Das Mirakel des Heiligen Kreuzes zu Elspe: Restaurierungsbericht des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege

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Das Mirakel des Heiligen Kreuzes zu Elspe [[{{{3}}}|{{{4}}}]]


Restaurierungsbericht des westfälischen Amtes für Denkmalpflege[Bearbeiten]

bisher unveröffentlichtes Manuskript von Günther Röttger, ausführender Restaurator in der Werkstatt des westf. Amts für Denkmalpflege.

Das Elsper Kruzifix um 1130

Masse : Korpus Höhe : 103 cm mit Suppedaneum Spannweite : 93 cm – Korpus ausgehöhlt

Kreuz Höhe : 122 cm Breite : 17,9 cm zu 18,2 cm Stärke : 1,8 cm zu 1,9 cm Spannweite : 92,5 cm

Rekonstruierte Masse und jetziger Zustand des Kreuzes:

Höhe und Ergänzungen : 144 cm Spannweite : 101 cm Materialangabe : Eichenholz gefasst

Herkunft : Das Kruzifix befindet sich in der St. Jakobuskirche zu Elspe im Kreis Olpe (Sauerland) Es ist anzunehmen, dass das Kruzifix seit Bestehen der St. Jakobuskirche als Altarkreuz diente. Beschreibung des Kruzifixes:

Das Elsper Kruzifix der St. Jakobusgemeinde gehört zum ikongraphischen Typus des Mathilden-Kreuzes im Domschatz zu Essen. Der Christus ist in seiner Linienführung sehr streng gehalten. In sich ist er etwas nach links geschwungen, so dass die linke Lendentuchhälfte sich mit dem Kreuzbalken überschneidet.

Die Arme sind weitausladend in gerader Führung nach oben gezogen, und es ergibt sich über die Augenpartie zu den angewinkelten Daumen eine scheinbare Achse. Der Kopf neigt sich etwas nach rechts, und die zur Mitte hin gescheitelten Haare fallen in wulstartigen Strähnen auf die Schultern. Die breiten geschlossenen Lippen werden von einem gekräuselten Bart umgeben, der sich zum Kinn zu zwei Spitzen auseinandergabelt.

Unterhalb der rechten Brustseite öffnet sich ein sichelförmiges Wundmal. Brust und Bauch sind zaghaft ausmodelliert, und der Christus wirkt dadurch etwas schwach und asketisch. Durch ein dreifach übereinandergelegten Gürtelstrick ist das zu einem Knoten zusammengeraffte Lendentuch hindurch gesteckt, dass in länglichen Falten so auf die Beine herabfällt, dass es sich in der Mitte überschlägt, und die die Unterseite des Saumes sichtbar wird.

Weich setzen die Füsse auf ein abgerundetes Suppedaneum auf. Ehemals sind Nägel durch sie geschlagen worden, was durch zwei Wundmale markiert ist. Auf dem breiten Kreuzbalken sind in fast regelmäßigen Abständen Mulden eingeschnitzt. Die Starre Form der ineinandergefügten Holzbretter wird dadurch wesentlich aufgelockert.


Zustandsbericht[Bearbeiten]

Das Kruzifix ist in einem relativ gutem Zustand. Die letzte Fassung ist sehr verschmutzt und weist äusserst minderwertige Qualität auf. Der Korpus ist mit einer einheitlichen grauen Ölfarbe überstrichen und nur an wenigen Stellen anlasiert. Lediglich die Haare und der Bart sind braunschwarz abgefasst. Augenbrauen sind grob nachgezogen und die Augen mit einem dicken Lidstrich geschlossen. Das Lendentuch ist mit einer Ölbronze überzogen. Die Vorderseite des Kreuzes bedeckt ein braunroter Mattölfarbabstrich. Ein weisses länglich geschwungenes INRI Schild ist am oberen Ende des Kreuzes angebracht und wurde wahrscheinlich bei der letzten Bemalung des Kruzifixes hinzugefügt. Die Rückseite ist nach der Ursprünglichen schwarz und rot bemalt.

