Gitarre: Die elektrische Gitarre/ Vibratosysteme

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Das Vibratonsystem erlaubt, die Tonhöhe eines gespielten Tons von Hand stufenlos zu variieren - in beliebiger Geschwindigkeit. Aufgrund einer Verwechslung eines Ingenieurs wird das Vibratosystem oft auch als Tremolo bezeichnet.

Mechanik[Bearbeiten]

Viele E-Gitarren besitzen ein Tremolo. Es handelt sich im Wesentlichen um eine bewegliche Brückenkonstruktion, mit der die Saitenspannung vermindert oder erhöht werden kann. Mit zunehmender Saitenspannung nimmt die Tonhöhe zu, mit abnehmender Saitenspannung wird der Ton tiefer. Man kann mit dem Tremolosystem also die Tonhöhe stufenlos manipulieren und damit einen vibrierenden Effekt erzeugen. Eigentlich bezeichnet man diesen Effekt als Vibrato; da Leo Fender jedoch das Tremolo schon früh mit dem Vibrato verwechselte und das System als Tremolo bezeichnete, blieb es dabei.

Typische Vertreter[Bearbeiten]

Das erste brauchbare Tremolo wurde bei der Fender Stratocaster eingesetzt. Andere Systeme führten früher dazu, dass sich die E-Gitarre bei stärkerem Einsatz verstimmte. Das System existiert bis heute unverändert. Inzwischen gibt es jedoch verschiedenste - von Fender selbst und auch von anderen Firmen - so dass es mittlerweile für jeden Anwendungszweck ein geeignetes Vibratosystem gibt. Im Folgendem sind die wichtigsten Vertreter aufgelistet:

  • Bigsby: Überholtes Tremolo aus den 50er-Jahren, das sowohl teuer als auch aufwändig ist. Die Tonbeeinflussung ist relativ gering. Bigsby's werden jedoch bis heute verbaut (z.B. bei der Gibson SG, Gretsch Gitarren, usw.), vermutlich wegen dem speziellen Aussehen des Tremolos. Düsenberg baut ähnliche Tremolos.
  • Fender Vintage: Das Fender Vintage Tremolo (Fender nennt es irrtümlich Tremolo) erkennt man an den sechs Schrauben, an denen es befestigt ist, und am simplen Aufbau. Dennoch erfüllt es seinen Zweck, wenn es optimal eingestellt ist, und erlaubt butterweiche Vibratos. Jede Saite kann einzeln justiert werden.
  • Fender Standard: Das moderne Fender Tremolo wird an zwei Bolzen beidseitig der Brücke aufgehängt. Man nennt diese Bauweise auch Messerkanten-Prinzip (Fulcrum Tremolos), weil die reibungsarme Aufhängung zum Ursprungszustand zurückkehrt. Jede Saite kann einzeln justiert werden. Ist stimmstabiler als das Vintage Vibrato - je nach Qualität der Mechaniken.
  • Wilkinson: Ähnlich wie das Fender Standard Tremolo, es funktioniert nach dem Messerkanten-Prinzip. Ist mit geeignetem Sattel (Graphit oder Rollernut) und Klemmmechaniken (locking tuners) relativ stimmstabil. Wird nicht mehr von Wilkinson hergestellt, sondern u.a. von Gotoh in Lizenz.
  • Kahler: Funktioniert nach dem Messerkantenprinzip, ähnlich wie das Floyd-Rose, ist aber kompakter. So muss die Korpusrückseite nicht für die Federn ausgefräst werden. Das Ganze wird also von oben eingebaut und erlaubt auch Hochziehen des Tons.
  • Ibanez Lo-Pro Edge: Im Prinzip ein modifiziertes Floyd Rose, das eine geringere Bauhöhe aufweist (Low Profile).
  • Fender Jazzmaster/Jaguar/Mustang: Spezielle Floating Tremolo-Konstruktionen, die sich jedoch nicht durchgesetzt haben. Floating bedeutet, dass die Brücke schwebend aufgehängt ist, d.h. die Tonhöhe kann nach oben und nach unten variiert werden.

Floyd Rose[Bearbeiten]

Die Saiten werden bei der Brücke und beim Sattel festgeschraubt. Damit wird die Gitarre sehr stimmstabil. Der Saitenwechsel ist dadurch umständlich. Zudem benötigt man Übung, um eine Floyd Rose-Gitarre korrekt einzustellen.

Floyd Rose Vibratomechanik
  1. Saitenauflage: Auf diesem Teil liegt die Saite auf und wird anschließend über einen Radius um 90° umgelenkt, um sie knickfrei in die Klemmvorrichtung einzuführen.
  2. Klemm-Vorrichtung: Hier wird die Saite mit Hilfe eines Klemmblocks befestigt, welcher über die Inbusschrauben am hinteren Ende der Saitenauflage (1) festgezogen wird.
  3. Befestigung der Saitenauflage: Durch lösen der Schraube kann die Saitenauflage verschoben werden, womit die Bundreinheit der einzelnen Saiten eingestellt wird.
  4. Feinstimmer: Dienen zum Feinjustieren der Stimmung, ohne dass die Schrauben an der Stegklemme (6) gelöst werden müssen. Größere Stimmveränderungen sind aber nicht möglich.
  5. Vibratohebel: Ist erforderlich, um das Vibratosystem während des Spiels bedienen zu können.
  6. Sattelklemme: Befindet sich am Kopfende des Griffbretts. Hier werden die Saiten durch Plättchen festgehalten, welche durch Inbusschrauben befestigt sind. Dieses Teil dient vor allem der Stimmstabilität des Systems.
  7. Saiten-Niederhaltung: Dieses Teil dient dem Zweck, die Saiten vor der Sattelklemme (6) niederzuhalten.
  8. Federn: Sie sind über die Rückseite des Korpus erreichbar und sorgen dafür, dass die Mechanik immer wieder in die Ausgangsstellung zurückkehrt. Die Anzahl kann - je nach Saitensatz von 2 bis 5 variieren. Das eine Ende ist eine Öse, das andere Ende ein Haken.
  9. Federklammer: Hier werden die Federn mit der Öse eingehängt. Außerdem kann die Federspannung durch verdrehen der beiden Befestigungsschrauben beeinflusst werden, um das System besser an verschiedene Saitensätze anpassen zu können.
  10. Inbusschlüssel: Da beim Floyd-Rose-System hauptsächlich Inbusschrauben verwendet werden, ist das Mitführen eines Satzes passender Schlüssel eigentlich Pflicht!


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