Innere Medizin kk: TBC

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Kavernöse Lungentuberkulose linker Oberlappen

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste[Bearbeiten]

  • Die  Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit die durch Bakterien ausgelöst und im menschlichen Körper vor allem die Lunge befällt.
  • Seltener sind andere Organe wie der Knochen, die Hirnhäute, der Urogenitaltrakt oder der Darm betroffen.
  • Die Krankheit tritt vorwiegend bei immungeschwächten Menschen und kleinen Kindern auf.
  • schon der Verdachtsfall ist meldepflichtig
  • Tuberkulosekranke müssen isoliert werden.

Titel Krankheitsnummer ( ICD )[Bearbeiten]

A15 Tuberkulose der Atmungsorgane, bakteriologisch oder histologisch gesichert
A16 Tuberkulose der Atmungsorgane, weder bakteriologisch noch histologisch gesichert
A17 Tuberkulose des Nervensystems
A18 Tuberkulose sonstiger Organe
A19 Miliartuberkulose
Mycobacterium tuberculosis in der Ziehl-Neelsen-Färbung (säurefeste Stäbchen)
elektronenmikroskopische Aufnahme der Tuberkelbakterien

Definition engl Bezeichnung + Abkürzungen[Bearbeiten]

Abkürzungen[Bearbeiten]

  • TB Tuberkulose
  • TBC Tuberkulose
  • LTBI latente Tuberkulose Infektion
  • THT Tuberkulin Hauttest
  • BCG Lebendimpfstamm mit reduzierter Virulität
  • MOTT (engl.: mycobacteria other than tuberculosis) atypische Mycobacterien
  • MDR-Tuberkulose multiresistente Tuberkulose
    • resistent gegen INH und Rifampin
  • XDR-Tuberkulose
    • resistent gegen INH, Rifampin, Ofloxacin, Kanamycin

Einteilungen[Bearbeiten]

Ätiologie Ursachen Übertragungswege[Bearbeiten]

Übertragungswege[Bearbeiten]

  • Tröpfencheninfektion
  • verseuchte Nahrungsmittel wie zb Milch
  • sehr selten durch kontaminierte Gegenstände,
    • Skalpelle, Lanzetten, Nadeln, Bronchoskope

Epidemiologie Statistik Kosten[Bearbeiten]

Die Tuberkulose ist in Deutschland selten geworden. Die Neuerkrankungen bei Kinden und Jugendliche sind in den letzten Jahren leichtgradig angestiegen.

Deutschland[Bearbeiten]

Tuberkulose-Fälle in Deutschland Neuerkrankungszahlen

Jahr                  Gemeldete Neuerkrankungen        Fälle bei Kindern < 15 Jahre
---------------------------------------------------------------------------------------
1970                  48262 (nur BRD)
1980                  27845 (nur BRD)
1993                  14161
1996                  11814
2000                   9064
2006                   5402
2007                   5020
2008                   4543                            124
2009                   4444                            142
2010                                                   158
2011                   4299
2012                   4268
Rückgang der TBC in der DDR

Weltweit[Bearbeiten]

Nach dem Tuberkulose-Bericht der Weltgesundheitsorganisation betrug 2012 die geschätzte Zahl der Neuerkrankungen 9 Millionen weltweit. Jedes Jahr sterben rund 1,5 Millionen Menschen an der TBC, vor allem in Entwicklungsländern.

Afrika[Bearbeiten]

Häufig ist die Tbc in Afrika vor allem südlich der Sahara. Dort tritt sie häufig gepaart mit HIV auf. Bis zu 30 Prozent der Tuberkulosepatienten sind gleichzeitig mit HIV infiziert.


