gesamte Leben der keltischen Gesellschaft.
106. Die Kelten verehrten zahlreiche Götter, die mit Naturkräften und Lebensbereichen verbunden waren.
107. Heilige Orte lagen oft in der Natur, etwa in Hainen, an Quellen oder an Flüssen.
108. An solchen Stätten wurden Opfergaben für die Götter niedergelegt.
109. Die Kelten glaubten an ein Weiterleben der Seele nach dem Tod.
110. Dieser Glaube erklärt die reichen Beigaben, die man den Toten mit ins Grab gab.
111. Insgesamt war die keltische Gesellschaft straff gegliedert und zugleich vielfältig.
112. Fürsten und Adel lenkten die Politik, Krieger sicherten Macht und Beute.
113. Handwerker schufen Werkzeuge, Waffen und Schmuck von hoher Qualität.
114. Bauern trugen mit ihrer Arbeit die gesamte Gesellschaft, Unfreie standen an deren unterem Rand.
115. Druiden und Barden bewahrten Glauben, Recht und Überlieferung des Stammes.
116. Diese gegliederte Gesellschaft prägte das Karpatenbecken über mehrere Jahrhunderte.
117. Wie sich diese Ordnung in den keltischen Siedlungen und den befestigten Oppida widerspiegelte, zeigt das folgende Kapitel.

Keltische Siedlungen und Oppida: Zentren der Macht

[Bearbeiten]
1. Die keltische Bevölkerung des Karpatenbeckens lebte nicht in einer einzigen Siedlungsform, sondern in sehr unterschiedlichen Niederlassungen.
2. Die Spannweite reichte vom einzelnen Bauerngehöft bis zur großen, befestigten Stadt.
3. Welche Form vorherrschte, hing von der Zeitstellung, der Landschaft und der Aufgabe der Siedlung ab.
4. Die Forschung erschließt diese Siedlungswelt fast ausschließlich aus archäologischen Funden.
5. Schriftliche Beschreibungen keltischer Orte im Karpatenbecken sind kaum überliefert.
6. Über die Siedlungen Galliens berichtet immerhin der römische Feldherr Caesar in seinen Aufzeichnungen.