Das Holz ist in einem guten Zustand. Lediglich die Fassungen sitzen locker auf und sind zumeist in den unteren Schichten schon grösstenteils verloren. Deutlich heben sich mehrere Fassungsfragmente unter dem Letztanstrich ab. Durch die Arme und das rechte Bein sind Schrauben zur Befestigung eingesenkt. Das Kreuz ist an allen vier Enden reduziert, am oberen Ende sind zwei kleine Rechtecke herausgesägt, am unteren ist es U-förmig beschnitten, das zum Einsenken in den Altartisch gedacht ist. Von der ursprünglichen Fassung scheint mehr erhalten zu sein als auf dem Korpus.

Restaurierung und Freilegung[Bearbeiten]

Bevor die Restaurierung mit der dazugehörigen Freilegung in Angriff genommen werden konnte, mussten an mehreren Stellen des Kruzufixes gelöste und zeltförmig gehobene Fassungsteile gefestigt und niedergelegt werden. Dieses wurde teilweise mit einer Waschsharzmischung (2 Teile Collophonium 1 Teil naturreines Bienenwachs) unter Anwendung eines Heizspachtels ausgeführt, zum andern mit einer verdünnten PVA Leimlösung (1 Teil PVA „Keimfix“, 10 Teile destilliertem Wasser, einige Tropfen Weichmacher „Agepone“). Nach dieser ersten notwendigen Massnahme begann die Freilegung, bei der in den folgenden Arbeitsprozessen weitere Festigungen vorgenommen wurden. Zuerst wurde der Korpus vom Kreuzbalken gelöst, wobei die erkennbaren Schrauben in den Armen und im rechten Bein entfernt wurden. Ein Dübel, der an der Rückseite des Korpus eingeleimt war und eine Verankerung zum Kreuz herstellte, wurde durchgesägt, da er nicht zum Original gehörte.

Die Freilegung des Korpus und des Kreuzbalkens wurde in zwei Abschitten ausgeführt.

Abnehmen der Übermalung vom Korpus[Bearbeiten]

Der jüngste Anstrich liess sich mit einem Gemisch aus Aceton und Spiritus leicht entfernen. Dabei wurde gleich eine Inkarnatspartie im Gesicht freigelegt, die zur ursprünglichen Fassung gehörte. Die späteren Übermalungen waren an dieser Stelle schon vorher verloren gegangen, so dass sich diese Partie nicht strukturell abhob, gleich den sichtbaren Fragmentteilen. Die jetzt sichtbar gewordenen Kittstellen und Nachmodellmentteilen (Leinölkitt) an Armen , zwischen den Händen und den auslaufenden Haarstränen, aus einem alten Dübelloch in der Mitte der Lendentuches , sowie an den Stellen desselben und weiterfolgend den Hüft- und Brustkorbseiten bis zu den Armansetzen des Korpus, wurden mit einer Fluidpaste (Flux) aufgeweicht und später mechanisch befestigt.

Deutlich waren jetzt spätere Holzergänzungen erkennbar, die durch herausziehen stark verrosteten Nägel und Dübelhölzer entfernt wurden. Ferner wurden geschnitzte Eichenholzleisten (Breite 6 cm, Stärke 1,2cm, Länge 46 cm), die an den Seiten des Lendentuches bis hinauf zu der abnehmbaren Schulterdeckplatte angestückt waren, abgetrennt. Ferner ein starker Dübel (Fichte, Durchmesser 4 und 4,5cm, Länge 7,8cm), der ein 10cm tiefes Loch im Hinterkopf ausfüllte und etliche kleine Holzdübel und Holzteilchen, die bei der Verankerung von Armen zum Körper Verwendung fanden. Die aufgedübelte Schulterdeckplatte wurde abgenommen und die Arme herausgelöst. Anschliessend wurde das sichtbare Holz von alten Farb- und Leimresten mit einer selbstgefertigten alkalischen Lösepaste gereinigt.

