Geschichte der Menschheit: Globalisierung (etwa ab 1400)

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Startseite Entwicklung des Menschen Urgeschichte Hochkulturen Aufbruch und Kontinuität (zwischen 400 und 1700) Globalisierung (etwa ab 1400)

Vom Kolonialismus zum Imperialismus[Bearbeiten]

Der Aufstieg Europas[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Europas

Im 15. Jahrhundert waren in Europa mächtige Nationalstaaten, wie Frankreich, England und Polen-Litauen, entstanden. Die Kirche dagegen hatte durch Korruption, innere Meinungsverschiedenheiten und die säkularisierenden Einflüsse der Renaissance viel von ihrer Macht verloren.

Kolonialismus[Bearbeiten]
Hauptartikel: Kolonialismus

Die neuen Staaten trieben die Erforschung und Eroberung großer Teile der Welt voran, besonders im neu entdeckten Amerika. Im frühen 16. Jahrhundert waren Spanien und Portugal, die bei der Erforschung führend waren, die ersten Staaten, die Kolonien in Südamerika sowie Handelsposten an den Küsten Afrikas und Asiens gründeten, aber Frankreich, England und die Niederlande taten es ihnen bald nach.

Spanien hatte die Kontrolle über große Teile Südamerikas und die Philippinen, Großbritannien hatte ganz Australien, Neuseeland, Indien und große Teile von Afrika und Nordamerika, Frankreich hatte Kanada und Teile von Indien (beide verlor es 1763 an Großbritannien), Teile Südostasiens (Französisch-Indochina) und große Teile Afrikas unter Kontrolle. Die Niederlande bekamen Indonesien und einige Inseln in der Karibik, Portugal gehörten Brasilien und mehrere Gebiete in Afrika und Asien. Später erwarben auch andere Mächte wie Russland, Deutschland, Belgien, Italien, außerhalb Europas die USA und Japan einige Kolonien.

Natürlich gab es bei der Kolonialisierung auch Rückschläge, insbesondere durch die Unabhängigkeitserklärungen der USA und der südamerikanischen Staaten.

Reformation und Gegenreformation[Bearbeiten]
Hauptartikel: Reformation, Gegenreformation

Mit Martin Luthers Verbreitung der Thesen zum Ablass 1517 gewannen reformatorische Tendenzen allgemein europäischen Einfluss. Dieser Bruch zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus führte überall in Europa zu religiös-politischen Auseinandersetzungen, die in Frankreich in den Hugenottenkriegen, in England mit Begründung der anglikanischen Kirche durch Heinrich VIII. eine weitgehende konfessionelle Einheit des Staates zum Ergebnis hatten, in Deutschland aber über den Dreißigjährigen Krieg die zentrale Autorität entscheidend schwächten und mit der Souveränität der Landesherren endeten.

In den sich herausbildenden Nationalstaaten und den Territorien des Heiligen Römischen Reiches bildete sich der Absolutismus heraus, der in Frankreich unter der Herrschaft Ludwigs XIV. seine deutlichste Ausprägung erfuhr.

Revolutionszeit[Bearbeiten]
Industrielle Revolution[Bearbeiten]
Hauptartikel: Industrielle Revolution

Allgemein ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts eine starke Zunahme von Erfindungen festzustellen; diese waren insbesondere bei der neuartigen Nutzung nicht-menschlicher Energie und im Textilgewerbe auszumachen. Die Zahl der gültigen Patente wuchs in England von 102 im Jahr 1750 auf 6155 im Jahr 1850.

Die Textilindustrie ist die Schlüsselindustrie der Industriellen Revolution[1] in England. Der britische Historiker Eric Hobsbawm bringt es auf den Punkt: "Wer Industrielle Revolution sagt, meint Baumwolle."[2] Technische Erfindungen wie die Spinning Jenny und der mechanische Webstuhl erlaubten ihre maschinelle Verarbeitung und schufen die Grundlage für das entstehende Fabriksystem, eine auf innerbetrieblicher Arbeitsteilung und Maschinennutzung beruhende neue Produktionsform (Industriekapitalismus). Die Textilindustrie gab Anstoß zur Entstehung und Entwicklung weiterer Industriezweige.

Mit nachhaltigen Folgen verbesserte James Watt 1769 die von Thomas Newcomen erfundene Dampfmaschine, deren Effektivität die neuen industriellen Unternehmer zu nutzen verstanden. Ihre Einführung und Verbreitung führte zu einer noch stärkeren Intensivierung der Industrieproduktion. So wurde z.B. die Textilindustrie von den vorher heimischen Kleinproduktionsstätten in große Fabriken umgelagert, wo dampfgetriebene Spinnmaschinen und Webstühle schnell und produktiv die auf dem europäischen Kontinent begehrten Stoffe herstellten.

Als Folge mechanisierter Produktion stieg die Nachfrage nach Brennstoffen, wodurch Kohleabbau lukrativ und durch weitere Erfindungen immer produktiver wurde. Weiterhin wichtige technische Grundlage war die Erfindung des Kokshochofens zur Eisenverhüttung durch Abraham Darby. Mit Rädern versehen und auf Schienen gestellt, wurde die Dampfmaschine als Eisenbahn (Robert Stephensons' "Rocket") erfunden, die eine enorme Produktivitätssteigerung im Transportwesen ermöglichte. Durch fortschreitende Spezialisierung[3] trieb die Industrialisierung im Kontext der kapitalistischen Kommerzialisierung in einem bis heute anhaltenden Prozess immer neue Gewerbe hervor.

Bürgerliche Revolutionen[Bearbeiten]

Die Industrielle Revolution brachte im Lauf des 19. Jahrhunderts tief greifende wirtschaftliche und soziale Veränderungen mit sich. Diese führten in Europa nach amerikanischem Vorbild in Frankreich zur ersten bürgerlichen Revolution, der Französischen Revolution. Die Ideen der Menschenrechte wurden auch im übrigen Europa aufgegriffen. In den Revolutionskriegen, insbesondere durch Napoleon und im Zusammenhang mit Widerstand und Befreiungskriegen gegen die napoleonische Herrschaft, wurden dann weitere Errungenschaften der französischen Revolution im kontinentalen Europa verbreitet. Als die Monarchen in der Restaurationszeit diese Entwicklungen zurückzudrängen versuchten, kam es ab 1830 von Frankreich ausgehend zu einer Reihe von Revolutionen (Julirevolution 1830, Februarrevolution 1848, Märzrevolution 1848/1849).