7. Seine Schilderungen lassen sich in Grundzügen auch auf das Karpatenbecken übertragen.
8. Den größten Teil der keltischen Bevölkerung bildeten Bauern, die auf dem Land lebten.
9. Die häufigste Siedlungsform war daher das ländliche Dorf oder der einzelne Bauernhof.
10. Ein keltisches Gehöft bestand meist aus mehreren Gebäuden, die einem Familienverband dienten.
11. Zu einem solchen Hof gehörten Wohnhäuser, Vorratsbauten, Werkstätten und Ställe.
12. Häufig war das Gehöft von einem Zaun oder einem Graben umgeben.
13. Diese Umfriedung schützte vor Vieh, wilden Tieren und unerwünschten Eindringlingen.
14. Mehrere solcher Gehöfte konnten lockere, weilerartige Siedlungen bilden.
15. Die keltischen Wohnhäuser bestanden überwiegend aus vergänglichen Baustoffen.
16. Verwendet wurden Holz, Lehm, Flechtwerk und Stroh oder Schilf für die Dächer.
17. Die Wände entstanden oft in Flechtwerkbauweise, bei der ein Rutengeflecht mit Lehm verstrichen wurde.
18. Tragende Pfosten aus Holz bildeten das Gerüst des Hauses.
19. Da diese Baustoffe im Boden vergehen, sind von den Häusern meist nur die Pfostenlöcher erhalten.
20. Aus der Anordnung dieser Pfostenlöcher rekonstruiert die Archäologie den ursprünglichen Grundriss.
21. Eine verbreitete Bauform war das sogenannte Grubenhaus.
22. Bei einem Grubenhaus war der Boden gegenüber der Umgebung leicht eingetieft.
23. Solche eingetieften Bauten dienten häufig als Werkstätten oder Vorratsräume.
24. Zur Aufbewahrung von Getreide legten die Kelten Vorratsgruben in den Boden.
25. In gut abgedichteten Gruben ließ sich Korn über längere Zeit lagern.
26. Neben den einfachen ländlichen Siedlungen gab es größere und bedeutendere Ortschaften.
27. In der mittleren Latènezeit bildeten sich vielerorts offene, unbefestigte Großsiedlungen heraus.
28. Solche Siedlungen waren Mittelpunkte für Handwerk, Handel und das Leben einer ganzen Umgebung.
29. In ihnen arbeiteten Schmiede, Töpfer und andere Handwerker oft in eigenen Bereichen.
30. Die bedeutendste und eindrucksvollste Siedlungsform der Kelten war jedoch das Oppidum.
31. Das Wort Oppidum stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie befestigter Ort oder Stadt.
32. Der römische Feldherr Caesar verwendete diesen Begriff für die großen keltischen Befestigungen.
33. In der Forschung bezeichnet Oppidum eine große, befestigte, stadtartige Siedlung der späten Latènezeit.
34. Die Oppida gelten als die ersten stadtähnlichen Siedlungen nördlich der antiken Mittelmeerwelt.
35. Sie entstanden überwiegend im zweiten und ersten Jahrhundert vor Christus.
36. Die Epoche ihrer Blüte wird daher auch als Oppidazivilisation bezeichnet.
37. Ein Oppidum unterschied sich von einem Dorf durch seine Größe, seine Befestigung und seine Vielfalt an Aufgaben.
38. Es vereinte Wohnen, Handwerk, Handel, Verwaltung und Kult an einem Ort.
39. Oppida wurden meist an gut zu verteidigenden und verkehrsgünstigen Stellen angelegt.
40. Bevorzugt wurden Bergkuppen, Hochflächen, Landzungen und Flussschleifen.
41. Eine erhöhte Lage erleichterte die Verteidigung und bot Überblick über das Umland.
42. Die Nähe zu Flüssen und Wegen sicherte zugleich die Anbindung an den Handel.
43. Das auffälligste Merkmal eines Oppidums war seine gewaltige Befestigungsmauer.
44. Diese Mauer umschloss oft eine sehr große Fläche von vielen Hektar.
45. Die keltische Befestigungsmauer war kein einfacher Wall, sondern eine durchdachte Konstruktion.
46. Caesar beschrieb eine besondere keltische Bauweise, die er murus Gallicus nannte.
47. Der Ausdruck murus Gallicus bedeutet wörtlich gallische Mauer.
48. Bei dieser Bauweise wurde ein Gerüst aus Holzbalken mit Steinen und Erde gefüllt.
49. Die Balken waren durch lange Eisennägel miteinander verbunden.
50. Die Vorderseite der Mauer bestand aus sorgfältig gesetztem Steinwerk.
51. Diese Verbindung aus Holz, Stein und Erde war zugleich stabil und widerstandsfähig.
52. Sie hielt sowohl Rammböcken als auch dem Feuer besser stand als eine reine Steinmauer.
53. Neben dem murus Gallicus gab es im Karpatenbecken auch andere Mauerbauweisen.
54. Verbreitet waren etwa Mauern mit einer senkrechten, durch Pfosten gegliederten Holzfront.
55. Diese Bauart wird in der Forschung als Pfostenschlitzmauer bezeichnet.
56. Vor der Mauer lag häufig ein tiefer Graben als zusätzliches Hindernis.
57. Der Zugang erfolgte durch sorgfältig angelegte und gut zu verteidigende Tore.
58. Die Tore waren oft als eingezogene Zangentore gestaltet, die Angreifer in die Enge führten.
59. Die Befestigung diente dem Schutz, war aber zugleich ein sichtbares Zeichen von Macht.
60. Eine mächtige Mauer zeigte den Reichtum und die Organisationskraft der Gemeinschaft.
61. Der Bau eines Oppidums erforderte die geplante Zusammenarbeit vieler Menschen.
62. Holz, Stein, Erde und Eisen mussten beschafft, herangeschafft und verbaut werden.