Zitate[Bearbeiten]

Kinder sind wichtige Indikatoren für die künftige Entwicklung der Tuberkulose. Während 90 Prozent der Erwachsenen, die sich mit dem Erreger angesteckt haben, niemals erkranken, entwickeln bis zu 40 Prozent der angesteckten Kinder eine Tuberkulose. Insbesondere für Kleinkinder ist das Erkrankungsrisiko hoch. Und: Kinder erkranken früher, meist binnen eines Jahres nach Ansteckung. Bei Erwachsenen kann das Jahrzehnte dauern. W.Haas RKI


Links[Bearbeiten]

Pathologie Pathophysiologie[Bearbeiten]

Wie Motten die Wolle durchlöchern, so zerstören die Tuberkulose-Erreger die Lunge

Tuberkulose-Erreger breiten sich durch Tröpfcheninfektion aus. Sie dringen fast immer über die Atemwege oder Lunge in den Körper ein. Je nach Abwehrlage kann es zu folgenden Reaktionen kommen:

  • keine Infektion
  • unbemerkte Infektion und Abkapselung
  • akute Lungenentzündung
  • chronische Lungenerkrankung
  • Verschleppung in andere Organe
  • fulminanter Verlauf mit Tod des Betroffenen beispielsweise bei schwerer Immunschwäche.

Organtuberkulose[Bearbeiten]

Eine Organtuberkulose wird meist durch Streuung der Erreger über die Blutbahn bei einer vorher bereits bestehendem Lungentuberkulose ausgelöst. Häufiger betroffene Organe :

  • Tuberkulöse Hirnhautentzündung
  • Lymphknotentuberkulose
  • Urogenitaltuberkulose
  • Darmtuberkulose
  • Knochen- und Gelenktuberkulose
  • Kehlkopftuberkulose
  • Hauttuberkulose

Symptome und Klinik[Bearbeiten]

  • Wer länger als drei Wochen Husten hat, sollte untersuchen lassen, ob eine Tuberkulose dahinter steckt.

Weitere Symptome

  • eine Lungenentzündung, die nicht auf Medikamente anspricht
  • Fieber, dessen Ursache unklar ist
  • Husten, der über Wochen anhält
  • unerklärliche Heiserkeit

Anamnesefragen

  • war der Betroffene früher einmal an Tuberkulose erkrankt ?
  • Hatte er früher oder in letzter Zeit Kontakt zu Tuberkulosekranken ?
  • ging ein Aufenthalte in Ländern mit hohen Tuberkulose-Infektionszahlen voraus ?

Meldepflicht[Bearbeiten]

Tuberkulose-Fälle müssen innerhalb von 24 Stunden namentlich gemeldet werden Das  Infektionsschutzgesetz (IfSG) schreibt vor, dass Tuberkulose namentlich spätestens innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden muss. Meldepflichtig sind

  • Erkrankung und Tod eines behandlungsbedürftigen Tuberkulose-Patienten, auch wenn kein Erregernachweis vorliegt
  • der diagnostische Nachweis von Tuberkulose-Bakterien in untersuchten Materialien
  • der Nachweis von säurefesten Stäbchen im Sputum
  • jeder Therapieabbruch beziehungsweise jede Therapieverweigerung
  • das Ergebnis der Resistenzbestimmung und die Nicht-Bestätigung der klinischen Diagnose.

An wen muß gemeldet werden ?

  • Zuständiges Gesundheitsamt

Gibt es einen Vordruck oder ein Internetportal über welche gemeldet werden kann ?

Diagnostik[Bearbeiten]

Aktive TBC Übersicht[Bearbeiten]

  • Anamnese,
  • Röntgen und CT der Lunge
  • Blut Schnell Test Elispot
  • Magensaft und Sputum-Mikroskopie,
  • Tuberkulinhauttest
  • Kultur,
  • Nukleinsäureamplifikation (NAT),
  • Biopsien

Zitat: Die Diagnose kann über eine Röntgenuntersuchung und den Nachweis des Erregers im abgehusteten Schleim – bei Kindern unter zehn Jahren im Magensaft – heute meist rasch gestellt werden. Walter Haas vom Robert Koch-Institut (RKI)

Frage[Bearbeiten]

  • Wer macht noch Ziehl-Neelsen-Färbungen ?

