Kinderzirkus

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Dieses Buch steht im Regal Pädagogik.

Kinderzirkus als pädagogische Arbeit hat sich in Deutschland in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts etabliert. Es existieren inzwischen eine Vielzahl von Kinderzirkus-Angeboten, die in einer Plattform zusammengefasst sind. Pädagoginnen und Pädagogen stellten sich hierzu einige grundlegende theoretische Fragen:

Warum Zirkusarbeit mit Kindern?[Bearbeiten]

Jedes Kind geht irgendwann einmal in den Zirkus, den kleinen Familienwanderzirkus oder auch in eines der ganz großen Zirkusunternehmen. Zirkus begeistert, fasziniert, ist ein - wohl für die meisten Menschen - unvergessliches und himmlisches Vergnügen und Erlebnis.

Jeder erinnert sich bestimmt an einen Zirkusbesuch: Schon beim Betreten des Zeltes befindet man sich bereits in einer anderen Welt. Der Duft nach Heu und Sägemehl, die beeindruckende Höhe der Zirkuskuppel, die im Glanz der Scheinwerfer erstrahlende Manege, exotische und lustige Tiernummern, kleine und große Artisten lassen jedes Kinderherz höherschlagen. Kinder lieben den Zirkus wegen seiner geheimnisvollen Atmosphäre, aber auch, weil er ihnen das Gefühl von Freiheit und Losgelöstheit vom Alltag vermittelt. Welches Kind hat nicht einmal davon geträumt, Zirkusartist zu werden und mit dem Zirkus um die ganze Welt zu reisen?

Zirkusarbeit mit Kindern setzt an Träumen, Wünschen und Sehnsüchten an, einmal aus der Alltagswelt auszubrechen und in eine vollkommen andere Welt einzutauchen. Überall auf der Welt lieben Kinder den Zirkus - in China und Ägypten, in Mexiko, Russland und auf Kuba.

Zirkus ist Teil unserer Kulturgeschichte und ein elementarer Bereich der Alltagskultur.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass es für Kinder kaum ein faszinierenderes Genre als den Zirkus gibt, hat die Kinderzirkusarbeit schon früh einen wichtigen Platz in der Pädagogik eingenommen. In den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts ist die Kinderzirkusarbeit als Angebotsform im Rahmen der Kulturarbeit konzeptionell verankert worden und inzwischen aus der pädagogischen Arbeit mit Kindern nicht mehr wegzudenken.

Bedeutung der Zirkusarbeit in der pädagogischen Arbeit mit Kindern[Bearbeiten]

Ausgehend von der Erkenntnis, dass Zirkuskunst Teil unserer Alltagskultur ist und damit unserer Kulturgeschichte, bieten sich uns als Pädagogen dadurch nahezu unerschöpfliche, unbegrenzte Möglichkeiten, Kindern dieses nahezubringen.

Phantasieren und Experimentieren, Ausprobieren und Einstudieren, Spiel und Spaß, Konzentration und Anstrengung, all dies ist gefordert im Szenarium Zirkus. Kinder lieben den Zirkus, sind daher offen mit ihrer ganzen Persönlichkeit und all ihren Sinnen, sich an diesem Abenteuer zu beteiligen.

Zirkusarbeit stellt an die Pädagogen die Anforderung, Träume von Kindern lebendig werden zu lassen und ihnen zu vermitteln, dass sie als Individuen Teil des gesellschaftlich kulturellen Geschehens sind, also aktiv und gestaltend diese Prozesse initiieren und auch verändern können.

Kinderzirkusarbeit setzt der medial und digital gesteuerten Gesellschaft künstlerische und kulturelle Gestaltungsvielfalt entgegen und bietet eine Inhaltsdichte und Projektfülle, die in ihrer Weiterentwicklung unendlich ist.

Konzeption eines Kinderzirkusprojekts am Beispiel von LILALU[Bearbeiten]

Kinderzirkusarbeit ist kulturpädagogische Arbeit mit Kindern - Präambel[Bearbeiten]

Kulturelle Bildung (vgl. KJHG § 11 Abs. 3) stellt im Entwicklungs- und Lernprozess von Kindern ein wichtiges Aneignungs- und Erziehungsfeld dar. Die kulturpädagogische Arbeit mit Kindern will a priori eine Fülle von Möglichkeiten schaffen, Kindern „kulturelle Bildung“ anzubieten und nahezubringen, die unter dem Aspekt des Spielens, der Freude am Kennenlernen, der Neugierde des Anfassens und des Ausprobierens und Gestaltens in spielerischen und zwanglosen Freiräumen passieren und ablaufen kann.

