Latein/ Geschichte der lateinischen Sprache

Aus Wikibooks
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die lateinische Sprache wurde ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen, nach denen die Region Latium, mit Rom als Zentrum, in Italien ihren Namen hat. Es gehört somit zu den italischen Sprachen, die zur indoeuropäischen Sprachfamilie zählen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.

Entwicklung[Bearbeiten]

Ursprünglich wurde Latein nur in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen. Latein wurde später neben Griechisch Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom die Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein. Seit der Völkerwanderung und der Katholisierung der (vorher arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundswesen (Diplomatik) im frühen Europa. In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. der Westfälische Friede von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften, und verliert durch die fortschreitende Absorbtion in die Englische Sprache und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung.

Latein in der Kirche[Bearbeiten]

Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken).

Latein in den Wissenschaften[Bearbeiten]

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind nur noch lateinische Fachbegriffe geblieben, in den Rechtswissenschaften werden grundlegende Begriffe lateinisch zitiert. Zahlreiche Sprichwörter haben lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden.

Modernes Latein[Bearbeiten]

Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das "lexicon auxiliare" oder das vom Vatikan herausgegeben "lexicon recentis latinitatis". Und ein finnischer Rundfunksender verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Zu guter Letzt gibt es auch eine (gar nicht so kleine) Version der Wikipedia auf Latein.

Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio gesungen von Enya oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic-Subkultur. Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst.

In der klassischen, beziehungsweise neoklassischen Musik, findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der belgische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk "Flamma" ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk "Terra Terra" hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst.