Das Mirakel des Heiligen Kreuzes zu Elspe: Ist das Mirakelkreuz ein astronomisches Messgerät?

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Das Mirakel des Heiligen Kreuzes zu Elspe [[{{{3}}}|{{{4}}}]]

Foto Ludorf 1904, Deutlich zu erkennen sind die eingeschnitzten Kerben (Skala)

Der vielleicht älteste „Jakobstab“, ein astronomisches Vermessungsinstrument, hängt bisher unbemerkbar in der Elsper Kirche. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein völlig normales Kreuz.

Beim genaueren Betrachten erkennt man schnell, das die Mulden nicht genau gegenüberliegend angeordnet sind. Auf alten Fotos um die Jahrhundertwende sind noch zwischen den Mulden eingeschnitzte Kerben erkennbar, ähnlich einer Maßskala. Mit dieser Skala konnten Winkel genau bestimmt werden. Vielleicht ist es auch kein Zufall, das diese Kirche dem Hl. Jakobus des Älteren geweiht ist.

Im 11. und 12. Jahrhundert entwickelte sich eine der größten Pilgertraditionen des christlichen Westens zum Grab des Heiligen Apostels Jakobus. Neben Rom und Jerusalem wurde Santiago de Compostela zum dritten Hauptziel der christlichen Pilgerfahrt.

In diesem Land, wo viele Kulturen und Religionen friedlich zusammenlebten, bildete sich ein Zentrum der Wissenschaft in Form von geistigen Bibliotheken.

Ob und wie das astronomische Wissen, welches in diesem Zentrum sicherlich vorhanden war, nach Elspe gelangte kann man nur vermuten. Zumindest muss es ein gelehrter Mann gewesen sein, welcher das Wissen mitbrachte um in Elspe seine astronomischen Messungen ausübte.

Dieses astronomische Messgerät oder „Jakobstab“ wurde zumindest in Elspe hergestellt und hier mit großer Gottesfurcht als „Heiligen Kreuz zu Elspe“ behandelt.



Das beweist zumindest die Festschreibung des Breitengrades von Elspe im Mirakelkreuz.

Mittagshöhen im Mirakelkreuz[Bearbeiten]

Im Elsper Mirakelkreuz wurden zunächst die Mittagshöhe der Sonne im Laufe eines Jahres aufgezeichnet. Hierzu wurde ein Stift als Schattenstab in die Mulde 11 gesteckt und nach Mittag hin zur Sonne ausgerichtet. Der Höchststand der Sonne wurde ermittelt, nachdem der Schattenwurf seine tiefste Stelle erreicht hatte. Jede Mulde beinhaltete einen besonderen Feiertag. Zur SSW fiel der Schatten von Punkt 11 auf Punkt 1, zur TNG auf Punkt 37 und zur WSW auf Punkt 7. Zwischenwerte konnte man mit Hilfe der eingeschnitzten Kerben wie eine Skala verwenden.


Aufzeichnung der Mittagshöhen am Mirakelkreuz

Deklination der Erde im Mirakelkreuz[Bearbeiten]

Zur Messung der Deklination der Erde wurde das Kreuz auf den Kopf gestellt.

Das Dreieck mit dem Winkel des Breitengrades ist im Kreuz fest verzeichnet, so das man davon ausgehen kann das es in Elspe konstruiert worden ist.(s. gelbes Dreieck oben bei Messung der Mittagshöhen)

Für die Messung der Deklination wird ein Lot in Punkt 2 gehängt und der Schatten des Stiftes in Mulde 37 mit einem Stift in Mulde 11 zur Deckung gebracht. Das Lot fällt je nach Mittagshöhe auf den Querbalken des Kreuzes und zeigt die jeweilige Deklination an.

Zwischenwerte wurden anhand der eingeschnitzten Skala abgelesen.

Die Rückseite des Kreuzes dient hier als Merkhilfe; zeigt die helle Seite nach oben ist Sommer, zeigt die dunkle Seite nach oben ist Winter. Messung der Erddeklination mit dem Mirakelkreuz

Sonnenauf- und –Untergänge im Mirakelkreuz[Bearbeiten]

Bisher wurden die Messungen der Mittagshöhe und der Deklination in der Vertikalen durchgeführt.

