Lehren, Lernen und Bildung metaphorisch verstehen/ Denkwerkzeuge/ Bildungstheorien/ Formale Bildungstheorie

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Einleitung[Bearbeiten]

Als einer der bedeutendsten lebenden Erziehungswissenschaftler der letzten 50 Jahre, untersuchte Wolfang Klafki die klassischen Bildungstheorien und versuchte die Grundlagen herauszufinden. Aus diesem Grunde erforschte er in den 1960er Jahren die Allgemeinbildung. Dies hatte die Folge zweier Bildungstheorien: Die formale und materiale Bildungstheorie.

Bei der formalen Bildungstheorie steht das Kind und seine/ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt. Daher ist die formale Bildung auf das Subjekt bezogen. Die materiale Bildungstheorie beschäftigt sich mit den Inhalten und steht mit ihren objektiven Bezug der formalen Bildungstheorie gegenüber. (vgl. http://www.grin.com/de/e-book/123838/bildungstheoretische-didaktik)

Im Weiteren wird in diesem Unterkapitel die formale Bildungstheorie hinsichtlich der analytischen und normativen Dimension genauer betrachtet und zum Schluss kritisiert.

Gegenstandsbereich[Bearbeiten]

Die formale Bildungstheorie beschäftigt sich hauptsächlich mit Bildung im schulischen Kontext und bennent einen "Satz Methoden und Kompetenzen", um den Bildungsbegriff zu definieren, so Jank und Meyer in ihrer sekundärliteratur zu verschiedenen Bildungstheorien (Jank und Meyer 2008, 213). Die benannten Bildungsinhalte werden dabei aus der Sicht des Individuums (ebd.) begründet und umfassen im Wesentlichen Kompetenzen, Methoden und Persönlichkeitsbildung und weniger Wissen. Es geht nach ihnen also mehr um die Fähigkeit sich neues Wissen anzueignen, als tatsächliches Faktenwissen. Die formale Bildungstheorie stellt damit einen Kontrast zur Theorie der materialen Bildung dar, die in einem der kommenden Kapitel aufgeführt wird.

Analytische Dimension[Bearbeiten]

Formale Bildungstheorie nach Jank & Meyer 2008, S. 263

Das Schaubild "Materiale und formale Bildungstheorien" (Jank und Meyer 2008, 213) stellt sowohl die materielle, als auch die formale Bildungstheorie dar. Im Folgenden werden wir uns mit der formalen Bildungstheorie beschäftigen. Das Modell dient der Verdeutlichung der oben beschriebenen Differenzierung der formalen Bildung in zwei Varianten. Es wird aus Übersichtlichkeit nur die rechte Seite des Modelles dargestellt.

In dem Modell wird die ´formale Bildungstheorie´ in zwei Unterkategorien aufgespaltet, zum einen die "Theorie der funktionalen Bildung" und zum anderen die "Theorie der methodischen Bildung". Die "Theorie der funktionalen Bildung" sieht eine Person als gebildet an, wenn diese "die in ihm schlummernden körperlichen, geistige und seelischen Kräfte tatsächlich entfaltet hat" (Jank und Meyer 2008, 213). Ein Beispiel hierfür wäre das Erkennen der eigenen geistigen oder körperlichen Fähigkeiten. So gilt nach dieser Definition auch ein Sportler, der ein Hindernis überwindet indem er seine körperlichen Fähigkeiten entfaltet und dies erkennt als gebildet. Weitere Grenzen siehe Kritik. Die "Theorie der methodischen Bildung" sagt hingegen, dass ein Mensch gebildet ist, wenn er "das Lernen gelernt hat, Methoden beherrscht und instrumentelle Fähigkeiten aufgebaut hat" (Jank und Meyer 2008, 213) . Es wird von dem Standpunkt der zu erziehenden SuS ausgegangen und ihren (vermuteten) subjektiven und objektiven Bedürfnissen, als Bildung. Das Verhalten und mögliche Verhaltensformen, die für SuS wichtig sein könnten, stehen im Mittelpunkt dieser Bildungstheorie. "Sie beschreiben einen Satz von Methoden und Kompetenzen, die die Menschen brauchen, um in der Welt, in der wir leben, handlungs- und entwicklungsfähig zu werden und zu bleiben" (Jank und Meyer 2008, 213). Als Beispiel hierfür nennen Jank/Meyer die Romane "Titan" von Jean Paul und " Wilhelm Meisters Lehr- und Wanderjahre" von Johann Wolfgang Goethe.