Vom Nationalismus zum Imperialismus[Bearbeiten]
Hauptartikel: Nationalismus, Imperialismus
Europa im Jahr 1890

Auch wenn die Revolutionäre oft besiegt wurden, waren um 1860 die meisten Staaten nicht mehr absolutistisch, sondern hatten eine Verfassung erhalten. Nach dem Scheitern der demokratisch und liberal gesinnten Revolutionen und Unabhängigkeitsbewegungen in den italienischen Fürstentümern wurde der italienische Nationalstaat von oben als Königreich Italien unter sardinischer Führung nach mehreren Kriegen vor allem gegen Österreich durchgesetzt (siehe auch Risorgimento). 1861 wurde der sardinische König Viktor Emanuel II. zum italienischen König proklamiert. Sein Ministerpräsident Camillo Benso Graf von Cavour spielte für Sardinien und Italien eine ähnliche Rolle wie Bismarck für Preußen und das Deutsche Reich. Deutschland wurde 1871 nach den drei deutschen Einigungskriegen (1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870/1871 gegen Frankreich) in Versailles zum deutschen Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. ausgerufen. Dessen Politik wurde bis 1890 wesentlich von Reichskanzler Otto von Bismarck bestimmt. In Frankreich kam es nach dem Sturz von Kaiser Napoléon III. in Folge der französischen Niederlage im Krieg gegen Preußen und den Norddeutschen Bund zur Ausrufung der 3. französischen Republik.

Während in den Revolutionen ab 1830 Handwerker und Arbeiter zwar mitgekämpft, aber die Ziele nur unwesentlich mitbestimmt hatten, kam es 1871 im besetzten Frankreich zur ersten Erhebung, in der die Arbeiterschicht sozialistische, marxistische (von Karl Marx im Kommunistischen Manifest 1848 formulierte Vorstellungen) und anarchistischen Ideen kurzfristig verwirklicht werden konnten, zur Pariser Kommune.

Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts wurden durch eine zunehmende wirtschaftliche und machtpolitische Konkurrenz der Großmächte Zentraleuropas, insbesondere des Deutschen Reiches, Frankreichs und Englands bestimmt. Diese Konkurrenz führte unter anderem zu einer verstärkten Militarisierung der jeweiligen Gesellschaften, einem Rüstungswettlauf, dem Kampf um Kolonien vor allem in Afrika und Asien (Imperialismus) und zu einer Überhöhung des Nationalismus. Diese Entwicklungen führten langfristig, insbesondere nach der Auflösung des Bismarckschen Bündnissystems, das bis 1890 für eine gewisse zwischenstaatliche Stabilität gesorgt hatte, unter Kaiser Wilhelm II. zum Ersten Weltkrieg.

Asien[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Asiens

Die Verbreitung von Schießpulver und damit Musketieren und Kanonen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts führte zur Entstehung der drei großen islamischen Reiche der Osmanen, Safawiden und Großmoguln. In dieser Zeit setzten sich in China die Ming durch. Alle diese Reiche litten unter der Kleinen Eiszeit im 17. Jahrhundert und sahen sich mit eindringenden Europäern konfrontiert.

Naher Osten[Bearbeiten]
Osmanisches Reich bis 1683

Mit dem Regierungsantritt Mehmets II. 1451 wandelte sich das seit dem 14. Jahrhundert in Anatolien und auf dem Balkan expandierende Osmanische Emirat zum Osmanischen Reich. 1453 wurde Konstantinopel erobert und darauf zur Hauptstadt des neuen Imperiums. Dieses drang bis Mitte des 16. Jahrhunderts nach Persien, Ägypten und bis nach Wien vor (Belagerung von 1529). Die Stärke des Reiches beruhte auf den an Soldaten ausgegebenen Pfründen (Timar-System) und den nur dem Sultan unterstellten Elitetruppen der Janitscharen. Als die Expansion endete, kam es zu einer Landknappheit, die das Timar-System schwächte. So stürzten die teuren Kriege das Reich in eine innere Krise. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts führten fähige Großwesire Reformen durch, die den Osmanen eine zweite Phase versuchter Expansion gegen Habsburger, Perser und Russen ermöglichten. Doch im 18. Jahrhundert wurde das Reich endgültig außenpolitisch defensiv (Tulpenzeit).

Persien unter den Safawiden

1501 gründete Shah Ismail I. im persischen Reich die Safawiden-Dynastie. Sie erlebte um 1600 eine Blütezeit. Ein stehendes Heer mit Feldartillerie ermöglichte Rückeroberungen von Gebieten der Osmanen. Die Safawiden waren schiitisch, aber trotzdem religiös tolerant. Mit dem durch die Europäer verursachten Rückgang des interkontinentalen Handelsvolumens über Land allerdings sank die Macht der Safawiden. 1722 kam es zu einem Aufstand afghanischer Stämme, die von Nadir Shah (1736-1747) zurückgedrängt wurden. Doch nach dessen Ermordung entstand ein unabhängiges Afghanistan. In Persien folgt nach lang andauernden Nachfolgekämpfen 1796 die Dynastie der Kadscharen.

