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Informationstechnische Grundlagen (ITG)/ Digitale Kommunikation

Aus Wikibooks
Pierre-Auguste Renoir „Confidences“
… Arbeiter ebenso.
Politiker kommunizieren …

Kommunikation ist der Austausch von Informationen. In diesem Sinne ist das ganze Internet ein Kommunikationsnetz: So teilt z.B. jeder Anbieter einer WWW-Seite dem Aufrufer seiner Seite etwas mit. Aber auch der Aufrufer gibt dem Anbieter Informationen preis, z.B. Interessen über das Anklicken von Links oder die Verweildauer auf einzelnen Seiten.

In diesem Abschnitt wollen wir die unmittelbare, direkte Kommunikation zwischen Individuen betrachten. Zwischenmenschliche Kommunikation, d.h. der Austausch von Befinden, Wissen, Erkenntnissen und Erfahrungen, spielt in der Entwicklungsgeschichte des Menschen eine zentrale Rolle. Sie hat den Menschen erst zum Menschen gemacht und seine Möglichkeiten der Kommunikation unterscheiden ihn von allen anderen Lebewesen.

Die durch zwischenmenschliche Kommunikation ausgetauschte Information ist aufgrund ihrer Unmittelbarkeit von besonderer Qualität. Über sie tritt der Mensch in Kontakt mit seiner Umwelt und gibt dabei oftmals in tiefster Vertrautheit viel über sich selbst preis. Die Verletzung von Privat- und Intimsphäre kann einem Menschen schaden, ihn seelisch untergraben und bis hin zur Zerstörung seiner Würde und Persönlichkeit führen. Darum zählt das Recht auf Privatsphäre zu den Menschenrechten und ist in allen modernen Demokratien verankert. Gleichzeitig ist Kommunikation in Form von Hinterfragen, Argumentieren, Bilden und Äußern der eigenen Meinung essentiell für eine freiheitlich demokratische Grundordnung. Auch vor diesem Hintergrund verdient die digitale Kommunikation besonderes Augenmerk.

Im Folgenden werden übliche digitale Kommunikationsmittel und -Methoden kurz vorgestellt. Anschließend soll auf Aspekte vor dem Hintergrund der in dieser Einleitung angesprochenen Gesichtspunkte eingegangen werden.

Digitale Kommunikationsmittel

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E-Mail

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Schematische Darstellung der Zustellung einer E-Mail.

E-Mail (engl. electronic mail) ist eines der ältesten Kommunikationsmittel im Internet, entstanden noch vor dem World Wide Web. Mit E-Mails kann man Textnachrichten sowie an die E-Mail „angehängte“ Dateien, wie digitale Bilder oder Dokumente, verschicken. E-Mails sind vergleichbar mit klassischen Postkarten, erreichen den Empfänger aber meist innerhalb einer Minute.

Zum versenden von E-Mails benötigt man einen E-Mail-Account, den verschiedene E-Mail-Provider anbieten. Über diesen Zugang kann man nun mit einem E-Mail-Programm üblicherweise mittels der Internetprotokolle Simple Mail Transfer Protocol (SMTP) E-Mails verschicken und mit dem Post Office Protocol (POP3) oder Internet Message Access Protocol (IMAP) E-Mails auf den lokalen Rechner herunterladen bzw. die E-Mails beim Provider lesen.

Alternativ kann ein sog. Webmailer verwendet werden, der erlaubt die Mail-Box über den Browser zu verwalten. Die Verwendung schränkt den Benutzer auf das vom Provider angebotene, sich möglicherweise immer wieder ändernde Portal ein und schränkt das Versenden verschlüsselter E-Mails ein. Die Verschlüsselung ist aber auch bei Webmailern über das Browser-Plugin „Mailvelope“ möglich. Besser ist es jedoch, sich mit einem E-Mail-Programm, wie z.B. Mozilla Thunderbird, vertraut zu machen.

Der Austausch von E-Mails erfolgt über freie, offene und standardisierte Protokolle[1]. E-Mails werden providerunabhängig im Internet transportiert: Jeder kann mit jedem über E-Mail in Verbindung treten. Ebenso kann jeder überall auf der Welt mit dem Internet verbundene E-Mail-Server betreiben und E-Mail-Adressen vergeben.

