Innere Medizin kk: Magnesium

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Torsade de pointes Tachykardie

Das Wichtigste[Bearbeiten]

Magnesium intravenös wird in der Medizin selten verwendet. Es gibt folgende Hauptindikationen

  • Torsades des pointes und therapierefraktäres Kammerflimmern
    • Magnesium ist kein Standardantiarrhythmikum und wird nur bei den seltenen  Torsade de pointes Tachykardien oder therapierefraktärem Kammerflimmern gegeben.
    • Eine Gabe weniger als 2 Gramm iv ist wenig sinnvoll
  • EPH-Gestose
  • schwerer therapieresistenter Asthmaanfall
    • Man kann Magnesium iv auch beim schweren akuten Asthmaanfall probieren. Es gibt Hinweise darauf, daß Magnesium die Verkrampfung der Atemwege bessern kann.
  • schwere therapieresistente Kopfschmerzen

Wirkstoff[Bearbeiten]

Magnesiumsulfat oder Magnesiumchlorid gelöst in Wasser.

Wirkungsweise[Bearbeiten]

 Magnesium hat eine Vielzahl physiologischer Wirkungen. In der Kardiologie wirkt es so ähnlich wie eine Calcium Antagonist vom Verapamiltyp.

Pharmakokinetik[Bearbeiten]

  •  Magnesium wird über die Nahrung und den Darm aufgenommen
    • Magnesium ist ein beliebtes Nahrungsergänzungsmittel, weil es angeblich gegen Muskelkrämpfe helfen soll.
    • Wahrscheinlich hilft es aber nur gegen Muskelkrämpfe bei Elektrolytmangel
    • und wenig bei spontanen Muskelkrämpfen des älteren Menschen
  • Normale Magnesiumkonzentration im Plasma: 0,7–1,05 mmol/l
  • Magnesium wird über die Nieren ausgeschieden
  • Bei Niereninsuffizienz besteht ein Akkumulationsrisiko

Zusammensetzung[Bearbeiten]

  • MAGNESIUM VERLA i.v. 50% Infusions-Lösung
    • 10 ml Lösung enthalten
4930   mg Magnesiumsulfat-7-Wasser 
 486.1 mg Magnesium-Ion 
  20 mmol Magnesium-Ion 
Wasser für Injektionszwecke
  • Magnesiumchlorid 0,5 molar B. Braun
    • Zusatzampulle für Infusionslösung
    • 10 ml Lösung enthalten
1016,6 mg Magnesiumchlorid Hexahydrat          
10 ml     Wasser für Injektionszwecke
 5 mmol   Magnesium                                
10 mmol   Chlorid
 6,0      pH


Indikation[Bearbeiten]

Intravenös[Bearbeiten]

  • maligne Rhythmusstörungen , Kammerflimmern , Elektrischer Sturm, Torsades des pointes
  •  Eklampsie

Orale Gabe[Bearbeiten]

  • Bei Abortneigung; Frühgeburtsbestrebungen; fetale Hypotrophie, wenn diese durch eine Verminderung der magnesiumabhängigen Enzymaktivität der Plazenta bedingt ist.
  • Bei schwerem Magnesiummangel (Normalwerte von Magnesium im Serum 0,8-1,1 mmol/l)

Art der Anwendung Dosierung[Bearbeiten]

Torsades des pointes[Bearbeiten]

  • Dosierung bei Torsades als Notfallgabe bis zu 2 g intravenös
    • 1 Ampulle Mg 10% 10 ml langsam i.v.
    • 2 Ampulle Mg 10 % in 500 ml NaCl 0,9 % über ca 2 - 4 h
      • ( zusätzlich Kalium auf Werte > 4 mval/l anheben )

Weitere Maßnahmen

  • Patient muß dringend auf eine Intensivstation
  • Intubation und Beatmung erwägen
  • Möglichkeit zur mechanischen Herzdruckmassage schaffen
  • Patienten sedieren, zb mit Midazolamperfusor , da Midazolam kaum kardiodepressorisch wirkt
  • bei instabiler Situation mehrfache elektrische Defibrillation am besten mit aufgeklebten Elektroden
  • Lidocain iv, Amiodaron iv und Metoprolol iv probieren
  • verursachende Medikamente absetzen zb Haldol, Antiarrhythmika
  • bei Bradykardie < 40 Frequenz mit Orciprenalin zb auf 70 anheben.
  • den Patienten in ein rhythmologisches Zentrum verlegen mit der Möglichkeit zur EPU und Ablation.
  • ICD implantieren
    • Im Notfall wenig sinnvoll, da es zu lange dauert und der ICD ständig schocken würde