Aus verschiedenen Zielsetzungen heraus sind folgende Lernziele konzeptionell zu verankern:

  • Entwicklung von Kreativität
  • Künstlerische Erziehung und Kulturerfahrung
  • Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung
  • Förderung von sozialem Lernen

Kinder sollen lernen, Kreativität zu entwickeln und auch wiederzuentdecken, indem sie mit künstlerischen Gestaltungstechniken lernen, schöpferisch umzugehen. Sie sollen Erfahrungen sammeln im Erkennen und Bestimmen von Lebenswirklichkeiten, im Umgang mit Material und den verschiedensten Ausdrucksformen.

Eine weitere Aufgabe der kulturpädagogischen Arbeit ist die Herausbildung einer differenzierten Wahrnehmung und Sensibilität für die jeweiligen ästhetischen Ausdrucksformen. Kulturpädagogische Erziehung heißt Vermittlung von Erfahrungen und Erlebnissen mit künstlerischen Gestaltungsformen, gleichzeitig auch die Herausbildung von ästhetischer Genussfähigkeit und die Bildung entsprechender Bedürfnisse.

Kulturpädagogische Arbeit mit Kindern soll einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung leisten, kreative und künstlerische Neigungen und Fähigkeiten entwickeln und fördern, Kinder öffnen für die Eindrücke von Kunst und Ästhetik, letztendlich ihre Persönlichkeit stabilisieren und ihr Selbstbewusstsein stärken. Der Abbau von Ängsten, Hemmungen und Spannungen durch die Auseinandersetzung in der künstlerischen und kulturellen Arbeit mit der eigenen Person und im Austausch mit anderen Kindern sind wichtige pädagogische Ziele kultureller Bildung. „Soziales Lernen“ als Lernzielbereich umfasst soziale Kompetenzen, wie Kommunikationsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft, Ausdrucks- und Kontaktfähigkeit.

Die vier genannten Lernzielbereiche umfassen sowohl die Erziehungsziele einer künstlerischen Bildung, als auch wesentliche Ziele der Sozialpädagogik. Es ist Aufgabe innerhalb der Kinderkulturarbeit, diese verschiedenen Lernzielbereiche miteinander zu verbinden. Das bedeutet einerseits, qualifizierte künstlerische und kulturelle Angebote und Möglichkeiten zu initiieren und zu realisieren, andererseits, hierfür geeignete professionelle Fachkräfte zu beschäftigen, die sowohl eine künstlerische und kulturelle, als auch eine pädagogische Kompetenz besitzen.

„Die Kulturpädagogik darf nicht den Fehler machen, sich primär von der Beziehungsebene her zu verstehen und die sachbezogene Qualifikation als zweitrangig zu sehen. Wenn sie dieser Versuchung widersteht, wird sie die Erfahrung machen, dass gute menschliche Beziehungen anspruchsvolle gemeinsame Sachen zur Voraussetzung haben. Sonst bleibt nur Geschwätz, das weder Selbstbewusstsein noch Selbstwertgefühl steigern kann.“ (Giesecke, Hermann -1986)

Kinderzirkus in München am Beispiel von LILALU[Bearbeiten]

Die Kinderkulturarbeit ist als kulturpädagogisches Konzept zu betrachten, das in Kooperation mit Vereinen (Freien Trägern der Jugendhilfe), mit Schulen, Kindergärten, der Musikschule und auch mit Initiativen verwirklicht werden kann.

Kulturpädagogische Arbeit mit Kindern erfordert in Kooperation mit anderen Einrichtungen und Trägern der freien und öffentlichen Jugendhilfe die Ausbildung von Multiplikatoren und schließt die Fortbildung in kultur- und kunstpädagogischen Bereichen von Erzieherinnen und Erziehern, von Pädagoginnen und Pädagogen als nebenamtliche Mitarbeiter und Honorarkräfte mit ein.

