Westslawisches Chronikon für 1003

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Seitentitel: Geschichte der westslawischen Orthodoxie/ Die Frühzeit der westslawischen Orthodoxie/ 1003

Vgl. Artikel 1003 in der deutschen Wikipedia

  • Januar 1003: Herzog Vladivoj stirbt an übermäßigen Alkoholkonsum - die böhmischen Großen rufen die Fürstenfamilie um Hemma von Böhmen aus dem Exil zurück und bieten Jaromír den Thron an[1] um die Lage im Land zu stabilisieren - aber nach wenigen Tagen marschieren die Truppen von Bolesław Chrobry in Böhmen ein, um Boleslav III. von Böhmen wieder einzusetzen, und (H)Emma muss mit den beiden jüngeren Brüdern erneut Schutz in Bayern suchen.
  • Ende Januar 1003, Maastricht: König Heinrich II. erfährt von der Niederlage seines Heeres in Oberitalien.[2]
  • Fastenzeit (ab 14. Februar) 1003: Boleslav III. läßt die Vertreter der mit ihm verfeindeten Sippe der Wrschowetze (tschechisch: Vršovci) ermorden, es kommt (wie 1002) zum erneuten Aufstand seines Gefolges nach der Ermordung seines Schwiegersohnes, daraufhin entzieht ihm Bolesław Chrobry seine Unterstützung, lockt ihn auf eine Burg, nach Cosmas in Krakau[3], nimmt ihn dort gefangen und läßt ihn blenden[4]. Anschließend begibt sich Bolesław I. Chrobry nach Prag und übernimmt als Herzog Boleslav IV. selbst die Herrschaft.
  • vor Ostern (28. März), welches Heinrich II. in Magdeburg feiert: Der deutsche König erfährt von den Vorgängen in Böhmen, schickt eine Gesandtschaft an Bolesław I. Chrobry und fordert ihn auf, Böhmen nach alter Rechtsgewohnheit (ut ius antiquum poscit) vom Reiche zu Lehen zu nehmen.[5]
  • Ostern (28. März): Der deutsche König Heinrich II. feiert Ostern in Quedlinburg. Er schließt hier angesichts des drohenden Krieges gegen den Polenherzog Boleslaw I. Chrobry ein Bündnis mit den heidnischen Redariern und Liutizen[6], wobei er auf jegliche Mission in deren Gebieten verzichtet.[7]
  • 3. Mai bis 5. Mai, Merseburg: Heinrich verbringt hier die Bittage und erfährt vom Aufruhr des Polenherzogs Boleslaw Chrobry und des Markgrafen des (bayerischen) Nordgaus Heinrich von Schweinfurt.[8][9]
  • Ende Mai bis Ende Juni: Heinrich II. begibt sich von Sachsen über Thüringen und Franken nach Bayern, um den Aufstand Heinrichs von Schweinfurt zu bekämpfen, der außer mit dem Polenherzog Boleslaw Chrobry, auch noch mit dem Babenberger Ernst und dem Königsbruder Bruno verbündet hatte.[10]
  • Sommer 1003: Päpstliche Vollmacht zur Slawenmission für den polnischen Mönch Antonius und dessen Brüder.[11]
  • Anfang August: Heinrich II. beginnt den Feldzug gegen Heinrich von Schweinfurt.[12]
  • August: Heinrich II. belagert und zerstört die Burgen Ammerthal (westlich von Amberg)[13] und Kreussen (südlich von Bayreuth, am Roten Main)[14], findet die Burg Kronach (an der Vogtländischen Rodach, nördlich von Kulmbach) aber schon zerstört vor, da Heinrich von Schweinfurt sie selbst in Brand gesetzt hatte und mit seinen Anhängern[15] nach Böhmen zu Herzog Bolesław I. Chobry geflohen war. König Heinrich II. verwüstet die Gebiete des Markgrafen und verteilt sie als Lehen.[16] Die bei der Burg Ammerthal in Gefangenschaft geratenen polnischen Hilfstruppen verteilt er unter seine Getreuen. Im Gegenzug nutzt Bolesław I. Chobry die Abwesenheit des Königs bei der Belagerung der Burg Kreussen, geht bei der Burg Strehla[17] über die Elbe, wobei er bis Zehren vorstößt. Bereits am nächsten Tage führt er mindestens 3000 Gefangenen[18] und weitere reiche Beute über die Elbe zurück.[19]
  • 8. September, Bamberg: Heinrich II. feiert das Fest Mariä Geburt. Zu diesem Zeitpunkt hat er das Heer bereits entlassen.[20]
  • Spätsommer–Frühherbst, im Spessart: Heinrich erholt sich hier von den Strapazen des Feldzuges gegen den Markgrafen Heinrich von Schweinfurt[21]
  • Dezember, Sachsen: Heinrich II. legt für den folgenden Winter einen Feldzug gegen die Milzener fest.[23]
  • Ende 1003 (oder die ersten Tage des Jahres 1004): Entsendung des Papstlegaten Leo zu König Heinrich II. nach Deutschland.[24] Johannes XVIII. war Papst ab dem 25. Dezember 1003.
  • 1003: Bolesław will nun Böhmen selbst regieren (möglicherweise auch vollends in Polen integrieren, wie 13 Jahre zuvor bereits Schlesien und Wislanien [Kleinpolen um Krakau] - also ein Panslawisches Reich Großpolen schaffen), aber er scheitert einerseits daran, dass er unter den Böhmen, die sich offenbar bereits als eigener Volksstamm verstanden, kaum Unterstützung erhält, und andererseits daran, dass der deutsche König Heinrich II. verlangt, dass Bolesław - wie im November 1002 schon Vladivoj - Böhmen aus seiner Hand als Lehen empfängt - und dies wollte Bolesław nicht akzeptieren.


Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Nach Thietmar V, 29 (18) ff hatte das Volk beide Brüder zur Herrschaft gerufen.
  2. RI II,4 n. 1527a, in: Regesta Imperii Online, http://www.regesta-imperii.de/id/1003-01-00_1_0_2_4_1_115_1527a (Abgerufen am 18. November 2019).
  3. nach Cosmas I, 34
  4. Boleslav III. starb nach 34 Jahren in Gefangenschaft im Jahre 1037.
  5. RI II,4 n. 1537a nach Thietmar V, 31 (19) und Adalbold cap. 22 (SS. 4, 689), in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1003-03-28_1_0_2_4_1_132_1537a (Abgerufen am 18. November 2019).
  6. Das Bündnis hatte bis weit nach Heinrichs II. Tod (1025) bis zum Jahre 1033 Bestand.
  7. RI II,4 n. 1537b nach Thietmar V, 31 (19), Ann. Quedlinburg. (SS. 3, 78) und Ann. Hildesheim. (SS. schol.), in: Regesta Imperii Online, http://www.regesta-imperii.de/id/1003-03-28_2_0_2_4_1_133_1537b (Abgerufen am 18. November 2019).
  8. Thietmar V, 32 (20).
  9. Heinrich von Schweinfurt hatte sich bereits Ende Juni/Anfang Juli 1002 wegen des gebrochenen Versprechens vom König zurückgezogen und spätestens Ende Juli ein Bündnis mit Bolesław I. Chrobry abgeschlossen, den er bei einem Überfall in Merseburg unterstützte und damit das Leben rettete. Heinrich II. hatte dem Schweinfurter für dessen Stimme bei der Königswahl das Herzogtum Bayern versprochen, dieses Versprechen aber gebrochen.
  10. Thietmar V, 32 (20f.).
  11. RI II,5 n. 978, in: Regesta Imperii Online, http://www.regesta-imperii.de/id/1003-00-00_3_0_2_5_0_1023_978 (Abgerufen am 18. November 2019).
  12. RI II,4 n. 1547a, in: Regesta Imperii Online, http://www.regesta-imperii.de/id/1003-08-00_1_0_2_4_1_148_1547a (Abgerufen am 18. November 2019).
  13. Thietmar V, 34 (21).
  14. Thietmar 7, 34 f. (21).
  15. Darunter den Königsbruder Bruno.
  16. Thietmar V, 38 (23).
  17. Bolesław I. Chobry hatte die Burg Strehla bereits Ende Juli 1002 abgebrannt, nachdem er bei einem Treffen mit König Heinrich II. in Merseburg überfallen worden war.
  18. Auch Ende Juli 1002 führte Bolesław I. Chobry eine große Menge Gefangener mit sich.
  19. Thietmar V, 36 (22) f.
  20. Thietmar V, 38 (23).
  21. RI II,4 n. 1549a, in: Regesta Imperii Online, http://www.regesta-imperii.de/id/1003-00-00_1_0_2_4_1_156_1549a (Abgerufen am 18. November 2019).
  22. RIplus Regg. EB Mainz 1 [n. 830], in: Regesta Imperii Online, http://www.regesta-imperii.de/id/dd878bc0-ca7d-45f8-9ed5-3d7aa9415f1e (Abgerufen am 18. November 2019).
  23. Thietmar V, 38 (23). Nach Adalbold cap. 28 (SS. 4, 690) gilt dieses Aufgebot auch für Thüringen.
  24. RI II,5 n. 981, in: Regesta Imperii Online, http://www.regesta-imperii.de/id/1003-00-00_1_0_2_5_0_1026_981 (Abgerufen am 18. November 2019).