63. Eine solche Leistung setzte eine ordnende und lenkende Führung voraus.
64. Die Errichtung der Oppida belegt daher eine straff gegliederte Gesellschaft.
65. Im Inneren waren die Oppida häufig planvoll gegliedert.
66. An manchen Orten lassen sich regelrechte Straßenzüge und abgegrenzte Bereiche erkennen.
67. Es gab Wohnbereiche, Handwerksviertel, freie Plätze und mitunter heilige Bezirke.
68. Diese Gliederung zeigt, dass die Oppida nicht zufällig wuchsen, sondern geordnet angelegt wurden.
69. Das Oppidum war vor allem ein bedeutendes Zentrum des Handwerks.
70. In seinen Werkstätten arbeiteten Spezialisten verschiedener Gewerbe nebeneinander.
71. Schmiede verarbeiteten Eisen zu Werkzeugen und Waffen.
72. Feinschmiede fertigten Schmuck aus Bronze, Silber und Gold.
73. Töpfer stellten mit Hilfe der Töpferscheibe große Mengen an Keramik her.
74. Auch Glashandwerker, Holzbearbeiter und Münzpräger waren in den Oppida tätig.
75. Die handwerkliche Erzeugung erreichte hier einen fast werkstattmäßigen Umfang.
76. Das Oppidum war zugleich ein wichtiger Mittelpunkt des Handels.
77. Auf seinen Märkten wurden einheimische Erzeugnisse und fremde Waren getauscht.
78. Über Fernhandelswege gelangten Güter aus der antiken Mittelmeerwelt in die Oppida.
79. In vielen Oppida wurden eigene Münzen geprägt.
80. Das Münzgeld erleichterte den Handel und zeugt von einer entwickelten Wirtschaft.
81. Das Oppidum war außerdem ein Mittelpunkt der politischen Macht.
82. Hier residierten vermutlich die führenden Familien und Amtsträger des Stammes.
83. An solchen Orten wurden Beratungen abgehalten, Recht gesprochen und Entscheidungen getroffen.
84. Manche Oppida dürften als Hauptorte ganzer Stämme gedient haben.
85. Auch der Kult hatte in den Oppida seinen Platz.
86. In einigen Befestigungen sind abgegrenzte heilige Bezirke nachgewiesen.
87. So vereinte das Oppidum die Aufgaben von Festung, Stadt, Markt, Werkstatt und Herrschaftssitz.
88. Es war ein Mittelpunkt für ein ganzes Umland aus Dörfern und Gehöften.
89. Die Bauern der Umgebung versorgten das Oppidum mit Nahrungsmitteln.
90. Im Gegenzug bot das Oppidum Schutz, Handwerkserzeugnisse und einen Handelsplatz.
91. Zwischen dem Oppidum und seinem Umland bestand somit eine enge wechselseitige Verbindung.
92. Im Karpatenbecken sind mehrere bedeutende keltische Oppida und Zentralorte bekannt.
93. Ein wichtiges Zentrum lag im Gebiet des heutigen Budapest auf dem Gellértberg.
94. Diese Höhensiedlung auf dem Gellértberg war ein Mittelpunkt des Stammes der Eravisker.
95. Sie kontrollierte einen wichtigen Donauübergang und das umliegende Land.
96. Auch im westlichen Transdanubien lagen befestigte keltische Zentralorte.
97. Diese Orte sicherten Verkehrswege und beherrschten ihre jeweilige Umgebung.
98. Im nördlichen Bergland des Karpatenbeckens entstanden ebenfalls befestigte Höhensiedlungen.
99. Die Lage und Verteilung dieser Zentren zeigt die politische Zersplitterung der keltischen Welt.
100. Jeder Stamm besaß seine eigenen Mittelpunkte, eine übergeordnete Hauptstadt gab es nicht.
101. Nicht alle keltischen Zentralorte des Karpatenbeckens erreichten die Größe der westlichen Oppida.
102. Im östlichen Teil der Region blieben großstädtische Oppida weitgehend aus.
103. Dort herrschten ländliche Siedlungen und kleinere befestigte Plätze vor.
104. Die Oppidazivilisation war damit im Karpatenbecken regional unterschiedlich stark ausgeprägt.
105. Am deutlichsten zeigte sie sich im Westen, der den keltischen Kernländern am nächsten lag.
106. Eine besondere Rolle spielten die Plätze, an denen Eisenerz verhüttet wurde.
107. In erzreichen Gegenden entstanden eigene Zentren der Eisengewinnung.
108. Dort wurde das Erz im Rennverfahren zu Eisen verarbeitet.
109. Solche Plätze versorgten die Schmiede der gesamten Umgebung mit Roheisen.
110. Die Eisenverhüttung gehörte damit zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der keltischen Siedlungswelt.
111. Insgesamt bildeten die keltischen Siedlungen ein gestuftes Netz.
112. An dessen Grundlage standen die einzelnen Höfe und kleinen Dörfer.
113. Darüber lagen größere offene Siedlungen mit Handwerk und Handel.
114. An der Spitze standen die befestigten Oppida als Zentren der Macht.
115. Dieses Netz spiegelte die gestufte Ordnung der keltischen Gesellschaft wider.
116. Die Oppida waren das sichtbarste Zeichen der hoch entwickelten keltischen Kultur im Karpatenbecken.
117. Mit dem Niedergang der keltischen Macht verloren auch die Oppida ihre Bedeutung.
118. Welche Kräfte zu diesem Niedergang führten, behandelt eines der folgenden Kapitel.

Handelsbeziehungen: Die Kelten und die antike Welt

[Bearbeiten]
1. Die keltische Welt des Karpatenbeckens war keine in sich abgeschlossene, sondern eine weithin vernetzte Welt.
2. Über den Handel stand sie mit nahen und fernen Regionen in vielfältiger Verbindung.