Eine Angebotsform der kulturpädagogischen Arbeit mit Kindern stellt das Zirkusprojekt dar. Bei diesem Projekt sind die in der theoretischen Vorbemerkung angeführten Lernziele in ihrer gesamten Komplexität anzutreffen und für Kinder vermittelbar.

Folgende allgemeine und spezifische Lernziele beinhaltet die Zirkusarbeit mit Kindern:

  • Ausbildung sozialer und kommunikativer Fähigkeiten (Beim Gemeinschaftsunternehmen Zirkus wird das Erlangen kommunikativer Kompetenzen in vielfältigster Weise herausgebildet und gefördert. Beispiele dafür sind die verschiedensten Gremien der Kindermitverwaltung, zirzensische Aktivitäten wie Partnerakrobatik, Tanz, Theater, Clownerie und Pyramidenbau.)
  • Körperschulung und Herausbildung von künstlerischen Fähigkeiten
  • Initiierung von Sinneserfahrungen
  • Entwicklung von tänzerischer Beweglichkeit
  • Theaterschulung (Herausbildung von Improvisationstechniken, Körperausdruck und pantomimischen Fähigkeiten)
  • Aneignung von medialen Techniken
  • Musik- und Rhythmikschulung
  • Kunst- und Ästhetikerziehung
  • Herausbildung und Erweiterung des kulturhistorischen Horizonts (Kennenlernen der Zirkuswelt als Teil unserer Kultur)
  • Entdeckung von neuen Spielräumen in der Stadt und in den Stadtteilen
  • Schaffung eines Demokratieverständnisses durch Mitbeteiligung am Zirkusprojekt

Lernen für Kinder vollzieht sich innerhalb des Projekts indirekt, in der Beschäftigung mit einem Workshop, mit einem Thema, in der Lösung einer gemeinsamen Aufgabe, nämlich mit allen Kindern einen Zirkus zu realisieren. Unterschiedliche künstlerische Methoden verbinden sich, um gemeinsame Inhalte zu verwirklichen. Techniken und Kenntnisse vermitteln sich in unmittelbarem Umgang mit den künstlerischen Ausdrucks- und Gestaltungsformen, also nicht systematisch wie bei der Kursarbeit. „Workshops“ als Bezeichnung der einzelnen künstlerischen Arbeitsgruppen für Kinder sind in ihrer Zielrichtung offen und setzen an den Gegebenheiten und Voraussetzungen bei den Kindern an.

Das Zirkusprojekt als kulturpädagogisches Projekt ist in seiner Gesamtheit durchlässiger und flexibler als Kurse oder einmalige Veranstaltungen. Die gesamte Arbeit der Pädagoginnen und Künstler konzentriert sich auf die Wünsche und Bedürfnisse, sowie Anliegen und Probleme der Kinder. Innerhalb des Zirkusprojekts werden Elemente des Theaterspielens, Elemente der Musik, des Tanzes und der bildnerischen Gestaltung miteinander kombiniert. Neue mediale Techniken können ausprobiert werden, um eine Auseinandersetzung mit den angesprochenen Inhalten stattfinden zu lassen.

Das Zirkusprojekt als multimediales Projekt ist in seiner Weiterentwicklung - orientiert an den konzeptionellen Grundlagen der Kulturpädgogik - unbegrenzt. Allerdings sollten Angebote im Vordergrund stehen, die sowohl prozessorientiert, als auch produktorientiert konzipiert sind.

Inhalte des Zirkusprojekts müssen für die Kinder als zusammenhängendes Ganzes überschaubar sein und transparent gemacht werden. Jeder Teilschritt muss sich organisch in den pädagogischen Prozess einfügen.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Erweiterung von Spielräumen für Kinder innerhalb der Stadt. Das Zirkusprojekt ist offen, nicht nur für diejenigen, die an einem Workshop teilnehmen, sondern für alle Kinder, die in der Stadt leben. Darüber hinaus soll das Projekt Anlauf und Treffpunkt für Kinder werden, die einfach nur neugierig darauf sind, etwas zu erleben, sich kennenzulernen, sich auszutauschen.

