Innere Medizin kk: Nierensteine

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 Nierensteine sind sehr unangenehm, wenn sie im Harnleiter stecken bleiben und einen Aufstau verursachen.

Krankheitsnummer ICD Klassifikation[Bearbeiten]

Nierensteine linke Niere
  • N20Nieren- und Ureterstein
    • Inkl.:Pyelonephritis bei Harnsteinen
    • Exkl.:Mit Hydronephrose (N13.2)
  • N20.0Nierenstein
    • Nephrolithiasis o.n.A.
    • Nierenausgussstein
    • Nierenkonkrement oder -stein
    • Parenchymstein
  • N20.1Ureterstein
    • Harnleiterstein
  • N20.2Nierenstein und Ureterstein gleichzeitig
  • N20.9Harnstein, nicht näher bezeichnet


Harnstau aufgrund einer Abflussbehinderung bzw. Harnrückfluss in Richtung Niere (ICD N13)
z. B. Hydronephrose bei Obstruktion durch Nierenstein

Definition, englische Bezeichnung und Abkürzungen[Bearbeiten]

Einteilungen[Bearbeiten]

Ätiologie Ursachen[Bearbeiten]

Arten von Nierensteinen[Bearbeiten]

Nieren- oder Harnleiterdefekte, Trink- und Ernährungsfehler
  Calciumsteine, meistens Calciumoxalatkristalle (85%)
  Harnsäuresteine, aufgebaut aus Harnsäure (5%)
Infektionen
   Magnesiumammoniumphosphat (Struvit) ( 5 bis 10 % )
   Carbonatapatit
   Ammoniumurat
Genetische Stoffwechseldefekte ( 1 % )
   Cystinsteine 
   Xanthinsreine
   Primäre Oxalatsteine
   2,8 Dihydroxyadenin

Mischsteine[Bearbeiten]

Nur ein Drittel aller Steine sind monokristallin. 2/3 sind Mischsteine aus zwei bis drei Komponenten.

Epidemiologie Statistik Kosten[Bearbeiten]

Pathologie Pathophysiologie[Bearbeiten]

Symptome und Klinik[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

Nierensteine können

  • lange Zeit symptomlos sein
  • heftige Nierenkoliken verursachen
  • zusätzliche Bauschmerzen verursachen
  • blutigen Urin verursachen
  • Anlaß für Harnwegsinfekte bis zur Urosepsis sein
  • eine vorbestehende Niereninsuffizienz verstärken
  • den Ureter perforieren
  • bleiben meist an 3 Stellen hängen
    • Übergang Nierenbecken in den Harnleiter
    • Kreuzung der Iliakalgefässe
    • prävesikal, kurz vor Einmündung des Ureters in die Harnblase

Symptomlosigkeit[Bearbeiten]

 Nierenkolik[Bearbeiten]

 Hämaturie[Bearbeiten]

Diagnostik[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

Nierensteine machen nur Beschwerden, wenn sie zu einem Aufstau führen ( Ureterstein oder Stein am Ausgang des Pyelons)

  • typische , meist sehr schmerzhafte Beschwerden
  • Urinstatus ( Hämaturie ?)
  • Ultraschall der Niere, des Ureters und der Harnblase
  • DünnschichtCT
  • iv -Pyelogramm ( vom CT mittlerweile zunehmend verdrängt )

Steinanalyse[Bearbeiten]

Es gibt nicht sehr viele Labors, die eine Harnsteinanalyse durchführen. Eines davon ist das

siehe auch:

Methoden der Steinanalyse[Bearbeiten]

  • Polarisationsmikroskopie am Körnerpräparat
    • Farbe, Lichtbrechung, Doppelbrechung und Interferenzfarbe werden ausgewertet.
  • Röntgendiffraktion
    • Beugung von Röntgenstraheln am Kristallgitter
  • Infrarotspektroskopie
  • chemische Analyse
    • weitgehend verlassen

Therapie[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

Uretersteine machen sehr starke Schmerzen. Deswegen ist eine effiziente Schmerztherapie wichtig.

  • Novalgin 2,5 gr in 1000 ml Tutofusin in 6 h
  • Buscopan iv
  • Dipidolor sc 1/2 bis 1 Ampulle
  • falls die Schmerztherapie nicht aussreicht 10 mg Diazepam iv oder oral
  • ob das viele Wasser in der Akutbehandlung sinnvoll ist, ist umstritten.
  • Verlegung des Patienten in eine Stein erfahrene Urologische Abteilung.
  • Urin sieben
  • Lithotripsie falls kein Spontanabgang des Steines
    • Lithotripsie von aussen
    • Lithotripsie endoskopisch durch den Harnleiter

Verlauf, Komplikationen und Prognose[Bearbeiten]

Komplikationen[Bearbeiten]

Urosepsis[Bearbeiten]

Die Urosepsis ist eine lebensbedrohliche Komplikation der Nierenkolik und ein urologischer Notfall! Das Vorliegen einer Nierenstauung begünstigt einen Keimübertritt aus dem Harntrakt in die Blutbahn entscheidend. Die Entlastung der gestauten Niere hat bei Infekt- und Sepsiszeichen oberste Priorität. Sie darf nicht mittels ESWL erfolgen und macht zumeist eine perkutane Nephrostomie erforderlich.

Weiterhin ist eine hochdosierte iv Antibiose notwendig.