Jetzt konnte mit der Freilegung der Fragmentteile begonnen werden. Die einzelnen Farbschichten der Inkarnatsteile wurden mit einer Fluidpaste (Flux) aufgeweicht und anschliessend mit dem Skalpell abgetragen. Dieser Arbeitsvorgang vollstreckte sich bis zur lasurartigen Überfassung, die direkt auf der zu erhaltenden Fassung auflag. Diese lasurartige Fassung wurde ausschliesslich mit dem Skalpell präparierten Schnitzeisen oder Glasradierer entfernt. Die vergoldeten Partien auf dem Lendentuch wurden mit einer Benzolpaste (Pansol) freigelegt. Das Azuritblau des Gürtels und an dem Innensaum des Lendentuches wurden aufgedeckt, nachdem die Übermalung mit Flux aufgeweicht und mechanisch abgenommen war. Die Haare wurden grösstenteils mechanisch freigelegt. Bei der gesamten Freilegung wurde streckenweise mit der Lupe gearbeitet ( Technoskop der Firma Zeiss), teilweise bei 16-25 facher Vergrösserung. Die abgelösten Holzteile, wie die Schulterdeckplatte, wurden wieder angefügt. Ein 4 mm starker Holzspan wurde in den Zwischenraum der aufgesprungenen linken Hand eingesetzt. Ein geschnitzter Eichenholzpfropfen schliesst das Loch in der Schädelplatte. Nachdem die Arme zum Korpus ausgerichtet waren (Ausrichtung nach der Originalaufhängung), wurden die Steckzapfen mit leimgetränkten Hanf umwickelt und verleimt (Tischlerleim). Die späteren hinzugefügten Eichenholzstücke an den Seiten wurden angedübelt und auf jeder Seite zusätzlich mit drei Messingschrauben gesichert und anschliessend der verlaufenden Form des Korpus zugeschnitzt.

Löcher im Holz und grössere Risse, sowie die Ansätze der Arme, wurden mit einem getönten Holzkitt ausgefüllt, geschliffen und durch Einritzen von Rillen der Holzstruktur angepasst. Da eine Neufassung nicht erwünschenswert war, und das Kruzifix wieder als Andachtsgegenstand dienen sollte, mussten die freigelegten Fragmentteile wieder zugedeckt werden. Grössere Fehlstellen in den Fragmentteilen wurden mit Leimkreidekitt ausgefüllt, um diese Flächen zu ebnen und zu schliessen.

Anschliessend wurden diese Stellen mit einer Leimlösche (Hasenblasenleim) überzogen und mit einer im holztongehaltenen Schellackfarbe überstrichen. Mit Kaseintempera (Talens „Rembrandt“) wurde die fortlaufende Struktur aufgemalt. Ferner wurden die getönten Kittstellen der Holzmaserung angepasst.Die braunschwarzen Haare, das dunkelrote Wundmal, der azuritfarbene Gürtel, und der Innensaum des Lendentuches, sowie ein Goldfragment des Lendentuchknotens, das Grün des Suppedaneums und die freigelegte ursprüngliche Fassung im Gesicht wurden beibehalten, da sie die Komposition des Korpus nicht beeinträchtigen.

Die Azuritstellen wurden mit einem Hasenblasenleimüberzug abgeschützt, und die Ausbrüche dieser Farbreste schwarz anretuschiert. Über den gesamten Korpus wurde einen sehr dünne Leimlösung (Hasenblasenleim) gelegt, und abschliessend wurde die Vorderseite, ausgenommen den Azuritstellen, sowie die Rückseite mit einem Wachsharzgemisch überzogen und leicht anpoliert (naturreines Bienenwachs, rekt. Terpentinöl und Dammarfirnis).

Abnahme der Übermalung und Wiederherstellung des Kreuzbalkens[Bearbeiten]

Mirakelkreiz im freigelegten Zustand. Die Nummerierung der Mulden dient zur besseren Übersicht
Farbtreppe mit den Fassungen; Bild LWL, Amt für Denkmalpflege

Die Freilegung erfolgte in ähnlicher Weise, wie die am Korpus. Bis auf das grüne aufgemalte Mittelkreuz wurde die Beseitigung der Übermalung mit „Flux“ in Verbindung von mechanischen Mitteln ausgeführt. Mit Ammoniak getränkte Kompressen quollen die Farbschicht auf dem grünen Mittelkreuz an, die sich daraufhin mit dem Skalpell leicht entfernen liessen. Nach Fertigstellung der Freilegung und Reinigung der sichtbaren Holzpartien wurden die Ergänzungen an allen vier Enden vorgenommen. Hierzu wurde gut gelagertes, altes Eichenholz verwendet, da das Original aus dem gleichen Material bestand und zweitens sollte dieses Holz so beschaffen sein, das ein starkes Arbeiten nicht mehr zu erwarten ist. In Verbindung von mehreren Buchenholzdübeln wurden die jetzt zugeschnitzten und angepassten Ergänzungen mit Tischlerleim an das Kreuz angebracht.