Die Projektidee von Kinderzirkus in München als Angebot basiert auf einem ganzheitlichen Konzept, d. h. alle Aspekte der Persönlichkeit von Kindern werden berücksichtigt und miteinbezogen. Die Kinder sollen das Zirkusprojekt nach ihren Wünschen, Träumen und Vorstellungen entwickeln und gestalten. Hierfür muss von Seiten der Pädagogen und Künstler genügend Raum geschaffen werden.

Schlussfolgernd kann man feststellen, dass die kulturpädagogische Ausrichtung des Zirkusprojekts die konzeptionelle Grundlage bildet, die in praxisrelevante, erzieherisch definierbare und verantwortbare Projektprozesse einfließen muss.

Das Zirkusprojekt als eine kulturpädagogische Angebotsform für Kinder[Bearbeiten]

Die „drei Säulen“ von Kinderzirkusprojekten[Bearbeiten]


Kinderzirkusarbeit unter kulturpädagogischen Gesichtspunkten setzt auch in der Praxis Professionalität voraus. Unverzichtbar für die Realisation eines Projekts unter dieser Prämisse ist daher die Beschäftigung von Zirkusfachleuten, Künstlern, Pädagogen und die Ausbildung von Honorarkräften und nebenamtlichen Mitarbeitern. Basisvoraussetzung bildet die Bereitstellung von Zirkusequipment und die Schaffung von hierfür geeigneten Arbeitsbedingungen.

Das Projekt steht, neben dem organisatorischen Überbau, auf drei Säulen:

Der zirzensische Bereich (Zirkus- und Zirkusfachleute)[Bearbeiten]

Der Zirkus soll all das beinhalten, was einen „richtigen“ Zirkus ausmacht, sowohl was die Bereitstellung des Zirkusequipments betrifft, als auch die Vermittlung von zirzensischen Künsten. Darüber hinaus muss das engagierte Zirkusunternehmen auch ein Gespür für die Bedürfnisse und Interessen der Kinder, also pädagogische Kompetenz mitbringen.

Die „sonstigen“ Künstler (Tänzer, Schauspieler, Zauberer etc.)[Bearbeiten]

Zu 2.2.1.2 Wie bereits erwähnt, soll der traditionelle Volkszirkus realisiert werden, wie er zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch existierte. Die KünstlerInnen sollen über spezifische künstlerische und kulturelle Qualifikationen verfügen, sich mit den Traditionen der Volkskünste beschäftigt und eine Affinität zum Zirkus entwickelt haben.

Die Pädagogen (Kultur- und Sozialpädagogen)[Bearbeiten]

Die PädagogInnen, die in der Vorbereitung und Realisation des Projekts eingebunden sind, sind mit der Initiierung und Steuerung von pädagogischen Prozessen in allen Bereichen beauftragt. Eine genaue Arbeits- und Positionszuordnung der einzelnen MitarbeiterInnen ist erforderlich. Sie arbeiten mit den verschiedenen Zirkusfachleuten und Künstlern zusammen und haben optimale Bedingungen für die Spiel- und Lernatmosphäre von Kindern herzustellen.

Verbunden wird diese Säulenkonstruktion durch den organisatorischen und pädagogischen Überbau, das Projektmanagement. Dieses setzt sich aus höchstens drei Personen zusammen, die die Funktion der Vorbereitung, Verwirklichung und Auswertung des Projekts haben. Idealerweise sind dies Fachkräfte mit zirzensischer, kultureller und organisatorischer Kompetenz.

Die Inhalte der einzelnen Zirkusbausteine[Bearbeiten]

Die einzelnen Zirkusbausteine des Gesamtprojekts werden als Workshops über einen festgelegten Zeitraum (eine Woche) organisiert. Die Kurse dienen der Vermittlung zirzensischer Künste, sind als Kulturwerkstätten über einen Tag (z.B. im Bereich Theater, Tanz, Musik, Maskenbau und Theaterschminke), als Handwerkstätten (etwa im Requisitenbau, in der Kostümschneiderei), als Spiel- und Kreativangebote (Basteln, Malerei, Spielmobilaktivitäten), als medienpädagogisches Angebot, zum Beispiel Zeitungsredaktion, Radio- und TV-Studio, als Sportangebote im Spiel- und Freizeitbereich, z.B. Fußballturniere und Skateboardaktivitäten und als festumrissenes Tagesprogramm (Einkäufe, Küchendienste, Kindercafé, Aufräum- und Putzdienste) organisiert.