China[Bearbeiten]
Ming-Dynastie - 1580
Hauptartikel: Geschichte Chinas

Der Ming-Dynastie gelang es die Mongolen zu vertreiben und eine neue straffe Herrschaft über ganz China zu errichten. Zunächst wurde eine expansiven Politik betrieben, die durch Expeditionen nach Zentralasien, Vietnam und See-Expeditionen unter Admiral Zheng He gekennzeichnet war. Doch nachdem 1449 der Ming-Kaiser nach einer Schlacht gegen die Oiraten gefangengenommen worden war, verhielten sich die Ming nur noch defensiv. Die Große Mauer wurde ausgebaut. Nach einem wirtschaftlichen Niedergang zu Beginn des 17. Jahrhunderts gelang es dann den aus den Jurchen hervorgegangenen Mandschu 1644 Beijing zu erobern. Deren Qing-Dynastie versuchte eine Sinisierung zu vermeiden. Zwar behielt sie chinesische Verwaltungssystem bei, doch es wurde durchweg mit Manchu besetzt. Im 18. Jahrhundert gelang es ihnen, ihre Herrschaft auch in den entlegenen Provinzen und bis nach Tibet durchzusetzen. Der Kontakt mit den Europäern erwies sich zunächst als fruchtbar, da mit den von ihnen übernommenen Kulturen von Mais, Süßkartoffel und Erdnüssen die landwirtschaftlich genutzten Flächen ausgeweitet werden konnten, so dass die Bevölkerung wieder zunahm.

Japan[Bearbeiten]
Hauptartikel: Geschichte Japans

Trotz einer Phase innerer Zertrittenheit (Sengoku) gelang es Japan 1592 im Imjin-Krieg das Korea der Joseon-Dynastie zu erobern. Mit Unterstützung durch die chinesischen Ming konnten sich die Koreaner aber schon nach sieben Jahren wieder befreien.

Durch Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu wurde Schritt für Schritt die Einheit Japans (1600) wieder hergestellt. Unter den Tokugawa zwischen 1603 und 1868 folgte eine Periode des Friedens, die aber auch durch Abschließung von der Außenwelt charakterisiert war.

Südostasien[Bearbeiten]

Unter den Thaistaaten gewann im 16. Jahrhundert das Königreich Ayutthaya die Vormachtstellung. Daraus ging das Reich von Siam hervor. Es stand in Konkurrenz mit Birma und dem Vietnam zur Zeit der Le-Dynastie, in der die Familien der Nguyen und Trinh) die Herrscher stellten.

Indien - Reich der Großmoguln[Bearbeiten]
Das Mogulreich um 1700
Hauptartikel: Mogulreich

Der erste Großmogul Babur (reg. 1526 bis 1530), ein aus Zentralasien stammender Fürst der Timuriden-Dynastie,[4] eroberte ausgehend vom Gebiet der heutigen Staaten Usbekistan und Afghanistan das Sultanat von Delhi. Als bedeutendster Mogulherrscher gilt Akbar (reg. 1556 bis 1605), der das Reich militärisch, politisch und wirtschaftlich festigte. Unter Aurangzeb (reg. 1658 bis 1707) erfuhr das Mogulreich seine größte Ausdehnung, wurde aber finanziell und militärisch überspannt, so dass es im Laufe des 18. Jahrhunderts zu einer untergeordneten Macht im politischen Gefüge Indiens herabsank. 1858 wurde der letzte Großmogul von den Briten abgesetzt, sein Territorium ging in Britisch-Indien auf. Der Nachwelt erhalten geblieben sind reiche Zeugnisse einer von persischen und indischen Künstlern geprägten Architektur, Malerei und Dichtung.

Amerika[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geschichte Nordamerikas; Geschichte Mittelamerikas; Geschichte Südamerikas
Nordamerika[Bearbeiten]

Die Kolonisierung Nordamerikas begann bereits Mitte des 16. Jahrhundert durch Spanier und Briten, doch erst am Anfang des 17. Jahrhunderts kam es zu dauerhaften englischen Siedlungen an der Ostküste Amerikas. Dabei kam zum Zusammenprall dreier Kulturen: indianische Ureinwohner, weiße Siedler und Sklaven aus Afrika. Unter Dezimierung der Indianer um 90% in den ersten 100 Jahren nach der Besiedlung und Preisgabe moralischer wie christlicher Werte kam es zum "Sieg" der weißen Kultur und zur Gründung von 13 britischen Kolonien an der amerikanischen Ostküste. Diese Kolonien waren untereinander unabhängig, jedoch dem Mutterland, England, untergeordnet. Sie erhielten ihren Verfassungsstatus durch einen sog. Charter. Dieser sprach sie entweder einer Siedlungsgesellschaft (corporate charter), einem Privateigentümer (proprietary charter) oder der Krone selbst zu (Kronkolonie). Dieser Status änderte sich in vielen Fällen während der Kolonialzeit. Diese Kolonien erkämpften sich im amerikanische Unabhängigkeitskrieg ihre Loslösung von der britischen Krone. Die neugegründeten Vereinigten Staaten von Amerika entwickelten sich bald zur Vormacht auf dem Kontinent.

Mittelamerika[Bearbeiten]

In Mittelamerika entstand aus dem Vizekönigreich Neuspanien, aus dem 1821 das Mexikanische Kaiserreich unter Agustín I..

1860

1823 bildeten Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, und Costa Rica die Zentralamerikanische Konföderation, doch sie zerbrach im Bürgerkrieg (1838–1840).

Mit Ausnahme von Kuba, Puerto Rico und der Dominikanischen Republik gerieten die Staaten der Karibik seit dem 16. Jahrhundert aus der spanischen Herrschaft unter den Einfluss der westeuropäischen Kolonialmächte England, Frankreich und Niederlande. Die letzten spanischen Kolonialgebiete wurden nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von den USA abhängig. Auf allen karibischen Inseln wurde die indianische Bevölkerung weitestgehend ausgerottet und afrikanische Sklaven als Plantagenarbeiter eingesetzt. Im Unterschied zum Festland erlangten die karibischen Staaten (außer Haiti, der Dominikanischen Republik und Kuba) relativ spät, nämlich erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihre Unabhängigkeit.

Südamerika[Bearbeiten]

Bereits 1494 wurde Südamerika im Vertrag von Tordesillas von Papst Alexander VI. zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt. Der östliche Teil, große Teile des heutigen Brasilien, wurde Portugal zugesprochen. Panama und der Rest des Kontinents fiel an Spanien. Die spanische Eroberung erfolgte von Mittelamerika und aus der Karibik, auf der Suche nach dem sagenhaften Goldland El Dorado. Die Portugiesen eroberten den Bereich des heutigen Brasilien.