3. Handel bedeutet den Austausch von Waren zwischen Menschen, Orten und ganzen Völkern.
4. Schon in der Bronzezeit hatte das Karpatenbecken an einem weiträumigen Austausch teilgenommen.
5. In der keltischen Eisenzeit erreichten diese Handelsbeziehungen jedoch einen neuen Umfang.
6. Ein wesentlicher Grund dafür war die günstige geografische Lage des Karpatenbeckens.
7. Die Region lag im Schnittpunkt großer europäischer Verkehrswege.
8. Sie bildete ein Bindeglied zwischen dem Norden und Süden sowie zwischen dem Westen und Osten des Kontinents.
9. Die wichtigsten Verkehrsadern waren dabei die großen Flüsse.
10. Vor allem die Donau verband das Karpatenbecken mit weit entfernten Regionen.
11. Auf den Flüssen ließen sich Waren bequemer und in größerer Menge befördern als über Land.
12. Daneben bestanden Landwege, die alten Handelsstraßen folgten.
13. Eine besonders bedeutende Landverbindung war die sogenannte Bernsteinstraße.
14. Die Bernsteinstraße führte von der Ostsee quer durch Mitteleuropa bis an die Adria.
15. Sie verlief durch das westliche Karpatenbecken und band die Region in den Fernhandel ein.
16. Über diese Route gelangte vor allem ein begehrter Rohstoff in den Süden: der Bernstein.