In München ist die Zirkus-Stadt ist offen für alle Kinder, die im Rahmen des Ferienpassangebotes der Stadt München teilnehmen möchten.

Für die Workshops ist die Teilnehmerzahl allerdings begrenzt. Eine Gruppengröße von 10 bis 15 Kindern soll nicht überschritten werden. Erfahrungswerte aus der pädagogischen Praxis lassen auch bei den Zirkusvorstellungen eine Teilnehmerbegrenzung sinnvoll erscheinen. Anmeldungen für die Workshops, die jeweils für eine Woche konzipiert sind und täglich mindestens vier Stunden Zirkustraining beinhalten, sind im Vorfeld erforderlich (Abwicklung über das Kinderinformationsbüro der Spiellandschaft Stadt).


Hier ein Überblick über die zirzensischen Aktivitäten in einem Münchner Zirkusprojekt:

Clownerie[Bearbeiten]

Clownsarbeit ist Körper- und Theaterarbeit. Der Clown hat die Aufgabe, „Spiegel“ der menschlichen Existenz zu sein, sich über Alltäglichkeiten lustig zu machen, kabarettistisch und komödiantisch menschliche Schwächen und Leidenschaften unter die Lupe zu nehmen. Der Clown ist die Seele des Zirkus und kann sich im ganzen Zirkusgeschehen einbringen, bei der Begrüßung der Zuschauer ebenso wie bei anderen Programmpunkten oder in den Pausen.

Jonglieren[Bearbeiten]

Die Jonglage als eine der ältesten zirzensischen Künste hat heute in Verbindung mit Äquilibristik und Akrobatik ihren festen Platz im Zirkusleben. Da Jonglieren leicht zu erlernen ist, ist die Kombination mit anderen künstlerischen Bereichen wünschenswert. Die Rolle des Jongleurs ist die des Gauklers, Schauspielers und Komödianten aus dem Bereich der Commedia dell´ arte.

Akrobatik[Bearbeiten]

Akrobatik bezeichnet die artistische Bewegungskunst der Zirkusleute. Man unterscheidet zwischen Bodenakrobatik, Luft- und Seilakrobatik, Partner- und Positionsakrobatik, Wurf- und Schleuderakrobatik, Adagio-Akrobatik, Leiterakrobatik, Äquilibristik (Akrobatik auf Geräten), Pyramidenakrobatik und Clownsakrobatik. Akrobatik ist Körperarbeit und setzt bei dem Bedürfnis von Kindern an, sich zu bewegen und physische Leistungen zu vollbringen. Die soziale Komponente, Gruppenzusammenhalt und Kommunikation, ist ein wesentlicher Faktor.

Hängendes und stehendes Trapez, Vertikalseil und Seiltanz[Bearbeiten]

Die Arbeit am Vertikalseil unter der Zirkuskuppel gehört wohl zu den faszinierendsten zirzensischen Künsten, die den Reiz des Zirkusbesuchs ausmachen. Die Arbeit an den oben genannten Geräten erfordert höchste körperliche und geistige Konzentration. Über den Dingen zu stehen, zu fliegen, sich der „Schwerelosigkeit“ auszusetzen, um in atemberaubender Höhe den Zuschauern ein Programm zu bieten, das in nicht zu unterschätzender „Gefährlichkeit“ vorgeführt wird, vermittelt den Kindern eine ungeheure Stärkung ihres Selbstbewusstseins. Seiltanz oder Drahtseilbalance fasziniert die Menschen von jeher. Mauern, Geländer oder Bordsteinkanten besitzen für die meisten Kinder eine magische Anziehungskraft, um ihre Balancierfähigkeit zu schulen, also ihr Gleichgewichtsgefühl zu stärken. Mit der gleichen Ausdauer beschäftigen sich Kinder bei der Drahtseilbalance, die an diese Bedürfnisse ansetzt und daher von ihnen leicht zu erlernen ist.

Zauberei[Bearbeiten]

Kinder sind ebenfalls fasziniert von Zauberei, Magie und unerklärbaren Taschenspielereien. Der Workshop hat die Aufgabe, Kindern diese Welt zu erschließen und sie in den Geheimbund der Magier einzuführen. Motorische Fähigkeiten wie Fingerfertigkeit und Geschicklichkeit, aber auch soziale Faktoren, wie Gruppenzusammenhalt und Verschwiegenheit, sind Bestandteile dieses Arbeitsbereichs.