Da die Schattenspur der Sonne sowie die Auf- und –Untergänge eine Messung in der Horizontalen ist, wird auch das Mirakelkreuz bei dieser Messung horizontal gehalten.

Der lange Kreuzbalken wird in West-Ost-Richtung gehalten, so das der kurze Kreuzbalken in Nord-Süd-Richtung steht. Zeigt z.B. die Deklination zur SSW auf Punkt 11, so kann man den Sonnenaufgang von Punkt 20 nach 11 peilen oder vorhersagen. Fällt das Lot bei der Deklination auf Punkt 10, wird der Sonnenaufgang von 20 nach Punkt 10 gepeilt usw.

Bei Tag und Nachtgleiche, wenn die Schattenspur eine Gerade bildet, die Deklination Senkrecht zeigt, ist auch der Sonnenaufgang in dieser Richtung, nach Osten.

Für die Sonnenuntergänge gilt gleiches nur Ost-West verkehrt.

Für die Zwischenwerte sind im Querbalken ebenfalls Kerben eingeschnitzt und bilden eine Skala.


Auch hier dient die Rückseite des Kreuzes wieder als Merkhilfe; führt der Sonnenaufgang (-Untergang) durch die helle Seite ist Sommer, führt er durch die dunkle Seite befinden wir uns im Winterhalbjahr.


M-Kreuz-Aufgang-SSW.gif

Rückseite des Kreuzes[Bearbeiten]

Rückseite des Kreuzes, Hier Kopie im Sauerlandmuseum in Attendorn


Bei der Messung der Deklination ist die Rückseite des Kreuzes eine Merkhilfe für die Jahreszeit.

Zeigt die helle Seite nach oben ist Sommer, (Jahrestag) zeigt die dunkle Seite nach oben ist Winter (Jahresnacht).

Bei der Messung der Sonnenauf- und –Untergänge gilt gleiches, geht die Peilung des Sonnenaufgangs in die helle Seite ist Sommer, zeigt sie in die dunkle Seite, ist Winter.

Rechnerische Überprüfung der Winkel[Bearbeiten]

Die Winkelabweichungen liegen im Bereich von weniger als einem Grad und sind ggf. durch Verzug des Holzes, oder durch Aufmasstoleranzen der genaue Mitte der Mulden von der Kopie im Kreisheimatmuseums Attendorn erklärbar. Alle Deklinationswinkel von –23,65° bis +23,65° sind nach Tabellen einem Tag im heutigen Kalender zuzuordnen.

Nach vorgenannter Tabelle der etwaigen Deklinationen der Sonne von Herrn Burghard Steinrücken, Sternwarte Recklinghausen sind alle Winkel mit den Tabellenwerten des Jahres 1175 n.Chr. stimmig.

Aufbauend auf diese Zeitspanne wurde mir von Herrn Dr. Jürgen Giesen aus Welver genaue astronomische Tabellen des Jahres 1175 in astronomischer Jahreszählung zur Verfügung gestellt.

Aus der Tabelle gehen die Tage mit den jeweiligen Aufgangszeiten, der Deklination, Azimutwinkel der Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge hervor. Zu Beachten ist bei der Festlegung der Tagesdaten, daß wir uns im Übergangsbereich zwischen dem Julianischen und dem Gregorianischen Kalender befinden.


Auch der Mond wurde vermessen[Bearbeiten]

Darstellung der Mondwenden am Mirakelkreuz

Die Großen und die Kleinen Mondwenden sind ebenfalls auf dem Kreuz verzeichnet worden.

Wurden bisher die Sonnenauf- und -Untergänge auf der Sonnenebene gemessen, so sind die Mondwenden auf der Mondebene vermerkt.

Da der Mond mit seinen Auf- und Untergängen sowie seines Höchststandes am Himmel täglich anderere Werte abgibt, und da er nur alle 18,61 Jahre seine gleiche Stellung am Himmel hat, möchte ich mir die Aufzeichnung dieses "verrückten" Planeten ersparen.