In vielen Krankenhäusern gibt es keine Möglichkeit mehr, eine Ziehl Neelsen Färbung des Bronchialsekretes oder des Magensaftes zu bekommen.

  • Was kann man stattdessen machen, um eine TBC auszuschliessen?
  • Kann man Bronchialsekret oder Magensaft verschicken?
  • Wenn ja wohin?


Ausschlußdiagnostik[Bearbeiten]

  • Tuberkulinhauttest (THT) , veraltet

Interferon-Gamma-Release Assays (IGRAs)[Bearbeiten]

    • (QuantiFERON-TB Gold In-Tube [ELISA])
    • T-SPOT.TB [ELISPOT]
Testverfahren                                    Sensitivität              Spezifität
--------------------------------------------------------------------------------------------
QuantiFERON-TB Gold In-Tube                      81-84%,                   99% 
T-SPOT.TB                                        88-89%,                   86%
Tuberkulin-Hautreaktion                          70%

Was bedeutet ein positiver Elispot Test ? Es gibt verschiedene Erklärungen für einen positiven Test

  • Der Patient hat eine BCG Impfung hinter sich
  • Der Patient hat einmal eine Tbc durchgemacht,
    • dies kann auch ohne Krankheitszeichen abgelaufen sein.
  • Der Patient hat eine aktive TBC

Welche Konsequenzen zieht man aus einem positiven Test ?

  • Man findet heraus ob eine aktive TB vorliegt oder nicht
  • zb durch eine RöntgenThorax aufnahme , durch klinische Untersuchung des Patienten etc

THT Tuberkulin Hauttest Mendel Mantoux[Bearbeiten]

Siehe http://www.tuberkulose-ratgeber.de/diagnose/tuberkulin-hauttest Nur noch wenig angewendet, kann sein:

  • Falsch positiv
    • nach Tuberkulose-Schutzimpfung (BCG-Impfung)
    • nicht 100%ig spezifisch
      • auch ein positiv bei einer Infektion mit atypischen Mykobakterien, MOTT (engl.: mycobacteria other than tuberculosis)
  • Falsch negativ
    • bei einer frischen Erstinfektion
      • der Test wird erst nach ca 6 Wochen nach Infektion positiv
    • bei immungeschwächten Menschen (zB HIV )
    • bei kleinen Kindern und alten Menschen

Therapie[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

Sirturo mit dem Wirkstoff  Bedaquilin[Bearbeiten]

In USA wurde 2012 ein neues Medikament zur Behandlung der Tuberkulose zugelassen.

Zitate[Bearbeiten]

Dr. Manica Balasegaram, Ärzte ohne Grenzen Das erste neue Medikament zur Behandlung von Tuberkulose seit 50 Jahren ist ein wahrer Meilenstein Insbesondere für die Behandlung resistenter Tuberkulose kann dies einen wahren Quantensprung bedeuten.

Schon jetzt gibt es in rund 13 Prozent der Fälle Resistenzen gegen mindestens ein Antibiotikum, das dann nicht mehr wirkt. Knapp zwei Prozent der Erreger sind bereits multiresistent, sind unempfindlich gegen die zwei wichtigsten Tuberkulosemedikamente. W.Haas RKI

Impfung[Bearbeiten]

BCG Impfung veraltet[Bearbeiten]

Die früher häufig angewandte BCG Impfung ist wegen unzureichender Wirkung und erheblicher Nebenwirkungen nicht mehr im Gebrauch Siehe  Bacillus Calmette-Guérin

Neue Impfungen[Bearbeiten]

  • siehe http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,784337,00.html
    • William Jacobs vom Albert Einstein College of Medicine in New York
      • http://www.nature.com/nm/journal/v17/n10/full/nm.2420.html
        • A recombinant Mycobacterium smegmatis induces potent bactericidal immunity against Mycobacterium tuberculosis
        • Kari A Sweeney, Dee N Dao, Michael F Goldberg, Tsungda Hsu, Manjunatha M Venkataswamy, Marcela Henao-Tamayo, Diane Ordway, Rani S Sellers, Paras Jain, Bing Chen, Mei Chen, John Kim, Regy Lukose, John Chan, Ian M Orme, Steven A Porcelli & William R Jacobs Jr
          • Nature Medicine 17, 1261–1268 (2011) doi:10.1038/nm.2420

Verlauf und Prognose[Bearbeiten]

Bei einer frühzeitigen Erkennung und konsequenten fachgerechten Behandlung liegen die Heilungschancen bei sonst gesunden Menschen mit 90 % sehr gut.