Anschliessend wurden diese und die aufgedeckten Holzpartien mit einer Leimlösche vorbehandelt und mit Gazestreifen überklebt, um den nun folgenden Leimkreideauftrag eine besseren Verankerung zu geben. Der mit Hasenblasenleim aufgebaute Kreidegrund bestand aus einem Teil Champagner und 1 Teil Bolognesekreide und wurde gleichzeitig in dem Ton des Originalgrundes eingefärbt. Nach dem Durchtrocknen wurden die Auskittungen und neugekreideten Ergänzungen mit feinem Sandpapier geschliffen und mit einem feuchten Filz nachbehandelt. Für die folgenden Retuschen mussten diese Partien mit gebleichtem Schellack isoliert werden. Die Retuschen wurden teilweise mit einer selbstgefertigten Eitempera und „Talens“ Kaseinfarben ausgeführt. Für das Rot wurde Kadmiumpigmente genommen. Die Goldborde wurde in Pudergold ausretuschiert, sowie die rekonstruierte fortlaufende Borde. Mit Graphit sind die Mulden dem alten Charakter angepasst worden. Die Neufassung der Ergänzungen wurden etwas anpartiniert, um sie dem Gesamtbild des Kreuzes besser einzufügen. Abschliessend wurde das Kreuz gleichfalls mit Wachsharzgemisch eingeschummert und nach dem Trocknen mit einem weichen Lappen nachfrottiert.

Nach Wiederentdeckung der Originallöcher konnte nun der Korpus in seiner ursprünglichen Aufhängung abgebracht werden. Es wird durch drei verleimte Holzdübel (Hände und Suppedaneum) am Kreuz gehalten.

Beschreibung der aufgedeckten Fassungen und besondere Merkmale am Kruzifix[Bearbeiten]

Korpus[Bearbeiten]

Der Korpus ist bis auf die Arme aus einem Stück geschnitzt. Am Kopf und auf der Unterseite des Suppedaneum sind zwei Spundlöcher zu erkennen, die ehemals zum Einblocken des Holzstammes Verwendung fanden. (Suppedaneum : Durchmesser 1,2cm, Tiefe 2,6cm. Um die Öffnung ist eine Wulst von hereingelaufener Grundiermasse zu erkennen.)

Das Spundloch am Hinterkopf scheint in späterer Zeit erweitert worden zu sein, da es eine auffallend grosse Tiefe und einen übergrossen Durchmesser aufweist. Zum anderen ist es nach unten hin verjüngt und die Rundung des Schädels ist an dieser Stelle über die Breite des Loches hinaus abgeflacht. (Durchmesser zwischen 4 und 5 cm, Tiefe ca. 10cm) Rückseitig ist der Rumpf wannenartig ausgehöhlt und von der Schulter bis zum Suppedaneum ergibt sich eine gerade Linie. Bei der Reinigung des Holzes von der Rückseite wurden orangefarbende Fragmente in Höhe des Brustkorbs aufgedeckt. Kein Kreidegrund, wahrscheinlich Mennige oder orangefarbender Zinnober) Man kann annehmen, dass an dieser Stelle früher eine Reliquienkasette aufbewahrt worden war.

Zwei Einkerbungen auf jeder Seite der in den Rumpf hineinlaufenden, dienten zur Halterung zweier Holzbrettchen. Abb. () Die Farbreste wurden nur in diesem Zwischenraum gefunden. Nach oben schliesst eine aufgedübelte Schulterdeckplatte den Rücken ab. An diese stossen an jeder Seite zwei eichene Holzleisten an, die spätere Ergänzungen sind, und die den Niveaunterschied ausgleichen, da früher an dieser Stelle eine Holzplatte auflag, die Aushöhlung abdeckte und die Reliquie verschloss. Die Holzleisten waren mit maschinell hergestellten Eisenstiften angenagelt und die Übergänge mit Ölkitt ausgespachtelt. Die Aushöhlung des Rumpfes erfolgte mit einem geraden Bildhauereisen. Dies ist deutlich an den Schnitzspuren zu erkennen, speziell an den Einkerbungen zu erkennen.