17. Bernstein ist versteinertes Harz urzeitlicher Bäume und galt als kostbarer Schmuckstoff.
18. Er wurde an den Küsten der Ostsee gesammelt und nach Süden gehandelt.
19. Das Karpatenbecken diente dabei als Durchgangsraum und als Zwischenstation des Bernsteinhandels.
20. Der Handel der keltischen Zeit lässt sich grob in zwei Bereiche gliedern.
21. Der erste Bereich war der Austausch innerhalb des Karpatenbeckens und mit den keltischen Nachbarn.
22. Der zweite Bereich war der Fernhandel mit den hoch entwickelten Kulturen der antiken Mittelmeerwelt.
23. Innerhalb der keltischen Welt wurden vor allem Rohstoffe und Handwerkserzeugnisse getauscht.
24. Eisen und eiserne Werkzeuge zählten zu den wichtigsten Handelsgütern.
25. Da Eisenerz nicht überall vorkam, war der Austausch von Eisen unverzichtbar.
26. Auch Salz war ein begehrtes und weithin gehandeltes Gut.
27. Salz diente vor allem der Haltbarmachung von Fleisch und anderen Nahrungsmitteln.
28. Es stammte aus den Salzlagerstätten der Karpaten und der Alpenregion.
29. Weitere wichtige Handelswaren waren Keramik, Schmuck, Felle, Wolle und Vieh.
30. Getreide und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse wurden ebenfalls gehandelt.
31. Die handwerklichen Zentren, besonders die Oppida, waren die Knotenpunkte dieses Austauschs.
32. In ihnen trafen die Erzeugnisse vieler Werkstätten zusammen und wurden weiterverteilt.
33. Der Fernhandel verband die keltische Welt mit den großen Mächten des Mittelmeerraums.
34. Zu diesen Mächten zählten die griechischen Städte, die Etrusker und später vor allem Rom.
35. Aus dem Süden gelangten hochwertige und kostbare Erzeugnisse in das Karpatenbecken.
36. Ein besonders begehrtes Importgut war der Wein.
37. Wein wurde im Mittelmeerraum erzeugt und von dort nach Norden gehandelt.
38. Die keltische Oberschicht schätzte den Wein als Getränk bei festlichen Gelagen.
39. Der Wein wurde in großen Tongefäßen, den sogenannten Amphoren, befördert.
40. Eine Amphora ist ein zweihenkliges Tongefäß mit spitzem Boden zur Lagerung und zum Transport.
41. Die Funde solcher Amphoren belegen den Weinhandel sehr anschaulich.
42. Wo Amphorenscherben gefunden werden, ist mit dem Import von südländischem Wein zu rechnen.
43. Neben dem Wein gelangte auch hochwertiges Tafelgeschirr in die keltische Welt.
44. Dazu gehörten fein gearbeitete Bronzegefäße und kostbares Tongeschirr aus dem Süden.
45. Solche Gefäße dienten dem Ausschenken und dem standesgemäßen Genuss des Weins.
46. Auch Luxuswaren wie Glas, Schmuck und feine Textilien wurden eingeführt.
47. Diese Importgüter waren teuer und blieben weitgehend der Oberschicht vorbehalten.
48. Der Besitz südländischer Waren war ein sichtbares Zeichen von Rang und Wohlstand.
49. Ein keltischer Fürst zeigte seine Stellung auch durch fremde, kostbare Gegenstände.
50. Der Import von Luxusgütern war damit eng mit der gesellschaftlichen Schichtung verbunden.
51. Dem Strom der Importe stand ein Strom von Ausfuhrgütern gegenüber.
52. Handel beruht auf Austausch, daher mussten die Kelten den Importen eigene Waren entgegensetzen.
53. Eine wichtige Ausfuhrware der keltischen Welt waren Rohstoffe.
54. Dazu gehörten Metalle, vor allem Eisen, sowie Salz und Felle.
55. Auch landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Getreide und Vieh wurden in den Süden geliefert.
56. Ein besonders bedeutendes und zugleich düsteres Ausfuhrgut waren Sklaven.
57. Der Handel mit unfreien Menschen war in der antiken Welt weit verbreitet.
58. Die Mittelmeermächte, besonders Rom, hatten einen großen Bedarf an Sklavenarbeit.
59. Viele dieser Sklaven stammten aus Kriegsgefangenen der keltischen Stämme.
60. Krieg und Sklavenhandel waren damit eng miteinander verbunden.
61. Der Sklavenhandel brachte den keltischen Anführern erheblichen Gewinn.
62. Antike Berichte deuten an, dass Sklaven mitunter gegen Wein eingetauscht wurden.
63. Dieser Austausch zeigt, wie unmittelbar Import und Export miteinander verzahnt waren.
64. Eine wichtige Errungenschaft, die den Handel erleichterte, war das Münzgeld.
65. Münzen sind genormte Metallstücke mit festgelegtem Gewicht und Wert.
66. Vor der Einführung der Münze beruhte der Handel auf dem unmittelbaren Tausch Ware gegen Ware.
67. Diese Form des Austauschs ohne Geld bezeichnet man als Tauschhandel oder Naturaltausch.
68. Der Tauschhandel war umständlich, da beide Seiten die jeweils angebotene Ware benötigen mussten.
69. Mit dem Münzgeld ließ sich der Wert einer Ware einfach und einheitlich ausdrücken.
70. Die Kelten lernten den Gebrauch der Münze von den Griechen kennen.
71. Anfangs ahmten keltische Münzpräger griechische Vorbilder unmittelbar nach.
72. Besonders die Goldmünzen makedonischer Könige dienten als Vorlage.
73. Allmählich entwickelten die keltischen Stämme jedoch eigene Münzbilder und Münztypen.
74. Die ursprünglichen griechischen Motive wurden dabei umgeformt und verändert.
75. Im Karpatenbecken prägten verschiedene keltische Stämme ihre eigenen Münzen.
76. Diese bestanden je nach Wert aus Gold, Silber oder Bronze.
77. Die Verbreitung keltischer Münzen zeigt die Reichweite des Handels.
78. Wo Münzen eines Stammes auftauchen, lassen sich Handelsverbindungen erschließen.
79. Das Münzwesen belegt insgesamt einen hohen Entwicklungsstand der keltischen Wirtschaft.
80. Über den Warenaustausch hinaus vermittelte der Handel auch Wissen und Ideen.
81. Mit den Waren wanderten Techniken, Moden, Kunstformen und Vorstellungen.
82. So gelangten Anregungen der antiken Mittelmeerkultur in die keltische Welt.
83. Die keltische Kunst nahm fremde Motive auf und formte sie eigenständig um.
84. Der Handel war damit zugleich ein Weg des kulturellen Austauschs.
85. Über die Handelswege verbreitete sich später auch die Schrift in geringem Umfang.