Prognose[Bearbeiten]

50 - 70 % aller Harnsteinpatienten bekommen Rezidivsteine. Hochrisikosteinbildner sind Patienten mit:

  • Zystinsteinen
  • Brushitsteinen
  • Harnsäuresteinen
  • Struvitsteinen

Fälle[Bearbeiten]

Der unruhige Patient[Bearbeiten]

Ein junger Mann kommt mit extremen Schmerzen in der rechten Flanke zur Ultraschalluntersuchung. Er muss erst mit 10 mg Diazepam iv sediert werden, ehe man ihn untersuchen kann. Im Ultraschall sieht man sehr schön einen prävesikalen Ureterstein im rechten Harnleiter. Der Patient wird mit Novaminsulfon und Buscopan weiter behandelt. Nach kurzer Zeit ist er beschwerdefrei. Bei der Ultraschallkontrolle am nächsten Tag ist der Stein im Ureter nicht mehr nachweisbar. Der Patient bleibt beschwerdefrei und wird nach Hause entlassen.

Der Selbstbehandler[Bearbeiten]

Ein junger Mann kommt mit leichten Schmerzen in der linken Flanke zur Ultraschalluntersuchung. Er berichtet, das er erstmals vor 3 Monaten denselben Schmerz in der linken Flanke, damals aber viel stärker bemerkt habe. Der Schmerz hätte gut auf Ibuprofen angesprochen. Da er keine Zeit hatte zum Arzt zu gehen, habe er auch in den folgenden Tagen die wiederkehrenden Schmerzen mit Ibuprofen behandelt. Nach einer Woche seien die Schmerzen nur noch gering und selten aufgetreten. Er wolle aber jetzt doch einmal wissen, was die Ursache der Schmerzen ist. Im Ultraschall zeigt sich im linken Harnleiter ein Stein kurz vor der Mündung in die Blase. Die linke Niere ist massiv gestaut, die Nierenrinde ist stark verschmälert. Der Patient wird trotz seiner geringen Schmerzen in die Urologie verlegt um den Stein zu entfernen.

Nierenkolik nach Sturz und Aufstau der Niere durch geronnenes Blut[Bearbeiten]

Siehe  Diskussion:Nierenstein#Fehldiagnosen

Geschichte der Krankheit[Bearbeiten]

Experten und Krankenhäuser[Bearbeiten]

Krankenhäuser mit den meisten Diagnosen Nierenstein + Harnstau im Jahr 2012[Bearbeiten]

Behandlungsanlass: N 13 Harnstau aufgrund einer Abflussbehinderung bzw. Harnrückfluss in Richtung Niere  z. B. Hydronephrose bei Obstruktion durch Nierenstein

  • Krankenhaus St. Franziskus, Mönchengladbach 1631
  • Charite - Universitätsmedizin Berlin, Berlin 1142
  • Klinikum Nürnberg, Nürnberg 936
  • Klinikum Dortmund gGmbH, Dortmund 891
  • Heinrich-Braun-Klinikum gemeinnützige GmbH/Standort Zwickau, Zwickau 854
  • Städtisches Klinikum Karlsruhe, Karlsruhe 821
  • St. Elisabeth-Krankenhaus Leipzig, Leipzig 791
  • Asklepios Klinik Barmbek, Hamburg 789
  • Stiftung Katholisches Krankenhaus Marienhospital Herne, Klinikum der Ruhr-Univer, Herne 763
  • Klinikum Augsburg, Augsburg 740

Quelle: Weisse Liste

Experten[Bearbeiten]

Keine Wertung der Reihenfolge oder Qualifikation, Unvollständige Liste !

  • Dr.Gernot Schubert
    • Fachbereich Laboratoriumsmedizin und Toxikologie
    • Labor Berlin Charite Vivantes

Selbsthilfegruppen[Bearbeiten]

Fragen und Anmerkungen[Bearbeiten]

Welches ist das beste Verfahren zur Entfernung eines Nierensteins ?[Bearbeiten]

  • Kriterien zur Beurteilung der Methoden
    • Rate der kompletten Steinfreiheit, 
    • Dauer bis zur Steinfreiheit, 
    • Belastung des Eingriffs (Komplikationsmöglichkeiten, Anästhesieform) und Komorbidität,-
    • Behandlungskosten.

Literatur[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

  • Albrecht Hesse, Dietmar Bach: Harnsteine - Pathobiochemie und klinisch-chemische Diagnostik. aus der Reihe: Klinische Chemie in Einzeldarstellungen. Band 5, Thieme, Stuttgart 1982, ISBN 3-13-488701-0
  • Albrecht Hesse, Jörg Joost: Ratgeber für Harnsteinpatienten. Hippokrates, Stuttgart 1985/1992, ISBN 3-89373-181-4
  • Albrecht Hesse, Andrea Jahnen, Klaus Klocke: Nachsorge bei Harnstein-Patienten. Ein Leitfaden für die ärztliche Praxis. Urban&Fischer, 2002, ISBN 3-334-60832-8

Zeitschriftenartikel[Bearbeiten]

Steinanalyse[Bearbeiten]

  • Stone analysis.
    • Schubert G.
      • Urol Res. 2006 Apr;34(2):146-50. Epub 2006 Feb 14. Review.
        • PMID: 16477427
  • Results of the evaluation of 85,337 urinary st*one analyses
    • Bastian PJ, Lörken M, Euler H, Lümmen G, Bastian HP.
      • Aktuelle Urol. 2008 Jul;39(4):298-304. doi: 10.1055/s-2007-993039. German.
        • PMID: 18663672
  • Urolithiasis through the ages: data on more than 200,000 urinary stone analyses.
    • Knoll T, Schubert AB, Fahlenkamp D, Leusmann DB, Wendt-Nordahl G, Schubert G.
      • J Urol. 2011 Apr;185(4):1304-11. doi: 10.1016/j.juro.2010.11.073. Epub 2011 Feb 22.
        • PMID: 21334658

Links[Bearbeiten]

 Commons: Nierensteine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien