Innere Medizin kk: Masern

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Einleitung[Bearbeiten]

Measles rash PHIL 4497 lores

Dank der breiten Impfungen treten die Masern in den entwickelten Ländern bisher nur noch sporadisch auf, allerdings hat die Impfbereitschaft in der Bevölkerung in den letzten Jahren nachgelassen, was wahrscheinlich an Studien über angebliche Impfschäden der Masern-Vakzine liegt. Dabei sind Masern eine hochansteckende und unangenehme Erkrankung, die sich nach Ansteckung zu nahezu 100% mit großfleckigem konfluierendem Exanthem manifestiert. Auch kann es zu schweren Komplikationen (Enzephalitis, Pneumonie...) und noch nach Jahren zu tödlichen Spätschäden (wie der SSPE) kommen, welche aber durch eine Impfung verhindert werden.

Titel Krankheitsnummer ( ICD )[Bearbeiten]

B05.- Masern Exkl.: Subakute sklerosierende Panenzephalitis (A81.1)

B05.0      Masern, kompliziert durch Enzephalitis (G05.1*)
B05.1   Masern, kompliziert durch Meningitis (G02.0*)
B05.2   Masern, kompliziert durch Pneumonie (J17.1*)
B05.3   Masern, kompliziert durch Otitis media (H67.1*)
B05.4   Masern mit Darmkomplikationen
B05.8   Masern mit sonstigen Komplikationen
 Inkl.: Keratitis und Keratokonjunktivitis bei Masern+ (H19.2*)
B05.9   Masern ohne Komplikation
Meldepflicht!!

Erreger[Bearbeiten]

Morbillivirus, ein Paramyxovirus, ist ähnlich wie die Pocken prinzipiell mit konsequenter Impfung ausrottbar, da nur Menschen als Reservoir dienen.

Infektion[Bearbeiten]

Die Ansteckung erfolgt via Tröpfcheninfektion über die Schleimhäute des Nasenrachenraums. Die Masern sind hochkontagiös, da sie, ähnlich wie die Varziellen, als Aerosole verbreitet werden können. Ab etwa 5 Tagen vor Auftreten des Exanthems beginnt die Infektiösität und endet ca. auch 5 Tage nach dessen Erscheinen. Der Manifestationsindex der Erkrankung beträgt nahezu 100%, d.h. jeder der sich an Masern ansteckt, erkrankt auch. Einmal durchgemachte Masern erzeugen lebenslange Immunität, bei Babys allerdings erst nach Ende des ungefähr achten Lebensmonats, da vorher ein Nestschutz durch mütterliche Antikörper besteht.

Epidemiologie[Bearbeiten]

In Deutschland besteht für Verdacht, Erkrankung, Tod und Labornachweis einer Masern-Infektion Meldepflicht. Im Jahr 2014 wurden in Deutschland 443 Masernfälle gemeldet, 2013 waren es 1700. Doch in ärmeren Ländern sind die Masern ob der fehlenden Impfung und schlechteren medizinischen Versorgung ein viel größeres Problem, weltweit gibt es circa 1 Million Tote pro Jahr. Und durch das vermehrte Aufkommen von Flüchtlingen in Deutschland ist die konsequente Impfung gegen Masern umso wichtiger, um Ausbrüche wie in Berlin im Frühjahr 2015 zu vermeiden.

Pathologie Pathophysiologie[Bearbeiten]

Die Viren werden durch die Schleimhäute im Nasenrachenraum aufgenommen und führen nach einer Inkubationszeit von etwa 10 Tagen erst zu grippeartigen Prodromalsymptomen, dann nach nochmals 4-5 Tagen erscheint das Exanthem. Dieses wird durch die körpereigene Immunantwort verursacht, da cytotoxische T-Lymphozyten infizierte Endothelzellen in den Hautgefäßen abtöten und so eine Immunvaskulitis mit Hautrötungen verursachen.

Symptome und Klinik[Bearbeiten]

Tage nach             
Exposition                  10-12                                      14-16
                  Katharr der oberen Luftwege               makulopapulöses, großfleckig
                  Enanthem am hartem Gaumen                 konfluierend Exanthem
                  Kopliksche Flecken/ Kalkspritzer          Beginn an Hals -->Ausbreitung                                     
                  an Wangenschleimhaut                      von kranial nach kaudal
                            Fieber                                     Fieber
Measles enanthema

Diagnostik[Bearbeiten]

Measles in African Child 3

In der Regel Blickdiagnose:

großfleckiges konfluierendes Exanthem

das allerdings auf stärker pigmentierter Haut wegen geringerer Rötung schwer zu sehen ist. Differentialdiagnosen: Röteln|Röteln Zum Nachweis sollte eine Serologie gemacht werden: IgM-Titeranstieg , oder auch direkter Virus-RNA-nachweis aus Blutzellen, Urin, Nasen-Rachensekret. → Labormeldepflicht Bei Verdacht auf Enzephalitis kann eine PCR-Diagnostik aus Biopsat erfolgen, bei der SSPE finden sich hohe intrathekale Antikörper-Titer im Liquor, der direkte Nachweis gelingt in der Regel nicht.