Fälle[Bearbeiten]

Tbc als Berufskrankheit einer Ärztin in der Notaufnahme[Bearbeiten]

TB im Kindergarten[Bearbeiten]

TB bei einer Mitarbeiterin in einer Kinderarztpraxis[Bearbeiten]

6 Monate mit einer TBC in der Kinderkrippe gearbeitet[Bearbeiten]

Mehrere Fälle mit TBC an einer Privatschule in Dresden[Bearbeiten]

  • 2017
  • ein Lehrer und mehrere Schüler an offener TBC erkrankt
  • Schule wurde vorübergehend geschlossen

siehe http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/dresdner-schueler-muessen-zum-tuberkulose-test-a-1182483.html

Fall Hubert Husten[Bearbeiten]

Wir berichten über Herrn Hubert Husten , geb. 1950, gestorben 2011.

Diagnosen:[Bearbeiten]

  • Offene Lungentuberkulose
    • aktivierte alte Lungentuberkulose im rechten LungenOber- und Mittellappen
    • mit Nachweis von Mycobacterium tuberculosis
  • Pleuraerguß rechts,
    • Anlage einer Pleuradrainage
  • Bakteriämie durch Staphylococcus aureus
  • Schwere Kachexie
  • Schwere, rasch progrediente Niereninsuffizienz, dialysepflichtig
  • Dringender Verdacht auf systemische Sklerose
    • mit renaler Krise
    • und schwerer gastrointestinaler Beteiligung
    • (Hochpositiver Titer im ANA-Screening [Titer 1:10240])
    • Zustand nach Implantation eines Demerskatheters und
      • Explantation am 21.11.2010 wegen Infektion (im Klinikum Bamberg Staph. aureus nachgewiesen)
    • Zustand nach Implantation eines Vorhofkatheters links via Vena jugularis externa (25.11.2010)
  • Ulcus duodeni, Zustand nach Ulcusblutung (12/2010)
  • Ulzeröse Refluxoesophagitis
  • Dekompensierte Rechts- und Linksherzinsuffizienz bei
    • stark reduzierter linksventrikulärer Pumpfunktion (EF ca. 30%)
    • Mittelgradiger pulmonal-arterieller Hypertonie
    • Trikuspidalklappeninsuffizienz Grad 3
    • Mitralklappeninsuffizienz Grad 1-2
  • COPD (Schweregrad II nach GOLD), Lungenemphysem und Lungenfibrose
  • Ausschluss einer stenosierenden KHK (11/2010)
  • Allgemeine Gefäßsklerose
  • Kardiovaskulärer Risikofaktoren:
    • bis 11/2010 anhaltender Nikotinabusus (ca. 80 „pack-years“)
  • Leberschaden, V.a. Leberzirrhose mit Blutgerinnungsstörung
  • Normochrome Anämie,
      • vermutlich Mischbild aus Hämolyse, renaler und infektiös-toxischer Genese
  • Hyponatriämie
  • Wechselweise Hyper- und Hypokaliämie
  • Struma nodosa
  • Prostatahyperplasie

Anamnese[Bearbeiten]

Herr Husten wurde dieses Mal aus dem Dialysezentrum wegen zunehmender Luftnot bei rezidivierenden Pleuraergüssen und Verdacht auf Rezidiv eines atypischen hämolytisch-urämischen Syndroms eingewiesen. Anamnestische Angabe von Fieber im Pflegeheim.