Die ersten Siedlungen der spanischen Einwanderer entstanden bereits um 1520 im heutigen Venezuela, Kolumbien und Argentinien. Angetrieben durch die reichen Goldquellen in Mexiko, erkundete Francisco Pizarro von Panama aus die Pazifikküste Südamerikas für die spanische Krone, auf der Suche nach Reichtümern. Dabei gelangte er im Jahr 1526 ins heutige Ecuador und Peru. In den beiden Jahren 1532/1533 verstand er es die Wirren des Bruderkrieges zwischen den Inka Huáscar und Atahualpa auszunutzen und unterwarf das riesige Inkareich. Zu Hilfe kamen ihm dabei die von den Einwanderern mitgebrachten Krankheiten, die auf die ursprüngliche Bevölkerung verheerende Folgen hatten.

Die indianische Bevölkerung wurde innerhalb kurzer Zeit weitgehend ausgelöscht (allerdings nicht so stark wie in der Karibik). Auch bei anderen Eroberungen, z.B. Perus, kam es zu exzessiven Massakern. Um die Frage der Behandlung der Indianer entspann sich ein umfassender ideologischer Konflikt mit den Exponenten Bartolomé de Las Casas als "Generalverteidiger der Indios" und Juán Ginés de Sepúlveda, der die Indios als eine Art Untermenschen betrachtete. Dieser Streit führte zum Erlass der "Neuen Gesetze" von 1542, die zwar die Indios teilweise schützten, vielfach jedoch unwirksam waren und teilweise zurückgenommen wurden. Auch spätere Ansätze der spanischen Krone, eine Gesetzgebung zum Schutz der Indianer zu entwickeln, scheiterten an mangelndem Umsetzungswillen und der Realität der kolonialen Gesellschaft angesichts der Profitabilität der Ausbeutung.

Entwicklung vom Kolonialismus zum modernen Staatensystem in Südamerika ab 1700

Traurige Berühmtheit erlangten dabei die Silberminen von Potosí, in denen im Lauf der Kolonialzeit unzählige Indios unter unerträglichen Bedingungen arbeiteten und weit über eine Million daran zugrunde ging. Auch die Zwangsarbeit im Rahmen der Encomienda führte zu desolaten Verhältnissen für die indigene Bevölkerung, dazu kam die soziale Zerrüttung durch die Vernichtung der indigenen Kultur im Namen der Religion und Zivilisation. Außerdem nahmen die Indios den niedrigsten und schwächsten Rang in der kolonialen Kastengesellschaft ein.

Besonders radikal war die Verfolgung der Indios in jenen Gebieten, die im 19. Jahrhundert von den Europäern abgerungen wurden, in den berühmten Indian Wars aber auch bei der Eroberung Patagoniens. Hier kam es zur gezielten Auslöschung ganzer Stämme, sodass man hier von einem bewussten Genozid sprechen muss.

In den südamerikanischen Unabhängigkeitskriegen wurden die spanischen Vizekönigreiche (Vizekönigreich Neugranada, Vizekönigreich Peru und Vizekönigreich des Río de la Plata) beseitigt und die Unabhängigkeit beinahe aller Staaten Südamerikas, nämlich Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Kolumbien, Paraguay, Peru, Uruguay und Venezuela erreicht. 1822 erlangte auch die portugiesische Kolonie Brasilien eine zwar friedliche, aber auch nur scheinbare Unabhängigkeit. Nach 1825 blieben nur Britisch Guyana, Holländisch Guyana und Französisch-Guayana als europäische Kolonien bestehen.

Afrika[Bearbeiten]

Unter der Führung Heinrichs des Seefahrers wurde eine Reihe von Entdeckungsreisen unternommen, die andere Seefahrer zu weiteren Expeditionen anregte. 1432 erreichten portugiesische Schiffe das Kap Bojador und 1445 Kap Verde, 1482 erreichte Diogo Cão die Mündung des Kongo, sechs Jahre später gelangte Bartolomeu Diaz zum Kap der Guten Hoffnung, und 1498 erreichte Vasco da Gama auf dem Seeweg den indischen Subkontinent, wobei er die afrikanische Ostküste entdeckte. Mit diesen Entdeckungen war der Grundstein für eine erste Kolonisierung Afrikas durch die Portugiesen gelegt.

Die Guineaküste, die den Portugiesen ab 1480 vollständig bekannt war, stand in der Frühphase des Kolonialismus im Zentrum europäischer Interessen. 1482 wurde São Jorge da Mina, der erste europäische Stützpunkt, errichtet, ihm folgten zahlreiche andere Forts. Die Haupthandelsgüter waren Sklaven, Gold, Elfenbein und Gewürze. Durch die Entdeckung und Kolonisierung Amerikas erlebte besonders der Sklavenhandel, der zuvor hauptsächlich von arabischen Staaten betrieben worden war, einen Aufschwung. Das hohe ökonomische Potential dieses Gebiets zog bald auch andere Nationen an die Guineaküste. Im Laufe der Jahrhunderte verlagerte sich die koloniale Vormachtstellung von den Portugiesen zunächst auf die Holländer, später auf die Franzosen und Briten. Doch bis ins späte 19. Jahrhundert beschränkten sich die Kolonialmächte auf die Besetzung von kleinen Handelsposten entlang der Küste, das Hinterland blieb lange Zeit unerforscht und (zumindest politisch) unabhängig.

Bis 1520 eroberten die Portugiesen entlang der ostafrikanischen Küste alle muslimischen Sultanate zwischen Sofala und dem Kap Guardafui und machten Mosambik zum Zentrum ihrer Besitzungen. Anders als in Westafrika versuchten sie hier früh, in das Landesinnere vorzudringen, wo man sich erhoffte, große Mengen Gold zu finden. Allerdings gelang es ihnen nicht, diese Gebiete dauerhaft unter Kontrolle zu halten.