Präeklampsie[Bearbeiten]

  • Dosierung bei Prä-Eklampsie: 400 - 450 mg/d
  • bei Eklampsie 2 g initial i.v. und dann 1-2 g/h per infusionem.
    • Dauerinfusion 30 mg/kg i.v.
  • Täglicher Basisbedarf: 10–20 mmol.
  • Magnesiumchlorid in einer Trägerlösung (z.B. 0,9% NaCl oder 5% Glucose) verdünnt und i.v. langsam infundieren
  • Die Dosierung muß klinisch und an Hand des Magnesiumspiegels überprüft werden

Vorsichtsmaßnahmen für die Verwendung[Bearbeiten]

Gegenanzeigen[Bearbeiten]

  • Niereninsuffizienz
  • Hypotonie
  • AV Block
  • Bradykardie
  • Schenkelblock
  • Atemdepression
  • Koma

Nicht Anwenden bei[Bearbeiten]

  • Die iv Gabe von Magnesiumsulfat muss bei schweren Ausscheidungsstörungen der Nieren mit Vorsicht erfolgen, eine Dosis-Anpassung an den Grad der Ausscheidungsstörung ist nötig, da bei einem Kreatininwert von über 4 mg/dl die renale Magnesiumausscheidung erheblich reduziert ist.
  • ausgeprägter Bradykardie
  • bei AV-Block (oder anderen bradykarden kardialen Überleitungsstörungen)
  • Myasthenia gravis
    • Infektstein (= Calcium-Magnesium-Ammonium- Phosphatstein)-Diathese.
  • Die parenterale Anwendung von Magnesium birgt Risiken bei Schwangeren. Diese beinhalten z.B. Hitzewallungen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Sehstörungen, aber auch schwerwiegende UAW
    • wie Ileus und
    • Hypocalcämie und
    • Herzstillstand
      • (Pryde PG et al.: Semin Perinatol 2001; 25: 316-340).

Kontrolle[Bearbeiten]

  • Kontrolle der Herz-Kreislauf- und Atemfunktion (Atemfrequenz nicht unter 16/min)
  • Prüfung der Auslösbarkeit der Patellarsehnenreflexe
  • Bestimmung der Urinausscheidung (nicht unter 25 ml/h)
  • Bereithaltung von Ampullen von Calciumgluconat, 10%ig als Antidot
  • Gewährleistung intensivmedizinischer Maßnahmen, wenn das Antidot allein nicht ausreicht.

Nebenwirkungen der iv Gabe[Bearbeiten]

Bei zu rascher parenteraler Gabe von Magnesiumsulfat kann es vorübergehend, besonders bei vasolabilen Patienten, zu Nebenwirkungen in Form von *Übelkeit, Kopfschmerzen, Kribbeln, Schwitzen, Erregung, Unruhe

  • sowie Schläfrigkeit
  • und Verlangsamung von Herz- und Atemtätigkeit kommen.

Darüber hinaus kann es bei parenteraler Applikation von Magnesiumsulfat zu

  • Bradykardien, Überleitungsstörungen
  • und peripherer Gefäßerweiterung kommen.

Wechselwirkungen[Bearbeiten]

Bei hohen Plasmamagnesiumwerten bzw hoher Dosierung:

  • Verstärkung der Wirkung von Barbituraten, Narkotika, Hypnotika, Muskelrelaxantien.

Inkompatibel[Bearbeiten]

Magnesiumchlorid iv ist insbesondere mit

  • Natriumbicarbonat,
  • Ringer’schen Lösungen
  • Lipid-Emulsionen

inkompatibel.