Körperlicher Befund[Bearbeiten]

61-jähriger, schwer kachektischer männlicher Patient, Temperatur 37,8°C. Wach, orientiert, reagiert adäquat. Über der Lunge abgeschwächte Atemgeräusche basal bds. Herzaktion rhythmisch, HF=130/min. Herztöne leise auskultierbar. Abdomen: weich, regelrechte Darmgeräusche, kein Druckschmerz, keine Abwehrspannung, keine Resistenzen tastbar, Nierenlager beidseits klopfschmerzfrei. Keine peripheren Ödeme.

Röntgen Thorax sitzend pa vom 28.01.:[Bearbeiten]

Zwerchfelle glatt begrenzt, rechts um 21/2 Wirbelkörperhöhe höherstehend. Z. bei Rechtsverprojizierung. Chronischer Unter- und Oberlappenbronchitis möglicherweise mit bronchopneumonischen Infiltrat bei Hochstand des Interlobärspaltes. Z. bei ausgeprägtem Lungenemphysem sowie von links subclavicular eingeführtem Sheldon-Katheter mit Spitze im rechten Vorhof. Im Vergleich zu einer Voraufnahme vom November 2010 Zunahme der chronischen Bronchitis mit jetzt neu aufgetretenem Zwerchfellhochstand rechts sowie Hochstand des rechten queren Interlobärspaltes möglicherweise bei Oberlappeninfiltrat.

Röntgen Thorax sitzend pa vom 31.01.:[Bearbeiten]

Pneumothorax rechts bis 2,8cm Breite. Z. bei queren Interlobärspaltes sowie V. a. Raumforderung des rechten Oberlappenbronchus. Bronchitis perihilär sowie der Unterlappen, ausgeprägtes Lungenemphysem. Z. bei Sheldon-Katheter mit Spitze im rechten Vorhof. Beurteilung: Seropneu rechts, Z. n. PE bei zentraler Oberlappenbronchus Raumforderung rechts. Unterlappenbronchitis bds., rechtsbetont. Ausgeprägtes Lungenemphysem.

Sonographie Pleura am 31.01.[Bearbeiten]

Größerer Pleuraerguß in der rechten Pleurahöhle mit Luftanteilen Unter sonografischer Kontrolle werden ca 800 ml Flüssigkeit und 1 Liter Luft abgesaugt. Flüssigkeit wird zur Zytologie eingeschickt und zur TBC Diagnostik abgenommen.

Röntgen Thorax sitzend pa vom 01.02.[Bearbeiten]

Pneumothorax rechts, progredient im Vergleich zum Vorbefund vom 31.01.11 mit jetzt 4,1cm lateraler Distanz im Vergleich zum Vortage von 1cm.

Röntgen Thorax sitzend pa vom 03.02.[Bearbeiten]

Unverändert zur Voruntersuchung vom 1. Februar 2011 rechtsseitig Sero- Pneumothorax. Die Lunge ist fast vollständig kollabiert. Linke Seite unauffällig.

Sonographie Pleura am 04.02.[Bearbeiten]

Unter sonografischer Sicht knapp oberhalb des geringen Pleuraergusses Pleuradrainage gelegt, Saugung angeschlossen.

Röntgen Thorax auf Station vom 05.02.[Bearbeiten]

Bei Z.n. Pleurapunktion rechts kein Pneumothoraxnachweis. Lediglich Randwinkelerguss nach dorsal und lateral ausladend. Sonst unverändert.

Röntgen Thorax im Liegen auf Station vom 11.02. / 15.00 Uhr:[Bearbeiten]

Zustand bei Spontanpneumothorax rechts, Zustand nach erneutem Abklemmen der Saugdrainage. Erneut zunehmender Pneumothorax rechts im Vergleich zur Voraufnahme vom 09.02. Zustand bei Raumforderung rechts parahilär, pulmonalvenöse Stauung, klinisch nachgewiesene, offene TB. Unterlappenbronchitis bds. Kein Hinweis weiterer produktiver Herde.

