Innere Medizin kk: GCS

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beatmeter Intensivpatient, wie weit weg ist er ?

Allgemeines[Bearbeiten]

Die GCS =  Glasgow Coma Scale dient zur Einschätzung der   Comatiefe, d.h des Schweregrades von Bewusstseins- und Hirnfunktionsstörungen. Etabliert wurde sie 1974 von Teasdale und Jennett zur Vigilanz-Diagnostik nach Schädel-Hirn-Trauma.

Bewertet werden das

  • Augenöffnen,
  • die beste verbale Antwort und
  • die beste motorische Antwort.

Die Punkte dieser drei Kategorien werden addiert und beispielsweise in der Narkosekurve regelmässig dokumentiert.

Erhebung und Punktwerte[Bearbeiten]

Augen öffnen 4-1 Punkte     
Spontan            - 4                                     
Auf Ansprache      - 3 
Bei Schmerzreiz    - 2 
Gar nicht geöffnet - 1 
beste verbale Antwort 5-1 Punkte
koordiniertes Gespräch   - 5 
unkoordiniertes Gespräch - 4
Einzelworte              - 3 
sinnlose Laute           - 2 
keine verbale Antwort    - 1 
beste motorische Antwort 6-1 Punkte
Auf Aufforderung                      - 6 Punkte
gezielte Bewegung (bei Schmerzreiz)   - 5 Punkte
ungezielte Bewegung (auf Schmerzreiz) - 4 Punkte
Beugesynergismen                      - 3 Punkte
Strecksynergismen                     - 2 Punkte
keine Reaktion                        - 1 Punkt
  • Begriffserklärung Beuge-/Streck-Synergismus: auch Dezerebrationsstarre, ist eine spastische Beuge- (meist obere Extremität) bzw Streckhaltung (vor allem untere Extremität) als Folge funktioneller Entkopplung des Hirnstammes vom Telencephalon (der hemmende Einfluss des Nucleus ruber auf die Motoneurone der Extensoren fällt weg, deswegen kommt es zur spastischen Enthemmung).

Interpretation und Therapeutische und prognostische Konsequenzen[Bearbeiten]

Der Scale ergibt mindestens 3 und höchstens 15 Punkte (Wichtig und immer wieder Stolperfalle bei Studenten: 0 Punkte gibt es nie) Folgendes bezieht sich vor allem auf Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma, andere Ursachen für die BEwusstseinsstörung sollten natürlich untersucht und bei der Therapie mitberücksichtigt werden.

  • Unter 8 Punkte bedeuten: der Patient liegt im Koma, es ist von einer schweren Hirnschädigung auszugehen. Ein Patient mit einem GCS < 9 ist narkose-/ intubationspflichtig.
  • zwischen 9-12 Punkten wird das Schädel-Hirn-Trauma als moderat bezeichnet
  • bei 13-14 Punkte: leichte Bewusstseinsstörungen

Weitere Faktoren, die die Komatiefe beeinflussen

  • Schock
  • Hypoxie
  • Elektrolytstörungen
  • Medikamenteneinnahme
  • ...

Deswegen dient der GCS nur zur groben Orientierung der Schwere der Bewusstseinsstörung.

Bei kreislaufstabilen und wachen Patienten immer auch die 4-Fach-Orientierung (zu Ort, Zeit, Person, Situation) überprüfen.

Einschränkungen[Bearbeiten]

Bei Kleinkindern unter 3 Jahren muss der GCS anders erhoben werden, siehe hierzu den Pediatric Glasgow Coma Score.

Und Merke: intubierter Patient kann nicht sprechen, deswegen auch keine verbale Antwort geben.

Fälle und Beispiele[Bearbeiten]

Beispiel 1: Sie haben einen Toten vor sich, der GCS-Wert beträgt 3 Punkte.

Fragen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • G. Teasdale, B. Jennett: Assessment of coma and impaired consciousness. A practical scale.
  • "The Glasgow Coma Scale: clinical application in Emergency Departments".
  • Gill M, Windemuth R, Steele R, Green SM (2005).
    • A comparison of the Glasgow Coma Scale score to simplified alternative scores for the prediction of traumatic brain injury outcomes.
      • Ann Emerg Med. 45 (1): 37–42. PMID 15635308. doi:10.1016/j.annemergmed.2004.07.429.
  • Green S. M. (2011).
    • Cheerio, Laddie! Bidding Farewell to the Glasgow Coma Scale.
      • Annals of Emergency Medicine. 58 (5): 427–430. PMID 21803447. doi:10.1016/j.annemergmed.2011.06.009.
  • Iver, VN; Mandrekar, JN; Danielson, RD; Zubkov, AY; Elmer, JL; Wijdicks, EF (2009).
    • Validity of the FOUR score coma scale in the medical intensive care unit.
      • Mayo Clinic Proceedings. 84 (8): 694–701. PMC 2719522  PMID 19648386. doi:10.4065/84.8.694.
  • Fischer, M; Rüegg, S; Czaplinski, A; Strohmeier, M; Lehmann, A; Tschan, F; Hunziker, PR; Marschcorresponding, SC (2010).
    • Inter-rater reliability of the Full Outline of UnResponsiveness score and the Glasgow Coma Scale in critically ill patients: a prospective observational study.
      • BioMed Central: Critical Care. 14 (2): R–64. PMC 2887186 PMID 20398274. doi:10.1186/cc8963.
  • Teasdale G, Murray G, Parker L, Jennett B (1979).
    • Adding up the Glasgow Coma Score
      • Acta Neurochir Suppl (Wien). 28 (1): 13–6. PMID 290137. doi:10.1007/978-3-7091-4088-8_2.
  • Meredith W, Rutledge R, Fakhry SM, Emery S, Kromhout-Schiro S (1998).
    • The conundrum of the Glasgow Coma Scale in intubated patients: a linear regression prediction of the Glasgow verbal score from the Glasgow eye and motor scores
  • J Trauma. 44 (5): 839–44; discussion 844–5. PMID 9603086. doi:10.1097/00005373-199805000-00016.

Links[Bearbeiten]