Klavier: Boogie Woogie

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Viele Pianisten mögen den Boogie Woogie-Stil. Deshalb möchte ich hier denen, die Boogie Woogie auf dem Klavier spielen möchten, aber nicht so richtig wissen, wie sie es machen sollen, zeigen. Am Ende solltest du in der Lage sein, ein einfaches Leedsheet auf dem Klavier beidhändig im Boogie-Woogie-Stil spielen können.

Das Swing-Feeling[Bearbeiten]

Das Swing-Feeling ist eine Spielanweisung, die meistens oben über der ersten Zeile steht. Es ist beim Boogie Woogie unbedingt zu verwenden. Weiterhin wird es aber auch - wie der Name schon sagt - im Swing, im Shuffle und selten auch im Jazz eingesetzt. Dabei gibt es zwei verschiedene Notationen, die beide sehr ähnlich - jedoch nicht gleich - klingen. Meistens werden die Achtel- oder - vom Tempo abhängig - die Sechzehntelnoten anders gespielt. Wenn es sich um Noten für Anfänger handelt, können aber durchaus auch die Viertelnoten betroffen sein, da eine Viertelnote im Tempo 120 Schläge / min genauso lange andauert, wie eine Achtelnote im Tempo 60 Schläge / min (Für Boogies typisch ist übrigens das Spieltempo 120 Schläge / min).

Variante 1: Triolisch spielen[Bearbeiten]

Zwei Achtelnoten werden wie eine Viertel- und eine Achtelnote in derselben Zeit gespielt. Beispiel:


Swingfeeling variante1.png


Variante 2: Mit Punktierung[Bearbeiten]

Zwei Achtelnoten werden wie eine punktierte Achtelnote und eine Sechzehntelnote gespielt. Beispiel:


Swingfeeling variante2.png


Die erste Variante klingt dabei etwas lockerer und sie ist auch die Variante, die ich bevorzuge. Die zweite Variante klingt meiner Meinung nach "abgehackter", ist jedoch für Anfänger leichter umzusetzen.

Intervalle[Bearbeiten]

Leadsheets haben meist keine Intervalle, dabei können diese jedoch den Boogie Woogie-Stil verstärken. Du solltest es vermeiden, sogenannte Power-Chords einzubauen (ein Akkord ohne Terz). Beachte, dass der Ton, der am meisten klingt, immer der oberste ist. Sollte es der in der Blues-Tonleiter häufig vorkommende Ton B (Bb) sein (C-Dur), so kann man an dieser Stelle mit der rechten Hand einen C7-Akkord in der Grundform spielen. Interessant klingt es auch, wenn man den fünften (g) oder dritten Ton (e) weglässt.

Generell kann man aber öfters bei einem reinen Dur-Akkord die kleine Septime, die Quinte und / oder die (große) Terz unten anfügen. Sekunden werden so gut wie gar nicht verwendet.

Allerdings solltest du auch nicht zu viele Intervalle / Akkorde einbauen. Oftmals genügt auch nur eine Prime.


Bassfiguren[Bearbeiten]

Wichtig für den Boogie ist die linke Hand. Ich möchte dir hier die bekanntesten Bassfiguren zeigen. Achte darauf, dass du eine Variante des Swing-Feelings verwendest.


Boogie lefthand.png


Die unterschiedlichen Figuren sind mit Doppelstrich voneinander getrennt. Alle Figuren können sowohl auf der beschrieben als auch auf der darunterliegenden Oktave gespielt werden.


Betonung der Schläge[Bearbeiten]

Für die Schläge gilt eine bestimmte Betonung:

Xx Xx Xx Xx

Die Viertelschläge (1, 2, 3, 4) werden alle gleich betont. Nur die Achtelnoten unterscheiden sich von der Betonung. Zum Vergleich die "normale" Betonung:

X x X x

Da ist die Betonung nur für die Viertelschläge (1, 2, 3, 4) entscheidend.


Begleitung mir der rechten Hand[Bearbeiten]

In diesem Buch geht es hauptsächlich um die rechte Hand beim Melodiespiel. Hier aber noch ein kleiner Hinweis, sollte die rechte Hand nur ein anderes Instrument oder einen Sänger begleiten: Damit die rechte Hand nicht funktionslos wird, kann sie parallel zur linken Hand eine Art "zweite Begleitung" spielen:


Bei C: c + e + c oder c + g + c (als Akkord)

Bei F: c + f + c' oder f' + a' + f (als Akkord)

Bei G: h' + d + h oder g' + h' + g (als Akkord)


Diese Akkorde sind in gemäßigter Lautstärke als Achtelnoten zu spielen.

Zusammensetzen[Bearbeiten]

Nun kannst du, wenn du alle Fakten geprobt hast, alles zusammensetzen. Ich möchte dir das an dem Beispiel "The Battle Hymne Of The Republic" zeigen:

Leadsheet orginal bhor.png


Zu beachten ist das Swing-Feeling. Besonderheiten: Der D-Moll-Akkord kann in C-Dur oft durch den F-Dur-Akkord ersetzt werden. Bei dem A-Moll- und E7-Akkord wurde improvisiert. Problem beim E7-Akkord: Zwar könnte man einfach eine Bassfigur in E-Dur (vier Töne nach oben oder 8 Töne nach unten) transponieren (der siebte Ton sollte bei der gewählten Figur nur bei der rechten Hand zur Geltung kommen). Allerdings klingt das C# (Cis) nicht sonderlich gut. Auch hier wurde improvisiert.