Wesentliche Laborbefunde::[Bearbeiten]

CRP 7,82 – 2,61 mg/dl. Leukoz. 19.300 – 5.200 – 12.200/mm³. Hämoglobin 10,3 g/dl. LDH 312 – 215 U/L. Kreatinin 2,3 – 5,3 – 3,4 mg/dl. Natrium 136 – 116, Kalium 5,1 – 5,7 – 2,7 mval/L. HIV-Antikörper negativ. Hepatitis B- und Hepatitis C- Antikörper negativ. - Weiteres sieh Kumulativbefund.

Bakteriologie:[Bearbeiten]

In der Blutkultur Staphylococcus aureus. Im Sputum Nachweis von Mycobacterium tuberculosis.

Zusammenfassung und Verlauf:[Bearbeiten]

Herr Husten war erstmals am 03.11.2010 aus der Lungenfachklinik wegen Verdacht auf Herzinfarkt zu uns verlegt worden. In der Lungenklinik war bei umfangreicher Diagnostik eine reaktivierte Lungentuberkulose weitgehend ausgeschlossen worden. Der Herzinfarkt bestätigte sich damals nicht. Wegen eines rasch progredienten Nierenversagens war Herr H. am 15.11.2010 in die nephrologische Abteilung verlegt worden. Von dort war er auf eigenen Wunsch am 25.11.2010 wieder zu uns verlegt worden, wo eine obere gastrointestinale Blutung bei Ulcus duodeni festgestellt wurde.

Die letzte stationäre Aufnahme am 28.01.2011 erfolgte wegen zunehmender Luftnot bei rezidivierenden Pleuraergüssen und Verdacht auf Rezidiv eines atypischen hämolytisch-urämischen Syndroms. Die Luftnot war durch eine progrediente reaktivierte Lungentuberkulose mit Ausbildung von Kavernen und eines größeren Pleuraergusses rechts (kleiner auch links) ausgelöst. Am 04.02. wurde eine Pleuradrainage eingebracht. Zytologisch war das Punktat nicht malignitätsverdächtig, zeigte jedoch eine lymphozytäre Entzündungsreaktion. Herr H. wurde bei uns auf der Intensivstation isoliert, die Hämodialysebehandlung weitergeführt. Nach Kenntniserhalt des Nachweises von Mycobacterium tuberculosis im Trachealsekret bzw. Sputum begannen wir eine tuberkulostatische 4-fach-Therapie mit Isoniazid, Ethambutol, Rifampicin und Pyrazinamid. Der weitere Verfall des Patienten war jedoch nicht mehr aufzuhalten.

Das Gesundheitsamt ordnete eine Obduktion an. Hier wurde die offene Lungentuberkulose bestätigt.

--> Todesursache war ein Rechtsherzversagen

Obduktionsbericht:[Bearbeiten]

Bei der Obduktion fand sich im rechten Ober- und Mittellappen eine im Durchmesser mindestens 10cm umfassende morsche nekrotische zerfallene kavernöse Höhle. Wir haben daher aus dieser Region Abstriche entnommen und frisches Lungengewebe an ein Speziallabor weitergeleitet. Von dort erhielten wir den ersten mikrobiologischen Befundbericht: im Lungengewebe sind mikroskopisch im Auraminpräparat säurefeste Stäbchen nachgewiesen worden (5-50 säurefeste Stäbchen je 10 Blickfelder). Somit hat sich also der bereits erhobene Befund , der beim Patienten bei einer Sputumprobe gewonnen worden war, bestätigt.

Mikrobiol. Befundbericht:

Untersuchunsmaterial: Gewebe (Lungensegment) Mikroskopisch: Auraminpräparat: ++, säurefeste Stäbchen nachgewiesen. ++= 5-50 säurefeste Stäbchen je 10 Blickfelder

Mykobakterien-Nachweis (*): flüssige und feste Kulturen wurden angelegt. Eine weitere Mittteilung erfolgt nach Abschluss einer 8-wöchigen Beobachtungszeit. Positive Ergebnisse werden sofort übermittelt.