Instant Messaging

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Pidgin Kontaktliste
Chat Fenster

Instant Messaging (engl. sofortige Nachrichtenübermittlung) erlaubt den Austausch von (Kurz-)Nachrichten in Echtzeit (chatten) mit einem oder mehreren Kommunikationspartnern. Auch das Senden von Dateien ist möglich. Im Gegensatz zur E-Mail existieren zahlreiche untereinander inkompatible und oftmals proprietäre Protokolle die unterschiedliche Funktionalität implementieren. Instant Messaging Programme sind auf Smartphones als Instant Messaging Apps populär und lösen die klassische SMS mehr und mehr ab.

Unter VoIP (engl. Voice over IP (Internet-Protocol)) versteht man die Übermittlung von Sprachnachrichten, d.h. Telefonieren über das Internet. Meist bieten die Programme neben der Audio- auch Videoübertragung und Chat-Funktionen an.

Soziale Netzwerke

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Soziale Netzwerke sind an sich keine eigenständigen digitalen Kommunikationsmittel, vielmehr bündeln sie unter einer Oberfläche eine eigene „Webseite“ und zahlreiche Kommunikationsmittel mit der Möglichkeit, z.B. Bilder und Nachrichten gezielt mit anderen Mitgliedern des sozialen Netzwerks auszutauschen. Die angebotenen Kommunikationsmittel verwenden meist proprietäre Protokolle, sodass nur Mitglieder des Netzwerks an der Kommunikation teilnehmen können. Nichtmitglieder sind von Inhalten und der Kommunikation ausgeschlossen.

Der Zugriff auf Inhalte kann für andere Teilnehmer mehr oder weniger eingeschränkt werden, nicht jedoch für den Anbieter der Netzwerk-Plattform, dem alle Daten zur Verfügung stehen. Für die großen Anbieter der populären Netzwerke ist die uneingeschränkte, gewinnbringende Auswertung aller dieser vorliegenden Informationen[2] (auch über Personen, die das Netzwerk selbst nicht nutzen[3]) das Geschäftsmodell. Die damit verbundenen Datenschutzverstöße und die Untergrabung der Privatsphäre führen immer wieder zu umfangreicher Kritik.

Strukturen digitaler Kommunikation

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Visualisierung eines Teils des Internets.
Kommunikation über eine zentrale Instanz: Alle Daten laufen über einen zentralen Knoten, der alle Informationen kontrollieren und auswerten kann. Der Betreiber dieses Knotens verfügt über erhebliche Macht: Er weiß alles über alle und jegliche Kommunikation ist von ihm abhängig.
Kommunikation in einem dezentralen Netz: An keiner Stelle des Netzes kann alles kontrolliert und ausgewertet werden. Die Benutzer können ihren Anbieter frei wählen und gegebenenfalls wechseln. Jeder Anbeiter verfügt nur über eine Teilmenge der ausgetauschten Information.

Einer der wesentlichen Gesichtspunkte einer demokratischen Gesellschaft ist die breit angelegte Verteilung von Macht auf viele Personen und Institutionen. Die Geschichte zeigt, dass die Konzentration von Macht über kurz oder lang fast immer zu Machtmissbrauch führt. Darum wurden in Demokratien unter den Begriffen checks and balances und „Gewaltenteilung“ Mechanismen entwickelt, die der Machtkonzentration entgegenwirken.

Das Prinzip der möglichst breiten Verteilung von Macht in einer Gesellschaft ist nicht nur auf staatliche Institutionen beschränkt. Im Bereich der Wirtschaft gibt es z.B. Regelungen, die der Bildung von Monopolen entgegenwirken, um der wirtschaftlichen Ausbeutung der Verbraucher entgegenzuwirken.

Wie in der Einleitung erläutert, liegt der Kommunikation als Grundelement menschlichen Daseins, angefangen vom Austausch im Familien- und Freundeskreis bis hin zu politischen, journalistischen und wissenschaftlichen Diskussionen, eine sehr fundamentale Bedeutung zugrunde. Dementsprechend birgt der Einfluss auf und die Kontrolle von Kommunikationsvorgängen ein erhebliches Machtpotential. Dies gilt einerseits für das einzelne Individuum, aber auch für die ganze Gesellschaft als solche.