Das gesamte Holz ist in einem relativ gutem Zustand, bis auf einige durch Anobienbefall zerstörte Partien. (Rückseite und Oberschenkel und der Arme) Die Arme sind im Steckverfahren an den Korpus gefügt. Bei früheren Restaurierungen sind sie mit Gewalt herausgelöst worden, da das Holz um die Einzapfungen herum abgesprungen ist.

Anschliessend wurde es wieder eingeleimt und verdübelt. Auch wurde leimgetränkter Hanf um die Steckzapfen herumgewickelt und die Nahtstelle mit Ölkitt ausgespachtelt und zum Korpus anmodelliert. Drei eingesenkte Eisenschrauben, in den Armen und dem rechten Bein hielten den Korpus am Kreuz. Abb. (Zustandsfoto) Die länglich aufgesprungene rechte Hand war mit Holzdübeln zusammengeheftet, und der Spalt ebenfalls mit Ölkitt ausgefüllt. Weitere Verkittungen befanden sich in den Haarstränen, um die Mundwinkel, in einem früheren Wundmal in der Brust (Vergleiche Benninghauser Kruzifix), sowie in den Füssen und in einem früheren Dübelloch in der Mitte des Lendentuchs. Die Freilegung erfolgte auf Fassung No. 5, da diese Fragmente am besten erhalten waren und am wertvollsten erschienen. (s. Fassungsskala)

Bei dieser Fassung war der Korpus mit einem ca. 1mm starken Kreidegrund überzogen worden. Die Inkarnatsteile sind kühl vorlasiert und darüber liegt eine gelblichweisse mit Rotpigmenten durchsetzte Kaseinfarbe. Grüne, in groben Pinselstrich aufgemalte Adern durchlaufen den Körper. Schattierungen sind rot anlasiert, sowie die Blutspuren, die pastos aufgesetzt sind. An den Beinen sind Geisselsterne zu erkennen.

Die Wundmale sind ebenfalls leicht pastos ausmodelliert. Eine bräunliche Farbe überdeckt die Haare und den Bart, die mit Schwarzschattierungen nachgezeichnet worden sind. Der Gürtel des Lendentuches und der Saum desselben sind mit einer dicken Azuritschicht (in Leim gebunden) deckend überstrichen. Die Untermalung ist hier schwarz. Ein Polimentgold liegt auf dem Leinentuch und ist teilweise rot gelüstert. Unter dieser wahrscheinlichen spätgotischen Fassung befinden sich noch die Original- und eine weitere Überfassung. No. 6 liegt ebenfalls auf einem Kreidegrund und ist ähnlich der aufgedeckten Fassungsteile , allerdings mehr zerstört und verloren gegangen. Von der Originalfassung konnten bis auf die aufgedeckte Gesichtspartie nur spärliche Reste aufgedeckt werden. Im Gürtel des Lendentuches wurde ein stark leuchtendes Rot ausgemacht. Nach der aufgedeckten Originalfassung in der linken Gesichtshälfte kann die Originalfassung des Inkarnats folgendermassen beschrieben werden: Grundierung ist ein harter Leimkreidegrund, der Fleischton ist in einer kühlen Kaseinfarbe aufgesetzt. (Angenommene Farbmischung : Weiss, Caput mortuum, heller Ocker, Umbra und Schwarz). Die Augen sind mit dunkelbraunen Strichen konturiert und die Pupille ist in schwarz eingesetzt. Das Wangenrot ist mit einem akkurat gezeichnetem Kreis aufgemalt. Weitere Merkmale konnten nicht nachgewiesen werden.


Kreuz[Bearbeiten]

Skizze zum Restaurierungsbericht
Muster der aufschablonierten Sterne

Vor der Restaurierung war schon zu erkennen, das die Freilegung auf dem Kreuzbalken mehr aufdecken würde als auf dem Korpus, was sich auch später bestätigte. Das Holz ist bis auf einen geringfügigen Anobienbefall am U-förmig beschnittenen unteren Ende in einem sehr gutem Zustand. Die Freilegung erfolgte gleichfalls auf Fassung No. 5. Fassung 1 und 2 sind einfache Übermalungen mit braunroter (1) und einer weissen Farbe(2).

Bei dieser Fassung ist das Kreuz an allen vier Enden reduziert worden, und zwei kleinere Ausschnitte wurden am oberen Ende des Längsbalkens eingesägt.