Südafrika wurde bis ins 17. Jahrhundert keine große Bedeutung zugemessen, und das Kap der Guten Hoffnung diente lediglich als Rastplatz auf dem Weg nach Indien. 1620 erklärten zwei britische Offiziere der Britischen Ostindien-Kompanie auf eigene Initiative das Kap zur britischen Kolonie, was von der Regierung in London jedoch nicht anerkannt wurde. Vom Desinteresse der britischen Regierung profitierten die Holländer, die 1652 die erste dauerhafte weiße Siedlung in Südafrika gründeten. Unter den ersten Siedlern befanden sich auch Hugenotten, die aus Frankreich geflohen waren und in den Niederlanden Asyl gefunden hatten. Zunächst sah man die Kapkolonie nur als westlichsten Vorposten von Ost-Indien, doch nach und nach dehnten die Holländer ihren Einfluss- und Siedlungsbereich nach Norden hin aus. Der Kampf gegen Napoleon veranlasste die Briten, die niederländische Kapkolonie zu besetzen. Nach langen Kämpfen befanden sich schließlich die Siedlungen in Südafrika 1814 in britischen Händen.

1830 besetzten die Franzosen Algier und beendeten damit die - freilich nur noch nominelle - Herrschaft des Osmanischen Reiches. Durch Feldzüge in das Atlas-Gebirge kamen die Berber unter französische Herrschaft. Bis 1855 waren auch große Teile der nördlichen Sahara unterworfen. Der Anführer der muslimischen Völker dieser Region, Abd el-Kader, hatte sich bereits 1837 dem französischen Oberbefehlshaber General Bugeaud, unterwerfen und ins Exil in den Libanon gehen müssen.

Australien und Ozeanien[Bearbeiten]

Australiens Bundesstaaten und Territorien im Laufe der Zeit
Hauptartikel: Geschichte Australiens, Geschichte Ozeaniens

Australien und Tasmanien[Bearbeiten]

1792 landete eine französische Expedition auf Tasmanien, um das Land zu erkunden. Daraufhin entschieden sich die Briten, auch hier möglichst schnell eine Kolonie einzurichten. 1803 errichteten sie Risdon Cove am Derwent River, ein Jahr später Hobart Town, ebenfalls am Derwent, und George Town am Tamar River. 1825 wurde das damalige Van-Diemen's-Land zu einer eigenständigen Kolonie erklärt.

1788 wurde die erste Sträflingskolonie in New South Wales angelegt. 1824 entstand eine neue Strafkolonie in der Mündung des Brisbane River. Die Abgeschiedenheit dieser Lage sollte die Sicherheit der Kolonie erhöhen. Nachdem jedoch auch freie Siedler verstärkt zu den fruchtbaren Weidegründen des Nordens drängten, gab die Kolonie das Land 1842 auch zur Besiedlung frei. 1859 wurde Queensland als von New South Wales unabhängige Kolonie ausgerufen.

1835 handelten tasmanische Geschäftsleute den Aborigines 2.400 km² in der Gegend des heutigen Melbourne ab und gründeten Port Phillip. Obwohl dieser Handel als illegal galt, gab die Kolonieführung dem Druck der wachsenden Bevölkerung nach und musste auch hier das Land offiziell zur Besiedlung freigeben. 1851 separierte sich die neue Kolonie Victoria offiziell von New South Wales.

Am 1. Januar 1901 formierten sich die einst voneinander unabhängigen Kolonien zum Commonwealth of Australia. Erste Hauptstadt Australiens wurde Melbourne. Hier eröffnete am 9. Mai 1901 das erste Parlament des Landes. Am 26. September 1907 erhielt der Australische Bund mit dem Dominionstatus die nahezu vollständige Unabhängigkeit vom Mutterland Großbritannien.

1911 wurde das Australian Capital Territory geschaffen, um die neue Hauptstadt Canberra aufzunehmen. Melbourne blieb aufgrund der langandauernden Bauarbeiten in Canberra aber noch bis 1927 Regierungssitz. Auch das 1863 gegründete Northern Territory wurde aus der Kontrolle der Provinz South Australia in das Commonwealth überführt.

Mit dem Statut von Westminster von 1931 wurde den Dominions des Empire formal die Unabhängigkeit verliehen. Das australische Parlament stimmte dem aber erst 1942 zu.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine progressive Einwanderungspolitik betrieben, die zur Massenimmigration aus Europa führte, nach Aufgabe der rassistischen Einwanderungspolitik (White Australia policy) auch aus Asien und anderen Erdteilen. Dies führte in kurzer Zeit zu starken demografischen Veränderungen, aber auch zu wirtschaftlichem Aufschwung.

1986 gab Großbritannien mit dem Australia Act die letzten Kompetenzen bezüglich der australischen Verfassung ab. Am 6. November 1999 stimmte die Bevölkerung in einem Referendum mit einer Mehrheit von 55 Prozent jedoch gegen die Schaffung einer Republik und blieb somit formal eine konstitutionelle Monarchie unter Elizabeth II..

Im Herbst 2007 wurde Kevin Rudd Premierminister einer Labour-Regierung. Die neue Regierung verkündete eine neue Richtung in der Sozial- und Umweltpolitik, setzt auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit den pazifischen Nachbarn und entschuldigte sich erstmals offiziell bei den Aborigines für das ihnen durch weiße Australier zugefügte Unrecht.[5]

Ozeanien[Bearbeiten]

Als der zweite Weltkrieg über Ozeanien hereinbricht, ist es Schauplatz vieler Seeschlachten zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Japan. Durch Bündnispolitik wird der Krieg bis nach Australien getragen. Die kaiserliche Kolonialmacht Japans zerfällt kurz vor dessen Niederlage.

Zu Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beginnen die USA seine Kolonien unter Vorbehalt gewisser politischer Interventionsrechte und militärischer Privilegien wie der Erbauung und Erhaltung von Militärstützpunkten diese in die Eigenverwaltung zu entlassen. Später werden andere Inselstaaten zu ähnlichen Konditionen vom British Commonwealth und den französischen Überseedepartements unabhängig. In seltenen Fällen erfolgen diese blutig.