Tiernummern[Bearbeiten]

Ohne Tiere, lebendige oder gespielte, ist jeder Zirkus undenkbar.

Pferde, Wegbereiter des ursprünglichen Zirkus im 17. Jahrhundert, sind die eindeutigen Favoriten bei den Kindern. In der Zusammenarbeit mit Pferden eröffnet sich für Kinder eine Palette von Möglichkeiten, zirzensische Künste mit Verantwortungsbewusstsein für andere Lebewesen in Einklang zu bringen.

Neben der Arbeit in der Manege beim Voltigieren, Kunstreiten, bei Dressurvorführungen oder Pferdeclownsnummern bietet sich für Kinder die Chance, intensiven Kontakt zu den Tieren aufzubauen, sie zu streicheln, zu versorgen und in ihrer Nähe zu sein. Auch bei anderen Tierarten wie Tauben, Ziegen oder Gänsen, die oft in einem Kleinzirkus vorhanden sind, stellt diese Art von Kommunikation einen besonderen Wert dar.

Darüber hinaus eröffnet der Umgang mit Tieren den Kindern neue und intensive Naturerfahrungen, wirkt der Entfremdung von der Natur entgegen, die nicht nur bei Kindern in Städten weit verbreitet ist.

Theater- und Tanzwerkstatt[Bearbeiten]

Theater- und Tanzworkshops bilden die Grundlagen für das Erlernen von Zirkustechniken. Theaterarbeit ist Körper- und Ausdrucksarbeit, stellt im wesentlichen das Rüstzeug für Kinder dar, um in die verschiedensten Rollen der Zirkuswelt schlüpfen zu können. Tanzen ist die Schulung der körperlichen Ausdrucksfähigkeit mittels Elementen der Musik. Kinder sollen lernen, Gefühle tänzerisch auszudrücken und in der Gruppe miteinander in Kommunikation zu treten, ohne verbalen Kontakt zu haben.

Die Theater- und Tanzwerkstatt bildet den Rahmen für die Entwicklung einer Choreographie der Aufführung. Hier finden Theaterworkshops statt zum Erlernen von Zirkuspräsentationen; hier gibt es Moderationsworkshops für ZirkusdirektorInnen. Im tänzerischen Bereich werden sowohl die Charivari (die Ouvertüre), als auch das große Finale einstudiert, was zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und zur Entwicklung eines Zusammenhalts im Projektgeschehen Zirkus beiträgt.

Das Zirkusorchester[Bearbeiten]

Keine Zirkuspräsentation ohne Musik, kein Zirkus ohne Orchester. Das Kinderzirkusorchester hat die überaus wichtige Funktion, die einzelnen zirzensischen Darbietungen auf Grundlage einer musikalischen Gesamtkonzeption zu inszenieren. Innerhalb des Workshops, der idealerweise bereits im Vorfeld zum Zirkuspark eingerichtet werden sollte (Zusammenarbeit mit Kulturreferat und Musikschulen), erlernen Kinder und Jugendliche, die bereits über Grundkenntnisse auf einem Musikinstrument verfügen, die verschiedensten Stücke aus klassischer, moderner und natürlich auch traditioneller Zirkusmusik.

Das Zirkusorchester inszeniert Musikideen der Kinder aus allen Workshops. Von Vorteil wäre es, wenn man einige Stücke vorher im Tonstudio aufnehmen könnte, da gegebenenfalls nicht alles während einer Vorstellung live präsentiert werden kann.

Kostümbildnerei und -schneiderei[Bearbeiten]

Kostümieren, Verkleiden, durch phantasievolle Kostüme und Accessoires in andere Rollen schlüpfen, das zu ermöglichen, ist Aufgabe der Kostümbildnerei. Der Workshop soll Kindern den Einstieg in ihre Zirkusrolle ermöglichen; Er ist ein ebenfalls übergreifender Workshop, der sich an alle Zirkuskinder richtet. Eine Kostümrequisite wird für dieses Angebot bereits vor Beginn des Projekts zusammengestellt (z.B. ausgemusterte Garderoben von anderen Zirkusunternehmen, Second Hand Shops, Fundus verschiedenster Fernsehanstalten und Theaterbühnen).

