Innere Medizin kk: Borreliose

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Wanderröte am Unterschenkel

Einleitung[Bearbeiten]

  • Die  Borreliose ist schwer zu diagnostizieren.
  • Die Therapie ist dagegen ziemlich einfach.
    • Aus Angst etwas zu versäumen, werden viele Patienten unnötig therapiert.
    • Andererseits werden immer noch einige Borreliosekrankheiten nicht oder zu spät erkannt.
    • Das liegt nicht so sehr an der Dummheit der Ärzte, sondern an den Schwierigkeiten eine richtige Diagnose zu stellen.

Titel Krankheitsnummer ( ICD )[Bearbeiten]

A69.2 Lyme-Krankheit
     Erythema chronicum migrans durch Borrelia burgdorferi
M01.2 Arthritis bei Lyme- Krankheit

Definition engl Bezeichnung + Abkürzungen[Bearbeiten]

Abkürzungen[Bearbeiten]

  • ACA Acrodermatitis chronica atrophicans
  • ELISA Enzyme Linked Immunosorbent Assay
  • EM Erythema migrans
  • LB Lyme-Borreliose
  • LTT Lymphozytentransformationstest

Einteilungen[Bearbeiten]

Ätiologie Ursachen[Bearbeiten]

Die Lyme Borreliose wird durch Zecken übertragen. In Deutschland kommt es nach einem Zeckenstich nur bei 0,3–1,4 % zur Erkrankung.

  • Etwa 5–35 % der Zecken sind mit Borrelien befallen
    • erwachsene Zecken im Durchschnitt zu 20 %,
    • Nymphen zu 10 %
    • Larven zu etwa 1 %

Erreger[Bearbeiten]

So schauen Borrelien aus

Erreger der Lyme-Borreliose sind die Arten

  • Borrelia burgdorferi sensu stricto (B.b.im eigentlichen Sinne)
  • Borrelia garinii
  • Borrelia afzelii
  • Borrelia spielmanii

Borrelien sind gramnegative spiralförmige Bakterien.Sie gehören zur Familie der Spirochäten.

Verbreitung[Bearbeiten]

In den USA ist Borrelia burgdorferi sensu stricto verbreitet. In Deutschland sind die anderen Arten verbreiteter.

Atlas der Borreliosegefährdung in Deutschland

Epidemiologie Statistik Kosten[Bearbeiten]

Krankenhausdaten Deutschland[Bearbeiten]

Diagnosedaten der Krankenhäuser ab 2000 Region: Deutschland, ICD10: A65-A69 Sonstige Spirochätenkrankheiten

Sachverhalt    Jahr   2003    2004    2005   2006   2007   2008   2009   2010
 insgesamt            8432    8168    7821   8550   8323   7865   7328   7232
 männlich             4276    4176    4039   4712   4438   4259   3972   3985
 weiblich             4156    3992    3782   3838   3885   3606   3356   3247
Sterbefälle              3       5       4      5      3      5      4      3
Verweildauer          10,5     10,0    9,9    9,7    9,7    9,5    9,4    9,4   Tage

Pathologie Pathophysiologie[Bearbeiten]

Phase 0 Biß der Zecke[Bearbeiten]

Nach dem Befall des Wirtes wandert die Zecke bis zu 24 Stunden auf der Suche nach einer geeigneten Einstichstelle. Hat sie diese gefunden beginnt die Zecke die Haut zu durchdringen. Dabei benutzt sie die unter einem Futteral liegenden Stechzangen zum aufzusägen der oberen Hautschicht. Ist diese geöffnet, erfolgt der Einstich mit dem Saugrüssel. Beim Absaugen des Blutes trennt die Zecke in ihrem Darmtrakt die Bestandteile des Blutes vom Wasser. Die Zecke spritzt dann das Wasser, sowie eine blutgerinnungshemmende Flüssigkeit zurück in die Wunde. Dabei gelangen auch die in der Zecke lebenden Borrelien in den Blutkreislauf des Wirtes. Vom ersten Einstich bis zur Übertragung der Borrelien können 6-12 Stunden vergehen.

Phase 1 Lokalinfektion[Bearbeiten]

Aus der Wunde breiten sich die Borrelien lokal ins Gewebe aus. Dies geschieht oft ohne erkennbare Entzündungsreaktion. Es kann in dieser Phase zum Erythema migrans oder zu einem Lymphozytom kommen.