86. Manche keltischen Münzen und Gegenstände tragen Inschriften in fremden Schriftzeichen.
87. Diese Schriftkenntnis blieb jedoch auf wenige Bereiche und Personen beschränkt.
88. Die keltische Welt blieb im Kern eine Kultur der mündlichen Überlieferung.
89. Der zunehmende Handel mit Rom hatte auch tiefgreifende Folgen.
90. Die keltische Oberschicht gewöhnte sich an südländische Waren und Lebensweisen.
91. Damit wuchs die Abhängigkeit vom Handel mit dem Mittelmeerraum.
92. Zugleich brachte der Handel Rom genaue Kenntnisse über die keltischen Gebiete.
93. Händler und Reisende berichteten über Wege, Reichtümer und Verhältnisse im Norden.
94. Dieses Wissen sollte später der römischen Eroberung den Weg ebnen.
95. Der Handel verband die keltische Welt mit Rom, machte sie aber auch verwundbar.
96. Wirtschaftliche Verflechtung und politische Bedrohung lagen damit eng beieinander.
97. Im Karpatenbecken lassen sich die Handelsbeziehungen vor allem an den Funden ablesen.
98. Importierte Amphoren, Bronzegefäße und Münzen bezeugen den Austausch mit dem Süden.
99. Solche Funde häufen sich besonders in den Oppida und an den großen Verkehrswegen.
100. Die Oppida waren die wichtigsten Mittelpunkte des keltischen Handels.
101. In ihnen liefen die Fäden des Nah- und Fernhandels zusammen.
102. Sie waren Märkte, Werkstätten und Umschlagplätze zugleich.
103. Auch befestigte Plätze an Flussübergängen kontrollierten den Handel und seine Wege.
104. Wer einen wichtigen Übergang beherrschte, konnte vom durchziehenden Handel Abgaben erheben.
105. Die Beherrschung der Verkehrswege war damit eine Quelle von Macht und Reichtum.
106. Insgesamt war die keltische Wirtschaft des Karpatenbeckens stark auf Austausch ausgerichtet.
107. Sie verband bäuerliche Erzeugung, hoch entwickeltes Handwerk und weiträumigen Handel.
108. Der Handel sicherte den Wohlstand der Oberschicht und die Versorgung der Zentren.
109. Das Karpatenbecken war dadurch fest in das Wirtschaftsgefüge des antiken Europa eingebunden.
110. Diese enge Verbindung zur antiken Welt prägte die letzte Epoche der keltischen Selbständigkeit.
111. Zugleich kündigte sich in den wachsenden Beziehungen zu Rom bereits das Ende dieser Epoche an.
112. Welche Kräfte den Niedergang der keltischen Macht herbeiführten, behandelt das folgende Kapitel.

Der Niedergang der Kelten: Druck von außen und innere Konflikte

[Bearbeiten]