Normative Dimension[Bearbeiten]

In einfachen Worten sagt die methodische Bildungstheorie aus, dass ein Mensch allein durch das Wissen, wie man zu lernen hat, gebildet ist (vgl.: Jank und Meyer 2008, 213). Dadurch sollen praktisch beliebige Inhalte gelernt und Fähigkeiten auch lebenslang selbst weiterentwickelt werden.

Die Frage, die hierbei entsteht ist, ob ein Mensch ohne jegliche Bildung als gebildet anerkannt wird. Der zwar weiß wie man sich Bildung aneignet, aber trotz dessen diese Theorie nicht in seinem Leben umsetzt.

Jedoch ist man auch dann gebildet, wenn man die Stärken, die man besitz, umsetzt und so diese entfaltet, dies besagt die funktionale Bildungstheorie (vgl.: Jank und Meyer 2008, 213). Mit Kräften sind hierbei die Stärken der Menschen gemeint, wie die körperliche, seelische oder geistige Kraft.

Dabei stellt sich die Frage, ob ein Mensch, welcher in Wirklichkeit eine Stärke besitzt, jedoch diese noch nirgends eingesetzt hat, als ein gebildeter Mensch angesehen werden kann. Oder wird diese Person doch als ein Ungebildeter abgestempelt, da die formale Bildung die Entfaltung der eigenen Kräfte voraussetzt.

Das Ziel dieser Bildungstheorie ist die Entwicklung und Beherrschung von Methoden mit deren Hilfe Lebenssituationen in der Zukunft bewältigt werden können. (vgl.: Klafki, Wolfgang: Studien zur Bildungstheorie und Didaktik, 1959, S.33)

Kritik[Bearbeiten]

Zusammengefasst fallen einige Probleme bzw. Grenzen in der „formalen Bildungstheorie“ auf.

Jank/Meyer sind sich in ihrem Buch „Didaktische Modelle“ bewusst, dass die formale Bildungstheorie nicht alleine Bestand hat. Bis zum Verfassen des Buches ist es allerdings niemandem gelungen eine allgemein gültige Bildungstheorie zu entwickeln. Es wird die Vereinigung von der „formalen Bildungstheorie“ mit der „materialen Bildungstheorie“ vorgeschlagen.

So werden Individuen, aus unserer Sicht, als gebildete Subjekte angesehen, indem nur ihre Bildung bzw ihr wachsender Bildungsstand betrachtet wird. Dadurch wirkt das Modell bzw. die Theorie sehr ideologisch. Keine Person strebt nur einen wachsenden Bildungstand an. Auch die Erziehung und soziale Kompetenzen sind von Bedeutung.

Des Weiteren sind uns einige Grenzen aufgefallen bzgl. der Theorie der funktionalen Bildung. Grenzen dieser Bildungstheorie liegen in erster Linie bei der Entfaltung der inneren Kräfte (im Bezug auf die funktionale Bildung): Wie sind sie messbar? Sind sie es überhaupt? Ist Individualität vorhanden, wenn jeder Mensch die gleichen Kräfte besitzt? – Jeder Mensch soll sich frei entfalten und wird sich auf andere Art und Weise als sein Nachbar entfalten. Allerdings geht aus diesem Schaubild nicht hervor, ob es unterschiedlich hohe Ausprägungen dieser Kräfte gibt oder ob eine Kraft eine andere ausgleicht und somit stärker ausgeprägt ist als eine andere. Was ist mit geistig oder körperlich beeinträchtigten Menschen? – Sie besitzen in Anbetracht ihrer Behinderung eine weniger große bestimmte Kraft. Hat eine geistige Behinderung eine schwach ausgeprägte geistige Kraft zur Folge und sind somit die anderen vielleicht stärker ausgeprägt zum Ausgleich? All das sind Fragen, die von dieser Theorie und diesem Schaubild nicht oder nur unvollständig beantwortet werden. Die methodische Bildung lässt weniger Grenzen offen. Allerdings ist dieser Teil auch nicht frei von Problemen: Diese Theorie geht davon aus, dass jeder gebildet ist, der das „Lernen gelernt hat“, also mit Methoden umgehen kann. Genau darin kann eine Grenze gesehen werden, anscheinend reicht es aus, zu wissen wie man sich Wissen aneignet und schon ist man gebildet. Es bleibt fraglich, ob dieses Modell problemlos in der Praxis anwendbar ist.

Daher könnte man zu dem Schluss kommen, dass die Kombination aus beiden Theorien, also funktionaler und methodischer Art, wahrscheinlich ausschlaggebend ist, um als gebildet zu gelten.

Literatur[Bearbeiten]