Geschichte der Krankheit[Bearbeiten]

In einem Schädel eines Homo erectus, der in der Türkei gefunden wurde, finden sich Hinweise für eine abgelaufene Meningitis tuberkulosa. Der Schädel ist etwa eine halbe Million Jahre alt und wurde von den Paläopathologen Prof. Michael Schultz und John Kappelmann untersucht. Rein morphologisch gesehen, ist es wahrscheinlich, dass es sich bei den "Grübchen" und Einkerbungen an der Innenseite des Vorderschädels um Überreste einer durch Tuberkulose ausgelösten Hirnhautentzündung handelt.

Siehe  Tuberkulose#Geschichte

  • 460 v. Chr. Hippokrates beschreibt die TBC als Phthisis (griech. φθίσις = Schwund) in vielen eindrucksvollen Krankheitsbeschreibungen.
    • als Therapie empfiehlt er Gut essen, wenig körperliche Arbeit, keine Frauen
  • 1720 Benjamin Martens schreibt A New Theory of Consumptions und vermutet eine Infektion durch Mikroorganismen als Ursache der Erkrankung.
  • 1727 Johann Jakob Wepfer beschreibt als erster die Entstehung der Lungencavernen (hanc calamitatem) aus Tuberkeln (tubercula).
  • 1819 Laënnec beschreibt den Zusammenhang zwischen Tuberkeln mit Miliarknötchen und Kavernen. Er beschreibt den Befall anderer Organe
  • 1839 Johann Lukas Schönlein schafft den einheitlichen Krankheitsbegriff „Tuberkulose“
  • 1882 Robert Koch beschreibt als Erster den Erreger der TBC das Mycobacterium tuberculosis.
  • 1890 Robert Koch entwickelt Tuberkulin.
  • 1908 Clemens von Pirquet und 1910 Felix Mendel und Charles Mantoux entwickeln einen Hauttest.
  • Pasteurisierung der Milch
  • 1906 bis 1921 Albert Calmette und Camille Guérin entwickeln den BCG-Impfstoff
  • Röntgen entwickelt die Röntgentechnik, was die Untersuchung der Lunge stark vereinfacht.
  • 1946 Entwicklung des Antibiotikums Streptomycin
  • 1946 Paraaminosalicylsäure PAS wird entwickelt
  • 1952 Isoniazid als weiteres Tuberkulosemedikament wird entwickelt.
  • 1952 Konzept der Kombinationstherapie wird entwickelt
  • Ethambutol wird entwickelt
  • Rifampicin wird entwickelt
  • AIDS als Wegbereiter der TBC
  • Gamma Interferon Test
  • 2012 Bedaquilin von der FDA zugelassen

Literatur[Bearbeiten]

  • Tuberkulose. Geschichte einer Krankheit
    • Jürgen Voigt
  • Tuberkulose: Webster's Timeline History, 1839 - 2007
    • Icon Group International

Links[Bearbeiten]

Experten + Krankenhaeuser[Bearbeiten]

Krankenhäuser mit den meisten Gesicherten Lungen TBC Fällen in D 2013[Bearbeiten]

  • Asklepios Fachkliniken München-Gauting, Gauting
    • 101 Fälle
  • HELIOS Klinikum Emil von Behring GmbH, Berlin
    • 93
  • Medizinische Klinik Borstel, Borstel
    • 73
  • Charite - Universitätsmedizin Berlin, Berlin
    • 59
  • Fachkliniken Wangen, Wangen
    • 58
  • Rangauklinik Ansbach GmbH, Ansbach
    • 57
  • Bezirkskrankenhaus Parsberg, Parsberg
    • 57
  • Karl-Hansen-Klinik GmbH, Bad Lippspringe
    • 52
  • Klinik Schillerhöhe, Gerlingen
    • 48
  • Kliniken der Stadt Köln gGmbH - Krankenhaus Merheim, Köln
    • 47