Komplikationen[Bearbeiten]

Gefährdete Patienten sind wiedermal Neugeborene, Säuglinge, Kleinkinder und Menschen mit Mangelernährung, Immundefizienz/-suppression akut: hier handelt es sich meist um bakterielle Superinfektionen, wegen verminderter Resistenzlage,dia auch bei sonst Gesunden vorkommen können:

  • Otitis media, relativ häufig
  • Krupp (Laryngotracheitis → Achtung Erstickungsgefahr)

Eigentlich nur bei gefährdeten Patienten (s.o.)

  • Pneumonie, selten,

Achtung: auch rein viral möglich (sog. Hecht-Riesenzellen) oder als Riesenzellpneumonie bei Immunsupression (schlechte Prognose)

  • Meningitis
  • Enzephalitiden
    • akut post infektiös: Demyelinisierung, tritt 1-2Wochen nach Exanthem in 1:1000 Fällen auf und ist mit 20% Sterblichkeit und 20% bleibenden Schäden (Intellligenzminderung, Konzentrationsstörung, Epilepsie) eine ernstzunehmende und nicht so seltene Komplikation

Im Liquor sind in der Regel keine Erreger nachweisbar.

    • MIBE (Einschlusskörper-Enzephalitis): bei Immunspprimierten da fehlende Kontrolle des Virus (Wochen-Monate nach Infektion). Da hier Virusvermerung stattfindet, sind auch Erreger im Liquor nachweisbar. Verlauf ist letal.
    • SSPE(subakut sklerosierende Panenzephalitis):

seltene Spätfolge der Masern bis zu 10 Jahre nach Infektion, häufiger offenbar bei Kindern, die noch kleiner als 2 Jahre bei Erstinfektion waren. Durch eine Virusmutante hervorgerufene Demyelinisierung der weißen Substanz im ZNS. 1:100000 Erkrankten. Der Verlauf ist subakut, führt aber unweigerlich zum Tod.

Labor[Bearbeiten]

Leukopenie, v.a der Lymphozyten und Eosinopilen), Thrombopenie

Therapie[Bearbeiten]

Es existiert keine antivirale Therapie! symptomatisch: Fieber senken, Flüssigkeitsersatz, etc., evtl Antibiotika bei bakterieller Superinfektions Bis mindestens 5-6 Tagen nach Infektion Aufenthalt in Gemeinschaft verboten, hohe Ansteckungsgefah Es macht Sinn auch noch bis zu 3 Tage nach Kontakt mit einem Masern-Patient eine Impfung bei Betroffenen vorzunehmen, weil dies den Verlauf verbessert. Meldepflicht! Kein Aspirin !! Bei Seronegativen Schwangeren und Immunsupprimierten ist nach Kontakt zu Masern eine passive Immunisierung innerhalb der ersten 6 Tage angezeigt. Bei Immsupprimierten wird außerdem mit Ribavirin versucht den Verlauf abzumildern.

Prophylaxe[Bearbeiten]

Abgeschwächter Lebendimpfstoff. Kinder werden mit 5 oder 6fach Impfstoff gegen Masern geimpft: G1: 11.-14.Monat (1.Lj) G2: 15.Monat bis Ende 2.Lebensjahr Bei unklarem Impfstatus und Indikation sollte im Erwachsenenalter alle nach 1970 geborenen geimpft werden, auch/ vor allem diejenigen mit erhöhtem Risiko für eine Ansteckung. Schema entspricht der KinderImpfung (Mindestabstand zwischen beiden Impfungen 6 Wochen!) Kontraidikation: Schwangere und Immunsupprimierte!!!!! --> Lebend impfstoff,

UAW: leichte Impfmasern 5-14 Tage nach Impfung sind nict so selten, sind aber weder ansteckend noch gefährlich. Fieberkrämpfe und allergische Reaktionen sind möglich, aber sehr selten. Dass Masernimpfungen Autismus verursachen ist nicht wissenschaftlich nachgewiesen, die Wakefield-Studie, die dies angeblich belegte, ist nicht verlässlich und absichtlich verändert worden.

Measles vaccination worldwide

Verlauf und Prognose[Bearbeiten]

Bei Immunkompetenten und nicht zu kleinen Kindern dauert die Erkrankung in der Regel 10 Tage und heilt nach dem Exanthemstadium von alleine aus. Bei sehr kleinen Kindern (jünger als zwei), seronegativen Schwangeren und Immunsupprimierten ist das Risiko für Akut- und Spätkomplikationen deutlich höher, weswegen es umso erstrebenswerter ist, diese Patienten durch den Herdenschutz über Durchimpfung der restlichen Bevölkerung zu schützen.

Fälle[Bearbeiten]

Fragen,Anmerkungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Links[Bearbeiten]

Impfkalender der Stiko: http://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/Aktuelles/Impfkalender.pdf?__blob=publicationFile

Epidemiologie Masern-Infektion: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Impfen/Praevention/elimination_04_01.html