Erste Hilfe/ stabile Seitenlage

Aus Wikibooks
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Nachdem Sie in der Atemkontrolle festgestellt haben, dass der Patient noch eine ausreichende Atmung hat, müssen Sie seine Atemwege sichern. Das heißt, Sie müssen garantieren, dass die Atemwege weder durch den Zungengrund verlegt werden, noch dass der Patient Erbrochenes oder andere Flüssigkeiten anatmet. Die einzige Möglichkeit für einen Ersthelfer beides zu garantieren ist die stabile Seitenlage.

Stabile Seitenlage bei auf dem Rücken liegenden Patienten
Herstellen der stabilen Seitenlage
die stabile Seitenlage

Um die Seitenlage herzustellen, kniet der Helfer seitlich neben dem Patienten. Der dem Helfer zugewandte Arm des Patienten wird im rechten Winkel zum Körper gelegt. Das dem Helfer abgewandte Bein wird am Knie abgewinkelt und angehoben. Der dem Helfer abgewandte Arm wird angehoben und das Handgelenk auf das Knie gelegt. Dadurch entsteht ein stabiles Dreieck zwischen Schulter, Becken und Handgelenk/Knie. Ohne Handgelenk und Knie loszulassen, dreht man den Patienten zu sich. Optimal wäre es, wenn ein zweiter Helfer den Kopf hält und gleichmäßig mitdreht. Der Kopf wird vorsichtig nach hinten überstreckt, der Mund soll den tiefsten Punkt darstellen und geöffnet sein. Achten Sie darauf, dass hochschwangere Frauen möglichst immer auf die linke Seite zu drehen sind, um dem für Frau und Kind gefährlichen Vena-cava-Kompressionssyndrom vorzubeugen.

Stabile Seitenlage bei auf dem Bauch liegenden Patienten

Der Helfer kniet auf der Seite, nach der das Gesicht des Patienten schaut. Er überstreckt vorsichtig den Hals, nimmt die ihm zugewandte Hand und legt sie mit der Handfläche etwa in Schulterhöhe des Patienten vor den Kopf. Der Helfer greift unter dem vorderen Bein in die Kniebeuge des auf der abgewandten Seite liegenden Beines und zieht dieses unter dem vorderen Bein vor. Nun wird der Arm auf der abgewandten Seite in der Ellenbogenbeuge gefasst und hinter dem Patienten soweit gezogen, dass der Arm mit dem Handrücken an der Hüfte des Patienten über den Ellenbogen und die Schulter ein Dreieck bildet.

Stabile Seitenlage bei Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung
das schonende Drehen eines Patienten durch mehrere Helfer — andere Möglichkeit

Bei der Versorgung von Unfallopfern besteht oft die Befürchtung, dem Patienten durch unsachgemäßes Hantieren zusätzlichen Schaden zuzufügen. Diese Angst ist jedoch unbegründet, da beim sachgerechten Drehen des Patienten die Belastung der Wirbelsäule gering ist. Bei Bewusstlosigkeit ist die Gefahr des Erstickens durch Verlegen der Atemwege höher zu bewerten als die Gefahr von weiteren Wirbelsäulenschäden.

Bei Verdacht auf eine Verletzung der Wirbelsäule (diese besteht grundsätzlich nach Stürzen und Verkehrsunfällen) sollte die stabile Seitenlage möglichst durch zwei Helfer hergestellt werden. Der eine Helfer kniet dabei hinter dem Kopf des Patienten. Er hält den Kopf während der Vorbereitungen und der Drehung in die Seitenlage jeweils in der verlängerten Achse der Wirbelsäule. Es ist wichtig, dass diese Maßnahme von den Helfern nicht zeitversetzt abläuft, das heißt der Patient nicht in Gefahr gerät, durch zusätzliche Verdrehung des Körpers und somit der Wirbelsäule noch mehr Schäden zu erhalten. Üblich ist, dass eine helfende Person (üblicherweise die am Kopf befindliche) kurz bis drei anzählt, damit alle auf Kommando die Stellungsänderung vollziehen können.

Diese schonende Methode ist grundsätzlich gut, auch wenn kein Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung besteht.

Erhalten Sie die Wärme des Patienten

Spätestens nachdem die stabile Seitenlage hergestellt ist, besser schon davor, sollten Sie daran denken, die Wärme des Patienten zu erhalten und ihn so vor Unterkühlung zu schützen. Benutzen Sie hierzu eine Rettungsdecke oder zumindest eine Wolldecke. Diese Wärmeerhaltungsmaßnahme ist auch im Hochsommer notwendig.

Betreuen Sie den Patienten

Wenn keine anderen Verletzten zu versorgen sind, bleiben Sie beim Patienten und kontrollieren ständig seine Atmung. Achten Sie darauf, dass der Patient so liegen bleibt, bis der Rettungsdienst eintrifft.