Phase 2 Generalisation[Bearbeiten]

  • Bakteriämie nach etwa drei Wochen
    • symptomloser Verlauf oder
    • grippeartige Allgemeinsymptome, Kopf- und Gliederschmerzen, Nachtschweiß und Herzklopfen
    • Fieber oft nur gering ausgeprägt

Symptome und Klinik[Bearbeiten]

Diagnostik[Bearbeiten]

Die Borreliose wird zu häufig vermutet und behandelt. Es herrscht eine gewisse Zeckenhysterie. Andererseits wird manchmal bei chronischem Verlauf nicht an sie gedacht.

Zitat : D.Hassler Seronegative Borreliosen gibt es nicht! Wenn ein Erreger einen Menschen krank macht, so entstehen die Krankheitssymptome hauptsächlich durch die Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Erreger. Die Abwehrzellen schicken Botenstoffe wie Interleukine aus, die ja dann für die Symptome, zum Beispiel das Grippegefühl verantwortlich sind. Wenn also das Immunsystem den Erreger erkennt, bildet es auch meßbare Antikörper. Das ist bei allen Infektionskrankheiten so, warum sollte es bei der Borreliose anders sein? Seronegative Borreliosen (Ausnahme im Frühstadium) sind also schlichte Fehldiagnosen!


Eine saubere Diagnose bei der Borreliose ist ziemlich schwierig:

Übersicht der Diagnostik[Bearbeiten]


  • Borrelien-Antikörpernachweis im Blut
    • Negativer Befund:
      • Infektion im Stadium 1 oder 2, die noch zu keiner AK Produktion geführt hat.
      • Ausschluß einer chronischen Infektion
    • Positiver Befund
      • aktive Infektion
      • oder ausgeheilte Infektion
  • Direkter Nachweis der Borrelien
    • PCR-Technik
      • Erregernachweis in Gelenksflüssigkeit
      • Erregernachweis aus dem Liquor
    • FFM (focus floating microscopy)
      • Erregernachweis im Gewebe
    • Kulturelle Anzüchtung auf Spezialnährböden
      • (dauert mehrere Wochen, nur in spezialisierten Laboratorien möglich, sehr geringe Sensitivität)
  • Untersuchung des Liquors
    • Zellen
    • Borrelienantikörper
    • direkter Nachweis von Borrelien im Liquor

Labortests[Bearbeiten]

Achtung:

  • beim Erythema migrans (Stadium 1) sind meist keine Antikörper nachweisbar.
  • beim Stadium 2 (akute Nervenentzündung, grippeartige Allemeinsymptome) können die Antikörper ebenfalls noch negativ sein
  • beim chronischen Stadium sind praktisch immer Antikörper nachweisbar

Testverfahren Beispiele[Bearbeiten]

  • enzyme-linked immunosorbent assay , sensitiver ELISA als initialer Test
    • zb Enzygnost Lyme link VlsE/IgG, Siemens Healthcare Diagnostics GmbH, Eschborn
    • quantitativer ELISA basierend auf einer Kultur von B. afzelii (Stamm PKo) gemischt mit rekombinanten VlsE von B. burgdorferi s.s. (strain B31), B. afzelii (Stamm PKo), und B. bavariensis (Stamm PBi)
  • Bestätigungstest Line Blot
    • Borrelia Europe plus TpN17 LINE, IgG, Virotech, Rüsselsheim
      • der Test enthält
        • aufgereinigte Antigene OspC, DbpA, und p83 (aus B. afzelii Stamm PKo)
        • rekombinanten Antigene VlsE (aus B. burgdorferi s.s. Stamm B31 und B. garinii Stamm IP90),
        • BmpA (PKo),
        • DbpA (aus B. garinii Stamm PBr, B. bavariensis Stamm PBi, und B. spielmanii)

Meldepflicht[Bearbeiten]

  • Eine Meldepflicht aufgrund von Länderverordnungen besteht in den neuen Bundesländern sowie in Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Therapie[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

  • sofortige und schonende Entfernung der Zecke
  • lokale Desinfektion des Zeckenstiches
  • Bei nachgewiesener Borreliose
    •  Ceftriaxon 2g iv 10 - 14 Tage
    • Cefotaxim Claforan 2 x 3 g/Tag iv über 12 - 14 Tage
    •  Doxycyclin 2 x 100 mg täglich oral über 3 Wochen
    • Amoxicillin 3 x 1 g bei Erwachsenen

Lokale Desinfektion nach Zeckenstich[Bearbeiten]

zitat ein sofortiger lokaler Einsatz eines zeitgemäßen Antiseptikums (z.B. Octenisept) bringt bei Zeckenentfernung mit Sicherheit den gleichen Effekt. Bei jährlich mindestens 5 Zecken pro Familienmitglied bewährt sich dieses einfache, schmerzfreie und sehr kostengünstige Verfahren seit vielen Jahren!

