Linux-Praxisbuch/ Grafische Benutzeroberflächen

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Grafische Benutzeroberflächen[Bearbeiten]

Grafische Benutzeroberflächen (Desktops)[Bearbeiten]

Im Unterschied zu Betriebssystemen wie Windows, Mac OS X und OS/2 verfügt Linux nicht über eine integrierte grafische Oberfläche, sondern unterstützt eine Vielzahl von sogenannten Desktop-Environments. Unter einem Desktop-Environment (Schreibtischumgebung) versteht man die technische Umsetzung des Desktop-Modells, also eine integrierte grafische Oberfläche für den Computer, die allen dafür geschriebenen Programmen ein einheitliches Look&Feel gibt, eine Infrastruktur zur Zusammenarbeit zwischen Programmen (z. B Drag&Drop zwischen unterschiedlichen Anwendungen) liefert und dem "Bildschirmhintergrund" eigene Funktionalität (z. B. globale Menüs, Icons auf dem Bildschirmhintergrund, Programmleiste) verleiht. Die unter Linux meist benutzten sind KDE und Gnome, jedoch sollten auch kleinere wie Xfce, Fluxbox, etc. beachtet werden, da diese kleiner und damit schneller und für viele angenehmer zu warten und benutzen sind.

KDE[Bearbeiten]

Der KDE-Desktop

KDE, kurz für K Desktop Environment (ursprünglich Kool Desktop Environment), versucht eine vollwertige, konsistente und leicht bedienbare Oberfläche für Unix-Systeme zu sein, analog zu Windows oder Mac OS. KDE hat dabei eine sehr ausgereifte, komponentenbasierte Basisarchitektur, deren Ziel es ist, alle Anwendungen möglichst gut untereinander zu integrieren.

So wird z.B. allen Anwendungen ermöglicht, verschiedene Ein- und Ausgabequellen, sogenannte KIO-Slaves, zu verwenden. Das ist besonders interessant, wenn man z.B. eine sftp-Verbindung benötigt um ein KOffice-Dokument von einem entfernten Rechner zu beziehen und diese direkt im Öffnen-Dialog nutzen kann.

Zusammen mit sogenannten KParts, die es ermöglichen Dokumente beliebiger KDE-Programme einzubinden, ermöglicht dies eine von anderen Systemen ungekannte Integration. Diese wird im, von manchen GNOME-Anhängern als überladen empfundenen, Konqueror, dem Multifunktionsbrowser von KDE, genutzt, um nahezu alle alltäglichen Formate bereits im Browser anzeigen zu können. Besonders erwähnenswert ist hier KHTML, der HTML-KPart von KDE, der auch von Apple für den Safari-Browser verwendet wird und der allen KDE-Anwendungen somit eine leistungsstarke Webbrowser-Komponente bereitstellt. Da die KDE-Komponenten in der Regel ressourcenschonend sind, kann man KDE auf nahezu jedem aktuellen Rechner voll ausschöpfen.

KDE offeriert eine Menge von Anwendungen, z.B. KOffice (ein Büropaket), KDevelop (eine Entwicklungsumgebung) oder Kontact (ein Groupware-Client) die (fast) alle ein "K" vor dem Namen haben. Daher sind KDE-Programme in der Regel leicht zu erkennen. Diese Anwendungen sollen es ermöglichen, dass KDE möglichst alle Alltagsanwendungen bereits eingebettet mitliefern kann und anders als GNOME nicht so abhängig von anderen OpenSource-Projekten wie OpenOffice, Mozilla oder Ximian ist.

Das KDE Projekt ist weitgehend vergleichbar zum GNOME Projekt, welches eine ähnliche Zielsetzung verfolgt. Zusammen mit einem frei verfügbaren Unix-Derivat wie Linux, hat man damit eine komplett freie und offene Rechner-Plattform, die jedem kostenlos zugänglich ist, inklusive dem Quellcode, der von jedem verändert werden kann.

Die inzwischen in KDE Software Compilation umbenannte Desktop-Umgebung ist zur Zeit in der Version 4.12 verfügbar.

Der auf dem ursprünglichen Quelltext von KDE3 basierende Fork Trinity Desktop Environment pflegt und entwickelt den alten Zweig weiter.

Weitere Informationen zu KDE4 finden Sie auf der KDE Homepage.

GNOME[Bearbeiten]

Der GNOME-Desktop

GNOME, kurz für GNU Network Object Model Environment, enthält unter anderem eine leicht zu bedienende Desktop-Umgebung für Linux- und Unix-Systeme. Es kombiniert eine flexible, graphisch anspruchsvolle Arbeitsumgebung mit den technischen Vorteilen eines unixoiden Systems. Anwender dieser Desktop-Umgebung schätzen die ausgereiften Applikationen, bei denen oft auf überflüssigen Ballast verzichtet wird.

Die Oberfläche ist vollständig objektorientiert aufgebaut, was bedeutet, dass Objekte (wie z.B. Verzeichnisse, Dateien, Programme) als eigene Fenster dargestellt werden, was dem Benutzer vom Alltagsleben her verständlicher erscheint. So kann dieser sich den Desktop als eine Oberfläche vorstellen auf der verschiedene Aktenordner, Dokumente und eventuell ein Taschenrechner herumliegen. Dieses Verhalten kann jedoch verändert werden.