Krankenhäuser mit den meisten Lungen TBC Verdachtsfällen in Deutschland im Jahr 2013[Bearbeiten]

  • Rangauklinik Ansbach GmbH, Ansbach
    • 100 Fälle
  • HELIOS Klinikum Emil von Behring GmbH, Berlin
    • 70
  • Asklepios Fachkliniken München-Gauting, Gauting
    • 35
  • Fachkliniken Wangen, Wangen
    • 34
  • Klinik Löwenstein gGmbH, Löwenstein
    • 18
  • Kliniken Essen-Mitte Knappschaftskrankenhaus GmbH 02, Essen
    • 17
  • Medizinische Klinik Borstel, Borstel
    • 16
  • Zentralklinik Bad Berka GmbH, Bad Berka
    • 15
  • Universitätsklinikum Frankfurt, Frankfurt am Main
    • 14
  • Karl-Hansen-Klinik GmbH, Bad Lippspringe
    • 14

Nationales Referenzzentrum für Mykobakterien[Bearbeiten]

Fachklinik für Lungen- und Bronchialheilkunde am Bezirkskrankenhaus Parsberg in der Oberpfalz[Bearbeiten]

  • Einzige Klinik im gesamten Bundesgebiet in der zwangseingewiesene TBC Patienten behandelt werden können.
Wir sind kein Gefängnis hier. Wir sind ein Krankenhaus! 

Santiago Ewig, Prof. Dr. med.,[Bearbeiten]

geb. 1959; Studium der Medizin in Bonn, Facharztweiterbildung in Bonn, Heidelberg und Barcelona, Arzt für Innere Medizin, spezialisiert auf Pneumologie einschließlich der Gebiete der Umweltmedizin und Allergologie, Intensivmedizin und Infektiologie, apl. Professor an der Universität Bonn; Chefarzt der Augusta-Krankenanstalt Bochum und des Evangelischen Krankenhauses Herne; Mitglied mehrerer deutscher und ausländischer medizinischer Fachgesellschafen, zahlreiche Veröffentlichungen in seinen Fachgebieten und zu Fragen der medizinischen Ethik.

Herr PD Dr. Walter Haas[Bearbeiten]

  • Abteilung für Infektionsepidemiologie
  • Robert Koch-Institut
  • DGZ-Ring 1, 13086 Berlin
  • E-Mail: HaasW@rki.de

Prof. Torsten Bauer[Bearbeiten]

  • Prof. Torsten Bauer,
    • Chefarzt am Helios-Klinikum Emil von Behring,

Selbsthilfegruppen[Bearbeiten]

Fragen,Anmerkungen[Bearbeiten]

Was ist die rechtliche Grundlage der Zwangseinweisung von TBC Kranken ?[Bearbeiten]

Paragraf 30 des deutschen Infektionsschutzgesetzes:  Quarantäne

Warum befällt die Tuberkulose mehr die Oberfelder der Lunge? Was zieht die TBC Erreger nach oben?[Bearbeiten]

Wer macht noch  Ziehl-Neelsen-Färbungen ?[Bearbeiten]

In vielen Krankenhäusern gibt es keine Möglichkeit mehr, eine Ziehl Neelsen Färbung des Bronchialsekretes oder des Magensaftes zu bekommen.

  • Was kann man stattdessen machen, um eine TBC auszuschliessen?
  • Kann man Bronchialsekret oder Magensaft verschicken? Wenn ja wohin?

Mit was spült man ?[Bearbeiten]

Welche Flüssigkeit nimmt man zum Spülen eines Präparates nach einer Ziehl Neelsen Färbung ?

  • destilliertes Wasser?
  • Leitungswasser?

Was ist bei einer Sektion mit V.a. Lungentuberkulose zu beachten ?[Bearbeiten]

Wieso befällt die Tuberkulose vor allem die Oberlappen der Lunge ?[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Links[Bearbeiten]