Zeitlinie - 20. Jahrhundert
  • 1900
Hawaii wird amerikanisches Territorium
  • 1914-1918
Im Zuge des ersten Weltkriegs teilen die Siegermächte im Zuge des Völkerbundes die deutschen Kolonien unter sich auf.
  • 1937
Großbritannien annektiert die Phoenixinseln.
  • 1945
Japan muss sein Kolonialreich nach der Kapitulation am 2. September aufgeben.
  • 1946-47
Die Vereinten Nationen sprechen den USA die einstigen japanischen Mandate als Treuhandgebiete zu.
  • 1946-69
Die USA siedeln die Bevölkerung von Bikini, Kwajalein und Eniwetok aus, um Atomversuche auf den Atollen durchführen zu können.
  • 1948
Großbritannien übergibt die Tokelaugruppe an Neuseeland.
  • 1959
Hawaii wird Bundesstaat der USA.
  • 1962
Westsamoa erlangt die Unabhängigkeit.
  • 1966-74
Frankreich führt in Französisch-Polynesien Atomversuche auf dem Mururoa-Atoll durch.
  • 1968
Nauru wird selbstständige Republik.
  • 1970
Tonga und Fidschi werden unabhängig.
  • 1975
Papua-Neuguinea bildet gemeinsam mit dem Bismarckarchipel, den Admiralitätsinseln, Louisiaden und nördlichen Salomonen einen souveränen Staat.
Die nördlichen Marianen bilden das sogenannte "Commonwealth of Northern Mariana Islands".
  • 1978
Die mittleren und südlichen Salomonen sowie die Elliceinseln erlangen Selbstständigkeit.
  • 1979
Die Gilbertinseln (heute Kiribati) werden unabhängig.
  • 1980
Die neuen Hebriden bilden den selbständigen Staat Vanuatu.
  • 1981
Palau erklärt seine Loslösung von den übrigen Karolinen.
  • 1987
Fidschi wird durch zwei aufeinanderfolgende Militärputsche Republik.
  • 1994
Palau wird 185. UNO-Mitglied.
  • 1996
Frankreich beschließt nach heftigen Protesten die endgültige Einstellung aller Atomversuche im Südpazifik.

Von Weltkriegen zur Weltpolitik[Bearbeiten]

Weltkriegszeit[Bearbeiten]

Erster Weltkrieg – beteiligte Staaten
  •  Entente und Alliierte
  •  Mittelmächte
  •  Neutrale*

  • *Abessinien, Darfur (nicht eingezeichnet), der Senussi-Staat (nicht eingezeichnet) und Persien kämpften teilweise auf Seiten der Mittelmächte. Zentralarabien und der Hedschas (nicht eingezeichnet) standen auf Seiten der Entente
    Erster Weltkrieg[Bearbeiten]
    Hauptartikel: Erster Weltkrieg

    Der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) wurde in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Ostasien geführt und kostete über neun Millionen Menschenleben. Er wurde zunächst zwischen den Mittelmächten, dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn, auf der einen Seite und den Entente-Mächten, Frankreich, Großbritannien und Russland sowie Serbien auf der anderen Seite ausgetragen. Anlass war ein Attentat auf den österreichischen Thronfolger, Ursache waren die machtpolitischen Gegensätze der europäischen Großmächte, die zu einer enormen Aufrüstung geführt hatten. Zum Ende des Krieges befanden sich 25 Staaten und deren Kolonien, in denen insgesamt 1,35 Milliarden Menschen lebten, also etwa drei Viertel der damaligen Erdbevölkerung, im Kriegszustand. Wegen seiner schwerwiegenden Folgen gilt er vielen Historikern als die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“.

    Es war der erste Krieg, der mit massivem Materialeinsatz (Panzer, Flugzeuge, Luftschiffe) und mit Massenvernichtungswaffen (Giftgas) geführt wurde. Insbesondere auf den Schlachtfeldern vor Verdun und in Flandern fielen im Stellungskrieg auf beiden Seiten Hunderttausende von Soldaten.

    Zwischenkriegszeit[Bearbeiten]

    Die internationale Ordnung, die durch den Friedensvertrag von Versailles und die Errichtung des Völkerbundes angestrebt wurde, erwies sich allerdings als unstabil. Nachkriegsschwierigkeiten wie z.B. die deutsche Inflation, die Angst vor dem Kommunismus und schließlich die Weltwirtschaftskrise führten zu Erfolgen autoritärer und totalitärer Gruppierungen in vielen europäischen Ländern und in einigen Fällen, dazu, dass sie die Regierung stellten: Die Faschisten unter Benito Mussolini in Italien (1922), die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler in Deutschland (1933), die Franquisten in Spanien (nach Ende des Bürgerkriegs 1939) und auch in anderen Ländern wie in Japan[6] und in Ungarn (1920).

    Nach der Allianz der so genannten Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan und nachdem ein Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion unterzeichnet war, lösten der deutsche „Führer“ Adolf Hitler am 1. September 1939 und der sowjetische Machthaber Josef Stalin am 17. September 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg aus.

    Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]
    Hauptartikel: Zweiter Weltkrieg

    Der Zweite Weltkrieg stellt den bislang größten und verlustreichsten Konflikt in der Menschheitsgeschichte dar. Er ist der einzige Krieg, in dem sowohl atomare – von den USA gegen Japan – als auch biologische und chemische Waffen – hauptsächlich durch Japan gegen China – eingesetzt wurden (ABC-Waffen).

    In Asien begann der Zweite Weltkrieg bereits mit dem Ausbruch des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges am 7. Juli 1937.

    In Europa begann er mit dem Angriff des Deutschen Reiches auf Polen, nachdem der Deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt für beide Staaten den Weg für militärische Expansionen (Polen beziehungsweise Finnland) freigemacht hatte. Die im Dreimächtepakt verbündeten Staaten Deutschland und Italien begannen zunächst Eroberungsfeldzüge gegen angrenzende Staaten, die sie ihren Interessen unterordnen wollten. Ihre militärischen Hauptgegner waren dabei Frankreich und Großbritannien.

    Am 22. Juni 1941 brach die deutsche Seite den Nichtangriffspakt durch den Überfall auf die Sowjetunion. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 nahmen schließlich die Vereinigten Staaten von Amerika auf Seiten der Alliierten am gesamten Kriegsgeschehen teil, nachdem auch das Deutsche Reich und Italien vier Tage später den Vereinigten Staaten den Krieg erklärt hatten.

    Der Zweite Weltkrieg endete mit der vollständigen Niederlage Italiens (1943), Deutschlands (8. Mai 1945) und Japans (2. September 1945).

    Der Zweite Weltkrieg forderte 55 bis 60 Millionen Menschenleben. Er war seitens der Achsenmächte durch eine starke rassistische Ideologisierung geprägt, die zu zahlreichen Kriegsverbrechen und gewaltsamen, zumeist systematischen Übergriffen auf die Zivilbevölkerung führte. Mit Kriegsverlauf und Kriegsführung war auch untrennbar der Holocaust verbunden, dem durch die Nationalsozialisten allein sechs Millionen Juden zum Opfer fielen.

    Nach dem Krieg brach die Allianz der Siegermächte auseinander. Unter der Führung der sich etablierenden Supermächte Sowjetunion und USA mündeten die weltanschaulichen Gegensätze und Machtinteressen der sich bildenden Staatenblöcke in den Kalten Krieg.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

    Militärbündnisse zu Zeiten des Kalten Kriegs

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von den alliierten Kriegsgegnern Hitlerdeutschlands und Japans die Vereinten Nationen gegründet, doch bald zerbrach die Gemeinsamkeit der Alliierten, und es bildeten sich zwei Blöcke. Die USA beanspruchten Westeuropa für ihre Einflusssphäre und gründeten die NATO als Schutz vor einer möglichen sowjetischen Invasion. Die Sowjetunion beanspruchte Osteuropa (Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die DDR) und gründete den Warschauer Pakt. Europa war durch den „Eisernen Vorhang“ getrennt. Es begann ein im Kalter Krieg zwischen den neu entstandenen Supermächten, den kapitalistischen USA und der kommunistischen Sowjetunion.

    Ehemalige Kolonien oder von den Industrieländern kontrollierte Gebiete erlangten die Unabhängigkeit: Dank Gandhi Indien und Pakistan 1947, unter Mao Zedong 1949 China und außerdem Indonesien. Im Koreakrieg 1950-1953 kam es erstmals zu einer militärischen Konfrontation zwischen den Blöcken. Aufstände gegen die Herrschaft der Sowjetunion wurden niedergeschlagen (Deutschland 1953, Ungarn 1956). Mehr und mehr ehemalige Kolonien wurden selbständig.

    Nachdem in der Kubakrise 1962 die Gefahr eines Dritten Weltkrieges akut geworden war, bemühten sich beide Supermächte um Entspannung. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (1957) entwickelte sich zur Europäischen Union (1993). Der Kommunismus verlor an innerer Legitimation, als klar wurde, dass er nicht einen ähnlichen wirtschaftlichen Wohlstand schaffen konnte wie die westlichen Industrieländer und - angesichts der Zerschlagung des Prager Frühlings 1968, dass er reformunfähig war.[7] Schließlich regte sich in Polen wie im von der Sowjetunion 1980 besetzten Afghanistan Widerstand. Der Reformkurs Michail Gorbatschows führte zur Beendigung des Kalten Krieges und zum Zusammenbruch des Ostblocks und der Sowjetunion. Dadurch entstand eine Reihe neuer Staaten in Osteuropa und Asien. China begann unter Führung Deng Xiaoping schon bald nach Maos Tod (1976) tiefgreifende Wirtschaftsreformen.

    Obwohl schon weit früher vor Umweltverschmutzung gewarnt worden war, wurden die Gefahren unkontrollierten Umweltverbrauchs erst aufgrund der Studie Grenzen des Wachstums von 1972 intensiv öffentlich diskutiert. Nach einer ersten Umweltkonferenz 1972, wurde nach zwei Ölkrisen (1973 und 1979/80) und mehreren wissenschaftliche Studien über die Gefahren des Treibhausklimas 1992 in Rio de Janeiro ein Prozess angestoßen, der zu regelmäßigen UN-Klimakonferenzen und internationalen Abmachungen wie dem Kyoto-Protokoll (1997) führte.

    Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks[Bearbeiten]

    Zunächst erschien es so, als könne die Beendigung des Kalten Krieges aufgrund allgemeiner Abrüstung zu einer Friedensdividende und zu allgemeiner Demokratisierung führen.[8] Dabei herrschte angesichts der unumstrittenen Stellung der USA als einziger verbliebener Supermacht auch eine gewisse Einigkeit darüber, dass die wirtschaftliche Entwicklung von Deregulierung und Globalisierung geprägt sein sollte.[9] Jedoch das Auseinanderbrechen Jugoslawiens und mehr noch die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA durch al-Qaida beendigten diese Friedenshoffnung. Die USA riefen einen weltweiten Krieg gegen den Terrorismus aus. Sie griffen 2001 Afghanistan und im März 2003 den Irak an. Es kam zu weiteren Terroranschlägen in Madrid (2004), in London (2005) und in Mumbai (2008).

    Russland kehrte unter Gorbatschows Nachfolger Boris Jelzin zu einer nationalistischeren Politik zurück, doch bereicherten sich Wirtschaftsführer unverhältnismäßig, während ein großer Teil der Bevölkerung verarmte. Ab 2000 setzte Wladimir Putin mit diktatorischen Methoden die staatliche Autorität wieder durch, doch bei dem inneren Konflikt mit Tschetschenien ließ er schwere Menschenrechtsverletzungen zu. Beim Kaukasuskrieg 2008 trat Russland deutlich als Hegemonialmacht auf.

    Andererseits kam es auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion ab 2003 zu mehreren gewaltlosen Revolutionen[10]. Die in sie gesetzten Hoffnungen auf Fortschritte bei Bürgerbeteiligung und Demokratisierung wurden allerdings nicht bestätigt.