Vergleichbar mit der Kontrolle und Verteilung von politischer oder wirtschaftlicher Macht sollte eine Gesellschaft also bestrebt sein, die mit der mehr und mehr ins Digitale verlagerten Kommunikation verbundene Macht zu kontrollieren und möglichst breit in der Gesellschaft zu verankern.

Machtkonzentration oder -Verteilung?

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Betrachtet man übliche digitale Kommunikationsmittel, so kann man Aspekte, die eine Konzentration von Macht fördern, herausarbeiten:

  • Sämtliche Kommunikationsvorgänge und -Mittel (E-Mail, Instant Messaging, VoIP, …) über einen einzigen, zentralen Anbieter.
  • Proprietäre Formate bzw. Protokolle: Andere Anbieter sind vom Wettbewerb ausgeschlossen, da die Plattformen nicht verknüpfbar sind. Hat ein Anbieter A einmal die Mehrzahl der Nutzer gewonnen, so wandern fast zwangsläufig immer weitere Nutzer vom kleineren Anbieter B ab, da „alle Freunde nur über Anbieter A“ erreichbar sind. Eine Monopolbildung ist damit kaum abzuwenden.

Entsprechend findet man Aspekte, die der Konzentration und Monopolbildung entgegenwirken:

  • Verschiedene Anbieter für unterschiedliche Kommunikationsmittel und -Partner.
  • Interoperabilität durch freie, offene und standardisierte Formate bzw. Protokolle: Jeder kann als Anbieter gleichberechtigt teilnehmen, ein Wechsel des Anbieters ist problemlos möglich.

Beispiele

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Exemplarisch sollen hier unter dem Aspekt der Dezentralisierung wünschenswerte Kommunikationsmittel, wie z.B. E-Mail, und die zur Konzentration und Monopolbildung führende Nutzung eines populären sozialen Netzwerkes gegenübergestellt werden.

Wie bereits oben erwähnt erfolgt der Austausch von E-Mails über standardisierte Protokolle, die jeder implementieren kann. Damit kann hinz@provider.com problemlos mit kunz@anbieter.de kommunizieren. Dies gilt ebenso für Kommunikation über beispielsweise die Protokolle XMPP (u.a. Instant Messaging) oder SIP (u.a. VoIP). Jeder kann einen beliebigen Anbieter wählen oder auch seinen eigenen Server betreiben und dann als peter@myserver.eu z.B. E-Mails an wen-auch-immer versenden.

Empfehlenswerte Client-Programme für die Kommunikations mittels XMPP, SIP, … sind u.a.:

Darstellung der Analyse eines Sozialen Netzwerks

Die Vorstellung, Kunden des Providers anbieter.de könnten nur E-Mails an Adressen …@anbieter.de versenden, erscheint absurd. Genau diese Beschränkung liegt aber bei vielen populären Kommunikationsmitteln vor. Werden diese dann noch über einen einzelnen Anbieter mit einem Sozialen Netzwerk kombiniert, so läuft an dieser einen Stelle sämtliche Information über die Nutzer zusammen: Persönlicher und begrenzt-öffentlicher Austausch, Freundeskreis und zugehörige Verhaltensmuster, biometrische Daten (über Bilder), Lebensgestaltung und -Situation, Interessen und Unsicherheiten (z.B. über besuchte Webseiten und Suchanfragen), usw. – die Liste ist beliebig erweiterbar. Die Auswertung dieser Informationen stellt für die beteiligten Firmen ein Milliardengeschäft dar.

Verschlüsselung digitaler Kommunikation

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  • Zur Kommunikation gehören mindestens zwei
  • Ende-zu-Ende Verschlüsselung
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  1. Material und Positionen zu offenen Standards.
  2. Von Facebook gespeicherte Daten
  3. Was Facebook über Nicht-Mitglieder weiß – Artikel bei heise.de
  4. Siehe auch: Liste von XMPP- und Multi-Protokoll-Clients.
  5. Siehe auch: Liste von mobilen Instant-Messengern.