No. 3 ist dagegen schon künstlerisch etwas mehr ausgestaltet. Auf eine mit weiss ausgemischte grüne Farbe, die das ganze Kreuz bedeckt, ist ein dunkelgrünes Mittelkreuz aufgemalt, das an der Abschlusskante der Unterseite mit einem weissen und an der Oberseite mit einem schwarzen Strich umrandet ist. Ein weiterer weisser, pastos, aufgesetzter Strich umläuft die obere Hälfte des Kreuzes.

Die Mulden sind gelb vorgelegt und vergoldet (Mixtionvergoldung). Die darunter liegende Überfassung ist in den Einzelheiten ähnlich der Aufgedeckten. Über dem Rot liegt eine dichtere Kruppluck ähnliche Lasur, auf die eine weisse Borde aufgemalt ist, die wiederum an die grün ausgemalten Mulden anstösst und sie mit einem weissen Kreis umranden. Das Mittelkreuz ist dunkelgrün überstrichen, und zu der Oberseite ist das angrenzende Rot nach Weiss auslasiert, um ein Höhenlicht zu markieren.

Die jetzt aufgedeckte Fassung war so gut erhalten (60%) dass nicht das Risiko eingegangen wurde, die noch darunter Liegende freizulegen. Auch war für die Rekonstruktion und die Retusche genügend Anhaltspunkte gegeben. Ein ca. 1mm starker Kreidegrund überdeckt die Frontseite des Kreuzes. Das stark leuchtende Rot (Zinnober) ist orangefarbig untermalt (Zinnober oder Mennige), und in kürzeren Abständen sind Sterne aufschabloniert. Abb.( )

Eine mit pastos aufgesetzten, schwarzen Strichen umrandete Goldborde umläuft das Kreuz. In der Mitte der versilberten Mulden ist ein schwarzer Farbtropfen eingemalt. Gold und Silber sind puderartig und in Leim aufgetragen (Wahrscheinlich Muschelgold und –silber ). In einer grünspanähnlichen Farbe ist das Mittelkreuz aufgemalt und mit einem dunkleren bräunlichen Grün überlasiert (Wahrscheinlich Kuferresinat).

An drei Stellen hat Hitzeeinwirkung die Fassung teilweise zerstört, was auf verkohlte Brandnarben auf der Unterseite des Querbalkens und am linken unteren Ende des Längsbalken zurückzuführen ist. (Abb. Photo des freigelegten Kreuzes) Es ist anzunehmen, dass Kerzen, die das Kreuz flankierten, diesen Schaden herbeigeführt haben. Starke Russ- und Schmutzspuren haften auf den von den Armen bedeckten Partien der Fassungen 1,3,4 und 5. Das beweist das Fassung No.2 eine Grundierschicht von No. 1ist, da auf ihr keine Schmutzreste auflagen. Im Mittelteil des Längsbalkens, wo der Korpus das Kreuz bedeckt, fehlen die Übermalungen von 1,3 und 4. Hieraus ist zu schliessen dass bei der jüngeren Neufassung der Korpus vom Kreuz gelöst wurde. Dabei wurde das Kreuz einheitlich weiss grundiert, der Korpus neu ausgerichtet und aufgeschraubt, und das Kreuz rot angestrichen.

Die ursprüngliche Aufhängung der Arme wurde verändert. Dagegen blieb die Halterung des Suppedaneums bestehen. Die Arme mussten für die symmetrische Ausrichtung neu zum Körper angesetzt werden und wurden deshalb herausgenommen; wie oben schon erwähnt wurde.

Die Originalbefestigung ist so angeordnet, das sich über die Hände in der oberen Hälfte des Querbalkens eine Diagonale ergibt. (Vergleiche Zustands- und Endphoto) Dies ist aus den Einstecklöchern zu erkennen, die das Kreuz durchbohren. (Abb. Photo des freigelegten Kreuzes) Anhand der Fassungsmerkmale an den oberen Enden, konnte das Kreuz in seiner wahrscheinlichen alten Form rekonstruiert werden.

An der Abschlusskante des Querbalkens und am oberen Ende des Längsstücks waren Reste von abgetrennten Mulden zu erkennen. Ausgehend von den einzelnen Abständen der Mulden und dem Zwischenraum des aufgemalten Kreuzes zur Aussenkante konnten die Masse ermittelt werden.

