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Materialwirtschaft: Beschaffung: Eigenfertigung oder Fremdfertigung

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Überblick: "make or buy"-decision

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Gelegentlich stellt sich für ein Unternehmen die Frage, ob es bei hohen Beschaffungszahlen von bestimmten Gütern noch wirtschaftlich ist, diese von Dritten zu bestellen, statt sie selbst herzustellen. Dies gilt insbesondere wenn man bedenkt, dass ein Unternehmen durch Eigenfertigung Unabhängigkeit gegenüber Lieferanten gewinnt, sich die Lieferzeiten drastisch verkürzen können und es die Qualität der Produkte besser unter Kontrolle hat.

Doch wann lohnt es sich, in Eigenfertigung herzustellen? Wenn die Kosten für die Eigenfertigung geringer sind als die für den Fremdbezug.

Die Methode um die Menge festzustellen, an der die Eigenfertigung günstiger ist, stammt aus der Teilkostenrechnung und wird hauptsächlich für die Frage verwendet, ob es lohnenswert ist, die eigene Produktion an eine Fremdfirma zu übertragen (Stichwort Outsourcing). Doch sie lässt sich auch für unsere Zwecke nutzen.

Dazu müssen wir jedoch einen kurzen Ausflug in die Teilkostenrechnung (auch Deckungsbeitragsrechnung genannt) machen. In der Teilkostenrechnung unterscheidet man zwei verschiedene Kostenarten:

  • Fixe Kosten: Kosten, die unabhängig von der Produktionsmenge anfallen, z.B. Miete, Gehälter, kalkulatorische Zinsen, zeitlich bedingte Abschreibung
  • Variable Kosten: Kosten, die pro produziertem Stück anfallen, z.B. Lohnkosten, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, variable Abschreibung

Bei Fremdfertigung fallen in der Regel nur variable Kosten an. Bei Eigenfertigung kommen die Fixkosten hinzu.

Bedingung, dass jemals eine Eigenfertigung wirtschaftlicher sein kann ist, dass deren variable Kosten geringer sind, als die der Fremdfertigung. Die Differenz zwischen beiden variablen Kostenbeträgen wird genutzt, um die fixen Kosten mit jedem Stück mehr zu decken (Fixkostendegression), bis diese komplett abgedeckt sind. Ab diesem Punkt wird im Vergleich zur Fremdfertigung ein höherer Gewinn erwirtschaftet.

Zeichnerische Bestimmung

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An dem folgenden Diagramm können wir erkennen , wie sich die Kostendifferenz zwischen Eigen- und Fremdfertigung immer weiter verringert, bis zu dem Schnittpunkt der beiden Geraden, an dem die beiden Kosten gleich sind. Danach ist die Eigenfertigung wirtschaftlicher. Der Bereich, in dem beide Fertigungsarten am günstigsten sind, ist rot hervorgehoben.


Rechnerische Bestimmung

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Da wir nun mehr wissen, dass der Schnittpunkt von zwei Geraden gesucht wird, können wir es auch rechnerisch lösen. Dazu brauchen wir jedoch zunächst einmal die Geradengleichung, die sich wie folgt zusammensetzt:

= Gesamtkosten
= fixe Gesamtkosten


Beispiel


Aufgrund von Qualitätsproblemen überlegt die Queja AG, von ihrem bisherigen Lieferanten für die Bauteil Q38 auf Eigenfertigung umzusteigen.

Nach Berücksichtigung aller Vertriebskonditionen ergibt sich ein Einstandspreis von 7.50 €/Stk bei dem Lieferanten. In Eigenfertigung könnte man die variablen Kosten auf 6 € reduzieren, jedoch fallen auch 200000 € fixe Kosten je Periode an.

Schnittpunktberechnung:

Ab einer Menge von 133334 Stück ist die Eigenfertigung für die Queja AG günstiger als der Fremdbezug.


Übungsaufgaben

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Übung 1


Für das Bauteil Q39 wird überlegt, ob von Fremdfertigung auf Eigenfertigung umgestellt wird. Der jetzige Lieferant bietet einen Einstandspreis von 9 €. Bei Eigenfertigung wird mit variablen Kosten von 4 € und fixen Kosten von 60000 € gerechnet.

Ermitteln Sie die Menge, ab der die Eigenfertigung günstiger ist



Übung 2


Das Bauteil Q37 wird bereits in Eigenfertigung hergestellt. Der Schnittpunkt der Kostengeraden von Eigen- und Fremdfertigung liegt bei einer Menge von 69857 Stück. Die fixen Kosten betragen 209571 €. Wie hoch ist der Einstandspreis des Lieferanten, wenn die variablen Kosten bei Eigenfertigung um 1/3 niedriger sind?