GNOME ist freie Software (unter der GNU LGPL und GPL) und, wie KDE, kein Produkt eines einzigen Unternehmens, sondern wird von vielen freien Mitarbeitern, die von verschiedenen Unternehmen unterstützt werden, weltweit entwickelt. Die Entwicklung wird dabei hauptsächlich über das Internet koordiniert.

Zur Zeit ist GNOME in der Version 2.22.2 verfügbar.

Weitere Informationen finden Sie auf der GNOME Homepage.

Xfce[Bearbeiten]

Der Xfce-Desktop

Xfce ist eine ressourcenschonende und schlanke Open Source Desktop-Umgebung. Es besteht aus einer Vielzahl von kleineren Komponenten, die frei anpassbar sind und so für Schnelligkeit garantieren.

Der Desktop besticht hier mehr durch das "weniger" - während KDE und GNOME für einige zu klobig und schwerfällig wirkt, ist Xfce eine gelungene Alternative. Es unterstützt Drag 'n Drop und ist zu KDE und GNOME kompatibel, wodurch der Anwender praktisch keine Einbußen an der Leistungsfähigkeit erleiden muss.

Zur Zeit ist Xfce in der Version 4.10 verfügbar. Eine der Hauptneuerungen dieser Version ist der neue MIME-Typen-Editor, mit dem sich bequem die Dateitypenzuordnung konfigurieren läßt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Xfce Homepage.

Grafische Benutzeroberflächen (Fenstermanager)[Bearbeiten]

Fluxbox[Bearbeiten]

Ist auf Distributionen, wie antiX (basiert auf Debian Testing) oder Damn Small Linux (basiert ebenfalls auf Debian GNU/Linux) zu besichtigen und läuft auch noch auf einem K6 Prozessor und 32MB RAM super flüssig, mehr dazu in der Wikipedia.

Blackbox[Bearbeiten]

AfterStep[Bearbeiten]

http://www.afterstep.org/ (verwandt mit dem Litestep desktop ersatz fuer win32: http://www.lsdev.org/)

IceWM[Bearbeiten]

IceWM mit dem Mandriva Linux 2005-Theme

IceWM ist ein einfacher Fenstermanager für das X-Window-System. Er ist auch auf älteren Computern noch schnell, einfach zu bedienen und anpassbar.

Für IceWM gibt es eine vielzahl an vorgefertigten Designs (Themes). Er verfügt über ein Windows-ähnliches Menüsystem und eine Taskleiste, mehrere Arbeitsflächen und kann komplett über die Tastatur bedient werden.

Im Moment ist IceWM in 25 Sprachen übersetzt, u.a. Deutsch. Die aktuelle Version ist 1.2.23.

OpenBox[Bearbeiten]

http://openbox.org/wiki (Englisch)

Enlightenment[Bearbeiten]

Diese Oberfläche zielt ab auf ein augenfälliges Design. Wer es gerne bunt und verspielt hat oder gerne am Monitor meditiert, findet schnell seine Freude daran. Es gibt mit Abstand die meisten Desktopthemes für Enlightment zum freien Herunterladen im Internet. Mit einem solchen Theme kann man nicht nur das Hintergrundbild verändern, wie das bei manchen anderen Benutzeroberflächen der Fall ist, sondern man kann das Erscheinungsbild damit komplett verändern. Wer einen schnellen Computer sein Eigen nennt, sollte Enlightenment ausprobieren. Im Vergleich zu anderen Desktopumgebungen ist Enlightenment extrem ressourcenschonend und glänzt trotzdem mit einer Vielzahl an Effekten sowie Konfigurationsoptionen und sieht dabei auch noch sehr gefällig aus.
Nachdem die Veröffentlichung von Version 0.17 (E17) fast 12 Jahre (Weihnachten 2012) auf sich warten liess, ist die aktuelle Version 0.18 (E18) mit zahlreichen Neuerungen nach nur einem Jahr zu Weihnachten 2013 erschienen.

WindowMaker[Bearbeiten]

Ion[Bearbeiten]

Ion (http://modeemi.cs.tut.fi/~tuomov/ion/) ist ein Fenstermanager, der speziell darauf ausgerichtet ist, die Arbeit mit der Maus überflüssig zu machen. Für Programmierer z.B., die sich auf das tatsächliche Schreiben von Code konzentrieren wollen (Schreiben bedeutet Arbeit an der Tastatur, auf die Maus angewiesen zu sein stört da logischerweise), ist Ion eine gute Lösung, da es auch "Tabbed Windows" unterstützt, das heißt, dass alle Fenster immer maximiert sind, aber verschiedene Tabs die Fenster zugänglich machen.

Einen einzelnen Bildschirm kann man splitten, also in zwei Bildschirme zerlegen, welche dann wieder gespalten werden können. Für Menschen, die viel an der Tastatur arbeiten, und für die die Arbeit mit der Maus eher ein Hindernis darstellt, ist Ion wahrlich einen Blick wert. Entsprechend gibt es einen noch 'leichteren' Fensterverwalter namens "ratpoison" (Rattengift - die Computermaus als Ratte verstanden). Dieser kommt gar ohne Fensterdekorationen aus und erfreut - von den Tastaturkürzeln her - althergebrachte Emacs-nutzer.