Verlauf und Prognose[Bearbeiten]

Fälle[Bearbeiten]

Fall 1 Unnötige Therapie mit Nebenwirkungen[Bearbeiten]

27.04.12 Zitat Ich kann leider nur bestätigen, dass ich in einer sogenannten Spezialtagesklinik in Augsburg einen völlig nutzlosen Antibiotikamarathon von 28 Infusionen Ceftriaxon hinter mir habe, obwohl ich gar keine Borrelieninfektion hatte.Es endete mit schlechten Leberwerten, einer pseudomembranösen Colitis und einem Krankenhausaufenthalt ( Quarantäne)von 7 Tagen. Es ist unnötig zu sagen, dass das Ganze auch noch unmäßig teuer war. Von S. Loesti Apotheker/in Siehe http://news.doccheck.com/de/article/208938-anti-borrelien-gel-zecke-schmiert-ab/

Fall 2 Einundsechszigjähriger Mann nach jahrelanger Arztodyssee an Neuroborreliose verstorben[Bearbeiten]

siehe http://kaernten.orf.at/news/stories/2531604/

Fall 3 Forstbeamter muß 30000 Euro Behandlungskosten dem Staat zurückzahlen, da sich eine Borreliose nicht nachweisen ließ[Bearbeiten]

01.08.2012 siehe http://www.frankenpost.de/regional/oberfranken/laenderspiegel/Aus-Mangel-an-Antikoerpern;art2388,2074718 Verwaltungsgericht in Bayreuth , ein pensionierter Leitender Forstdirektor aus Bad Staffelstein klagte erfolglos gegen den Freistaat Bayern In seinem Blut und in seinem Liquor ließen sich keine Antikörper gegen Borrelien nachweisen, es handelte sich also um eine Fehldiagnose.

Geschichte der Krankheit[Bearbeiten]

  • 1883 die ACA wird von Buchwald beschrieben , Acrodermatitis chronica atrophicans
    • 1886 von Touton 1886. Fallberichte von Elliot 1894 und Bronson 1895
  • 1975 Steere und Mitarbeitern erkennen sie als eigenständige Krankheit
    • STEERE, A. C.; MALAWISTA, S. E.; SNYDMAN, D. R.; SHOPE, R. E.; ANDIMAN, W. A.; ROSS, M. R.; STEELE, F. M.:
      • Lyme arthritis: an epidemic of oligoarticular arthritis in children and adults in three connecticut communities.
        • Arthritis Rheum 20 (1977), 7–17
  • 1981 Willi Burgdorfer isoliert den Erreger
    • BURGDORFER, W.; BARBOUR, A. G.; HAYES, S. F.; BENACH, J. L.; GRUNWALDT, E.; DAVIS, J. P.:
      • Lyme disease – A tick-borne spirochetosis?
        • Science 216 (1982), 1317–1319

Experten + Krankenhaeuser[Bearbeiten]

  • nationales Referenzzentrum für Borrelien am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL)
  • Volker Fingerle
    • Mikrobiologe am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (seit 2008 NRZ)
      • Am Münchner Pettenkofer-Institut befand sich das Nationale Referenzzentrum für Borrelien.
  • Professor Bettina Wilske
    • ehemals Leitung des Nationalen Referenzzentrums für Borrelien, MPI München
  • Allen C. Steere
    • Professor für Rheumatologie
      • Harvard University
        • Ertsbeschreiber der Lyme Borreliose
  • Priv.-Doz. Dr. med. habil. Dieter Hassler,
    • Infektiologie DGI, Lehrbeauftragter für Infektiologie an der Universität Heidelberg, Untere Hofstatt 1–3, 76703 Kraichtal,
      • Dieter.Hassler@t-online.de
  • Prof. Dr. Frank Erbguth, Nürnberg
    • Experte für Überdiagnostik
      • Wir müssen heute die Menschen überzeugen, dass sie keine Borreliose haben.

Selbsthilfe Was kann ich selber tun ?[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Leitlinien: http://www.borreliose-gesellschaft.de/Texte/Leitlinien.pdf

Links[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]