So ergab sich an den Seiten eine Ergänzung von je 4,5 cm und an dem u-förmig beschnittenen unteren Ende von 6,5 cm. Die im Längsbalken herausgesägten Stücke folgen den Aussenlinien. Da am oberen Ende des Längsbalkens die Abtrennung durch das mittlere grüne Kreuz erfolgte, musste die Ergänzung wesentlich grösser sein. Es wurden die Abstände zweier Mulden, deren Durchmesser und der Abstand der Goldborde zur Aussenkante addiert und als Rekonstruktionsmass herangezogen, so dass die Ergänzung 14,5 cm betrug. Im oberen Teil des Querbalkens fehlt ein handgrosses Stück der Fassung No. 5, deckt aber die darunter liegende Fassung No. 6 auf. Diese ist auf einem 0,6mm starken Kreidegrund aufgebaut und ist in der Farbgebung ähnlich der Aufgedeckten. Das Mittelkreuz, in einem warmen dunkeln Grün, ist etwas schmaler. Die umspannende Goldborde fehlt, dagegen sind die Mulden versilbert, grün gelüstert und schwarz eingerahmt.

Von der Originalfassung und –schnitzung konnten einige wesentliche Merkmale festgestellt werden. Die Kreuzbalken sind im Nutverfahren miteinander verbunden und durch eine Niete im Scheitelpunkt verankert. (Durchmesser des Nietenkopfes 2,5cm, Stärke 0,6cm) Zwei Eisenbänder überspannen den Querbalken und sind mit je 7 handgeschmiedeten Nägeln auf dem Holz befestigt. (Vergleiche die Kreuzverankerung des Triumpfkreuzes im Westfälischen Landesmuseum) (Länge der Eisenbänder links und rechts 27,5 cm, Breite zwischen 2,8 und 3 cm und 2,6cm und 3 cm.) Zwischen den Mulden sind in dichter Reihenfolge ovale Kerben eingeschnitzt. (Abb. Zustandsphoto und Aufnahme des freigelegten Kreuzes)

Die Fassung ist folgendermassen aufgebaut: 0,4mm starker Kreidegrund, die Eisenbänder sind ausgespart. Eine bräunliche Leimlösche liegt über der gesamten Grundierung. Die Mulden sind mit Goldstreifen miteinander verbunden. Polimentgold, weisser Bolus. Mulden Polimentsilber, stark oxidiert. Ein Zinnoberrot umschliesst die Goldborden mit Mulden und das aufgemalte grüne Mittelkreuz. Als Bindemittel dürfte Kaseintempera Verwendung gefunden haben. Die Eisenbänder sind mit einem schellackähnlichen farblosen Lack abisoliert worden. Durch starke Rosteinwirkung haben sich die Farben an dieser Stelle verändert (bräunlich). Die verschiedenen Grüns der Fassungen 5, 6 und 7 sind deutlich auf dem Nietenkopf zu erkennen. Bei Fassung No. 5 sind die Eisenbänder teilweise mit groben Leinen abgeklebt worden. Die Rückseite des Kreuzes ist schwarz und rot bemalt. Fassung 1,2 und 3 fehlen, No. 4 ist dünn lasierend darüber gestrichen. Bei Fassung No. 5 sind die Nutennähte mit Sackleinen überklebt worden. Rot ist ein Zinnober wie auf der Fronseite. Schwarz wahrscheinlich Beinschwarz. Darunter liegen auf dünnen Kreidegrund die Fassungen 6 und 7, ebenfalls in der Farbgebung und Technik wie No. 5. Die Aufdeckung der Fassung und die Restaurierung haben den kunsthistorischen und künstlerischen Wert des Kruzifixes sehr gesteigert.

Leider mussten teilweise die freigelegten Fassungsteile am Korpus wieder zugedeckt werden, weil es als unzumutbar erschien, einem in diesem Maße museal restaurierte Skulptur dem Andachtskult zurückzugeben. Die Restaurierung wurde in den Werkstätten des Landesamt für Denkmalpflege in Münster ausgeführt. Für die Beratung und Hilfeleistung in dieser Arbeit bin ich Chefrestaurator Kurt Schmidt und Klaus Endemann, sowie Bildhauer Sigfried Springer zu Dank verbunden.