1. Die keltische Vorherrschaft im Karpatenbecken war kein dauerhafter Zustand, sondern eine zeitlich begrenzte Epoche.
2. Ihre Blütezeit lag im dritten und zweiten Jahrhundert vor Christus.
3. Im ersten Jahrhundert vor Christus geriet die keltische Welt jedoch zunehmend in die Krise.
4. Am Ende dieser Entwicklung stand der Verlust der keltischen Selbständigkeit im gesamten Karpatenbecken.
5. Der Niedergang der Kelten war kein plötzlicher Zusammenbruch, sondern ein längerer Vorgang.
6. Er erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte und verlief in den einzelnen Regionen unterschiedlich.
7. Mehrere Ursachen wirkten dabei zusammen und verstärkten einander gegenseitig.
8. Diese Ursachen lassen sich grob in äußeren Druck und innere Schwächen unterteilen.
9. Der äußere Druck ging von mehreren Seiten zugleich auf die keltische Welt ein.
10. Aus dem Osten drängten kriegerische Steppen- und Reitervölker heran.
11. Aus dem Norden rückten germanische Stämme nach.
12. Aus dem Süden näherte sich die wachsende Macht des Römischen Reiches.
13. Hinzu kamen innere Konflikte, die die keltischen Stämme von innen her schwächten.
14. Die politische Zersplitterung der Kelten war dabei eine entscheidende Schwäche.
15. Die keltische Welt bildete niemals einen einheitlichen Staat.
16. Sie bestand aus zahlreichen selbständigen Stämmen ohne gemeinsame Führung.
17. Diese Stämme verband zwar eine gemeinsame Kultur, nicht aber ein gemeinsamer Wille.
18. Häufig bekämpften sich die keltischen Stämme gegenseitig in Fehden und Kriegen.
19. Bündnisse zwischen Stämmen waren meist kurzlebig und unzuverlässig.
20. Gegen einen geschlossen auftretenden Gegner blieben die Kelten daher uneinig und schwach.
21. Ein zerstrittenes Vielvölkergebiet konnte einer geeinten Großmacht wenig entgegensetzen.
22. Diese innere Uneinigkeit erleichterte allen äußeren Gegnern das Vordringen.
23. Eine erste schwere Bedrohung erwuchs den Kelten aus dem Osten.
24. Aus den Steppen drangen die Daker in das Karpatenbecken vor.
25. Die Daker waren ein kriegerisches Volk, das im Gebiet des heutigen Rumänien siedelte.
26. Im ersten Jahrhundert vor Christus erstarkten die Daker zu einer bedeutenden Macht.
27. Unter einem mächtigen König schlossen sich die dakischen Stämme zusammen.
28. Dieser König trug den Namen Burebista.
29. Burebista einte die Daker und schuf ein schlagkräftiges Reich.
30. Etwa um die Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christus führte er Krieg gegen die Kelten.
31. Seine Heere stießen aus dem Osten tief in das Karpatenbecken vor.
32. Besonders schwer trafen die dakischen Angriffe die keltischen Stämme an der mittleren Donau.
33. Die Boier und die Skordisker erlitten durch die Daker schwere Niederlagen.
34. Der mächtige Stamm der Boier wurde von Burebista entscheidend geschlagen.
35. Diese Niederlage schwächte die keltische Macht im Karpatenbecken nachhaltig.
36. Antike Quellen sprechen von einer regelrechten Verwüstung der betroffenen Gebiete.
37. Manche Landstriche sollen nach den dakischen Kriegen weithin entvölkert gewesen sein.
38. Dieser entvölkerte Raum wurde später als boische Einöde bezeichnet.
39. Die dakischen Angriffe zerstörten die politische Ordnung mehrerer keltischer Stämme.
40. Damit war die keltische Vorherrschaft im östlichen Karpatenbecken weitgehend gebrochen.
41. Eine zweite Bedrohung erwuchs den Kelten aus dem Norden.
42. Von dort her drängten germanische Stämme nach Süden.
43. Die Germanen waren eine Völkergruppe, die nördlich der keltischen Welt siedelte.
44. Im Lauf des ersten Jahrhunderts vor Christus dehnten sie ihren Einflussbereich aus.
45. Germanische Gruppen drangen in zuvor keltisch besiedelte Gebiete ein.
46. So gerieten die Kelten auch von Norden her unter Druck.
47. Im nördlichen Karpatenbecken machten sich germanische Stämme bemerkbar.
48. Die keltische Bevölkerung wurde dort verdrängt, unterworfen oder mit den Germanen vermischt.
49. Der germanische Vorstoß verschob die alten Volksgrenzen weiter zuungunsten der Kelten.
50. Die größte und folgenreichste Bedrohung kam jedoch aus dem Süden.
51. Dort erhob sich die wachsende Macht des Römischen Reiches.
52. Rom hatte sich von einer Stadt zu einer beherrschenden Großmacht entwickelt.
53. Schritt für Schritt dehnte das Reich seine Grenzen nach Norden und Osten aus.
54. Schon zuvor hatte Rom keltische Gebiete in Italien und Gallien unterworfen.
55. Der römische Feldherr Caesar eroberte zwischen 58 und 51 vor Christus ganz Gallien.
56. Damit fiel das große keltische Kernland im Westen unter römische Herrschaft.
57. Diese Eroberung zeigt, wie überlegen das geeinte Rom den zersplitterten Kelten war.