Im Kostümzelt sollten mindestens zwei Kostümbildnerinnen arbeiten.

Schmink- und Malwerkstatt[Bearbeiten]

Im Schmink- und Malzelt erlernen die Kinder Techniken und Grundlagen des Schminkens und der Maskenbildnerei, die ihnen spielerisch nahe gebracht werden sollen. Hier können sie experimentieren, erfahren etwas über die Arbeit der Maskenbildnerin und sollen letztlich in die Lage versetzt werden, ihre eigene Maske für die Rolle zu entwerfen und anzufertigen.

Die Malwerkstatt schafft kreative Räume für Kinder, in denen sie ihre Zirkuserlebnisse künstlerisch verarbeiten können. Eine Ausstellung zum Thema des Projekts kann Abschluss und Höhepunkt dieser Werkstatt werden.

Weiterhin werden hier Kulissen hergestellt und bemalt, Hinweistafeln und Aufschriften produziert. Außerdem können hier die Zirkusbuttons bemalt, Logos entworfen und Bilder für die Zirkuszeitung gestaltet werden.

Weitere Angebote und Werkstätten[Bearbeiten]

  • Radiostudio
  • TV-Studio (TV-Kinderzirkus München)
  • Kindercafé / Kinderküche
  • Orientalisches Märchenzelt
  • Internet-Zelt
  • Zeitungsredaktion
  • Verkaufswagen für Süßigkeiten
  • Spielmobilangebote
  • Sportangebote (Fußball, Inlineskating, Skateboard)


Partizipation ermöglichen- Das Zirkusprojekt als Mitbestimmungsmodell für Kinder[Bearbeiten]

Kinder erleben schon sehr früh, dass ihre Möglichkeiten, über ihr Leben zu bestimmen und mitzuentscheiden, begrenzt sind. Der Kinderalltag ist voller Verpflichtungen und Festlegungen, denen sich Kinder nicht oder nur schwer entziehen können. Gesellschaftlich werden spätestens mit Eintritt in den Schulalltag messbare Leistungen erwartet. Spielräume in der Stadt sind begrenzt. Kinder erleben allzu oft Ohnmachtsgefühle gegenüber zubetonierten Wohnvierteln und dem wachsenden Autoverkehr.

Gegentendenzen auf gesetzlicher Ebene, nicht zuletzt durch das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG), das 1990 in Kraft getreten ist, und durch die Konvention der UNO, entwickeln sich langsam und sind zunächst einmal nur Rechte, die auf dem Papier stehen und von den Kindern im Alltag „eingeklagt“ werden müssen.

Aneignung von Lebensrealität, Erfahrungen machen zu können, den gesellschaftlichen Prozessen nicht ohnmächtig ausgeliefert zu sein, Mitgestalten des eigenen Lebens und Mitverantwortung in Politik- und Planungsgeschehen tragen zu lernen, sind von evidenter Bedeutung im kinderkulturpädagogischen Kontext. Die Herausbildung eines Demokratieverständnisses bei Kindern bildet dabei das Fundament aller theoretischen Überlegungen. Hervorragende Beispiele finden wir bereits in vielen Spiel- und Projektaktionen auf bundesweiter Ebene.

Die emanzipatorische Funktion der Kulturpädagogik setzt an der Erkenntnis an, dass Kultur keinen vom Kinderalltag losgelösten, isolierten Bereich darstellt, sondern Bestandteil der sie umgebenden Gesellschaft ist.

Mitbestimmung oder Partizipation hat die Funktion, einen Beitrag zur Selbstverwirklichung von Kindern zu leisten, Entfremdungsmechanismen (von sich selbst und von der Welt) entgegenzuwirken.

Dabei geht es um mehr, als um einen Entwurf von Bildern von Modellprojekten, die Einmaligkeitscharakter haben. Es geht um die ernste Absichtserklärung von PädagogInnen, Kindern reale Chancen und Möglichkeiten zu vermitteln, ihren Alltag zu gestalten, ihr Leben in eigener und gemeinsamer Regie zu führen.

Monika-Anna Seliger