    2004 nahm die Europäische Union 10 neue Mitglieder auf. Mit dem Vertrag von Lissabon von 2009[11] wurde die Struktur an die neue Situation angepasst, nachdem ein Verfassungsvertrag 2005 an Negativvoten bei Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden gescheitert war. 2010 entwickelte sich aus der griechischen Finanzkrise eine Staatsschuldenkrise im Euroraum, gegen die ein Europäischer Stabilitätsmechanismus entwickelt wurde, der mit immer neuen Veränderungen zwar eine Katastrophe verhinderte, aber bisher nur die Krise verlängerte.

    In den USA ging Barack Obama, der erste schwarze Präsident, 2009 in deutlicher Abkehr von seinem Vorgänger George W. Bush zu einer kooperativen Außenpolitik über,[12] und trieb die atomare Abrüstung voran. Innenpolitisch erzielte er 2010 mit seiner Gesundheitsreform einen ersten und mit den Maßnahmen zur Regelung des Finanzmarktes[13] einen zweiten Erfolg.

    Neben die G 8 trat als internationales Konsultationsforum die G 20, der neben anderen Schwellenländern insbesondere China und Indien angehörten. Diese gewannen bei Beratungen über die Finanzkrise ab 2007 verstärkte Bedeutung[14] und machten auch sonst immer häufiger als Großmächte ihre nationalen Interessen geltend, z. B. auch auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009, die deshalb und wohl auch aufgrund unzureichenden Engagements der USA scheiterte.[15][16]

    Ende 2010/Anfang 2011 kam es zu Protesten und Revolutionen in der Arabischen Welt. Diese zeitigten zwar manche Erfolge[17], führten aber in Libyen und Syrien zum Bürgerkrieg. 2013 kam es zu Protesten in der Türkei und in Brasilien.


    Anmerkungen[Bearbeiten]

    1. David S. Landes fasst den technischen Kerngehalt der Industriellen Revolution in drei Prozessen zusammen: 1. die Mechanisierung von Handarbeit durch Maschinen, 2. die mechanische Energieerzeugung und Energieumwandlung vor allen durch die Dampfmaschine, 3. die massenhafte Verwendung der mineralischen Grundstoffe Kohle und Eisen. (David S. Landes: Der entfesselte Prometheus. Köln 1973, S. 52)
    2. Eric J. Hobsbawm: Industrie und Empire I. Frankfurt am Main 1969, S. 55
    3. Spezialisierung von Produzenten und Produktionsstätten auf die Produktion bestimmter Arten von Gütern und Dienstleistungen, vgl. Arbeitsteilung
    4. Annemarie Schimmel: Im Reich der Grossmoguln. Geschichte, Kunst, Kultur. München 2000, S. 7
    5. Am 13.2.2008 entschuldigte sich der australische Premier bei den Mitgliedern der „stolen Generations“ für das Unrecht, das den Aborigines vom australischen Staat getan worden ist. (Spiegel online vom 13.2.2008, abgerufen am 30.12.2008)
    6. vorbereitet 1926, endgültig ab 1940
    7. "... das war die wirkliche Lektion von 1968, zunächst für die Tschechen und dann für alle anderen -, nie wieder konnte irgend jemand behaupten, der Kommunismus beruhe auf allgemeiner Zustimmung oder der Legitimität einer reformierten Partei oder gar auf den Lehren der Geschichte." (Tony Judt: Die Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart. München 2006, S.504)
    8. In der Hoffnung auf eine große Friedenszeit sprach der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama 1992 sogar vom "Ende der Geschichte", doch wurde er spätestens 1994 durch den Völkermord in Ruanda widerlegt.
    9. vgl. Washington Consensus von 1990 und Umbau des GATT in die WTO mit stärkeren Kompetenzen, Zollabbau zu erzwingen, und die Kritik an dieser Politik durch attac (1998 gegründet) und u. a. den Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz in Die Schatten der Globalisierung (2002).
    10. 2003 in Georgien zur Rosenrevolution, 2004 in der Ukraine zur Orangen Revolution und 2005 Kirgisistan zur Tulpenrevolution.
    11. unterzeichnet 2007, endgültig ratifiziert 1. Dezember 2009
    12. Dafür wurde er 2009 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. (Die Zeit, 9. Oktober 2009: Friedensnobelpreis für Obama: „Dieser Preis ist ein Ansporn für Obama“Letzter Abruf 7. Oktober 2010)
    13. spiegel.de: Schutzwall gegen die wilde Wall Street (Zugriff am 17. Juli 2010).
    14. 2008 trafen in Washington erstmals die Staats- und Regierungschefs der Gruppe zusammen, wobei China und Indien, weil sie von der Krise weniger betroffen waren, eine stärkere Position hatten.
    15. UN-Klimakonferenz in Kopenhagen#Konferenzverlauf: „Als wesentlich für das Scheitern gilt die mangelnde Einigung zwischen China und den USA. Während der Konferenz versuchte Präsident Obama Zeitungsmeldungen zufolge, eine nächtliche Kompromissformulierung in direkten Verhandlungen mit dem chinesischen Premierminister Wen Jiabao zu erreichen und traf Wen in einer Runde mit den Regierungschefs von Indien, Brasilien und Südafrika an.“. Siehe Tobias Rapp, Christian Schwägerl, Gerald Traufetter: Das Kopenhagen-Protokoll; Spiegel-Online; 3. Mai 2010, abgerufen 24. Februar 2011.
    16. Jørgen Randers beurteilt in seiner 2012 verfassten Nachfolgestudie zu Die Grenzen des Wachstums von 1972 2052. Der neue Bericht an den Club of Rome die chinesische Rolle bei der Bekämpfung der globalen Erwärmung dennoch positiv: "Diese gesamte Anstrengung wird dadurch vereinfacht, dass die Behörden vernünftige nationale Pläne aufstellen und implementieren können. Chinas lange Folge von Fünfjahresplänen [...] werden sich als nützlich erweisen, wenn es darum geht, eine große Bevölkerung [...] bei Laune zu halten und gleichzeitig den Klimawandel zu bekämpfen." (S.321)
    17. In Tunesien, Algerien und Ägypten kam es zu unblutigen Veränderungen, insbesondere in Ägypten stieg die Unzufriedenheit aber wieder rasch an.