58. Nach Gallien rückte das römische Vordringen auch dem Karpatenbecken näher.
59. Rom richtete sein Augenmerk zunehmend auf den Raum an der mittleren Donau.
60. Die Donau bot sich als natürliche und gut zu sichernde Reichsgrenze an.
61. Die Gebiete bis zur Donau gerieten damit in den Blick der römischen Eroberungspolitik.
62. Die jahrzehntelangen Handelsbeziehungen hatten Rom gut über die Region unterrichtet.
63. Händler und Reisende hatten Wege, Reichtümer und Verhältnisse bekannt gemacht.
64. Dieses Wissen erleichterte die spätere militärische Eroberung erheblich.
65. So wurde die einstige Quelle des Wohlstands für die Kelten zu einer Gefahr.
66. Die wirtschaftliche Verflechtung mit Rom hatte die keltische Welt zugleich verwundbar gemacht.
67. Zu den äußeren Bedrohungen traten innere Schwächen der keltischen Gesellschaft hinzu.
68. Die fehlende politische Einheit war dabei nur eine von mehreren Schwächen.
69. Die jahrelangen Kriege hatten viele keltische Stämme erschöpft und ausgeblutet.
70. Verluste an Menschen, Vieh und Vorräten schwächten die Widerstandskraft.
71. Manche Gebiete waren durch Krieg und Verwüstung dünn besiedelt.
72. Die Niederlagen gegen Daker und Germanen untergruben das Ansehen der keltischen Führung.
73. In dieser Lage zerfielen Bündnisse, und einzelne Stämme suchten ihr eigenes Heil.
74. Manche keltischen Gruppen verbündeten sich sogar mit den Feinden anderer Stämme.
75. Diese Uneinigkeit beschleunigte den Verfall der keltischen Macht zusätzlich.
76. Mit dem Niedergang der politischen Ordnung verfielen auch die großen Oppida.
77. Viele befestigte Zentralorte verloren ihre Bedeutung oder wurden aufgegeben.
78. Handwerk, Handel und Münzprägung gingen in den betroffenen Gebieten zurück.
79. Die einst blühende Oppidazivilisation des Karpatenbeckens zerfiel allmählich.
80. Der Untergang der Oppida ist ein deutliches Zeichen des keltischen Niedergangs.
81. Den letzten und entscheidenden Schritt vollzog schließlich das Römische Reich.
82. Unter dem ersten römischen Kaiser Augustus begann die planmäßige Eroberung der Donauländer.
83. Augustus wollte die Reichsgrenze dauerhaft an die Donau verlegen.
84. Römische Heere stießen dazu in das Gebiet des westlichen Karpatenbeckens vor.
85. Um die Zeitenwende unterwarf Rom das Gebiet des heutigen Transdanubien.
86. Die dort lebenden keltischen Stämme verloren ihre Selbständigkeit.
87. Das eroberte Land wurde in das Römische Reich eingegliedert.
88. Aus dem unterworfenen Gebiet entstand später die römische Provinz Pannonia.
89. Damit endete im westlichen Karpatenbecken die keltische Eigenständigkeit endgültig.
90. Die keltische Bevölkerung verschwand jedoch nicht mit dem Verlust der Macht.
91. Die Menschen blieben im Land und lebten unter römischer Herrschaft weiter.
92. Stämme wie die Eravisker bestanden als Bevölkerungsgruppen innerhalb der Provinz fort.
93. Allmählich vermischten sich die Kelten mit Römern und zugewanderten Gruppen.
94. Sie übernahmen mit der Zeit die römische Sprache, Kultur und Lebensweise.
95. Diesen Vorgang der kulturellen Angleichung an Rom bezeichnet man als Romanisierung.
96. Die keltische Kultur ging dabei nicht spurlos unter, sondern in der römischen auf.
97. Manche keltischen Götter, Namen und Bräuche lebten unter römischer Herrschaft weiter.
98. So bildete sich eine vermischte keltisch-römische Kultur heraus.
99. Im östlichen Karpatenbecken verlief die Entwicklung etwas anders.
100. Dieses Gebiet wurde nicht römisch, sondern blieb zunächst unter dakischem Einfluss.
101. Auch dort hatte die keltische Vorherrschaft jedoch bereits ihr Ende gefunden.
102. Der Niedergang der Kelten war damit im gesamten Karpatenbecken besiegelt.
103. Rückblickend war der keltische Niedergang das Ergebnis vieler zusammenwirkender Ursachen.
104. Druck von Dakern, Germanen und Römern traf auf eine innerlich zerstrittene Welt.
105. Die politische Zersplitterung machte die Kelten ihren geeinten Gegnern unterlegen.
106. Kriege, Verluste und der Verfall der Oppida schwächten die keltische Gesellschaft weiter.
107. Die enge Bindung an Rom erwies sich am Ende als verhängnisvoll.
108. Mit der römischen Eroberung endete die rund vierhundertjährige keltische Epoche des Karpatenbeckens.
109. Zugleich begann mit ihr ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Region.
110. An die Stelle der keltischen Stammeswelt trat die geordnete Herrschaft des Römischen Reiches.
111. Aus dem eroberten Land wurde die römische Provinz Pannonia.
112. Mit ihrer Einrichtung beginnt das folgende große Kapitel der Geschichte des Karpatenbeckens.