Überdosierung[Bearbeiten]

Mg > 1,5 mmol/l im Plasma

Symptomatik[Bearbeiten]

Merke: Mg wirkt so ähnlich wie Verapamil oder Dilzem

  • Verminderte neuromuskuläre Erregbarkeit, Lethargie
  • verminderte bis aufgehobene Sehnenreflexe
  • Übelkeit, Erbrechen, Magen-Darm-Atonie bis hin zum paralytischen Illeus;
  • Blutdruckabfall
  • Bradykardie
  • Atemlähmung, Koma.

Therapie der Überdosierung[Bearbeiten]

  • Unterbrechung der Magnesiumzufuhr
  • 10–20 ml 10%ige Kalziumglukonatlösung langsam i.v.
    • gegebenenfalls mehrfach wiederholen
  • Glukose-Insulintherapie
    • 250 ml Glukose 20 bis 40% + 1 I.E. Insulin pro 3 g zugeführter Glukose
    • dabei enge Kalium- und Blutzuckerkontrolle
  • bei langanhaltend hohen Mg Werten Dialyse mit magnesiumfreier Dialyseflüssigkeit

Packungsgröße[Bearbeiten]

Verfallsdatum und Lagerung[Bearbeiten]

Kosten[Bearbeiten]

Firma[Bearbeiten]

Zb B. Braun Medical AG,

Fragen[Bearbeiten]

Wieviel Mg soll man pro Tag zu sich nehmen ?[Bearbeiten]

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine Aufnahme von

  • 350 bis 400 Milligramm Magnesium für Männer und
  • 300 bis 350 Milligramm für Frauen.

Was bringt Magnesium iv bei schweren Asthma Anfall ?[Bearbeiten]

Physiologie[Bearbeiten]

Tabelle Magnesiumverteilung im Körper[Bearbeiten]

Gewebe Gewicht (Kg) Konzentration (mmol/Kg feuchtgewicht) Gehalt mmol    % des GesamtMg
------------------------------------------------------------------------------------------------------
Serum    3.0                         0.85                                  2.6            0.3 
Erys     2.0                         2.5                                   5.0            0.5 
Organe  22.7                         8.5                                 193.0           19.3 
Muskel  30.0                         9.0                                 270.0           27.0 
Knochen 12.3                        43.2                                 530.1           52.9 
------------------------------------------------------------------------------------------------------
Gesamt 70.0                                                             1000.7          100 

Quelle: Clin Biochem Rev. 2003 May; 24(2): 47–66.

Magnesiummangel[Bearbeiten]

siehe auch * Magnesiummangel

Zitat: Die Diagnose eines Magnesiummangels kann nicht durch die Bestimmung des Serummagnesiums erfolgen, da Serummagnesium und intrazelluläres Magnesium in keinem festen Zusammenhang stehen. Eine Hypomagnesiämie ist ein Zustandsbild, das sich langsam entwickelt und zunächst eher unspezifische Symptome nach sich zieht.

Zeichen eines ausgeprägten Magnesiummangels[Bearbeiten]

  • Neuromuskuläre Übererregbarkeit (Chvostek-Zeichen)
  • Muskelschwäche
  • Hyperinsulinismus
  • Verbreiterung des QRS-Komplexes
  • Verlängerung des PQ-Intervalls
  • Ventrikuläre Arrhythmien

Zitate[Bearbeiten]

Der Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Jürgen Vormann, Leiter des Instituts für Prävention und Ernährung in Ismaning/München, Große epidemiologische Untersuchungen deuten auf eine erhebliche schützende Bedeutung einer hohen Magnesiumzufuhr für das Herz-/Kreislaufsystem hin. In der in den USA durchgeführten ARIC-Studie an zirka 14.000 Teilnehmern konnte eine deutliche Verminderung des Koronar-Risikos bei hoher Magnesiumkonzentration festgestellt werden. Andere Untersuchungen zeigten, dass ernährungsbedingter Magnesiummangel bei einem Drittel der Probanten zu massiven Herzrhythmusstörungen führte.

Literatur[Bearbeiten]

Zitat: In nine of the patients a single bolus of 2 g completely abolished the TdP within 1 to 5 min, and in three others complete abolition of the TdP was achieved after a second bolus was given 5 to 15 min later. Nine of the patients also received continuous infusion of MgSO4 (3 to 20 mg/min) for 7 to 48 hr until the QT interval was below 0.50 sec.

Links[Bearbeiten]